Aus der Provinzialhauptstadi.
Gießen, den 14. Januar 1930.
Kommunalvertreter gemeßen keine Immunität.
Rach der Reichsversassung werden den Abgeordneten des Reichstages und der Landtage die Rechte der Immunität, d. h. der älnverletz licht eit. eingeräumt. Aber für die Mitglieder der kommunalen Dcrtretungskörperschaf- ten (Provinziallandtage, Kreistage, Stadtverordnetenversammlungen, Gemeindevertretungen) besteht die Immunität nicht. Diese Vertreter sind für ihre Reden und Aussprüche in den Versammlungen voll st rasrechtlich verantwort- l i ch. Wenn Mitglieder von kommunalen Körperschaften bei ihren Aeuherungen in der Versammlung gegen Strafgesetze verstoßen, so können sie ohne Rücksicht auf ihre Stellung als Vertreter ihrer Wähler zur Verantwortung gezogen werden.
Eine mildere Ansicht über die Strafbarkeit irgendeiner Behauptung könnte allerdings dann eintrcten, wenn der Redner eine Aeuherung zur Ausführung oder Verteidigung von Rechten oder zur W ahrnehmung berechtigter Interessen gemacht hat. Er ist dann nach § 193 des Strafgesetzbuchs nur insoweit strafbar, als das Vorhandensein einer Beleidigung aus der Form der Aeußcrung oder aus den Umständen, unter welchen sie geschieht, hervorgeht. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der einzelne Abgeordnete nicht nur seine eigenen Interessen, sondern auch die Interessen der in Betracht kommenden Kommune nach besten Kräften wahrzunehmen hat. Es steht daher dem Mitglied einer kommunalen Dertr:tungskörp:rschaft auch der öffentlich-rechtliche Schuh des § 193 des Strafgesetzbuchs hinsichtlich der von ihm im Interesse der Kommune getanen Aeuherung zu.
Goll gegen ein einzelnes Mitglied wegen der in der Versammlung ausgesprochenen Worte strafrechtlich vorgegangen werden, so ist hierzu eine Genehmigung der kommunalen Körperschaft nicht erforderlich. Bei Beamten, die Mitglieder einer kommunalen Körperschaft sind, wird das Recht der freien Meinungsäußerung weiter durch die besonderen Pflichten des Beamtenverhältnisses beschränkt. Heber- schreitet ein Beamter diese Grenzen bei seiner Tätigkeit in einer Selbstverwaltungskörperschaft, so kann er deswegen auf Grund des Difziplinar- rechts zur Verantwortung gezogen werden.
Wird ein Mitglied eines Kommunalparlaments beleidigt, fo kann diese Beleidigung nur von ihm s e l b st, aber nicht etwa von der kommunalen Körperschaft oder deren Vorsitzenden verfolgt werden, auch wenn die Beleidigung sich auf die Tätigkeit des Betreffenden in der kommunalen Körperschaft bezieht. Ist die Versammlung in ihrer Gesamtheit beleidigt worden, so kann der Staatsanwalt von Amts wegen nach Ermächtigung durch die Körperschaft die Strafverfolgung einleiten. Lehnt jedoch die Staatsanwaltschaft die Verfolgung ab, so können, nur die einzelnen Mitglieder vorgehen. Eine kommunale Körperschaft als solche kann keine Privatklage wegen Beleidigung erheben. Auch kann die kommunale Körperschaft sich nicht gemäß § 395 der Strafprozeßordnung dem auf Grund ihrer Ermächtigung eingeleitcten Strafverfahren als Rebenklägerin anschliehen. K. L.
Untrügliches Alter.
Wenn der Liebe süße Pein dir nicht mehr am Herzen nagt, wenn dich Gicht und Zipperlein mehr, als du verdient hast, plagt, sei kein angsterfüllter Tor, glaube mir, daß du dich irrst: Rede dir getrost nur vor, daß du hundert Jahre wirst I *
Wenn das Blut dir nicht mehr wallt, sei's im Glücke, sei's im Leid, bist du lange noch nicht alt, und zum Ende ist's noch weit.
