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berechtigung mehr und die Wüste hat ihre Weit» seit dem Autobetrieb in ihr verloren.

Eine wirkliche Augenweide und, wenigstens in­direkte Gaumenfreude bieten di« herrlichen Ge­müse markte der algerischen Städte. Da türmen sich Berge der zartesten Artischoken, feiner Erbsen, junger Bohnen, goldgelber Karotten, Salate aller Lorten, Radieschen, Lauch und Sellerie, Finochi, Eierfrüchte, grüner und roter Paprikaschoten; da stchen die weihen und gelben Frühkartoffeln in Ton­nen und Kisten, daneben rotbäckige Aepfel, goldene Zitronen und frischgepflückte Orangen mit dunklen Blättern in Riesenkörben, jeder Hausfrau würde das Herz aufgehen vor Freude, zumal auch die Preise an Ort und Stelle niedrig sind. Eine lieber» fülle von Blumen ziert die Stände. Immer sitzt mit­ten in all dem Gewühl der duftenden Blumen-, der in der heißen Sonne stinkenden Fleisch-, Fisch- und Kleidermärkt« eine Gruppe Moslim ruhig vor einem maurischen Kaffeehaus auf der Strotze, raucht, spielt Schoch oder Domino und kümmert sich in echt orien­talischer Gemütsruhe nicht die Spur um das Ge­lärm, das ringsum tobt. Bei einem würzigen Tätz» chen Kafiee verplaudern oder verschweigen oder ver­spielen sie den halben Tag.

Arbeitslose? Ja, die wird es wohl auch geben, auch solche, die sich ohne Arbeit behelfen können. Zu Lauch, Brot und Datteln reicht es meistens, und mehr bedarf man im Notfall nicht. Aber ich fand es bei dem .Klima viel erstaunlicher, daß es Arbeitende !llbt, besonders Erd- und Bauarbeiter. Und das anden ander« auch und stellten sich hin und schm» en solcher verblüffenden Tatsache stundenlang zu. Aber nicht mit Randbemerkungen ober guten Rat­schlägen die Eifrigen störend, nein, mit Ruhe und Gelassenheit, unbeweglich, neidlos.Allah will, daß der andere arbeitet, nicht ich. Gut, wie Allah will."

Trostlos sind di« vielen Blinden, erblindet meist durch Augenkrankheiten, die Staub und Hitze und Unsauberkeit vermehren. Dagegen sieht inan wenig Kriegsbeschädigte, aber um so mehr Denk­mäler $ur Erinnerung an den Weltkrieg, an de­nen bei jeder Sanntagsgelegenheit Ansprachen mit Musik und Fahnen gehalten werden, die nicht gerade van Friedensliebe und Völkerversöhnung triefen, wie ich mich persönlich überzeugte. Der Ton der Elairons, jener schrillen französischen Signalhörner das Rheinland kennt und hört ihn schon zu lange! verliert man in den Garnisanstädten Algeriens überhaupt nicht aus den Ohren. Geblasen, aetrom* melt und getutet wird in den Kasernen ständig. Außer bei Patrouillen oder Transporten begegnet man übrigens fast keinem Gemeinen auf der Straße; nur Unteroffizieren und Offizieren. Die Erlaubnis zum Besuch der Kasemenhöse wurde zwar meistens erteilt, jedoch ist da außer Sand und Pferdeputzen wenig zu sehen. Die Kasernen der Fremdenle­gion in Constantine sind gänzlich gesperrt und von der Legion selbst merkte ich außer am ersten Abend meines Aufenthalts fast nichts. Auch da hätte ich schwerlich gewußt um was es sich handelt, wenn mich nicht Franzosen selbst aufmerksam gemacht hät­ten. Wir waren zusammen von Algier hergefahren in einem langen Zug mit uralten erster Klasse- Wagen. Arn Ende des Zuges waren einige Wagen mitgeführt worden, die immer außerhalb der Sta­tionen und verschlossen blieben. Uns fiel dies erst nachher ein, man glaubte, es seien einfach zur Re­serve mitgenommene Leerwagen.

