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Nr. 292 Zweites Blatt
Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 13. Dezember |930
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Brünings Ziel.
2m ,,D e u t f d) e n f p i e g e I", der befann- len politischen Zeitschrift, die dem Reichsbür- gerrat des Ministers von Loebell nahesteht, finden wir folgende interessanten und bemerkenswerten Betrachtungen zur innerpolitischen Lage.
Das Wort „Diktatur' ist heute eins der am I meisten gebrauchten- jein Wert ift am stärksten um- ! stritten. Mit diktatorischen Versuchen haben wir bisher auch nicht die besten Erfahrungen gemacht. Sie ljuben eigentlich nur die einzige Folge gehabt, baß mir im Unterbewußtsein mü dem Wort Diktatur ! die Vorstellung eines Putscbes verbinden. Es hat sich aber erwiesen, daß solche Unternehmungen bei uns feinen rechten Boden finden. Nicht etwa deshalb, weil die Demokratie die Massen des deutschen Volkes so begeistern könnte, dah diese dafür ihr Leben opfern wurden. Es gehört nun einmal zu der Propagandatechnik der Nutznießer des abfterbenöen Systems parlamentarischer Parteirniß- wirtschaft, der Oefsentlichkeit suggerieren zu wollen, daß „das ganze Volk' — darunter tut man es nicht — wie ein Mann aufstehen würde, wenn l irgend jemand es mögen sollte, an die geheiligten Grundlagen der Fraktionsherrschaft zu rühren. Trog- dem wachst die Gegnerschaft gegen das heute herrschende System von Tag zu Tag mehr. Sie ist schon fe stark geworden, daß jeder Anlaus zu einer Poli- *t der sachlichen Reform auf völliges Unverständnis selbst bei denjenigen stößt, die darin eigentlich den Anfang zu einer Ueberwindung der bisherigen faulen Rcgierungsrnethoden dankbar anerkennen müßten. Die zu oft enttäuschte Wähler- ' schäft ist ungeduldig geworden. Sie will endlich f sichtbare Zeichen sehen — Finonzreform hin, Sozialreform her —, sie will, daß der innerpolitische Umschwung auch nach außen hin deutlich sicht- bar in die Erscheinung trete. Solange die ? Sozialdemokratie, in der man die Verkörperung des reaktionären Systems der Parteiherrschaft sieht, nicht aus dem maßgebenden Einfluß in Preußen ! verdrängt worden ist. können diese Kreise — und sie repräsentieren heute die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes — kein Vertrauen dazu aufbringen, daß nicht schließlich doch alles wieder | in dem alten bösen Schlendrian endet. Tatsächlich ■ berechtigten ja auch mehr als genug schlimme Er- ahrungen solches Mißtrauen. Wir hatten schon I m Jahre 1 923. als durch die Politik einiger । achkundiger und entschlossen zugreifender Männer I die Währung gerettet und das Volk vor dem Ver- hungern geschützt wurde, die Gelegenheit, die Schäden des Systems zu beseitigen. Aber diese Gelegen- heit wurde verpaßt. Langsam aber sicher schlidderten wir wieder in den parlamentarischen Schlendrian hinein. Jetzt müssen wir nun die Suppe auslöffeln, die uns die Regierungen von Marx bis Müller ein- gebrockt haben, und die durch die verschiedenen Gewürze aller Parteien nicht sckmackhafter geworden ist: denn alle parlamentarischen Parteien haben ich an der Politik des verantwortungslosen Ge- chenkemachens an ihre Wählerkreise in edlem Wett- auf beteiligt Die letzte Regierung dieser Art, die Hermann Müllers, strich erst die Seael, als sie die chr immer wieder präsentierten Wechsel nicht länger prolongieren konnte
Der Zentrumeparlamentarler Brüning, der nun als Reichskanzler die Zügel aufnohm, ist nicht nur Traditionsmensch, er i st auch Tatsachen- mens ch. Und als solcher erkennt er, daß die Ausübung der Demokratie in ihrer bisherigen Form den Staat rettungslos ins Verderben stürzen muh. Darin unterscheidet er sich von dem parlamentarischen Bonzentum, das wir bisher gewöhnt sind und das nichts weiter kennt, als Kompromiß- Verhandlungen der Fraktionen, das nichts danach fragt, ob der ganze Staat vor die f)unbe geht wenn nur die parlamentarische Herrlichkeit gerettet wird. Brüning hat den Reichstag vor dem Schicksal des alten Regensburger Fürstenreichstages bewahrt, der gerade in einer tiefgründigen Beratung über das Eutiner Gemeindewesen begriffen war, als ihn die napoleonischen Bataillone auseinandertrieben Mag sich Brüning noch so oft für die Demokratie ein- jetzen, In dem Kampf gegen den Parla -
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(Sinfonie
der Weihnachtsgeräusche.
