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Montag, U. Zebruar 1930

Nr. 40 Erstes Blatt

180. Jahrgang

Die Religionsverfolgungen in der Sowjetunion

Oie bolschewistenfreundliche orthodoxe

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8t<m!?ur! moln011686. vnick und Verlag: vrühl'sche Univerfi1St§-vuch- und Zteindnlckerei K Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraste 7.

tag das Projekt weiterberaten. Gleich hn An- schluh wird der interfraktionelle Ausschuh unter­richtet und noch im Lause des Abends das Kabi­nett zusammentreten. Die endgültige Einigung hängt natürlich von den Einzelheiten ab.

Wenn es gelingt, das Problem der Arbeitslosen­versicherung zu losen, so werden die Parteien sich dann zunächst mit der Deckungsfrage zu be­schäftigen haben. Sie ist durch die Verhandlungen der vergangenen Woche insofern erleichtert worden, als die 154 Millionen aus dem Jahre 1928 e r st im Etat für 1931 erscheinen sollen. Das sog. Streichquintett dürfte keine großen Möglich­keiten für eine weitere Verminde­rung der Ausgaben gefunden haben, und so ist man sich sowohl bei der Deutschen Volkspartei als auch in der Sozialdemokratie darüber klar, daß das verbleibende Defizit nur durch neue Steuern abgedeckt werden kann. Bei dieser Ucbereinstimmung sieht man die Deckungsfrage trotz der Kämpfe, die sich zweifellos noch wegen der Sleuerarten entwickeln werden, keineswegs so kri­tisch an, daß nicht ein Kompromiß gefunden werden könnte. Schwierig dürfte die Situation dagegen werden, wenn die Deutsche Volkspartei als drittes großes Etatsproblem ihre Forderung einer f ü h l - baren Steuersenkung für das Jahr 19 31 zur Debatte stellen wird. Allerdings glaubt man in Kreisen der Regierungsparteien, daß der Etat für 1931 sehr viel leichter zu balancieren sein wird, da er nur mit 154 Millionen aus dem Jahre 1928 vorbelastet ist, und da weiter damit gerechnet wird, daß die Wirtschaftskrise inzwi­schen überwunden sein wird. Unter diesen Umständen hall man es für möglich, daß die übri­gen Koalitionsparteien den Wünschen der Deutschen Doltspartei entgegenkommen, die bis zu einem ge-

Lrfchelnt röglich,außer Sonntags und Feiertags.

Beilagen:

Die Illustrierte Gießener Familienblätter

Heimat im Bild Die öcholle

Msnat§-Be;ugrpreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Träger« lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummem infolge höherer Gewalt.

Zentsprechanschlüsse cnterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach-

Berlin, 16. Febr. (CAD.) 3m Vordergrund des politischen Interesses steht die weitere parla­mentarische Behandlung des Voungplans und der E t a t s f r a g e n. Aach Auffassung Ber­liner politischer Kreise hat die erste Woche, in der diese beiden Probleme im Plenum und in den Fraktionszimmern des Reichstages behandelt wurden, bereits gezeigt, dah sie nicht mehr voneinander zu trennen sind. Damit hat sich das Zentrum durchgesetzt, das in seinen bekannten Forderungen die Gleichzeitigkeit verlangt hat. Wie in Zentrumskreisen offen zu­gegeben wird, wollte die Partei durch diese Ver­koppelung die Gefahrenmomente vermindern, die sich aus den diesmal außerordentlich schwierigen Etats- und Steuerverhandlungen für den Be­stand der Regierung ergeben. Das Zentrum be­fürchtete, daß die Deutsche Volkspartei oder die Sozialdemokratie der Regierung den Rücken kehren könnten, wenn der Voung- plan bereits vor der Erledigung mindestens der wichtigsten Etatsfragen verabschiedet war.

Als bedeutungsvollstes Ergebnis der zahl­reichen Verhandlungen in dieser ersten Woche bewertet man in parlamentarischen Kreisen die Tatsache, dah In der komplizierten Frage der Arbeitslosenversicherung eine starke Annäherung erfolgt ist. Von einem rechtsstehen­den Berliner Montagsblatt wird zwar behaup­tet, dah die Sozialdemokratie diesen Plan nicht mitmachen werde. Diese Darstellung geht offen­bar auf die Stellungnahme desVorwärts" zurück, der in seiner Sonntagsausgabe starke Reserven zum Ausdruck bringt. Aus Kreisen der Regie­rungsparteien wird jedoch darauf hingewiesen, dah zunächst noch einmal die sozialpolitischen Referenten des Reichstages am Montagnachmit-

