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Aus der provinzialhauptsiadi.

Dietzen, den 15. April 1930.

Oer Enzian aus den Rödger Wie,en.

3m Anschluß an unsere OlotiA in der Samstag- nummec wird unS noch geschrieben:

Leider kamen die Warnrufe: Schutz dem ®n- Äian' au späd. Der ön^ian ist von unverständiger Hand gepflückt. Sin Besuch der Wiesen ist daher zwecklos. Fußspuren und zertretene- Gras zeugen von der traur gen Tätig eit die.er Blumenfreunde.

Jeder Besucyer der Wiesen macht sich strafbar, ebenso jeder, der mit gepflückten Pfänzchen be­troffen wird. Denn die Wiesen sind von Siebener Naturfreunden gepachtet.

Sollte es denn wirklich wertlos fein, vorerst durch Aufklärung unter der Bevölkerung und in den Schulen etwas au erreichen. Würde man den­noch das wehrlose Blümchen pflücken, wenn man wützte, daß man damit das Pflänzchen ausrottet? Jedermann weih, dah die Blüte dazu da ist. Samen zu erzeugen, die für die Fortpflanzung nötig sind. Sine andere Vermehrungsmöglichkeit als durch Samen ist dem armseligen Pflänzch^r versagt. Aach der Samenbildung stirbt es ab. Es bleiben keine Zwiebeln im Boden zurück wie beim Schneeglöckchen, kein Wurzelstock wie bei den ausdauernden Pflanzen übersteht die un­günstige Jahreszeit. Durch Ausläufer kann es sich erst recht nicht vermehren, wie es von der Erdbeere bekannt ist. ES ist nur auf sein einziges Blütchen angewiesen. Kann man eS fcrtigbrinaen, ein solches Blümchen au vernichten mit Be­wußtsein sicher niemand. Ein Aufklärungsversuch sollte Ersolg haben in einer Zeit, in der man sich zum Ziel seht, Bildung und Wissensergebnisse in die breite Masse zu tragen.

Zur dauernden Erhaltung dieser merkwürdigen Fundstelle sind Raturschutzrnahnahmen nötig. Es ist kein Ruhmesblatt für Hessen, dah eS im Gegensatz zu anderen Staaten noch keine Ratur- fchuhgcsetze hat. Es ist nicht in der Ordnung, dah Blumen des Feldes auf dem Markte öffent­lich feilgeboten werden dürfen. Früher aalt der Grundsatz: Was du nicht säest, sollst du auch nicht ernten.

Soll das nun so weiter gehen, oder wollen wir Gießener Freunde der Statur uns nicht endlich zusammenschließen und von uns aus zu retten suchen, was noch zu retten ist? Ein einzelner ver­mag nichts. Helfen aber viele, dann ist es noch nicht zu spät I Heinrich Schaaf.

Taten für Mittwoch 16. April.

Sonnenaufgang 5.05 Uhr, Sonnenuntergang 18.56 Uhr. Mondaufgang>3.30 Uhr, Monduntergang 6.15 Uhr.

1786: der Seefahrer John Franklin in Spilsby geboren (gestorben 1847); 1844: der französische Dichter Anatole France (eigentlich Thibault) in Paris geboren (gestorben 1924).

Gießener ^och.nmarktprrrse.

ES kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: das Pfund Butter 140 bis 170 Pfennig. Matte 30 bis 35, Wirsing 20 bis 30, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 biS 20, Unter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 10 bi6 15, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4>/r bis 5, Siebtel 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35. Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppen­hühner 100 bis 120, Rüsse 50 bis 70 Pfennig das Pfund; Käse (zehn Stück) 60 bis 140 Pf.. Tauben 70 bis 80 Pf. das Stück, Eier 10 bis 11, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 20 bis 25. Salat- gurken 75 bis 80, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis

20, Sellerie 10 bis 40 Pfennig das Stück; Ra­dieschen 15 bis 20 Pfennig das Bündel; Kar- totfein der Zentner 3,80 biS 4 Mk. der Zentner.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Licht- fvielhaus Bahnhofftrahe: Premier«Ungarische Rhapsodie".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die durch die Kar­woche einge.retene Spictplanänderung bittet man zu beachten. 3m Dienstagabonnement wird am Mittwoch. 16. April, 19.30 Uhr,Louis Ferdinand, Prinz von Preutzen" gegeben. Am Donnerstag. 17. April, im Freitagabonnement, eb n altsLouis Ferd'nand, Pr.nz von Preußen". Ostersonntag, zum letzten Wale,Katharina Knie". Seiltänzerstück von Zuckmaher. Beginn 18.30 Uhr. Ermäßigte Preise. Am zweiten Ofterfeiertag wird das Reue Operetten-Theater. Frankfurt a. W. die Bühne, die im vorigen 3ahr hier gastierte, ein einmaliges Gastspiel mit der OperettePanne um Mitternacht" von Waldau, gastieren. Es wird nochmals daraus aufmerksam gemacht, daß das Wittwochabonnement in der Karwoche aus­fällt.

