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Mittwoch, 14. Mai 1950

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Nr. 112 Dritter Blatt

Aus dem Reiche der Frau

Unsere Landlrauen.

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3m H der glänz er Butte? einige

auch so gut hätte!

Qlbcr wollen wir nicht einmal das Bild von der andern Seite beschauen und prüfen, wie es in Wirklichkeit ist? Daß es unserem Bauern­stände zur Zeit schlecht geht, wissen wir alle, und es bedarf nicht der täglichen Erinnerungen der 3eitungeit Für fast alle ihre Erzeugnisse erhalten die Landwirte etwa den Dorkriegs­preis, aber für Maschinen, Dünger usw. haben sie viel größere Ausgaben als früher. Auch die größte Sparsamkeit Hilst nicht. Steuern und 2lb- gaben müssen entrichtet werten. Es sind nicht nur die größeren Güter, die schwer leiden, ich glaube, unsere Kleinbauern sind in größerer Aot. Wenn ihnen im Laufe des wahres ein Stück Dieh verendet, sind sie übel dran, kommt dann noch Suttemot oder gar ein Hagelschlag, dann kann man die Rotrufe der Landwirtschast verstehen.

Aber jemand ist da, der sich auch in den schlimmsten Tagen nicht unterliegen läßt und der dem Dauer die beste Gehilfin ist: das ist die Bäuerin. Sie läßt ihren Mann Nicht im

Don Philipp Hofmann, Lang-Göns.

Wenn die städtischen Hausfrauen auf dem Markt oder in Geschäften Eier, Butter und Gemüse einkaufen und dabei merken, wie lyr Häuflein Geld zusammenschmilzt, denken fie un Anblick der vielen Herrlichkeiten vielleicht an die Landfrauen draußen auf den Dörfern, Oie das alles in Hülle und Fülle haben und über­haupt nichts aus den Markt zu gehen brauchen.

"mhnerhaus können sie sich Eier holen, rten gibt das Gemüse, und im Stall stehen ide Kühe, die Milch in Menge liefern, (und Käse sind da. 3m Winter werden Schweinchen geschlachtet, daß man auch den' Meytzerl.aden entbehren kann. 3a, die Bauersleute haben's schon. Was sie zum täg­lichen Leben brauchen, das wächst ihnen nur so in den Mund hinein. Zu all dem Schönen kommt noch ein geräumiges Haus, Knechte und Magde für die Arbeit, und die Landwirtsfrau steht da und braucht nur zu befehlen. Wenn man's doch

ihr meistens die Lust. 11 nb nun kam das letzte Auskunstsmittel: das Gasthaus. Der trauliche Familientisch mit dem knusperigen Sonntags­braten, der weihnachtlichen Gans, dem österlichen Schinken, dem prangenden Gugelhupf und so manchen anderen Genüssen war zum Stammtisch eines benachbarten Gasthauses, der häusliche Herd zur bescheidenen Kochnische geworden.

Mann und Frau stehen heute im Existenz kämpfe kameradschaftlich nebeneinander. Die Frau verdient oft ebensoviel, bisweilen noch mehr als der Mann. Kommt sie am Abend er­müdet und verärgert nach Hause, dann hat sie nicht Lust, erst das Aachtmahl zu bereiten. Man speist wieder im Gasthaus, und die Kochkunst der Wirtin bereitet das Abendbrot. Bleibt man wirklich einmal zu Hause, dann sorgt die nächste Feinkosthandlung für Wurst und kalten Braten, für Butter und Käse. Dazu bereitet dann die Hausfrau auf ihrem elektrischen Kochapparate eigenhändig und selbständig den Tee und ist über­zeugt, damit eine große Tat auf dem Gebiete der Kochkunst geleistet zu haben. Da sich aber in neuester Zeit die Ueberzeugung immer mehr Dahn bricht, daß Arbeitskraft und Gesundheit in ho^m Maße von der richtig zubereiteten Aah- rung abhängen, so dürfte auch die geistig inter­essierte Frau sich mit der Zeit wieder diesem Gebiete zuwenden, allerdings wird dann die neue Kochkunst nicht in der Ausklügelung raffi­nierter Rezepte bestehen, sondern in der rich­tigen Anwendung der modernen Ernährungs­wissenschaft.

