Nr. 292 viertes Blatt
Der Staatskommissar in Hessen.
Nach dem preußischen Beispiel wird nun auch in Hessen über die Verwaltungen der Kommunen, Kreise und Provinzen die zweischneidige Einrichtung eines Staatskommissars verhängte Auf Vorschlag des hessischen Innenministers Hot der Landtag am Donnerstag einem Gesetzentwurf zugestimmt, „6er die Sicherung der Haushaltsführung der Gemeinden, Kreise und Provinzen ermöglichen soll auch in den Fällen, wo die Selbstoerwaltungs- gremien versagen". Zu diesem Zwecke soll der Innenminister für die betreffenden Gemeinden, Kreise oder Provinzen einen Staatskommissar bestellen können. Der Aufgabenkreis und das Verhältnis zwischen dem Staatskommissar und den damit „beglückten" Gemeinwesen sind aus den bis- herigen Veröffentlichungen bekannt, ebenso war daraus ersichtlich, daß es sich bei dieser Einrichtung um eine Maßnahme handelt, deren Gültigkeit sich auf die Rechnungsjahre 1930 und 1931 beschränken soll.
Dom Standpunkt der kommunalen S'e l b st - Verwaltung aus gesehen ist es zu bedauern, daß die Aufsichtsbehörde glaubt, nur durch evtl, teil- weise Beseitigung des Selbstverwaltungsrechts die Gemeinden, streife und Provinzen über den Berg der wachsenden Schwierigkeiten Hinwegbringen zu können. Zur Stärkung des Gedankens der kommunalen Selbstverwaltung wird die Drohung mit dem Staatskommissar sicherlich nicht beitragen. Man kann vielmehr sogen, daß durch dieses Drohen nut der Staatsgewalt die Geltung der Selbstverwaltungsarbeit und die Verantwortungsfreudigkeit der kommunalen Körperschaften gemindert werden. Darüber hinaus wird aber auch eine diktatorische Einwirkung durch den Staatskommissar von den betroffenen Bürgern wohl kaum ohne Widerspruch hingenommen werden, sondern nur eine Verschärfung der Gegensätze mit sich bringen. Ferner durften dann die Verwaltung und die kommunale Körperschaft leicht in zwei gegensätzliche Lager ausern- andergerissen werden, da die Vertreter der Bürgerschaft, wenn sie den Derwaltungsoorschlägen nicht zugänglich sind und dann der Staatskommissar kommt, das Beiseiteschieben ihrer verantwortungsbewußten Entscheidung sicherlich wenig angenehm empfinden werden. Ein geradezu klassisches Beispiel dafür find die Ereignisse der letzten Woche in Frankfurt a. TI., die man sich auch an den maßgebenden hessischen Stellen immer sehr ernstlich vor Augen halten sollte.
Für die Verwaltungen und die Aufsichtsbehörde wird durch die Einrichtung des Staatskommissars das Inganghalten der Verwaltungsmaschinerie in den Gemeinwesen sehr wesentlich vereinfacht. Wenn eine Stadtratskörperschaft oder ein Kreisparlament sich auf die Dauer all dem versagt, was die Verwaltung als unter allen Umständen unerläßlich bezeichnen zu müssen glaubt,'so wird von der Verwaltungsseite der Ruf an den Staatskommissar ergehen und dann wohl in den meisten Fällen iiicht imgehört verhallen, die erwählte Körperschaft aber neben den Wagen gesetzt sein. Wenn auch nach dem Gesetz zur Sicherung der Haushaltsführung der Staatskommissar besonders verpflichtet sein soll, alle Ausgaben unter dem Gesichtspunkt äußerster opar- samkeit nachzuprüfen, so wird man darin wohl doch keine durchgreifende Gewähr dafür erblicken dürfen, daß wirtlich in allen Teilen die stärkste Beschränkung der Ausgaben Platz greifen wird, lieber die Notwendigkeit des Ausmaßes der Ausgaben werden sicherlich die Meinungen zwischen dem otabtrat und der Verwaltung häufig weit auseinandergehen, noch stärker wird aber meist die Gegensätzlichkeit hinsichtlich der steuerlichen Leistungskraft der Bevölkerung sein. Ob bei einer derartigen Sachlage dann ein Staatskommissar, der in den meisten Fällen die Dinge doch nur unter beqt Gesichtswinkel der Verwaltungsarbeit, der staatlichen Machtanwen- düng und wohl auch der Politik betrachten wird, das Richtige zu treffen vermag, wird zu bezweifeln fein. Auch dafür liefern die jüngsten Ereignisse m Frankfurt a. M. einen deutlichen Beweis, wo Der Staatskommissar sozusagen unbesehen und ohne Rücksprache mit den interessierten Kreisen der Bürgerschaft nach einer kurzen Besprechung m,t dem Frankfurter Magistrat einfach d e f \ c n o t e. u e r - uorlagen unverändert befre tlert e und damit schon alles getan haste, was der Magistrat von ihm erwartete.