Dov Harry Schreck
Man findet Menschen, die ziemlich kurzsichtig lind- man muh sie erst ganz dicht an ihre Weihnachtsgeschenke heranfühcen, damit sie wissen, was sie bekommen haben und worüber sie sich nun eigentlich nach Gebühr freuen sollen.
Es gibt weiterhin Menschen, deren Zunge nicht gerade verwöhnt ift; man kann ihnen ebenso gut ein Pfefferkuchenherz wie eine Stollenschnitte vor- sehen, und sie werden friedlichen Geistes mit jedem von beiden sehr zufrieden fein.
Außerdem find Leute vorhanden, denen es Im Drunde gleichgültig ift, ob in ihrem Weihnachts- ümmer der fünfte würzige Duft wächserner Kerzen schwebt, oder ob man ihren Christbaumschmuck kurzerhand an eine Steckdose anschlieht.
Und schließlich trifft man auch auf grobschlächtige Aaluren^ die imstande wären, über das zarte Drün eines Tannenbaums mit der gleich.m unbekümmerten Handbewcgung hinwegzustreichen, mit der sie eben etwa einen Tisch ansahten.
älm diele derben Mängel etwas auszugleichen, pflegt em verständiges, nachsich iges Schicksal sol- chen Menschen wenigstens ein vortreffliches Gehör nitzugcben, damit sie nicht ganz um ein reizendes Weichsnachtserlebnis kommen.
Zhnen bleibt es Vorbehalten, die weihnachllichen Eindrücke als Schallwellen aufzunehmen; was rings um sie vorgeht, fetzt sich für sie Hauptfach, lieb zu Klang, Ton und Laut um; sie hören die Sinfonie der Weihnachtsgeräusche.
Damit haben sie schon allerlei zu tun, falls sie M nur auf den Christabend beschränken. (Denn richt umionst warnt eine volkstümlich weihnachl- Iche Lyrik: „Srommel, Pfeife und Gewehr...** Doch wer hört auf solche Warnung!)
Wenn tndessen Weihnachten elbst noch nicht her- ongerüdt ist, sondern gewissermaßen erst in der Etappe der "Vorbereitungen und der Ei twicklungen trartet, dann zeigt es sich am besten, dah man daS nieiste mit dem Ohr erlebt
um die Dezembermitte nämlich beginnt es fllr dre Hellhörigen ein wenig unheimlich tn ihrer -vehausung zu werden. Alles fängt an, sich zu
Die lleberweisung der Nobelpreise in Oslo und Stockholm.
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Links: 2n Oslo: Erzbischof Söderblom und otaatsfetretär Kellogg, die Träger der Friedenspreise. — Rechts: In Swckhostn: König Gustav von Schweden beglückwünscht den Dichter SinclairLewis.den Träger de» Clteraturpreife».
mentarismus a l s Selb ft zweck fühlen mir I uns mit ihm verbunden, in dem Kampf gegen das Parlament der Parteibonzen, die niemals über die vier Wände ihres Fraktionszimmers hinauszusehen vermögen und höchstens noch noch der Nachbarfraktion hinschielen können, aus Heller Angst darüber, daß dort etwa eine zug- kräftige Wahlparole geschmiedet werden könnte.
Die erste Notverordnung wirkte im Reichstag noch als Sensation. Der Reichstag fühlte sich brüskiert und wollte sich eine solche Behandlung nicht gefallen lassen. Er hob die Notverordnung auf, und Brüning schickte ihn dafür noch Hause — mit dem bekannten Erfolge.