Stich. Sie will ihr Teil mittragen. Don poli­tischen Rechten und Pflichten will sie nicht viel wissen, und nur zögernd und widerwillig kommt sie diesen Pflichten nach. Aber das Haus, das ganze Anwesen zu erhalten und, wenn möglich, zu vergrößern, das liegt der Bauersfrau am Herzen. Und sie sucht und findet auch neue Wege. Die eine liest etwas von neuzeitlicher Hühner­haltung und erweitert ohne viel zu reden ihren Bestand an Geflügel. Eine andere wieder holt mehr Einnahmen aus der Milchwirtschaft heraus, nur um ihr Scherflein beizutragen in der allgemeinen Rot. Selbst der Garten muß her­halten, gar manches Gemüsehäuptchen wandert auf den Markt. , r ,

Kaum ein Stand aber hat so schwer zu arbeiten wie unsere Bauersfrauen. Trotz der schlechten Zeiten sieht man sie Tag für Tag rüstig ihren Geschäften nachgehen, unverdrossen und hoff­nungsvoll. Das 3ungvieh, das Geflügel und der Garten, die unter der besonderen Obhut der Bauersfrau stehen, sie geben ihr immer wieder neuen Mut und lassen bittere Stunden vergessen. Unb erst der Anblick der wogenden «yru^tfelber draußen! Da glänzen auch die Augen der Frau. Sie sieht die Sorgenfalten auf der Stirn ihres Mannes und arbeitet, arbeitet vom frühen Mor­gen bis spät in die Rächt hinein.

Dor Sonnenaufgang erhebt sie sich und mar­schiert zum Stall, hilft füttern und melkt. Die Kinder müssen geweckt, für die Schule angezogen und gespeist werden. Die Brote wollen ge- schmiert sein. Sie muß nachsehen, ob auch bu Griffel spitz sind, der Schwamm naß ist. Dann acht es hinaus in den Garten. Gerade letzt m den Frühlingstagen häuft sich die Arbeit unserer Bauersfrauen, daß da kaum der Tag ausreicht, um alles zu leisten. 3m Garten hat der Dauer nichts zu suchen. Da ist sie die Herrm. Da wird jetzt während der Mann Hafer und Gerste sät gegraben, geeggt und Samen gelegt Die Wege müssen in Ordnung gebracht vxrten. Die Blumen werden nicht vergessen. Auch die Topf­pflanzen, die in den warmen Tagen an den Fenstern stehen sollen, werden nach gesehen und umgepflanzt Wir alle haben auf Wanderungen

Naschhaftigkeit Don Johanna Weiskirch.

Nachdruck verboten.

Kinder sind in hohem Grade Ergebnisse ihrer Er­ziehung, und zwar von dem Tage an, da sie sich durch ihre erste bewußte Willensäußerung als er­ziehungsfähig und erziehungsberechtigt zeigen. Den Zeitpunkt wird die Mutter, wie sie fein soll, erten- nen und handeln. Sie wird ihrem Kinde vor ol­len Dingen nicht einmal etwas versagen und es ihm das zwcitemal gewähren, denn das 21 und Z |eg- licher Erziehung ist die Konsequenz. Von dieser darf nur dann abgegangen werden, wenn ein Kind krank ist, aber auch dann muß sich die Mutter hüten, den kleinen Patienten nicht zum Tyrannen werden Zit lassen.

In unendlich vielen Fällen treten die kleinen Er­denbürger, mit Eigenschaften und Fehlern ihrer El­tern belastet, in das Leben, und dann kann man der Erziehung von vornherein mit mißtrauischen 21 ugen entgegensetzen. Es kommt allerdings vor, daß Väter und Mütter, besonders letztere, in den unangeneh­men Eigenschaften ihrer Kinder ihre eigenen erken­nen, sich erinnern, was sie dadurch erlitten, und sich ehrlich bemühen, ihre Kleinen durch die geeignete Erziehung von diesen dem Leben gegenüber nicht stondhaltenden Fehlern zu befreien. Leider gibt es aber der Mütter viel zu wenig, die sich angesichts des ihren Kindern unschuldigerweise anhaftenden Erbes in die Selbstzucht nehmen, denn eine solche zu gegebener Zeit vorzunehmen, ist eines jeden Menschen Pflicht. Doppelt ernst zu nehmen, wenn man zur Erziehung anderer berufen ist.

