Nr. 164 Zweiter Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)Mittwoch, (6. Juli (930
Aus der Welt des Films.
Oer Dichter im Tonfilm.
Von Dr. PH. Thieme.
Die rapide Entwicklung der Tonfilmtechnik hat mancher neuen Forderung zur Geltung verhalfen, die in dem geschäftsmäßig erstarrten Bereich des stummen Films bisher nie so recht beachtet wurde, wie sie eS verdiente. Sine der wesentlichsten Forderungen der neuen Kunstform deS Tonfilms ist die nach dem guten Drehbuch, nach dem schlüssigen knappen, charakteristischen Dialog, nach dem Dichter. Ursprünglich glaubte man nach dem Rezept arbeiten zu können .in jedem Akt wird ein Liedel gesungen", und der Tonfilm lst fertig> Erfreulicherweise kam man bald dahinter, daß eS so denn doch nicht ginge und daß das Gesetz, das einmal Richard Wagner für das Gebiet der Musik aufstellte und seinem HanS Sachs in den ewig-jungen .Meisterfii^ern" in den Mund legte »Mich dünkt, soll paffen Ton und Wort" auch für den Bereich des auf künstlerische Wertung Anspruch erhebenden Tonfilms zwingend Geltung verlangte in der Variante „Mich dünkt, soll passen Wort und Bild", Und nach dem Lied, daS man im Tonfilm zunächst als Dtimmungselement nicht entbehren zu können glaubte, suchte man die im Tonfilm liegenden akustischen Ausdrucksmöglichkeiten durch Geräusche und ferner durch das gesprochene, die Handlung fordernde und tragende Wort zu erweitern. Schon die ersten Versuche in dieser Richtung erwiesen sich als lehr glücklich und eS gab in den letzten Tongroßfilmen, z. D. „Letzte Kompagnie" und .Blauer Engel", bereits Bilder- und Dialogfolgen, die absolut vergessen liehen, daß man vor der Leinwand saß. immerhin handelte es sich hier um Dialoge, die für den Zweck der Handlung eigens ersonnen worden waren. Ein Dichter, wie er in seinem Werk unmittelbar zum Zuschauer im Rahmen der Bühne zu reden pflegt, ist im Tonfilm bisher noch nicht zu vernehmen gewesen.
Zu diesem höchst bedeutungsvollen Schritt, für die Ausgestaltung deS Tonfilms als zeitgemäße Kunstsorm schlechthin entscheidenden Schritt, hat man sich neuerdings erst entschlossen. Wenn auch das in Berlin oft gespielte Stück „HokuS po- kuS" von Curt Götz als gute- UnterhaltungS- stück angesprochen werden kann, so wird doch in dieser Tonfilminszenierung - die Gustav il c i cf t> besorgte zum ersten Male mit vielem Glück der Versuch unternommen, ein erprobtes und erfolgreiches Werk der Bübne für den Tonfilm und damit eigentlich für das .Zeittheater" in des Wortes vornehmster Bedeutung d. h. für das .Theater der Millionen" zu gewinnen. Dieser Schritt bedeutet aber nichts anderes, als dem 'Dichter, dem wirklichen Bühnendichter einen neuen, ungeahnt umfassenden Kreis des Wirkens ,',u erschließen, und es ist eine überaus wertvolle Ergänzung des dahin abzielenden Strebens, wenn im Rahmen der Ufaproduktion mit dem auch erprobten und bewährten .Rosenmontag" von Otto Erich H a r t l e b e n begonnen wird, das Reich der dramatischen Dichtkunst für den Tonfilm zu erobern. Der Regisseur Steinhoff, der mit Lien Dhers und Matthias Wie- m a n n in den Hauptrollen diesem alten, überaus wirksamen Militärdrama zu neuem Leben im Rahmen der tönenden Leinwand verhilft, leistet damit der künstlerischen Ausgestaltung des Tonfilms im Sinne einer neuen, dem Zeitalter der Technik angepaßten Kunstform wertvolle Dienste, teney Erfolg zu wünschen ist. Wenn auch gänzlich unberechtigterweise — von strengen Kunstrichtern der stumme Film und später auch Der Tonfilm als Produkte maschineller Herstellung und darum als unkünstlerisch glatt abgelehnt wurden — so beginnt doch nun in solchen Köpfen langsam die Einsicht zu dämmern, daß
Lieber das vorschriftsmäßige Lachen im Tonfilm.
