Ausgabe 
17.6.1930
 
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Nr. 159 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Dienstag, 17. Zuni (950

Turnen, Sport und Spiel.

Kaustbattmeisterfchaflsspiele der Gaugruppe Main-Lahn O.T.

Aus den in der Vorschau erwähnten fünf Turn- flauen stunden sich am Sonntag in Bad Hom­burg die tfauftbailmanufdjaftcn DOn Licht-Lust Frankburt, To. .Holtheim, Polizeisportoerein Hanau, Tu. Hailer und Tu. 1846 (fließen in der Turnertlasse gegenüber. Bei den Altcrsturnern waren es nur zwei, nämlich Licht Lust Frankfurt und Homburger Turnverein, bei den Turnerinnen To. 1860 Frank­furt, Homburger Turnverein und Mto. Gießen.

Unter Leitung des Gruppenspieiwartes Rudolf Klinge (Brontfurt) entroidtclte sich eine sehr eifrige spielerische Tätigkeit. Gleich im ersten Spiel stießen die 1846 (fließen auf den stärksten Gegner, den deutschen Meister Licht-Luft Frankfurt. Obwohl die Mannschaft von vornherein mit einer Rieder- läge rechnen mußte, sah es in der ersten Halbzeit nicht nach einem glatten Sieg der Frankfurter aus Mit 13:10 Fehlen für Frankfurt wurde ge- wechselt. Leider hatte nun im Beginn der zweiten Spielhälfte Gießen einige schwache Minuten, in denen es den Jranksurtern gelang, ihren Borteil wesentlich zu vergrößern. Zuni Schluß sand sich dann die Mannschaft wieder und in einem glän- z-nden Endspiel stellte sie das Ergebnis auf 33:44. Bergleicht inan dieses Ergebnis mit den nach­stehenden, so erkannt man ohne weiteres, daß die 1846er für Licht Lust ein beachtlicher Gegner waren. Die Mannschast sollte bei einigermaßen eifrigem Heben noch besser gegen den DT.-Meister abschnei- den können. Die drei weiteren Gegner wurden mit Klassenunterschied geschlagen. Ebenso erledigte Licht- Lust die anderen mit teilweise doppelter Fehler- zahl. Sehr deutlich zeigen das die nachstehend auf- geführten Ergebnisse: Kelkheim LL. Frank­furt 27:42, Hailer Hanau 49:36, Hanau Kelkheim 28.40, LL. Franksurt 1846 Gießen 44:33, Hailer LL. Franksurt 24:55, Hanau 1846 Gießen 30 51, Kelkheim Hailer 40:32, 1846 Gießen Kelkheim 36:22, 1846 Gießen Haller 47:23, LL. Franksurt Hanau 63:21.

3n der Weiteren Klasse (über 39 Jahre) fand nur ein Spiel statt, bds Licht-Lust leicht mit 50:21 gegen Homburg gewann.

Besser als für die 1846 standen die Aussichten der Turnerinnen des Mto. Im Spiel gegen die Homburger Turnerinnen blieben sie auch mit 54:41 Sieger. Erbitterter war der Kampf mit dem vor- jährigen Meister 1860 Frankfurt In der ersten Halbzeit sah das Spiel nidjt nach Sieg der Mto. aus. Mit 13:17 geschlagen, begannen sie die zweite Hälfte. Hier fand sich nun die Mannschaft und holte Punkt für Punkt auf. Mto. siegte mit 29:28. 1860 Frankfurt gewann noch das Spiel gegen Homburg mit 46:22, mußte aber für dieses Fahr den ersten Platz unseren Gießener Turnerinnen überlassen.

Wenn die Mannschaften weiter so eifrig arbeiten, werden sie jederzeit gegen die stärksten Gegner ehrenvoll abschneiden. Den Mto. ist mit ihrem Sieg nun auch der Weg zum Kreismeister offen, um den sie auf den Kreisturnfest in Hanau spielen werden.

Handball in Aliendors a. d. Lda.

Tv. Allendvrf (Lda.) I 1. Komp. Ins.-RgtS 15 Dießen ll 9:2 (4:2).