Es soll nicht bestritten werden, daß bei der Erledigung von Selbstverwaltungsaufgaben Verhältnisse eintreten können, unter denen zwischen den Verwaltungsorganen und der gewählten Burger- Vertretung trotz aller Bemühungen kein Uebenun- kommen zustande zu bringen ist und daß in solchem Falle die Staatsmacht im Interesse des Ganzen mit ihrer Autorität einzugreifen hat. Derartige Fälle dürften aber doch wohl nicht allzu häufig sein, wenn auf beiden Seiten als oberster Leitgedanke des Handelns immer die gebührende Rücksichtnahme auf die Möglichkeiten der Zeit und die Leistungsfähigkeit der Bürger obwaltet. Bei den bisherigen Fällen, wo es in Preußen zur Bestellung von Staatskommissaren kam, haste man nicht immer den Eindruck, daß von der Derwaltungsseite her alles Erforderliche im Sinne des eben erwähnten Grundgedankens getan worden wäre. Man wird, je länger je mehr, auch bei den Verwaltungen zu der Ansicht kommen müssen, daß von den bisherigen Arbeitsgebieten unter dem Zwang der Derhattnifse vielerlei aufgegeben und der Weg zu größter Sparsamkeit unbedingt eingeschlagen werden muß, wenn nicht eines Tages bas ganze Gebäube zujammen- klappen soll. Die Hinweise auf die immer stärkere Erschöpfung der Leistungskraft breitester Kreise der Steuerpflichtigen, ja der teilweisen gänzlichen Unmöglichkeit weiterer Lastenübernahme, werben nach unserem Ermessen mit gutem Grund und nicht als eine hohle Phrase vorgebracht. So wenig die Verwaltungen imstande sind. Steuereingänge zu erzielen, für die einfach die Voraussetzungen einer ausreichenden Leistungskraft nicht bestehen — was in der steigenden Zahl der Steuerstundungen und der Steuererlässe greifbar zutage trist —, ebenso wenig wird mit einer diktatorischen Steuerfestsetzung durch den Staatskommissar Geld auf den Zahlfisch der Finanzämter oder der Staatskasse gezaubert werden können. Auf dem Papier kann man mit ober ohne die Selbstoerwaltungskörperschast ganz gut Steuergesetze, Tariferhöhungen, Gebührensteigerungen usw. machen, an der rauhen Wirklichkeit der leeren Geldbeutel wird aber dadurch nicht das Geringste geändert werden, höchstens, daß man eine Anzahl $?eute noch mehr als bisher 3ur Verzweiflung treibt und sie schließlich in eine Katastrophe hineinstürzt, für die sicherlich auch ein Staatskommissar feine Verantwortung übernehmen wird.
