Ausgabe 
15.2.1930
 
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Samstag, 15. Abruar 1930

Ur. 59 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

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Zeitfragen des Mittelstandes

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pünktlich 20" Uhr, inshaus unsere, nach , karnevalistische

zwi- an-

i Uhr, in den kamt- men der Liebigshöhe

De- Le.

amtentum in Besoldungskämpfen feine bensbedürfnisse verteidigen muh.

Was nun das Zusammenarbeiten

reitet, ist ein ilchmedender Versuch, hin

6lüd ganzen 'tronenldiale Han bringt besten Mi flieht unter chenve Din uil Lchmast.

KommunaleVersorgungswirtschast

Don Dr. Meusch, Hannover, Generalsekretär des Deutschen Handwerks« u. Gewerbekammertages.

geklagt ist nicht gerade geeignet, Sympathie zu erwerben."

3n dieser verallgemeinerten Form kann der Dorwurf nicht hingenommen werden, und ich muh ihn im Rarnen der Deamtenschast, besonders der dabei hervorgehobenen Kollegen der Steuer­verwaltung, entschieden zurückweisen. Ich gebe zu, dah es noch hier und da Fälle gibt, dah Deamte mit dem Publikum nicht zurechtkommen und dabei gegenseitiganeinandergeraten". Das können aber nur ganz wenige 2lusnahmefälte sein und wer weih, von welcher Seite sie hervorgerufen worden sind? Man muh hier auch daran denken, wie das Publikum die Beamten manchmal behandelt: Gerade auf die Eteuerkasse geht niemand gern. Man muh sein Geld hinlegen, ohne gleich eine sichtbare Gegen­leistung dafür zu erhalten, vielleicht noch lange anstehen und seine Zeit versäumen. Alles Um- stände, für die der Deamte nicht verantwortlich

scheren können. Die verschiedenen Derufe der An­gestellten sind zu vielgestaltig, als dah sie auf allen Gebieten in ein einheitliches Schema ge- preht werden könnten. Zeder einzelne Ange­stelltenberuf hat seine besonderen Ausgaben. Der Kaufmannsgehilfe ist etwas anderes, als der Techniker und Werkmeister, der Dehördenange- stellte etwas anderes, als der Apotheker oder Dentist. Diese besonderen Derufsbelange müssen von den verschiedenen Derussverbänden gepflegt und je nach ihrer volkswirtschaftlichen und kul­turellen Dedeutung zur Anerkennung und De- wertung gebracht werden, und zwar nicht allein durch gesetzgeberische Maßnahmen, sondern in erster Linie durch planmäßige Selbsthilfe. Die beruf ständische Selb st Hilfe muh in Deutschland ganz allgemein weienllich gefördert werden, der Schrei nach Staatshilfe ist oft zu laut und am unrechten Platz ertönt.

Daneben erhält die persönliche berufliche Weiterbildung des einzelnen eine erhöhte Dedeutung. Irn rationalisierten Großbetrieb ist nur noch für wenige Angestellte eine umfassende Tätigkeit und berufliche Vervollkommnung, die den Aufstieg ermöglicht, gegeben. Der Teilarbei­ter muh sich heute mehr denn je auherhalb seiner Arbeitsstätte beruflich weiterbilden, wenn er vor- wärtskommen, oder bei Fusionen nicht dem Ab­bau verfallen will. Das geschieht am besten im Kreise seiner Berufskollegen, also in den Dil- dungsanstalten seines 'Derufsverbandes

So müssen viele Momente zusammenwirken, um dem einzelnen Angestellten künftig vorwärts zu helfen. Beruflicher Zusammenschluß, soziale Ge­setzgebung, berufsgemeinschaftliche Selbsthilfe und persönliche Weiterbildung sind die entscheidenden Faktoren. Darüber hinaus darf allerdings die Wirtschaft als ganzes nicht vergessen werden. Ohne gesunde Wirtschaft ist auch kein blühender Angestelltenstand möglich. Freilich gilt das auch umgekehrt: Ohne gesunden Angestellten­stand ist keine blühende Wirtschaft denkbar!

