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Glf Mttttonen Stimmen

ran an die Mahtmrne!

Nachdruck verboten.

angetraute Frau

sind bei -er Reichstagswahl 1928 für Sie Wtllens- bildung -es Etaatsvolkes verloren gegangen. Goll sich jetzt solch trostloses Bild wiederholen? Um keinen Preis! Darum amH.Geptember 1930

Helene Chlodwig

-um späten Nach»

Geborgen I Dr. Franke hob

12. Fortsetzung.

Pilze 30 bis 35, Kartoffeln 5 (der Zentner 4 bis 4,50 Mk.), Falläpfel 5 bis 6, Aepfel 20 bis 40, Dirnen 15 bis 30, Dörrobst 30 bis 35, Brombeeren 40 bis 45, Preihelbeeren 30 bis 35, Pfirsiche 40 bis 70. ZWetschen 10 bis 15, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppen­hühner 100 bis 120, Nüsse 60 bis 70 Pf. das Pfund: Tauben (Stuck) 70 bis 80, Eier 12 bis 13, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 10 bis 15, Salat­gurken 10 bis 20, Einmachgurken 2 bis 4,

öorrafoni kommt nach Gießen.

Ende September kommt der weltbekannte Zir­kus Sarrasani nach Gießen. Wer Sarrasanis Riesenschau vor Jahren sah und sie jetzt wieder zu Gesicht bekommt, wird so teilt man uns mit erstaunt und überwältigt sein von den gewaltigen Fortschritten dieses Unternehmens. Den Gastspiel­tagen Sarrasanis darf man mit lebhaftestem Inter- esse entgegensehen. Dieser Zirkusgast wird eine bedeutende Verkehrssteigerung in unserer Stadt her- beisühren. Die Verkehrsmittel werden aus der Um­gebung zahlreiche Fremde hereinbringen. Darum wird auch die Geschäftswelt, werden alle Gewerbetreiben-

Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Vornan von 3- Schneider-Foerstl.

älrheber-Rechtschutz durch Berlag Oskar Meister, Werdau L Sa.

Nein", sagte sie ohne Zögern.Ich werde zu leder Stunde eingedenk sein, daß ich deine Frau bin.

Ich danke dir, Helene!" Sie schloß die Augen, als er sie jetzt mit einer Inbrunst küßte, die ihr Strome von Blut durch alle Adern trieb.

Noch vier Stunden bis zur Nacht! Dieser Nacht, von der alles abhing. Wenn dann der Morgen tagte, war die große Angst vorbei. War alles wieder gut!

Helene fühlte plötzlich eine Schwäche, die ihr den Körper gegen den Gatten lehnen und Stühe an ihm suchen ließ. Sie verspürte das Brennen der Lider, die in kraftloser Schwere über die ge­waltsam offengehaltenen Augen zu sinken drohten.

Nur keine Ohnmacht jetzt! Nur jetzt kein Zwischenfall! Erst mußte es Nacht sein!

Wie bleich du bist", sagte Franke mitleidig und nahm sie fester in die Arme. Er hielt sie wie ein Kind, schützend gegen sich gedrückt.Nuht es sich gut bei mir? Ja, mein Geliebtes?" ®r schämte sich seiner Zärtlichkeit und der großen Leidenschaft des Verlangens, das aus seinem Blute schrie. Schweigend verbarg er das Gesicht m ihrem blonden Scheitel.

Ihre kalten Hände schoben sich wärmesuchend unter seine beiden Achseln, während sich ihre Stirne an seine Brust lehnte.Deine Mutter hat mich heute, ehe wir zur Kirche fuhren, das erstemal geküßt. Ich habe ihr versprochen, daß ich dich glücklich mache. Ja. das habe ich ihr versprochen, Just! Sie hat mir so furchtbar leid getan."

»Eine Mutter muh sich in alles schicken können, mein Liebes."

Ja, das wird wohl so sein müssen, Just. Ich will tun, was ich ihr an den Augen ablefe. Bist du dann zufrieden mit mir?"

