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Aus der Provinzialhauptstadt

Drehen, den 17. Februar 1930.

Was hast hu davon?

Aus dem Munde einer Frau vernahm ich diese Frage, die gegen ihren Mann gerichtet war. Aber nicht nur die Frage und die Antwort waren bedeutsam, sondern auch der Ton, in dem sie gestellt wurde. Ganz schlicht und einfach, ganz sachlich, auch ohne rede Schärfe und ohne Dorwurf fragte die Frau in der Aussprache, die um eine Regelung ging, die der Mann getroffen hatte: Hast du etwas davon? Haben die an­deren etwas davon? Der Mann konnte sich an­scheinend dieser klaren Frage nicht entziehen, viel­leicht war er auch aufrichtig genug, dah er gar keine Ausrede, keine Abschweifung oder Ablen­kung suchte. Ebenso schlicht, wie die Frage lau­tete, sagte er sein Olein. Hub die Antwort darauf war ein einziges Wort: Also!

Das war keine Auseinandersetzung, wie man sie östers zwischen einander nahestehenden Men­schen finden kann. Sie hatten beide den Willen zur Sachlichkeit, und darin lag das Gute dieser Aussprache, deren Fortgang ich nicht mehr hören wollte. Immerhin konnte ich sehen, dah sie beide in völliger Harmonie weiterplauderten.

Also. Ich muhte daran denken, wie oft sonst wohl durch unsachliche Auseinandersetzungen nicht nur der eigentliche Zweck nicht erreicht wird, sondern das Gegenteil: Verbitterung, Hah, Entfremdung. Aber noch wichtiger erschien mir, dah hier die Frau sozusagen den Stier bei den Hörnern faßte, indem sie ganz schlicht die Frage stellte, auf die cs in diesem Falle ankam und auf die cs sehr oft ankommt. Sie hätte auch fra­gen können: War das von dir nicht ungeschickt gehandelt? Dadurch hätte sie sicher Widerspruch herausgefordert. Eben diese rein praktische Frage lieh gar kein Ausweichen zu. llnb würbe man sie sich öfter stellen, man ginge wohl meist burch Fährnisse unangefochten hinburch, währenb man so nur allzuoft in Schwierigkeiten gerät.

Was hast du bavon, wenn du dich von dei­nem Zorn hinreihen läßt? Was haben bie an­dern bavon? Was nützt es dir. wenn bu jetzt eine Stichelei antoenbeft, ein Spottwort gebrauchst, irgendeine bissige Bemerkung hinwirsst? Nichts. TS schadet dir.

Gs gibt Fälle, in denen man sich nicht fragen kann: Was habe ich davon? sondern wo man (ragen muß: Dient es den andern, dient es der Allgemeinheit? Aber bei solchen Fragen bringt man schon öfter bie notwendige Sachlichkeit auf, wenn sie nicht gar zu sachlich ist. Wo es mangelt, das ist schon dort, wo es um das eigene viel­geliebte Ich geht.

Freilich: Eine absolut sichere Frage ist es auch Glicht. Wenn bie Frauen vieler bebeutenber Männer gefragt hätten: Was hast du davon? und bie Männer hätten geantwortet: Nichts! und hätten so gehandelt, wie es bie Antwort forderte, wir hätten wohl nicht die Hälfte der bedeutenden Werke der Kunst und Wissenschaft, deren wir uns heute erfreuen und bie zu unferm größten Aktiv­posten unserer Kultur gehören. Hnb nicht nur das. Auch viele anbere große, weltumstürzende Taten wären ungetan geblieben. Es ist zuweilen erforderlich, diese Frage anders zu stellen. In­dessen, für den Alltag ist es gewiß eine wich­tige Frage, die manches Gute bewirken, manchem Unhell vorbeugen kann. Wenn man bei reif­