liest . leien Wien inringsr

schen Beamtentum und Publikum _.. belangt, so gibt der Verfasser des vorstehenden Aufsatzes zu, dah es n o ch hie und da Fälle gibt, wo der Deamte mit dem Publikum nicht zurechtkommt. Ich möchte keinesfalls verallge­meinern, aber doch darauf Hinweisen, dah eine Reihe von Dehörden verschiedentlich sog. Höflichkeitserlalfe Herausgeber! mußten.

Es kann nicht Aufgabe dieses Artikels sein, diese Frage im einzelnen zu behandeln, die Handwerksliteratur gibt ja genügend Aufschluh. Aur so viel sei noch gesagt, dah auch das Handwerk durch Rot und Kampf seine Existenz sichern und ähnlich wie das

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zu machen ist. Mancher Steuerzahler kommt schon in gereizter Stimmung an einem solchen Orte an, und es bedarf oft nur einer geringen Zu­fälligkeit und dieExplosion" mit darauffolgen­demKrach" ist da. Ist nun immer der Deamte allein schuld, daß es soweit-.gekommen ist? Uni) wäre das ein Grund, der Beamtenschaft in ihrer Gesamtheit die Sympathie zu ver­sagen und sie zum Schuldigen an aller Hot zu stempeln?

Gewih, die Deamten sind Diener der Gesamt­heit, des Staates. Aber dah sie sich, wie es vor­kommt, von einzelnen unbeherrschten und aufge­regten Personen wie einSchuhlappen" behan­deln lassen sollen, das wird kein vernünftiger Mensch verlangen wollen. Der Deamte muh sich im Verkehr mit dem Publikum eines höflichen, aber bestimmten Denehmens befleißigen. Er muß aber auch erwarten, dah ihm die anderen er» wiesene Höflichkeit mit gleicher Münze zurück-

nmg litglieder und deren aden. Das Komitee.

gezahlt wird. Geschieht das, dann werdenZu- sammenstöhe" nicht Vorkommen. Also auch diesen Vorhalt bitte ich gerecht zu behandeln und aus meinen Darlegungen zu entnehmen, daß aus ihm eine Schuld der Deamtenschast an der Aotlage des Handwerks und der übrigen Teile des Mittelstandes nicht kon- st r u i e r t werden kann.

Schuld ist nach meiner Auffassung die große wirtschaftliche Rot unseres Vaterlandes, welches hohe, durch den verlorenen Krieg hervor­gerufene Abgaben an unsere ehemaligen 'Gegner leisten und dafür wieder seine Dürgcr mit hohen Lasten belegen muß. Hinzu kommt die ränge Arbeitslosigkeit großer Voltsmas­sen in Verbindung mit unzureichenden Einkommen, die durch die bedeutende Her­abminderung der Kaufkraft weiter Kreise die Absatzmöglichkeit stark beeinträchtigen und Handwerk und Wirtschaft in erster Linie besonders hart treffen.

Wenn meine kurzen Ausführungen dazu bei­tragen sollten, in dieser allgemeinen Rot alle Volkskreise zum gemeinsamen Tragen der Rot einander näherzubringen, Denn geteilte Rot ist nur halbe Aotl, hätten sie ihren Zweck erfüllt.

Was die andere Serie sagt.

Von Handwerlskammerdireltor Schüttler.

Die Redaktion desGießener Anzeigers" hat mir freundlicherweise das Manuskript des Vor­sitzenden des Ortskartells Gießen des Deutschen Dearntenbundes, Herrn Reichsbahn-Obersekretär A l t h a u s , zur Stellungnahme zugesandt.

Zunächst darf ich feststellen, daß ich es für durchaus erfreulich finde, wenn die Frage Beamtentum und Wirtschaft" in ob­jektiver Form zur Aussprache in der Presse durch die letzthin erschienenen Aufsätze führte.