Damals liefen die Sozialdemokraten durch das ganze Land und sprachen von „V S r f a s s u n g s - b r u ch" des Kabinetts Brüning, das es gewagt hatte, die sachlichen Notwendigkeiten mit den formalen Möglichkeiten der Verfassung in Einklang zu bringen, ohne sich dazu die Zustimmung der Zions- Wächter der Pseudodemokratie erkauft zu haben. Nach den Wahlen, als die Welle des Radikalismus immer heftiger gegen die allmählich aus dem Boden wachsenden Grundmauern eines künftigen neuen und solideren Staatswesens anbrandeten, wurde es in der Sozialdemokratie viel stiller. Preußens Ministerpräsident Otto Braun hatte blitzschnell erkannt, daß es jetzt um mehr ging als um sozialdemokratische Krankenkassenwünsche und Steuerdemagogie. Die deutsche Rechte hat sich bisher ihre Chancen stets dadurch verdorben, daß sie den Gegner nicht richtig einschätzte. Auch diesmal besteht diese Gefahr. Otto Braun ist ein anderer Kerl als wie ihn die Rechtspresse meistens darstellt. Man tut ihm unrecht, wenn man meint, er kämpfe nur für die Erhaltung seiner nähr- haften Futterkrippe in Preußen. Wenn Braun sich jetzt in ausfälliger Form für Brüning einsetzt, dessen politische Ziele nicht die feinen sind, und von dem er weiß, daß er Wege aeyt, die weit von denen der Sozialdemokratie fortführen, dann |inb für den preußischen Ministerpräsidenten Erwägungen maß- gebend, die über das Persönliche und nur Parteipolitische weit hinausgehen Für Braun lautet die Frage so: „Wie kann bei der jetzigen unheilvollen Zuspitzung der innenpolitischen Gegen- sätze eine ru hige Weiterentwicklung er-
verschwören, alles rückt listig in die Atmosphäre der Unergründlichfeiten hinein.
Zimmertüren schlagen mit rätselhafter Geschwindigkeit ins Schloß, um irgend etwas "Verstecktes mitzunehmen; Papier und Pappe knistern irg.md- wo vertraulich auf dem abgesperrten Flur, weil irgend jemand etwas auspacken möch e.
Und nur das Ohr vermutet: das hohle Poltern an der Treppe wird der Klubfessel sein, den man sich gewünscht hat, dies zarte bufd>i$e Schleifen kann nur ein Weihnachtsbaum im Genüge haben, der geheimnisvoll feinen Raum such!.
Kurzum, es geht zu, wie in einem Maeterlinck- Drama. Man erhält dunkle Andeutungen, dah man überrascht werden wird; man sieht seltsame Gegenstände durch ben Eingang tragen; und nur das Ohr weiß, was sich da begibt.
Aber das alles ist ja nur Einleitung: die weihnachtlichen Stimmen proben gerade ein bißchen, damit sie am v:erundzwanzigsten Dezember rich ig und wie es sich gehört einletzen, um ihre heilere und graziöse Sinfonie zu meistern.
Denn erst dann schmelzen die einzelnen Laute in den einen beherrschenden Rhythmus, der voll und groß über diesen armen geschundenen Planeten marschieren darf, um wenigstens einmal im 3afjr das Leben friedlich zu bestimmen...
. erst dann mischt sich der silberne Ton des winzigen Glöckchens, das wir bei aller unermüdlichen Sachlichkeit gern für das Glöckchen des im weihnachtlichen Zimmer weilenden Christkindes halten, mit erstaunten Kinderrufen...
und erst dann mengt sich der weiche ziehende Klang einer Drehorgel, die auf ihre Weife dem festlichen Abend gerecht werden möchte, gut in das schwere feierlich dröhnende Schwingen der abendlich brausenden Weihnachtsglocke.
Man mag Weihnachten feiern, wie man will und wie man es eben kann.
Man kann auf eine Fülle von Geschenken sehen, sofern man sie hat; man kann den würzigen Duft von Kerzen atmen, fofem man sie hat. man kann öie reizendste Gabe betasten, fofem sie da ist; man kann die Zungen verwöhnen, fofem ...
Aber dies eine hat man auf jeden Fall: die Weihnachtsgeräusche...!
Deirn - man sei arm oder reich —: hören darf man alles umsonst...
möglicht merben?" Während seine eigene Partei bereits kalte Berechnungen über ihre Aussichten bei einem Bürgerkriege anstellt und dabei an'den Staat überhaupt nicht denkt, setzt sich Braun zur Vermeidung des Bürgerkrieges für eine Fortsetzung der ihm gewiß nicht sympathischen Realpolitik Brünings ein, selbst auf die Gefahr hin, daß auf den Zerietzungsprozeß der bürgerlichen Mitte eine Krisis der sozialdemokratischen Partei folgt. Wenn wir das so offen aussprechen, so tun wir das um die Rechte vor taktischen Fehlern zu bewahren. Denn daß der Parteipolitikcr Otto Braun sein Eintreten für Brüning öffentlich so laut betont, geschieht zweifellos in der Absicht, dadurch neues Mißtrauen und neue Verwirrung in die bürgerlichen Kreise zu tragen.