..Du Gute!" Er nahm das bleiche Frauengesicht und hob es mit weichen Händen zu sich auf. Manchmal bist du mir ein Rätsel. Helene. Dann geht es mir, wie in der Zeit, da ich noch ein Knabe war, und Großmutter mir aus den Märchenbüchern vorlas. älnd wenn ich dann alles zu wissen glaubte und alles zu verstehen meinte, öann tarn plötzlich wieder etwas ganz Neues und das Suchen und Fragen Hub wieder von vorne an. Zu Ende kam ich nie damit."

Helene wollte etwas erwidern, fuhr unter dem §>aU des Donners, der sich an den Bergwänden brach, vom Sitze auf und glitt erleichtert wieder zurück. Auf der Straße stand Bödlinger und schwenkte den Hut in großem Dogen. Das war das verabredete Zeichen, daß die Leute oben auf Rottach-Derghof die Böller abfeuern sollten.

Das Auto hielt. Franke streckte dem Verwalter die Rechte entgegen und über seine Schulter

A H^ene das gleiche.Wie lieb von -ohnen, Mamert, unsertwegen diese Ehrensalve

ger goutiert, und der unruhige, laute, allzu laute Souverän ging ihm erst recht auf die Nerven. Den inneren und völligen Riß zwischen Onkel und Neffen halten die Vorgänge während der neunund­neunzig Tage des Trauerjahres 1888 gebracht, der Versuch des damaligen Prinzen Wilhelm, seinen Vater in San Remo zur Abdankung zu bewegen, die häßlichen Szenen zwischen Sohn und Mutter am Sterbebett des Vaters, das pietätlose Verhalten des Sohnes gegen die Mutter nach dem Tode des Vaters. Wie dies die Mutter nie verziehen hatte, so auch ihr ältester Bruder nicht, mit dem sie während ihres ganzen Lebens innige Freundschaft verband.

Die Einkreisung.

Königin Viktoria stand diesen tragischen Diffe­renzen mit olympischer Ruhe gegenüber, da sie von allen gleichmäßig respektiert und geehrt wurde, von denen, die Unrecht taten, wie von denen, die Un­recht litten. Ich wiederhole aber auch hier, daß König Eduard VII. bei aller Abneigung gegen sei­nen Neffen, die vielleicht um so giftiger war, als er sie oft kaschieren mußte, bei aller Eifersucht auf das gewaltig emporstrebende Deutsche Reich und aller innerlichen Antipathie gegen Deutschland und die Deutschen einen kriegerischen Zusammenstoß mit uns nicht anstrebte und nicht einmal wünschte und in der sogenannten Einkreisung nur das Mittel sah, unferm Wachstum ein etwas langsameres Tempo aufzunötigen und namentlich die von ihm am meisten gefürchtete Eventualität, nämlich ein Zusammengehen zwischen Deutschland und Rußland, zu ver­hindern.

Lisbeth!"--Das Mädchen neigte sich tief

herab, um zu verstehen, was die Herrin sprach. Keinen Arzt!"--horte sie angstvoll flüstern.

Keinen Arzt!"

Nein, gnädige Frau!"

Auch Dr. Franke soll nicht verständigt werden."

Gewiß nicht, Frau Kammersängerin."

Als die meerblauen Seidenvorhange überein­andergezogen waren, versank * ' in einen tiefen Schlaf, der bis mittag dauerte.

Uhr, im Kaufmännischen Dereinshaus. GRG.: Generalversammlung, 20.30 Ufjr, im Bootshaus". Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Der weiße Teufel". Astoria-Lichtspiele:Der fliegende Teufel von Texas" undDie Orchideen- Tänzerin".

Tageskalender für Sonntag. Vereinigung der ehern. Angehörigen des Real­gymnasiums Gießen: Gesellschaftliche Veranstal­tung, 20 Llhr, auf derLiebigshöhe". Licht­spielhäuser: Programm wie am Samstag.

Oie Personenstands- und Beiriebs- aufnahme in Hessen.

