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Aus der Pwvinzialhaupistadi.
Dietzen, den 14. Juni 1930.
Protestkundgebung des Allg. Deutschen Gewerkschastsbundes.
Der Allgemeine Deutsche Gewerk- fchaftsbund, Bezirksunterausschuh Dietzen, veranstaltete am Freitagabend gemeinsam mit dem 2lfa - Dund im Saale des Gewerkschaf ts- hauses eine gutbesuchte Protestkundge- b u n g. Zunächst sprach Landtagsabgeordneter Albin Mann über „Die Gefahren der gegenwärtigen Wirtschaftslage". Gr schilderte in längeren Ausführungen die Ursachen der ungünstigen Verhältnisse auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und der hohen Ziffer der Arbeitslosen. Bei der eingehenden Schilderung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse wieS der Redner darauf hin, daß die Kaufkraft des deutschen Bolles ohne Sozialversicherung noch wesentlich geringer sein würde. Die Preise würden durch Kartelle und Syndikate künstlich hochg< halten. 3n seinen weiteren »Ausführungen üble Der Redner Kritik an den bisherigen Maßnahmen der heutigen Reichsregierung und zeigte die Stellungnahme des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes zur Frage der Preissenkung. 3n bezug auf die in dieser Hinsicht zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen gepflogenen Verhandlungen wies der Redner darauf hin, datz die Arbeit- nehmerfchaft sich der Teilnahme an diesen Verhandlungen im 3nteresse der deutschen Wirtschaft nicht habe verschließen können, datz man sich aber von seiten des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes von vornherein darüber klar gewesen sei, daß eine Preissenkung nicht durch Abbau der Reallöhne erfolgen dürfe. Der Redner erörterte sodann eine Reihe von Möglichkeiten. die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Gr bedauerte in diesem Zusammenhang den seinerzeitigen Beschluß des Deutschen Städtetages, wonach Aufträge der Kommunen vorerst nicht mehr erteilt werden sollten. Zum Schluß nahm der Redner noch Stellung gegen den in Aussicht genommenen Lohnabbau und betonte dabei, daß eine weitere Schwächung der Kaufkraft nur
dazu beitrage, daß eS in unserer deutschen Wirtschaft noch mehr rückwärts gehe.
3n einem zweiten Referat sprach Dewerk- schaftSbeamter O Ottilie über die geplante Reform der Sozialversicherung. Er stellte zunächst sest, daß in Deutschland 2.84 Millionen Arbeitsuchende vorhanden seien, davon in Hessen allein 181 603. Bei der Schaffung der Arbeitslosenversicherung habe man im Durchschnitt mit einer wesentlich geringeren Ar- beitslosenzisfer gerechnet. Der Redner besprach die von der Reichsregierung und dem Vorstand der Reichsanstalt für die Arbeitslosenversicherung seither getroffenen und weiter geplanten Sa- nicrungSmahnahmen. Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Gewerkschaften selbst ein großes 3nteresse an der Beseitigung von Mißbräuchen bei der Arbeitslosenversicherung hätten, daß aber gegen eine Schmälerung der Leistungen Einspruch erhoben werden müsse. Auch bezüglich einer DerwaltungSreform sei im 3nteresse der Versicherten Vorsicht am Platze. Der Redner wandte sich bann eingehend gegen den Versuch, eine Regelung der finanziellen Verhältnisse durch den Vorstand der Reichsanstalt, statt durch den Reichstag herbeizuführen, und erläuterte die Vorschläge deS Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung. Weiter wandte sich der Redner entschieden gegen den geplanten Abbau der Leistungen mit dem Hinweis, daß der Aufwand in der Sozialpolitik der Volksgesundheit und damit der deutschen Volkswirtschaft zugute komme.
3n der anschließenden regen Aussprache äußerten sich die einzelnen Redner durchweg zustimmend zu den Ausführungen der beiden Referenten. Weiter wurden eine Reihe von Anregungen zur Abwehr der auf wirtschaftlichem, sowie sozialem Gebiet drohenden Gefahren gegeben. Zum Schluß sand folgende Entschließung einstimmige Annahme:
Die am 13. Juni 1930 versammelten Vertreter des ADGB und Afa-Dundes lehnen es entschieden ab, die Reichssinanzen allein auf den Schultern der wirtschaftlich Schwachen in Ordnung zu bringen.