Herr A l t h a u s hat sich durchaus die Destre- bungen, die mich in dieser Sache leiteten, zu eigen gemacht, auch er will im Rainen der Be­amtenschaft an der Beseitigung der bestehenden Kluft mithelfen. Seinen Darlegungen darf ich jedoch einiges erwidern.

Vor allem hat mein ArtikelHandwerk und Beamtentum die Beamtenschaft keines­wegs für die Rot des Handwerks verant­wortlich gemacht. Auch ich bin der Ansicht, dah der , größte Teil der Beamten zum Mittelstand zu rechnen ist, daß das Be­amtentum genau wie das Handwerk wertvolle Rechte gegen zahlreiche Strömungen zu vertei­digen hat. Ebenso ist mir bekannt, wie schwer der Beamten st and mit der Rot der Zeit zu kämpfen hatte und noch hat, und was er alles auf sich nehmen mußte. Ich weiß auch, daß es in Wirtschaftskreisen fast in Ver­gessenheit geraten ist, daß Beamte, Angestellte und Arbeiter nach der Inflation kurzer Hand um die Hälfte ihrer Bezüge gekürzt wurden, diese Kreise lange Zeit sozusagen allein die Steuer­lasten des Reiches auf sich nahmen.

Richt vergessen darf man aber, daß trotz allem der Beamte sein festes, garantiertes Einkommen hat und auch hinsichtlich seiner Zukunft, in Krankheit und Todesfall, ge­sichert ist. Dies stellt ein wertvolles A k- tivum für den Beamten dar und wird gar oft, besonders in der seitherigen schwierigen Wirtschaftslage, von der werktätigen Bevölkerung zum Angriffspunkt benutzt.

Ganz so ist es jedoch nicht, als ob das Hand­werk allgemein gegen jegliche Gehaltserhö­hung und dergleichen Stellung nehme. Ich habe in zahlreichen Handwerkerversammluneen einsich­tige Personen für diese Frage fprehen hören. Dies in klarer Erkenntnis, daß durch aus­kömmliche Besoldung auch die Hand­werkswirtschaft befruchtet wird. Eben­falls sind es viele Handwerksvertreter, die in Reichs-, Staats- und Eemeindeparlamenten eine durchaus verständnisvolle Haltung für das De- rufsbeamtentum einnehmen. Allerdings gibt es wohl hier wie dort einsichtige und n.chieinsrch- tige Personen.

Richt zustimmen kann ich dem Herrn Ver­fasser des AussatzesWer trägt die Schuld an der Rotlage des Handwerks?" in seinen Aus­führungen über die Angleichung der Hand­werksberechnung an die jeweilige Teue­rung durch die Innungstätigkeit. Der Herr Verfasser übersieht anscheinend, daß das Hand­werk Endverarbetter in dem Produktions­prozeß ist, seine Preisgestaltung ge­wissen Diktaten in den Hauptfaktoren hinsichtlich der Materialien seitens der Konzerne und Syndikate, hinsichtlich der Löhne tariflichen Bindungen unterworfen ist. Frei zu bestimmen bzw. zu errechnen bleiben in handwerklicher Or­ganisation die älnkosten und der Gewinn. In diesen Fragen erzieherisch zu vernünftiger Preisgestaltung auf die Mitglieder zu wir­ken, ist Sache der handwerklichen Organisationen, immer aber auch unter gebührender Rücksicht auf den Kreis und die Zahlungsfähigkeit seiner Kun­den. Wie bitter schwer es aber dem Handwerk in dieser Frage und es handelt sich tatsäch­lich um eine Existenzfrage gemacht wird, da­von zeugen die Kämpfe, die in den Jahren 1923 bis 1926 ausgefochten werden mußten, wo es u. a. galt, den Entwurf eines Reichsgesehes ab­zuschlagen, der das Handwerk überhaupt völlig erdrosselt hätte. Auch heute noch nehmen die Verhandlungen mit Staats- und Kommunal­behörden über die Anerkennung tatsächlich nach­weisbarer älnkosten kein Ende.