Zu einem Freundschaftsspiel trafen sich beide Mannschaften in Allendors. D.e Soldaten traten mit 10 Mann zum Spiel an, während Allendvrf vollzählig antrat. Der Allendorler Sturm, unter­stützt von seiner schnellen und guten Läuferreihe, brachte das Spiel mehr und mehr an sich. Die Reichswehr verschuldete mehrere Strafwürfe vor ihrem Tor, doch hielt der gute Tormann sehr sicher In der zehnten Minute schoß Allendorfs 'Rechtsaußen unhaltbar das Führungstor. Rach schöner Kombination folgte durch Allendorfs Linksaußen das zweite Tor. Schon in der 18. Minute folgte für Gießen das erste Tor. Dis zur Halbzeit erreichten die Allendorfer noch zwei, die Gießener ein Tor. Mit 4:2 werden die Seiten gewechselt. Rach der Halbzeit zeigten die Allen-

Konstanze.

Zfioman von Karl Heinz Voigt.

Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau

38 Fortsetzung. Nachdruck verboten

Er schlug den Weg nach Julias Wohnung ein. ES war ein beträchtliches Stück zu laufen. Ein Gefährt wollte er sparen. Die Straßenbahn war zudem um diese Stunde zu beseht.

Schließlich hatte er ihre Straße erreicht. Schon von ferne sah er ein Auto vor dem Hause stehen. Er erkannte den kostbaren Wagen Ludwig War­burgs.

Lothar Emmerstorf fühlte Bitterkeit auf der Zunge.

Er kehrte um.

Im Alkohol vergaß er Julia.

In den Räumen der Filmschauspielerin aber ging es zu dieser Stunde festlich her.

Ludwig Warburg hatte sich schon vorher für den Abend bei ihr angemeldet. Sie faß ihm bei Tische allein und in einem raffinierten Haus­kleid, das Warburg für fie hatte anfertigen laffen, gegenüber. Dor kurzem noch hatte sie mit Lothar so gespeist. Run war es ein anderer. Iulia Koromitzky schenkte ihre Gunst dem, der ihr am meisten bot. Oh, sie hatte viel gelernt, seitdem sie eine Berühmtheit geworden war.

Rach dem Essen ging Warburg in dem Zimmer auf und ab. Er hatte sich einen eleganten Gang angewöhnt. Er wiegte sich leise auf den Fuß­spitzen. Seine frühere, laute Sprache war leiser geworden. Er hatte phrasenhafte Bewegungen angenommen, die ihre Wirkung auf unintelligente Menschen nie verfehlen.

..Es ist scheußlich," sagte er und steckte die Hände in die Taschen seines Smokings, indem er feine Blicke durch den Raum gleiten ließ. ..Diese Wohnung ist nichts für dich, Iulia. Der Emmerstorfs ist unverschämt, dir eine solche Un­terkunft zu bieten."

Iulia hatte sich auf einen Diwan gelauert. Sie nahm die Zigarette von den Lippen, verzog den Mund und entgegnete:Lothar ist ruiniert. DaS weiht du."

dorser sich in bester Form. Die Reichswehrleute zeigten ebenfalls sehr schöne Leistungen, doch machte sich das Fehlen des elften Mannes be­merkbar. Harte Arbeit hatte der ReichSwehr- tormann, welcher bis zum Schlutz noch fünf un­haltbare Bälle durchlassen muß.

Handball im T. V. Londorf.

Tv. Wieseck 1. Jgd. Tv. Londorf 1. Jgd. 3:19 (1:11).

Am Sonntag standen sich beide Mannschaften im fälligen Rückspiel in Londorf gegenüber. Das Spiel wurde stets flott durchgeführt und sah in Londorf den technisch Besseren Schon in der ersten Minute ging Londorf in Führung. Wiefeck glich sofort aus, dann aber mußte es sich zehn­mal bis zur Halbzeit strecken. Rach Halbzeit fand sich Londorf schlecht und schoß erst nach sieben Minuten da- 12. Tor. Wieseck konnte noch zweimal erfolgreich sein, während Londorf auf 19:3 erhöht.

Leichtathletik der Gp.-Dg. 1900.

18 erste, 23 -weite und 16 dritte Siege. Glänzende Leistungen der Jugend.

