Nr. 65 Drittes Blatt
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ppE giesse Ser-Vortrag ®,19'März 1930, ab? Sff&f • ^Hen.; ienr.bcnafersprichtt twicWung der Kini !ur Erneuerung küi saunst (nach Brite Wieder frei. -G* 5__
Außenpolitische Umschau.
Don Dr. Otto Hoehsch, o. o. Pros, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d.
Der Voungplan ist vom Reichstag an- imommcn; an der Ratifikation durch die an« tere Seite ist kein Zweifel. Er hat so lange im Mittelpunkt der deutschen Auseinandersetzungen «Ständen, dost der Deutsche heute wohl glaubt, itjn genau au kennen, ilnö doch ist wohl toßiten Kreisen noch nicht völlig klar, was diese Riesen- r-.-gelung aus Jahrzehnte hinaus bedeutet! Em Komplex außenpolitischer Streitfragen, der Cu- n)pa jahrelang aufgewühlt oder wenigstens in 2tem gehalten hat, wird nun völlig der Politik entzogen. Die außenpolitisch so wichtige -rage ter finanziellen Kriegsschulden geht aus ter Hand der Diplomaten und Politiker t n ietc Hand der Bankiers über, in deren Mittelpunkt das Haus Morgan steht. Und Deutschland ist nun mit allen Verpflichtungen mnd auch allen Rechten der indirekte Schuldner Amerikas, dessen Ansprüche «us das engste mit dem geschützten Teile der teutschen Jahreszahlungen verbunden sind. Der »"geschützte, von 660 Millionen Marl jährlich t 1966, der ist nicht „revisibel". Auf ihm wurde i großes Anleihegeschäft aufgebaut, eine Verbindung Deutschland«Frankreich-Amerika stärkster Art eingeleitet. Im Tanzen, so hat man mit Recht 'gesagt, tritt nun mindestens in dieser Frage d i c Hochfinanz .un Stelle der Polit ik und seht sich mit | brr Bank für Internationale Zahlungen in Basel eine Art weltfinanzieller Völkerbund neben den Völkerbund in Gens. Ein sehr scharfer Einschnitt, i v'on dem mit Recht der eben aus dem Reichstag ausgetretene Dr. Hell p ach sagt, daß mit bet Annahme des Voungvlons eine Periode der 1 deutschen Rachkriegspolitik abgeschlossen sei und ’ mit ihr zugleich eine neue Epoche großer t grundsetzlicher innerpolitischer Auseinandersehun« jtn beginne. Das gilt übrigens nicht nur für Deutschland, wenn auch da am stärksten. Das £ gilt auch für Frankreich, England. Polen.
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chmittagi u Lieh «Stert« Ernst Ilge-BwW eführt vom '•BatilUoni, II, hinter icher Leitung des He n Löb er, Gielles.
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Auch der Polenvertrag wurde vom Reichstag angenommen, der wenigstens nach un- >erer Uebcrzeugung nicht notwendiger Weife mit Dem Boungplasr verbunden war. Hier ist das ?!bkommen nun durchaus nicht ein Abschluß, sondern leitet neue und schwierige Aus - einandersehungen ein. Auf ihn weist hin die Entschließung, die bei Annahme des Polen- abkommens vom Reichstag angenommen wurde: .Die Loge der deutschen Minderheit in Polen gibt nach wie vor zu schwerster Besorgnis Anlaß. Da eine wirkliche Befriedung Guropas nur möglich ist, wenn das international lestgelegte. Minderheiienrecht in vollem Umfange tatsächlich Geltung hat. erwartet der Reichstag, daß die deutsche Reichsregierung in Erfüllung ter dem Reiche als Mitgarant des internationa- len Minderheitenrecht s obliegenden Verpflichtungen alle völkerrechtlich vorgesehenen Mittel zur Anwendung bringt, um den Minderheiten Recht end Freiheit zu sichern." Das ist auch unser Standpunkt immer gewesen und jetzt erst recht: die Minderheiten Politik in Genf wird nun erst recht ein sehr wichtiges Glied deutscher Außenpolitik.