Da schallten uns beim Einlaufen In den Bahn­hof Constantine wieder schmetternd die Clairons in die Ohren, eine Menge Militär wimmelte herum, Fahnen wehten, es war abgesperrt und wir Zivi­listen mußten mit den Packträgern ganz abseits den Bahnhof verlassen und konnten gerade noch sehen, wie sich dieLeerwagen" öffneten und mancherlei Gestalten herauskamen:Rekruten der Frem­de n l e g i o n", wie uns der Franzose erklärte. Die Menge vor dem Bahnhof schwenkte grüne Zweige, die Marseillaise erklang wieder einmal und unter Dorontrltt der Offiziere setzte sich die sicher über hundert Mann starke Truppe in Bewegung, rings umgürtet van dichten Spalieren regulären eingebo­renen Militärs! Das war wohl das einzige an

meist ohne sonderliche Mühe an einem einzigen Abend mit bloßem Auge verfolgen kann, ist dem Sternfreund natürlich nichts Neues; aber hoffentlich nimmt es der geneigte Leser doch nicht übel, wenn ich es hier trotzdem wiederhole. Vielleicht noch hüb­scher ist die Beobachtung der Jahreszeiten in ihrem Einfluß aus den Mond der kleine Lauf des Voll­mondes im Sommer, fein großer im Winter, die günstige Stellung des zunehmenden, die ungünstige des abnehmenden Mondes im Frühling und die Umkehrung davon im Herbst, das Sichtbarwerden des nur von der Erde, nicht von der Sonne' beleuch­teten Teiles des Mondes beim schmalen zu- oder abnehmenden Mond. Am Meere läßt sich natürlich auch beobachten, daß die Dauer von Ebbe und Flut von der des Mondumlaufs bestimmt ist, ohne daß jedoch wegen der besonderen Verhältnisse bei der Fortpflanzung der Flutwelle um die Erde ein ein­facher Zusammenhang zwischen der Stellung des Mondes und dem Fluteintritt bestünde.

Der Mond ist auch der einzige Himmelskörper, der schon bei Betrachtung mit einem leidlich guten Feldstecher Einzelheiten erkennen läßt. Wir sehen dann deutlich die dunklen Gebiete,Mare" genannt, obwohl sie mit Meeren nichts zu tun haben, wir sehen die zahlreichen Krater und Ringgebirge, deren größtes den Namen des K o p e r n i k u s trägt. Auch die Schärfe der Schattengrenze bei den verschiede­nen Erhebungen kann schon mit kleineren Fernroh. ren beobachtet werden. Sie rührt ja daher, daß es auf dem Monde weder Wasser noch Luft gibt, so daß das Licht nicht zerstreut wird. Auch die leichte Sichtbarkeit der Gebirge kann nicht wundernehmen, wenn wir bedenken, daß sie auf dem Mond im Ver­hältnis zu dessen Größe sehr viel mächtiger sind als auf der Erde. Auch dies hängt mit der Ab­wesenheit des Wassers zusammen, denn auf der Erde ist dessen ständig nagende und zerstörende Tätigkeit der Hauptfeind der Gebirge.

Bei der von der Erde fo gänzlich verschiedenen Natur des Mondes ist es auch leicht verständlich, daß wir trotz genauer Kenntnis feiner uns zuge« lehrten Oberfläche noch nicht eben viel Sicheres von ihrer Entstehungsgeschichte wissen, während wir seineRückseite" überhaupt nicht kennen. Daß di« Krater, wie ihr Name anzudeuten scheint, vulka­nischen Ursprungs sind, ist sehr unwahrscheinlich. Aber sind sie durch Aufsturz fremder Massen, also ein« Art Meteoritenregen entstanden, oder haben sie sich beim Erstarren des Mondes aus feuerflüssi. ger Masse gebildet und alsdann wegen der Ab­wesenheit des Wassers durch Iahrrnillionen hindurch unverändert erhalten? Das sind alles Fragen, die trotz aller auf sie verwendeten Forsche rarbeit noch nid# endgültig entschieden sind.

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Frühling im Schloß Favorit.

Von Liesbet Dill.

Vcilchenwiescn umbuften das gelbe Schlößchen, daS in der Liefe des Parkes träumt von jenem Lage, da die hohen Alleen vom Rauschen seide­ner Krinolinen belebt waren, als die vergoldeten, schwerfälligen Karossen zu den weitgeöffneten Loren des Speisesaales hineinfuhren und die Markgräfin Sibylle sich in ihrer gelb ausgeschla­genen Porte-Chaise durch die Alleen tragen lieh, um ihren Rachmittagstee im Kavalieryäuschen zu trinken.

