Ser Heimwehrkonflikl in Oesterreich
Schober deckt die Polizei.
Bundeskanzler
Am
Es wird nicht verkannt, daß bei der Schwierig-
die Ausgaben g e -
Jch konnte mir die Sache nicht erklären. Aber der Rachbar wußte Bescheid. Und er erzählte mir, er hätte auch in Steiermark gearbeitet, und dort habe er das gelernt. Dort sagten ihm die Leute, wenn man Kürbisse sehe, dann müsse man lügen, lügen, daß die Balken krachen — davon würden die Kürbisse besonders groß. Und wenn es einem gelänge, einem Vorübergehenden eine besonders sastige Lüge zu versetzen, und er glaube sie, dann habe man erst recht gewonnen. Dann würden die Kürbisie riesig.
Da fiel mir ein, daß ich etwas Aehnliches schon gehört habe. In Ostpreußen. Auch dort haben sie es mit den Kürbisien. Dort tragen sie in einzelnen Gegenden den Kürbissamen in einem Pantoffel auf den Acker und sagen, davon würden die Kürbisie besonders schön. Aun sind ja die Leute um Allenstein und Aösiel, Braunsberg und Heilsberg ein Doll mit vielen uralten Ueberlieferungen, mit reichbewegter Geschichte, ihre Sprache ist noch heute das Mitteldeut- sche — welche Brücke führt von ihnen zu den steiri- sehen Bauern, bei denen mein russischer Aachbar gelernt hat, Lügen wären sür Kürbisse ein vorzüglicher Dünger?
Die Grmeländer sind aus Schlesien eingewandert. Und siehe da: auch da gibt es Kürbisbräuche. Dort nimmt der Bauer seinen größten Topf, wenn er Kürbisse setzt und trägt den Samen in diesem Topfe aufs Feld oder in den Garten und ist überzeugt davon, daß dann die Kürbisie mindestens so groß werden wie der Topf.
Was ist das für ein sonderbarer Zusammenhang zwischen Lügen, Pantoffeln, großen Töpfen und Kürbisien? Ich habe ihn nicht gefunden. Wohl aber fand ich beim Suchen ein Buch des deutschen Forschers Dr. Heinrich Marzell, „Die heimische Pflanzenwelt im Dolksbrauch und Volksglauben" und da stand die Sache mit den Lügen, die die Kürbisse fördern, auch darinnen.
Und die vom Pantoffel auch. Aber der soll noch eine ganz andere Kraft besitzen. (Aicht die, die Sie meinen, meine Herren Ehemänner.) In Süddeutschland ist der Brauch weitverbreitet, in die Gurkenbeete einen alten Pantoffel hineinzulegen, der es in sich ha- ben soll, die Gurken dahin zu bringen, daß sie reichlich tragen und nicht „falsch blühen". Unter „falsch blühen" versteht man dort die untern Blüten, die meist männliche Blüten sind — es werden also sogar im Gurkenbeet die Männer zum Respeckt vor dem Pantoffel erzogen.
In Unter-Franken wiederum kümmert man sich mehr um die Zwiebeln. Zwiebeln sollen scharf sein. Wie gibt man ihnen Schärfe? Die Mütter nehmen
Durchführung der reicht wird.
ihre Kinder in den Garten mit zum Zwiebelsetzen und nun haben die Kinder die Aufgabe, die Mutter olange zu ärgern, bis sie zornig wird. Zwiebeln, die von Zornigen, womöglich Jähzornigen gepflanzt wurden, sind, so sagt man dort, besonders scharf.
Hinsichtlich der Petersilie sind da die Meinungen geteilt. Die Unterfranken sind für den Jähzorn. Der hilft, so sagen sie, nicht nur den Zwiebeln, auch die Petersilie mache er kräftig. Die im Badischen sind da ganz anderer Meinung. Sie verlangen, daß die Hausfrau beim Säen der Petersilie lache oder doch zumindest lächle. Und da wurzelt der Brauch tief in der Zeit, die an Zauber glaubte. In gewissen Gegenden behauptet man, die Petersilie fördere die Liebe. Also muh die Frau, die sie sät, lächeln, um den Liebeszauber zu gründen.