vorliegenden zunehmenden Ausmaße weder als notwendig, noch als nützlich bezeichnet werden kann. Wo soll es hinführen, wenn be­reits vor Jahresfrist im Volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags darüber Klage geführt werden mußte, daß manche Städte vor der Er­richtung eigener Baubetriebe, eigener Bellei- dungswerkstätten, eigener Buchbindereien, eige­ner Bäckereien und Schlachtereien nicht zurück­schrecken! Berlin allein zähll unter seinen städti­schen Betrieben Druckereien, Fleischwerke, Säge­werke, Sargfabriken, Deschlanstalten, Baubetriebe, usw. Andere Städte haben es wieder für not­wendig gehalten, Kohlenfelder zu erwerben, deren zweckentsprechende Verwertung von vornherein in Frage gestellt war. Sie haben damit eine Kom­munalpolitik geführt, wie sie nicht sein soll. Lediglich die steuerzahlende Bürger­schaft wird dieErfolge" einer solchen von Sach­kenntnis wenig getrübten Betätigung zu zahlen haben. Jeder öffentliche Betrieb kann sich zu­dem von der ihm anhaftenden starken schwer­fälligen Dureaukratisierung nicht ganz frei machen, die aber wiederum die notwendige kaufmännische Beweglichkeit und ebenso die An­passungsfähigkeit an die jeweilige Marktlage schwer beeinträchtigt.

Das Handwerk kann die Betätigung der Ge­meinden auf wirtschaftlichem Gebiet nur dort a l s zulässig erachten, wo es sich um die Versorgung der Bevölkerung mit le- benswichti gen Gegenständen und Lei st ungen handelt, die der private Unter­nehmer nicht ebenso gut und ebenso preiswert sicherstellen kann. Keine Bedenken dürften so im allgemeinen vorliegen gegen städtische Gas-, Elek- trizitäts- und Wasserwerke, gegen städtische Häfen, städtische Müllabfuhr usw.

Auch bei der als zulässig anerkannten kom­munalen wirtschaftlichen Betätigung darf der finanzielle Selb st zweck nicht zu sehr in den Vordergrund gerückt werden. Ebenso­wenig kann eine über baß notwendige Maß hinausgehende Rücklagenpolitik städtischer Betriebe Genehmigung finden. Die Tarif- Politik städtischer Werke sollte in der ange­messenen Verzinsung des investiertenKa- pitals immer eine hemmende Schranke fin­den.

Das Blühen der Gemeinden ist untrennbar mit dem Gedeihen der heimischen Wirtschaft ver­bunden. Deshalb bleibt es wichtigste Aufgabe der Gemeinden, jede Schwächung der Wirtschaftskraft zu vermeiden und sich immer wieder der Tatsache bewußt zu werden, daß es das Wesen jeder öffentlichen Verwaltung ist, wie der Rame sagt, zu verwalten, nicht aber zu wirtschaften.

iona imslap'' , ?Abend r HusenM*'

Die Zukunft der Angestellten

Von H. Auerbach, Gauvorsteßer im OHV.

kn.u-gen, Ci-ka. f.ve e n g m-en, Konzerne, Siiiftd oder ähnliche Einrichtungen jederzeit in

Lage, durch entsprechende Maßnahmen von fd> aus eine anderweitige Preisbil - lang v o r z u n e h m e n bis zu der Grenze, die angeschlossenen Interessenten bestehen birnen. Hierbei darf nicht vergessen werden, daß in einem solchen Stadium einer Rotlage von Handwerk und Wirtschaft die Beamtenschaft be- t?iti ihr Teil an der Teuerung regelmäßig mit- utnagen hat und geduldig die höheren Preise Wahlen muß, ohne sich zunächst auch erhöhte tzimaahmen zuführen zu können.

