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Turnen, Sport und Spiel.

AusscheidungSlämpfederTurnerfechter

Jür das Kreisturnfest in Hanau.

Die 2. Gruppe des Mittelrheinkrei- ses brachte ihre Ausscheidungskämpfe im Florett und Degen für die kommenden Krcismeisterschaften in Bürgel zur Durchfüh­rung, wo die Fechtabteilung der Tg. Bürgel ihr 30jähriges Bestehen feierte. Insgesamt waren im Florett 38 und im Degen 12 Meldungen ab­gegeben worden, so daß sich die Kämpfe bis in die Abendstunden erstreckten. Die gezeigten Leistungen standen auf beachtlicher Stufe, jeder Treffer war heiß umstritten. Die Ergebnisse: Florett: 1. Martin, Tv. 1860 Frankfurt, sechs Siege: 2. Wenzel, Tg. Bürgel, fünf Siege: 3. Stork, Tv. Offenbach, vier Siege: 4. Brückner, Tg. Bürgel, vier Siege: 5. Rothsuß, Tg. Born­heim, drei Siege: 6. Will, Tg. Höchst, drei Siege: 7. Drendle, Tg. Bockenheim. zwei Siege: 8. Horn, Tg. Höchst, ein Sieg. Degen: 1. Stork, Tv. Offenbach, sieben Siege: 2. Mahr, Tv. 1860 Frankfurt, fünf Siege: 3. Dehe, Tv. Offenbach, vier Siege: 4. Hau, Tg. Bürgel, vier Siege: 5. Boll, Tfc. Hanau, drei Siege: 6. Will, Tg. Höchst, drei Siege.

Handball im Männerturnverein (O.T).

Tv. Wehlar -Niedergirmes I Mtd. Gießen I 6:6 (2:3).

,2lm Sonntag trug die erste Mannschaft des hiesigen Männerturnvcreins ein Handball- Freundschaftsspiel gegen die gleiche Mannschaft des Turnvereins Wetzlar-Niedergirmes aus. Nie­dergirmes stellte eine sehr spielstarke Mannschaft. Während Niedergirmes nur mit einem Ersatz- stürmer antrat, mußten die Einheimischen mit fünffachem Ersah das Spiel bestreiten. Die Gäste konnten innerhalb von zehn Minuten zwei Treffer buchen. Ietzt merkten die Einheimischen, was für einen gefährlichen Gegner sie vor sich hatten. Der Gießener Sturm trug Angriff auf Angriff vor das gegnerische Tor, was zum ersten Er­folg führte. Kurz danach konnte der Gießener Halbrechte das Resultat auf 2:2 stellen: kurz vor Halbzeit ging Gießen mit 3:2 in Fühimng. In oer zweiten Halbzeit konnten die Mtv.er dann das Resultat auf 4:2 stellen. Den Anstrengungen des Niedergirmeser Sturmes gelang es schließlich, berde Tore aufzuholen (4:4). Nachdem die Mtver durch Stcafwurf wieder die Führung übernom­men hatten, glichen die Gäste nach kaum fünf Minuten ebenfalls durch einen Strafwurf zum dritten Male aus. Nach einer Strafecke gingen die Mtver durch einen neuen Erfolg wieder in (Führung, mußten sich aber gefallen lassen, daß chre Gegner prompt mit dem Ausgleich" tor er­widerten. Wenige Minuten danach erfolgte der Schlußpfiff, so daß das abwechselungsreiche Spiel mit 6:6 sein Ende fand.

1. Jugend Tv. Wehlcr - Niedergirmes gegen 1. Jugend Mtv. Gieren 0-10 (0:3).

t Spiel- der ers'en Man schäften trafen

sich Die ersten Iugendma.l..,^,.r.i der beiden Dereine ebenfalls zu einem Handball-Freund­schaftsspiel. Wie vorausgesagt, waren die Män- yerturner sowohl körperlich als auch an spiele­rischem Können ihren Gegnern stark überlegen

. und konnten einen hohen 10:0°Sieg erringen.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