ö. Die Leichtathletik-Abteilung der Spielver­einigung 1900 hatte am vergangenen Sonntag nach drei Fronten gleichzeitig zu kämpfen, eine Aufgabe, die mit vollem Erfolg gelöst wurde. Besonders eindrucksvoll waren da» Abschneiden der Aktiven in Weilburg und der Jugend in Frankfurt a. M.. die mit sehr guten Leistungen aufwartete. Aber auch die Frauen, die am mei­sten unter der großen Hitze zu leiden hatten, da die Kämpfe bedauerlicher Weife über Mittag ausgetragen wurden, kämpften recht tapfer und erfolgreich. Als beste Leistung deS Tages ist die 4> 100-Meter-Stafsel der A-uugenb zu betrach­ten, die, ohne Guthardt. die erstaunliche Zeit von 46,4 erlief, womit die feit 1926 be­stehende Leistung von 47 Sekunden erheblich unterboten wurde. Sodann verdienen die Ginzel- leiftungen von Schickedanz und Koch über 100 Meter Beachtung. Ebenfo in der 8-Klaffe der Sieg BaumstiegerS im 800-Meter-Lauf, eine feine Leistung, zumal der Sieger fein erstes Rennen lief. Auch der - Klaffemann D ol k zeigte gute Leistungen, hatte jedoch* da» Pech, viermal auf den vierten Platz zu kommen. AlleS in allem kann man sagen, daß die Abteilung im IubiläumSjahr der Derein blickt auf fein 30jähriges Bestehen zurück auf der Höhe ihres Könnens ist. Rachstehend die Ergeb­nisse, soweit die 1900er erfolgreich waren:

Marburg, DezirkSmeisterschasten der Frauen.

Frauen-Klaffe : 100 - Meter - Lauf: 1. Stöhrig, Kurh. Kaffel, 13,8; 2 Schneider, DsL. Wetzlar, 14,1; 3. Rickel und Knab, 1900, Gießen. 4x 100-Meter-Staffel: 1. Kurhessen, 57 Sekunden, 2. 1900 Gießen, 57,2; 3. DfL. Wetzlar; 4. 1900, 2. Mannschaft. 60,1.

Hochfprung: 1. Stöhrig, Kurh.. 1.35; 2. Schneider. DfL.. 1,25; 3. Richtberg. 1900, 1,25, nach Stechen. Weitfprung: 1. Stöhrig, Kurh., 4,73 Meter; 2. Schneider DfL., 4,30; 3. 'Braun, 1900, 4.25 Meter. Speerwerfen: 1. Hücker, Kurh. Kaffel. 22 Meter; 2. Hollstein, 1900, 21.45; 3. Rickel, 1900. 19,10 Meter.

Mädchen, Klasse A: 100-Meter - Laus: 1. Müller. DfD. Gießen, 14.8; 2. G. Richtberg, 1900. 15,2; 3. Hollmann, DfL. Wetzlar. Kugelstoßen: 1. Andrae. 1900, 7.23 Meter; 2. Kuhn, DfL.. 7.06; 3. Hollmann, DfL.. 6,85 Meter. Weitsprung: 1. Kuhn, DfL. Wetzlar, 4.22 Meter; 2. Fischer, DsB.. 3,96; 3. E. Richtberg. 1900. 3.68 Meter.

Mädchen, Klasse B: 75 - Meter - Laus: 1. Losch. 1900, 11,1; 2. Mehschke. DfL., 11,1; 3 Knorz, DfL., 11.3. 4 ;75-Meter»Staffel: 1. Kur- helfen Kassel 45,1; 2. 1900 Gießen 45.3. Ball- weitwerfen: 1. Lösch, 1900. 50,90 Meter; 2. Knorz, DfL.. 46.60 ; 3. Schimbke. Kurhessen, 46,30 Meter. Weitfprung: 1. Mehfchke, DsL., 3,96 Meter; 2. Lösch, 1900, 3,72. 3. Guth. 1900, 3.66 ; 4^

L Diehl. 1900, 3.63 Meter. Dreikampf: 1 Lösch. 1900. 1760 Punkte. 2. Knorz. DfL^. 1539 Punkte. 3. Mehfchke. DfL.. 1522 Punkte

Große Erfolge in Weilburg.