Uralte Verbundenheit des Menschen mit dem Boden lieh Reste früherer Bräuche bis in unsere Tage bestehen. Die immer mächtiger werdende Rückkehr zur Scholle hegt sie. Aber ich möchte Loch ausdrücklich feststellen, dah ich keine Lügen erzählt habe. Wir haben gar keine Kürbisse.
Der französische Finanzminister R e y n a u d mußt- vor der Finanzkommission der französischen Kammer zugeben, daß aus dem Etat 7 Milliarden verschwunden seien, ohne daß er angeben konnte, wofür diese enorme Summe verausgabt worden ist. Man nimmt allgemein an, daß das Geld für geheime Rüstungsausgaben verwandt wurde.
billigen will, muß die Steuergesetze verein- fachen. Die deutschen Reichssteuerbeamten haben wiederholt und noch in jüngster Zeit Vorschläge für eine Vereinfachung d e r Reichs st euer- Verwaltung unterbreitet und erwarten, daß ihre damit gezeigte positive Mitarbeit endlich berücksichtigt wird."
3m französischen Etat verschwinden 1 Milliarden.
Die Parole in Tirol: „Haltet euch bereit."
Lügen und Kürbisse, Lächeln und Petersilie.
Don Alexander Stern.
Mein Aachbar war einmal Russe, was er jetzt ist, weih ich nickt. Ich weih nur, dah er sür meine Frau und für mich die oberste Instanz in allen Gar- tenangelegenheiten darstellt. Wir sind blutige Anfänger, er ist ein Mann, der in allen möglichen Ländern Erfahrungen gesammelt hat und wenn er mir sagt, daß die Bleichsucht eines unserer Obstbäume - wir haben deren fünf und sind furchtbar stolz darauf — mit Eisenvitriol zu heilen ist, dann schwöre ich drauf. Llnd erzähle ihm dafür, dah Nigella da- mascena, die er gerade aussät und „Mädchen im Dusch" nennt, in Oesterreich „Gretl in der Stauden" heißt. Lind warum? Weil die Leute erzählen, Gretl wäre einmal die Tochter eines reichen Großbauern gewesen, und hätte den Hans geliebt, einen armen Häuslersfohn. Dec Bauer wollte sie dem Hans nicht geben und wies ihn vom Hof. Die Gretl stand nun im Garten und blickte ihrem Hans so lange nach und der Hans blickte so oft nach ihr zurück, daß aus der Gretl eine Blume wurde, die sanft blaue Gretl in der Stauden und aus dem Hans der „Hansl am Weg", der Vogelknöterich, Polygonum aviculare.
„Sehr schöne Geschichte, sehr", sagte der Aachbar. „Ich habe vor zwei Jahren, Sie wohnten damals noch nicht hier, solche Gretl, wie Sie sagen, gepflanzt, die wurde höher als mein Haus, in einem Jahr, bitte, und dann wuchs sie über Dach und auf die andere Seite von Haus und dort sie hat wieder Wurzel geschlagen, und Haus stand da wie in einer Laube."
Aanu, denke ich, der Mann spricht noch immer schlecht Deutsch, dafür lügt er um so besser.
„Und drei Jahre vorher ich habe Kürbisse gehabt, da, wo ich jetzt eben wieder Kürbisse pflanze und da ist einer gewachsen und gewachsen und gewachsen und im Mai er war so groß wie ein Faß und in Juni wie ein Wagen und in Juli wie kleine Haus und in August wie große Haus, und wir haben damals gerade unser Häuschen umgebaut, allo wir haben eine Tür in den Kürbis gemacht und haben in dem Kürbis gewohnt, ich, die Frau und alle vier Kinder und Hund auch und Freund, was zu Besuch kam auch und — "
„Jetzt hören Sie schon auf, zum Donnerwetter. Mensch, was pflaumen Sie mich so an?"
„Ai? Pflaumen - Kürbisse." And er lachte übers ganze Gesicht.
Polarforscher — Sträfling — Sportlehrer.
