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Ser Heimwehrkonflikl in Oesterreich

Schober deckt die Polizei.

Bundeskanzler

Am

Es wird nicht verkannt, daß bei der Schwierig-

die Ausgaben g e -

Jch konnte mir die Sache nicht erklären. Aber der Rachbar wußte Bescheid. Und er erzählte mir, er hätte auch in Steiermark gearbeitet, und dort habe er das gelernt. Dort sagten ihm die Leute, wenn man Kürbisse sehe, dann müsse man lügen, lügen, daß die Balken krachen davon würden die Kürbisse besonders groß. Und wenn es einem gelänge, einem Vorübergehenden eine besonders sastige Lüge zu ver­setzen, und er glaube sie, dann habe man erst recht gewonnen. Dann würden die Kürbisie riesig.

Da fiel mir ein, daß ich etwas Aehnliches schon gehört habe. In Ostpreußen. Auch dort haben sie es mit den Kürbisien. Dort tragen sie in einzelnen Ge­genden den Kürbissamen in einem Pantoffel auf den Acker und sagen, davon würden die Kürbisie beson­ders schön. Aun sind ja die Leute um Allenstein und Aösiel, Braunsberg und Heilsberg ein Doll mit vie­len uralten Ueberlieferungen, mit reichbewegter Ge­schichte, ihre Sprache ist noch heute das Mitteldeut- sche welche Brücke führt von ihnen zu den steiri- sehen Bauern, bei denen mein russischer Aachbar ge­lernt hat, Lügen wären sür Kürbisse ein vorzügli­cher Dünger?

Die Grmeländer sind aus Schlesien eingewandert. Und siehe da: auch da gibt es Kürbisbräuche. Dort nimmt der Bauer seinen größten Topf, wenn er Kür­bisse setzt und trägt den Samen in diesem Topfe aufs Feld oder in den Garten und ist überzeugt davon, daß dann die Kürbisie mindestens so groß werden wie der Topf.

Was ist das für ein sonderbarer Zusammenhang zwischen Lügen, Pantoffeln, großen Töpfen und Kür­bisien? Ich habe ihn nicht gefunden. Wohl aber fand ich beim Suchen ein Buch des deutschen Forschers Dr. Heinrich Marzell,Die heimische Pflanzenwelt im Dolksbrauch und Volksglauben" und da stand die Sache mit den Lügen, die die Kürbisse fördern, auch darinnen.

Und die vom Pantoffel auch. Aber der soll noch eine ganz andere Kraft besitzen. (Aicht die, die Sie meinen, meine Herren Ehemänner.) In Süddeutsch­land ist der Brauch weitverbreitet, in die Gurkenbeete einen alten Pantoffel hineinzulegen, der es in sich ha- ben soll, die Gurken dahin zu bringen, daß sie reich­lich tragen und nichtfalsch blühen". Unterfalsch blühen" versteht man dort die untern Blüten, die meist männliche Blüten sind es werden also sogar im Gurkenbeet die Männer zum Respeckt vor dem Pantoffel erzogen.

In Unter-Franken wiederum kümmert man sich mehr um die Zwiebeln. Zwiebeln sollen scharf sein. Wie gibt man ihnen Schärfe? Die Mütter nehmen

Durchführung der reicht wird.

ihre Kinder in den Garten mit zum Zwiebelsetzen und nun haben die Kinder die Aufgabe, die Mutter olange zu ärgern, bis sie zornig wird. Zwiebeln, die von Zornigen, womöglich Jähzornigen gepflanzt wur­den, sind, so sagt man dort, besonders scharf.

Hinsichtlich der Petersilie sind da die Meinungen geteilt. Die Unterfranken sind für den Jähzorn. Der hilft, so sagen sie, nicht nur den Zwiebeln, auch die Petersilie mache er kräftig. Die im Badischen sind da ganz anderer Meinung. Sie verlangen, daß die Hausfrau beim Säen der Petersilie lache oder doch zumindest lächle. Und da wurzelt der Brauch tief in der Zeit, die an Zauber glaubte. In gewissen Ge­genden behauptet man, die Petersilie fördere die Liebe. Also muh die Frau, die sie sät, lächeln, um den Liebes­zauber zu gründen.

