Ur. 292 Mstes Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Samstag, p. Dezember syzo
Onkel Toms Hütte.
Kampleben im jje!lowstone-park. — */3uv Freude und zum Wohle des Volkes.'"
Don unserer M. T.-Äorrefoonbentin.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Einer der segensreichsten Beschlüsse für die Menschheit — wenn man amerikanische Verhältnisse schildert, kommt man bekanntlich ohne Superlative nicht aus —, also einer der segensreichsten und menschenfreundlichsten Kongretz- beschlüsse ist derjenige, der schon 1872 den Vellowstone-Park im westlichen Frlscn- gebirge von Nordamerika -um Naturschutzgebiet erklärte. DicS vulkanische Gebiet in einer Höhe von reichlich 2300 Metern und von der Gröhe des halben Württemberg, mit seinen hundert gewaltigen Geyfern, seinen unzähligen kalten und kochend heißen Quellen von wunderbarem grünen und blauen Farbenspiel, di'S Zauberland mit seinen prächtigen ©artend und tosenden Wasserfällen, mit feiner mannigfaltigen Flora und Fauna gehört allein der Natur. Kein Daum wird gefällt, keine Blume gepflückt, kein Gestein gesprengt, kein Tier gejagt. Der Gewinnsucht deS Menschen wird hier ein energisches Halt geboten, aber die Schönheit einer Märchenwelt ihm bereitwilligst bis an die Grenze des Möglichen zugänglich gemacht.
Drei Tage und drei Nächte muh man fahren, will man von Neuyork aus dies Stück Erde erreichen. Für einen Amerikaner, der sich innerhalb weniger Minuten entschließt, nur mit einer kleinen Handtasche versehen, eine mehrtägige Eisenbahn- oder Autofahrt anzutreten. ist diese Neise nur ein Trip, ein Ausfl u g. Aber auch der im Reisen schwerfälligere Europäer mag getrost den langen Anmarsch wagen, eS winkt ihm Lohn, der reichlich lohnet.
Die Fahrt im pullman car mit Schlaf- und Speisewagen und Observation car (offener Beob- achtunaswagen) mit warmem Bad und kleinem Lchreibraum und fürsorglicher Betreuung durch den schwarzen porter ist selbst bei Hitze nicht besonders anstrengend. Aber auch etwaige Unbe- quemlichkeiten sind im Umsehen vergessen, wenn man in den geräumigen gelben Reiseautos durch einS der fünf mächtigen Eingangstore desVellow- stcne-Patls rollt. Und so ergießt sich denn zur parkseason, von Mitte Juni bis Mitte September — zu anderer Zeit verbieten die Witterungsverhältnisse den Besuch — ein Heer von Reisenden in diesen Naturpark, um ihn teils in eigenen, teils in den Reiseautos der Transportation Co. für Tage oder Wochen zu genießen. .Zur Freude und zum Wohle des Vvl- k e s" steht weithin lesbar über der Eingangspforte bei Gardiner. Und man hat den Eindruck, daß der Amerikaner dieses Eigentum seiner Nation mit einer gewissen sehr unamerikanischen Andacht und Sorgfalt behandelt. Er wirft nicht seine Zeitungen von dem bekannten Riesenformat achtlos in die Gegend, so daß harmlose Fußgänger darin stecken bleiben (der Strand von Atlantic City, dem großen Seebade in der Nähe von Philadelphia, und noch viel mehr der von Coney Island lebt als einziger großer Müllhaufen in meiner Erinnerung), er rast auch nicht von Attraktion zu Attraktion: er genießt in Muße die Wunder der Natur, und was das Erstaunlichste ist von allem: er geht hier spazieren. Geht richtig spazieren, wie seine europäischen Vettern, trotz Ford und General Motors. Er, dessen nächste Generation, wie mir ein Amerikaner sagte. In Gefahr ist, eine Sitzgeneration zu werden, er wandert hier auf den kilometer- langen trails, den alten Indianerpfaden, die sorg-
Oer Dreizehnte.
