Nr. 157 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)Lamstag, U. Juni 1950
Ein Blick um die Welt.
Außenpolitische Umschau.
Don Or. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Univeilltat Derlin, M. d. X
Hebrrraschend und romantisch ist die Rückkehr deS Prinzen Carol von Rumänien erfolgt, und die schnelle Proklamation zum König am 7. Juni zeigt, daß daS ganze Unternehmen auch daheim wohlvorbereitet war. Es ist zum größten Teile ein innenpolitischer Schachzug, mit dem der Ministerpräsident M a n i u sein Regime festigen will, und zwar gegen die Liberalen, für die bic- ser Streich eine schwere Riederlage bedeutet, wie Segcnübcl der Königin Maria, die in scharfem »egensah zu Carol steht, seine Rückkehr immer bekämpfte, selber als Mitregentin regieren wollte.
Die familiären Hintergründe und das allzu Menschliche um diesen Vorgang interessieren den Politiker wenig. Wenn Prinz Carol sich als König bewährt, so wird er natürlich sowohl die Dynastie, wie den Staat festigen, ihn vor Krisen sichern, die eine unsichere, jahrelang dauernde Regentschaft für einen kleinen Jungen, den bisherigen König Michael, unter allen Umständen zu bestehen gehabt hätte. Innenpolitisch bedeutet somit die Rückkehr Carols, daß das bisherige, aus die Dauern gestützte Regiment gegen die Liberalen weitergeführt und befestigt werden soll, als eine bäuerliche, parlamentarische Demokratie mit einem starken Reformwillen, den das Land allerdings sehr nötig hat und der sich bisher nur unsicher durchsetzen konnte.
Außenpolitisch ist die Bedeutung nicht besonder- groß. Es ist ja auch keine Restauration der Monorchie, sondern lediglich ein Personenwechsel in der Dynastie. Dynastische Beziehungen helfen aber auch Rumänien in der Außenpolitik nicht allzuviel. Seine Lage bleibt da nach wie vor bestimmt durch den Gegensatz zu Rußland, in dem es sich lediglich auf die Bundesgenossen- schast Polens verlassen kann. Da aber Rußland keinen Krieg führen will, ist diese Gefahr im Augenblick nicht allzu groß. Schwarzmeerfragen, Donaufragen, Meerengenfragen, das Verhältnis zur Türkei oder zu Bulgarien, alle diese Inventarstücke der alten orientalischen Frage, sie sind heute für Rumänien nicht aktuell. Das einzige sonst, der ewige Konslikt mit Ungarn, ist durch die Ostrcparalionen gelöst. Ein besseres Verhältnis zu Ungarn wird sich anbahnen, aber immer mit oer Tatsache belastet bleiben, daß zu Großrumänien eine starke ungarische Minderheit gehört und Boden, den Ungarn für sich beansprucht, wie ja die Kundgebungen zum 10. Gedenktag des Friedens von Trionon gezeigt haben.
Darüber hinaus den rumänischen Vorgang irgendwie mit französischen oder italienischen Absichten und Rivalitäten zu kombinieren, ist heute keine Veranlassung. Dazu mühten diese beiden großen Staaten in ihrem Gegensatz heute der Balkanhalbinsel größeres Interesse zuwenden, als sie es tun können.
Für König Carol eröffnet sich eine große Aufgabe ähnlich der seines Großoheims, dessen Ra- men er trägt. Sie liegt ganz auf dem Gebiet der inneren Konsolidation. Erfüllt er darin seine Pflicht und löst er die darin liegenden Aufgaben an seinem Teile mit, so ist der Vorgang seiner Rückkehr geschichtlich und politisch gerechtfertigt. Wenn nicht, wird er lediglich ein novellistisches Interesse haben.
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Ein verhältnismäßig kleiner Streit zwischen England und dem Vatikan auf der Insel Malta erhält größere Bedeutung im Licht des französisch-italienischen Gegensatzes. Die Anlässe zum Streit brauchen uns nicht zu interessieren In ihm stößt England auf das schwerste mit dem Vatikan zusammen, der England gegenüber der Bannerträger des italienischen Imperialismus ist. Das englische Dlaubuch über diesen Kirchen- ftreit gibt der Welt zu erkennen, daß England Malta gegen Italien festhalten will, daß gegen
Besuch bei Walter von Molo.