Brüning ist heute stärker als Braun. Die Zentrumspartei steht hinter ihrem jungen Führer als ein geschlossener Block in bewunderungswürdiger Disziplin. „2m Namen der Demokratie" hat Brüning den Reichstag so zurückgedrängt, daß er heute im Volk kaum noch ernst genommen wird. Kein Sozialdemokrat denkt mehr daran, jetzt b e i der zweiten Notverordnung dem Kanzler Verfassungsbruch vorzuwersen. Der Reichstag schluckt widerwillig die Gesetze, denen er niemals zusammen kann. Erst eine spätere Zeit wird einmal rückschauend feststellen können, was diese Entwick- hing für die Gesundung unseres politischen Lebens bedeutet, daß heute überhaupt er st die Voraus- s e tz u n g e n geschaffen worden sind, aus denen eine starke und zielbewußte Außen- Politik aufgebaut werden kann. Trotzdem wenden sich immer größere Teile unseres Volkes gegen diese Regierung. Und besonders stark wenden sich gerade diejenigen gegen sie, deren programmatische Forderungen Brüning in einem erheblichen Umfange erfüllt hat oder zu erfüllen sich anschickt. Die Zurückdrängung der parlamentarischen Allein- Herrschaft, die Heraushebung des Reichsrates, die Herausarbeitung der Machtbefugnisse des Reichspräsidenten, das alles sind Forderungen, um die gerade „b i e entschiebene Rechte" seit Jahren kämpft. 2n ber materiellen Politik hat bie Regierung Brüning, wenn man auf die große Linie sieht, die Vorbedingungen für das geschaffen, was bie Rechte immer wieder stürmisch gefordert
hat: die Sammlung der inneren Kraft unsere» Volkes zum Vorstoß nach außen. Wenn trotzdem die nationale Opposition immer schärfer gegen dieses Kabinett Sturm läuft, so deshalb, weil Brüning sich bisher noch nicht offen von der Sozialdemokratie gelöst hot. Die Rechte sieht in der Sozialdemokratie den „einheitlichen marxistischen Block". Dessen Sprengung ist für sie die Voraussetzung für jede innenpolitisch« Gesundung. Für sie ist die Stellung zur Sozialdemokratie der Prüfstein der nationalen Gesinnung überhaupt. Sie hat historisch insofern recht, als bie Sozialbemokratie bie eigentliche Trägerin des Sy- stenis von Weimar ist, aus dem wir jetzt ganz allmählich herauswachsen. Brüning könnte sich heut« sehr leicht billige Lorbeeren erwerben, wenn er dem Drängen der Rechten nachgäbe. Wenn er darauf verzichtet, so sehen wir die Erklärung dafür darin, daß er die Sozialdemokratie so lange a l s möglich zur W e g g e n o s s e n s cha f t zwingen will, um sie mit ber Verantwortung alt der unpopulären Maßnahmen, die ihr« früheren Regierungskünste jetzt notwendig machen, für alle Zukunft mitzubelasten und dadurch bei den großen, heute noch marxistisch eingestellten Kreisen Gehör zu finden. Brüning Ist Staatsmann. Es geht ihm nicht um persönlich« Erfolge, sondern um die dauernde Gesundung des deutschen Volkes. Das ganze Trümmerfeld auf- zuräumen, wird noch jahrelang dauern. Dazu gehören eiferne Nerven und ein unbeirrbarer Wille. Wir find gewiß nicht frei von Bedenken, ob öie Regierungspolitik heute immer und in allen Einzelheiten in dem Sinn geführt wird, daß wieder einmal ein wirtschaftlich s e l b ft ä n d i - ges Bürgertum die Grundlage eines gesunden Staates bildet, und daß unser Volk von dem 2rr- wahn des Rentnerideals auf Staatskosten geheilt wird. Aber wir haben die hoffnungsvolle Zuversicht, daß auch in diesem entscheidenden Punkte, der immer noch nicht grundsätzlich zur Debatte gestellt worden ist, der positive Aufbauwill« gegenüber den negativen Kräften Hegt, die unser Staatswesen in den letzten zwölf Jahren an den Rand des finanziellen und moralischen Zusammenbruchs gebracht hat.
Zunächst erscheint es uns als ein Gewinn, daß
Tage, die nie wiederkehren.
Don (Siegfried von Vegesack.
Was war das Schönste?
Das Treppengeländer rittlings hinunterzurut- schen?