Vornan von Anny von panhnyS.
Copyright 1929 by Verlag Bechttzold Drauntchwetg 27 ftortlcfiunQ Nachdruck verboten
.Ich meine es doch nur gut mit dem Jungen. Das fremdartige Geschöpf paßt nicht in den Rahmen unserer Stadt, und man würde klatschen, nachdem nun eure öffentliche Verlobung schon nichts geworden." Sie rang die Hände. .0 du lieber Himmel, was gäbe das unter unseren 'Bekannten für eine Rederei. Man könnte sich kaum noch blicken lassen."
.Wenn das auch eine Sorge ist, Frau Daurat", hielt ihr Eva entgegen, .bann wissen Eie nicht, was Sorgen sind. Daraus dürfen Sie es ruhig ankommen lassen. Paquita hat den Vorzug, sehr schnell die Herzen ihrer Mitmenschen zu ge- toinnqn“
Der Baurat sagte lässig: .Ich sehe der weiteren Entwicklung der Dinge mit größter Gemütsruhe entgegen. Wir haben ja nur den einen Jungen, warum soll man ihm da in Dinge hineinmantschen, die wirklich nur seine eigenen Angelegenheiten sind? Weißt du noch. Frau. waS für Aerger ich mit meinem Vater deinetwegen hatte? Himmel, war der rabiat! Und was hast du geheult! Tage und Nächte, ständig lebtest du im Ueber- schwemmungszustand. Und nun bist du der Ansicht, wenn du mal vor x Jahren so viel geheult hast, gönnst du anderen auch daS zweifelhafte Glück. Nur weil ein paar Unken klatschen könnten. Laß sie klatschen, einmal müssen sie wieder aushören." Er ri.b scine Hände. .Ich wasche meine Hände in Unschuld. Und heute mittag begleite ich meinen Filius zur Audienz an den Lattenzaun, um mir das spanische Mädel mal von nahe zu betrachten."
.Das wirst du nicht tun“, empörte sich seine Frau.
.Das werde ich doch tun, mein Schatz, ich sehe auch gern mal was Apartes und Junges. Gucken kostet ja nichts."
Frau Felsen wußte, weirn ihr Mann .mein Schah" sagte, bann tat er Immer, was er wollte
Sie seufzte sehr betont: .Meinetwegen! Ich habe es nur gut gemeint, aber ich kümmere mich um gar nichts mehr."
Der Daurat lachte. .Wäre eS denn besser, wenn Hans feiner Grete, ich meine natürlich seiner Sva, nachhealen würde wie ein Kettenhund? Erst hat er sich ja auch angestellt, und da schwurst du der bösen blonden Nachbarin Fehde in allen Tonarten, beklagtest deinen armen Jungen und gabst ihm den guten Rat, er solle sich nur recht rasch eine andere Liebste anschaffen. Na also, weiter hat er doch nichts gemacht. Er hat
fällig erhalten werden und zu einer Fülle von botanischen, zoologischen und geologischen Seltenheiten führen.
Es ist das Verdienst dreier großer Gesellschaften. der Hotel-, der Camp- und der Transportation Company, die sämtlich unter Regierungsaufsicht stehen, das Derweilen in diesem wildprächtigen und nicht ungefährlichen Gebiet zu einem Genuß und einer der schönsten Erinnerungen zu machen. Holt man sich in Neuyork oder Chikago im Reisebureau die Fahrkarten für den Yellowstone trip, so wird man gefragt, ob man im Hotel oder Kamp logieren will. Kamp- leben imVellowstone-Parkist das Entzückendste und Erholsamste, was man sich denken kann, und, weil fremdartig, besonders reizvoll für den Europäer.