Wenn dein Haar auch dünn und weiß, zeige dich als Optimist, — das ist lang noch kein Beweis, daß du altes Eisen bist.
*
Aber, wenn dir Freunde nahn:
„M enschl Sie machen sich heraus! Denn seit wir zuletzt uns sahn, sehen Sie viel jünger aus..." Dann wirds langsam für dich Zeit, daß du strenger auf dich siehst, und auch bei Gelegenheit, die Bilanz des Lebens ziehst!
Puck.
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 130 bis 170 Pfennig das Pfund, Matte 30 bis 35, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben 12 bis 15, Rote Rüben 12 bis 15, Spinat 25 bis 35, Sinter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 35 bis 40, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 70 bis 90, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 80, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4,5 bis 5, Aepfel 10 bis 15, Birnen 10 bis 15. Dörrobst 30 bis 35, Endivien 80 bis 100, Honig 40 bis 50, Junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 110 bis 130, Rüsse 50 bis 80 Pfennig das Pfund: Käse (zehn Stück) 60 bis 140), Tauben 70 bis 90 Pfennig das Stück, Blumenkohl 50 bis 80, Salat 30 bis 40, Obcrkohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40, Kisten-Eier 16 bis 17, frische Landeier 17 bis 19 Pfennig das Stück: Kartoffeln 3,80 bis 4 Mark der Zentner, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 7 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, Aepfel 10 bis 12, Dirnen 8 bis 10 Mark der Zentner.
Bornotizen.
— Tage skatender für Dienstag. Stadt- thcater: „Tobias Wunderlich", 20 bis 22.15 Uhr. — Stadtmission. Löberstraße 14: Bibelkurs, 20.15 Uhr. — Volkshochschule: „Betrachtungen von Kunstwerken", Vortrag von Professor H. Keller (Friedberg), 20 Uhr, Universität. — Oeffentlicher Vortrag „Die Wunderkuren in Gallspach", 20 Uhr, in der „Stadt Lich". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Links der Isar — rechts der Spree" und „Kamerad Slag". — Astoria-Lichtspiele: „Der rätselhafte Club" und „Flucht vor Blond".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend 20 Uhr findet die letzte Aufführung von „Tobias Wunderlich",
Hessen als Teilhaber -er preag.
Wölfersheim und die oberhessischen Gruben an die preag abgetreten. — Hessens Anteil 4,2 Millionen.
2D 511. Darmsladk. 13. Jan. Don amtlicher Seile wird mitgeteilt: Zwischen der hessischen Regierung und der Preußischen Liek- t r i; i t ä t s - A. - G. haben Derhandlungen statt- gesunden, die zu einer Beteinbarung geführt haben, aus Grund deren dec Bolksslaat Hessen seine Aktienbeleiligung an der hef rag (Hessen-Frank- suter-A.-G.) und seine oberhessischen Gruben an die Preag abtritt. Als Gegenleistung wird Hessen an der Preag beteiligt werden. Die Zustimmung des hessischen Landtags zu der getroffenen Beteinbarung wird bei der nächten Tagung eingeholt werden.
Wird die Gewerkschaft „Friedrich" stillqelegt?
-s- Trais-Horlofs, 13. Jan. Die Gewerk- ch a f t „Friedrich" hat ihren sämtlichen Arbeitern und Angestellten, insgesamt etwa 300 Per-
dramatische Legende von Heinz Ortner, statt. — Morgen, Mittwoch, erste Wiederholung des Sen- ationsstückes „Der Geisterzug". — Freitag, 17. Januar, „Khrih-Pyrih", Pofe mit Gesang. — Sonntag, 19. Januar, zusammen mit dem Goethe- Bund, 3. Tag im Kammerfpielzyklus, „Senta Maria", die bekannte Tänzerin, in ihren Tänzen und Pantomimen. Die Veranstaltung findet vormittags 11.30 und abends 20.30 Uhr statt. Abends 18 Uhr wird „Desire", Komödie in drei Akten von Sascha Guitry, die im vorigen Sommer einen großen Erfolg im Kurtheater in Dad-Rauheim hatte, aufgeführt. Einmalige Wiederholung dieses Stückes. Es steht zur Zeit auf dem Berliner Spielplan und hat da sowie an den größten Provinztheatern einen durchschlagenden Erfolg. — In Vorbereitung „Die andere Seite", Drama in drei Akten (Spielleitung der Intendant).