lichster Heberlegung einmal sagen kann und muß: Ich habe zwar nichts davon, aber ich biene doch einer grüßen Sache! bann mag man der Frage getrost entgegenhanbeln. Es müssen ja nicht immer neue Welten geboren werden. Auch Kärrner sind notwendig, wenn ein Palast errichtet werden soll. Und ganz ohne Gewinn ist man niemals, auch wenn der Gewinn nicht immer in klingender Münze auszuzählen ist. S.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Licht» spielhaus, Bahnhofstraße:Die weiße Schwester von St. Beith" undDas rote Schwert". Astoria- Lichtspiele:Casanovas Erbe".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Das Stadttheater Gießen bereitet zur Zeit drei Premieren vor. Morgen, Dienstag, 18. Februar, geht Shakespeares Lust­spielWie es Euch gefällt in Szene: außerdem haben die Proben zu MaughamsSie heilige Flamme" begonnen. In diesem Schauspiel wird Auguste Prasch-Grevenberg in der Nolle der Mutter gastieren. Als dritte Erstaufführung wird als Fastnachtsstück der SchwankWeekend im Paradies" von Franz Arnold und Ernst Dach probiert. Das Shakespeare-Lustspiel wird unter der Regie des Oberspielleiters Hans Sanner t herausgebracht. Es ist der Spielleitung darum zu tun, vor allem die Liebesszenen zwischen Orlando und Rosalinde in einer mooern spielerischen Form barzustellen. Cs wirken mit die Damen Doering, Fuhrmann, He,,. Jafjn, Scherer, unb die Herren Arzdorf, Dommisch, Fassot. Haeser, Hais, Heitzig, Sub, Linkmann, Ritter, Schubert, Seih, Tanncrt, old, Wesener, Zingel. Bühnenbilder: Karl Löff­ler. Köstüme: Kurt Huber, Beleuchtung: Ludwig Keim.

Daten für Tienstaq. 18 Februar.

Sonnenaufgang 7.09 Uhr, Sonnenuntergang 17.20 Uhr. Monoaufgang 0 Uhr, Monduntergang 9.13 Uhr.

1546: Martin Luther in Eisleben gestorben (geboren 1483); 1564: der Bildhauer unb Maler Michelangelo Buonarroti in Rom gestorben (geboren 1475); 1857: der Maler, Radierer unb Bildhauer Max Klinger in Leipzig geboren (gestor­ben 1920).

2.11. Bon ber Landes-Universität. Dr. meb. Hans Edwin Büttner, der sich für das Fach bet inneren Medizin an unserer Uni­versität zu habilitieren wünscht, wird Dienstag. 18. Februar, 5 Uhr, in der Kleinen Aula seine öffentliche Probevorlesung halten über das Thema: Neue Ergebnisse der Kreislaufforschung unb ihre Bedeutung für die praktische Medizin".

** Evangelisch-kirchliche Personalie. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrassi- ftenten Karl Schlaudraff zu Gießen die evan­gelische Pfarrstelle zu Steinbach a. T., Dekanat Offenbach, übertragen.

* Ein Gastspiel deS Winters haben wir nun auch seit gestern abend. In den späten Abendstunden fing es erst leise, bann furae Zeit- lang stärker zu schneien an, aber bald stellte Frau Holle ihre Arbeit wieder ein. Erst in den späte­ren Nachtstunden muß der Schneefall erneut be­gonnen haben, denn heute früh fand man allent­halben weiße Dächer unb weiße Straßen vor. In der Innenstadt dauerte bie weiße Herrlich­keit jedoch nicht lange, hier wurde alles schnell zu dem üblichen Schneematsch. Daß bie Herrschaft

des mit so großer Derspätung bei uns cingekehr- ten Winters lange dauern wird, erscheint ange­sichts der vorgerückten Jahreszeit allerdings fraglich.

** Jubilar-Ehrung. Herr G. S ch a d, der am 15. d. M. auf eine 50jährige Tätigkeit im Hause Ge» brüber Görlach (Limburg) zurückblicken konnte, war wie man uns berichtet der Gegenstand vieler Ehrungen und Aufmerksamkeiten, die den Beweis erbrachten, welcher Beliebtheit sich der Jubilar er­freut. Am Samstagvormittag wurde ihm ein Ehren- brief desHerrn Reichspräsidenten überreicht. Zahlreiche §irmen, der Kaufmännische Berein Gießen, die ltersvereinigung 18591909, der Verband reisen­der Kaufleute und die Sterbekasse des Verbandes, deren Vertrauensmann Gustav Schad ist, beglück­wünschten den Jubilar zu seinem DienftjubUäum und überbrachten ihm als äußeres Zeichen ihrer Wert­schätzung Geschenke. Die Sektion Gießen vom 23er- band reisender Kaufleute Deutschlands hatte für Samstagabend in den Saal des HotelsPrinz Karl" zu einem Ehrenabend eingeladen. Eine stattliche An- zahl Gäste und Kollegen des Jubilars hatten sich eingefunden, so daß der Saal überfüllt war. Der Vorsitzende der Sektion Gießen, Herr G r a oe l i u s, begrüßte die Erschienenen und wies auf die Bedeu­tung dieses Jubiläums hin. Die Festrede hatte Herr Karl Weidig übernommen. In längeren Aus­führungen wurde der Jubilar als ein Reisender vom alten Schrot und Korn gefeiert, an dem sich jeder Reisende ein Beispiel nehmen könne. In den 50 Jahren seiner Rcisetätigkeit habe der Gefeierte manche Veränderung wahrnehmen können. Reben der Aus- Übung seines Berufes sei er auch als treues Mit- glicd des Verbandes reisender Kaufleute stets für die Interessen der reisenden Kaufleute eingetreten. Gemeinsame Lieder und noch manche launige An- spräche, die alle in dem Wunsche ausklangen, daß cs dem Jubilar noch lange vergönnt fein möge, feinem Berufe nachgehen zu können, füllten den Abend aus.