Was soll man sich nun vorstellen unter einem Kamp? Einen Hotel'e rieb mit ge chultem Personal und allem erdenklichen Komfort, wie et üblich ist in den amerilanischen Hotels der Städte und Badeorte? Ober einen einfachen Lagerplatz mit Zelten. Feuerplähen und Trink- Wasserstellen? Cs ist keins von beiden und beides zugleich. Ausgeschalle sind die häufig den Natur- genuß so störend« Hotelatmosphäre, und an- derer eits all die Unbequemlichkeiten, die em Zettle ^en in der Wildnis nun einmal mit sich bringt.
Die Kamps sind kleine Siedlungen von einigen hundert Blockhütten für 1, 2 und 4 Perionen. Malerisch verstreut, aus rohen Baumstämmen hergestellt, liegen diese kleinen cabins im Walde, am Seeufer, ziehen sich bergab und bergauf am brausenden Gebirgsbach entlang, gruppieren sich um einen gewaltigen Geyser und bieten, je nach Geschmack, für Tage oder Wochen dem Reisenden ein zwar einfaches, aber blitzsauberes und wohnliches Eigenheim. Onkel Toms Hütte der Kinderzeit ist Wirklichkeit geworden! Ein bequemes Bett, ein Tisch, ein Stuhl, ein Waschtisch, einige Haken in den Wand- ballen und ein kleines eisernes Oefchen mit danebenliegendem Holzvorrat und — elektrisches Licht bilden die ganze Einrichtung. Ist es am Tage auch sehr heiß — die Rächte sind empfindlich kühl, und mehr als einmal bin ich in der Nacht um 2 Uhr auf gestanden und habe schnell ein wärmendes Feuerchen angemacht.
Zentralpunkt dieser kleinen Waldstätte ist stets ein ausgedehntes Wirtschaftsgebäude mit Eingangshalle (lobby) und Gesellschaftsraum (re- creation hall) in riesigen Ausmaßen und einem Speisesaal für mehrere hundert Personen, einer Derlaufshalle und last not least einem stets umlagerten Ausschank von Limonaden und Eiswasser, den sogenannten „soft drinks“.
Gewöhnlich um die Mittagszeit fahren in langer Kette die Auws mit den Reisenden vor der „lobby“ vor. „Hallo, folks, there you arel“ tönt eine Helle Mädchenstimme zur Begrüßung, und flinke Boh's Hände ergreifen sofort das Gebäck. um nach Anmeldung in der lobby den Gast zu dem ihm zugeteilten Waldhäuschen zu geleiten. Wer Lust verspürt, mag noch schnell einem der Wasch- und Badehäuser einen Besuch abftatten, um dann erwartungsvoll den großen Speisesaal in der „inn" oder .Jodge“ zu betreten. Stets von neuem ist man überrascht und ungezogen von den Ausmaßen und der Art der Anlage solcher lodges. Das ganze Gebäude ist ans Holz errichtet, uns Deutsche an germanische (Se
mir deinen klugen mütterlichen Rat befolgt. Also mein Liebchen, was willst du noch mehr?“
Eva sagte hastig: .Ich habe noch vieles für meine Abreise vorzubereiten. Ich darf jetzt wohl gehen."
.Jawohl, bewilligt, meine liebe Exschwiegertochter'', gab der Baurat vergnügt zurück, .sintemalen ich nun aach allerlei Dorbereitungen zu treffen habe für die Audienz am Lattenzaun, die ich heute mitmachen ward«. Ich muß mich noch rasieren."
Eva lachte und Frau Felsen zog einen etwas schiefen Mund.
Gleich nach dem Essen fprang HanS, wie in letzter Zeit täglich, gleich nach Tisch auf, murmelte etwas, was man nicht verstand, und wollte das Zimmer verlassen.
Sein Dater erhob sich auch.
.Ich möchte dich heute begleiten, Hans, denn schließlich bin ich auf die Idee gekommen, hinter deiner feurigen Begeisterung muh doch ein bißchen was Besonderes stecken. Weißt du, ich möchte mir Evas spanischen Besuch mal von nahe an- gucken. Sei nett, nimm deinen Dater mit in den Garten."
