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Aus Oer provinzialhauptstadi.

Gießen, den 16. Mai 1930.

Giftpflanzen.

Eine der gefährlichsten und weit Verbreitesten Giftpflanzen unserer Gärten ist der Gold­regen mit seinen herrlichen, goldenen Blüten- trau den. 3edes Kind kennt dielen Strauch, und wenn jährlich tur Zeit seiner Blüte eine Anzahl von Vergiftungen durch dies« Pflanze gemeldet wird, so beweist dies, daß noch zu wenig auf ihre Gefährlichkeit aufmerksam gemacht wird. Eltern und Lehrer sollten jede« 3ahr die Kinder auf die Giftigkeit des Goldregens aufmerksam machen.

Vicht minder große Gefahr droht von dem ebenso bekannten Oleander, der ja auch viel­fach im Hause gepflegt wird. Hier wirkt bereits der Vlütenduft in einem geschlossenen Raum stark narkotisch, darum lasse man den blühenden Oleander stets nur am offenen Fenster, nie aber tm Schlafzimmer stehen.

Der S e i d e l b a st (KellerhalS, Daphne) kommt in den Wäldern vor und wird auch oft in Gärten gezogen. ist bekannt durch seine bereits im Februar bis April vor den Blättern erscheinen­den Blüten von rotleuchtender Farbe, die zu drei bis vier gedrängt beisammensitzen. Auch die Waldrebe (Clematis), von der eine Art in unseren Wäldern vorkommt, ist durch ihren Dlütenduft gefährlich. Don Radelhölzern ist vor dem Dadebaum (Juniperus sabina) und dem Eibenbaum (Taxus baccata) zu warnen. Die Anpflanzung des ersten ist wegen des auf ihm dorkommenden, den Obstbäumen gefährlichen Gitterrostes vielfach verboten, er wird auch oft zum Schaden der Betreffenden als Abortiv- mittel angewandt.

Unter den farbenprächtigen Gartenblumen find nicht wenige recht giftige Pflanzen anzutreffen. Die herrlichen Blüher, der bekannte Ritter­sporn, Eisenhut, Fingerhut, Löwen­maul, Narzisse und Kaiserkrone sind giftig.

Don den Feldpflanzen ist zunächst der überall vorkommende kletternde R a ch t s ch a t t e n zu er­wähnen, der wegen seiner in Massen erscheinen­den Beeren den Kindern oft verhängnisvoll wird. Auch vor der verwandten Kartoffel, resp. ihren Blüten und Früchten sei gewarnt. Auf sumpfigen Wiesen wächst der Wasserschier­ling und überall aus Feldern der gefleckte Schierling, beide sehr giftig und als junge Pflanzen oft verwechselt mit Sellerie und Peter- stlie. Daher doppelte Vorsicht I Dor dem im Ge­müsegarten häufig auftretenden Gartenschierling, Hundspctersilie genannt ist auch zu warnen.

Weiter zählen zu den giftigen Frühlings­blumen die von den Kindern gern gepflückten Anemonen oder Buschwindröschen, die Küchenschelle, sowie der Hahnenfuß (Butterblume, Dotterblume, Ranunel«. 2m Spät­herbst erscheint auf feuchten Wiesen die Herb st- zeitlose, im Getreide begegnen wir der Kornrade und dem Taumellolch, auch die Wolfsmilch, die Einbeere, der ge­fleckte Arons st ab, die Rieswurz, das Schöllkraut und die Zaunrübe sind noch zu erwähnen.

Eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben spielen die Pilze, unter denen es manche sehr giftige gibt. 3edes 2ahr melden die Zeitungen Todes­

fälle durch Pilzvergiftungen. Darum ist eS vor allem notwendig, die eßbaren und giftigen Pilze genau kennenzulernen. Gr.

Gas verwenden nicht verschwenden.

Unter diesem Motto veranstalteten die Gie­ßener Hausfrauen-Beratung und die GaS-Vereinigung Gießen gestern abend im Saale deS Lass Leib eine interessante GaS- Brat- Back- und K 0 ch v 0 rf ü h r u n g die am heutigen Freitagnachmittag ab 4 Uhr am gleichen Orte wiederholt wird. zu der sich eine außerordentlich große Anzahl interessierter Damen und Herren eingefunden hatten. Auf einer Anzahl Gasherde, die mitten im Saale so auf­

Dr. K 0 e p p e noch in sehr fesselnder Weife über die wirtlchaitlich beste Ausnutzungsmöglich- keit des Gasherdes, wobei sie ihrem großen Zuhörerkreise nicht mir die technischen Dorteile dieses Kücheninstrumentes klarzumachen wußte, sondern Fingerzeige dafür gab, wie man der Gasverschwendung vorbeugen könne. Die inter­essanten und lehrreichen Darlegungen der Red­nerin waren für die Damen unstreitig em wert­voller Gewinn, aus dem s ie bei rechter Autzan- wenduna mancherlei Vorteil ziehen können. Er­warb sich dadurch Frau Dr. K 0 e p p e den berech­tigten Dank ihrer Zuhörerinnen, so ist nicht mtnbcr große Anerkennung Frau Oberstudien­direktor Dr. K a l b f l e i f ch zu sagen, die die or­