Wenn wir uns nicht täuschen, wird unsere Stadt
Samstag, 15. Dezember 1950
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Gießen wohl als eine der ersten in Hessen das Glück" erfahren, mit den „Segnungen" eines Staatskommissars bedacht zu werden. Wir wissen, daß man in Darmstadt z. B. an der Höhe unserer Realsteuersätze schon seit langer Zeit sehr viel auszusetzen findet, und es ist uns auch nicht unbekannt, daß in gewissen Ministerien wiederholt Aeuhe- rungen gefallen sind, die nicht allzuviel Verständnis für die Gießener Steuerzahler bekundeten. Man steht dort auf dem schematischen Standpunkt, daß den Gießener Steuerpflichtigen die Kandare ebenso straff angezogen werden müsse, wie den Steuerpflichtigen in anderen Städten, ohne dabei gewisse Unterschiede in der wirtschaftlichen Struktur gelten zu lassen. Wenn nun, was nicht von der Hand zu weisen ist, unser Gießener Stadtrat keine Neigung bekunden sollte, die Steuerschraube noch etliche Umdrehungen mehr anzuziehen, so wird sicherlich der Staatskommissar dieses Drehgeschäft besorgen. Die in den letzten Tagen angetünbigten neuen Steuervorschläge der Stabtoerwaltung und die vom Stadtrat oft betonte Unmöglichkeit weiterer Steuerlasten lassen die Tlög- lichkeit eines Zwiespaltes zwischen der Verwaltung und dem Stadtrat in greifbarer Nähe erscheinen. Wir würden cs außerordentlich bedauern, wenn hier Verhältnisse entstünden, die einen Staatskommissar für Gießen bringen würden. Ohne Frage wäre bann bamit zu rechnen, daß man vom Stabtrat aus der Stadtverwaltung und dem Staatskommissar allein die Verantwortung für die Auswirkungen der neuen Steuern überließe, und die Stadtratsfraktionen noch weniger als bisher geneigt wären, sich mit unpopulären Beschlüssen zu beloben. Aus ber anberen Seite aber würbe ein empsinblicher Eingriff in bas Selbstverwaltungsrecht vorliegen unb die Steuerzahler eine Belastung aufgebürdet erhalten, von der wir fürchten, daß sie zu einem sehr großen
21m Freitagvormittag begann In der Neuen 2lula der Universität der 4. Kursus über landwirtschaftliches Genossenschaftswesen, der vom Landwirtschaftlichen Institut der Landes-Universität Gießen in Verbindung mit den verschiedenen 'Verbänden landwirtschaftlicher Genossenschaften veranstaltet wurde. Dec Kursus fand lebhaften Zuspruch aus den Kreisen der Landwirtschaft unb der Genossen- schasten selbst.
Seine Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Eger führte bei der
Eröffnung
aus, daß sich die Uniocrfität der Bedeutung des Genossenschaftswesens für die Landwirtschaft wohl bewußt sei und bedauerte nur, daß den Juristen, die von den Llniversitäten gingen, nicht mehr von' dem Wissen um das Genossenschaslsrecht mitgegeben werden könne. Um den Kontakt mit der Praxis aufrechtzuerhalten, so fuhr der Redner u. a. fort, sei man an der Universität gerne bereit, sich mit Rechtsfragen, di«e sich aus dem Tätigkeitsbereich der Genossenschaften ergeben, wissenschaftlich zu befassen. Seine Magnifizenz gab der Freude darüber 2lusdruck, daß gerade die Gießener Universität durch ihre Institute in so inniger Verbindung mit der Landwirtschaft stehe, und erhofft weiteren 2lusbau der Institute im Interesse der Bauernschaft, zugleich aber auch den Ausbau der Genossenschaften, als Mittel zur Kräftigung des wertvollsten Teils deutscher Volkswirtschaft.
Sodann sprach Pros. Dr. S e s s o u s, der geschäftsführende Direktor des Landwirtschaftlichen Instituts. Er dankte zunächst dem Rektor für sein Entgegenkommen, begrüßte dann die verschiedenen Vertreter der Behörden, hieß den Präsidenten der Landwirtschaftskammer willkommen, dankte den Vertretern des Handels und der Industrie, den Studierenden, der Presse und den zahlreichen Hörern für ihr Erscheinen und das damit bewiesene Interesse. In einigen Sähen wies er auf die Bedeutung des Genossenfchaftsgedankens für die Landwirte hin und wünschte dem Kursus allen Erfolg.