Es wäre also vom Standpunkte der Gerechtig- bih aus schon immer zu empfehlen gewesen, daß Handwerk und Wirtschaft das, was sie für sich kcanspruchten, nämlich eine ausreichende -ffistenzmöglichkeit, auch den Be- c inten gegönnt hätten. Dann wären die Kämpfe vn. Besoldungsaufbesserungen durch die erdrük- fciüe Mehrheit ihrer Befürworter von jeher cnvers ausgefallen, und die Beamtenschaft hätte gar nicht daran gedacht und die Mühe wäre ihr erspart geblieben, sich die erwähnten Einrich- tu ngen, die nur aus der Rot geboren sind, zu schaffen.

Dies in großen Zügen die Entstehungsgeschichte nijcret Selbsthilfeeinrichtungen und der Rachweis tzrer Existenzberechtigung, die übrigens auch durch

Verfassung gewährleistet ist, wo- lach jedem Deutschen die Vereinigungsfreiheit zur Ehrung und Förderung feiner Wirtschafts- Kbingungen gegeben ist. ilnb was dem einen $d)t ist, ist dem andern billig!

Was dasauffallende Einverständnis über die diitschaftlichen Zusammenhänge" anbetrifft, so rrwrnt die Beamtenschaft für sich in Anspruch, sieiin genau Bescheid zu wissen. In dieser Dilsenschast ist sie durch Die vielen und schweren r,nstenzkämpfe gut geschult worden. Richt ver­sehen kann sie aber beim besten Willen, wie sich Veite Kreise von Handwerk und Wirt- scbaft in der Regel gegen eine wirtschaft­liche Besserstellung der Beamten yflemmt haben, wo doch die eventuell erzielten Mehreinnahmen erfahrungsgemäß fast te H o 8 zur Bestreitung von Bedürfnissen des xwöhnlichen Lebens wieder in Handwerk in.d Wirtschaft zurückfliehen. Hierfür nihte auf der Gegenseite mehr Verständnis auf- xbcacht werden, manches würde sich dadurch Lidern lassen. Daß die Beamtenschaft an ic r Rotlage des H andwerks und auch ftr übrigen Kreise des Mittelstandes nicht sch u l d ist, Dürfte somit bei gerechter und ob- xktiver Betrachtung des Geschilderten bewiesen ftin

Dun zu dem weiteren Vorhalt:Auch das Erhalten zahlreicher (? der Verfasser!) Beamten gegenüber dem Publikum besonders wird herbei über die Beamten der Steueroerwaltung

Die Frage Der wirtschaftlichen Betätigung der Kommunen und der gesamten öffentlichen Hand steht feit Jahren nicht nur im Mittelpunkt der Erörterungen des selbständigen älnternehmer- tums, sondern der gesamten Öffentlichkeit.

Das deutsche Handwerk vermag Die Rotwen- Digtcit der Errichtung städtischer zentraler Deschaffungs st eilen und ebenso auch die Notwendigkeit zum Abschluß von Monopol- verträgen mit einzelnen Firmen nicht einzu­sehen. Ganz abgesehen davon, daß bei Abschluß eines Monopolvertrages einer Der Bevorzugte und die übrigen Gewerbetreibenden Die Aus­geschlossenen sind, Die auch Die wirtschaftlichen Rachteile zu tragen haben, ist keine Gewähr Dafür gegeben, daß entsprechende Vortelle für die Stadt­verwaltungen ein treten. Wie der Fall Sllarek nur zu deutlich wieder einmal beweist, reizt Die gegebene Monopolstellung zu leicht zu einer nicht gerechtfertigten Ausnutzung der vertraglich ge­währten Vorteile. Die Auswirkungen des Kon­kurrenzkampfes sind ausgeschlossen und Damit ein wichtiger Faktor zur Regulierung Der Preise. Die im freien Wettbewerb stehende Wirtschaft wird meistens in der Lage fein, zu günstigeren Preisen und angemesseneren Bedin­gungen zu liefern, als eine bevorzugte Stelle, Die Dem Wettbewerb entzogen ist. Gewih entspringt die Initiative des privaten Unternehmer8 Dem Willen nach Gewinn und Selbsterhaltung, er bleibt jedoch stets durch Den Konkurrenzkampf ge­zwungen, gute Leistungen zu angemessenen Prei­sen anzubieten.