— Der Kaufmännische Verein und Ortsgewerbeverein veranstalten am Donnerstag, 16. Januar, einen Heiteren Vortragsabend, wozu Alex. Starke gewonnen ist. Dem Vortragskünstler geht, wie man uns schreibt, ein guter Rus voraus als Humorist feiner Art, bei Der ^ierz und Gemüt köstliche Stunden erleben. Räheres siehe heutige Anzeige.
•
* Die Feldgeschworenen der Gemeinden des Kreises Gießen, etwa 60 an der Zahl, versammelten sich am Sonntag im hiesigen Bahnhofshotel, um über eine Erhöhung der Gebührensätze für die Tätigkeit der Feldge- schworenen (Sehen der Grenzsteine bei Vermessungen durch Geometer) zu beraten. Aus fast allen Gemeinden des Kreises waren Vertreter erschienen. Der Versammlungseinberuser, Feldgeschworener Schlund, Hungen, begrüßte die zahlreich erschienenen Herren und gab zum Gegenstand der Tagung seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß die zur Zeit noch bestehenden, kreisamtlich schon vor Jahren festgesetzten -Oebübren- sähe für die Tätigkeit der Feldgeschworenen mit 4,50 Mk. für einen Geschworenen pro Tag als nicht mehr den heutigen Zeitverhältnissen angepaßt gelten könnten. Es sei an der Zeit, die Gebührensätze den allgemeinen Lohnverhältnissen entsprechend zu erhöhen. Rach reger Aussprache, an der sich als Feldgeschworener der Stadt Gießen , das Stadtratsmitglied Schwieder beteiligte, einigte man sich dahin, einen Tagesgebührensatz von 8,00 Mk. bei dem Kreisamt Gießen zu beantragen. Die Annahme einer dementsprechenden Entschließung bildete den Schluß der Versammlung.
RDV. Der Speisewagen ist für alle Reisenden d a. Es ist in letzter Zeit wieder vielfach zu beobachten, daß sich Reisende besonders bei kürzeren Strecken in den Speisewagen sehen und dort bei einer Tasse Kaffee oder dergleichen während der ganzen Fahrt sitzen bleiben. Diese Reisenden weigern sich dann häufig noch, bei stark besetztem Wagen ihre Plätze für andere Gäste frei zu machen, so daß immer wieder Beschwerden der dadurch benachteiligten Reisenden einlaufen. Die Reichsbahn ersucht deshalb in einem Runderlaß baä Zug- und Speisewagen- personal, gemeinsam auf die Beseitigung dieses Mißstandes hinzuwirken. Gleichzeitig w.rd aber auch an das reisende Publikum die Bitte gerichtet, dem Personal die Ausübung seines anstrengenden Dienstes nicht zu erschweren, vielmehr besonders bei starkem Verkehr von selbst nach Einnahme der Speise oder des Getränks den Speisewagen alsbald wieder zu verlassen, damit andere Reisende nicht an ihrem Anrecht auf Benutzung des Speisewagens außerhalb der Hauptmahlzeiten gehindert werden. Der Speisewagen soll nicht nur einzelnen, sondern allen Mitreisenden des Zuges zur Verfügung stehen!