Provinzialdirektor ® raef gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Kursus wieder in Oberhessen abgehalten werde zu einer Zeit, da dem Genossenschaftswesen mehr denn je erhöhte Bedeutung beizumessen sei. Der vberhessische Dauer lasse den Kops nicht so leicht hängen und sei sich mehr oder weniger dessen bewußt, daß Hilfe von außen her nicht das Ausschlaggebende sein könne, wenn sich die Landwirtschaft nicht selbst zu helfen bestrebt fei. Der Landwirt sei das Rückgrat des Staates, und es gelte, ihm immer wieder neue Impulse zu geben.
Der Präsident der Landwirtschaftskammer, Hensel, Darmstadt, fand Worte der Anerken- nung für die Abhaltung des Kurses, wies eindringlich aus die Rotwendigkeit des Zusammenschlusses der Landwirtschaft in Genossenschaften hin und betonte, daß es eine Hauptaufgabe sein müsse, das Vertrauen der Bauernschaft zu den Genossenschaften zu stärken.
Oie Dorträge.
Hierauf sprach als erster Ertragender Prof. Dr. Auler (Gießen) über
„Bilanzaufbau und Bilanzprufung".
Er erläuterte zunächst das Wesen der statischen, der dynamischen und der organischen Dilanz- lehre. Bei der Behandlung des Bilanzauf- b a u e s gab er eine Schilderung der Aktiv- und der Passivseite der Bilanz. Der Redner vertrat bei der Frage der Bildung stiller Reserven die Ansicht, daß die Unternehmung in erster Linie offene Rücklagen schaffen unb sich bei der Legung stiller Reserven weise Beschränkung auferlegen soll. Mit der Bildung stiller Reserven seien gewisse Gefahren verbunden: risikoreiche Transaktionen der Leitung und 21bdeckung der Verluste durch Rückgriff auf die stillen Reserven: zu starke Bindung von Kapital (Kapitalübersättigung, und Fehlleitung von Kapital. Es dürfe nicht zu einem Mißverhältnis zwischen der Höhe der offenen und der stillen Reserven fommen. Die latente Steucrfcheu werde bei der Sachkenntnis des Duchprüsungsdienftes seiner Ansicht nach in solchen Fällen erkannt. Er forderte anderseits eine wirtschaftlich gerechte Schonung des Steuerpflichtigen bei offener Ausweisung der Reserven, damit die Leistungsfähigkeit der Unternehmung erhalten bleibe. — Die Frage der Bewertung
Teile gegenwärtig untragbar fein und infolgedessen eine drückende Schuld an die Steuerbehörde bleiben wird. Wir meinen, es wäre gut, bei den künftigen Steuerberatungen non vornherein auf beiden Seiten darauf hinzuwirken, daß einem Staatskommissar nicht erst Platz in Gießen eingeräumt wird. Die Stadtverwaltung müßte prüfen, ob nicht wirklich noch umfangreichere Ersparnisse als bisher im Etat zu erzielen sind. Der Stadtrat hätte dann seinerseits nochmals gründlich zu erwägen, ob unter stärkster Steigerung des Verantwortungsbewußtseins für das Gemeinwohl in der Tat schon das letzte Wort gesprochen ist. Sollte diese Frage bejaht und damit eine weitere Steuersteigerung abgelehnt werden, so wäre zu prüfen, ob man nicht durch einen Heber- brüdungsfrebit den Weg von heute bis zum Ende des Haushaltsjahres bereiten konnte, wozu allerdings auf beiden Seiten reichlich guter Wille und natürlich auch die Geldbeschafsungsmöglichkeit gehören wird. Vont Beginn des nächsten Haushaltsplanes ab kann man wohl mit einer gewissen Sen- fung der gegenwärtigen Wohlfahrtslasten rechnen, so daß dadurch Mittel frei werden könnten für andere Erfordernisse des Haushaltes. Allerdings muß bis dahin — unb bafür werben alle berufenen Stellen nachdrücklich einzutreten haben — vom Reiche unb vom Lanbe bafür gesorgt fein, daß man den Kommunen d i e Lasten wieder abnimmt, die man ihnen jetzt in Form von Minderüberweisungen an Steuern unb erhöhter Fürsorgepflichten auf bem Gebiete ber Wohlfahrtspflege ausgebürbet hat. Da- neben wird bann aber auch zwangsläufig eine stärkere Begrenzung der kommunalen Aufgaben ftatlfinben müssen, um cnblich einmal zu einem wirksamen unb bauernden Abbau ber Lasten zu kommen, unb zwar aus eigener Entschlußfähigkeit, ohne ben Druck eines Staatskommissars.