Hans Felsen sah den Dater verblüfft an und sand im ersten Augenblick gar keine Erwiderung. Dann aber glitt ein Lächeln um seine Lippen.
.Natürlich, komm nur mit, Dater. Ich finde die Idee von dir übrigens ganz glänzend." Er faßte den Dater unter. .Komm schnell, wir wollen Paquita nicht warten lassen."
.Paquita?" staunte der Aelteve, .nennst du sie denn so?"
.Natürlich", gab der Jüngere fast stolz zurück, .sie hat mir erlaubt, sie so zu nennen, Sennorita Casanovas ist ihr doch zu lang.“
.Diel zu lang“, spöttelte der Dater gutmütig, .ich denke mir, sie nennt dich aus demselben Grund Hans, nicht wahr?“
.Nein, sie nennt mich ein bißchen umständlich Eennor 'Ans Felsen. Ein H sprechen die Spanier nämlich nicht aus, aber es klingt samos und da macht denn die Länge nichts."
Der Baurat lachte: .Nun also los, ich bin neugierig, mal nahe ran zu gehen an daS Wundermädchen.“
Frau Felsen klapperte etwas erregt mit dem Geschirr.
Felsen neckte: .Willst du und begleiten, Schatz?"
Eie wandte sich ab.
.Fädelt nur beide eine Dummheit ein, und bann seht, wie ihr wieder herauskommt. Ich helfe euch nicht."
.Es wird keine Dummheit, du allerbeste, glaube es mir. Weißt du, Mutter, es ist die richtige große Liebe, sonst hätte ich nicht, seit ich Paquita kenne, sofort jeden Gedanken an Eva über Bord werfen können! Nein, über Bord werfen
Höfte erinnernd. Gewaltige rohe Baumstämme sind die Säulen und Träger, Tische und Stühle sind aus ungeschättem Holz geschmackvoll gearbeitet und die Wände mit Erzeugnissen indianischer Handfertigkeit geschmückt. Ein riesiger Kamin in der recreation hall mit hell loderndem Feuer und bequemen Schaukelstühlen davor, ohne die bekanntlich ein Amerikaner nicht zu denken ist, lassen jeden Gast, auch den von abroad, sofort sich wohl und heimisch fühlen.
3m Epeisesaal wartet unser eine neue ilcbcr- raschung. 400 bis 600 hungrige Wägen sollen hier zu gleicher Zeit befriedigt werden. An Tischen zu je acht Gedecken wird gespeist: reichlich und ganz vorzüglich. Nirgends in den Bereinigten Staaten habe ich so gut gegessen wie in den Yellowstone Camps. Aber weder weiße Kellner in schwarzen Fräcken, noch schwarze Kellner in weihen Fräcken, die sonst übrigens sehr dekorativ wirken — eilen hier geschäftig hin und her. Wohlerzogene Haustöchter bedienen anmutig und mit stets gleichbleibender Freundlichkeit die Gäste, und gewandte boys unterstützen sie im Zubringen der Speisen und Abträgen des Geschirrs. Dieselben girls und boys treten wir morgens beim Reinigen unseries Waldhäuschens wieder. Während die girls den Raum fegen, die Betten abziehen — jeder Gast erhält täglich frische Handtücher und Bettwäsche —, schaffen die boys die Wäsche aus Karren ins Waschhaus, holen Wasser herbei und richten den Ofen zu neuem Gebrauch. Wir finden die Mädels wieder in der Küche und im Waschhause, die Jungen im Geschirrwaschraum und am Schuhputzerstand.