Uralte Verbundenheit des Menschen mit dem Bo­den lieh Reste früherer Bräuche bis in unsere Tage bestehen. Die immer mächtiger werdende Rückkehr zur Scholle hegt sie. Aber ich möchte Loch ausdrücklich feststellen, dah ich keine Lügen erzählt habe. Wir ha­ben gar keine Kürbisse.

Der französische Finanzminister R e y n a u d mußt- vor der Finanzkommission der französischen Kammer zugeben, daß aus dem Etat 7 Milliarden verschwun­den seien, ohne daß er angeben konnte, wofür diese enorme Summe verausgabt worden ist. Man nimmt allgemein an, daß das Geld für geheime Rüstungs­ausgaben verwandt wurde.

billigen will, muß die Steuergesetze verein- fachen. Die deutschen Reichssteuerbeamten haben wiederholt und noch in jüngster Zeit Vorschläge für eine Vereinfachung d e r Reichs st euer- Verwaltung unterbreitet und erwarten, daß ihre damit gezeigte positive Mitarbeit endlich berück­sichtigt wird."

3m französischen Etat verschwinden 1 Milliarden.

Die Parole in Tirol: Haltet euch bereit."

Lügen und Kürbisse, Lächeln und Petersilie.

Don Alexander Stern.

Mein Aachbar war einmal Russe, was er jetzt ist, weih ich nickt. Ich weih nur, dah er sür meine Frau und für mich die oberste Instanz in allen Gar- tenangelegenheiten darstellt. Wir sind blutige An­fänger, er ist ein Mann, der in allen möglichen Län­dern Erfahrungen gesammelt hat und wenn er mir sagt, daß die Bleichsucht eines unserer Obstbäume - wir haben deren fünf und sind furchtbar stolz dar­auf mit Eisenvitriol zu heilen ist, dann schwöre ich drauf. Llnd erzähle ihm dafür, dah Nigella da- mascena, die er gerade aussät undMädchen im Dusch" nennt, in OesterreichGretl in der Stauden" heißt. Lind warum? Weil die Leute erzählen, Gretl wäre einmal die Tochter eines reichen Großbauern gewesen, und hätte den Hans geliebt, einen armen Häuslersfohn. Dec Bauer wollte sie dem Hans nicht geben und wies ihn vom Hof. Die Gretl stand nun im Garten und blickte ihrem Hans so lange nach und der Hans blickte so oft nach ihr zurück, daß aus der Gretl eine Blume wurde, die sanft blaue Gretl in der Stauden und aus dem Hans derHansl am Weg", der Vogelknöterich, Polygonum aviculare.

Sehr schöne Geschichte, sehr", sagte der Aachbar. Ich habe vor zwei Jahren, Sie wohnten damals noch nicht hier, solche Gretl, wie Sie sagen, gepflanzt, die wurde höher als mein Haus, in einem Jahr, bitte, und dann wuchs sie über Dach und auf die andere Seite von Haus und dort sie hat wieder Wurzel ge­schlagen, und Haus stand da wie in einer Laube."

Aanu, denke ich, der Mann spricht noch immer schlecht Deutsch, dafür lügt er um so besser.

Und drei Jahre vorher ich habe Kürbisse gehabt, da, wo ich jetzt eben wieder Kürbisse pflanze und da ist einer gewachsen und gewachsen und gewachsen und im Mai er war so groß wie ein Faß und in Juni wie ein Wagen und in Juli wie kleine Haus und in August wie große Haus, und wir haben damals gerade unser Häuschen umgebaut, allo wir haben eine Tür in den Kürbis gemacht und haben in dem Kürbis gewohnt, ich, die Frau und alle vier Kinder und Hund auch und Freund, was zu Besuch kam auch und "

Jetzt hören Sie schon auf, zum Donnerwetter. Mensch, was pflaumen Sie mich so an?"

Ai? Pflaumen - Kürbisse." And er lachte übers ganze Gesicht.

Polarforscher Sträfling Sportlehrer.