und der ihr zugehörigen Abschreibungen wurde kurz gestreift. Als Mschreivungsmethode vertrat der Vortragende die Abschreibung vom Buchwerte. Die Fragen der Liquidität und der Zah- lungsbereitlchast wurden eingehend behandelt: ferner wurden die Dilanzfrisuren, die Bilanzverschleierung und der „ Fensteraufpuh" bei der Dilanzaufstellung 'erörtert. Zum Schluß wurde die Forderung nach Anerkennung des Grundsatzes der Dilanzwachrheit und -klarheit im Interesse der Unternehmung und der Gescnntwirt- schast aufgestellt.
Der zweite Redner, Direktor Strasburger, Darmstadt, sprach über das Thema:
„Die landwirtschaftlichen Genossenschaften im Dienste der Getreidewirtschaft "
Er gab einleitend ein Bild über die Ursachen der internationalen Qlgrarfrife und ihrer katastrophalen Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft und beleuchtete die engen Zusammenhänge der deutschen Getreidewirtschaft mit den Weltmärkten. Infolge mehrerer guter Roggenernten in Deutschland bilde die Beseitigung des vorhan- denen Rrggenüberschus'es sowohl durch vermehrten Brotkonsum, wie auch durch gesteigerte Der- filtterung das Hauptproblem. Bei Weizen speziell habe sich der hohe Einfuhrzoll, sowie der Qkrmalj- lungszwang sehr bewährt. Der Erfolg des durch die letzte Rotverordnung eingeführten Dei- backungszwanges von Roggenmehl zu Brot könne nicht sehr hoch bewertet werden. Zweifellos wirksamer wäre ein Beimahlungszwang von Roggen zu Weizen in der Mühle gewesen. Die Genossenschaften befassen sich schon seit Jahren mit der Frage des geregelten Absatzes von Brotgetreide
Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Denora führt eine Lokomotive.
(g) Madrid.
Herrenfahrerin oder Kunftfliegerin ist nichts Reues mehr. Daß aber eine zarte Frau auS- gerechnet die Führung einer nicht gerade ver- >ckend sauberen Lokomotive ambitioniert, kam bis jetzt kaum vor. Die vierundzwanzigjährige Hilde Huerta in Madrid kann wohl den Ruhm für sich beanspruchen, als erste Weiblichkeit einen fahrplanmäßigen Schnellzug von Madrid nach Barcelona geführt zu haben. Diese Tätigkeit (einwandfrei durchgeführt!) galt gleichzeitig als „praktische Doktorarbeit": somit bestand die Unternehmungslustige ihr Staatsexamen in der Eigenschaft eines Maschinenbauingenieurs. (Auch dieser Beruf wurde bisher von Damen wenig frequentiert!) Ein altersahrener Lokomotivführer begleitete die Senora auf ihrem Wege und meinte, die Kleine hätte überaus gut gearbeitet. Allerdings dürften sich Frauen im allgemeinen kaum für die Führung von Eisenbahnzügen eignen: sie haben ein viel zu gutes Herz! Selbst Hilde Huerta kam einmal in Versuchung, ihre Pflicht zu verletzen und den Zug zum Halten zu bringen, um — einen Nachzügler aufzunehmen. Ob alle Frauen fo „zartfühlend" wären, konnte der alte ehrliche Eisenbahner allerdings nicht gut beurteilen.
Wic dicBank vonZrankrcich ihrGold schützt.
— Paris.