Gar nicht sachlich verbunden waren öanut. Denn sie auch immer daneben hergingen, d i e Verhandlungen über den deutsch- oolnischen Handelsvertrag, die sich tun auch ihrem Ende nähern. Cs wird kein Tarifvertrag, nur ein Meistbegünstigungsvertrag, mit dessen Vorteilen die deutsche Ausfuhr« Die gefiederte Schlange.
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Vornan von Edgar Wallace.
Nachdnick verboten.
I.
Das Geheimnis im Falle Lane, das fast ans Sagenhafte grenzte, beunruhigte Peter Dewin in h.ohem Grade. Es wäre auch jedem andern ernst- zunehmenden Zeitungsrepcrler unang:n:hm ae- tuesen, sich mit solchen Unmöglichkeiten zu be- sLhäftigen. , , . .
Eine gute Kriminalgeschichte gewinnt ja dadurch, daß sie ans Ungewöhnlich-Bizarre Dreist, aber die Zeitungsleute machen sofort mit Schaudern halt, wenn sie von Mördcrbanden und Eeheimgesellschaften erfahren, denn solche Dinge fxiben mit einer anständigen Berichterstattung nichts zu tun. Meistens sind sie Erfindungen Don s<hr guten oder sehr schlechten Autoren, deren Bücher reihenden Absatz finden.
Als man Peter Dewin zum erstenmal von der gefiederten Schlange erzählte, lachte er laut auf, und als er zum zweitenmal darauf stieß, lächelte er nur noch höhnisch und verächtlich. Solche Fabeln gehörten seiner Meinung nach Bunt Theater, und tatsächlich war es auch ein Theater, in dem die außergewöhnliche Ge- schichte der gefieberten Schlange begann...
Der Beifallssturm aus dem großen Zu- sihouerroum tönte betäubend bis zur Delle des Orpheums, die in maurischem Stil dekoriert war. uit) kam wie der Widerhall des Donners von Eort zu dem dichtbesehten Parkett zurück.
Ella Creed tänzelte wieder aus den Kulissen Fervor. Ein dünnes, mit Similidiamanten re'.ch verziertes Kleid umschloß ifjre schlanke Gestalt. Sie entzückte chre Bewunderer durch ein Lächeln, Darf begeisterte Kußhände und verschwand dann nlt einer leichten Verneigung, nur um gleich Dieder hervorgerufen zu werden.
Sie schaute zu dem Kapellmeister hinüber, der soeben noch einmal die Anfangstakte des Schlagers „Ich liebe, was mein Herz entzückt" dirigierte. Laut spielte das Orchester diese banale Melodie. Ella nahm ihren Platz auf der Bühne triebet ein, die Chormädchen kamen herbeige- tiippelt, um den Dakaporufen des Publikums michzukömmen. Ellas geschmeidige Gestalt beilegte sich mit unglaublicher Schnelligkeit in e nem exzentrischen Tanz. Ein Sturm von Tpplaus und Bravorufen belohnte sie, der besonders von den billigen Plätzen des Hauses aasging.
Sie trat atemlos an das kleine Pult des Regisseurs.
Das dritte Mädel in der Reihe von rechts muH entlassen werden — sic fügt sich dem
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Samstag, 15. März 1950
inbuRrie in Polen Geschäfte füt sich erhofft, weil Deutschland damit automatisch in den Genuß aller von Polen anderen Vertragsgegnern schon gewährter Zollermäßigungen tritt. Sie umfassen etwa 450 Artikel oder Warengruppen und bedeuten allerdings eine Senkung des polnisches Schutzzolles. Daneben sind eigentlich selbstverständliche Abkommen geschlossen: Rieder» lassungsrecht, Gesellschastsrecht, Schissahrtsabkom- men und dergleichen. Streitpunkte aber waren vor allem, wie bekannt, die Kohle und das Schwein. In beiden Fällen hat man sich geeinigt auf Kontingente und Schuhbestimmun- gen, zu denen die zunächst Interessierten, die ostdeutsche Landwirtschaft und die deutsche oberschlesische Kohlenindustrie das ihrige noch sagen werden. Jedenfalls aber liegt in diesen Vertragsformen, dem Kontingent und (beim Roggen) der Konvention, eine entwicklungsfähige neue Form zur Regelung von Handelsbeziehungen, die sich sonst, wie im deutsch-polnischen wirtschaftlichen Verhältnis, jeder Regelung entziehen.
