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7. Fortsetzung.

Nachdruck verboten

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Verschiedenes" der Tages- noch zur Sprache: ein Antrag der den Landesverband, die F i n a n --

Zur Frage der Veranstaltungen im lau- fendenFahre konnte mitgeteilt werden, daß am 21. Februar Pfarrer Harth aus' Wien im Gustao- Adolf-Verein dahier über das Thema hessische Bauern im Slldoften Europas" sprechen

Fahre insgesamt 7750 Qltt. aufgebracht, was man bei der heutigen schachten Wirtschaftslage als ein recht gutes Ergebnis bezeichnen darf.

Dem Vorstände wurde von der Dlitgliederver- sammlung Entlastung erteilt.

Zur Erleichterung der Arbeit des Vorstandes wurde eine llmorganif a tion des Vor­standes in dem Sinne beschlossen, daß außer dem 1. Vorsitzenden ein ge s chä f ts f ü hren- der Vorsitzender gewählt wird, der zu-

elae < rechne jü0te G-ger dera> bcD

Ausschuß gehören außer dem Vorsitzenden der Schriftführer, der Kassenwart, die Vertreter der Schulgruppen und ein weiteres M'tglied des Vorstandes. Für die Erweiterung desDor- st a n d e s wurden verschiedene Damen und Herren vorgcschtagew Der Vorsitzende wurde ge­beten, die betreffenden Mitglieder zum Eintritt in den Vorstand zu bewegen. Die Wahl des 1. Vor­sitz en den wurde wegen Abwesenheit der dafür vorgesehenen Persön.ich'et zurüelgestellt. Der übrige Vorstand wurde e.nstlmmii to. b.r^etD' hlt. Er besteht aus folgenden Mitg iedern: Stuüien- rat Dr. König, als geschah.f^hr.nder Vorsitzen­der, Studienrat Dr. Henß als SchrlftfiHeer, Rektor Reul als Kassenwart, Frl. M. Birn­baum, M. d. L., Frl. El. Birnbaum. Turn­lehrer Etz, Stadtschu rat Fischer, Stubienrat Freitag, älniv.-Prof. Gmelin. Oberzoll­inspektor Heß, Sluoirnrat Dr. Keßler, Ehef- redaltcur Dr. Lange, Äniv.-Prof. Dr. Lenz, äIniv.»Prof. Dr. Roloff, Studlenrat Schone- b o h m, dem Leiter des Grenz» und Ausland­amts beim Asta der ^Universität und dem Vor­

gewählt. Zu dem

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des Ion» 2he

von blid Lorti van in Vv @rani staedt

Schoß. Seine Arme umschlangen sie, und sein Mund suchte ihre Lippen.

Verzweifelt wehrte sie sich, ihr Körper bäumte sich auf. Stöhnend riß sie an seinen Qlrmen; aber die hielten sie fest.

Lasse mich los!" flehte sie immer und immer wieder.

Seine Gier wuchs noch in ihrem Widerstand. Er keuchte, während er wie besinnungslos ihren Mund, die Wangen, den Hals küßte.

Losse mich doch los!" schrie sie nochmals verzweifelt.

Er lachte brutal auf.

Warum wehrst du dich denn?. . Es ist ja nutzlos!"

Eie versuchte, ihn zurückzustoßen.

Lasse mich gehen..., sonst springe ich zum Fenster hinaus!"

Das sagt sich leicht, dummes Rärrchen!"

Cs war ein wildes Ringen. Beider Atem ging keuchend. Eva Witte wehrte sich verzweifelt: aber sie fühlte, wie ihre Kräfte erlahmten.

Homrcckers Gesicht war dem ihren ganz nahe. Richts Menschliches war mehr in dem Antlitz..^ ein wildes, von feiner Brunst besessenes Tier...

Rekel traten vor Evas Augen. Alles umher schien sich zu drehen. Zn einem letzten Auf­flackern ihres Willens schlug sie mit den Fäusten um sich...

Da kam ein Fluch von Honneckers Lippen.