Als sich vor einigen Monaten die Tore des Zucht­hauses von Leavenworth vorDr. Frederick Cook öff­neten, stand er verlassen in der amerikanischen Welt. 20 Dollar in der Tasche und den Ruf des Vorbestraf­ten auf seinem Aamen. Außerdem vergaß man ihm nicht die Aordpolaffäre, jene Sensationsangelegen­heit, die vor 18 Jahren aktuell war und die ganze Welt bewegte. Man weiß heute noch nicht eindeu­tig, ob Cook nun ein Schwindler war in seiner Aord­polaffäre oder ob er sich nur irrte oder den In­trigen seines Gegners Pearh zum Opfer siel. Und in seiner Petroleumangelegenheit, derenthalben er ins Zuchthaus kam. kann man noch skeptischer sein. Man warf ihm vor, Aktien auf wertlose Gebiete in Mexiko ausgestellt zu haben. Jetzt hat man doch Pe- troleum da gefunden, wo Dr. Frederick Cook es be­hauptete. Aber ihm gehört nichts mehr von all die­sen Dingen. Und so kam es, dah er als armer Teu­fel auf der Straße stand, als man ihn in Leaven­worth begnadigte.

Trotz seines hohen Alters,-er hat die 60 weit über­schritten, steht er noch immer auf festen Füßen. Er hat schon einen neuen Beruf gefunden-und zwar einen ganz modernen. Gr wird Direktor einer Anstalt sür Leibesübungen.

Oie deutsch-russische Schlichtungs- kommijsion.

Moskau, 16. Iuni. (WTB.) Im Konferenz­saal des Außenkommissariats fand heute d:e erste Sitzung der deutsch-russischen Schlichtungskommission statt. Den Vor­sitz führte das russische Kommissionsmitglicd S t o m o n j a k o f f, der die deutschen Mitglieder begrüßte. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung der Schlichtüngskommission stehen drei-

Innsbruck, 17. Juni. (TU. Funkspruch.) Montagabend fand hier ein Generalappell der Innsbrucker Heimatwehr statt. Der Landesführerstellvertreter Dr.Schweinitzhaupt betonte in einer Ansprache, daß sich

Sochschulnachnchten.

Professor Dr. Viktor Müller-Heß in Bonn hat den an ihn vor längerer Zeit er­gangenen Ruf auf den Lehrstuhl der gerichtlichen Medizin an der Llniversität Berlin als Rach- folger von Prof. Fritz Straßmann angenommen.

Major Pabst, der Führer der österreichischen Heimwehren, ist aus Oesterreich ausgewiesen worden und hat sich im Flugzeug nach Venedig begeben. SchoberttägMVerantworlung

Wien, 16. Juni. (WTB.) Jm Auftrage der Landesregierung von Tirol brachte heute der Landesrat G e b h a r d t dem Bundeskanzler Dr. Schober den p r o l e st der Landesregierung gegen die Ausweisung des Majors Pabst zur Kenntnis. Gebhardt erklärte, dah diese Mah- nahme, über die in weiten Kreisen der Tiroler Bevölkerung Aufregung herrsche und die ohne vor­herige Fühlungnahme mit der Landesregierung er­folgt sei, obwohl Pabst einen ständigen Wohnsitz in Innsbruck gehabt habe, weniger gegen die Person. Pabsts, als gegen die heimwehrbe- w e g u n g f e l b st gerichtet aufgefaht werde. Daher werde dieser Schritt um so mehr bedauert. Bundes- kanzler Schober erklärte, für das Vorgehen der Polizei die Verantwortung zu überneh­men, da genügend Material gegen Major Pabst vorliege.

traaspflichtig sind die Beamten und Ange- stellten des Reiches, der Länder, der Gemeinden und Gemeindeverbändc, der Reichsbank, der son­stigen öffentlich-rechtlichen Körperschaften der Deutschen Reichsbahngesellschaft und die Soldaten der Wehrmacht, ferner die Beamten und Ange- stellten bei Unternehmungen und Einrichtungen mit überwiegender Kapitalbeteiligung öffentlich- rechtlicher Körperschaften, weiterhin die Emp­fänger von Wartegcld, Ruhegeld, Witwen- und Waisengeldern und anderer Bezüge oder Geld­werten für frühere Dienstleistungen, die vom Reich, von den Ländern und den übrigen öffent­lich-rechtlichen Körperschaften gewährt werden.