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Chefredakteur

Dr Friedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Ted Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Ma; Filter, sämtlich tn Gießen

seid der Weltpolitik verschwinden, ja noch viel­mehr in den Mittelpunkt rücken, als es bisher geschehen ist. Die innere Konsequenz des bol­schewistischen Systems führt trotz gelegentlicher Konzessionen doch immer wieder zwangsläufig zu Spannungen, Explosionen und schweren Zu- sammenstöhen mit der übrigen Welt. Hier kämp­fen überstaatliche Mächte miteinander um die Herrschaft über die Menschen. Die Schwie­rigkeit der deutschen Lage beruht darin, dah Deutschland als ein von den kapitalistischen Westmächten ausgeplünderter Staat neben dem Kampf um die christliche Kultur auch den Kamps gegen die Proletarisierung und Verelen­dung seiner eigenen Bevölkerung zu führen hat.

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Oie parlamentarische Lage.

Oie Deckung des Defizits im ^eichshaushalt. Annäherung der Parteien.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

erklärt

Kirche

WTB. Moskau, 16. Febr. Das Oberhaupt der sowjetfreundlichen griechisch-orthodoxen Kirche Rußlands Metropolit Sergius und die Mitglieder des Synods haben Ver­tretern der Sowjetpresse aus eine An­zahl Fragen über die Lage der Kirche in der Sowjet-Union Antwort gegeben und die Unter­redung in einer gemeinsam unterzeichneten Nie­derschrift festgelegt. Sie erklärten u. a.:

3n der Sowjet-Union gab es und gibt es keine Religionsverfolgungen. Gemäh dem Dekret über die Trennung von Kirche und Staat ist jedes Glaubensbekenntnis völlig frei und wird von keinem staatlichen Organ venvlat. Manche Kirchen werden tat­sächlich geschlossen, doch w.rd ihre Schlie- hung nicht au, Veranlassung der Behörde, son­dern auf Wunsch der Bevölkerung und in man­chen Fällen sogar auf Beschluß der Gläu­bigen vorgenommen. Die Atheisten sind in der Sowjet-Union als Privatgesellschaft zusam­mengeschlossen, und deshalb ist ihre Forderung auf Schließung von Kirchen für die Regierungs­organe keineswegs bindend. Don der Sowjet- regierurrg gegen Gläubige und Priester unternommene Repressalien gelang­ten keineswegs wegen religiöser Ueberzeugungen zur Anwendung, sondern wie anderen Bürgern gegenüber wegen verschiedener regie­rungsfeindlicher Handlungen. Das Mißgeschick der Kirche besteht nämlich darin, daß sie in den vergangenen Zeiten, wie allgemein bekannt, zu s ehr mit der monarchistischen Ordnung verwachsen war. Die gegenwär­tige Lage der Kirche unterscheidet sich erheblich von den früheren Zuständen. Zufolge der ra­dikalen Aenderung der Wirtschaft des Landes, die auf die Ablösung der alten Wirtschafts­formen durch neue (Kollektivisierung der Land­wirtschaft, Industrialisierung des gesamten Lan­des) hinausläuft, verschlechtert sich die Lage der Kirche. Wir geben jedoch nicht die Hoff­nung auf.

Aus die Frage:Wie stellen Sie sich zu der jüngsten Botschaft des Papstes" wurde ge- anfmort:Wir halten es für nötig, darauf hinzu­weisen, daß_uns die jüngste Botschaft des Papstes gegen die Sowjetmacht äußer st befremdet.

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wissen Grade ja auch von Zentrum und Demokraten durchaus sympathisch ausgenommen werden. Nimmt die Entwicklung der nächsten Verhandlungen diesen Verlauf, so dürfte es dem Reichsfinanzminister mag- lief) sein, seiner Absicht entsprechend den Reichs- Haushalt noch bis zum 31. März zu er- ledigen. In der kommenden Woche wird der Reichstag voraussichtlich die zweite Lesung der Pounggesetze und des Polenabkommens durchfüh­ren. Mit ihrer Verabschiedung wird für die Mitte der letzten Februarwoche gerechnet, so daß dann Anfang März die Etatberatung im Plenum sich an- schließen könnte.

OieFinanzniinister der Länder bei Moldenhauer.