Am vergangenen Sonntag fanden in Weil­burg die Gaumeisterfchaften ber DSD. für den Dau Gießen-Wehlar statt Die Wettkämpfe wur­den bei gutem Wetter, aber mäßigen bis fchlech» ten Playverhältnifsen abgewickelt DieBeteili­gung der Gauvereine ließ zu wünschen übrig. Lediglich die 1900er waren mit einem größeren Aufgebot erschienen und konnten fo auch ihre ileberlegcnbeit in eindrucksvoller Weise demon­strieren, indem sie nicht weniger als 10 Gau­meisterfchaften, dazu noch 13 zweite und 6 dritte Plätze errangen. Im Gefamtklaffement führt 1900 mit 62 Punkten vor FD Weilburg mit 20. DfD. Gießen mit 19. DfL. Wetzlar mit 13 und Wetzlarer SD. mit sechs Punkten.

Klasse I.

1 00 anctcr : 1. Müller, FD. Weilburg. 11.5; 2. Guyot. 1900. 11,7. 3. Geist. 19X\ BruTtbreite zurück. 11.7 Sekunden. Die 1900er können auf Den ersten 50 Meter das Tempo des noch immer sehr guten Weilburgers nicht halten und enden 1.50 Meter zurück.

800 Meter: 1. Depperling. 1900. 2.09 ; 2. Knigge. 1900. 2:17 ; 3. Glagow, 1900. 2.19 Min. Depperling geht vorn Start scharf weg und läuft, ständig führend, eine gute Zeit betaut.

5000Me ter : 1.Paul, 1900. 17:21; 2. Heber- limr SD. Wetzlar. 25 Meter zurück; 3 Heise. DfD. Gießen, 300 Meter zurück Der 1900er, der einen KrankheitSanfall überwunden hat, liegt nach wunderbarem Lauf nach einem 200-Mcter- Spurt, in dem der bekannte DfD.er Heise über­rundet wird. Paul lief in Dezug auf Stil und Taktik tadellos.

Kugelstoßen: 1. Mohl, DfD. Gießen, 12,67 Meter; 2. Schmelz. 1900. 10,70 ; 3. Koch. DfL. Wetzlar. 10,40 Meter. Der DfD.er ist nicht zu schlagen; überraschend der zweite Platz von Schmelz, vor dem guten Koch Schäfer. 1900, nicht am Start.

Hammerwerfen: 1. Mohl, DfD. 32,45 Meter; 2. KlöS, 1900, 23,65 ; 3. Franz, DfL. Wetz­lar. Dei intensivem Training sollte der 1900er in der Lage fein, 30 Meter zu werfen.

Hochsprung: 1. Weil. 1900, 1,70 Meter; 2. Hopfenmüller, 1900, 1,55 Meter. Auf der mi- ferabelcn Sprungbahn zeigt Weil eine glänzende Leistung. An 1,75 scheitert er ganz knapp.

Stabhochsprung; 1. Dest, DsL. Wetzlar. 2.80; 2. Jung. 1900. 2,70 Meter Ein Ergebnis. daS Jungs Können nicht gerecht wird und daS er bei den DezirkSmeistekschaften am nächsten Sonntag korrigieren wird. Lediglich der Um- stand, daß Sprungständer und Absprungstelle xu dicht beieinanbe nagen, bewirkte Jung» Aus­scheiden.

Klasse 11.

100 Meter: 1. Guyot. 1900, 11,7 ; 2. Weil. 1900. ein Meter zurück, 3. Hopfenmüller. 1900, Handbreite zurück. Hopfenmüller führt nach glän­zendem Start bi» 80 Meter, wo feine Klubkame­raden aufgekommen find und Guyot alS bester Mann gewinnt.

400 Meter: 1. Fischer. DfD. Gießen, 54,8; 2. Geist, 1900. 55,1; 3. 'Büttner, DfD. Gießen. Der 1900er läuft die ihm ungewohnte Strecke auf ungünstiger Dahn in ausgezeichneter Zeit.

Weitfprung: 1. Weil, 1900, 6 Meter; 2. Mau», 1900, 5,80 Meter. Die 1900er sind hier unter sich und entwickeln daher keinen beson­deren Ehrgeiz.

Klasse III.

1 00 Meter : 1. Sarnau, FD. Weilburg, 11,4; 2. Schwab. 1900, 11,7 ; 3. Maus. 1900, 11.8 Sek. Schwab hat sich wieder sehr in den Vordergrund geschoben, auch Maus sein Können auf der kurzen Strecke fehr verbessert.