Lin Zntcwiew mit dem lonsiimregtsseur ttcicky.
„Wann lachen Sie im Tonfilm?", fragt mich streng der Tonfilmregisseur der Ufa, Gustav Heidi), da wir uns eben zu einem kurzen Plausch gesetzt haben. Ja, wann lache ich eigentlich im Tonfilm? Darüber habe ich mir noch nie Rechenschaft gegeben. Wie war denn das in dem „Unsterblichen Lum p", den Ucicky herausgebracht hat. lachte ich da genau zu den Zeitpunkten. bei denen es die Hersteller des inzwischen sehr beliebt gewordenen Tonfilms erwartet hatten? Ich glaube nicht, denn durch mein unzeitgemäßes Lachen ging mir doch einiges vom fortschreitenden Dialog verloren. Aber das weiß ich nun wieder, an der und jener Stelle habe ich wirklich laut schmetternd die tönende Leinwand ongelacht, und ich sage da- frank und frei dem Regisseur.
„Aha, also an den fälschen Stellen!" Gustav Ucicky nidt - wie mir scheint — einigermaßen enttäuscht.
..Wieso an den falschen Stellen? Ich leide doch nicht gerade an einer „langen Leitung", wie man das - sagen wir verlangsamte Erfassen und 'Verstehen einer Situation, eines Wortspieles hierzulande nennt."
Begütigend lenkt der Regisseur ein. „Das trifft nicht Sie. Wann haben eigentlich die anderen Zuschauer gelacht und Ivo haben Sie den „Unsterblichen Lump" gesehen?"
„Dos war im Ausland. Immerhin waren die Anwesenden durchweg der deutschen Sprache mächtig, wenn sie es im täglichen Leben oft auch abzustreiten bemühen. Und gelocht habe ich eigentlich mit dem Publikum ungefähr an den gleichen Stellen. Gelegentlich fand ich allerdings eine Lachsalve reichlich unmotiviert!"
„Sehen Sie", tagt der Regisseur, „dos ist die unsichere Geschichte beim Tonfilm. Wir im Atelier tifteln uns noch dem Lauf der Aufnahmen und der Wiedergabe des ersten Werkstreifens, den wir uns rasch vorführen lassen genau die Szenen aus, an denen das Publikum ..vorschriftsmäßig" nunmehr zu lachen hätte. Aber die Besucher der Kinos denken gar nicht daran, so zu lachen, wie wir uns das mühsam errechnet uns ausprobiert haben. Die Sz-ne. die Stellen des Dialogs, die
jede Zeit sich die ihr angemessenen künstlerischen AuSdrudsmöglichkeiten und Kunstformen selbst zu schaffen pflegt, unbekümmert um Lob und Tadel der in überalterten Epochen wurzelnden Verneiner.
Danz zweifellos hat sich schon der stumme Film, auch in seinen nicht immer erfreulichen Darbietungen, letzten Endes doch als zivilisatorischer uno kultureller Faktor von bedeutendem Einfluß erwiesen. In weit höherem Maße ist solche Wirksamkeit aber von dem ungleich nachhaltigere Eindrücke vermittelnden Werken der
Tvnfilmkunst zu erwarten. Was bisher Utopie schien, Bildung und Geschmad der Maste auf dramatischem Gebiet durch Darbietung der besten Werke der Bühnendichtung in ausgezeichneter Darstellung zu heben, ist durch den Tonfilm schon in den Bereich baldiger Verwirklichung gerückt. Der „Rosenmontag"-Tonfilm der Ufa ist vielleicht der erste Mhritt aus diesem Wege, der zweifellos dahin führen wird, die geistigen Güter der Ration, wie sie in den Werken großer Dichter schlummern, zu wirklichem 'Besitz der Allgemeinheit zu machen.