Als sich vor einigen Monaten die Tore des Zuchthauses von Leavenworth vorDr. Frederick Cook öffneten, stand er verlassen in der amerikanischen Welt. 20 Dollar in der Tasche und den Ruf des Vorbestraften auf seinem Aamen. Außerdem vergaß man ihm nicht die Aordpolaffäre, jene Sensationsangelegenheit, die vor 18 Jahren aktuell war und die ganze Welt bewegte. Man weiß heute noch nicht eindeutig, ob Cook nun ein Schwindler war in seiner Aordpolaffäre oder ob er sich nur irrte — oder den Intrigen seines Gegners Pearh zum Opfer siel. Und in seiner Petroleumangelegenheit, derenthalben er ins Zuchthaus kam. kann man noch skeptischer sein. Man warf ihm vor, Aktien auf wertlose Gebiete in Mexiko ausgestellt zu haben. Jetzt hat man doch Pe- troleum da gefunden, wo Dr. Frederick Cook es behauptete. Aber ihm gehört nichts mehr von all diesen Dingen. Und so kam es, dah er als armer Teufel auf der Straße stand, als man ihn in Leavenworth begnadigte.
Trotz seines hohen Alters,-er hat die 60 weit überschritten, steht er noch immer auf festen Füßen. Er hat schon einen neuen Beruf gefunden-und zwar einen ganz modernen. Gr wird Direktor einer Anstalt sür Leibesübungen.
Oie deutsch-russische Schlichtungs- kommijsion.
Moskau, 16. Iuni. (WTB.) Im Konferenzsaal des Außenkommissariats fand heute d:e erste Sitzung der deutsch-russischen Schlichtungskommission statt. Den Vorsitz führte das russische Kommissionsmitglicd S t o m o n j a k o f f, der die deutschen Mitglieder begrüßte. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung der Schlichtüngskommission stehen drei-
Innsbruck, 17. Juni. (TU. Funkspruch.) Montagabend fand hier ein Generalappell der Innsbrucker Heimatwehr statt. Der Landesführerstellvertreter Dr.Schweinitzhaupt betonte in einer Ansprache, daß sich
Sochschulnachnchten.
Professor Dr. Viktor Müller-Heß in Bonn hat den an ihn vor längerer Zeit ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der gerichtlichen Medizin an der Llniversität Berlin als Rach- folger von Prof. Fritz Straßmann angenommen.
Major Pabst, der Führer der österreichischen Heimwehren, ist aus Oesterreich ausgewiesen worden und hat sich im Flugzeug nach Venedig begeben. SchoberttägMVerantworlung
Wien, 16. Juni. (WTB.) Jm Auftrage der Landesregierung von Tirol brachte heute der Landesrat G e b h a r d t dem Bundeskanzler Dr. Schober den p r o l e st der Landesregierung gegen die Ausweisung des Majors Pabst zur Kenntnis. Gebhardt erklärte, dah diese Mah- nahme, über die in weiten Kreisen der Tiroler Bevölkerung Aufregung herrsche und die ohne vorherige Fühlungnahme mit der Landesregierung erfolgt sei, obwohl Pabst einen ständigen Wohnsitz in Innsbruck gehabt habe, weniger gegen die Person. Pabsts, als gegen die heimwehrbe- w e g u n g f e l b st gerichtet aufgefaht werde. Daher werde dieser Schritt um so mehr bedauert. Bundes- kanzler Schober erklärte, für das Vorgehen der Polizei die Verantwortung zu übernehmen, da genügend Material gegen Major Pabst vorliege.
traaspflichtig sind die Beamten und Ange- stellten des Reiches, der Länder, der Gemeinden und Gemeindeverbändc, der Reichsbank, der sonstigen öffentlich-rechtlichen Körperschaften der Deutschen Reichsbahngesellschaft und die Soldaten der Wehrmacht, ferner die Beamten und Ange- stellten bei Unternehmungen und Einrichtungen mit überwiegender Kapitalbeteiligung öffentlich- rechtlicher Körperschaften, weiterhin die Empfänger von Wartegcld, Ruhegeld, Witwen- und Waisengeldern und anderer Bezüge oder Geldwerten für frühere Dienstleistungen, die vom Reich, von den Ländern und den übrigen öffentlich-rechtlichen Körperschaften gewährt werden.