1900 Gießen Viktoria Aschaffenburg 1:0 (1:0).

ö. Die Zuschauer bekamen ein durchweg span­nendes, sehr faires Spiel zu sehen. Beiderseits wurde restlos mit allem Energieaufwand um den Sieg gekämpft, so daß gegen Schluß beide Mann» schäften am Ende ihrer Kräfte angelangt waren. Der Sieg der Einheimischen war verdient auf Grund der zahlreicher herausgearbeiteten Tor­chancen. Wenn davon nur eine zum Erfolg ver­wertet wurde, so lag dies in erster Linie an den hervorragenden Abwehrleistungen des Gästetor­warts, anderseits hatten die Blauweißen des öfteren Pech und vergaben mehrfach die besten Gelegenheiten durch Zufall. War vor der Pause 1900 mit dem Rückenwind leicht überlegen, so war dies nach dem Wechsel Aschaffenburg in demselben Maße. Man hatte es mit zwei gleich­wertigen Gegnern zu tun, und der Sieg der Blau- weißen ist um so anerkennenswerter, als man der AschaffenburgerViktoria" als Ostmainkreis- melster bei den jetzt beginnenden Auf- ftregsplelen zur ersten Süddeutschen Klasse (Oberliga) die besten Chancen gibt. 1900 fanö sich gleich und setzte einige Bomben­schüsse auf des Gegners Heiligtum. Im Lieber- eifer wurde aber nicht genau geschossen. Erst ein glanzendes Zusammenspiel erbrachte unhaltbar den ersten und einzigen Treffer des Spieles kurz vor dem Seitenwechsel. Bis dahin hatte Aschaffenburg mir wenig Torgelegenheiten. Nach der Pause iedoch einige mehr. Zweimal lan­dete auch der Ball im Gießener Tor, jedoch war das Spiel schon vorher wegen Regelwidrigkeiten unterbrochen worden. 1900 hatte auch in der zweiten Halbzeit eine ganze Anzahl ausgezeich- n nrE .Avancen, die aber alle versiebt wurden.

Auch die Reserven 1900d zeigten sich diesmal von der besten Seite. Cs ist keine Kleinigkeit, auf dem gefürchteten Heuchelheimer Sportplatz der dortigen Ligamannschaft einen 5:2°Sieg ab- Äunngcn einige Aenderungen in der Mann­schaftsaufstellung waren von Erfolg. Es war ein elfmeterreiches Treffen. Von vier verhängten wurden iedoch nur zwei verwandelt, und zwar von feder Partei einer.

I900 I * 3; Mannschaft gegen Ehrings- kam nicht zustande.

Aunde auf vormittags nach Gießen angesetzten Freundschaftsspiel 1900 4.

Laubachs 2. waren die Platzbesitzer nur Elf dUF. Stelle. Die Einheimischen muh­ten deshalb mit einer 3:0-Niederlage vorlieb nehmen.

Spiele der Jugend.

Tugend. Germania Marburg 1. Iugend ^?er Mesner: das Resultat lautet 4:0 für Gießen. Von Anfang bis Ende ein interessantes Spiel mit wechselnden Momenten. Die Gegner waren sich technisch ebenbürtig.

2. Iugend. Vor der 1. Iugend spielte diese Legen die 2. Iugend der Germania Marburg und gewann erwartungsgemäß 2: 1. Leicht wurde ihr nicht, denn der Gegner war ebenbürtia Auch dies war ein schönes Spiel, doch fehlte beioen Parteien das notwendige System ?

3 3u9eni>. Diese spielte auf dem Waldspürt- Plah gegen die gleiche Iugend des V.f. B. und verlor das Spiel 3:0. no

1. Schüler. In Wetzlar konnten sie gegen die ^dortigen Schüler des S. V. Wetzlar nach über­legenem Spiel einen 3:2-Sieg erkämpfen.

V. f. B.

Die Ligareserve war bei der ersten Mann­schaft des Futzballvereins Weilburg zu Gast und brachte ein in Anbetracht der Spielstärke des Gegners sehr gutes Ergebnis mit nach Hause. Nach scharfem Kampf, bei dem Gießen durch den ungewohnten Platz benachteiligt war, trotzdem aber bis kurz vor Schluß mit 3:2 führen konnte, gelang es Weilburg in letzter Minute noch den Ausgleich zu erzielen.