3u seinem fünfzigsten Geburtstage.
Walter von Molo wohnt in einer Zehlendorfer Villenstrahe, wo jetzt die weihen Schneeballen bündel- weife über die Zäune hängen und die Rotdornbäume blühen, so weil ab vom Alexanderplatz und so versteckt, dah hier Berlin wirklich einmal aufzuhören scheint. In diesem unberlinischen Idhllenwinkel steht man weder Menschen noch Tragen, und die Echweitzer- strahe ist auch den Zehlendorfern selbst herzlich unbekannt, aber Molo ist dieser Tatsache stcherlich sroh. Oben in feinem Arbeitszimmer, es liegt hoch zwifchen grünen Bäumen, und lange Bücherregale bedecken die Wände, beklagt er stch über die Betriebsamkeit des Berliner Lebens und über die verflachende Pro- duktionssucht der heutigen Literatur.
Was fordert die Welt vom modernen Dichter, fragt er und antwortet bitter: dah er Gefellfchaften besuche und Rundfragen beantworte. „Wenn ich mich einmal einige Monate ganz von allem zurückziehe und arbeite, weiter nichts als arbeite, fragen mich die Leute: was treiben Sie, man steht und hört ja nichts mehr von Ihnen, in keine Gesellschaft kommen Eie!“ Galgenhumorig und etwas gallig ringt Molo die Hände: als ob es darauf ankomme!
Man sieht ihm feine fünfzig Jahre nicht an, er ist ungemein rafch erregt, leidenschaftlich und begeistert und, wenn ihn der Unwille überkommt, was sich an diesem Rachmittag wiederholt ereignet, oder wenn er von seinen Plänen und Absichten spricht, kann er nicht sitzen bleiben; er steht auf und geht hinter seinem Schreibtisch auf und nieder.
Er spricht von der nicht geringen Arbeitslast, die einem Präsidenten der Dichterfektion der Akademie aufgebürdet fei, von den Sitzungen, den mannigfachen Verknüpfungen und den Widerständen und dem Unverstand, dem er immer wieder begegne, und vom Engem kommt er zum Weitem, zum deutschen Schrifttum, besten Erscheinungen jetzt unübersehbar, wie Legionen Pilze hervorfchiehen: wo könne da die Zeit zum Reisen Herkommen, was könnten diese Bücher anderes sein als hastig vorgetriebene Gebilde? Er schüttelt energisch den Kopf, er weigert stch, da mit- zumachen, er kann nicht anders, als in Übereinstimmung mit stch selbst schaffen; jedes Werk müste doch irgendwelche Zusammenhänge mit der eigenen Persönlichkeit haben und aus einem augenblicklichen Zustande hervorgehen.
Damit kommen wir auf das Buch, das er eben schreibt oder in den nächsten Monaten schreiben will. Es handelt von Friedrich List, dem Rationalökonomen.
England ein italienischer Imperialismus in Malta kämpft, wie er sich auch um Cypern bemüht, und daß in einem Konflikt zwischen Frankreich und Italien England, wenn auch nicht mit der Wafse, bei Frankreich stehen wird. Der öfter gebrauchte Ausdruck für dieses Verhältnis liegt nahe, daß England in dem französisch-italienischen Gegensätze nach Frankreich üoerliegt.
Damit wird aber Italien noch isolierter, als es ohne das schon ist. Und darum ist sein Gegensatz zu Frankreich heute noch nicht aktuell. Aber er wird dadurch um so gefährlicher, als Mussolini und sein Minister Gran di immer so stark den Gegensatz betonen, an die Waffen appellieren, dah ein isoliertes Italien zur.. Kriege rüstet oder zu rüsten scheint. 3m Augenblick hat Italien weder militärisch, noch politisch die Aussicht, einen Krieg mit Erfolg führen zu können. Aber das beruhigt die Lage ja nicht. Die französisch-italienische Spannung lastet mit ihrem schweren Druck auf dem Frieden Europas und den Bestrebungen, diesen Frieden irgendwie zu sichern.