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gestellt waren, daß man das Braten, Kochen und Backen gut beobachten konnte, bereiteten Damen des Gießener Hausfrauenvereins gar mannigfaltige und leckere Speisen zu. Junge Damen, mit riesigen und gut bestellten Servier- brettern bewaffnet, machten nach beendeter Speisenzubereitung mehrfach die Runde durch den Saal und versorgten die Besucherschaft mit köstlich mundenden Schineckproben, die auch den Beifall »der sehr kritisch gestimmten Damen und Herren fanden. Wer Glück hatte, konnte bei dieser Gelegenheit so eine Art kleines Abendessen mit abwechslungsreicher Speisenfolge einnehmen und dabei die Feststellung machen, daß die verschie­densten Gerichte in den Gas-, Back- und Brat­öfen ganz vortrefflich gelungen waren.

Die Leiterin der Gießener Hausfrauen-Bera- tungsstelle, Frau Dr. K 0 e p p e, gab im ersten Teile des Abends während des Koch- und Brat­geschäftes eine ganze Reihe von guten Rezepten bekannt, die obendrein noch den Vorteil haben, daß sie auch für einen geringer gespickten Geld­beutel erschwinglich sind, und sie gab dabei den gespannt lauschenden Damen mancherlei wert­volle und dankbar begrüßte Winke, wie man mit diesen Rezepten verfährt, um die Gunst des gestrengen Hausherrn immer wieder zu erringen. 3m weiteren Verlaufe des Abends sprach Frau

ganisotorische Vorbereitung des Abends in eif­rigster und bis ins kleinste sorgfältig durchdachter Arbeit so glücklich geleistet hatte, daß alles wie am Schnürchen und zur besten Zufriedenheit aller Teilnehmer verlief. Volle Anerkennung gebührt ferner den am Gasherd tätigen Damen des Gie­ßener Hausfrauenvereins, die durch ihr ausge­zeichnetes Walten den Beweis dafür erbrachten, daß nicht etwa nur speziell auf einen solchen Herd eingefuchste Kochdomen etwas Gutes zu leisten vermögen. Der Vorsitzende der Gasvcreinigung, Dr. Goeres, eröffnete und beschloß den inter­essanten Abend mit einigen kurzen Worten. 3m übrigen sei noch registriert, daß musikalische Dar­bietungen einer kleinen Kapelle zur Erhöhung der Stimmung beitrugen. Eine Anzahl Gas- geräte-Derkaufsgeschäfte hatten eine interessante -Schau von Gasherden usw. hergerichtet, die viel Beachtung fand.

Vornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadttheater:Clavigo", 20 bis 22 Uhr. Ra- tionalsoz. Deutsche Arbeiterpartei Rationalsoz. «deutscher Studentenbund, Ortsgruppe Gießen: Oesfentliche Versammlung, 20.15 Uhr, im Palast- Lichtspielhaus. Zoo-Zirkus A. Fischer: 20 Uhr Vorstellung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:

Ufa-Ton» und Sprech film »Melodie des Her­zen-". Astoria-LichlspieleDer Eowboykönig von Lhikogo" und^ ..Zwei Welten".

Aus dem S la d 11 h e a t e r b u r e a u wird uns geschrieben: Die heutigeClavigo"-Aufführung beginnt um 20 Uhr. Dienstag, den 20. Mai, »um ersten Mal ..Meine liebe, dumme Mama", Lustspiel von Nerz und Mayer. In dieser Vorstellung werden sich Ingeborg Scherer und Hans lannert von dem Gießener Publikum verabschieden.

Die Sitzung des Gießener Stadt- r a t S am kommenden D.enStaa, die vor allem der Beratung des städtischen Voranschlages für 1930 gilt, beginnt um 17 Uhr im Sitzungssaale des Stadthauses Bergstraße.

Eine interessante Photogra­phie von Gießen und Umgegend, vom Schiffenberg auS gesehen, hat Herr H. Wag­ner sen. von hier ausgenommen, die jetzt in Duplex-Autotypie auf Kunstdruckkarton inPholo- graphieton gedruckt im Verlage der Buch- und Steindruckerei 3ustus Christ erschienen ist. Das gut ausgenommene und im Druck vortrefflich wiedergegebene Bild gibt einen reizvollen Blick über die Stadt Gießen hinweg au den benachbar­ten Burgen, dem Dünsberg und den anschließen­den Höhen. Die Landschaft wird, in einen passen­den Dildrahmen gefaßt, ein hübscher Wand­schmuck und eine Erinnerung für jeden sein, der sich irgendwie mit unserer Stadt verbunden suhlt. Das Bild ist in den Kunsthandlungen zum Preise von 1,50 Mark zu haben. (Siehe heutige Anzeige.)

Maienblasen. Bei dem am morgigen Samstag, 19 Uhr, vorn Turme der 3ohannes- kirche stattfindenden Maienblasen werden fol­gende Stücke zu Gehör gebracht: 1. Choral: O Gott, du frommer Gott: 2. Die Kapelle, von Kreutzer: 3. Das Heidenröslein, Volksweise von Heinrich Werner (18001833).

Spielsachen.

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