Trotz des Vorteils des eigenen Platzes mußte sich die dritte Mannschaft von der ersten Stein­bachs mit 3:4 geschlagen bekennen. Bei V. f. B. sah man zwar die besseren Einzelleistungen, be­sonders die reifere Technik, was aber die Gäste durch größeren Eifer und vor allem durch ihr wuchtiges Spiel wieder au^zua'e'chen verstanden.

Dos angesagte Spiel der vierten Mannschaft gegen die zweite Steinbachs ram nicht zum Austrag.

Die Alten Herren überraschten durch ihr tech­nisch gutes Spiel und konnten ihren Gast, die erste Mannschaft Biebers, nach flottem Kampf mit 1:0 schlagen.

Die erste Iugendmannschaft hatte sich die gleiche vom Sportverein Hopfgarten bei Alsfeld zu einem Gesellschaftsspiel eingeladen, das die sym­pathischen Gäste mit 3:2 für sich entschieden. Die außerordentlich kräftige Mannschaft Hopfgartens war eine Lleberraschung. Sie spielte unerwartet gut und hinterließ den besten Eindruck. Das Treffen wurde beiderseits ruhig und fair aus- getragen.

Im Gegensatz hierzu stand die Begegnung der dritten Mannschaft gegen die gleiche der Gießener Spielvereinigung. Drei Spieler des Gegners mußten auf Geheiß des Schiedsrichters das Spielfeld verlassen. Schluhresultat: 3:0.

Handball in Lich.

Die erste Mannschaft des Turnvereins Albach und die gleiche des Turnvereins 1 8 6 0 Lich traten sich am Sonntag zu einem Freundschaftsspiel in Lich gegenüber. Beide Mannschaften lieferten sich ein spannendes Spiel, reich an fesselnden Momenten. In ihrer Lei­stungsfähigkeit waren sie sich gleichwertig, so daß auf beiden Seiten hitzig um den Sieg ge­kämpft wurde. Der Licher Sturm zeigte Unsicher- heit im Torwurf und verpaßte einige gute Tor­chancen im Gegensatz zu den Albachern, deren Halblinker besonders hervorgehoben werden muß. Die Gäste konnten mit einem knappen 5:4°Sieg das Spielfeld verlassen.

Turngau Labn-Oünsberg.

Rodheim I wiefeck I 8:2 (6:0).

Deide Mannschaften trafen sich in Rodheim zu einem Gesellschaftsspiel in kompletter Auf­stellung. In der ersten Halbzeit gestaltete Rod- heim das Spiel leicht überlegen, was dem Halb­zeitergebnis entspricht. In der zweiten Halbzeit war ausgeglichenes Feldspiel, in dem beide Mannschaften noch je zwei Treffer erzielten. Wieseck war Rodheim in bezug auf Zuspiel etwas überlegen, jedoch scheiterten die meisten Angriffe an der Rodyeimer Hintermannschaft. Für ihr faires Spiel verdienen beide Mann­schaften ein Lob.

Rodheim Iugend wiefeck Iugend 2:2.

Die Iugendmannschaften lieferten sich ein gleichwertiges Spiel. Beiden Mannschaften ist in Bezug auf Fangsicherheit und Zuspiel noch manches zu wünschen.

Beuern I Burkhardsfelden I 4:3 (2:3).

-Zu diesem Freundschaftsspiel trafen sich diese Mannschaften in Beuern. Beuern, welches mit Ersah und Umftellung antrat und das Spiel zu­letzt nur mit 9 Mann bestreiten mußte, siegte knapp, aber verdient.

Arbeiier-Turn- und Sportbund.

Gießen I Heuchelheim I 2:2.

Beide Mannschaften standen sich am vergange­nen Sonntag im fälligen Serienspiel auf dem Trieb gegenüber. Vom Anstoß ab sah man ein lottes Spiel. Den Gästen gelang es zuerst, durch chönen Schuh in Führung zu gehen. Halbzeit 0:1. Gießen kann bald den Ausgleich Herstellen. Schließlich kommen beide Mannschaften abermals zum Erfolg.