Es ist natürlich, daß das in London, in Tokio, in Washington die Kreise ermutigt und verstärkt, die gegen das Londoner Dreimächteabkommen sind. An allen drei Stellen geht dieser Kampf, in dem begreiflicherweise die Admirale an erster Stelle stehen. Gleichwohl glauben wir nicht, daß das dem Dreimächteabkommen gefährlich werden wird, aber dieser Kampf hemmt wiederum in Washington und London (Tokio kommt dafür sowieso nicht in Frage) eine aktive Friedenspolitik großen Zuges. Ohne die aber kommt Europa nicht zur Ruhe, dem Driands Paneuropaplan wenig helfen kann.
Denn Europa gehört zur Welt und die Welt draußen gehört zu Europa. Ein neuer europäischer Krieg berührt ebenso die Welt draußen, wie umgekehrt.
Dementsprechend ist auch die wirtschaftliche Rot heute eine Gesamtangelegenheit fast der^ganzen Welt. Heber alle Einzelvorgänge der großen Politik, so wichtig sie sind, hinaus, ist doch das wesentlichste und schwerste heute die Krise der Wirtschaft. Wir spüren sie in Deutschland aufs stärkste. Aber sowohl unsere Landwirtschafts-, wie unsere Industriekrise ist ein Teil der Weltkrise, in der die Wirtschaft heute ist. England hat ein gewaltige Arbeitslosigkeit, von seinen Kolonien mindestens Australien und Südafrika desgleichen. Indien, China, Rußland — diese Riesenteile der Welt — sind in Wirtschaftsnot und Wirtschaftskrise. Die Vereinigten Staaten stehen gleichfalls im Beginn einer Krise und leiden unter Arbeitslosigkeit. Was bleibt da noch übrig von der Welt?
Man begreift, daß der weltrevolutionäre Kommunismus das geradezu mit Befriedigung feststellt. In einem der letzten Hefte der offiziellen Parteizeitschrift der russischen Kommunisten, im .Bolschewik", wurde die Tatsache der Krise eigentlich für alle Länder festgestellt unb belegt bis nach Mexiko, Brasilien, Hruguay und anderen südamerikanischen Staaten, selbstverständlich besonders für Europa, und da nicht nur für Deutschland, sondern auch für Oesterreich, Polen, Rumänien, Italien usw. Auch in den afrikanischen Kolonien wurden Krisenzeichen erkannt. Als einzige Ausnahme wurde Frankreich bezeichnet, aber auch da glaubt die Zeitschrift, manche Anzeichen zur Veränderung zu erkennen. Im ganzen wurde das Urteil eines so bedeutenden deutschen Dolkswirtschaftlers wie Felix Somart) herangezogen, daß .die gegenwärtige Krisis die erste internationale Krisis seit zwei Jahrzehnten sei". Man wird gegen diese Feststellungen wenig sagen können, und man wird für die Heilung und Heberwindung der Krise ganz bestimmt nicht alles von der Wirtschaft und den Wirtschaftsgesehen allein erwarten können. Wo ist die Grenze zwischen Wirtschaft und Politik, wenn man nur an den Kamps zwischen Kapital und Arbeit und die Finanzpolitik im Innern
Also ein historischer Roman?