* Lichtbildervortrag im Iug end- bund des G.D. A Gießen. Einen inter­essanten Lichtbildervortrag über das Thema Bon der Zugspitze zum Watzmann" veranstal­tete im Heimabend am vergangenen Donners­tag der Iugendbund im G. D. A. Gießen. Herr­liche Landschaftsbilder führten vom Loisachtal durch das Bayrische Hochgebirge über Parten­kirchen, Oberammergau, Königssee, Füssen mit seinen herrlichen Königsschlössern und land­schaftlichen Eigenheiten die Höhenzüge entlang in die Naturschönhciten der Alpenwelt. Den be­kannten Eibsee, Mittenwald, Walchensee, Kochel, Tölz, Tegern- und Schliersee, Traunstein und Berchtesgaden brachte diese Wanderung zum sa­genumwobenen Watzmann. Die ausgezeichneten Bilder vermittelten einen starken Eindruck dieses malerischen Panoramas der alpinen Welt.

Berliner Börse.

Berlin, 17.Febr. (WTB. Funkspruck.) Der erste Frühverkebr der neuen Woche zeigte das üb- liche geschäftslose Aussehen. In den Bankbureaus lagen noch keine Orders vor, und auch die Speku« latiort verhält sich in Ermangelung irgendwelcher Momente abwartend. Kurse waren noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 124,20, London gegen Mailand 92,88 zu 93, London gegen Spanien 38,92, London gegen Kabel 4,8610 zp 4.8615, London gegen Buenos 42,40, ßon- bon gegen Berlin 20,3625 zu 20,3650, Kabel gegen Berlin 4,1890 zu 4,195.

Gewfmnmszvg

5. Klaffe 34. Preußstch-Eilddeolsch« (260. Preuß.) Klaffen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verböte»

Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer

hohe Gewinne gefall, auf die Lose gleicher

Nummer in den beiden

Abteilungen I und II

15. Februar 1930

7. Ziehungstag

3n der heutigen Dormittagszlebung wurden Dewmn«

Dormittaasz! über 150 M.