Vorher standen sich Gießen II und Londorf I gegenüber. In einem reichlich harten Spiel konn­ten die überaus flinken Gäste der Platzmann­schaft eine 3:1-Niederlage auszwingen.

wieseck I Lollar I 2:2.

3n Wieseck standen sich diese Mannschaften gegenüber. Vom Anstoß ab legen die Einheimi­schen mächtig los und erzielen nach kurzer Zeit zwei Tore. Gegen Ende der ersten Halbzeit kann dann Lollar ein Tor aufholen. Halbzeit 2:1. Einmal noch gelang es dem Gästelinksaußen, den Hüter der Einheimischen zu schlagen. So sand auch dieses Spiel einen unentschiedenen Ausgang.

wieseck Ib Wehlar I 1:1.

Born Anstoß ab sah man offenes Feldspiel. Mit 0:0 geht es in die Pause. Nach Seitenwechsel ging Wieseck in Führung. Wetzlar kann bald den Ausgleich Herstellen. Alle weiteren Versuche zum siegbringenden Tore zu kommen, scheitern auf beiden Seiten.

Grohen LInden I Oppenrod I 7:1.

3n Großen-Linden lieferten sich beide Mann­schaften ein schönes Spiel. Bereits in der elften Minute gingen die Einheimischen durch Elfmeter in Führung und erhöhten bereits nach kurzer Zeit Are Torzahl auf 2:0. Nach Seitenwechsel sind me Einheimischen stark überlegen und erhöhen ihre Torzahl auf 7:0. Erst kurz vor Schluß können die Gäste zu ihrem längst verdienten Ehrentor kommen.

Daubringen I Burkhardsfelden I 2:0.

Cfn Daubringen lieferten sich beide Mannschaf- ten ein scharfes Spiel. Daubringen gelang es, zwei Tore vorzulegen, denen die Gäste trotz allen Anstrengungen nichts entgegensetzen konnten.

Trais I Annerod I 3:2.

r^0-6, der Neuling des Bezirks, zeigte in die- stm Spiei, nachdem er am Vorfonntag auf eigenem Platze gegen Staufenberg eine hohe 10.0-Niederlage hliinehmen mußte, eine bedeutend bessere Leistung.

9a,n3es Können entfalten und die fpieleifngen Gaste mit obigem Resultat heimschicken.

Watzenborn Igd. Beuern Igd. 12:0.

Das Torresultat überrascht, ist jedoch verdient. Watzenborn mar dem Gegner technisch weit über- legen. Bereits bis zur Pause führte Watzenborn mit 6:0. Auch nach Seitenwechsel gelang es den Gä­sten nicht, die Mittellinie zu überschreiten, während Watzenborn bis zum Schlüsse noch weitere 6 Tore entgegenstellen konnte.

Handball.

Zn Wißmar standen sich die Handballer Krofdorfs und Wicsecks in einem Propagandaspiel gegenüber Wieseck, das nur mit 9 Mann antrat, hatte Mühe^ die Angriffe des Gegners abzuwehren. Krofdorf verstand es, fünfmal dem Gegner das Nachsehen zu geben. Wieseck mußte sich mit 5:0 geschlagen be­kennen.

Strafkammer Gießen.