Keineswegs. Er will ohne alles historische Re- guisit arbeiten, obwohl man ihm doch glauben könne, dah er die zeitgeschichtlichen Details des ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts und der napoleonischen Zeit genügend beherrsche - oder nicht? Sicherlich. Also wolle er nicht die Reguisiten, die Formen und Titel sprechen lasten, sondern die Zeit Lists in ihrem gesamten Ausdruck. Dieser List beschäftige ihn schon seit Jahren. Wie er auf ihn gekommen? Run, der und jener hätten ihm .den Stoff" vorgeschlagen. . . . . aber was schlagen einem die Leute mcht alles vor! Zufällig sei er auf der Festung Kufstein gewesen, wo sich List im Rovember 1846 verzweifelnd erschoß; auf der Feste steht ein Denkmal, ein sehr scheußliches übrigens, eine idealisierte Gestalt, nicht der, der er war: ein kleiner fetter Mann der mit feinen flatternden Rerven immer zum Zerreißen gespannt war, der feine immenfe Arbeitsleistung und feine immerwäh- rende Beweglichkeit durch mahlofe Rahrungsauf- nähme auszugleichen suchte, der sich heizte und überfütterte, dem in seinen Schreibtischnächten der Schweiß über das Gesicht strömte . . . soweit das Menschlich- Äußerliche.
Wundersame Gabe der Angleichung, der Verwandlung. des Komödiantischen im Schriltsteller: Molo wird, während er leidenschaftlich auf und ab gehend von List erzählt, gleichsam dieser selbst; er scheint wie jener zu flattern, zu arbeiten, zu schwitzen.
Lists Schriften liegen auf dem Schreibtisch, denn ihre Gedankenwelt ist es doch eigentlich, die Molo ergriff und das ungemein Aktuelle, das sich in ihnen und in den Listschen Strebungen ausdrückt. Der vorschauende Mann, der mit seinen Zollbemühungen immer nur das größere Deutschland sah, der aus dem Elend der Kleinstaaterei hinauswollte, der mit seinen eisenbahntechnischen Plänen die modernsten Gedanken gehabt bat, der in Leipzig die erste Aktiengesellschaft gründete . . . und der überall verstoßen und versehmt war, toeil er keiner Partei angehörte, denn alle Parteien waren ihm zu enge. Hnd darum, weil der das Große schaute und suchte, von den Kleinen verachtet und verfolgt! Das sei ein Schicksal, das ihn ergriffen habe, denn Zeitloses und Ewig-Menschliches spiegele sich in ihm-
Wie weit aber ist dieses Buch geiftig gediehen?
Es handele sich nur noch um die Form. Wie packe man den Stoff an? Es gebe da die verschiedensten Möglichkeiten, dieses Dasein aufzurollen. Als objektive Darstellung, als Rahmenerzählung, als Brief vielleicht gar . . .? Molo erörtert ernst und etwas besorgt Vorteile und Rachteile dieser Arten, es geht in die hohe Theorie der Dichtkunst hinein.
denkt oder draußen gar an die Handels» und Zollpolitik?
In dieser wirtschaftlichen Krankheit fast in allen Staaten, in dem Versagen der Politik ihr gegenüber drinnen und draußen, in der Anarchie der kapitalistischen Produktion und in den daraus entstehenden sozialen Spannungen, in alledem sieht' und findet der Kommunismus seine wirklichen Bundesgenossen für seine Hoffnungen auf die Weltrevolution oder wenigstens die kommunistische Revolution in größeren Teilen der Welt, mindestens Europa.
Eine Abwehrsront der kapitalistischen Staaten dagegen tut es nicht. Diese Gefahren sind nur zu
überwinden, wenn in jedem Staate Wirtschaft und Politik verständnisvoll zusainmenarbeften und wenn die Staaten als WirtfchaftSkörver erkennen, daß sie trotz allem miteinander auf« engste zusammenhängen. dah, wie bei einer ansteckenden Krankheit, der eine Kranke den andern noch Halbwegs Gefunden krank macht. Da« ist der tiefe Ernst der augenblicklichen Lage. Sie wird noch ernster dadurch, daß da- an den beiden Stellen draußen, auf die cS für eine Heberwindung in unserem Sinne am meisten ankäme, nicht erkannt wird, noch nicht genügend erkannt wird, nämlich in Nordamerika und in Frankreich!
Oie Nebelhorn-Bahn eingeweihi.