Evas Faust hatte ihn ins Gesicht getroffen.

Was fällt dir ein?" schrie er.Bist du ver­rückt geworden?"

Er sprang auf und stieß sie brutal zurück.

Zitternd, mit wankenden Knien, stand Eva Witte da. Sie wollte davoneilen, aber sie fand nicht mehr die Kraft dazu.

Honnecker faßte sie am Arm.

Zch habe dieses Treiben jetzt satt!" stieß et kalt hervor.Du gehörst mir und hast zu tun, was ich verlange!"

Wie Klammern lagen seine Finger um Eva- Arm.

Zch kann nicht...", stammelte sie heiser.

Du wirst es lernen!"

Grauen schüttelte ihren Körper.

Riemals!"

Seine Finger preßten sich In ihr Fleisch, daß sie aufschcie.

Zch werde dich zwingen! Du kennst mich und weiht, daß ich nicht mit mir spaßen lasse!"

Er ließ sie, los und wandte sich zum Gehen.

An der Tür drehte er sich zurück.

Zch sage es dir nochmals: ich lasse nicht mit mir spielen! Meine Geduld ist jetzt zu Ende! Ich habe Mittel genug, dich gefügig zu machen. Merke dir bas!"

Krachend schlug die Tür hinter ihm zu.

(Fortsetzung folgt.)

sammen mit einem geschäftsführenden Ausschuß des Vorstandes die laufenden Fra­gen berät und erledigt. Zum geschaftsführenden Vorsitzenden wurde Stud'.cnrat Dr. König geschäftsführenden

Oer VDA. in Gießen.

Oie Arbeit im Jahre 1929. - Reue Dorstandsorqanisaiion. Oie nächsten Veranstaltungen in diesem Jahre.

nach acht- bis zehnstündiger schwerer Berufs­arbeit zu uns kommen, um geistig zu arbeiten, ist es völlig abwegig, von einer zunehmenden Ober­flächlichkeit zu sprechen. Das geistig-wissenschaft­liche Znteresse hat sich nur anders gela­gert. Abgelehnt wird alles Theoretisieren z. 2. über Staat und Wirtschaft. Auch die Reigung für Literatur, soweit sie philologisch gebunden er­scheint, geht zurück. Bon allgemeiner Kultur­problematik, wie die Generation vor uns sie in stundenlangen Debatten betrieb, will der Arbeiter und Angestellte heute nichts mehr wissen. Sowie eine geistige Disziplin eine konkrete Frage­stellung zuläßt, ist das ernsthafte Znteresfe wach. Sexualpädagogik, Raturwissenfchaften, Bio­logie, Mathematik, Physik, Geographie, Technik

Die blonde Sklavin

Vornan von Hermann Welck.

Erweitertes

Schöffengericht Gießen.

* Gießen, 12.Febr. Zwei Männer und ein Mädchen vom Lande sind der Abtreibung bzw. der Beihilfe hierzu (§ 218 StGB.) angeklagt. Sänül.che Angeklagte sind in der Hauptsache geständig, so daß die Beweisaufnahme eingeschränkt werden kann. Die männlichen Angeklagten werden zu 2 Monaten und einem Monat Gefängnis verurteilt: die weibliche Angeklagte erhält eine Gefängnis- strafe von 6 Wochen. Die beiden ersteren er­kennen das Urteil an, die Strafe des einen (1 Monat Gefängnis) wird als durch die erlittene Unterfu-- chungshaft verbüßt erklärt.