Der Kreis dec P r i v a t a n g e st e l l t e n, die für die Reichshilfe in Frage kommen, ist wie folgt umschrieben: Sonstige Personen mit Einnahmen. die den Betrag von 8400 Mk. übersteigen und wenn es sich nicht um Personen handelt, die für den FaU der Arbeitslosigkeit pflichtversichert sind- _ , , , „ ,
Bon dem Beitrag sind befreit: %bei.t* nehmer, bei denen ein Steuerabzug vom Arbeitslohn nicht vorzunehmen ist oder die Angestellten, falls sie seit dem 1. Iuli 1929 oder einem spateren Zeitpunkte fortlaufend ein Iahr hindurch in Beschäftigung, gestanden haben. Der Beitrag beträgt 4 Prozent der Einnahmen. Bei den Behördenangestellten, die der Arbeitslosenversicherung unterliegen, beträgt der Beitrag 2 Prozent der Einnahmen.
In dem Entwurf eines Gesetzes über ein Ledigennotopfer für das Rechnungsjahr 1930 heißt es: Ledig im Sinne des Gesetzes gelten nur die Personen, die nicht verheiratet sind oder waren. Unverheiratete Frauen, denen Kinderermäßigungen nach dem Cinkommengeseh zustehen, sind vom Aotopfer befreit.
Auch Preußen gegen das Aotopfer.
Dafür Besteuerung entbehrlicher Genutzmittel
Berlin, 17. Juni. (CAB.) Vas preußische Staaksministerium hielt gestern nachmittag eine Sitzung ab, in der es sich mit den Finanz- vorfchlägen der Reichsregierung und mit der Stellungnahme Preußens im Staatsrat zu diesen Fragen beschäftigte. Die preu- ßische Regierung dürfte sich, so heißt es im „Berliner Tageblatt", nicht auf diesen Vorschlag festlegen, insbesondere dürfte sie dem R o t o p f e r mindestens im gegenwärtigen Umfange nicht zustimmen. jnnerhalb der preußischen Regierung scheine die Ansicht Raum zu gewinnen, daß der Fehlbetrag im Reichshaushalt eher durch die B e - fteuerung entbehrlicher Genuhmittel zu decken sei, soweit nicht die Ausgabensenkung ausreiche.
Eine Kundgebung des Deutschen Beamtenbundes.
Am Sonntag fand im Sportpalast zu Berlin, der bis auf den letzten Platz besetzt war, eine öffentliche Kundgebung des Deutschen Beamtenbundes zu den von der Reichsregierung geplanten Maßnahmen statt. Rach einer Ansprache des Bun- desvorsitzenden Flügel und einem Referat von Ackert Lenz wurde einstimmig die nachfolgende Ents chli eßung angenommen:
„Die Mitglieder des Deutschen Beamtenbundes, zu "Tausenden versammelt ini Sportpalast Berlin, unterstützt durch Zustimmungstelegramme aus allen Teilen des Reiches, erheben laut und öffentlich Protest gegen die von der Reichsregierung im Ausgabensenkungsgesetz, im Spargesetz und im Deckungsprogramm gegen die Beamtenschaft geplanten - Maßnahmen. Sie sehen darin eine u n - geheure rechtliche und wirtschaftliche Schädigung der Beamten, zum Teil nur möglich unter Umgehung der Verfassung, äußerst unsozial in ihrer Art, die zudem die allgemeine Arbeitslosigkeit vergrößert und das Vertrauen der Beamtenschaft zum demokratischen und sozialen Volksstaat untergräbt.
Die Versammelten erklären sich nach wie vor bereit, gemeinsam mit allen leistungsfähigen Dolks-
die Tiroler Heimatwehr die Verhaftung des Majors Pabst nicht gefallen taffen werde.
Die Heimatwehr habe nichts Verbotenes getan. Der Dank für ihre vaterländische Haltung bestehe darin, daß die Regierung Verrat an ihr übe. Gegen die bolschewistischen Ruhestörer in Oesterreich geschehe nichts. Die Tiroler Heimatwehr stehe t r e u z u M a j o r P a b st, der auch weiter ihr Stabschef bleibe, bis er wieder Tirol als sein zweites Heimatland bezeichnen könne. Dr. Schweinitzhaupt schloß, die Bundesführung der Heimatwehr hat heute in Leoben wichtige Beratungen gepflogen.
Die Beschlüsse bleiben vorläufig geheim. Jch sage euch ober eins, Kameraden: „haltet euch bereit!"