Wer ist die junge lustige Gesellschaft, die lachend und scherzend stets höflich und zuvorkommend jede Arbeit bereitwilligst ausführt, dem Kampleben seinen Stempel aufdrückt, eine Atmosphäre schaf end von Frohsinn und Sorglosigkeit, Wohlerzogenheit und Behaglichkeit, die niemals ihre Wirbang verfehlt auf den Gast? Es ist der Typus des amerikanischen Werkstudenten, den wir hier vor uns haben. Ein Typus, wie ihn nur ein Land hervorbringen kann, dessen Demokratie tief im Dollsbewuhtsein wurzelt, ein Land, das die Arbeit ehrt in jeder Gestalt, das nicht fragt nach Abstammung, Herkommen, Stand des Daters und Konfession, sondern persönliche Tüchtigkeit allein gelten läßt.
Hier in die fünf Kamps des Vellowstone-Parks kommen sie jährlich aus allen Staaten, um in den Ferien fich ihren Unterhalt zu verdienen. Groß ist die Nachfrage, und bei weitem nicht alle, die es möchten, werden zugelassen. Don 8000 Bewerbern sind im letzten Jahre 700 auSgewählt worden, die von ihren Hochschulen als besonders
tüchtig, zuverlässig und — WaS hoch gewertet wird — wohlerzogen und gesellschaftlich gewandt empfohlen sind. Sie erhalten Wohnung. Der- pflegung und eine Leine Entschädigung, verdienen aber am meisten durch Trinkgelder. Wir lernten in einem Kamp einen Schuhputzer kennen, der, da deutscher Abstammung, auf die Nachricht hin. es seien zwei Deutsche unter den Gästen, uns zwei Tage lang suchte. Als er unser endlich habhaft geworden war, begrüßte er und strahlend, als habe er die ganze Zeit auf und gewartet und veranstaltete uns zu Ehren einen Lieder- und Lautcnabend, auf dem doch wieder, wie wir das so oft in USA. erlebten, d i e deutschen Lieder den lautesten Beifall fanden. Er verdient« 50 Dollar im Monat und trieb in seiner freien Zeit geologische und andere Studien. Epllhn ihm diele Zeilen zu Gesicht kommen, so nehm« er sie als Gruß und Dank für genußreiche Stunden.
Diele Studenten kommen aus Kalifornien, dem Land der Blumen und Früchte und bringen die strahlende He.t'rkeit, den Frohsinn und die Sorglosigkeit ihres Landes mit. Eie sorgen auch für Unterhaltung der Gäste. Draußen im rauschenden Wald, am Seeufer oder angesichts der auszischen- den Geyser versammeln sich abends die Gäste. Aus Baumstämmen oder roh gezimmerten Danken gruppieren sie sich um ein hell loderndes Lagerfeuer und lauschen den 'Darbietungen der „rats“ und „cats". Musikalische Vorführungen wechseln mit Längen und komischen Theaterstücken: dazwischen läuft auch mal ein belehrender Vortrag über Tier- und Pflanzenwelt und fow- ftige Sehenswürdigkeiten des Vellowstone-Park. Und wird es draußen zu ungemütlich — es ist weniger die abendliche Kühle als die Moskitoplage, die einen vertreibt — versammelt sich alles in der großen Halle. Jeder kommt wie es ihm genehm, im Abendkleid, im Touristenkostüm, im Straßenanzug, im Gesellschaftskleid. Frei von jedem Dünkel tanzen dort Studenten und Dollar- könige, Arbeiter und Universitätsprofessoren. Ein Geist der Brüderlichkeit, charakteristisch für das Wesen des Amerikaners überhaupt, der keine Klassengegensätze kennt, und nicht wegzudenken hier aus der wilden Natur, die die Menschen wieder zu Menschlein macht.
Und dann sucht man in tiefer Nacht sein Waldhäuschen auf, um, wie in Kinderzeit sorgenlos, erwartungsfreudig dem neuen Tag entgegenzuschlafen dem neuen Tag, der wieder Sonne bringt und frohe Menschen und Naturschönheiten ohne Ende und in steter Steigerung.