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Die Seilschwebebahn von Oberstdorf auf das 2224 Meter hohe Nebelhorn, die seit 1928 im Dau war, ist feierlich eröffnet worden. Die Einweihung nahm der päpstliche Nuntius Dasallo di Torregrossa vor. Die Nebelhornbahn ist die erste Bergbahn in den Allgäuer Alpen. — Links: Der erste Wagen der Schwebebahn auf seiner Jungfernfahrt. — Rechts: Die feierliche Einweihung der Ncbelhornbahn durch Nunttus Torregrossa.
Lustschlacht über Rom.
Don Or. Gustav W. Eberlein, Nom.
Rom, an Pfingsten.
PfingstenlSlS: Italien erklärt den Krieg. Die römischen Adler greifen Bomben auf und ziehen den Alpen zu.
Pfingsten 19 3 0: Feurige Zungen fallen auf die Tiberfluren. An der Peterskuppel bricht sich der Donner der Bombeneinschläge.
Hnd abermals fünfzehn Jahre später, wie es im Kino zu heißen pflegt?
S. P. Q. R. — Senat und Volk von Rom ziehen am blühenden Pfingstfest tage aus, den flammenden Himmelsgeist zu erleben. Es ist „giorno dell’ala“, der Tag der Schwingen, der von nun an alle Jahre gefeiert werden soll, mit wachsendem Bombengewicht. Vielleicht wird mancher von Blasphemie sprechen, aber Italien sucht sich nicht zu verstecken, es ist heute stolzer denn je, den Krieg gewollt und erklärt zu haben. Jene Pfingstenerklärung gereicht ihm, so glaubt
der wieder hart gewordene Römer, nim ewigen Ruhme, denn sie bedeutet die Abschüttelung der letzten Fremdherrschaft. Hnd wenn gerade heute die bewaffneten Adler ihre Schwingen heben, so weiß Mussolini, daß auch der frömmste Dauer am Sonntag arbeitet, wenn es die Ernte zu bergen gilt, das heilige Brot. Heiliger aber noch ist ihm das Vaterland und nichts kann weniger ehrenrührig fein, als der Wille, es zu verteidigen.
Aber wenn der Vorwurf des unpaffenden Augenblicks nicht aufrechterhalten werden kann, so bestehe immer noch die Mahnung ui Recht, den Teufel nicht an die Wand zu malen? Mit der furchtbarsten aller Heimsuchungen, dem Krieg, nicht zu spielen? Ihn nicht zu einem Schauspiel für das Volk herabzuwürdigen? Wir spielen nicht, lächelt der Duce, es ist uns blutiger Ernst! Das Volk soll nicht mit verschwommenen Phrasen vom ewigen Frieden vergast werden, son-
Doch zu Realerem. Was er an seinem fünfzigsten Geburtstag machen werde?
Ganz unbedingt fortfahren. Denn schon mehren sich die gefährlichen Vorboten, jedermann verlange ein Bild von ihm, eine Photographie in den abstrusesten Situationen. Das einfache Bild genüge ihnen nicht mehr, es müffe durchaus etwas .anders fein als die anderen": Walter von Molo im Garten arbeitend - aber er arbeite niemals in feinem Garten; Walter von Molo beim Tennis — aber er fpiele gar nicht Tennis. Er fchimpft weidlich, aber ich glaube, im Grunde freut es ihn doch. Jedenfalls will er verreisen und allem aus dem Wege gehen. Rach Bayern, um dort seinen Friedrich List zu beginnen ... O. B.
Caruso der Zweite.
Don Hans Niebau.
Bob und Emmerich gehen bummeln. Rund um das Sonnendeck des kleinen Seebäderdampsers. Aber es ist langweilig. Entweder sind die Mädchen, die da überall in der Sonne liegen, sitzen oder spazieren gehen, häßlich. Oder sie sind nicht allein.
Plötzlich stößt Bob Emmerich an. .Du, guck mal.“
Emmerich guckt. Da lehnt ein Mädchen an der Reeling. Eine junge Dame, hellblond, mit Deinen und Sex Appeal.
.Donnerwetter“, murmeltEmmerich. »Das ist mein Typ."
.Meiner auch", murmelt Dob zurück. "Beide machen ein paar große Schritte, lehnen sich auch an die Reeling.