Opernfilm und Mmoper.
Von Dl. Kurt Singer, stellvertretendem Intendanten der Städtischen Oper Serlin.
Wit einer in den Bureaus der Behörden ungewöhnlichen Schnelligkeit, mit einer Elastizität, die ein sicheres Auge und federnde Gelenke, Hellhörigkeit und große Initiative vorauSsetzt, hat der Staat Preußen sich an einer Aktion beteiligt, deren Größe und Ausmaß heute noch kein Mensch voraussehen kann. In nüchternen Worten heißt der neue Plan: Die Terra-Film- Gesellschast wird Opern-Filme, besser Filmopern, aufnehmen. Mat Reinhardt betätigt sich als Opern-Film-Regisseur, der Staat (teilt Haus, Einrichtung, Orchester. Künstler, kurz den Gesamt-Apparat der leibhaftigen Opern-Darstellung zur Verfügung. Intendant Tietjen tritt als Vertreter Preußens in den Aufsichtsrat der Gesellschaft. DieS alles sieht nach einer großangelegten wirtschaftlichen Aktion aus Sie erhält Gestalt und Macht in einem Augenblick, da sich das Urteil über die künstlerischen Möglichkeiten des sprechenden ^ilmä noch, nicht einheitlich gebildet hat, in einem Moment wirtschaftlicher Schwierigkeiten auf dem Gesamtmarkt aller schauspielerischen und musikalischen Betägigung. Die durch Raschheit imponierende Leistung des Staates Preußen muh ihre Motive aus anderen Regionen berleiten, als aus tenen eines amerikanischen Änsichreihens des Monopols, das etwa nur geschäftlicher industrieller Ausnutzung von Patenten und Erfindungen gleichkäme. Gewiß: auch Geld wird aus dem Unternehmen herausgeholt werden, aber einen höheren Sinn erhält die neue Gemeinschaft erst durch die Tendenz, in der das Werk eingebettet ist, durch die Absichten gemeinnütziger und kultureller Art, die gewährleistet werben.
Richt alle großen Ideen kommen aus dem Herzen. Unsere Erfahrung lehrt, daß in dem Qlugenblid selbst, da ein Herz blutet, ein großer, weitsehender Verstand die Träne des Wehs (intern, daß die Durchtenkung und Befruchtung einer Idee auch gegen alle Mentalität wirksame-, neues Leben gebären kann. Der Tatsache, daß der Tonfilm in ter Welt marschiert, müssen wir uns zunächst ohne Widerstand beugen. Eine Ueterrumpelung ter Theater, wie sie ter stumme Film mit sich brachte, wie sie die schnelle Radio-Technik heraufbeschwor, muß unter allen Umständen vermieten werten. Der Fachmann draußen, ter Fachmann in uns selber (gegen den die Mechthild Lichnowsky ein schmetternd herrliches Buch zur Selbstbesinnung* geschrieben hak), muß einmal schweigen, muh sich erinnern, daß sich gegen das wissenschaftliche Gutachten ter stagnierenden Autoritäten, Auto und Luftschiff. Elektrizität, Eisenbahn und Schallplatte mit rasender Gewalt durchgesetzt haben. Der Flügelschlag des Phöbus-Tonsilm, mag er auch heute noch viele Wünsche und Hoffnungen enttäuschen oder nicht, ist vernommen worden Aus dem Zephir kann ein Orkan werten. Er soll das Haus ter zukünftigen Kunstoffenbarung nicht erschüt
tern, sondern gefestigt finden. Bereit sein, ist alles.