Ein« sehr unangenehme, ost die weitest tragenden Folgen zeitigende Eigenschaft der Kinder ist das Na­schen, die man weit eher als anerzogen, als angebo­ren betrachten kann. Es ist namentlich der Mütter Art, ihre Kleinen zu dieser zur Lügenhaftigkeit füh­renden Neigung heranzuziehen. Ganz gewiß geschieht es ungewollt und unüberlegt, meist aus reiner Be­quemlichkeit, aber das sind keine Entschuldigungen für das Unrecht, das man an feinen Kindern begeht. Kinder, die durch Verabreichung von Süßigkeiten und anderen Näfchereien zum Still- oder Folgsam- fein veranlaßt werden, maßen sich selbstverständlich allmählich das Recht an, ohne eine vorher gegebene Belohnung überhaupt nicht mehr artig zu fein. Teils aus Bequemlichkeit, teils, weil fie sich vor anderen ihrer unerzogenen Sprößlinge schämen, sündigen die Mütter immer weiter.

Es ist von großem Uebcf, wenn Kinder täglich irgendwelche Näscherei erhalten. Sie müssen bazu erzogen werden, in einer solchen eine Belohnung für ihr Betragen, ihren Fleiß oder eine gute Tat zu sehen. Selbst die Kleinsten merken es sich schnell, wann und wofür die Mutter bereit ist, irgend etwas Gutes in ihre Händchen zu drücken, ob und wie oft sie Wünsche nach einer Näscherei äußern dürfen.

Nicht nur die Kinder von heute, sondern auch die jüngeren und jüngsten Mütter wissen gar nicht, kön­nen es sich kaum denken, wie man in den nun auch schon zur guten, alten Zeit gewordenen Tagen der Kindheit der älteren Generation den Näschereien gegenüberstand. Es gab deren, im Verhältnis zu heute, sehr wenige, und weit anspruchsloser nach jeder Richtung hin waren sie auch. Ich entsinne mich sehr wohl des großen Jubels, den in meinem kinder- reichen Eltern Haufe unter uns Buben und Madels das Austeilen irgendwelcher Belohnung in Gestalt einer Näscherei hervorrief. Damals zählte auch eine Apfelsine zu einer solchen, und wir fühlten uns un­endlich beglückt, wenn jedes von uns Kindern zwei, wenn es hoch kam, drei Stückchen zugeteilt erhielten. Die köstlich-duftenden Schalen wurden übrigens auch genau unter uns verteilt, um uns wohlriechendes Wasser damit zu bereiten. Wir freuten uns damals königlich über einige weiße und rote Zuckersteinchen ober einen kleinen Würfel Malzzucker. Ein Stück­chen Schokolade war der Inbegriff aller Köstlichkeit für uns, ebenso ein bißchen Hustenleder oder ein Stänglein Lakritzen.

Auf dem Lande mag es hier und da noch Kinder geben, die in der Verabreichung der eben genann­ten Näschereien noch eine Belohnung zu sehen ver­mögen, aber in den Städten bedeuten sie bereits