Heute wird von vielen trotz all der nach­teiligen Erfahrungen einer immer größeren Aus» Dehnung der kommunalen Betriebe das Wort geredet. Das Handwerk bekennt sich als Gegner dieser geforderten kommunalen Selbstversorgung, denn noch immer ist nicht erwiesen, daß die öf­fentlichen Betriebe für die Derbraucherschaft gün­stiger arbeiten, als Die private Wirtschaft. Da­für bereiten sie letzterer größte Konkurrenz, die um so drückender und schädigender empfunden werden muß, als öffentliche Detriebe auf dem gesamten Steueraufkommen aufbauen, zu Dem auch die von Der Konkurrenz betroffenen Gewerbetreibenden ihre "Bei­träge leisten müssen. Außerdem erfreuen sie sich steuerlicher Vergünstigungen, die die private Wirtschaft nicht hat. Vielfach wird Die Errichtung städtischer Detriebe aus politischen Absichten heraus gefordert, um so Dieorganische Entwicklung Der Gemeinderegie" und DieUm­formung Der Wirtschaft im Sinne der Gemein­wirtschaft" vorzübereiten, damit zugleich wieder die Versuche zur Kommunalisierung und Soziali­sierung weiterzutreiben.

Grundsätzlich mutz noch bekannt werden, daß die Betätigung der öffentlichen Hand in dem

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iamenkartenl.50Mk. n bei den Friseuren feil, Walltorstraße, .stadt; nur Damen- im ücker, Marktstr.

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Die Gestaltung der Zukunft Der Ange­stellten hängt im wesentlichen davon ab, ob sie sich als mittel ft änbifebe Schicht in sozia­ler und kultureller Hinsicht erhalten können. Rein zahlenmäßig wäre Die Vorbedingung gegeben. Rund vier Millionen Angestellte werden heule in Deutschland gezählt. Die deutsche Sozialgesetz­gebung ist bislang bewußt den Weg gegangen, Den Angestellten gegenüber den gewerblichen Ar­beitern eine Sonderstellung einzuräumen. Das hat seine Gründe in dem anders gearteten Auf­gabengebiet der verschiedenen Angestelltengrup­pen. Der gewerbliche Arbeiter steht in der Be­triebs führung, der Angestellte in der Be­triebs l e i t u n g; er sucht zum mindesten in diese hineinzuwachsen. In dieser betrieblich und volks­wirtschaftlich verschiedenen Aufgabe liegt die Be­gründung für die besondere Angestellten­versicherung neben der Arbeiterinvaliden­versicherung, für die eigenen Derufskr an- kenkassen Der Angestellten und für Die ge­meinnützigen Verbands st ellenvermitt- lungen Der Kaufmannsgehilfen, die sich neben den öffentlichen Arbeitsnachweisen durchaus be­haupten.

Auch in der Rechtsprechung haben die Ange­stellten besondere Organe in Den Kaufmann s- bzw. Angestelltenkammern bei den Ar­beitsgerichten. "Neuerdings erstreben die großen Angestelltenverbände für ihre Mitglieder eigene Ersahkassen für die Arbeitslosen­versicherung. Weiter haben sich vornehmlich Die Kaufmannsgehilfen einen besonderen Schuh in Der Frage Der Kündigung, der Gehalts­zahlung in Krankheitsfällen usw. ge­schaffen. Für Die älteren Angestellten werden seit Jahren besondere Schuhge e,c angestrebt, die den vorzeitigen Abbau verhindern, bzw. Die Wieder- einstellung verbürgen sollen.