Die Rede wurde wiederholt von stürmischen Zwi- schenrufen unterbrochen, die sich insbesondere gegen die Regierung Schober richteten.
Demissionsgesuch Dr. Hainischs.
Wien, 16. Iuni. (WTB.) Der österreichische Bundesminister für Handel und Verkehr Dr. H a i n i s ch überreichte heute, wie in politischen Kreisen zuverlässig verlautet, dem Bundespräsidenten sein Demissionsgesuch.
öer neue (Stabschef der Heimwehren.
Wien, 16. Iuni. (WTB.) Wie aus Leoben gemeldet wird, hat die erweiterte Dundesfüh- rung der Selbstschuhverbände heute abend über die durch die Ausweisung des Majors Pabst sich ergebende Lage beraten. Die Verhandlungen und Beschlüsse wurden als vertraulich erklärt. Mit der Leitung der Geschäfte des Stabschefs der österreichischen Selbstschuhverbände wurde bis auf weiteres der Heimwehr sichrer Ingenieur Sauter aus Steiermark betraut.
tert der Verhältnisse auch senkt werden müssen. Der Bundesvorstand hat deshalb Verständnis für das Bestreben, die öffentliche Verwaltung zu verbilligen. Dieses Ziel wird aber nicht erreicht durch Maßnahmen der geplanten Art. Die Mehrzahl der in dem Ausgabensenkungsgesetz zu Lasten der Beamtenschaft enthaltenen Pläne hat jedenfalls keine wesentliche finanzielle Auswirkung, wobei jedoch aus staatspolitifchen Erwägungen Teile des Pro
ste eine einseitige und ungerechte Maß- nähme. Bei der schwierigen Lage des Reiches und der großen Rot vieler Volksgenossen müssen alle Schichten des deutfchen Volkes entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu den allgemeinen Lasten herangezogen werden. Der Gesamtvorstand des Bundes Deutscher Reichssteuerbeamten weist dabei erneut darauf hin, daß eine wirksame Erleichterung der Finanzlage des Reiches vor allem durch eine wirtschaftlich tragbare und sozial gerechte Steuergesetze er«
gramms der Reichsregierung eine Verhandlung!;- grundlage bilden können.
Die Reichssteuerbeamten warnen Regierung und Volksvertretung, durch verfehlte Sparmaßnahmen die Reichssteuerverwaltung bei der Erfüllung ihrer großen staatspolitifchen Aufgaben zu beeinträchtigen. Weitere Einsparungen bei den werbenden Ausgaben der Reichssteuerverwaltung müssen zwangsläufig zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Finanzlage des Reiches führen.
Wer ernsthaft die Reichssteuerverwaltung ver-
Aber diesen neuen Posten tritt er erst in einigen Wochen an. Zur Zeit reist er im Lande umher und hält Vorträge, lieber seinen eigenen „Fall" zu schreiben oder zu reden, hat man ihm von der Obersten Staatsanwaltschaft aus verboten. Aber sonst hat er natürlich das Recht der Meinungsäußerung. So „macht" er denn jetzt in der ebenfalls sehr aktuellen und modernen Rauschgiftbekämpfung. Das Material darüber kannte er schon, denn er studierte die Literatur im Zuchthaus. Ferner hatte er ausgezeichnetes Beobachtungsmaterial, da er in den letzten Jahren in seiner Eigenschaft als Arzt im Zuchthaus mit der gesundheitlichen lleberwachung der Gefangenen von Leavenworth betraut war.
Seine Feststellungen sind erschütternd, bringen vollkommen neues Material und Zahlen, die selbst für Amerika erstaunlich wirken. Er rechnet, dah durchschnittlich 40 bis 50 Prozent aller Amerikaner in irgendeiner Form „süchtig" sind. Mehr als 4 Millionen der Bewohner der Vereinigten Staaten gebrauchen regelmäßig Rauschgifte. — Er weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dah in England die Gefängnisse leerer werden, während Amerika neue hinzubauen muh.