1 5 0 0 Meter: 1. Heberling. SD. Wetzlar, 4:37; 2. G. Koch. 1900 ; 3. Zernd. SD. Wetzlar.

3a, sagte er und nickte.DaS weiß ich aller­dings. Er liegt vollständig am Doden." Ein Grinsen lies über sein Gesicht, aber das Lachen verflüchtigte sich sogleich wieder.

Du hast es prächtig mit ihm verstanden!"

Wie meinst du daS?" fragte er, hielt in feiner Zimmerwanderung inne und blieb kurz vor ihr stehen.

Da wurden ihre Augen ganz klein. Sie fun­kelten böse.

Du hast ihn vernichtet!"

Er prallte einen Schritt zurück. Sein Gesicht wurde finster.

.Ich habe mit ihm Geschäfte gemacht", ent­gegnete er schließlich beherrscht.Kann ich dafür, daß er bei diesen Geschäften schlecht abgeschnttten hat?" Er zuckte die Achseln und setzte sich nahe zu ihr.

Welcher Art diese Geschäfte waren, weiß ich."

Es waren Käufe und Verkäufe."

3a! 3aI Sie lachte plötzlich wild und ohne jede Schranke.

Pause. Keiner sprach.

Sie steckte eine Zigarette an der anderen an. Das kleine Zimmer war bald mit blauem Rauch erfüllt.

..Du bist schnell reich geworden, Ludwig. Als du Lothar fcnnenlcmtcft, begann dein Auf­stieg"

..Mein Wettbureau erfreut sich der ersten Kundschaft 'Berlin», mein Liebling", entgegnete Warburg gedehnt.Man gilt etwas in der obersten Gesellschaft", fügte er prahlerisch hin­zu.Diese Wohnung allo muß aufgegeben wer­den", fuhr er fort .3ch werde dir eine Etage in der Tiergartenstrahe mieten. 3ch habe bereit» eine Billa im Auge."

Mit Lothars Geld wird er mir eine Woh­nung kaufen", dachte 3ulia und pfiff den neuesten Eharleston.

Du erlaubst allo, daß ich dir die Wohnung zeige?"

Tu, waS du nicht lassen kannst."

Sie ist übrigens groß genug für zwei."

Für zwei?"

.3a", lachte er. »3ch werde auch dort too^nen."

Wie soll ich daS verstehen?"

3ch will sS dir verraten", erwiderte er. .Ich stche in Behandlung mit einem amerikanischen

Agenten, werde daS Wettbureau verkaufen. 3ch bin bereits heute doppelter Millionär, 3ulia. Mir schwebt etwas anderes vor. 3ch werde eine Filmgesellschaft gründen." Er weidete sich an ihrem Erstaunen.Dor einigen Wochen schon lernte ich einen Dollarmillionär kennen, der mit der Absicht umgeht, eine großzügige Filmgesellschaft inS Leben zu rufen. Für die Filme dieser Gesellschaft sollst du allein, 3ulia, die Hauptrollen spielen. Ich kann dir schon jetzt in Aussicht stellen, daß dein Gehalt dein heutige» um etwa daS Zehnfache übersteigen würde. Ob die Gesellschaft hier, in Amerika, oder sonstwo gegründet wird, ist noch unbe­stimmt. Du aber sollst der Gesellschaft angehören, wie ich, al» Teilhaber al» meine Frau."

Sie starrte chn an. Sie sah daS weibische Ge­sicht, da» sie noch vor kurzem verlacht. Sie sah sich im Geiste al» amerikanische Filmdiva von Welt­ruf. WaS dieser Mann, der vor nicht» zurück­schreckte, sich vomcchm, führte er au». Danz flüchtig nur dachte sie an Lothar. Wie ein Sche­menbild huschte er vor ihrem geistigen Auge vorüber. Hier stand der Mann, der alle Borteile, die ihr geboten werden konnten, in den Fäusten hielt. Sie erkannte das Lächeln in dem Puppengesicht. Doch eS kam ihr jetzt nicht zum Bewußtsein, daß sie über das un­männliche Antlitz einst gespottet hatte. Sie schleu­derte die Zigarette von sich. Mit verlangenden Armen umfing sie den Mann.