Aber schon hier ist das letzte Wort, auch wenn der Vertrag jetzt paraphiert wird, nicht gesprochen. Alles weitere zwischen Deutschland und Polen hängt ja ganz davon ab, wiePolcn dien unmehr gegebenen Zusagenc m- hält, von denen der Außenminister noch einige mündlich gegebene bei der Beratung mitteilte. Sie betrafen die polnische Agrarreform, von der feststeht, daß sie viel, viel weniger als I irgendwo sonst wirtschaftspolitisch benutzt wird, I nämlich zur Förderung des mittleren und kleineren Besitzes auf Kosten des größeren, sondern nationalpolitisch. Wie man in Ostpolen die Agrarreform benutzt, und damit die weißrussischen und ukrainischen Bauern und Arbeiter dieser Güter herauszutreiben und an ihrer Statt polnische Bauern und Arbeiter anzusiedeln, so und noch mehr in Westpolen, wo der gleiche Ge- sichtsvunkt die Anwendung der Agrarreform gegen die Deutschen bestimmt. Gewiß ist das eine Frage der polnischen Innenpolitik, aber sie ist jetzt durch das Abkommen und Polens Zusagen eine Frage der deutschen Minderheitenpolitik geworden und daher von der deutschen Seite energisch zu verfolgen.
Auch gegenüber Amerika wurde ein Anschluß jetzt erzielt. Das deutsch-amerikanische Schuldenabkommen, das auch vom 1. September 1929 gehen soll, liegt eben dem Kongreß vor, während der Reichstag es auch schon angenommen hat. Präsident Hoover bezeichnete im Schreiben an den Kongreß die Regelung als eine „völlige und endgültige Tilgung seiner (Deutschlands) Verpflichtungen an die Ver- einigten Staaten. Diese Verpflichtungen beziehen sich auf die von der gemischten deutsch- amerikanischen Schadenersatzkommission gestellten Ansprüche und auf die Kosten, die der Regierung der Vereinigten Staaten für die Besetzung entstanden sind." Deutschlands Zahlungen beruhen zwar auf dem Voungplan, sind aber aus diesem herausgelöst und betragen für die Besahungskosten auf 37 Iahre je durchschnittlich 17 Millionen Mark und auf 52 Iahre jährlich je 40,8 Millionen, zuzüglich 5 Prozent Zinsen, für die Schadenserfahansprüche Amerikas, die nach dem Spruch der gemischten deutsch- amerikanischen Kommission Deutschland zu tilgen hat. Es ist bekannt und erfreulich, daß Amerika aus alles, was irgendwie auch von Ferne nur nach Sanktionssicherheit aussieht verzichtet hat; es verläßt sich nur auf Deutschlands Versprechen, diese Verpflichtungen zu zahlen. Amerika gewährt für den Betrag der Besahungskosten eine Ermäßigung von 10 Prozent. Aber im übrigen unterscheidet sich dieses Schuldenabkommen zwi
schen Deutschland und Amerika nicht zu unseren Gunsten von der ganzen Reihe von Schulden- abkommen, die Amerika gesch.ossen hat. Man nimmt an, daß der Rest, ajo die Erledigung der noch nicht entschiedenen Ersatzansprüche und dementiprechend der Freigabe deutschen Eigentums bis Ende dieses Jahres gleichfalls bereinigt sein wird.