Ein Schuhmacher und ein Gärtner aus Frank­furt a. M., zwei vielfach und schwer, darunter mit Zuchthaus, vorbestrafte Personen, haben sich wie­derum wegen Versuchs des schweren Dieb­stahls im Rückfall zu verantworten. Sie ha­ben sich Anfang Dezember vorigen Jahres zusam­men nach Bad-Nauheim begeben, um dort in den Häusern Gasanzünder zu verkaufen. Dabei habe sie sich beide reichlich mit Einbrechwerkzeugen, Brecheisen und Dietrichen, versehen; wie der eine Angeklagte angibt, beabsichtigten sie auch,wenn sich etwas machen laßt", einDing zu drehen". In einem Hause begab sich der eine in das Mansarden- Stockwrrk und versuchte dort verschiedene Schlösser zu öffnen. Der andere stand, wie die Anklage an« nimmt, vor dem Hause Wache. Ein Einwohner wurde auf das Treiben der beiden Einbrecher auf­merksam, schlug Lärm und veranlaßte die Festnahme der beiden. In der heutigen Hauvtverhandlung be­streiten beide Angeklagte die Absicht zu stehlen, so daß eine umfangreiche Beweisaufnahme erforderlich ist. Nach Schluß derselben beantragt der Staats­anwalt Verurteilung beider Angeklagten. Das Ge­richt entsprach diesem Antrag und sprach gegen beide

Am Montag hielt die Gießener Orts­gruppe des VDA. im Hotel Köhler ihre Zahresversammlung ab ,dir von Stu- bienrat Dr. König geleitet wurde.

Rach einer Vorbcspr.chung des Vorstandes über eine ülmorganisalion und Erweiterung des Vor­standes konnte in die eigentliche Tagesordnung eingetreten werden.

Studienrat Dr. Henß gab in einem Bericht überZiele undWege einer pädagogi­schen Arbeitsgemeinschaft deutscher Volksgruppen" einen Einblick in ein von ihm angeregtes Arbeitsgebiet, das Studium der ErzichungLfraeen des Grenz- und Außcndeutsch- tums, das bisher noch ganz vernachlässigt wor­den sei, und zeigte, welche Bideutung die hier zu behandelnden Fragen im Rahmen des so viel erörterten Minderheitenproblems haben.

Sodann erstattete der Schristführer, Studienrat Dr. H e n h, den Tätigkeitsbericht. Die Mitgliederzahl stieg im abgetaneren Zahr von 320 auf 390. Die Ortsgruppe veranstaltete, teil­weise zusammen mit der neugegründten Atade- mischen Ortsgruppe, eine Reche von Vorträ­gen über wichtige politische und gesamtdeutsche Fragen. An festlichen Veranstaltunge n fielen in das Geschäftsjahr ein Bunter Abend der Akademischen Ortsgruppe und das VDA.» Hcrbstfest des gesamten Gießener VDA. auf der Liebigshöhe. An der im 3unt veranstalteten Merbewoche beteiligte sich die Ortsgruppe durch Vorträge vor,den Schälern sämtlicher Schu­len der Stadt, einen Fackelzug, eine Straßen­sammlung und eine Haussammlung. Un­mittelbare Detreuungsarbeit kifteie die Ortsgruppe durch Fürsorge für außendeutsche Studierende der Landesun.virs t it und g legent» liche Unterstützung auslandsdeutscher Handwerker. Es beteiligten sich Mitglieder der Ortsgruppe, der Schulgruppen und der Zugendgruppe an der Haupttagung in Kiel, einer Schulungswoche in Bensheim und einem Zugendtrcfsen in Ober» ingelheim. Der Vorstand hielt im abgetausenen Zähre sieben Vorstandssihungen und zwei Mit­gliederversammlungen ab.

Hierauf erstattete der Kafsenwart, Rektor Reul, den Kassenbericht. Der Guthaben- saldo des Vorjahres betrug 347,50 Mk., die Einnahmen belaufen sich auf 4420,84 Mk., die Ausgaben auf 4165.84 Mk., so daß ein Kassen­vorrat von 255 Mk. verbleibt. Die Ausgaben bestehen im wesentlichen aus den abgeführten Beträgen an den Landesverband zur Dctrcuungs- arbcit. Die Ortsgruppe und die Schulgruppen Gießen haben aus ihrer Werbetätigkeit (Mit-- gliebcrbHträge, Werbewoch?, ©ammcitlllgf.it der Schulgruppcn und Einnahmen von fest.ichcnTer- onftaltimgen und Vorträgen) im vergangenen