Kampleben im Vellowstone-Park Ist bad Entzückendste und Erholsamste, toad man sich denken kann
Gegen die
Schotten zu Geldopfern für sein Kreisamt bereit.
<70 Schotten, 12. Dez. Der Gemeinderat nahm in seiner gestrigen Sitzung erneut Stellung gegen d i e geplante Auflösung unseres Kreises. Große Erregung hat sich der Gemüter in Stadt und Kreis über dieses drohende Unglück bemächtigt. Aus vielen Zuschriften, die die Stadt erhielt, spricht das Treuegelöbnis der Kreis- beoölkerung mit der Kreisstadt, mit der sie schon fast ein Jahrhundert verbunden ist. Der G e • m e i n b e r a t ist sich darin völlig einig daß mit der Verlegung des Kreisamtes von Schotten der wirtschaftliche und finanzielle Zusammenbruch der Stadt unlöslich verbunden ist.
in Hessen
(Er beschloß daher einstimmig, dem hessischen Staat zu den Verwaltungsunkosten des hiesigen Kreisamtes einen angemessenen Beitrag zu leisten, damit da» Amt der Stabt unb dem
Kreis erhalten bleibt.
Dieses Opfer bringt die Stadt um so eher, als im Falle der Verlegung die die Bevölkerung treffenden neuen Unkosten unb Lasten weit höher wären lieber bie Höhe biefes Beitrags soll noch eine Der- ftänbigung mit bem Staat ftattfinben. Auch ber Kreis Schotten wirb sich unseres Wissens im Interesse ber Kreisbevölkerüng, ber ja auch mit ber Aufteilung neue Losten auferlegt werben, zu einer Beitragsleistung bereit finben. Auf biefe Weise würbe bie Ersparnis, bie sich für ben hessischen Staat burch eine Aufteilung bes Kreisamts
müssen! Es ist alles so völlig anders wie vorher mit Eva. Ich kann dir das gar nicht so beschreiben und ich käme mir fast selber etwas komisch vor, wenn ich es versuchen wollte. Ich glaube, wenn es mir gelingen würde, wäre ich ein Dichter.“
Frau Felsen schüttelte langsam den Kops.
„2Hir scheint, du bist auf dem besten Weg dazu."
Er sah sie bittend an
„Mütterchen, wir beide haben und doch immer gut verstanden du verstehst mich bestimmt auch jetzt. Versuche es mir.“
Seine Augen hatten den treuherzigen Blick eines großen Jungen, und sie dachte plötzlich ganz resolut, mochten die Verwandten und Bekannten immerhin ein bißchen klatschen über den schnellen Sinneswechsel ihres Sohnes, darauf kam es doch wirklich nicht an. Erst kam sein Wunsch, sein Glück. Und hindern konnte sie Hans ja doch nicht daran, zu tun, was er wollte. Er war alt genug, seine Handlungen zu verantworten.
Eie erinnerte sich, daß sie eigentlich, trotz aller ihrer Gegengründe, Paquita sehr hübsch und sympathisch gefunden, und daß sie sich und anderen nur Sorge und Leid schuf, wenn sie eigensinnig blieb.
Eie zuckte die Achseln.
„Geh nur, Hans, damit die Kleine nicht zu lange am Lattenzaun warten muh, es ist heute ziemlich kalt draußen.“
Da küßte Hans Felsen seine Mutter ganz rasch und ziemlich energisch auf den Mund und verschwand mit dem schmunzelnden Vater.
Am trennenden Zaun stand Paquita Casanovas, und ihre Füßchen traten immer auf dieselbe Stelle nieder. Sie fand es kalt, und die schmale, gerade Nase war rosig angehaucht.
Ihre großen Augen weiteten sich vor Staunen, als der von ihr erwartete Nachbar heute nicht allein kam. Und sie wußte, der Herr, der neben ihm ging, war sein Dater. Eva hatte ihn ihr schon einmal von weitem gezeigt.