Am 7. März hat der Präsident der Tschechoslowakei, Thomas M a s a r y k, seinen 80. Geburtstag gefeiert. Sehr begreiflich, daß das in feinem Staate mit großer Begeisterung vor sich gegangen ist. Ist er doch, wenn auch nicht der einzige, so doch der Hauptsäch.ichste, jedenfalls der geistig am höchsten Stehende, der Verdienteste unter den Begründern des tschechos.owakifchen Staates.. Persönlich eine höchst interessante Figur mit einem in Europa wirklich seltenen Lebenslauf. Kind eines slowakischen Pferdeknechtes, der nicht lesen und schreiben konnte, und einer Köchin tschechischer Abkunft, die in deutschen Häusern tätig gewesen, dem Sohn so den Zugang zur deutschen Bildung eröffnete. Gelehrter, Philosoph, Universitätsprofesfor. Reichsrats- und Land- tagsabgeordneter. Wortführer der tschechischen Forderungen gegen den österreichischen Staat, Gründer einer eigenen tschechischen Partei, dann im Kriege draußen, unzweifelhaft als Hochverräter, in den Staaten der Entente der Prophet und der Wegbahner der Idee eines selbständigen tschechischen Staates, von großem Einfluß aus Wilson und die Gestaltung des Friedensvertrages für sein Volk, erster Organisator und Präsident des aus den Trümmern Oesterreich-Ungarns emporsteigenden tschechischen Staates — gewiß ein merkwürdiger Lebenslauf, zu dessen Führung große Gaben des Geistes, des Wi.lens. der Selbstaufopferung und Hingabe nötig waren.
Steht er ganz befriedigt jetzt am Ende des Lebens auf dieser Hohe:? Das glauben wir nicht. Viel zu genau kennt einmal der Mann, der jahrelang dem Slawentum im ganzen sein Studium gewidmet hat, die merkwürdig prekäre Lage des Tschechentums zwischen Westeuropa und dem Rus senk um. Sodann: Wie steht das Tschechentum gegenüber dem gewaltigen Drucke, dem kulturellen Drucke des D e u t s ch t u m s, aus dem das'Tschechentum alle seine Kraft für den Ausstieg gewonnen hat? Das ist zunächst die Tatsache: die schmale Basis des Tschechentums selbst, das ja versucht, diese zu vergrößern durch die Verbindung mit den Slowaken. Masaryk selbst ist ein Slowake und weiß darum
sehr gut, daß es eine tschechisch-slowakische Ration und Sprache nicht gibt, daß das slowakische Problem unter dem Rationalitätenproblem der Tichechos.owakei sehr schwierig ist. Und dann eben das Deutschtum! 6 Millionen Tschechen und 3,5 Millionen Deutsche in diesem Staat, dec im Kampf gegen den österreichischen Rationalitäten- staat in einer merkwürdigen Ironie der Geschichte selber wieder zum Rationalitätenstaat geworden ist. neben Deutschen. Tschechen und Slowaken noch Ungarn und Kleinrussen enthält. Die Einsicht, daß Deutsche und Tschechen in diesem Staate miteinander versöhnt sein müssen, wenn er auf die Dauer sich behaupten soll, hat -uia- sarvk wie kein anderer der tschechischen Politiker von heute. Er hat das Seine für dieses Problem getan. Aber gerade an seinem 80. Geburtstag drängt sich doch auf. daß es ihm n i d) t gelungen ist, seine bessere Einsicht in die Tat feiner Minister und Parteiführer aus tschechischer Seite wirklich umzusetzen. Er hat beim Empsang zu in Geburtstag gute Worte gesprochen, daß die Veranwortung für dieses Proo.em in erster Linie „auf uns Tschechen und S.owaken fällt, weil wir sie in den Händen und in der Macht haben". Er hat in dieser Ansprache im ganzen aber kein starkes und verpflichtendes Wort an die Führer auf tschechischer Seite gesunden, das gerade bei solcher Gelegenheit ihnen das Hauptproblem ihres Staates vor Augen gestellt hätte.