Stellen wir unS auf den Boten der Wirklichkeit. Millionen Menschen schwören auf den singenden und sprechenden Film. Der Anmarsch weiterer Millionen ist zu erwarten. Wenn in diesem Augenblid ein geschickter Industrieller die Organisation ter neuen Idee, ihre Umsetzung in die große Praxis, ihre Popularisierung vornimmt, so ist dadurch nur eine Aussicht auf geschäftliches Plus oder Minus geschaffen, nicht ater die Gewähr gegeben für die künstlerische und künstlerisch-soziale Heiligung ihrer latenten Werte. DaS Riveau ter Produktion muß stabilisiert, das Raubbau-Wesen an Kunst und Künstlern muh unterbunden werden. Das Beste in bester Form -- das kann im Opernfilm nur da- traditionell zusammengeschlossene Ensemble staatlich-städtischer Institute leisten, nicht aber ter Ginzel-Star, die bevorzugte Primadonna, die zugkräftig im Sinne ter Masse ist. Run kann man gewih die Opern der Welt-Li deratur verfilmen und sie ter gesamten Menschheit in einer gewissen vorbildlichen Art zugänglich machen. Damit ist ater ter Zukunft-weg nicht abgeschritten. Wie ter stumme Film neue Möglichkeiten der Regie, ter Komposition, des Baues und ter Verzahnung von wirklichen und unwirklichen Vorgängen in sich trug, so wird auch ter Opern- film aus seinen speziellen Funktionen heraus neue Möglichkeiten der Regie, ter Ausnutzung technischer, optischer wie akustischer Möglichkeiten schassen. Mit anderen Worten: er wird sich zu einer besonderen, in ter Idee und im Grund- Motiv ter lebenden Opar ähnelnden, aber in Mitteln und Wegen nicht adäquaten Kunstgattung entwickeln. Die Menschen. die heute ter Oper mit Herz und Hirn verfallen sind, werten ihrer Leidenschaft nicht untreu. Mozart, Verdi, Wagner, Puccini — sie halten und erhalten ihr Publikum auch auf ter lebenden Kulissen-Dühne Elvira, Susanne, Rene und Gilda, Elsa und Brünhilde, Mimi und Lju — wir werben mit ihren körperhaften Inkarnatioiren taten und sterben. Daneben, für eine andere, vielleicht einfältigere, genügsamere, aber nicht schlechtere Art von Kunstmenschen kann der Opernfilm die mangelnde Triebhaftigkeit feiner Manschen durch die Einmaligkeit deS Rur-Erstrangigen. durch die besondere Wahl seiner Künstler, dmch die Einbeziehung des Werkes in den natürlichen, kulturhistorischen, milieuhaft-echten Boden ersetzen. Tannhäuser auf der Wartburg, Lohengrin an ter Schelte, Aida in Aegypten, Carmen in Spanien — wie dünkt euch das? Phantasie. Illusions-Dereitschast. Kulissenzauber. Echtheit, Bodenständigkeit, geschichtliche Wahrheit, die Fundamente des künstlerischen Eindruds ergänzen, verwirren, mischen sich. Ein Ausgleich zugunsten, wie zuungunsten des Films und der bisher allein herrschenden Oper ter Wirklichkeit greift Platz;
für uns einen „Lacher" darstellen, gehen an den Zuschauern ober Zuhörern — bitte, bedienen Sie sich nach Belieben - äußerlich ausdruckslos vorüber. Wir haben eine Pause hinein- komponiert, damit das Publikum sich auslachen kann, damit ihm kein Wort des Gesprächs ter handelnden Personen verloren geht. Diese Pause wird als Sfodung empfunden — langweilig! An einer anderen Stelle aber platzt in den Dialog ein Gelächter der Anwesenden hinein — wir verstehen das nicht —, aber nun versteht das Publikum auch nicht die Weiterführung des Gesprächs. Ein paar zischen, wollen Ruhe, die anderen möchten sich nach Herzenslust aus- lachcn. Eine Partei stört die andere. Das möchte man — und sollte man als Regisseur vermeiden, wenn man nicht in schlechten Ruf kommen will. Aber bitte, wie mache ich das?"