Berlin, 16. Febr. (Priv.-Tel.) Die Länder­finanzminister, die heute vormittag um 10 Uhr im Reichsfinanzministerium zu einer eingehenden Erörterung der Finanzfragen zusammentraten, wurden dabei vom Reichsfinanzminister in einem groß angelegten Expose über die Pläne, soweit sie bisher mit den Führern der Parteien ver­handelt worden sind, in Kenntnis gesetzt. Aus­gehend von der nunmehr im Wesentlichen erziel­ten Liebereinstimmung über die Regelung der Sanierung der Reichsanstalt für die Arbeits­losenversicherung betonte Dr. Moldenhauer dabei, dah es ihm vor allem darauf ankam, ein für allemal mit den unberechenbaren Be­lastungen der Reichskasse durch die Versicherung Schluß zu machen. Wenn er sich noch einmal entschlossen habe, den jetzt vordringlichen Kreditbedürfnissen der Reichs­anstalt Rechnung zu tragen, so sei dies in der Hauptsache dadurch bestimmt gewesen, daß die gegenwärtige, außerordentlich kritische Lage auf dem Arbeitsmarkte eine unbedingte, sofortige Klärung der Finanzlage der Ver­sicherung erforderlich mache. Im einzelnen wieder­holte er dann die bereits bekannt gewordenen Vereinbarungen und ergänzte sie insofern, als er betonte, daß die Vorzugsaktien der Reichsbahn den Sozialversicherun­gen lediglich unter der Voraussetzung gegeben würden, daß das Reich nach wie vor daS S t i m m r e ch t beibehalte. Ein Verkauf der Ak­tien ist deshalb ausgeschlossen.

Was nun das Defizit des neuen Haushalts­planes betrifft, das mit 700 Millioneen fest­gestellt worden ist, so verringert sich dieses nun­mehr zunächst um die 250 Millionen für die Arbeitslosenversicherung. Außerdem sind hiervon aber noch die 154 Millionen des Defizits vom Jahr 1928 in Abrechnung zu bringen, da der Reichsbankpräsident sich jetzt damit einver­standen erklärt hat, daß der Schulden- tilgungssonds von 450 Millionen für dieses Jahr um diese 154 Millionen gekürzt wer­den kann, die dann aber im Haushaltspläne von 1931 in Rechnung gesetzt werden müssen. Es verbleibt somit nur noch ein Defizit von 296 Millionen Mark. Dies erfährt schließlich noch durch die weiteren Kürzungen am Etat in Höhe von 80 Millionen eine Verringerung, so daß durch die Steuererhöhungen nur noch 216 Millionen gedeckt weroen müssen. Die Diersteuererhöhung bringt insgesamt 180 Millionen ein, wovon den Ländern aber in der Lieberweisungssteuer ein Drittel zu­fällt. Die Erhöhung des Tee- und K a f f e e z o l l s, der die Parteiführer auch zu­gestimmt haben, bringt 50 Millionen ein. Das noch restliche Defizit des Reichshaushalts muß nun noch durch eine weitere Steuererhöhung, wofür die LI m s a h st e u e r in Frage kommt, gedeckt werden. Wenn dadurch auch für das Reich ein allerdings nur rechnerisch feststellbarer Lieberschuh entsteht, so wlll der Reichsfinanz­minister doch unter allen Llmständen an dieser Steuererhöhung sesthalten, im Hinblick darauf, daß er neben der Sanierung der Reichskasse auch eine Sanierung der Länder- und Kommunalfinanzen ermöglichen will. Das Reichstabmett wird am Montagabend den Schluh- bericht über alle finanzpolitischen Verhandlun­gen entgegennehmen und dann seine Entscheidung treffen.

Oer Reichspräsident will sich unterrichten.

Empfang der dcutfchnationalen Partel­und Fraktiünsfnhrcr.

Berlin, lb.Febr. (L.N.B.) wie in politischen Kreisen verlautet, wird der Reichspräsident Montagvormittag den Borsihenden der Deutschna- lionalen Volkspartei Geheimrat hugenberg und den Vorsitzenden der deulschnattonalen Reichstags- fraffion Dr. Oberfohren empfangen. Die beiden Herren haben um diesen Empfang nachgesucht, und zwar auf Anregung und im Auftrage der Reichstagsfraktion. Natürlich liegt der Gedanke nahe, dah der Befuch mit dem Zoungplan im Zusam­menhang steht. Tatsächlich wird uns von unterrichte­ter Seite bestätigt, dah die beiden deutschnationalen Führer dem Reichspräsidenten die Bedenken ihrer Partei gegen das Haager Abkommen persönlich bar­legen wollen. Dabei werden sie mit besonderem Nachdruck die dentschnattonale Opposition gegen das Polenabkommen znm Ausdruck bringen. Me

Das Geheimnis des Ostens.