Ohne Zweifel blickt der Präsident an der Spitze der Tschechoslowakei auf einen Staat von großem wirtschaftlichen Reichtum und von einer inneren Konsolidation, die man 1918 und 1919 nirgends in Europa für möglich gehalten hätte. Der äußere Erfolg ist glänzend, und insofern das Lebenswerl des Achtzigjährigen gewaltig^ Aber gesichert wird es erst fein, wenn d i e Losung des deutsch-tschechisch en Problems gelungen ist, in dem es sich ja nicht nur um das Verhältnis von sechs Millionen Tschechen und drei Millionen Deutschen handelt, fonberu hinter dem doch zugleich auch die über 60 Millionen Deutsche des Reiches stehen. Mag auch Deutschfeindlichkeit im tschechischen Lager noch vorhanden sein, kein Tscheche kann bezweifeln, daß fein Volkstum zu Westeuropa gehört — das gibt er ohne weiteres zu daß aber auch, sein Staat nicht nach Südosten blickt, sondern nach Mitteleuropa und S ü d o st e n, daß er geopolitisch und mit feinem Lebensinteresfe auf Mitteleuropa, d. h auf das Deutsche Reich angewiesen ist!
Wirtschaft.
Wochenbericht
vom Frankfurter Effektenmarkt.
In der neuen Woche änderte sich an dem Geschäftsumfang wieder nichts: das Fehlen von Publikumsaufträgen hinterließ immer eine gewisse Verstimmung. Die Börse reagierte ziemlich stark auf den Rücktritt Schachts, und die Spekulation fchritt zu Angstverkäufen, so daß teilweise erhebliche Abschwächungen eintraten. Die Kulisse sah aber bald ein, daß sie überstürzt gehandelt batte, als sie den Rücktritt des Reichsbankpräsidenten mit einer Baisse beantwortete. Die Kulisse nahm in größerem Umfange Rückdellungen vor, und es traten erhebliche Kursavancen ein, die sich noch vergrößerten, als man erfuhr, daß Dr. Luther zum Rachfolger ernannt werden solle. Gerade zu diesem Manne hat man in Börsen* kreisen, sowie im Auslande großes Vertrauen.
Der Warkkurs konnte sich rasch wieder erholen, nachdem auch von Publikumsseite die 'Devisenkäufe in voreiliger Angst eingestellt wurden. Die Deiserung hielt aber nicht lange an, da auf der anderen Seite wieder andere Störungsmomente vorhanden waren. Dor allem verstimmte und mahnte zur Zurückhaltung die bevorstehende Abstimmung über das Zustandekommen der Bounggesetze. Das Geschäft verkleinerte sich wieder beträchtlich: auch schritt die Spekulation zu Abgaben, und da das Publikum ausblieb, traten im Zusammehang mit Gewinnmitnahmen wieder Abschwächungen ein.
Die Reuhorker Börse konnte zwar nicht immer günstig wirken, da die Lage drüben auch noch nicht rosig zu fein scheint, was man aus dein hin und her der Tendenz ersehen konnte. Die Pariser Börse, sowie London waren auch eher alles andere, als anregend. Obwohl früher nur
Ganzen nicht ein und sucht die Aufmerksamkeit der Zuschauer von mir abzulenken. Und sagen Sie mir, bitte, warum haben Sie denn eine Blondine in die erste Reihe gestellt? Ich habe Ihnen doch schon längst gesagt, zwan'igmal mindestens, daß ich nur Brünette als Hintergrund haben will!" , _ ...
„Ich bitte um Entschuldigung, Miß Creed — der Regisseur hatte eine Frau und drei Kinder zu Hause und war infolgedessen sehr gefügig — „ich werde sehen, daß das Mädchen heute noch ihre Kündigung bekommt —"
„Ach was, werfen Sie sie einfach hinaus — wozu reden Sie noch von Kündigung", fuhr Ella gereizt auf. „Geben Sie ihr meinetwegen noch ein Monatsgehalt, aber nur fort mit ihr!"