** D i e Altersvereinigung 1 8 70 — 1 920 hielt am Samstagabend im „Aquarium" unter der Leitung ihres Vorsitzenden, Stadtratsmitglieds S ch w i e d e r, eine Hauptversammlung ab, in der man sich mit den Veranstaltungen der Vereinigung anläßlich des 60. Geburtstages ihrer Mitglieder im Verlause des Jahres 1930 beschäftigte. Es wurde beschlossen, zur Feier des 60. Lebensjahres an einem Sonntag der nächsten Zeit einen gemeinsamen Kirchgang in die Stadtkirche zu veranstalten, die Gräber der verstorbenen Alterskameraden zum Zeichen treuen Gedenkens zu schmücken, zwei gemeinschaftliche Essen zu arrangieren, einen Kommers in die Wege zu leiten und schließlich noch eine Familienfeier im Philvsvpbenwald zu veranstalten.
’• V. H. C. Frühling im Januar! Dieser Gedanke mag manchem der nahezu. 80 Teilnehmer anläßlich der ersten Vereinswanderung 1930 des V. H. C. Gießen am vergangenen Sonntag beseelt haben. Es war auch ein Tag, wie ^u einer frisch-fröhlichen Wanderung geschaffen. Heller Sonnenschein lag über der Landschaft, und eine selten-klare Luft ermöglichte einen weiten Fernblick. Dies kam zuerst auf der Höhe hinter Klern- Linden, das durchschritten wurde, zur vollen Geltung. Rach der Frühstückspause in Münchholzhausen wurde der Wald erreicht, wo man die herrschende frische Brise weniger empfand. An zahllosen Haselstauden mit ihren schon grünlich schimmernden Blütep vorüber ging es in mäßigem Anstieg hinauf zum Stoppelberg, von dessen neuerrichtetem steinernen Turm man eine herrliche Rundschau genoß. Am Fuße des Berges sah man die alte Reichsstadt Wetzlar mit der Ruine Kalsmunt, sowie das breite Lahntal mit unseren
f o ne n , zum nächslmögllchslen Termin gekündigt. Aus Rationalisierungsgründen Ist beabsichtigt, den 5chwelwerkbetrleb der hiesigen Grube mit dem Betrieb von Wölfers- heim zu vereinigen, da das Eigentumsrecht an den Anlagen in Wolfersheim und in Trais-Horloff jetzt in einer Hand, nämlich der der Preag (Preußische Elektrizitäts-A.-G.) vereinigt ist. Ob und welche Betonierungen bei der Grube „Friedrich" hinsichtlich der weiteren Kohlengewinnung vorgenommen werden, steht zur Zeit noch nicht fest.
Oie Beteiligung Hessens an der preag.
Rachbarburgen und dem Dunsberg, während in der Feme die schneebedeckten Höhen des Vogelsberges, des Taunus' und des Westerwaldes, sowie die Hinterländer Berge mit dem Rimberg und der Sackpfeife deutlich sichtbar waren. Der Abstieg erfolgte dem Lahnhöhenweg nach über das Kitschwäldchen zum Endziel Wetzlar, wo bei (Sang, Tanz und einigen vortrefflichen Klaviervorträgen eines Vereinsmitgliedes Rast bis zur Heimfahrt gemacht wurde.
Oberheffen.
Oie Schotiener Gemeinderatswahl gültig. — Ein Rückblick.
X. Schotten, 13. Ian. Gegen die im November stattgehabte Wahl zum Gemeinderat der Stadt war reklamiert worden, da angeblich Unregelmäßigkeiten vorgekommen fein füllten. Es sollten andere Personen als der Wähler, z. B. Ehemann für feine Frau, das Kreuz in den Kreis des Stimmzettels gemacht haben. Der Kreisausfchuß des Kreises hatte die erhobene Reklamation zurückgewiesen. Weitere Berufung war gegen das Urteil nicht eingelegt worden, die Wahl ist daher rechtsgültig geworden.