Tagtäglich marschieren Taufende von Menschen über das Croix des Petit Champs hinter dem Hauptgebäude der Dank von Frankreich. Tlnd leinet von bieien Menschen ahnt, daß er hier über die stärkste Festung der Welt dahingeht, über die Schutzwälle.des unermeßlichen Reichtums. über die zweitgrößte Goldzusammenballung auf dieser Welt.
Diese Festung ist uneinnehmbar. Uneinnehmbar im vollsten Sinne des Wortes. Sie ist nach den Gesehen und ben Lehren der a Herrn ob em ft en Ingenieurwissenschaft konstruiert unb dürste in der Lage sein, den besten Sprengstoffen den längsten Widerstand entgegenzusehen, und auch den modernsten Bvhr- und Schweihgebläsen zu widerstehen. Ja, man behauptet sogar, daß diese Schatzkammer, daß diese Festung auch uneinnehmbar fein werde, wenn in einem Bürgerkrieg ober bei einer Invasion Feinde des Staates sich daran machen würden, in dieses Gewölbe einzudringen.
Die Zahl der Sterblichen, die in die tiefen
zur Erreichung gerechter Preise. Die Zusammeiv- sassung des Angebots und die Demteidung gegenseitiger Konkurrenz im Verlauf bilden zur Zeit Gegenstand von aussichtsreichen Verhandlungen. Ein weiterer Teil der genossenschaftt.chen Arbeit entfällt heute auf die Herrichtung unb das Marktfähigmachen größerer Mengen sowohl von Brotgetreide wie auch Gerste in einheitlicher Qualität Sofern es die Qualität der Ware erlaubt, wird von den Genossenschaften das direkte Waggongo- schäft vom Erzeuger zum Verbraucher gepflegt weil es mit einem geringen Warenbestand auszukommen erlaubt und durch Verzicht auf spekulative Gewinne vor Verlusten bewahrt. 'Die Tätigkeit der Warenzentralen ist nicht Selbstzweck, sondern bient der wirtschaftlichen Förderung ihrer Mitglieder. Qlber nur wenn jeder Teil des Organismus an feinem Plahe seine Schuldigkeit tut wird auf dem mühsamen Weg der Erfolg nicht ausbleiben.
Vürgermeisterwastl in Grünberg Dr.Mildncr, Lffcnbach zum ersten Vcrufs- bürgermeister gewählt.
+ Grünberg, 12. Dez. Die heutige Gemeinderatssitzung hatte als einzigen Punkt der Tagesordnung: Wahl desBerufSbür- g e r m e i st e r S. Der Gemeinderat war vollzählig versammelt, der Zuhörerraum erwies sich als zu klein, so daß ein Teil der Zuhörer noch auf dem Gang und der Treppe stehen mußte.
Beigeordneter Keller betonte die Wichtigkeit der Sitzung und wies auf die durch das Inkrafttreten der Ortssahung eingetretene Aenderung hin, wonach die Wahl des Bürgermeisters, die früher von ber Gesamtheit der Wählerschaft ber Stabt zu geschehen hatte, nun durch den Gemeinderat erfolge. Mit einem Appell an die Mitglieder des Gemeinderats, ohne Ansehen ber Person und Partei ihre Stimme bem Tüchtigsten zu geben, schloß er. Rach kurzen Ausführungen über das Wahlversahren schritt man zur Wahl.
Cs erhielten: Dr. Mildner (Offenbach» vier Stimmen, Dr. Schmidt (Gießen) fünf Stimmen unb Dr. Weißer (Alsselb) vier Stimmen. Da« Los mußte nun zwischen Dr. Mildner unb Dr. Weißer entscheiden, wer von beiden in die Stichwahl mit Dr. Schmidt kam. Cs entsch.ed für Dr. Mildner. In ber nun folgenben Stichwahl würbe Dr. Mildner mit sieben Stimmen gewählt, gegenüber sechs Stimmen, die auf Dr. Schmidt entfielen.