Ella Creed war eine wirklich schöne Erscheinung. Ihre schlanken und biegsamen Glieder wiegten sich im Gange. Als sie aber jetzt vor dem Pult stand, war sie nicht mehr so feenhaft wie auf der Bühne. Man sah ihre geraden Lippen unter der schwungvollen, roten Bemalung.
Gewöhnliche Schauspiilcrinnen hätten gewartet, bis das Orchesterspiel zu Ende war. Aber Ella hatte eine Verabredung zum Abendessen. Auch wollte sie sich nicht in eine Reihe mit den anderen stellen, wenn der Vorhang niederging. Sie war ja auch keine gewöhnliche Schauspielerin, sondern die Besitzerin des Theaters, in dem sie auftrat, die tyrannische Herrscherin dis s kleinen Königreichs, in dem ihr Aoend für Abend Huldigungen zu Füßen gelegt wurden.
Sie schritt durch die Chormädchen hindurch, die ihr ehrerbietig Platz machten. Einige wenige Begünstigte grüßten sie mit einem unterwürfigen Lächeln. "Sie wurden nicht wieder gegrüßt, sondern mußten mit einem Blick ihrer Herrin zufrieden sein.
Ihre Garderobe war ein kleiner, kostbarer Raum mit seidenen Draperien und Tapeten und wunderbarer indirekter Beleuchtung. Zwei Zofen halsen ihr bei dem Ablegen des Schleiergewandes. Sie schlüpfte in einen seidenen Kimono, setzte sich in einen Sessel und ließ sich abschminken. Ihr Gesicht war mit einer dicken Schicht Coldcream bedeckt, als cs an der Tür Il0J5efjcn Sie schnell nach, wer es ist", rief Ella ungeduldig. „Ich kann jetzt niemand empfangens Die Zofe kam aus dem kleinen Vorraum zurück. „Mr. Crewe wartet draußen", sagte sie leise. Ella runzelte die Stirn.
„Gut, lassen Sie ihn herein. Und wenn Sie mich abgeschminkt haben, können Sie beide gehen." „
Mr. Crewe trat mit einem leichten Lächeln ein. Er war ein großer, schlanker Mann mit harten, faltigen Gesichtszügen. Sein Haar war spärlich und bereits ergraut, aber man sah es
nicht, da er es gefärbt hatte. Cr war im Frack, drei Brillantknopse glänzten auf feiner weihen Hemdbrust.
„Warte, bis ich fertig bin", bat sie. „Du kannst rauchen. Seben Sie Mr. Crewe eine Zigarette — nun machen Sie aber schnell!" wandte sie sich an die Zofen.
Mr. Crewe setzte sich auf die Armlehne eines Sessels und beobachtete von dort, wie Ella abgeschminkt wurde und sich für die Straße neu puderte. Es schien ihn aber nicht im mindesten zu interessieren. Gleich darauf erhob sich Ella und verschwand in einer Rische hinter einem Seidenvorhang. Von dort hörte er, wie sie mit unliebenswürdigen, scharfen Worten ihre beiden Zofen tadelte. Sie war heute abend gerade nicht in ihrer besten Laune, aber ihre schlechte Stimmung beunruhigte ihn nicht im mindesten. Rur wenige Dinge konnten die überlegene Ruhe dieses erfolgreichen Börsenspekulanten stören. Aber trotzdem war an diesem Morgen etwas vorgefallen, das ihn aus der Fassung gebracht hatte.
Ella kam wieder zum Vorschein. Sie trug ein feuerrotes Abendkleid, eine große Perlenschnur und auf der Brust eine kostbare Spange, die mit fünf Smaragden beseht war. Ihr Schmuck hätte ein kleines Vermögen gekostet, wenn cr echt gewesen wäre.
„Ich habe alles besorgt, wie wir es besprachen," sagte Mr. Crewe liebenswürdig, als sich die beiden Dienerinnen zurückgezogen hatten. „Aber du bist doch verrückt, wenn du dich mit diesem ganzen Schmuck behängst."