Der alte Gemeinderat versammelte sich nun am Freitag im Rathaus zu seiner letzten Sitzung. Verschiedene kleinere Punkte wurden noch erledigt, die Abrechnung der 1928er Rechnung entgegengenommen, die Iuxplätze für die kommenden Märkten vergeben u. dgl. m. Danach gab Bürgermeister Menget einen Rückblick über das vom seitherigen Gemeinderat Geleistete. Es war die arbeite- und erfolgreichste Wahlperiode Eine Reihe von Häusern, Beamtenwohnhaus an Alter Straße, Familienwohnhaus in der Vogelsberg-Straße, Jugendherberge u. a. m. hat_ der alte Gemeinderat erbauen lassen. Das schönste Denkmal hat er sich durch die Erbauung des städtischen Krankenhauses, das als großer Segen für Stadt und Umgebung empfunden wird, gesetzt. Die Straßen wurden instand gesetzt, mit Fußsteigen und Kleinpflaster versehen, die Kanalisation der Stadt fertiggestellt, die Wasserleitung wurde ausgewechselt, die Quellen neu gefaßt. Der Marktplatz wurde erweitert, viel Wald aufgeforstet, kurzum auf jedem Gebiet der Gemeindeverwaltung hat der alte Gemeinderat fortschrittlich gearbeitet. Der aufrichtige Dank der Stadtverwaltung wurde ihm ausgesprochen. Die Hälfte des seitherigen Gemeinderats scheidet aus.
Aufhebung des Amtsgerichtes in Bad-Nauheim?
Bad-Nauheim, 13. Jan. (WSN.) Gerüchten zufolge soll auch das hiesige Amtsgericht ein Opfer der Abbaumaßnahmen werden. Es wird davon gesprochen, daß hier nur eine Neben» stelle des Amtsgerichts Friedberg bestehen bleiben solle.
Landkreis Gießen.
* Klein-Linden, 13.3an. In der Wirtschaft „Zur Burg" sprach am Samstagabend vor Freunden der Heimatvereinigung Frau Dr. Reumann, Gießen, über das Thema „Schwer erziehbare Kinder". An der Hand von Beispielen aus der Praxis schilderte die Rednerin die Crzieherarbeit an dem „einzigen" Kind und die Erziehung von zwei Geschwistern. Bedauerlicherweise wird den Vorträgen nur wenig Interesse entgegengebracht: der Vortrag war, wie auch der erste dieser Art, überaus schlecht besucht. Lehrer Roth dankte der Rednerin für ihre interessanten Ausführungen, die eine lebhafte Aussprache zur Folge hatten.
LJ Großen-Linden, 13. Ian. Am Samstag hielt Der hiesige K r i e g e r v e r e i n sein diesjähriges Winter vergnügen im Schaumschen Saale ab, der sehr stark beseht war. Rach einem flotten Eröffnungsmarsch begrüßte der erste Vorsitzende des Vereins, Wilhelm P o st, die zahlreichen Gäste und Kameraden, ganz besonders die drei Altveteranen Weber, Müller und Menges. In einem kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr gedachte er neben der deutschen Rot auch der weiteren Rheinlandräumung. Ferner gedachte et der gefallenen Kameraden, worauf stehend das Lied „Ich hatt' einen Kameraden" gesungen wurde. Die Ansprache schloß mit einem Hoch auf das Vaterland. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein flott gespieltes, drei- aktiges Lustspiel, dessen Aufführung lebhaften Beifall fanb. Auch der von Kamerad Dieh- mann trefflich zu Gehör gebrachte Kvstümvor- trag löste große Heiterkeit aus. Hervorzuheben sind noch die lebenden Bilder „Deutschland in Ehren", „Dem Feind entgegen", „Morgenrot" und „Ich hatt' einen Kameraden". Besonders die beiden letzteren, von Kamerad Magnus in Szene gesetzt, machten tiefen Eindruck. Das Pferdematerial h'.e zu hatte Reitle.' rerS ch ö m b s von Gießen zur Verfügung gestellt. Den musikalischen Teil der Veranstaltung hatte die Kapelle Degen (Großen-Linden) übernommen, die ihrer Aufgabe in vorzüglicher Weise gerecht wurde. Auch die neuzeitliche Dühneneinrichtung im Saalbau Schaum trug wesentlich zu dem Erfolge bei. Der Abend kann in jeder Hinsicht als wohlgelungen bezeichnet werden.