Lothar Emmerstorss aber nahm sich fest vor, nun reinen Tisch zu machen. Konstanze war ver­loren für chn. Konstanze war für immer ver­schwunden. Sie lebte wohl nun in einet Welt, in der sie sich wohlfühlte und in einet Tätigkeit, die sie erfüllte. Richt ohne Wehmut dachte Lochat an feine Stau. Iulia sollte ihm nun ganz gehören vor der Welt, al» fein rechtmäßiges Weib. Bevor er aber vor sie hin trat, sie zu fordern, bedurfte e» noch einer Kleinigkeit. Er wollte alle Wege gebahnt wissen, um chret um so sicherer zu fein. St mußte vor sie hintreten und sagen können:Ich bin ein armer Mann geworden, Julia, aber ich habe eine Stellung mit einem bescheidenen Gehalt. In dieser Stel­lung werde ich steigen und bald so viel ver­dienen, daß ich dir wieder da» bieten kann, was du verlangen darfst. Du wirst einige Zeit mit mir kämpfen muffen, Iulia, aber du wirst es gern

Gegen den ausgezeichneten Wetzlarer konnte Koch nicht gewinnen.

3000 Meter: 1. G Koch. 1900. 10.17; 2. Goßmann. FD Weilburg. 50 Meter zurück. 3. Mewes. DsB. Gießen. 300 Meter zurück Hier läuft der 1900er em ausgezeichnetes Ren­nen, indem er auf der Strecke lich feinen Bor- sprung schafft, um ihn zäh bi» in» Ziel zu halten.

Hochfprung. 1. Hopfenmüller. 1930. 1,55 Meter; 2 Depler. FD. Weilburg. 1.55 Meter; 3. Müller. FD BSeilburg Im Stichkamps ist der 1900er der sicherere, was ihm den ersten Platz einbringt.

Weitsprung: 1. Depler, FD Weilburg, 6.10 Meter; 2. Weil. 1900. 6 ; 3. Maus. IWO. 6 Meter. Pech der 1900er! Knapp ubergetreten schossen Weil über 6,40 Meter; Mau« über 6.20.

Speerwersen: 1. Dachmann. 1930. 43,20 Meter; 2 Plank, FD. Weilburg. 39.10. 3 Depler, FD. Weilburg. Ern seiner Sieg Dachmanns mit guter Leistung, die noch verbessert werden kann.

Kugelstoßen 1. Franz, DsL. Wetzlar, 11,01 Meter 2 Schmelz, 1900. 10.52. 3. Dest. DsL Wetzlar, 10,20 Meter Schmelz sollte bei etwa- mehr Training die 11-Meter-Grenze wie­der erreichen.

Staffeln.

1 00 - Meter: 1. 1900, 1. Mannschaft (Hopfenmüller. Weil, Geist, Gunott. 46,8; 2. FD. Weilburg, 3 Meter zurück, 3. 1900. 2 Mannfchaft. Die 1900er siegen auf der miserabelen Außenbahn sicher; ihre Aussichten bei den am nächsten Sonntag in Gießen stattfindenden DezirkS- meisterfchasten von Hessen-Hannover sind nicht schlecht.

4>^1500Meter: 1. 1900 l Linsemann, Jung, Knigge. Glagow) im Alleingang

Frankfurt, Iugendwettkämpse

Klaffe A, 12 13: 100 Meter 1. Schickedanz, 1900. 11,h (I); 2. Marff, VfL Wetzlar; 2 Höchst; 3. Koch II., 1900, 11,9. 800 Meter 2. Mootz. 1900, 2:13,9 Minuten. 1500 Meter 3. Mootz. 1900, 4:45 Minuten. Kugelstoßen: 1. Kilo. DfL Wetz­lar. 14,28 Meter; 2. Will. 1900, 13,26 Meter. Speerwerfen 3. Will, 1900. 39 Meter. 4 100- Meter-Staffel: 1. Lp.-Dgg 1900, Gießen, 46.4 (!); 2. Eintracht. Frankfurt a M, 47,1; 3. Fußball- SpD. Frankfurt.

Klaffe B. 100-Meter-Lauf: 3 Gräf. 1900. 12 Sekunden. 800 Meter 1. Daumstieger, 1900, 2:15,7; 2. Schäfer. Eintracht, 2:19,2 Minuten. 4'xl00 Meter: 2. Sp.-Dag 1900, 49.2 Sekunden. Weitfprung: 2. Gräf. 1900, 5,80 Meter Drei­kampf: Gräf, 1900.