Der Kreis dec P r i v a t a n g e st e l l t e n, die für die Reichshilfe in Frage kommen, ist wie folgt umschrieben: Sonstige Personen mit Ein­nahmen. die den Betrag von 8400 Mk. über­steigen und wenn es sich nicht um Personen han­delt, die für den FaU der Arbeitslosigkeit pflicht­versichert sind- _ , , , ,

Bon dem Beitrag sind befreit: %bei.t* nehmer, bei denen ein Steuerabzug vom Arbeits­lohn nicht vorzunehmen ist oder die Angestellten, falls sie seit dem 1. Iuli 1929 oder einem spateren Zeitpunkte fortlaufend ein Iahr hindurch in Beschäftigung, gestanden haben. Der Beitrag be­trägt 4 Prozent der Einnahmen. Bei den Be­hördenangestellten, die der Arbeitslosenversiche­rung unterliegen, beträgt der Beitrag 2 Prozent der Einnahmen.

In dem Entwurf eines Gesetzes über ein Ledigennotopfer für das Rechnungsjahr 1930 heißt es: Ledig im Sinne des Gesetzes gelten nur die Personen, die nicht verheiratet sind oder waren. Unverheiratete Frauen, denen Kinder­ermäßigungen nach dem Cinkommengeseh zustehen, sind vom Aotopfer befreit.

Auch Preußen gegen das Aotopfer.

Dafür Besteuerung entbehrlicher Genutzmittel

Berlin, 17. Juni. (CAB.) Vas preußische Staaksministerium hielt gestern nachmittag eine Sitzung ab, in der es sich mit den Finanz- vorfchlägen der Reichsregierung und mit der Stellungnahme Preußens im Staatsrat zu diesen Fragen beschäftigte. Die preu- ßische Regierung dürfte sich, so heißt es imBer­liner Tageblatt", nicht auf diesen Vorschlag fest­legen, insbesondere dürfte sie dem R o t o p f e r mindestens im gegenwärtigen Umfange nicht zu­stimmen. jnnerhalb der preußischen Regierung scheine die Ansicht Raum zu gewinnen, daß der Fehlbetrag im Reichshaushalt eher durch die B e - fteuerung entbehrlicher Genuhmittel zu decken sei, soweit nicht die Ausgabensen­kung ausreiche.

Eine Kundgebung des Deutschen Beamtenbundes.

Am Sonntag fand im Sportpalast zu Berlin, der bis auf den letzten Platz besetzt war, eine öffentliche Kundgebung des Deutschen Beamtenbun­des zu den von der Reichsregierung geplanten Maßnahmen statt. Rach einer Ansprache des Bun- desvorsitzenden Flügel und einem Referat von Ackert Lenz wurde einstimmig die nachfolgende Ents chli eßung angenommen:

Die Mitglieder des Deutschen Beamtenbundes, zu "Tausenden versammelt ini Sportpalast Berlin, unterstützt durch Zustimmungstelegramme aus allen Teilen des Reiches, erheben laut und öffentlich Protest gegen die von der Reichsregierung im Ausgabensenkungsgesetz, im Spargesetz und im Deckungsprogramm gegen die Beamtenschaft geplan­ten - Maßnahmen. Sie sehen darin eine u n - geheure rechtliche und wirtschaftliche Schädigung der Beamten, zum Teil nur möglich unter Umgehung der Verfassung, äußerst unsozial in ihrer Art, die zudem die allgemeine Arbeitslosigkeit vergrößert und das Vertrauen der Beamtenschaft zum demokratischen und sozialen Volksstaat untergräbt.

Die Versammelten erklären sich nach wie vor be­reit, gemeinsam mit allen leistungsfähigen Dolks-

die Tiroler Heimatwehr die Verhaftung des Majors Pabst nicht gefallen taffen werde.

Die Heimatwehr habe nichts Verbotenes ge­tan. Der Dank für ihre vaterländische Haltung be­stehe darin, daß die Regierung Verrat an ihr übe. Gegen die bolschewistischen Ruhestörer in Oesterreich geschehe nichts. Die Tiroler Heimatwehr stehe t r e u z u M a j o r P a b st, der auch weiter ihr Stabschef bleibe, bis er wieder Tirol als sein zwei­tes Heimatland bezeichnen könne. Dr. Schweinitz­haupt schloß, die Bundesführung der Heimatwehr hat heute in Leoben wichtige Beratungen gepflogen.

Die Beschlüsse bleiben vorläufig geheim. Jch sage euch ober eins, Kameraden:haltet euch bereit!"