Haustöchter zur Ausbildung anvertraut, ja be­sorgte Mütter gaben der scheidenden Tochter ihr größtes 3uwel, die alte, erfahrene Köchin, in ten jungen Ehestand mit Das neunzehnte und zwanzigste 3ahrhundert mit seiner Heber- schähung intellektueller Werte und einer mehr geistig gerichteten Ausbildung löste die Bande, welche die Frau mit der Küche verknüpfen und trug mit zum Verfall der Kochkunst im Dienste der Familie bei, wie wir ihn gegentoärtig be­obachten können. Die Frau verlor vielfach die Freude an den sich täglich gleichbleibenden Der- richtungen und an einer Kleinarbeit, die allge­mein als notwendig empfunden, aber nie an­erkannt wurde und teilte diese Geringschätzung unbewußt ihren Heranwachsenden Töchtern mit, die von vornherein die Küche als ein verach­tetes, den geistigen Horizont einengendes Ge­biet meiden lernten. Mit mangelhaften Koch- kenntnissen ausgestattet ging die junge Frau in die Ehe. Die Köchin, die sie halten mußte, erkannte ihre Hilflosigkeit bald und nützte fie kräftig aus: mußte diese endlich das Feld räu­men, kam nichts Besseres nach, und wenn sie ein­mal unversehens wirklich auf eine Perle fließ, vertrieb sie diese nach kurzer Zeit durch ihre von keinerlei Sachkenntnis angekränkelte Kritik und Rörgelei. Der Weltkrieg und der darauf­folgende wirtschaftliche Zusammenbruch erlaub­ten es mit einemmale nicht mehr, eine Köchin zu halten. Die Frau hatte bereits so viel von einer jeden Köchin abgelernt, um das Allernot­wendigste kochen zu können, aber auch dazu fehlt

Entwicklung und Verfall der Kochkunst.

Don Lina piehsch.

Seit altersher stand die Kochkunst im Dienste ber Geselligkeit. Zu den philosophischen und künst­lerischen Gast mählern der griechischen und römi­schen Blütezeit, an den Höfen der Renaissance­fürsten und am Hofe der französischen Komge ge­hörte die auserlesene Tafel. 3n den Märchen von .Tausend und Eine Rächt" sehen tovr die Feste orientalischer Fürsten mit köstlichen Tafel- freubea eingeleitet, aber auch an den alten deut­schen Kaiserhöfen und in den Ritterburgen wußte man besonders gut geratene Gerichte zu wür­digen und zu belohnen, lind wenn das Helden­lied von den Ehren singt, die einem geschätzten Gaste zuteil wurden, barm vergißt es nicht Die Darbietungen der Küche zu erwähnen, wobei freilich die Zahl der geschlachteten und aufgetra­genen Tiere die größte Rolle spielte. So mancher diplomatische Sieg der hohen Politik wurde schon in jenen Tagen wie in den heutigen durch be­sonders hervorragende Darbietungen der edlen Kochkunst eingekitet.

Es versteht sich von selbst, daß eine solche Hoch- schähung ber Kochkunst und ihrer Erzeugnisse auch auf die Einschätzung des Kochkünstlers wirken mußte. Schon in Rom gewann der anfänglich minder geachtete Kochsklave Rang und Ansehen, wurde sehr häufig in Anerkennung seiner hervor­ragenden Leistungen freigelassen und errang in ber Freiheit durch die weitere Ausübung seiner Kunst Dermogen und Ansehen. Die Wiege der modernen Kochkunst ist 3talien. Don dort aus kam sie durch KatharinavonMedici nach Frankreich, wo fie die ihr dort eigene Rote er­hielt. An den Reuschöpfungen besonders schmack­hafter Soßen und Tunken wirkten übrigens in Frankreich nicht nur die berufsmäßigen Kochkunst- ler, sondern Männer von Rang und Ansehen mit, Gelehrte, Politiker, berühmte Dichter.