Sie dachte erschreckt, warum kam Hans Felsen nicht allein? Sie hätte sich viel lieber mit ihm allein unterhalten. Sie würde ja nun bald abreisen. und wer weiß, ob sie den Wann, den sie sehr, sehr liebgewonnen, überhaupt noch jemals im Leben'wiedcrsehen würde.
Er hatte ihr zwar versprochen, sie bald in Spanien zu besuchen, aber was konnte nicht alles geschehen, bis es so weit war. Und vielleicht tarn der Vater nur mit, um ihr zu sagen, es gehöre sich nicht für ein junges Mädchen, jeden Tag ein Stelldichein abzuhalten und vielleicht —
Scheu duckten sich die schmalen Schulterchen, als die beiden Herren herantraten. Aber Hans sah strahlend aus, das feuerte ihren Mut an, und als sie in das Gesicht des alten Herrn blickte, hob sich ihr Köpfchen noch mehr.
„Das ist mein Vater, Paquita!" stellte Hans Felsen vor.
Paquita fand diesem freundlichen Vater gegenüber sehr schnell das ihr eigene sonnige Lächeln wieder. Sie reichte ihm die Hand und erklärte freudig: „Du sein meine Vergnügen."
Dem Daurat zuckte es um den Mund, aber er verhielt das Lachen.
„Ich freue mich, Sie kennenzulernen, mein Fräulein.“
Er fand das Persönchen entzückend und begriff seinen Sohn vollständig. Donnerwetter, da zuckte es ihm alten Krauter ja ordentlich in den Fingerspitzen, das süße Ding einmal so recht fest ans Herz zu drücken. Und diese Augen! So was von Augen war ja überhaupt noch nicht dagewesen.
Er sagte mit förmlicher Weichheit in seiner sonst so rauhen Stimme: „Kommen Sie doch zu uns herüber. Hier draußen ist es kalt. Del uns im Hause ist's schön warm. Kommen Sie, sehen Sie sich einmal unser Haus von innen an.“
Hans Felfen warf seinem Vater einen erstaunten Blick zu, in den sich Dankbarkeit mischte, und da Paquita anscheinend nicht gut verstanden hatte, begann er, sich mit ihr in der von ihnen beiden sehr eifrig geübten Zeichensprache zu unterhalten.
Daurat Felsen stand belustigt dabei. Paquita begriff jetzt, um was es sich handelte, und mit lebhaftem: Ei, fi, fil lief sie davon und wurde drüben am Gartentor schon von den zwei Herren empfangen.
Frau Felsen war zwar doch etwas verblüsft über das Eiltempo, mit dem die Liebesgeschichte voranging, aber als ihr Paquita die Hand gab und zu ihr sagte: „'Ans Felsen ’at ein Padre und eine madre viel gut, ich verwundere ihr zwei!" mußte sie lachen.
Der Daurat lachte auch. „Wir werden von ihr bewundert. Das ist doch fein, Frau, nicht wahr? Es passiert einem so selten im Leben, daß man bewundert wird. Solche Mitmenschen soll man sich sichern. Und der kleine braune Affe ist einfach fühl"
Hans lachte laut auf, und Paquita fragte: „Warum 'oben du gelacht, 'Ans Felsen?“
Der Daurat faßte seine Frau unter den Arm und meinte vergnügt: „Hans, erkläre du dem Mädel das mit dem kleinen braunen Affen. Auf deine Zeichensprache ist sie ja glänzend eingeübt.“
Hans verstand seinen guten alten Herrn, und als et allein mit Paquita Casanovas war, lieh er sich erst gar nicht auf lange Erklärungen ein, sondern legte seine Arme um dir zierliche Gestalt und küßte den sich willig daroietenden roten Mund.
„Paquita, einzige Paquita, nun bleibst du bei mir in Deutschland, nun wirst du meine Frau", sagte Hans Felsen fast inbrünstig.
(Fortsetzung folgt)