Immer wieder haben diejenigen Llnrecht be­halten, die von Jahr zu Jahr, früher noch von Monat zu Monat den bevorstehenden Sturz des Sowjet-Systems voraussagten. Rach- dem die aufgeregten Zeiten der anti-bolschewisti­schen Milltärunternehmungen vorüber sind, nach­dem die Westmächte eingesehen hatten, dah dieses itz derartige Expeditionen gesteckte Geld sich nicht rentierte, vielleicht, nachdem sie auch den weiteren Zweck einer Zerstückelung und Schwä­chung Rußlands damit erreicht hatten, begann eine Periode de- Abwartens und der wirtschaft­lichen Fühlungnahme. Vei uns in Deutschland hat es immer Kreise gegeben, die da glaubten, dah die Truppen der Roten Armee einmal an der Elbe mit uns zusammen den Freiheitskampf gegen Frankreich führen würden. Die politische Romantik hat im Herzen des deutschen Volkes noch stets einen weiten Raum eingenommen, und so wurde häufig Unvergleichbares aus ver­schiedenen Jahrhunderten miteinander gemessen. Daneben aber bestanden die anti-bolschewistischen Bestrebungen weiter, in die wir jetzt erst durch den Tscherwonzen - Fälscherprozeh einen Meinen Blick tun durften und in deren Zu­sammenhang Ramen von der geistigen Bedeu­tung des Generals Hoffmann und der wirt­schaftlichen Bedeutung des englischen Petroleum­magnaten Sir Henry D e t e r d i n g genannt wurden.

Die wirtschaftlichen Annäherungs­versuche haben eigentlich immer nur dahin geführt, dah Deutschland die russische Industrie kreditierte und gewisse Konzessionen erhielt. Ein wirtschaftlicher Erfolg ist den daran beteiligten deutschen Unternehmungen nur in den seltensten Fällen beschieden gewesen. Meistens haben die Russen die ausländischen Firmen dazu benutzt, damit sie ihre Industrie aufbauten, um sie dann möglichst bald wieder hinauszudrängen, wobei häufig schwere wirtschaftliche Verluste die Folge waren. In den letzten Tagen noch sind die Fälle der Lena-Goldfields-Gesellschaft und der österreichischen Firma Altmann bekannt gewor­den, die beide ganz ähnlich gelagert sind. Ruß­land ist jetzt offenbar wieder dabei, die auslän­dischen Konzessionäre zu drangsalieren und hin- auszudrängen. Oft genug werden politische Dcheingründe hervorgesucht, so bei einem deut­schen Unternehmen, in den unerhörten Machen­schaften, die zu dem berüchtigten Schachty-Prozeß führten. Außerdem sperren die Russen gern ab und zu ein paar Deutsche ein, wenn sie Geißeln für ihre Parteianhänger brauchen, die in Deutsch­land mit dem Strafgesetz in Konflikt gekommen sind.

Die Engländer haben sich die bolsche­wistische Agitation in ihrem eigenen Lande und vor allem in ihren Kolonien nicht gefallen lassen, so daß es unter Chamberlains Minister­schaft zum Bruch mit den Sowjets kam. Die Arbeiterregierung macht jetzt den Versuch, die zerrissenen Fäden wieder zu knüpfen, indessen scheinen die Verhandlungen nicht recht vom Fleck zu kommen, da die Russen keinerlei Gewähr für das Unterbleiben der kommunistschen Pro­paganda geben wollen. Wie gefährlich diese für den inneren Frieden der Staaten werden kann, dafür haben wir gerade in Deutschland in den letzten Wochen täglich neue Beispiele erleben müssen.

Es sieht aber jetzt doch so aus, als ob dos Skalinsche System auf eine schwere Krise los­steuere. Alles hängt davon ab, wie weit es ihm gelingt, das sogenannte 5-I ahrP r o- gramm der Industrialisierung des Landes durchzuführen. Die ersten Anfänge sind wirklich nicht verheißungsvoll, und schon seit Monaten stehen die Menschen in den russischen Städten stundenlang Schlange, um ein paar Gramm Butter und ein paar Pfund Brot zu erhalten. Das Anwachsen des Terrorismus ist in Rußland immer als Zeichen dafür zu be­werten, daß es dem herrschenden Regime nicht gut geht. Zu einem großen Schlager hat Stalin in den letzten Monaten bei feinem Kampf gegen d i e Kirchen ausgeholt. Das Verbot der Weihnachtsse. l?n hat in Rußland unter den Gläubigen einen einzigen Schrei des Ent­setzens ausgelöst, aber sie hoben sich bisher dem terroristischen Druck fügen müssen.