Ia. soll ich, der blutige Laie, dem Fachmann raten? Diese Kinoleute sind ein bißchen anstrengend in ihren Gesprächen. Das kann ich dem erfolgreichen Mann natürlich nicht ins Gesicht sagen; aber er hat es mir wohl angemerkt, daß er von seinem Partner nur Bescheidenes verlangen darf. Und erzählt nun, wie er sich mit der Frage des vorschriftsmäßigen Lachens im Tonfilm abgequält hat.
„Am testen lernte ich vom Publikum selbst. Ich ging in die verschiedensten Kinotheater — und merkte, daß überall anders gelacht wird. Manchmal sogar an den Stellen, die ich zur Lachsalve mir ousgeknobelt hatte. Was sollte ich aus diesen gewaltig voneinander abweichenden Ergebnissen eines Studiums des Lachens lernen? Denn gelernt muhte werden, damit im nächsten Tonsilm alles besser werde. Mich auf den blinden Zufall verlassen, ging nicht an, das könnte einen schönen Reinfall geben. Die gefragten Kapazitäten des Lachens wichen in ihren Ansichten ebenfalls gehörig voneinander ab, ich muhte also dem ganzen Problem mit einem Kunstgriff bei kommen ."
„Vielleicht überall, wo nur eine Vermutung bestand, daß gelächelt werten könne, vorsichtshalber eine Pause einschieten?"
„Ra, da- wäre wohl auch noch nicht das Richtige geworden. In den tönenden Film stumme Szenen einlegen, kann gewiß — dramatisch den Fortlauf der Handlung — oder ihren Stillstand stark unterstreichen. Aber in „Hokuspoku S", unferm neuesten Tonfilm. Sre wissen ja wohl schon einiges von ihm, mit Lilian Harvey,
Willi Fritsch, Homolka, Wallburg und wie sie alle heißen — kurz und gut, „Hokuspokus" wird ihnen zeigen, wie ich es ermöglicht habe, daß man lachen kann, wie es die individuelle Auffassung des Besuchers verlangt. Ich griff auf die Pause zurück, in diesem und jenem Falle: und damit sie nicht langweilig wird, lasse ich die Requisiten reden, eine Uhr, ein Telephon meinetwegen, ihr stummes Spiel kann nicht überhört werten. Ich ließ hinter die da- Lochen herausfordernde Pointe ein paar belanglose Worte weitersprechen. Wird gelacht, und der Text geht dadurch verloren, so ist das ohne Schaden für die Entwicklung des Spiels, reagiert das Publikum — es ist ja so verschieden in feinen Auffassungen, davon machen Sie sich erst einen Begriff, wenn Sie den gleichen Tonfilm vielleicht eine Woche lang abendlich zweimal immer in einem anderen Theater anfepen! — allo reagiert das Publikum nicht auf die klüglich erdachte Pointe, so wird doch weitergesprochen, es gibt keine tote Stelle."
„Sie sind also von der Vorschrift des Lachens abgekommen?"
Der Regisseur Ucidy stimmt dem zu. „3a, es kann nun jeder lachen, wie er will. „Hokuspokus", ter Tonfilm, mit dem wir uns in Kürze vorstellen werten, ist das. was man einen hundertprozentigen Sprechfilm nennt. Ich weiß, das ist ein Schlagwort, aber der Film wird, hoffe ich. zeigen, was wir inzwischen gelernt haben ..
Oie Mok>e und Cer Filmstar
Antwort auf eine Rundfrage.