'Insbesondere erblicken sie in dem Abbau der
Löhne und der Sozialversicherung eine unfdziale Maßnahme, die in feiner Weise gerechtfertigt ist.
Sie fordern vom Reichstag und Reichsregierung Maßnahmen dahingehend, daß ein Rotopfer progressiv gestaffelt, bei allem steuerbarem Einkommen von über 3000 Mark jährlich erhoben wird.
Um der katastrophalen Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken, fordert sie Neubelebung der Wirtschaft durch Auftragsetteilung der öffentlichen Körperschaften und Förderung der Bauwirtschaft als Schlüsielindustrie.
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und Entlastung deS Vorstande-, sowie em Dor» trog über die Hafenanlage in Oberlahnsdrin mit Berücksichtigung deS Umschlagverkchrs von der Lahn. Rach der Versammlung findet ein «- Ä Beisammensein statt. (RähereS in der n Anzeige.)
(Schluß de» redaktionellen leib.)
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Auftriebszeit an beiden Markttagen von 7 bis 8% Uhr vormittags. Auf dem Rindviehmarkt wird sämtliches Vieh gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft.
Gießen, den 14. Juni 1930.
Der Oberbürgermeister.
___________Z. D.: Klingfpo r.
Arbeitsvergebung.
Für die Gemeinde Grohen-Vuseck sollen Kanal- und Wasserleitungsarbeitcn und Lieferungen für die Erweiterung im verlängerten Pfingstweg in 2 Losen vergeben werden. 4425D
Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hessischem Kulturbauamt Gießen offen, wo auch die Leistungsverzeichnisse zu er- halten sind. Die Angebote verschlossen, mit entsprechender Ausschrift versehen, sind
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Gießen, den 12. Juni. 1930.
Hessisches Kulturbauamt.
H. Steinbach, Regierungsbaurat.
"Ärbeitsvergebung.
Für die Gemeinde Climbach sollen Dc- tonarbeiten zur Ausbesserung des Triebwasserbehälters in einem Los vergeben werden. 4424D
Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hessischem Äulturbauamt offen, wohin die Angebote verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Eröffnungstennin am Samstag, dem 21. Juni 1930, vormittags 11 Uhr einzureichen sind. Leistungsverzeichnisse können von hier bezogen werden. Zuschlags- frist zwei Wochen. Freie Auswahl bleibt Vorbehalten.
Gießen, den 12. Juni. 1930.
Hessisches Kulturbauamt.
H. Steinbach, Regierungsbaurat.
Bekanntmachung.
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Gießen, den 14. Juni 1930.
Der Oberbürgermeister.
________I. D.: Dr. Hamm.________
Bekanntmachung
betreffend den Zutritt zu den öffentlichen Sitzungen des Stadtrals.
Der Zutritt zum Zuhörerraum der öffentlichen Sitzungen des Stadtrats ist nur gegen Dorzeigen und Abgabe einer Einlaßkarte gestattet. Insgesamt werden nach Maßgabe des vorhandenen Raumes 60 Einlaßkarten ausgegeben. Die Ausgabe erfolgt am Tage vor jeder öffentlichen Sitzung durch die Vorsitzenden der Mit- gliedervereinigungen des Stadttats ober deren Beauftragte, und zwar: 4426C
Kreuzplatz 15 (Laden) Schanzenstraße 18 (Erdgeschoß) An der Iohanneskirche 5 (Erdgeschoß).
Außerdem werden Einlaßkarten durch die Stadtverwaltung ausgegeben, und zwar am Tage vor jeder öffentlichen Sitzung und am Sitzungstage jeweils von 9 bis 11 Uhr im Stadthaus Bergstraße 20, Zimmer Rr. 13.
Die Einlaßkarten sind nicht übertragbar. An jeden Gesuchsteller wird nur eine Einlaßkarte verabfolgt.
Gießen, den 31. Januar 1930.
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