Unter diesen Umständen Hot eine Kundge­bung des Papstes, die sich gegen die Religionsverfolgüngen in der Sowjetunion wendet, eine geradezu weltgeschichtliche Be­deutung. Wenn die römische Kirche mit einer solchen Aktion hervortritt, dann weih sie genau, was sie will und wie sie ihren Gegner einzuschätzen hat. Es bildet sich jetzt in der VZelt so etwas wie eine internationale Gesinnungsgemeinschaft aller religiös- interessierten Kreise gegen diesen atheistischen Terror, mit dem die Rusten hossen, die letzten Reste einer «bürgerlichen" und «kapitalistischen" Vergangenheit auszutilgen. Man kann sich vor­stellen, daß die Weltmeinung mit der Zeit einen sehr fühlbaren Druck auch auf diejenigen Kreise ausüben wird, die bisher aus realpolitischen Gründen immer noch einen Ausgleich mit dem bolschwistischen System suchten. In dem Briese des Papstes sind sehr deutliche Wendungen ge­gen eine solche «Opportunitätspolitik' zu fin­den, eine Stellungnahme, die sich zweifellos über kurz oder lang in der Politik der Staaten aus-

toirfen wird. Beachtenswert ist es besonders, daß die englische Kirche sich dieser Aktion von sich aus angeschlossen hat, mit dem starken Hinweis darauf, daß die Beziehungen der Staaten nicht in wirtschaftlichen Vorteilen allein begründet seien, sondern in dec gegenseitigen Achtung der Freiheit und der Ueberzeugung. Es steht außer Zweifel, daß diese Offensive der gesamten religiösen Welt zur Zeit d i e schwerste Gefahr für den Bolschewis­mus bedeutet, zumal sie vielleicht auch einmal in der Lage ist, im Rücken der Sowjetmacht diejenigen Kräfte mobil zu machen, die sich bis­her in slawischer Apathie einem furchtbaren Druck gebeugt hatten. Das Problem Rußland wird in der nächsten Zeit nicht mehr aus dem Blick-

Der Papst häll sich für denVertreter Christi", doch bat Christus für die Unterdrückten und Entrech- teten gelitten, während der Papst durch seine Bot­schaft ins Lager der englischen Groß­grundbesitzer und der französisch- italienischen Geldsäcke geraten ist. Christus hätte anders gehandelt. Es dünkt uns, daß der Papst in diesem Falle den Weg alter Tradi­tionen der katholischen Kirche geht, seine Herde auf unser Land hetzt und somit den Scheiterhaufen zur Vorbereitung des Krieges gegen die Völker der Sowjetunion in Brand setzt. Diese Aktion des Pap­stes, deren mir Griechisch-Orthodoxe keineswegs be­dürfen, halten wir für überflüssig und un­angebracht. Wir selbst vermögen, unsere grie­chisch-orthodoxe Kirche zu schützen. Der Papst hegt längst den Wunsch, unsere Kirche zu katho- lisieren, wie stets ihre Stellung zum Katholi­zismus als Irrlehre fest blieb und sich nimmer durch irgendwelche Beziehungen zu ihm zu binden ver­mag.

Was die Rede des Erzbischofs von Canterbury anbelangt, so ist sie ebenso mit der Unwahrheit betreffend die angebliche Verfolgung religiöser Ueberzeugungen in der Sowjetunion be­haftet, wie die Botschaft des Papstes. Werktätige in London werten die Rede des Erzbifchofes von Canterbury als Aktion, dienach Oel riech t". Es dünkt uns, daß sie so jedenfalls eine Aufhetzung der Herde zu einer neuen Intervention darstellt, unter der Rußland so sehr gelitten hat.

Wieder ein russischer Geistlicher hingerichtet.

Kowno, 17. Febr. (TU.) Die Sowjetregierung gibt amtlich bekannt, daß der in Melitopol ver­haftete russische Geistliche M a r a k u l i n vom Obersten Gericht der Sowjetunion wegen an­geblicher Beteiligung am Kampfe gegen dieSowjetregierung zumTode verurteilt wurde. Marakulin soll bereits vom Jahre 1919 an in geheimen Beziehungen mit ausländischen sowjetfeindlichen Organisatio­nen gestanden haben. Das Todesurteil wurde am Sonntag durch die Wachen der G. P. U. voll­streckt.

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