D.f.B. Leichtathletik.

Die Leichtathletikabteilung vertrat am ver­gangenen Sonntag den DfD. bei drei verschie­denen Veranstaltungen, und zwar mit bestem Erfolg. Trotz stärkster KonkurrSnz und Ausfall einiger talentierter Leichtathleten, durch Krank­heit bzw. Urlaub wurden eine ganze Anzahl Siege und Plätze errungen. Wenn ihre Zahl auch nicht ganz so hoch ist, wie die einiger anderer, bedeutend längere Zeit Leichtathletik treibender Bereine, so ist sie doch höher al» bei den gleichen, Veranstaltungen im Dorjahre, und zeigt, daß man immer mehr mit der aufstrebenden Ab­teilung deS DfD. zu rechnen bat. Dei den Be- zirksfrauenwettkärnpfen in Marburg konnten Die Damen insgesamt drei erste, drei zweite und einen dritten Sieg erringen. Tfle Konkurrenzen, in denen DfD. erfolgreich war.

Diskuswerfen für Frauen: 1. Luh. DfD. 08, 25,10 Meter; 2. Fred, DfL- Wetzlar. 22,33 Meter; 3. Thiel, .Kurhessen" Kaffel,. 22,20 Meter. Frl. Luh, die durch ihre körperliche Veranlagung für diese Koniurrenz prädestimiert ist, stellte ihr Können mit dieser vorzüglichen Leistung, die mit zu den besten der ganzen Ver- anstaltung gehören dürfte, unter Detveis.

800 Meter Frauen: 1. Schlüter,Kur- hessen" Kassel, 3:3,6; 2. Ilmbach,Kurhesfen" Kaffel, 3 4,9; 3. Stühler, DfD 08. 3:5,6. Frl.

hm, ich weiß eS." Ja. so würde Lothar zu ihr lagen. Dorher aber mußte er zu Siegfried Warfchner gehen. Der würde ihn aufnehmen. Lothar würde al» Direktor oder Prokurist da» Werk wieder hochbringen.

Fremde Gefichter begegneten ihm in der Marfchnerfchen Fabrik. DaS gesamte alte Per­sonal schien durch neue Kräfte ersetzt worden zu sein.

Ich möchte Herrn Marschner sprechen", sagte Lothar zu einem jungen, strohhaarigen Buch­halter mit seltsam großporiger Rase, der im ersten Bureauzimmer saß

Der Angestellte nahm die Karte.

Sind Sie angemeldet?"

Rein!"

Dann bebaute ich! Bielleicht kann ich Sie für einen der nächsten Tage anmelden."

.Erlauben Sie", erwiderte Lothar ungeduldig. ..Herr Marschner wird mich ganz bestimmt emp­fangen.

Der Buchhalter zog die Schultern hoch.

.ES ist ganz ausgeschlossen. Herrn Marschner zu stören. Sine wichtige Konferenz."

Lothar wußte, daß der Mann log.

.Ich bin Emmerftorff. der frühere Mitinhaber deS Werke». Herr!" ries Lothar mit rotem Ge­sicht. .Melden Sie mich unverzüglich Herrn Marschner."

Der Ltrohhaarige wurde verlegen.

.Aus Ihre Verantwortung!" stammelte er und verschwand sehr rasch im Rebenzimmer.

Lothar mußte lange warten. Schließlich kam der Angestellte zurück. .Herr Marschner läßt bitten!"

Emmerstorff trat in bad Privatbureau ein.

.Wa» führt Sie denn her. mein Lieber", fragte Marschner jovial und erhob sich schwerfällig au» dem Klubsessel. .Ich hörte lange nicht» von Ihnen. Sie sehen nicht gut aus. Derehrtestrr. Erzählen Sie!"

Er schaute seinen Besucher forschend an. E» wäre nicht nötig gewesen, daß Lothar nun von seinem pekuniären Mißgeschick erzählt hätte. Sein ehemaliger Kompagnon wußte alle».

»Ich bin ruiniert, sehen Sie", schloß Lothar seinen Bericht und sah Marschner hilfesuchend an.

(Fortsetzung folgt)