Eine hochkultivierte Frau hat hier gewohnt. Mit Geschmack hat sie zu leben gewußt, hat sich dieses Sommerschloh 1710 im italienischen Barock­stil erbaut und nach ihren Plänen ausgeschmückt mit seltensten Fayencen, kostbaren Möbeln, chine­sischem Porzellan, bunten, böhmischen und glitzern­den venetianischen Kronleuchtern, deren Wachs­kerzen fanft in den bemalten Spiegeln der Wände schiminerten.

Schcm die Küche, wie reizend, diese gefüllte Porzelkgnborde, die Zinngeräte und Bratspieße für die großen Hirschbraten, die nahe Jagden lieferten. (STne- raffinierte Tafel hat diese Frau geführt. Davon zeugen die kupfernen Pasteten­formen, die RLpfe für Puddings, die bunten Fayencefchüsseln in Formen von rosenbesteckten Schinken. Likörfäßchen, Fasanen. Enten. Arti­schocken, Melonen. Zitronen. Wildschweinköpfe. Pfauen und Tauben. Spargel und riesige Kohl- köpfe. alles wurde in diesen Schusseln auf die Tafel gebracht. Da steht der ,Gewürzonkel", ein grinsender Chinese, dessen Arme und Beine. Kops und Bauch seltene Gewürze bergen, eine gemalte Speisekarte hängt über der Anrichte für den Küchenchef, der nicht lesen noch schreiben konnte. Die Markgräfin machte ein Kreuz an den aufgemalten Schinken, die Enten, die Eiergerichte, die Pasteten, den Fasan, danach richtete sich der Koch... In riesigen Kupfergefäßen trug man das Wasser herbei.

Ein Bad gab's damals nicht. Auf samtverklei­deten Waschtischen standen zierliche Handnäpfe, das war alles. Unb Spaziergänge machte man höchstens durch die Alleen des Parkes. Ein Reifenspiel nachmittags auf dem Rasen, ein zier­liches Menuett des Abends im Spiegelsaal unter den dreihundert eingelassenen glitzernden Spie­geln. ein flackerndes Holzfeuer in den hohen rauchenden Kaminen, der Fächer für die Hitze und die Fliegen, eine Petit-Point-6tiderei für

die stillen Abende, wenn sich die Hofdamen um die Markgräfin versammelten, das Gebet in der stillen Parkkapelle, beim schlechtem Wetter ging man nicht aus.

Man trug seidene Stöckelschuhe, Perücken und gebauschte Schleppgewänder. Man spielte Harfe und Spinett. Die Herren bliesen die Flöte, gingen auf die Jagd. Es gab ein Spielzimmer für ältere Hofdamen und Kavaliere, die von Gicht geplagt waren, man ritt morgens in die Buchen­wälder. die Tafel war üppig, vielgängig und reich besetzt. Das Porzellan lieferten längst ein­gegangene Fabriken aus Straßburg, Harlem, Ansbach.

3n eiskalten, fliesenbelegten Gängen hängen noch die alten Wachskerzen in Ampeln, eine an­dere Beleuchtung gab es nicht. Man schlief in abgedunkelten Alkoven, in üppigen seidenbestick­ten Betten unter Atlasbaldachinen hinter seidenen Vorhängen. Man lebte ganz Sommer hier drau­ßen, in der heißen, dampfenden Ebene, ohne Abwechslung, ohne daß von außen etwas herein­kam, man war im Winter im Palais in der Stadt, aber sobald die Veilchen blühten und die Magnolien in den Gärten, zogen die Karossen mit dem Hof hierher. 3m Park rieselt ein Brun­nen in der Stille.

DerTürkenlouis", der Gemahl der Markgräfin, ruhte sich hier von feinen Schlachten gegen die Türken aus, die er mit Prinz Eugen ausfocht. Rach seinem Tode war dieses Schlößchen seiner Witwe Lieblingsaufenthalt. Sie regierte über dasLändle", das heut in Frühlingsblüte steht, die Markgrafschaft Baden-Baden. 3hre Söhne sind kinderlos gestorben, ihre einzige Tochter hei­ratete einen Herzog von Orleans und starb mit 24 Jahren. Die Markgrälin Sibylle starb 1733 mit 58 3ahren. 3n ihren letzten 3ahren lebte sie ganz weltabgewandt und still, und in der kleinen Kapelle am Ende des Parkes hat sie alle ihre Sünden abgebüht, die sie zeitlebens begangen hat.