* Gießen, 11. April. Wegen gefährli­cher Körperverletzung und verbote­nen Waffentragens war ein Landwirt durch das Amtsgericht Grünberg zu einenMo- nat Gefängnis und z u 5 0 M a r k Geld- ft r a f e verurteilt worden. Außerdem war auf Einziehung des bei der Tat benutzten Iagd- gewehres erkannt. Der Angeklagte bemerkte eines Nachts auf dem Nachhauseweg, daß er von zwei Männern verfolgt wurde, von denen er einen erkannte. Es war ein Dienstknecht, mit dem eines seiner Dienstmädchen ein Verhältnis hatte, dem er sein Haus verboten hatte. Obwohl der Angeklagte unbelästigt seine Behausung erreicht hatte, ging er auf das Anschlägen feiner Hunde, letzt mit seiner Iagdflinte ausgerüstet, nochmals auf die Straße. Hier stieß er, etwa 40 Meter öon seiner Hofreite entfernt, auf den von ihm vorher erkannten Burschen. Dieser, als Zeuge vernommen, gab an, er habe an dieser Stelle den Angeklagten erwarten wollen, um ihn wegen semes Verhaltens zur Rede zu stellen. Iener dagegen behauptete, daß der Zeuge sofort auf ihn geftürat sei. -Um ihn abzuwehren, habe er ihm eine Schrotladung in die Beine geschossen. Dem Angeklagten gelang es nicht, diese von ihm behauptete Notwehr zu beweisen. Seine Beru­fung hatte aber insofern Erfolg, als er mit Rücksicht auf die Erregung, in die er sich seiner- jeit wfand, an Stelle der Freiheitsstrafe zu einer Geldstrafe von 150 Mark evtl. 30 Sage Gefängnis verurteilt, und die wegen unerlaubten Waffenführens erkannte Geldstrafe auf

2 0 Mark, evtl, vier Tage Gefängnis heraö* gefetzt wurde. Das Iagdgewehr bleibt eingezogen.

Em junger Mann, der wegen Zuwider­handlung gegen die verkehrspvli- ze-ilichen Vorschriften sehr häufig vor­bestraft ist, fuhr mit seinem Motorrad mit solcher Wucht gegen das Fuhrwerk eines Metzgers, daß dieser vom Wagen geschleudert wurde und besinn nungslos liegenblieb. Wäre der Angeklagte mit besserer Beleuchtung und nicht mit einer solchen Geschwindigkeit gefahren, dann hätte er dem Fuhrwerk rechtzeitig ausweichen können, der Zu­sammenstoß wäre vermieden gewesen. Wegen fahrlässiger Körperverletzung hat das Amtsgericht Lauterbach gegen den Angeklagten auf zwei Wochen Gefängnis erkannt. Die dagegen verfolgte Berufung wurde jetzt kostenfällig zurück- gewiesen. Auch das Berufungsgericht war der Meinung, daß der Strafzweck nicht durch eine Geldstrafe zu erreichen sei.

Wegen Einbruchsdieb st ah fZ war ein Arbeiter durch das Amtsgericht Bad-Nauheim zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Das Gericht hielt ihn auf Grund von Indizien für überführt, einem Ge­flügelfarmbesitzer etwa 7 Pfund Gänsefedern au8 dessen Lagerraum gestohlen zu haben. In der jetzigen Verhandlung gelang es aber dem An­geklagten, seine Angaben durch andere Zeugen teilweise bestätigt zu erhalten, so daß das Gericht sich von seiner Schuld nicht ausreichend über» zeugen konnte. Anter Aufhebung des erstinstanz­lichen Urteils wurde er mangels Beweises freigesprochen.

Kunst und Wissenschaft.

Das Mainzer Theater bleibt.

WEN. Mainz, 13. April. Bei der Etats­beratung über den Haushaltsvoranschlag für das Iahr 1930 kam es im Stadtrat zu einer lebhaften Aussprache über das Mainzer Theater. Die Parteien waren sich darüber einig, daß das Theater bei seinem augenblick­lichen künstlerischen Hochstand unter allen Um­ständen gehalten werden müsse. Der Theater- z usch u ß der Stadt in Höhe von 488 000 M k. wurde mit großer Mehrheit bewilligt. Wan er­wartet noch Zuschüsse von Reich und Staat, hat jedoch, da diese voraussichtlich nicht in der vorjährigen Höhe geleistet werden, die Spiel­zeit des Theaters von zwölf auf neun Monate herabgesetzt.

Hessische Mieterkundgebung.