Die Rede wurde wiederholt von stürmischen Zwi- schenrufen unterbrochen, die sich insbesondere gegen die Regierung Schober richteten.

Demissionsgesuch Dr. Hainischs.

Wien, 16. Iuni. (WTB.) Der österreichische Bundesminister für Handel und Verkehr Dr. H a i n i s ch überreichte heute, wie in politi­schen Kreisen zuverlässig verlautet, dem Bundes­präsidenten sein Demissionsgesuch.

öer neue (Stabschef der Heimwehren.

Wien, 16. Iuni. (WTB.) Wie aus Leoben gemeldet wird, hat die erweiterte Dundesfüh- rung der Selbstschuhverbände heute abend über die durch die Ausweisung des Majors Pabst sich ergebende Lage beraten. Die Verhandlungen und Beschlüsse wurden als vertraulich erklärt. Mit der Leitung der Geschäfte des Stabs­chefs der österreichischen Selbstschuhverbände wurde bis auf weiteres der Heimwehr sichrer In­genieur Sauter aus Steiermark betraut.

tert der Verhältnisse auch senkt werden müssen. Der Bundesvorstand hat deshalb Verständnis für das Bestreben, die öf­fentliche Verwaltung zu verbilligen. Dieses Ziel wird aber nicht erreicht durch Maß­nahmen der geplanten Art. Die Mehrzahl der in dem Ausgabensenkungsgesetz zu Lasten der Beam­tenschaft enthaltenen Pläne hat jedenfalls keine wesentliche finanzielle Auswirkung, wobei jedoch aus staatspolitifchen Erwägungen Teile des Pro­

ste eine einseitige und ungerechte Maß- nähme. Bei der schwierigen Lage des Reiches und der großen Rot vieler Volksgenossen müssen alle Schichten des deutfchen Volkes entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu den allgemeinen Lasten heran­gezogen werden. Der Gesamtvorstand des Bundes Deutscher Reichssteuerbeamten weist dabei erneut darauf hin, daß eine wirksame Erleichterung der Finanzlage des Reiches vor allem durch eine wirt­schaftlich tragbare und sozial gerechte Steuergesetze er«

gramms der Reichsregierung eine Verhandlung!;- grundlage bilden können.

Die Reichssteuerbeamten warnen Regierung und Volksvertretung, durch verfehlte Spar­maßnahmen die Reichssteuerverwaltung bei der Erfüllung ihrer großen staatspolitifchen Aufgaben zu beeinträchtigen. Weitere Einsparungen bei den werbenden Ausgaben der Reichssteuerverwaltung müssen zwangsläufig zu einer fortschreitenden Ver­schlechterung der Finanzlage des Reiches führen.

Wer ernsthaft die Reichssteuerverwaltung ver-

Aber diesen neuen Posten tritt er erst in einigen Wochen an. Zur Zeit reist er im Lande umher und hält Vorträge, lieber seinen eigenenFall" zu schrei­ben oder zu reden, hat man ihm von der Obersten Staatsanwaltschaft aus verboten. Aber sonst hat er natürlich das Recht der Meinungsäußerung. So macht" er denn jetzt in der ebenfalls sehr aktuellen und modernen Rauschgiftbekämpfung. Das Mate­rial darüber kannte er schon, denn er studierte die Literatur im Zuchthaus. Ferner hatte er ausgezeich­netes Beobachtungsmaterial, da er in den letzten Jah­ren in seiner Eigenschaft als Arzt im Zuchthaus mit der gesundheitlichen lleberwachung der Gefangenen von Leavenworth betraut war.

Seine Feststellungen sind erschütternd, bringen voll­kommen neues Material und Zahlen, die selbst für Amerika erstaunlich wirken. Er rechnet, dah durch­schnittlich 40 bis 50 Prozent aller Amerikaner in irgendeiner Formsüchtig" sind. Mehr als 4 Mil­lionen der Bewohner der Vereinigten Staaten ge­brauchen regelmäßig Rauschgifte. Er weist in die­sem Zusammenhang darauf hin, dah in England die Gefängnisse leerer werden, während Amerika neue hinzubauen muh.