Eine seltsame, wunderliche Kapelle, in die ein unheimlich Helles Licht fällt, das den Wachs­figuren der Heiligen mit ihrem echten wallenden Haar und Bärten etwas Lebendiges verleiht. Hierhin zog sie sich jedes 3ahr vierzehn Tage zurück, um zu fasten, zu beten und sich zu geißeln. Die Marterinstrumente liegen unter Glas, das Büßerhemd, das Stachelkreuz, die ge­stachelten Anhänger, die sie unter dem Büßer­hemd trug, während sie hier büßte. Da steht noch der Holztisch, an dem sie bei Wasser und Brot der heiligen Familie Gesellschaft leistete.

Der Kontrast dieser ärmlichen ernsten Buß- kapelle mit dem graziösen Schlößchen, dessen gelbe

Fassade zwischen dem Grün der Bäume leuchtet, in dem jedes Kabinett ein Kunstwerk ist, jede Wand ein Zeugnis damaligen Reichtums und Geschmacks wirkt ergreifend. Wer zwischen einer Flucht von Salons und Spiegelsälen mit herrlichen Porzellanen von Delft, China und allen deutschen Manufakturen lebte und in dieser ernsten Kapelle Zuflucht suchte, muh gewußt haben, warum.

Cs war sicher keine gewöhnliche Frau, die Markgräsin Sibylle, und ihr Geist schwebt noch in den stillen, köstlich eingerichteten Räumen ihres Lieblingsschlosfes und in ihrer ernsten, nüchternen Dußkapelle, die der heiligen Magdalene, der Büßerin, gewidmet ist, vor deren Holzrindentür die beidenBingbolienbäume" der Kastellan nennt sie so blühen zurMagdalenen-Zeit", wenn das Land hierher kommt, um Gottesdienst zu halten zu Ehren einer frommen Landessürstin. die unvergessen ist, weil sie anders war als die vielen anderen, von denen uns in alten Schlössern ihre Gemälde von verschlissenen Sei­denwänden anschauen in Atlasgewändern und ge­puderten Köpfen.

Vom Mond.

Von profeffor Or. Küstermann.

Nachdruck oerboten.

Füllest wieder Busch und Tal Still mit Nebelglanz ..."

Meine Mutter hat mir oft erzählt, daß ich als noch nicht ganz 2>5jähriger Zunge in hellen Jubel ausbrach, als ich die Mondsichel am Himmel ent­deckte. Wir waren nämlich kurz zuvor nach einem anderen Ort verzogen, und der Mond war mir ein sicherer Zeuge dafür, daß sich am neuen Wohnorte doch nicht alles geändert habe. Aber sieht man auch von dieser besonderen Veranlassung ab, so gibt es wohl kaum ein Kind, das sich nicht von Herzen freute, wenn es die Mondsichel am Himmel erblickt. Die Freude wäre freilich noch größer, wenn man es auch nur ein ganz klein wenig zur Mondbeob­achtung anhielte. Aber die Mondkenntnis der mei­sten Zeitgenosien geht wohl nicht viel über den im Kalender vermerkten Wechsel der Lichtgestalten, das Z des zunehmenden Mondes und das A des ab­nehmenden Mondes und vielleicht der Tatsache hin­aus, daß uns der Mond immer dieselbe Seite zu­kehrt. Daß der zunehmende Mond nur abends, der abnehmende nur morgens zu sehen ist, ist noch lange nicht jedem bekannt, und ist im Grunkte doch eine furchtbar einfache Tatsache. Auch daß man die Wanderung des Mondes durch den FirftemHimmel

Nr. 114 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Algerischer Bilderbogen

Don unserem G. R.-Korrespondenten.

im

gänzlich flachen Küstenland wächst Rebstock an

Dournergue,

auch

Rebstock in Kraft

bas von

das ist die

Da geht vor uns die Treppengasse hinauf der Straßenreiniger, ein Maure, mit seinem kleinen

fei, Ecken, Tore, Jnnenhöfe Kasbah.

paralysieren kann! Aber in Algier gibts ja noch Lepra und Typhus.

Oben auf der Höhe vor der Kaserne der am Rhein übel bekannten Senegalneger liegt der Platz der Guillotine, wo auch heute noch frühmorgens zur Erziehung und Erbauung eines an starke Kost gewöhnten Publikums vor versammeltem Volk die jeweiligen Verbrecher geköpft werden. Stets wohnt eine Anzahl Neugieriger solchem Schauspiel mit ge­duldigem Interesse bei. Hundert Schritte weiter liegt ein Märchenerzähler mit gelbgestreiftem Tur­bantuch auf seinem weiten, gelblichen Schafwoll­mantel am Boden, umgeben von einem Kreis an­dächtig lauschender Männer und Knaben, denen sich auch mancher Soldat zugestellt. Märchen und Guil­lotine nebeneinander!