Der Landesverband hessischer Mie­tervereine hielt, wie bereits am Mittwoch gemeldet wurde, seinen diesjährigen Ver­ba n d s t a g am 5. und 6. d. M. inHeppen- heim a. d. B. ab, zu dem die Vertreter der Berbandsvereine, der Behörden und Verbände in großer Zahl erschienen waren. Auch der Vor­sitzende des Bundes Deutscher Mieterverrine, H e r r m a n n, Dresden, nahm an der Tagung teil. Nach den üblichen Begrüßungen erstattete A^??^°ndsvorsihende, Wolff, Mainz, den Geschäftsbericht und Jahresbericht. Er streifte dabei die bevorstehende endgültige Räumung des besetzten Gebietes, von der man die Behebung der Wohnungsnot in Mainz erhoffte. Leider sei daran nicht zu denken, denn wenn alle seither von den Besahungsbehörden beschlagnahmten Wohnungen von Deutschen bezogen würden, mühte dennoch eine große Anzahl Wohnung­suchender dabei leer ausgehen. Der Kassenbe­richt, erstattet von Gleisberg, Mainz, weist einen günstigen Stand der Kassenverhältnisse auf. Der Derbandsvorstand wurde einstimmig wieder- gewählt, neu hinzu kommen Schmidt, Offen- fcadh und Wilhelm, Bieber.

Für die öffentliche Tagung waren drei inter­essante Vorträge vorgesehen, und zwar:Was erwartet die Mieterschaft von der Reichsregie­rung", Ref. Bundesvorsitzender Herrmann, Dresden;Hessische Mieterwünsche und For­derungen", Ref. Derbandsvorsitzender Wolff, Mainz;Ueberblick über den Stand der Recht­sprechung in Mietrechtsfragen in Hessen", Res. Geschäftsführer Fuchs, Mainz. Der erste Red­ner schildert den Stand der Reichsgesehgebung und die Stellungnahme der Parteien zu den be­kannten Fragen des Mieterschutzes, der Steuer­gesetzgebung und des Wohnheimstättengesehes. Im Mittelpunkt des Kampfes für das kommende Wohnwirtschaftsgeseh muß stehen der Kampf für eine gesunde, deutsche Familie. Herr Wolfs, Mainz, kritisierte in der Hauptsache das Bestre­ben der Städte, neue Mieterhöhungen einzufüh­ren. Er protestierte energisch dagegen, da sich alle diese Bestrebungen in letzter Linie zu einem Geschenk für die Hausbesitzer ausgewirkt haben, besonders die Veranlagung der Gebäudesonder- fteuer.

2ln reichem Q ftenmatcrial wies Herr Fuchs in seinem Vortrag die verschiedenartige Recht­sprechung der hessischen Spruchbehörden nach, wenn es sich im Grund genommen um dieselbe Sache handelt. Es müsse gefordert werden, daß hierin eine gewisse Einheitlichkeit erzielt wird.

Die Verhandlungen fanden ihren Niederschlag in den nachfolgenden vier Entschließungen:

Zum Wohn- und Mietrecht.

Die hessische Mieterschaft hat die unverän­derte Annahme der Mieterschutzgesehe begrüßt. Sie bedauert allerdings, daß die Regierungs­vorlage dabei um ein Iahr gekürzt worden ist. Die Mieterschaft bedauert umsomehr, als jetzt in die Reichsregierung ein ausgesprochener Ver­treter des Hausbesihes eingetreten ist, der sich seit Bestehen des Mieterschuhgesetzes als Ab­geordneter in einseitigster Weise für die Be­lange des Hausbesihes und nicht des Volks­ganzen eingesetzt hat.

Die Mieterschaft wird besonders darüber zu wachen haben, daß nunmehr nicht auf dem Ver­ordnungswege Verschlechterungen des Mieter­schutzes durchgeführt werden, die zunächst bis zum Iahre 1931 auf dem Wege der Gesetz­gebung ausgeschaltet sind.

Den Bestrebungen auf öffentliche oder ver­steckte Mietsteigerungen tritt die Mieterschaft nachdrücklichst entgegen, da nachweislich die jetzige 120prozentige Miete die Hausbewirtschaftung vollkommen deckt. Einkommen und Miete müssen in der Zeit allgemeiner Verarmung auch bei der Mietpreisbildung beachtet werden. Sondervor­teile für einen kleinen Teil der Bevölkerung müssen ausgeschlossen sein.