wird, wozu auch die Ortsgruppe ihre Mitglieder be­sonders einladcn wird. Ferner gedenkt die Orts­gruppe im Mörz den Generalsekretär des Europäi- schen Natlonalilätenkongresses, Dr. A m m e n b e, über2 a s kommende Europa und die Minderheiten" sprechen zu lassen. Besondere Werbekraft aber dürfte dem Plan des Czerno­witzer Mannergesangvereins beigemessen werden, der in diesem Sommer eine Konzertreise durch Hessen unternehmen wird und auch in unserer Stadt einen Konzertabend zu veranstalten ge­denkt..

etwas sonderbar vor... Zch kann mich aber auch täuschen."

2n Eva Witte rauschte das Blut. Zhr Herz schlug wild.

Wie scharf er sie beobachtete!

Zrtzt nur Ruhe bewahren! ... Sich um Him- meläwillen nicht verraten!

Sonderbar?... Richt daß ich wüßte!..." sagte sie mit gezwungenem Lächeln.

Honnecker machte eine wegwerfende Bewegung mit der Rechten.

»Es ist schon gut..."

Es war lächerlich von ihm, einen Verdacht zu hegen! Sie würde sich hüten, irgend etwas zu unternehmen, was feinem Willen zuwidcrlief!

Mit verzehrender Leidenschaft betrachtete er Eva Witte, die wieder mit gesenktem Haupt, ein Bild scheuer Angst, ihm gegenübersah. Seine Hände ballten sich zur Faust.

Ein grausames Lächeln irrte um seine Lippen. " Zhm gehörte dieses junge, schöne Weib!... Zhm ganz allein!... Zn seiner Macht war sie..., und nichts auf der Welt konnte sie ihm ent­reißen!

Mit einem Ruck stand er vom Tische auf.

Er schritt in den anliegenden Raum, dessen Tür weit geöffnet war, und warf sich in einen Sesiel.

Eva Witte wollte rasch das Speisezimmer verlassen.

Wohin so eilig, Eva?" rief Honnecker.

Sie wandte sich um.

»Zch will hinaufgehen..."

Bleibe noch etwas!"

Sie sah die Gier in seinen Augen. Angst preßte ihr die Kehle zu.

Zch dachte, du wolltest gleich wieder fort." Zch habe noch etwas Zeit! Komm, setze dich zu mir!

Sie wich einen Schritt zurück. Entsetzen stand in ihren blassen Zügen.

3n Honneckers Stimme war ein drohendes Grollen.

Muß ich dich nochmals bitten?"

Eva Witte wollte davoneilen, sich retten vor dem, was ihr nun wieder drohte..., aber wie mit Zangen hielten Honneckers Blicke sie gefaßt.

Langsam, willenlos trat sie näher.

Warum so ängstlich!" sagte er mit wildem Lächeln.

Sie stand vor ihm, regungslos; die Arme hingen ihr matt herunter.

Für wenige Sekunden war es ganz stille. Peter Honnecker schien sich an ihrem Anblick zu weiden. Seine Augen giühten.

Run warf er sich vor, blitzschnell umfaßte er Evas Handgelenk.

Sie wollte sich bet Umklammerung entreißen, aber wie ein Spielzeug hob er sie auf seinen

Strafkammer Gießen.

* Gießen, 14. Febr. Ein Kaufmann von Gie­ßen hatte längere Zeit die Beiträge zur Ar­beitslosen- und Krankenversicherung nicht an die Ortskrankenkasse abgeführt und war deshalb vom Amtsgericht zu zwei Haftstrafen ver­urteilt worden. Mit Rücksicht auf seine seitherige Unbeftraftheit erkannte die Strafkammer auf Geld­strafen von 50 und 30 Mark.

Das Amtsgericht Lauterbach hatte einen Ober­schweizer wegen Hehlerei zu 1 Monat Ge­fängnis verurteilt, weil er von einem Schäfer Schaffelle und Fleisch in Kenntnis dessen unred­lichen Erwerbs angenommen hatte. Die Berufung des schon wegen Diebstahls und Hehlerei vorbestraf­ten Angeklagten war ohne Erfolg.