Aber nicht nur nach Frankreich zog die ver­feinerte Kochkunst der Renaissance. Rurnbergs Patrizierhäuser byten ihr gleichfalls eine gast­liche Stätte und eine der Heimat gemäße Aus­gestaltung. Und hier tritt uns zum erstenmal die Frau als richtunggebend auf dem Gebiete ber Kochkunst entgegen, die wir bisher in der Haupt­sache von Mannern beherrscht sehen. Auf Schloß Ambras herrschte bic Patriziertochter P hi - lippine Welser über Küche unb Keller ihres Ehelichsten, unb ein Rezeptenbuch aus ihrer Hand beweist uns, baß dies Regiment em verständnisvolles war. 3m 3ahre 1655 erschien in Hamburg basRew köstliche und nützliche Kochbuch ber Fraw Anna Weber", im 3ahre 1702 in Rürnberg ..Der aus Parnafse ehemals entlaufenen, vortrefflichen Köchin Gemerkzettel, woraus zu erlernen ist, wie man 1928 Speisen wohlschmeckend zubereiten solle", 1734 bas eben­falls in Rumberg erschieneneDie in ihrer Kunst vortresfliche Köchin, ober auserlesenes unp vollständig vermehrtes Rürnbergisches Kochbuch . Aus bicsen Sammlungen erlesener Kochvorschnf- ten ersehen wir, baß sich die Kochkunst ber Frau damals einer großen Wertschätzung erfreute. Als Gattin des einfachen Mannes bereitete sie ja längst schon bie Mahlzeiten selbst, aber erst viel später, im Lause ber kulturellen Entwicklung wurde sie zur Herrin über Küche und Keller. Mit dem Augenblicke aber, da die Frau die Küche als ihr persönliches Wirkungsfeld ansah, verschwand aus derselben aus leicht erklärlichen Gründen der männliche Koch und an Jemc Stelle trat ber weibliche Kochkünstler, die Köchin.

Während aber ber Koch seine Kunst in den Dienst der Geselligkeit stellte und bis heute noch nach gewerblicher unb fachgemäßer OluSbilbung die bestqualifizierten Stellen in den erstklassigen Hotels und Restaurants einnimmt, blieb der Köchin die Wirksamkeit im Hause Vorbehalten. Ihre Dorbildung gründete sich nur auf Die prak­tische Erfahrung und Mitteilung vorzüglicher Köchinnen, aber sie war in ihrer Art eine Autorität. 3hr wurden die Heranwachsenden

Die Abkehr ber Mode von ber gewollten Ver­männlichung beginnt mit bem von der reizvollen Frau untrennbaren Requisit ber W ä s ch e. Rieselnde Spitzen aus weicher Selbe, bie glatt, entzückenb ge­mustert, in bezaubernden Farben, zu wahren Wun- bergebilben geformt, ben Körper umschmeicheln. Die Spitzen werben inkrustiert, auch aufgesetzt. Da die langen Abenbtoiletten eigene Unterkleiber be- hingen, behalten bie Hembhöschen ihreKnappheit, machen also baslänger und ganz lang" nicht mit. In bassclbe Kapitel gehören bie vielfachen Mobelle reizender Pyjamas unb Bettjäckchen, meist auch aus zart gemusterter Seibe, mit glatter Seihe ge­putzt. Leibwäsche ist ein so rein persönliches Mo- ment, daß man nur Anregungen in allgemeinen Umrissen geben kann, weil zum Kaufentschlusse un- bedingt das Sehen des Reichtums gehört, der sich heute als BegriffWäsche" vor den entzückten Augen aller jener ausbreitet, die sich in unseren Spezialgeschäften moderne Wäsche vorlegen lassen.

Und die Kleider? Beginnen wir in Anbetracht des noch wechselnden Wetters bei den hübschen im­prägnierten Seibenmänteln, die neben den feschen Trenchcoats heute im Besitze jeder eleganten Dame fein sollen. Sie sind doppelreihig geknöpft, hoch ge­schlossen unb in den verschiedensten Farben, diese imprägnierten Seidenregenmäntel, bic bic Gummi­mäntel ber letzten Jahre zum Teil aus dem Felde schlagen. Die Mäntel aus derberem Tweed, praktisch und fesch, daneben zum langen Abendkleide bie überaus eleganten schwarzen Seibenmäntel, mit unb ohne Pelzbesatz unb auch neue Samtmäntel in wei­chen Pastellfarben, etwas in die Taille gearbeitet mit breitem Revers unb in ber Taille mit zwei Knöpfen geschloffen. Selbstverständlich die Mantel zum Komplet, vom gleichen Stoffe wie Rock unb Jäckchen unb mit Futter aus bem Stosse ber Bluse immer sehr elegant.