Lilian Harvey: Fesch! heißt die Parole — fesch und schmissig bis in die Handschuh- spitzen: Wegweiser? Meine Laune, die mich immer berät. Ich liebe das Knappe, nur Fa^on, manchmal und springe, wenn es mir gefällt, im nächsten Augenblid in erotische Stossgefälle. Ich trage die Graziofa leichter Gewebe im „Liebes- Walzer"" des Lebens und suche in jedem Stoss die Biegsamkeit meinet eigenen Gestalt wieder. Die Hauptsache: Ueterraschung! Ich denke immer an das Publikum.
*
Gerda Maurus: Die Mote ist immer erst bann schön, wenn eine Frau ei versteht, das leife Besondere ihres Wesens bestimmend in die vorgeschriebene Linie der Kleidersaison hinein- zutragen. Ich liebe den Anzug als natürliche
ter in Leidenschaft und Pathos unmögliche, finge nte Mensch wird im Opernsilm fein mögliche-, durch die Illusion erst zur Wirklichkeit gehobenes, Aequivalent finden. Do könnte die Filmoper, in einer ander- substantiierten Atmosphäre erwachsen. Werbemittel fein, um den Vergleich mit ter traditionellen Oper ter Lebenden zu ziehen.
Im Rundfunk ist man dazu ütergegangen, den besonderen Verhältnissen der ungeheuren Erfindung auch durch neue Werke neuen Antrieb zu geben. Ich zweifle nicht, daß die Männer des neuen Film-Unternehmen- bald Anfragen an Strauß, Recnizek, Pfitzner, Weill, Hindemith. Krenek u. a. ergehen lassen, auf daß sie ihre künstlerische Produktion einmal ganz auf die Bedingungen ter singenden und agierenden Leinewand einstellen. Ich sehe Richard Strauß in Großaufnahme vor die Staat-kapelle treten und sein eigene-, neues Werk dirigieren, ich sehe im Deist da- Archiv aller großen und Spielopem ter Iahrhunterte in vorbildlicher Reihe vor mir. ich beklage eS. daß wir nicht das Erlebnis jener Bild- und Hörschau haben, da Beethoven seine IX. Sinfonie, da Weber und Wagner Opern dirigierten.
Der Flug der Phantasie in- Reich ter nicht mehr begrenzten Möglichkeiten wird frei, wenn das Werk in Händen gehalten, von Händen getragen wird, denen da- kulturelle Vermächtnis wichtiger ist, als da- geschäftliche Interesse. Aber auch von diesem muß gesprochen werden. Es ist kein Zweifel, daß da- Ausland unsere Kunstetats, daß es die Subventionen ter Opern und Theater von feiten der Länder und Staaten mit scheelen Augen betrachtet. ES ist kein Zweifel, daß die schon jetzt vorliegenden Beschlüsse vieler Provinzstädte, die Zuschüsse zu sperren, noch in diesem Iahr zu dem für unzählige Künstler katastrophalen Ergebnis ter Schließung von Theatern führen wird. Richt allein ter Tonfilm ist es, ter den Musikern bedrohlich wird, sondern die Wirtschaftslage ter Gemeinden und Staaten. Die nicht beamteten Orchestermusiker stehen zunächst vor einem Richts, wenn die Opern schließen. Hier kann und muß der Staat gerate, wenn ihm Geldmittel aus dem Opernfilmunternehmen zufließen, Rutzen stiften. Aus seinem Reichtum heraus, den ihm die Monopolstellung im Opernfilm gewährleistet, hat er die Macht, die Etats kleiner, aber künstlerisch hochwertiger Institute zu sanieren. Gr kann die Itealsilme zu den Stätten leiten, in denen durch Einsparungsnotwendigkeit ein reiner Opernbetrieb nicht durchführbar ist, er kann für die am meisten bedrohten und kulturell wichtigen Orte Mittel aus feinen Einnahmen frei machen, er kann dazu übergehen, sowohl für die Herstellung ter wir- kungtsicheren Filme, al- für Experimentaufnahmen eigene