Tram und Autobus sind fast stets bis zum letzten Platz gefüllt und amüsant ist es anzusehen, wenn oben auf den Wagen ein Nest von weißen Bur­nussen übereinander hockt, daß man galubt, das Gefährt müsse jeden Augenblick das Uebergewicht bekommen und umfallen. Aber nichts dergleichen passiert. Auch nicht, wenn an den offenen Tram- bahnwagen ganze Trauben Mitfahrender auf den Trittbrettern hängen oder im klapprig alten Vier­sitzer-Auto sechs Menschen, vier Kisten, acht Säcke und hoch oben schwebend eine Nähmaschine ober ein Grammophon (bei ben Wüstensöhnen hoch be­liebt!) mit fauchender Windeseile davonrasen. Mit­ten in der Sahara sehen wir bann biese luftigen Menschen fruchten bas Kamel hat keine Daseins-

wirkenben Trappiftenmönche in die besten Bahnen gelenh wurden, stundenlang fahrt man mit dem Auto durch wohlgepflegte, köstlich duftende Agru- menhaine, bei denen Blüte und Frucht oft den gleichen Baum zieren, stundenlang durch Muster- Weinberge, nein, nicht wie bei uns am Rhein und Main Wein-Berge, sondern Wein-Aecker; denn

Algier und Ueppigfeit um die Ferme,

Palmen und Eukalypten umgebene Helle geräumige Kolonistenhaus. Leider ist hier die Ma­

laria noch nicht mit Erfolg bekämpft.

Macht das Land um Algier einen guten, gepfleg­ten Eindruck, so kann man dies von der Stabt selbst gerabe nicht behaupten, trotz aller Neubauten. Die Straßen erfreuen sich behaglichen Dauerschmutzes ungeachtet ftänbig in Bewegung befindlicher Gieß­wagen, und die In französischen Landen üblichen offenen W.C's verpesten meterweit die Umgebung in jeder Straße. Krone allen Schmutzes aber ist die Kasbah, das alte Türkenviertel, das sich zur ehe­maligen Festung mit ihrer umfassenden, herrlichen Rundsicht, bergauf zieht. Kleine Fleischerläden in den engen, von hohen, fast fensterlosen Häusern be­standenen, zum Teil überwölbten krummen Gassen mit ihren von Mückenschwärmen schwarzgetupften Auslagen (unter denen Hammelsköpfe, Lungen und Eingeweide die Hauptrolle spielen), fliegende Gar­küchen, unbekannte Fleischreste an kleinen Holzspie- ßen über Kohlenfeuer bratend, Fischsuppen, Knoo- lauchsuppen, Zwiebelsuppen auf dem Boden, den Treppen und in allen Hausgängen krabbelnde Kin» dericharen, Katzen, Hunde, etliche alte Hexen in ma­lerisch-buntem Gelump und dazu passende Männer im Halbdunkel der manchmal nur zwei Meter brei­ten, steilen Gassen leere, unheimlich stille Win-

Esel, dem rechts und links weite Baftkörbe vom Sattel hängen. (An ihm vorbei konnten wir nicht, der Weg war zu eng; notgedrungen erlebten wir die ganzeReinigung" intensiv mit). Mit einer alten Handschaufel nimmt der Hygieniker der Kasbah die hübsch vor den Türen liegenden Reste der Mahl­zeiten, sowie anderes Ueberflüfpge auf und beför­dert es staubwirbelnd in lockerem Schwung in die Körbe, d. h. wenn er richtig trifft; wenn nicht, so fällt cs halt auf die Straße zu dem anderen und bleibt liegen bis zum nächsten Mal. Welch unge­heure Heil- und Desinfektionskraft muß doch die Sonne haben, daß sie diesen Schmutz im Süden

Der arabische Häuptling Bach Agpa Djelloul begrüßt den Präsidenten der Republik der aus Anlaß der 100jährigen Zugehörigkeit Algeriens zu Frankreich in ' ' weilt.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! i Algier, Mai 1930.