Angleichung der Neubaumieten an die Alt­mieten muß durchgeführt werden, da heute be­reits die Tatsache feststeht, daß Neubauwoh­nungen deshalb leerstehen, weil die hohe Miete

für den größten Teil der Mieter unerschwinglich ist. Die Mieterschaft erwartet von der Reichs­regierung die alsbaldige Vorlage eines Ent­wurfs für ein künftiges Wohnwirtschaftsgesetz auf sozialer Grundlage, in dem die Grundge­danken des jetzigen Mieterschutzes gesetzlich fest­gelegt werden.

Entschließung bdr. Sondersteuer.

Die im Landesverband hessischer Mieter­vereine organisierte Mieterschaft des Volks­staates Hessen nimmt auf ihrem am 6. April 1930 in Heppenheim stattgefundcnen Hessischen Mieter­tag mit größtem Befremden davon Kenntnis, daß die hessische Koalitionsregierung die schon seither den Hausbesitzern gewährten Vergünstigungen im letzten Iahre so erweitert hat, daß im Haushalts­voranschlag für 1930 nur 25 Millionen Mk. Ein­nahme aus Sondersteuer gegen 28 Millionen im Vorjahre eingesetzt werden konnten.

Der Hessische Mietertag protestiert gegen die Bevorzugng einer Bevölkerungsgruppe, die ohnehin am wenigsten durch die Kriegsfolgen be­nachteiligt wurde.

Der Hessische Mietertag verlangt von der Hessin schen Regierung, daß mit dieser Zuwendungs­politik Schluß gemacht wird. Er verlangt weiter von der Regierung eine Aenderung des Sonder- steuergesetzes, damit die von den Mietern ge­zahlten Sondersteuerbeträge den Finanzkassen zu­geführt werden und nicht länger zum Schaden 'des unter der Wohnungsnot schwer leidenden Volksteiles den Hausbesitzern zufließen.

Zum hessischen Haushaltsvoranschlag.

Der Hessische Mietertag nimmt mit Befremden Kenntnis davon, daß die hessische Regierung zum Ausgleich des Haushaltsvoranschlages für 1930 unter anderen Sparmaßnahmen an den zur För­derung des Wohnungsbaues gesetzlich zur Ver- siigung zu stellenden Beträgen Abstriche in Höhe von 2 Millionen Mk. vorgenommen hat. Sie be­dauert das umfomehr, als die hessische Regierung nachweislich seit der Festigung der Währung noch in keinem Iahre die vorgeschriebenen Be­träge dem Wohnungsbau zugeführt hat. Ange­sichts der Schwierigkeiten auf dem Geldmarkt hätte die Mieterschaft erst recht erwarten können, daß in diesem Iahre erhöhte Beträge für den Wohnungsbau flüssig gemacht worden wären, um der steigenden Wohnungsnot Linderung zu ver­schaffen und die Zahl der arbeitslosen Handwer­ker und Arbeiter zu verringern.

Der Hessische Mietertag verlangt, daß bei der endgültigen Festlegung des Haushaltsplanes, die in der Verordnung des Reiches vom 12. Februar 1929 bestimmten Beträge zum Wohnungsbau auch tatsächlich zur Verwendung gelangen.

Zur Mieterhöhung durch die Stabte.

Der Hessische Mieter tag in Heppenheim ver­mährt sich auf das entschiedenste dagegen, daß die Gemeinden in steigendem Maße versuchen, ihre Haushaltsfehlbeträge durch Einführung neuer Gebühren und Erhöhung der Grund- und Gebäudesteuem und deren -Umlegung auf die Mieter zu decken.

Die Wohlfahrtsetats der Städte geben ein er­schreckendes Bild von der Notlage eines großen Teiles der Mieter, während der noch in Arbeit stehende Teil der Bevölkerung am Rande feiner finanziellen Leistungsfähigkeit steht.

Mieterhöhungen ohne gleichzeitige Lohn- und Gehaltserhöhungen sind untragbar, letztere ist nicht durchzusehen.

Der Hessische Mietertag verlangt von dem Ge- famtminifterium, daß Anträge der Gemeindever­waltungen auf Mieterhöhungen strikte abgelehnt werden.

PIX AVON

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