Dienstjubiläum bei der Stadt­verwaltung. Am morgigen 16. April kann der Berwaltungsoberinspektor Wilhelm Gil­bert auf eine 25jährige Dienstzeit bei unserer Stadtverwaltung zurückblicken. Der Jubilar trat am 16. April 1905 in die Dienste der Stadt ein und war zunächst beim Qlm^namt beschäftigt. Am 1. April 1919 wurde er als Beamter an- gestellt, im Verlaufe der folgenden 3ahre war er dann beim Lebensmittelamt, in der allge­meinen Verwaltung, beim Gaswerk und seit 1923 auf dem Rechnungsamt beschäftigt. Seit etwa zwei Jahren versieht er auch das Amt des Protokollführers des Dtadtrates. Sowohl bei feinen Vorgesetzten, wie bei seinen Kollegen, im Stadtrat und in weiten Kreisen der Bürgerschaft genießt Herr Gilbert wegen seiner ausgezeich­neten beruflichen Qualitäten, feines Pflichteifers und feines freundlichen, allzeit hilfsbereiten We­sens hohe Wertschätzung.

* Kein hessisches Marine-Ehren- mal 3u der durch die Presse gegangenen Nach­richt von der Errichtung eines Denkmals für die gefallenen hessischen Angehörigen der Ma­rine, das von derVereinigung der ehemaligen Marineangehörigen in Hessen" geplant sei und in Form eines Leuchtturmes am Rhein er­richtet werden soll, teilt der Marineverein Darmstadt und Umgebung mit, daß es eine Vereinigung der ehemaligen Marineang.hörigen in Hessen" nicht gibt. Die dem Bunde deut­scher Marinevereine angeschlossenen Einzel­vereine Hessens ständen dem Gedanken eines Sonder-Ehrenmals für Hessen völlig ablehnend gegenüber.

** D. H. D. Gießen. 3n den letzten Tagen führte der Deutschnationale Handlungsgehilsen- Verband, Ortsgruppe Gießen, tm Kaufmännischen Vereinshaus den letzten Wochenendlehrgang des Winterhalbjahres durch. Der Dortragsstosf Textilien" konnte freilich nicht erschöpfend be­handelt werden, weil das Gebiet zu umfang­reich ist. 3m Rahmen der zur Verfügung stehen­den Zeit bot der Vortragende, Herr Kraus von der Firma Böhringer, aber trotzdem soviel Wissenswertes, daß auch dieser Lehrgang ein großer Gewinn für die Teilnehmer gewesen sein dürfte. Der Lehrgang begann mit einer allge­meinen Uebersicht der hauptsächlichsten Spinn­fasern und der ausführlichen Behandlung der Baumwolle, als der wichtigsten Textilfaser von der Pflanze biS zum Gespinst, sowie der Kunst­seide und ihrer Geschichte. Besonderer Wert

wurde auf die mannigfachen UntersuchungSmetho- den zur Feststellung der verwendeten Rohstoffe gelegt. Eine größere Lichtbildreihe und reich­liches Anschauungsmaterial unterstützten hier die Ausführungen vortrefflich. Besonderer Dank wurde dem Vortragenden. Herrn KrauS. für seine hervorragende Leistung gezollt.

" Elternabend des G. d. A. Die hiesige Ortsgruppe des G. d. A. veranstaltete am Sams­tagabend im Hotelrestaurant Hopfeld cincnSltem- abenb. Das reichhaltige Programm brachte zu- nächst eine Reihe musikalischer Darbietungen von Mitgliedern der 3ugendgruppe des G. d. A. Wetzlar, die auch im übrigen wesentlich zur Ver­schönerung deS Abends beitrug. Der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe. L. Zecher, wies nach einer kurzen Begrüßung auf die vorwärtsstre- benöen Kräfte von Frühling und 3ugendzeit hin, dabei, besonders betonend, daß 3ugendzeit gegen­wärtig ein ernstes Wort in schwerer Zeit sei. Die 3ugend müsse durch die Schwere der Zeit den Weg zum Ausbau finden. Geschäfts'eiter Mack zeichnete in kurzen Zügen, wie bedeutungsvoll der Umgang deS aus der Schule entlassenen jungen Menschen für fein ganzes Leben sei. Hier beginne der 3ugendliche die Welt zu studieren, hier erhalte er das Rüstzeug nicht nur für feinen Beruf, sondern auch für fein sonstiges Leben. Die berufliche Organisation habe hier große Aufgaben an der 3ugend zu erfüllen. Sie müsse der 3ugend klarmachen, dah der Aufstieg unseres Volkes von der 3ugend abhängt. Die 3ugend müsse erkennen, daß sie dienen und verdienen müsse und nicht umgekehrt. Rur die zielbewuhte Erfüllung der Ausgaben bringe das von vielen ersehnte Glück. Der unterhaltende Teil des Programms enthielt eine Reihe von Liedervorträgen, einen SprechchorVoran, du junge Schar", sowie recht nette Volkstänze. Außerdem legten ein wirkungsvoll vorgetragener VorspruchVorfrühling", eine Rezitation von Rudolf Herzog, sowie gemeinsame Bundes­lieder, ebenso wie alle übrigen Darbietungen Zeugnis von echter 3ugenbarbeit ab.