gezogen

54889 67439 70907 74068 74997

144407

126705

18059

Sn der heutigen Nachmittagsziebung wurden Gewinn«

über 150 M. gezogen

182560

8 Qetoltm« |» 2000 M.

49858 62792 67497 74675 86514 88983

129916 133881 143523 147474 147690

164648 172370 187242 191673

235868 238634 238925 242988

Im GewMnrade verblieben: 2 Prämien zu je

500000, 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu f« 800000,

340074

362978

386498

279919

328763

366274

164518

227272

260551

294762

326456

145269 175993 183420

192186 199284 222166

318681

330808

370383

399390

262639

304057

379570

284404

309308

388266

288038

315462

391 riv

163952 190077

217794 232417

269033

49194

122828 152249

214203

258845

290005

324933

115778 148159 166328

202112

225083

247438

276098

290961

319912

330245

341130 372719 393439

282180 331041

368003

260695

298145

372784

153746

179507

226553

262862

290255

335387

376877

129931 154531

187491 211764 229064 259585 276722 302475 324304

336380 358666 376449

182420

204614

227675

267015

297284

354294

388777

15186

180115 183474 192786

205881

225493 239500 270329 308075 318865

331261

384282 399816

166162 215685 233312 269875 317920

357849

117152 170273 215822

237073 273811

321057

137904 171956 182469 191828 199227

213709 230807 253859

289562 315183 329444 365679 398800

227416

240304

278736

308243

322104

348983

389748

115652 143980

165591

191238

218456

234282 274768

289043

317774

329216

340567 365376

392176

136886 171790 181401 190416 196819 209211

228947 251495 284581 314838 324418 358655

394114

117684 150408 169614 208372 226708 261962 276355 299942 322615

331695 346743 374947

7385 112893 166543

158528 189931

213788 231070

260738 278704 311004

136823 164367

181044 185565 195211

206897 227849

246570 284541

311267 322306

353005 391284

13910 148578

12372 26634 144258

331593 334911

11733 34118 38984 51571

218201 236896 257029

I 281805 313486 314588

4 C^ttolnne au 5000 TL 1

4 öttoinne iu 3000 M. 1

16 Oke hin# »u 2000 TL 160613 269796 284625

38 ®#tr>tnn» it> 1000 TL 77025 135740 159034 258017 260521 274093

2»ttrtnnt |u 10000 TL 344070 ----- 149845 338795

4ttHnne gt> 5000 TL 32185 46965

8 ®e®inn» |D 3000 TL 48211 48718

395756

333785 365027 372207

104 OftDtnn# iu 600 TL 4679 25940 34552 36895 ----- ----- --------------- 105172 106955

35405 36936 41905 54400 56612 63939 66714 81121 85875 85937 105784 110256 112265 113934 ------ ------ ------ ------ 135040 140260

355478

34 ®#»tnne gu 1000 TL 15767 63831 65631 80696 83243 91287 136060 171352 185958 189869 196020 213748 224853 296479 359133 376836 390248

96 ®»1D nn» |U 500 TL 8662 21419 29306 44527

50109 50968 51160 65184 70214 80606 94831 96806 97627 107906 117701 123033 y-- ------ ------ ------ 159252

395797

200 Gewinn« » 300 TL 4681 7098 7181 7228 16915 21507 25416 29156 29703 30372 31820 32415

360094 ______ ______ ____

204 Gewinne ro 300 TL 3354 8331 ----- -----

21112 22752 23414 23795 26472 35859 38897

2 xu je 200000, 4 zu je 75000, 2 zu je 60000, 12 zu je 25000. 68 zu je 10000, 120 zu je 6000, 348 zu je 8000, 680 zu je 2000. 1656 zu je 1000, 8494 zu je 500, 9062 zu je 300 M.

Ein Mercedes-Benz Innenlenker

=

=

für RM. 5980

=

Mercedes-Benz TypStuttgart

=

RM. 5980

(ab Werk)

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Daimler-Benz A.-G., Verkaufstelle Giefeen, Bahnhofstraße 90/92

34TV

'immmmmnmmimmimiiiiinmm7nmnmmnmmm77mmi!iu!i!ummimnnimlmmiimiimanmiuiimimniinimiiiimniianniiiii!iiinmmi!iiuinminiiuiiniiuuiumemmnmmiiiuiuiiiimninmnnmiimnmnminmiinmiiiunniimiiiniiianmmniimilmiiuiiniiuunimii!i'

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Ausschlaggebend bei der Wahl eines Kraftfahrzeuges ist allein der Gegenwert, den es für seinen Kaufpreis bietet. Mercedes-Benz liefert seinen Kunden Wagen, die auch den aufs Höchste gesteigerten Ansprüchen spielend gerecht werden. Erst in den letzten Tagen haben die großen internationalen Zielfahrten nach Monte Carlo und Gar misch die unerhörte Leistungsfähigkeit der Mercedes-Benz-Wagen, insbesondere des

erneut öffentlich bewiesen.

Die gründlichen Erfahrungen, über die wir als die ältesten Automobilwerke der Welt verfügen, die voll­endeten technischen Einrichtungen unsrer fünf Werke und die Spezialisierung dieser Werke auf einzelne Typen haben es uns ermöglicht, den Preis unsres Typ Stuttgart 200 (8/38 PS) auf

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für den 4/5sitzigen Innenlenker mit der hochwertigen Karosserie aus unsrem Werk Sindelfingen festzusetzen. Wir liefern damit einen Wagen von anerkannter internationaler Klasse und erprobter Qualität zu günstig­stem Preis t

Treffen Sie Ihre Wahl nicht, ohne Mercedes-Benz geprüft zu haben 1

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