Das englische Kostüm ist wieher sehr beliebt in ben verschiedensten Tweed- aber auch Kashaftof- fcn. Auch in bie Taille gearbeitet, bie Jacke mit leich­tem Glockenschößchen, Herrenschnitt bei Revers unb Kragen, Doppeltaschen, zweireihig. Mit ben letzt so beliebten hochgeschlossenen Hcmbblusen, fescher Kravatte unb chickem kleinen Hute praktisch unb sehr elegant wenn man bie Figur bazu hat. Dies ist

ihrer in ber Ernte des zweiten 3ahrcs. 3d) gehe einen Hang hinaus unb muß bei ber Ecke des Waldes an einem Getreidefeld vorübergehen. Da sehe ich ein Weib sitzen. Sie bemerkt mich nicht, und ich gebe tiefer in den Wald und beobachte sie. Sie sitzt am Raine in der Furche. Reben ihr liegt bie Sichel unb die Sense mit dem Räss, dem schweren 3nftrument zum richtigen Zusammenhalt der eben geschnittenen Halme. Um ihr Haupt über bem schweren blonden Haare flattert das um eine weit nach vorn und hinten überstehende Pappe geschlagene Kopftuch und weht ihr will­kommene Erfrischung zu. Sie ist sichtlich erschöpft. 3ch weiß, daß sie früher nie Kom geschnitten und es jetzt erst notdürftig gelernt hat. und kann Ihre Ermattung verstehen. 3ch wünsche nur, sie wolle noch länger ruhen. Aber schon erhebt sie sich wieder und ergreift das Räff. Bald steht sie wieder mitten in der Arbeit, in der schwersten Arbeit für das Weib auf dem Lande. Die Beine schwerfällig breit auseinandergeseht, leise ge­knickt die Knie, den Oberkörper vornübergebogen, weit mit den Armen ausholend, das Räss mit Wucht wider die Halme werfend, dabei nach regelmäßigem Takt den Leib um seine Längs­achse von rechts zu Linken schwingend so steht das Weib in der Feldschlacht der Heimat. Es ist eine der schöneren jungen Frauen des Dorfes, die ich so durch den Rahmen zweier Buchen be­obachte. Aber als sie sich nun bückt, die Halme aufbebt unb den Acker herauskommt, um die Mahd in die Sonne zu breiten, erschrecke ich. So verzerrt sind ihre Mienen, so lechzend ist ihr Blick. Allein ihren Mund frönt die Linie eines sesten Willens..."

Gar mancher Landwirt kehrte nicht heim, und ihre Witwen schassen mit den herangewachsenen Kindern weiter, unermüdlich den ganzen Tag. Man soll deshalb nicht so schnell urteilen: Die Bauersfrauen sitzen im ileberfluß! Die können lachen! Denken wir daran, wie schwer sie ar­beiten müssen. Dor allem aber wollen wir die Leistungen unserer Bäuerinnen anerkennen und ihnen dankbar sein: denn schließlich arbeiten sie ja nicht nur für sich selber, sondern für das ge­samte deutsche Dolk.

Buntes Modeallerlei

Don Ida Bock, Wien.

Voraussetzung. Sowohl zum Kostüm als zur Hemd­bluse, wirb sie nun alsslip in" ober übergeschoppt getragen, so wie wir früher einmal bie Matrosen­blusen trugen. Die nötige Schlankheit unb Gestreckt- heit bes Oberkörpers gehört bazu. Sonst lieber nicht! Bolerojäckchen einerseits unb Pelerinen andererseits in ben verschiedenen Arrangements beherrschen Kleib, Jacke und Mantel. Crepe de Chine, Moussehne imprimde, Toile de Soie, Seibentmeeb sie sinb kaum aufzuzählen bic bioersen Stosfspielarlen, aus denen unsere Sommerkleider gezaubert werben. Grün, bie Farbe ber Pfingstrosen, auch gelb unb geblümt, tariert, gestreift all das ist mobern unb erschwert bie Wahl durch seine ungeheure Dielsäl- tigfeit. Unendlich weit sind jetzt bie Grenzen gezo­gen! Die Hauptfasson neben bem bie Taille beto­nen den Kleide, ist bie etwas tiefer arrangierte Tail­lenlinie mit immer hochangesetzten weiten, weich fallenden Volants, deren auch mehrere abgestuft über einander gegeben werden. Alles fließt, flattert, weht! Von da an beginnt die unbeschwerte Be- wegungsfreißeit. Auch hier muß wieder betont wer­den: selbst sehen! Sich anregen lassen aber bann wählen.