Diese bewußte Stan Despolitik gilt es fortzusehen. Dabei wird man freilich die vier Millionen Angestellte nicht über einen Kamm

Wer trägt die Schuld m der Notlage des Handwerks? ß l>nMichsbahn-ObersekretärAtthauS,l.Vors.

des Ortskarieiss Gießen, OÄÄ.

Wenn ich hier als Führer einer großen De- ; ntengruppe das Wort ergreife, Dann nicht, um

Gehende Gegensätze noch zu verschärfen. Mich üben Die gleichen Motive veranlaßt, Die Herrn )andwerkskammerdir.k.or Schüttler beft.mm* tn, an dieser Stelle seinen Aufsatz überHand- Perl und Beamt en tum" erscheinen zu jflen, nämlich: auch mitzuhelfen, aufklärend nd versöhnend zu wirken, um mög- Hst bald die unschönen, teilweise gehässigen k^-nsütze unter Doch alle an einem Strange k fyenDen Bcrussgruppen zu beseitigen. Mitarbeit i diesem Bestreben erscheint mir umsomehr ge- olcn, als Die Beschuldigungen des Publikums, ul) die Beamten an der Rotlage des Mittel- -i lides allein schuld seien, in letzter Zeit ein kaum nFebtes Ausmaß angenommen haben. Dabei ixint übersehen zu werden, daß auch die Beamten zum Mittelstände gehören, venigstens ihre Mehrheit, und daß auch sie inder der wirtschaftlichen Rot schwer zu lei» , kn haben.

Ss war daher eine Genugtuung für die De- cnrlenschast, daß Der berufene Vertreter des Handwerks, Herr Schüttler, in feinem oben» n wähnten Aussätze (Rr. 15, drittes Blatt, des .Diehener Anzeiger" vom 18. Januar) mit von «rohem Versühnungswllken getragenen Worten tiefem Treiben ein mutiges Halt gebot und als cuter Kenner der Verhältnisse der Öffentlich- wit darlegte, daß nicht alles so zutrisst, wie es khauptet wird.

Ich kann es mir daher ersparen, auf das. bas bereits widerlegt wurde, nochmals einzu- xchen, beschränke mich vielmehr nur auf die heuigen Punkte, die der Beamtenschaft noch als Borwürse geblieben sind:

Sie sottendurch Bildung von Deamtenge- rossenschaften. -Banken und -Kaufhäusern Die ^Dirtschastskreise in eine gewisse Kampfstellung (c^toungen haben".

□Die sinD Diese Einrichtungen entstanden? Die Beamtenschaft war. wenn infolge Teuerungen ihr Einkommen nicht mehr ausreichte, schon von , jchcr gezwungen, sich eine Besserung ihrer Lage zu erkämpfen. In diesen Kämpfen stand sie j i-i der Regel allein da. Weite Kreise des Handwerks und der Wirtschaft traten offen «egen eine Gehaltsaufbesserung auf. ja._ Richt» oufbesserungen, sogar Gehaltskürzun- gc n wurden verlangt, wie dies unbegreislicher- beife erst am 18. Januar 1930 bei der Eröff­nung des Gießener Kreistages ein Abgeordneter k8 Landbundes getan hat.

Was war da zu tun? Lebenshaltung ein- i schränken? Das war meist schon bis zur Grenze K Möglichen geschehen. Interessenver- Iret ungen, Organisationen? Die l linpften wohl stets tapfer um die wirtschaftliche ^-Herstellung ihrer Mitglieder, selten konnten sie aber leider das gewünschte ausreichende Er- gcbni8 erzielen. Blieb nur die Selbsthilfe!

Anders bei Handwerk und Wirt­schaft! Wenn hier durch Vorgänge auf dem Klinischen ober ausländischen Markt, an der | Börse, durch Erhöhung Der Geschäftslasten u. Dgl. (ük Lage hervorgerufen wird, Die Die Existenz ttet baß Auskommen bedroht, Dann sind Die

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