Am 15. Juni' 1929 fuhr ein Geschäftsmann etwa gegen 9.15 Uhr abends von Klein-Linden nach Großem Linden. An dessen Ortseingang bog er nach links in die Heerstraße ein, ohne dies durch ein Zeichen bekanntzugeben. Ein ihm entgegenfahrender Motor­radfahrer fuhr, gegen fein rechtes Vorderrad und wurde erheblich verletzt. Im Gegensatz zu dem Amts­gericht, das den Autofahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung 50 Mark Geldstrafe verurteilt hatte, erkannte die Strafkammer auf Freisprechung. Sie hielt nicht für erwiesen, daß der Angeklagte den Motorradfahrer gesehen hatte.

ordnung

Ortsgruppe an

zierung de r Betreuungsarbe^t nicht nur durch Wcrbewochen, sondern durch sichere und regelmäßig fließende Quellen zu erstreben, ein wei­terer Antrag, die jährlichen Pfingsttagungen nur noch alle zwei Jahre zu veranstalten, die Frage der Notwendigkeit von Landestreffen, Be­teiligung an einer Ehrengabe der Schulgruppen ge­legentlich der 50jährigen Gründung des DDA., früher Deutschen Schulvereins, Erfahrungen über Die Erfolge der sogenannten Schulungswochsn.

bad sind Gebiete, die den Arbeiter anziehen, die ihn anregen, ernsthaft zu fragen und ernst­haft zu arbeiten. Als Auslösung tritt auch b i c künstlerische Reigung hervor, die Kurse für künstlerisches oder architektonisches Zeichnen zum Beispiel sind sehr besetzt. Zusammenfassend kann man sagen: Oberflächlichkeit kennen unfern Hörer in der Gemeinschaftsarbeit hier nicht. Sie verlangen nur eins: Die Aufgabenstellung muß konkret, gebunden und zielhaft fein. Zeitverlust durch Theorie wird nicht mitgemacht. Ze strenger und methodischer gearbeitet wird, je mehr der Arbeiter sieht, daß bei seiner geistigen Arbeit etwas herauskommt, um so vertiefter wird seine Mitarbeit sein.

Als das Mädchen meldete, daß das Essen fertig sei, mußte sie sich erst zur Wirklichkeit zurück- zwingen. Ein Erschauern ging Über ihren Körper, die Beine wurden ihr schwer. Angst kroch in ihr empor, aber mit äußerster Willenskraft ver­scheuchte sie diesen Anfall der Schwäche.

Sie durste nicht zagen! Morgen würde sie ihn Wiedersehen...

Peter Honnecker sah schon am Tisch, als sie eintrat.

«Zch habe einstweilen angefangen, sagte er kurz. «Zch bin sehr eilig und muh gleich wieder fort."

Sie nahm ihm gegenüber Platz.

Schweigend sie.

Auch Peter Honnecker sprach nur wenig. Hin und wieder richtete er eine Frage an Eoa Witte, auf die sie hastig, wie aus fernen Gedanken auf­geschreckt, antwortete.

Eine schwere, lastende Stimmung herrschte in dem. Raum. Geräuschlos, mit verschüchtertem Ge» sicht, ging das Mädchen, das servierte, umher.

Zn Honneckers Gesicht tarn plötzlich ein lauern­der Zug. Seine grauen, kalten Augen zogen sich zusammen, während er immer wieder forsch.nd Eva Witte betrachtete. Sie bemerkte seine Blicke nicht; das Haupt gesenkt, einen versonnenen Ausdruck um die Lippen, saß sie da.

Dieser sinnende Ausdruck beschäftigte Peter Honnecker in wachsendem Maße. Er hatte ihn bisher an Eva nicht gekannt.

Run war dieses Reue da, das ihrem Gesicht einem ihm fremden, seltsam welchen Schein versteh.