Sanfte, blaue Wellen trugen mich im behäbig sauberen, holländischen Schiss an Afrikas Küste, nach Algier, den deutschen Dampfern noch fremden Hasen. Schon von weitem leuchten die am Ufer- hang hinaufziehenden, großen, Hellen Rampen, die hohen Wohnpaläste und die weißen Villen von Mu- ftafa Superteure, der Sommerstadt, wie Perlen- kränze. Nach der Ruhe des gänzlich stillen Meeres bei Tag war uns kein Schiss begegnet, dafür nachts die lautlose englische Flotte, die in Stärke uon einhundertsechzig Einheiten zwischen Malta und Afrika zur Freude ihrer Verbündeten übte, um ihre Friedens- und Abrüstungsbereitschaft zu zeigen überfiel*- uns dann der Lärm der Stadt Algier ge­radezu wie Trommelfeuer. Algier ist Klein-Paris, repräsentativ nach außen, ganz in Stil und Ge- schmcick der Boulevards gebaut und gehalten. (Ele­gante, reichwirkende Fassade mit häßlichem Hinter- bau, schlohartige Portale, überladene Fronten, un- zählige Balkone, und bann: enge Treppen, kleine Hinterhöfe, schmutzige Durchgänge.

In allen Hafenstädten ist es laut, in allen orien­talischen lärmend. Aber wenn bann noch zu diesem erlaubten und hergebrachten Lärm der Radau eines Frühjahrs-Volksfestes kommt zusammen mit der kindlichen Freude der Farbigen am Tuten, Blasen, Quietschen und Klingeln an jeglichem Fortbewe- gungsmittel, sei es Pferde wagen, Auto, Tram, Esel ober Kamel, bann wirb man als Nordländer in kur­zem erledigt und ergibt sich willenlos in das chao- tische Schicksal dieses Straßenlärms Bei uns zu Haus wäre alle fünf Minuten mindestens ein lieber­fahrener zu buchen; hier sah ich nie solche Groß- ftablopfer, obwohl es keine Verkehrsregelung gibt. Man kann in Algier ruhig ohne obrigkeitliche Ge- nehmigung die Straße queren; wenn Allah es will, kommt man lebendig durch all die Autos und Trams und Autobusse hinüber. Wenn nicht, na dann hat es Allah eben nicht gewollt!

Zwei Dinge lernte ich in Algerien schon in ben ersten Tagen, nämlich erstens: den niedrigen F r a n- fürs als billige Reisegelegenheit ausnutzen zu »ol­len ist ein teurer Irrtum. Der Franken hat sich ben internationalen Preisen gänzlich angeglichen unb in diesen kann das Land getrost mit Aegypten mett­eifern. Und zweitens: daß die Mode der völlig glatt­rasierten Männer (derLakaiengesichter", wie ein wohlbekannter General vor dem Krieg sagte) in den französischen Kolonien nicht Fuß gefaßt hat. Alles Männliche trägt Bärte, seiEr" schwarz, braun, gelb ober weiß von Haut, gehe er im Bur­nus, in Uniform ober im neuesten Pariser Som- merrotf, sei er Herr ober Diener, Christ, Moslim ober Jude, Laie oder Geistlicher.

Die vielen und meisten sehr zweckmäßigen Neu­bauten im ganzen Land, städtische und staatliche, Straßen, Quais, Boulevards, Rampen und beson­ders die militärischen wie: Kasernenvergrößerungen, Flugzeughallen, Funkstationen zeugen ebenso von dem durch unsere Reparationszahlungen reichlich vorhandenen Geld, wie, was die militärischen an« betrifft, von dem intensivenAbrüstungswillen" der Franzosen. Algier ist ein reiches Land. An ihm sieht man so recht, was aus dem fruchtbaren afri­kanischen Boden herauszuholen ist, was aus einer Kolonie, intensiv und klug bewirtschaftet, in zwei Menschenaltern wird. Das erste Menschenalter Ko- lonialzeit, das schwerste, hatten wir Deutschen in unseren Kolonien gerade iiberwunden, bas zweite genießen jetzt anberc. Für Weinbau, O b st - unb G e m ü s e k u l tu r, bie Hauptexportzweige bieses Gartenlanbes an ber Norbküste, hatte ber Franzose von jeher Sinn unb Begabung, bie hier burch Einwanberung Elsässer, Schweizer unb schwä­bischer (Elemente im vergangenen Jahrhundert noch verstärkt unb burch die landwirtschaftlich stets gut