Im Gefängnis von Leavenworth waren sogar 30 Prozent aller Insassen den Rauschgiften ergeben. Meist waren die Süchtigen dem Laster schon so weit verfallen, dah es sich nicht mehr lohnte, mit einer Kur bei ihnen zu beginnen. Frederick Cook hat sich nun auf dieses Problem geworfen und ein Verfah­ren ermittelt, durch das ein Rauschgiftsüchtiger an­geblich in einem Gefängnis als Sträfling in vier Wochen kuriert werden kann. Sämtliche amerikani­schen Strafanstalten und Zuchthäuser haben dieses System angenommen.

Wenn nicht alles trügt, wird man in Amerika .für Cook doch eine Rehabilitierungskampagne in­szenieren. Und wenn er erst makellos dasteht, dann wird er wieder mit seinen Plänen und Projekten be­ginnen, die seine stärkste Seite waren. Das Zucht­haus von Leavenworth konnte den einst so grohen und dann so klein gewordenen Cook nicht zerbrechen.

Eine neue Gpionageassäre.

Minden, 16. Iuni. (Eigene CRB.-Mel- düng.) Das seit Sonntag in Minden umlaufend« Gerücht, daß am Samstag eine a u f s e h e n - erregende Verhaftung vorgenommen worden sei, hat sich jetzt als wahr erwiesen. Wir können zu dem Vorfall heute folgendes berichten: Dem Zuge, der gegen 22 Uhr aus Köln hier eintraf, entstieg die Gattin des Obermusikmeisters der 2. Abteilung des 6. Artillerieregimentes P a u l A d a m. Sie wurde von ihrem Mann am Bahnsteig erwartet, der sie mit den Worten:H a t a l l e s g e k l a p Pt? empfing. In diesem Augenblick wurde das Ehe­paar Adam verhaftet. Zwei Beamte der Spionageabwehr in Koblenz waren Frau Adam, die aus dem besetzten Gebiet zurückkam, während der ganzen Fahrt unauffällig im Zuge gefolgt. Die hiesige Kriminalpolizei war ver­ständigt worden und schritt infolgedessen zu der Verhaftung. Wie wir hören, sollen

schwere Verfehlungen des Obermusikmeisiers (Landesverrat) vorliegen, die erst noch in ihren Einzelheiten untersucht werden. Frau Adam ist eine geborene Lothringerin, die offenbar ihre Beziehungen mißbrauchte.

Sie soll, als sie ankam, den Lohn für ihre Tätigkeit in der Handtasche gehabt haben. Adam und seine Frau wurden ins hiesige Gerichts­gefängnis übergeführt. Das Motiv zu den Ver­fehlungen soll in mißlichen finanziellen Verhält­nissen zu suchen sein. Das Ehepaar, das vier unmündige Kinder hat, soll über seine Verhält­nisse gelebt haben.

schichten nach Maßgabe ihres wirtschaftlichen Könnens im Rahmen eines umfassenden Aufbau- plans zur Gesundung der Finanz- und Wirtschafts­lage des deutschen Volkes beizutragen; sie müssen aber eine Sonder belastung dec Beam­tenschaft a b l e h n e n , die aus augenblicklicher Verlegenheit entstanden keine Gewähr für eine weit­sichtige aufbauende Finanzpolitik bietet.

Die Versammelten bekunden volles Verständnis für die Rot aller darbenden Volksgenossen, die zu beheben auch ihre ernste Sorge ist. Sie sind aber auch entschlossen, jeden Eingriff in ihre rechtlichen und wirtschaftlichen Le­be n s i n t e r e s s e n geschlossen abzuweh­ren und geloben dem Deutschen Beamtenbunde jede Unterstützung in dem aufgezwungenen Abwehr- kämpfe."

Oie Stellungnahme cer Reichssteuerbeamten.

Die Ortsgruppe Gießen des Bundes Deut­scher Reichs st euerbeamten übermittelt uns die nachfolgende Entschließung des Bundes mit der Bitte um Veröffentlichung:

Die unbedingt notwendige Sanierung der Reichs­finanzen erfordert Opfer vorn gesamten deutschen Volke. Die deutschen Reichssteuerbeamten, die durch ihre Tätigkeit mit allen Teilen des Volkes in eng­ster Fühlung stehen, wollen zu ihrem Teil daran mittragen.

Sie verwahren s i ch jedoch mit Entschieden­heit dagegen, daß der Beamtenschaft beson­dere Opfer auferlegt werden sollen. In dem geplanten N o t o p f e r der Festbesoldeten erblicken