s. H u n g c n, 13. Ian. Samstagnachmittag fand im „Solmser Hof" eine Tagung deö De- ^irkslehrervereins Hungen statt. Der Vorsitzende, Lehrer Schmidt, Hungen, begrüßte die Mitglieder zur ersten Versammlung im neuen Jahre und führte als neues Mitglied Lehrer Volk, Villingen, ein. Er umriß kurz die Aufgaben, die des Vereins im neuen Jahre harrten. Lehrer B o p s, Obbornhofen, erstattete ein Referat über den Vorentwurf zu einer „Dicnstanwei- ung für die Kreisschulämter", an welches sich eine lebhafte Aussprache anschloß. Weiter wurden Vereinsangelegenheiten behandelt.
f Treis a. d. Lda., 13. Jan. Der Gesangverein „Liederkranz" dahier hielt gestern abend in Wills Saal sein diesjähriges Wintervergnügen ab, bestehend in Konzert und Theatervorführung. Rach der Begrüßungsrede des Vorsitzenden Wilhelm DeckerV. wechselten Musiktücke der Kapelle Decker hier mit GesangSvor- trägen des Vereins, den Chormeister R i k o l a i (Grohen-Duseck) mit großem Geschick leitete. Die mit feinem Verständnis bargebotenen Chöre zeigten, baß der Verein in gesanglicher Hinsicht auf der Höhe und auch schwierige Chore zu meistern versteht. Es wurden Werke von W.Ragel, AKlein, Fleischer, Raumann und anderen zu Gehör gebracht. Den Schluß des Abends brachte ein mit großem Geschick und feinem Verständnis aufge- ührtes Theaterstück: „Der Glockenguß zu Breslau", Volksstück in 3 Akten von Otto Dörner.
Kreis Friedberg.
tz Butzbach, 13. Jan. Eines sehr guten Besuches erfreute sich am Samstag die Haupt - Versammlung des Turn- und Sportvereins von 184 6, des ältesten und stärksten Vereins unserer Stadt und eines der angesehensten und leistungsfähigsten Vereine im großen Verbände des Tumgaues Hessen. Der vom ersten Sprecher, Dr. mcd. H. Rau, erstattete Jahresbericht gab ein anschauliches Bild von der erfolgreichen Jahresarbeit, die der Verein als Ganges und in seinen zahlreichen Abteilungen geleistet hat. Er betreibt nicht nur alle alten und neuzeitlichen Zweige der Leibesübung, sondern fördert auch turnerisches Geistesleben und pflegt den Gesang. Von den turnerischen Wettkämpfen im Bezirk, Gau und Kreis konnten fast 100 Der- einsangehorige als Sieger heimkehren. Beachtlich ist, daß der Verein beim Dezirkstumfest in Rieder-Mörlen und beim Gaufrauenturnen in Lich den ersten Sieg in der Oberstufe erringen konnte. Die Handball-Iugendmannschaft des Vereins wurde Gaumeister. Erfreulich zugenommen hat die Mitgliederzahl der Vereins; sie ist von 485 auf 556 gestiegen, eine Tatsache, die erneut die Turnfreudigkeit unserer Stadt bekundet, in der nun über acht Jahrzehnte die alte Turnertradition eines F. W. Weidig hochgehalten wird. Aus der Arbeit des Vereins verdient noch besondere Erwähnung, daß der Vorsitzende im abgelaufenen Jahr erstmals sportärztliche Unter«- suchungen in den Schülerabteilungen durchgesührt und damit den lebhaften Beifall der Elternschaft gefunden hat. Die Vorstandswahl erbrachte u. a. die einstimmige Wiederwahl des ersten Vorsitzenden Dr. Rau und des zweiten Sprechers, Iustiz- oberinfpektor Julius D a h m e r, ferner die Wiederwahl des Oberturnwarts Röder. Reu in den Vorstanp wurden gewählt der verdiente langjährige 1. Vorsitzende, Gauvertreter K. Schnei - der, der sein Amt vergangenes Jahr niedergelegt hat, ferner die Turnerin Ilse Schneider als zweiter Frauenturnwart. Zu Ehrenmitgliedern sind die verdienten Turner Georg Häuser und Jakob R u m p f V. ernannt worden.