„Imitationen!" unterbrach sie ihn nachlässig. „Du denkst doch nicht etwa, daß ich mit einem Vermögen von zwanzigtausend Pfund Herumlaufe, Billy! Was willst du von mir?"
Sie hatte die letzten Worte brüsk hervor- gestoßen, aber er beachtete ihre Frage nichll „Wer ist denn heute abend wieder das unschuldige Opfer?" fragte er lächelnd.
„Cs ist ein junger Gentleman aus Mittelengland, sein Vater hat zehn Millionen oder so etwas. Die Leute sind so reich, daß sie nicht wissen, was sie mit ihrem Geld anfangen sollen. Mein Kavalier muß jeden Augenblick kommen — warum besuchst du mich eigentlich?"
Mr. Leicester Crewe zog feine Brieftasche heraus und entnahm ihr eine Karte. Sie hatte die Gröhe einer Damenvisitenkarte, es stand aber kein Rame darauf. Rur in der Mitte war eine merkwürdige Figur zu sehen — das Bild einer gefiederten Schlange. Darunter standen die Worte:
„Damit Sie es nicht vergessen."
„Was soll das fein? Ein Scherzrätfel? Was ist das — eine Schlange mit Federn?"
Mr. Crewe nickte.
„Die erste Karte wurde mir vor einer Woche mit der Post zugesandt — und diese fand ich heute morgen auf meinem Toilettentisch."
Sie starrte ihn an.
„Was ist es denn eigentlich?" fragte sie neugierig. „Eine Annonce?"
Leicester schüttelte den Kopf und las noch einmal laut die merkwürdigen Worte:
„Damit Sie es nicht vergessen."
„Ich habe das dunkle Gefühl, daß es eine Warnung ist — du hast es mir doch nicht etwa zum Scherz geschillt?"
„Ich? Glaubst du denn, ich bin verrückt? Du meinst wohl, ich habe nichts Besseres zu tun. als Dummheiten zu machen? Weshalb sollte cs denn eine Warnung sein?"
Crewe strich sich nachdenklich über die Stirne.
„Ich weiß nicht recht... es gibt mir zu denken —“
Ella lachte laut auf.
„Kommst du deshalb zu mir? Da kannst du gleich wieder gehen — denke doch daran, daß ich die Verabredung mit dem netten, jungen Manne habe."
Ella hielt plötzlich mitten im Sprechen inne. Sie hatte ihre kleine goldene Handtasche geöffnet, um ihr Taschentuch herauizunehmen. Er schaute auf und sah, daß sich ihre Eesichtszüge plötzlich verändert hatten. Als sic ihre Hand wieder aus der Tasche nahm, hielt sie eine längliche Karte — genau dieselbe, die er ihr soeben gezeigt hatte.
„Was soll denn das bedeuten?"
Sie schaute ihn argwöhnisch an.
Crewe nahm ihr die Karte aus der Hand — sie zeigte ebenfalls das Bild einer gefiedertem Schlange und trug dieselbe Inschrift.
„Als ich zum Theater kam, war die Karte noch nicht in der Tasche", sagte sie ärgerlich und tlingeltc. Eine ihrer Zofen kam herein.
„Wer hat das Ding in meine Tasche gesteckt? Run — wird es bald — ich will wis en, war sich diesen Spaß mit mir erlaubt hat! Eine von euch oder ihr beide fliegt noch heute hinaus!"
Die Zofe beteuerte ihre Unschuld, die andere wurde sofort fjerbeigerufen, konnte aber auch keine Erklärung geben.
„Ich kann sie leider nicht auf die Straße sehen, weil ich sie dringend brauche", sagte Ella, nachdem sich die Mädchen entfernt hatten. „Aber deswegen muß man doch nicht gleich den Kopf verlieren. Vermutlich ist es eine Filmreklamc. Wir werden nächste Woche die Plakate mit demselben Bild an allen Anschlagsäulen Londons sehen. Aber Dilly, mein Kavalier, wartet." Mit einem flüchtigen Abschiedsgruh eilte sie zur Türe hinaus.
(Fortsetzung folgt)