Dr. jur. Kurt Mildner wurde am 21. Januar 1903 zu Aschaffenburg geboren unb war nach bestandener Reifeprüfung 1922 in Offenbach daselbst bei ber Stadtverwaltung tätig. Die zweite Verwaltungsprüfung für hessische Städtebeamte bestand er als bester unb wurde bald daraus zum Verwaltungsinspektor befördert. Er studierte in Frankfurt und Hamburg und bestand 1927 die juristische Staatsprüfung mit ber Rote »Sehr gut“. 1929 promovierte er zum Dr. jur. mit ber Arbeit „Der Rechtsschutz gegenüber GemeinberatsbZchlüs- sen nach Artikel 98 ber hessischen ötäbteorbnung''. Die Arbeit wurde vom Hesssichen Ministerium des Innern als wertvoll angetautt. Ihm geht der Ruf eines tüchsigen Verwaltpugsbeamten voraus.
Bürgersteuer in Friedberg.
WSN. Friedberg, 12. Dez. In der gestrigen Sitzung des Stadtrats wurde die Einführung der Bürgersteuer nach langer Debatte mit 13 gegen 12 Stimmen beschlossen. Weiter beschloß die Versammlung mit Mehrheit, den Wohlfahrtsunterstützungsempsangern eine Winte r b e i h i 1 f e nach den Vorschlägen des Staates zu gewähren.
Gewölbe hineingelasfen worden sind, ist sehr klein. Unb bie Zahl berjenigen, die um die Geheimnisse ber Türen und ber Schlösser wissen, ist noch viel kleiner. Mehrere QHinuten lang wandert man durch Felsenwege und kommt dann an ein riesenhaftes Torwerk. Sechs Meter in der Dicke mißt bas massive Portal, das das Lebensblut Frankreichs zu schützen berufen ist. Diese Tür wird durch einen geheimen elektrischen Mechanismus in Betrieb gesetzt. Aber sie ist nur eine von vielen. Da kommen andere unb schließlich auch eine vor bem letzten Raum: — „Der Korken" hat ber Direktor ber Bank von Frankreich biete letzte Tür genannt. Dieser Korken wirb mit einer elektrischen Maschine auf Schienen aus ber Türöffnung herausgezogen. Unb durch die Oeffnung tritt man in bas Allerheiligste ein, wo Seine Majestät bas Golb ruht.
3n massiven Fels eingehauen liegen bic Kammern ba. Fünfundzwanzig Meter tief unter bem Schutz von Stahlplatten, die Vh Meter in ber Dicke aufweisen. Cs ist sogar Vorsorge getroffen, baß im Falle von Unruhen die Geschäfte der Dank von Frankreich unter Umständen unterirdisch weiter geführt werden können, während oben vielleicht Kämpfe toben.
Die Goldhallen sind mit Wasser und Strvm- zufuhr versehen. Ventilationsanlagen haben einen doppelten. Zweck. Durch einen Hebeldruck können sie in Gasapparaturen verwandelt werden, bie bie gesamten Gewölbe unter Gas setzen.
In ben weiten Räumen könnten 2000 Menschen leben unb arbeiten. Hier schlägt keine Bombe burch, unb hier bringt kein Gas ein. Küchenanlagen sinb ba unb sonst auch noch mancherlei Dinge, bic ben Schluß zulassen, daß bie Belagerung ber Dank von Frankreich eine aussichtslose Sache wäre. Sechs Monate sollen bie 2000 bort aushalten können. Als man ben Direktor fragte, ob er benn keine Angst vor einem neuen Raffkes, bem berühmtesten englischen Hochstapler habe, ba meinte er lachend, daß die dicken Türen nicht ber einzige Schutz gegen bie Diebe seien, bie bem Gold zu leibe rücken wollten. Da sinb Starkstromleitungen unb Selbstschüsse, Falltüren unb unsichtbare Strahlen, Glocken- werke und Fußangeln, unb was man sich noch alles denken kann. Wer in ben Keller durch eine gute Laune des Schicksals hineingelangte, der wird es schwer haben, wieder herauszukommen, wenn man ihn nicht führt. Als man einen der letzten Goldtranspvrte angebracht habe, sei. so wird behauptet, von ben Beamten der Dank
4. Kursus über landwirtschaftliches Genossenschaftswesen.
Geschichten aus aller Welt.