Orchester zusammenzustellen, besonders künstlerische Ensembles zu schaffen, er kann darüber hinaus dann auch dem schon lange fälligen Problem des Skudiervrchesters (für neue sinfonische Werke) Vorschub leisten. Die wirtschaftliche Lage ter Orchestermusiker würde auch in dem Augenblid verringert, wenn die Arbeitgeber da einsetzten, wo Amerika bereits hält: nämlich dem sprechenden Film gelegentlich — zu Vorspielen, Zwisdxmfpielen ufto. — die Untermalung und Unterstützung durch lebendige Orchestermusik au belassen. Zum Au-Probieren dieser gemischten Vorführungsmethote müßten jeten- falls Orchester bereitstehen ober geschaffen werden, ebenso wie in Zukunft statt der bisherigen Zuschauerräume, akustisch veränderte Zuhörerräume gebaut werden müßten. Mit anderen Worten: die neue Idee kann in der kombinierten Verwaltung durch Industrie und Kunststellung nur durch produktives Fruchtbarmachen der Gewinne auf sozialem und kulturellem Gebiet für wirtschaftlich schwache, künstlerisch aber gesunde Orqanisationsstätten ihren Sturmlauf mit Erfolg beginnen und sortsehen. Hilft der Staat
Vollendung der Gestalt. Weder ter Körper einer Frau noch ihr Kleid dürfen aus dem Rahmen fallen. Situation und Zweck sollen für das Wechselvolle im Aussehen einer Frau sorgen — ihre Ausgabe ater liegt darin, aus der Vielfalt von Stoff und Schnitt unverkennbar ihr Gesicht zu verraten.
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Renate Müller: Ich betrachte die Mode wie den Rahmen zu einem hübschen Bild. Der Rahmen einer Dame darf nie so sein, daß man über ihn ihren Anblick vergißt. Die Kleidung soll nur al- passende Rahmenfassung von Gesicht und Körper und als schöne Uebereinstim- mung mit Art und Bewegung einer Frau bemerkt werten. Die Mode wird zur Karikatur, wenn sie versteden oder vortäuschen will; sie darf höchstens mit liebevoller und vorsichtiger Hand ein wenig korrigieren. Iete Uetertrie- venheit aber verstimmt. Alle- wirklich Schöne äußert sich ruhig. Darum suche ich mir immer aus ter jeweiligen Mote da- dezente Maß an Farbe und Form. Denn ich möchte nicht, daß mein Kleid selbsttätig wird — ich gestehe ihm nur die Rolle eine- Instrumentes zu, auf dem i ch spiele.
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Dito Parlo: Ich bin jung und liebe an ter Mode vor allem die Bewegungsfreiheit. Sie sind ja wundervoll und sehr würdig anzusehen, die Schleppen und duftigen Schleier, aber ich gehe gespannt in den Mote-Iournalen spazieren und stelle erleichtert fest, daß auch der kurze Rod noch voll im Gange ist und bestosste Arme als schid gelten. Roch fühle ich Wind und Sonne lieber auf meiner Haut, als alle Stoffe teti Welt, die mich einengen wollen.
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Olga Tschechowa: Distinktion — da- Mote-Stichwort für die Dame von Welt! Der Spielraum ter Mote ist groß. Die kluge Frau wird ihrem Gewand immer über das Moderne hinaus eine aparte Rote geben, die zugleich verbirgt und hervorhebt — biftinauiert. E- kommt batet natürlich vor allem auf den Rahmen an, in dem eine Dame erscheint. Was beim Straßenkostüm knappe Figur und strenge Eleganz erreichen, entfaltet sich im Abendkleid in üppiger Stoffpracht und weitem Gewand. Die Mode- schöpfungen selbst können keine größere Kunst sein, als die Wahl des Kleides, das der Geschmad einer schönen Frau sich aussucht.