3n der Kleeschrune heimliche Höhlen und unterirdische Gänge zu graben?
Oder im dunklen Wagenhaus unter die weißen Staubdecken zu kriechen, in die alte „Dormeuse", das viersitzige Kupee, zu klettern, den Arm in den breiten Arm Hänger zu legen, das grüne Seiden- roleau hinaufzuchnellen, und mit der kleinen Glocke, die zum Dock führte, zu klingeln?
Wie das in allen Ecken nach Mottenpulver, nach alten Parfüms, utal.cm Rei.estaub roch! 3n dieser Kutsche war noch Großtante Ernestine über Königsberg nach Dresden zum Zahnarzt gesahren...
Aber noch schöner war der Heuboden über dem Stall: da lag man versteckt, kaute Sauerampfer oder junge Gurken, die man sich aus dem Garten heimlich gestohlen, und war verschwunden, wenn draußen Karlomchen rief.
Unb dann: das Paradies unter der Gartenveranda. Da wohnten die Igel, die auf schönen Moosteppichen schnauften, sich fürchterlich zusammenkugelten und einander anzischten, wenn der Appetit groß, und der Frosch klein war, der ihnen mit Schaudern und doch heimlicher Aeugierde geopfert werden muhte.
Krähen, Elstern, weihe Mäuse. Hasen und sogar junge Störche hausten dort und fraßen aus der Hand. Unb wenn eines verunglückte, stand nicht weit im Garten die Begräbniskapelle, wo sie feierlich in Zigarettenschachteln mit vielen Blumen, Musik und traurigen Gesängen bestattet wurden.
Aber das Allerschönste war doch, wenn der alte Maarz die sechs Apfelschimmel vor die „Familiendroschke ‘ spannte: ein Ungetüm aus Hr- grohvaters Zeiten, mehr ein fahrendes Haus als ein Wagen, in dem der Länge nach aus beiden Seiten je sechs Menschen sitzen, und die zwei Jüngsten dazwischen in der Mitte noch liegen konnten, — unö vorne beim Kutscher, und hinten auf dem Dienersitz war noch Platz genug für die älteren Brüder.
Dann ging es an die Abheuschläge, wo alle Leute schon seit einer Woche beim Heuen waren.
ilnö beim Heu-Ausrollen und Einfahren wurde mitgeholsen, bis man den Hals voll kleiner Halme hatte, dah man fast erstickte ...
Wohin ist das alles entschwunden?
Steht noch die „Dormeuse" unter der weihen Staubdecke? Und die Familiendrvschke?
Steht noch das alte Haus mit dem holländischen Schindeldach, den weihen Säulen und der breiten Deranda?
D e moosbewach ene Gartenpforte ist geschlossen.
Die schmalen grauen Stäbe werfen Schatten über den vergrasten Weg, den niemand betritt.
Kleine Scherze.
Jrembes Milieu.
Töpper-Karl hatte eine Freikarte für bie Operette „Die chinesische Matte".
Töpper-Karl ging hin.
Den Hut ließ er zu Hause, unb im Foyer markierte er ben Kriegsbeschäbigten, um ben Stock nicht in ber Garberobe abgeben zu müssen.
Kommt ber Programmoerläufer: „Textbuch gefällig?"
Darauf Töpper-Karl mißgelaunt:
„Wat benn, Textbuch ... soll'n wa benn mit fingen?" (Lust. Bl.)
Traft.
Piff unb Poff jagen Auerhähne. Piff starrt angestrengt ins Dunkel ber Zweige. Plötzlich knallt Piff los. Kräftigen Flügelschlages fliegt bet Auer- hohn aus einem ganz anberen Baum auf unb Der- schwinbet in ber Finsternis.
„Sonntagsjäger!" schimpft Paff.
„Aber wie ich bas Biest erschreckt hab'!" triumphiert Piff. (Lust. Bl.)
Das Geburtstagsgeschenk.
Marion, das Töchterchen eines bekannten Pathologen, wünscht sich zu ihrem vierten Geburtstagsfest ein Kaninchen. Es wird beim Tischler ein geräumiger, mit Zinkboden und allem sonsttgen Komfort versehener Käsig bestellt, und am "Vorabend des Festes bringt der Papa ein schneeweißes Kaninchenfräulein aus seinem Institut nach Hause Des Morgens wird Marion vor den Käsig geführt. Aach kurzem Betrachten bricht sie in Tränen aus. »So ein Kaninchen will ich nicht, ich will ein richtiges Kaninchen auf Rädern!" (Luft. Dl^