Hüte: Viel schwarzlackiertcs Panamastrah, groß und geschwungen, mit seitlichem Blumenarrange­ment. Fesche Ailzglacken mit Straßschnallen. Auch um den Kops toupierter weicher Filz, barettartig den Kopf ber Trägerin umschmeichelnb, zum Kostüm besonbers geeignet. Tweebstroh natürlich in allen Farben unb Formen, alsMädchen für alles", sehr praktisch, da das gemusterte Stroh zu verschiedenen Farben getragen werben kann.

Schuhe: Fast immer aus zweierlei Material unb zweierlei Farben. Sehr elegant nach wie vor Kroko, Eidechsen unb Schlangenhaut. Kombiniert mit Lack unb unteren Leterarten. Zum Traiteur- kostüm her breitere Halbschuh mit festem Absatz, zum Nachmittagskleid ter Pump, in ter Farbe im­mer zur ganzen Toilette passenh.

Kleine Details: Spitzenkrägelchen unb Man­schetten aus Batist klein, zierlich, buftig, mit Spitzen verziert, mit Maschen ober Herabslattemden Enten. Vorherrschen!) her Herrenbinter als Kravatte zu ben hochgeschlossenen Blusen. Bunter Schmuck in ben Farben zum Ensemble abgestimmt._________

schon erstaunt vor diesen Bauerngärten gestan­den und uns gefreut über die Blütenpracht und die wundervollen Farben, die uns da entgegen­leuchteten. 3a, ter Garten und die Blumen am Fenster sind der Stolz ter Bäuerin. Und tote freut fie sich, wenn wir stehenbleiben unb ihre Blumen bewundern! 3n besonderen Kisten und Töpfen werden dann noch Sommerblumen ge­zogen, die für den Friedhof bestimmt sind, denn in unfern Dörfern haben wir noch keine Gart­ner. Die Landfrau ist stolz darauf, daß auch auf den Gräbern ihrer Angehörigen die schönsten Blumen blühen. _

Aber bald beginnt auch für die Bauersfrau die Feldarbeit. Kaum sind bie Kinder auf dem Schulweg, so raffelt schon ter Wagen hin­aus, auf dem Dauer und Bäuerin sitzen. Bis knapp vor Mittag bleibt sie draußen, dann eilt sie heim, um noch vor Kindern und Dater zu Haufe zu sein und das Mittagessen zu bereiten. Das muß natürlich schnell gehen. Braten und Rachtisch gibt es nicht. Eine Milchsuppe und em Eierpfannkuchen schmecken auch nach schwerer Ar­beit gut. Der Rachmittag sieht die Frau toteter im Feld. Wollen wir es ihr da verübeln, wenn die Betten erst am Abend gemacht werten, wenn der Tisch nicht immer aufgeräumt ist unb die Stuben nicht jeden Morgen aufgezogen wer­den? Die Feldarbeit geht vor, da muß manches zurückstehen.

Eine Bauersfrau weiß, wenn sie abends spat in die Stube tritt und womöglich die Kleider ter Kleinen noch nachzusehen sind, was sie getan hat. Was ist ihr ter Achtstundentag? Den kennt sie nur vom Hörensagen. Es gibt viele, log. reiche Bäuerinnen, die heute in ter Zeit der Aot ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse sel­ber in die Stadt tragen, um sie bei Bekannten! oder auf dem Markte zu verkaufen.

Eie habens nicht leicht, untere Landwirts­frauen. Roch schwerer war es frellich während des Krieges. Da ruhte fast alles auf den Schul­tern der Frau. Mit tiefer Ergriffenheit las ich in dem Buch von Pfarrer Herpel .Das Dorf auf dem Hügel" (ßißberg):

.Der,Frauen allerschwerste Arbeit aber toartet