Was hatte das zu bedeuten?

Ein Verdacht sprang ihn an.

Er lehnte sich im Stuhl zurück und fragte kurz:

Warst du heute morgen fort, Eva?

Eva Witte fuhr auf. Entsetzt sah sie den Mann an.

Muhte er um ihr Zusammentreffen mit dem fremden Herrn?... Hatte er ihr die Gedanken von btr Stirne gelesen, die gerade jetzt wieder sehnsuchtsvoll um den Fremden gekreist hatten?

Dann war sie verloren!

Sie zwang sich zur Ruhe.

Za...

Peter Honnecker war ihre Erregung nicht ent­gangen. Seine Blicke liehen sie nicht loS; wie Dolche stachen sie auf Sva ein.

Wo warst du?

Dun hatte sie sich wieder gefaßt.

Zch war bei ©erfon wegen eineS Kleides.... nachher bin ich etwas im Tiergarten spazieren gegangen.

So...

Warum fragst du?"

»ES interessierte mich eben. Du kamst mir

gebildeten. Ignoranten Künstlers ist heute unter der künstlerilchen Äugend kaum noch zu finden. Wer nicht auch menschlich und geistig zur Persön­lichkeitsformung strebt, wird in der Kunst nicht weiterkommen. Die Anforderungen sind heute auch in dieser Hinsicht viel bedeutender und un­sere Jugend bemüht sich mit Ernst, diese Anforde­rungen zu erfüllen.

Vildungsdrang nach 8-stimdiger Tätigkeit - sagt bas nicht alles?

Obermagisiratsrai Marquardt, von der Volkshochschule Äerlin:

Unfcre Volkshochschule wird in der Haupt­sache besucht von Arbeitern. Angestellten und unteren Beamten. Die Zusammensetzung ist ziem­lich konstant. Mitunter freilich kommen auch Zntellektuelle aus geistig mehr ausgebildeten Schichten, doch ist uns daran nicht viel gelegen, es ergeben sich durch die Verschiedenheit der Dorbillwng leicht Schwierigkeiten, die sich hem­mend auswirken. Unsere Hochschule soll d i e Wissenschaft in den Dienst des Vol­kes stellen. Wir legen Wert auf eine solide geistige Durcharbeitung des Lehrstoffes und lehnen jede oberflächliche Bildung ab. Aus diesem Grunde haben wir erstens besonders gute und erprobte Lehrkräfte aus den Kreisen der Universität und Lehrer­schaft. Zweitens Arbeitsgemeinschaf­ten, deren Teilnehmerzahl von 15 bis höchstens 30 reichen darf. Findet sich für einen bestimmten KurS eine größere Teilnehmerschar, so wird eine neue Arbeitsgemeinschaft eingerichtet. Es ist unser Ziel, aus diesen Arbeitsgemeinschaften eine wirk­lich geistige Gemeinschaft zu machen, mit persön­licher Verbindung von Lehrer und Lernenden.

Die Arbeitsmethode geht dahin, jeden ein» zel nen stark zur Mitarbeit heranzuziehen. Aus diesem Grunde haben wir sehr selten reine Vorträge, sondern der Wissensstoff wird genau so wie in einem richtigen Seminar durchgearbei­tet. Znnerhalb der Gruppen haben wir wieder Vertrauensleute, die die Dozenten darüber unter­richten, wie das einzelne Mitglied den Lehrstoff bewältigt und für sich verarbeitet. Wie stark die Verbindung zwischen Dozent und Hörer mitunter ist. mag die Tatsache beweisen, daß wir z. B. in einer biologischen Arbeitsgemeinschaft einen Hörerstamm besitzen, der sechs bis acht Zähre bei dem gleichen Dozenten arbeitet. Dieser Dozent, ein älniversitätslehrer. sagte uns, daß die Kennt­nisse dieser Gruppe größer wären, als die man­cher Studenten.