# Wohnbach, 13. Ian. Gestern brach in der Hosreite des Schmiedemeisters Gustav Eifer ein Brand aus, der die Scheune vollkommen e i n ä s ch e r t e. Da die Gefahr bestand, daß das rasende Element auch noch auf das Wohnhaus übergreifen werde, wurden die Pflichtfeuerwehren von Obbornhofen, Berstadt und Wölfersheim alarmiert, von denen auch noch die erstere tatkräftig eingriff. Auch die Motorspritze von Friedberg war bald zur Stelle, doch waren die Flammen schon derart bekämpft, daß sie nicht mehr einzugreifen brauchte. Der Schaden ist ziemlich beträchtlich, doch ist er durch Versicherung gedeckt. Heber die Brandursache ist nichts bekannt.
Kreis Alsfeld.
L Höingen, 13. Ian. Ein Unfall, der leicht schlimme Folgen hätte haben können, ereignete sich in unserer Schule. Die Kleider eines Mädchens, das beim Ofen beschäftigt war, fingen plötzlich Feuer, die Flammen wurden aber schnell unter einer Umhüllung erstickt. Dem raschen Zugreifen des Lehrers ist es zu danken, daß ein schreckliches Unglück vermieden wurde.
L Homberg a. d. Oh m, 12. Ian. Auf der Straße zwischen Gontershausen und Deckenbach ereignete sich in den frühen Morgenstunden am vergangenen Donnerstag ein Unfall. Ein jugendlicher Radfahrer, dessen Rad bei der Fahrt den Berg herunter plötzlich versagte, stürzte, zog sich jedoch zum Glück feine schlimmen Verletzungen zu. Sein Rad bergwärts schleppend, rannte plötzlich ein zweiter Radfahrer, der infolge der Morgendämmerung und des Rebels ihn nicht gesehen hatte, den furz vorher erst Verunglückter! um. Ersterer kam wiederum mit dem Schrecken davon, der zweite stürzte jedoch so schlimm, daß er einen Schlüsselbeinbruch davontrug.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
ch Riederkleen, 13. Ian. Heute abend gegen 10 Uhr fand in der hiesigen Gemeinde Feueralarm statt. Es brannte das Wohnhaus des Zimmermannes Karl Brück am Schneiderberg. Da das Feuer im Entstehen bemerkt wurde, konnte es durch die Hausbewohner selbst in kurzer Zeit gelöscht werden. Die hiesige Pflichtfeuerwehr brauchte bei ihrem Ein- tresfen an der Brandstelle nicht mehr in Tätigkeit'zu treten. Heber die Entstehungsursache des Brandes ist bisher nichts bekannt geworden.
An der Papageienkrankheit gestorben.
Frankfurt a.M., 13.Jan. (WSN.) Der cm 8. Januar in das städtische Krankenbaus eingelieferte Kranke aus Oberursel, bei Dem Der klinische Verlauf durchaus für Papageienkrankheit spricht, ist in Der Nacht auf Montag v e r st o r b e n. Weitere Aufnahmen verDächtiger Fälle sinD bisher nicht erfolgt.
ID 571. Frankfurt a. Dl., 13. Jan. IDie wir von der Preag (Preußische (ktektrizitäts-A.-G.) erfahren, wird Hessen mit 4,2 Millionen Blatt an der Preag beteiligt werden.