Die junge Dame blättert in einer Zeitung. Sie sieht nicht, daß sie Rachbarn bekommen hat. Sie fühlt nichts von der Bewunderung, die da neben ihr ausgestrahlt wird. Hnd als sie einmal den Kopf hebt, blicken ihre Augen über Bob und Emmerich hinweg.
.Sag mal“, fängt da Emmerich an sich mit Dob zu unterhalten, und feine Stimme ist so laut, dah die junge Dame jedes Wort verstehen muß, .Wann singst du eigentlich wieder in Rom?"
Dob reißt die Augen auf. ."Bist du verrückt?“ will er sagen. Aber Emmerich zwinkert ihm noch rechtzeitig zu.
.In Rom?“ faßt sich Dob. .Im Spätherbst, denke ich.“
»Aber da bist du doch in Rio be Janeiro verpflichtet“, wirft Emmerich ein.
.Den Vertrag habe ich gelöst“, sagt Dob, und seine Stimme klingt melancholisch. .Ich habe keine Lust mehr, lange Seereisen zu machen.“
.Sehr vernünftig", nickt Emmerich. »Wenn man dir überall in Europa dreitausend Mark pro Abend zahlt, wozu dann noch nach Hebersee? Hnd in Rom vor allem bist du als Caruso der Zweite bekannt und berühmt.“
Die junge Dame hat die Zeitung sinken lasten. Sie guckt zwar nicht gerade zu den beiden herüber. Aber ihre Mienen verraten angespannte Aufmerksamkeit. Ihre Rafenflügel vibrieren.
.Was macht eigentlich deine Motoryacht?“ sährt Emmerich fort.
.Immer noch auf der Werft“, sagt Dob. .Sonst würden wir nicht auf diesem Dampfer nach Helgoland fahren. Hebrigens werde ich sie wahrscheinlich, wenn sie repariert ist, verkaufen. Ich habe als Ersatz ein Großflugzeug in Auftrag gegeben." ,
.Verkaufen?" fährt Emmerich hoch. .Welchen Preis, wenn ich fragen darf, wirst du verlangend“
«Mein Gott", lächelt Dob (unb er spricht leiser, so leise, dah die junge Dame ihn noch gerade versteht). .Interessierst du dich dafür? Ich dachte, zweihunderttaufend zu fordern. Aber wenn du sie haben willst: ich fchenke sie dir.“
.Bei bieten Worten zieht Dob Emmerich von der Reeling weg. .Die Idee war gut“, flüstert er. .Aber jetzt habe ich keine Lust mehr.“
.Genügt auch vollkommen", sagt Emmerich. .Jetzt muht du in die Bar gehen, schnell, schnell. Ich erstatte dir gleich Bericht."
Zwanzig Minuten später ist auch Emmerich in der Bar.
.Run?" fragte Bob, unb feine Augen glänzen.
.Alles prvgrammähig verlaufen", berichtet Emmerich. .Ich bin wieder an die Reeling gegangen. Laste meine Mühe fallen. Auf die Füße der jungen Dame. Ich entschuldige mich. Das Gespräch ist da. Sie brennt vor Reugier und fragt mich aus. Wer du wärest, wie du hiehest. Hfw."
.Das ist ja prächtig“, lachte Dob, „unb bann?*
.Dann“, sagt Emmerich, „bann haben wir uns in Helgolanb verabredet. Wir bleiben ein paar Tage dort. Du fährst doch heute abend gleich wieder zurück, wie?“
.Ich?“ stottert Bob. .I>a, erlaube mal —.*
In diefem Augenblick betritt auch die junge Same die Bar. Emmerich fpringt auf. «Darf ich vorstellen?^ sagt er. „Mein Freund, Carufo der Zwecke—."
Eie fetzen sich zufammen. Dob ist liebenswürdig, sehr, sehr liebenswürdig. Auch die junge Dame ist nicht unfteundlich. .Schade", sagt sie, .dah Sie heute abend wieder zurückfahren müsten. Aber ihr 3reunb erzählte mir schon, dah Ihre Frau Gemahlin Sie in Bremerhaven erwartet.“