Die Gründe, aus denen heraus unsere H^rer zu uns kommen, sind verschieden geartet. Die Fabrikarbeiter suchen im allgemeinen eine Spannungslösung zwischen Beruf und Weltanschauung. Sie empfinden ihre mechanische Fabrikarbeit wohl als Erwerbs-, je­doch nicht als Berufsarbeit. Sie wollen in ihr Leben irgendeinen Sinn bringen. Viele suchen diesen Sinn in Psychologie, andere in Philo­sophie. noch andere in der Kunst. So haben wir philosophische Arbeitsgemeinschaften, in denen die Teilnehmer, besonders Arbeiter. Plato lesen, Dllthey usw. Die Angestellten, die zu uns kommen, verfolgen seltener solche irrationalen Zwecke, sie haben mehr das Ziel der Zweck­bildung in Hinsicht auf das berufliche Fort­kommen. Aus dieser Erwägung heraus ist bei ihnen die Rachfrage nach dem fremdsprachlichen Unterricht besonders groß. Wir haben ferner eine sehr starke und rege Teilnehmerzahl in den sog. Slementarkursen, die ich sür besonders wichtig ' halte. Erleben wir es doch oft genug, daß sehr intelligente Arbeiter stark gehemmt sind durch den Mangel an Elementarkenntnissen z.D. in der deutschen Sprache.

Die Reigung zur wirllichen Vertiefung des Wissens ist bei unseren Hörern sehr stark. Rach unseren Erfahrungen an Menschen, welche erst 1

Sie trat ans Fenster und öffnete es. Sie meinte, im Zimmer zu ersticken.

Eine hohe Mauer umschloß rings das Haus. Kein Laut drang In die Stille, die hier herrschte.

Aufstöhnend barg Goa Witte das Haupt in den Händen. Das ganze Elend ihres zerstörten Lebens brach wieder über sie herein.

Plötzlich fuhr sie auf.

Es durfte ja nicht geschehen!... Sie durfte morgen nicht zu ihm gehen!

Verschwinden mußte sie au8 seinem Gesichts­kreis. untergeben Im Dunkel... Riemals sollte er erfahren, wer sie war!

Warum war sie bei seinem Erscheinen im Tiergarten nicht geflohen?... Dann wären ihr all diese Kämpfe jetzt erspart geolieben!

Aber wie mit Zaubergewalt hatten seine Au­gen sie festgehalten.... diese blauen, stahlharten Augen, die sie nicht mehr vergessen konnte, seit­dem sie in jener fernen Rächt tief In sie ge­schaut hatte.

So oft hatte sie an ihn gedacht; in der Ein­samkeit ihrer Tage war fein Bild immer wieder vor ihr ausgestanden..., wie ein schöner, un­wirklicher Traum war die Erinnerung an das Zusammensein mit ihm gewesen.

Aun hatte sie ihn wiedergesehen.... und seine Worte hatten sie schwach gemacht, bis sie schließ­lich feinem Bitten erlegen war.

Morgen vormittag erwartete er sie im Tier­garten ...

Rein! Dein! Das nicht!

Sie durfte ihn nicht Wiedersehen!

Entsetzt blickte Eva Wllte umher. Ihre Pulse flogen.

2hn niemals Wiedersehen?... War das denk­bar?... Ging das nicht über ihre Kraft?

Sie preßte die Hände auf das wildpochende Herz-

Die ein Sturmwind brauste das Dehnen nach dem fremden Manne über sie hin. Zhre Augen verfcheierten sich.

Sie wußte in diesem Augenblick, daß sie ihren Weg gehen mußte, llnb ob auch Gefahren droh­ten ..., ob auch ihr Leben daran zerbrach..., ihre Seele verlangte nach dem Manne, den sie geliebt hatte von der ersten Stunde an.

Morgen bin ich wieder bei ihm!" sagte sie Sie lauschte ihrer Stimme, die von den Wän­den zurückKuklingen schien, und lächelte glücklich.

Eine beseligende Ruhe hatte sie erfaßt. Sie legte sich auf den Divan und träumte dem kommenden Tag entgegen.