Im Gefängnis von Leavenworth waren sogar 30 Prozent aller Insassen den Rauschgiften ergeben. Meist waren die Süchtigen dem Laster schon so weit verfallen, dah es sich nicht mehr lohnte, mit einer Kur bei ihnen zu beginnen. Frederick Cook hat sich nun auf dieses Problem geworfen und ein Verfahren ermittelt, durch das ein Rauschgiftsüchtiger angeblich in einem Gefängnis als Sträfling in vier Wochen kuriert werden kann. Sämtliche amerikanischen Strafanstalten und Zuchthäuser haben dieses System angenommen.
Wenn nicht alles trügt, wird man in Amerika .für Cook doch eine Rehabilitierungskampagne inszenieren. Und wenn er erst makellos dasteht, dann wird er wieder mit seinen Plänen und Projekten beginnen, die seine stärkste Seite waren. Das Zuchthaus von Leavenworth konnte den einst so grohen und dann so klein gewordenen Cook nicht zerbrechen.
Eine neue Gpionageassäre.
Minden, 16. Iuni. (Eigene CRB.-Mel- düng.) Das seit Sonntag in Minden umlaufend« Gerücht, daß am Samstag eine a u f s e h e n - erregende Verhaftung vorgenommen worden sei, hat sich jetzt als wahr erwiesen. Wir können zu dem Vorfall heute folgendes berichten: Dem Zuge, der gegen 22 Uhr aus Köln hier eintraf, entstieg die Gattin des Obermusikmeisters der 2. Abteilung des 6. Artillerieregimentes P a u l A d a m. Sie wurde von ihrem Mann am Bahnsteig erwartet, der sie mit den Worten: „H a t a l l e s g e k l a p Pt? empfing. In diesem Augenblick wurde das Ehepaar Adam verhaftet. Zwei Beamte der Spionageabwehr in Koblenz waren Frau Adam, die aus dem besetzten Gebiet zurückkam, während der ganzen Fahrt unauffällig im Zuge gefolgt. Die hiesige Kriminalpolizei war verständigt worden und schritt infolgedessen zu der Verhaftung. Wie wir hören, sollen
schwere Verfehlungen des Obermusikmeisiers (Landesverrat) vorliegen, die erst noch in ihren Einzelheiten untersucht werden. Frau Adam ist eine geborene Lothringerin, die offenbar ihre Beziehungen mißbrauchte.
Sie soll, als sie ankam, den Lohn für ihre Tätigkeit in der Handtasche gehabt haben. Adam und seine Frau wurden ins hiesige Gerichtsgefängnis übergeführt. Das Motiv zu den Verfehlungen soll in mißlichen finanziellen Verhältnissen zu suchen sein. Das Ehepaar, das vier unmündige Kinder hat, soll über seine Verhältnisse gelebt haben.
schichten nach Maßgabe ihres wirtschaftlichen Könnens im Rahmen eines umfassenden Aufbau- plans zur Gesundung der Finanz- und Wirtschaftslage des deutschen Volkes beizutragen; sie müssen aber eine Sonder belastung dec Beamtenschaft a b l e h n e n , die aus augenblicklicher Verlegenheit entstanden keine Gewähr für eine weitsichtige aufbauende Finanzpolitik bietet.
Die Versammelten bekunden volles Verständnis für die Rot aller darbenden Volksgenossen, die zu beheben auch ihre ernste Sorge ist. Sie sind aber auch entschlossen, jeden Eingriff in ihre rechtlichen und wirtschaftlichen Lebe n s i n t e r e s s e n geschlossen abzuwehren und geloben dem Deutschen Beamtenbunde jede Unterstützung in dem aufgezwungenen Abwehr- kämpfe."
Oie Stellungnahme cer Reichssteuerbeamten.
Die Ortsgruppe Gießen des Bundes Deutscher Reichs st euerbeamten übermittelt uns die nachfolgende Entschließung des Bundes mit der Bitte um Veröffentlichung:
„Die unbedingt notwendige Sanierung der Reichsfinanzen erfordert Opfer vorn gesamten deutschen Volke. Die deutschen Reichssteuerbeamten, die durch ihre Tätigkeit mit allen Teilen des Volkes in engster Fühlung stehen, wollen zu ihrem Teil daran mittragen.
Sie verwahren s i ch jedoch mit Entschiedenheit dagegen, daß der Beamtenschaft besondere Opfer auferlegt werden sollen. In dem geplanten N o t o p f e r der Festbesoldeten erblicken