Preußen.

Ein Derlehrsauto verbrannt.

O Riederklee n, 15. April. (Eigener Drahtbericht., Gestern abend gegen 7 Uhr verbrannte zwischen Dornholzhausen und Riedcrkleen ein der Firma G. Freitag, Auto­verkehrs G. m. b. H. in Butzbach gehöriges Ver­kehrsauto bis auf die Eisenteile. Das Auto, welches auf der Strecke ButzbachRiedcrkleen Dornholzhausen verkehrte, befand sich auf der Rückfahrt von Dornholzhausen nach Butzbach. Glücklicherweise war es unbesetzt. Die Ursache des Brandes soll auf einen Vergaserbrand au- rückzuführen sein. Die Kasse mit den Fahr­geldern (etwa 20 bis 30 Mk.) ist mitverbrannt. Eine Störung des Betriebes wird nicht ein treten.

KreiS Wetzlar.

Z Dorlar, 14. April. Das freie Gelände bei der Transformatoren st ation des hie­sigen elektrischen Ortsnetzes ist als Sportplatz ausgewiesen und wird von der 3ugend unseres Ortes vielfach zum FuhbaUspielen benutzt. Dieser Tage flog nun abends bei einem solchen Spiel ein Ball vorn Sportplatz in die Hoch­spannungsleitung. Die Leitung riß, fiel zur Erde und es entstand starker Kurz­schluß mit nachfolgendem Erdschluß. Die Stö­rung wurde zwar von der Stromlieferungsfirma, Buderus-Wetzlar, alsbald beseitigt, während des Defekts waren aber außer Dorlar noch a cht andere Gemeinden ohne Strom. Leicht hätte der Kurzschluß großen Schaden für ein im

Stromkreis liegendes, mit Elektro-Glühöfen ar­beitendes industrielles Werk haben können.

O Hochelheim, 13. April. 3n dem Wohn­haus des Landwirts Wilhelm Mack von hier brach gestern gegen 22 Uhr ein Speicher- brand aus, bei dem verschiedene Mobilia» stücke verbrannten, außerdem einige Balken un­gebrannt wurden. Der Brand wurde durch her­beigeeilte Ortseinwohner gelöscht. Die Pflicht­feuerwehr brauchte bei ihrem Eintreffen nicht mehr in Tätigkeit zu treten. Die EntstehungS- ursache soll auf einen Kaminbrand zurück- zusühren fein.

Schöffengericht Gießen.

Gießen, 14. April. Der frühere Rechner und Lagerhalter einer landwirtschaftlichen 'Be­zugs- und Abfatzgenossenschaft eines kleinen Dor­fes aus der Licher Gegend hatte sich heute wegen Unterschlagung. Untreue und schwe­rer Urkundenfälschung zu verantworten. Er war im wesentlichen geständig. Bei einer Kassenrevision und den daraufhin vorgenomme- nen Ermittlungen hatte sich herauSgeftellt, dah ein Betrag von etwa 30000 Mk. fehlte und daß eine ganze Reihe von Quittungen u s w. gefälscht waren. Der Angeklagte gab au, einen Teil des Geldes für sich verbraucht und Die Fälschungen begangen zu haben; wo daS übrige Geld geblieben ist, wollte er nicht wissen. Genaue Feststellungen insoweit waren nicht mög­lich; es besteht die Vermutung, dah ein Teil deS Defizits auch auf andere Umstände, insbeson­dere mangelhafte Buchführung und ungenügend« Kontrolle der Entnahmen aus dem Lager, zu- rückzuführcn ist. Das Gericht erkannte auf eine Gesamtstrafe von 1 3ahr Gefängnis.

Wettervoraussage.

Der Rückseiteneinfluh der südöstlichen Störung führt über Deutschland zu kühlerem Wetter mit verbreiteten Schauern. Er bestimmt zunächst noch die Wetterlage, so dah der herrschende Witte­rungscharakter anhält. 3edoch gelangt mit dem Kaltluftzustrom der hohe Druck im Westen nach dem Festlande, welcher eine Besserung mit sich bringt. Bereits im Laufe des morgigen Tages dürfte es zur Durchbrechung der Wolkendecke kommen, dabei erfahren aber vorerst die Temp«- raturen noch keine wesentliche Aenderung.

Wettervorhersage für Mittwoch: Anfang- wechselnd wolkig mit Schauern, dann ruhiger und aufheiternd, kühl.

Wettervorhersage für Donnerstag: Wolkig und aufheiternd, vorwiegend trocken, mäßig warm.

Lufttemperaturen am 14. April: mittags 11,2 Grad Celsius, abends 6,6 Grad; am 15. 2H>ril: morgens 5,7 Grad. Maximum 11,4 Grad, Mini­mum 5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. April: abends 9,4 Grad; am 15. April, morgens 7 Grad. Riederschläge 2,6 mm. Sonnenscheindauer \\ Stunde.

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