Aus Anordnung des Reichsfinanzministers ist die Personenstands- und Betriebs­aufnahme auf Grund der Ausführungsbestim­mungen zum Einkommensteuer- und Körperschafts- geseh nach dem Stand vom 10. Oktober 19 30 durchzuführen. Der Präsident des Landesfinanz­amts Darmstadt hat im Einvernehmen mit der hessischen Landesregierung zur Ersparung von Verwaltungsarbeit den Kreis der ©emeinben, in denen die Personenstands- und Detriebsaufnahme

Helene war im einfachen Reisekleid und runden Hütchen. Die Geheimrätin und die beiden Trau­zeugen, sowie Franke waren die einzig hochzeit­lich Festgekleideten, die aus dem Gotteshause traten.

Man hatte das Diner in Tegernsee bestellt und ein zweites Auto für die beiden Brautführer und die Geheimrätin gemietet. Die herrlichste August sonne lochte vom wolkenlos blauen Him­mel, als die Neuvermählten den Bergen ent­gegenfuhren. Franke hielt traumvergessen die Hand deö geliebten Weibes zwischen seinen beiden und versank ganz in den Anblick ihrer fraulichen Schönheit.

Glaubst du, daß ich dich glücklich machen kann? durchbrach ihre Stimme das Schweigen Wirst du ein halbes Jahr und länger der Wit­wer sein können, der nur der Stunde entgegen- yarrt, in welcher er wieder Gatte sein darf?"

Ich werde es können, Helene!"

Ein schmerzlicher Zug grub sich um ihre Lippen, daß diese etwas gequält Leidvolles bekamen.Ich werde nie fragen, wenn ich zu dir zurückkomme, ob du mir treu gewesen bist. Nie! Hörst du, Just? Während ich von dir fort bin, sollst du frei sein! ©anUrei! - Sieh mich nicht so ungläubig an! Cs ist so, tote ich dir sage. Nur in der Zeit, der ich Seite an Seite mit dir lebe, bitte ich dich um deine restlose Liebe. Ist das zuviel ver- langt, lieber Mann?"

Du scheinst ja eine sehr nette Ansicht von der $uc t)<l6cn' H^ene. Die meine weicht jeden- a.il® sehr, davon ab", sagte er gutmütig und legte se/nen Arm um ihre Hüften.Oder willst du die

Nc du mir ba zugestehst, auch für dich in Anspruch nehmen?"

Warum hast du mir nie davon gesprochen?" Franke fühlte ein Unbehagen, das in seinem Gesichte sowie in seiner ganzen Haltung deutlich zum Ausdruck kam.

Gott, Just! Ich bin doch keine Alltagsfrau! Ich fand es übrigens auch nicht so wichtig, daß ich es dir gleich in den ersten Stunden un­serer Liebe habe mitteilen wollen. Schließlich ist eine Witwe doch keine Dirne!"

Wer spricht davon", wehrte er barsch, lenkte em, als er ihr bleichgeworbenes Gesicht sah, legte den Arm um ihre Schultern unb küßte sie. Es war nod)_ immer etwas Reserviertheit dabei, a. sie fühlte, baß er boch eigentlich verhält­nismäßig rasch über diese Enttäuschung hin- toeggekommen war.

So jung bist du schon Witwe geworden." Seine Stimme vibrierte noch, als er jetzt in ihren Augen suchte.Und seither?"--

Seither bin ich immer bas sehnsüchtig- hoffenbe Weib gewesen, bas auf ben Mann itjrer Liebe wartete! Es hat lange gebauert bis bu kamst, lieber Just!"

3eöt habe ich aber wirklich Eile, mein Liebes

®r Sog sie an sich unb hatte wieder den alten, zärtlichen Blick für sie, als er ihr Gesicht SU dem seinen aufhob.Küß mich nicht so scheu, geliebte Frau! Spätestens um drei Uhr bin ich wieder bet dir."

Sie begleitete ihn nach dem Flur, schleppte sich bann toiebet in das Zimmer zurück unb sah ihn ?onl Fenster aus burch ben Garten gehen unb in ben Wagen steigen.

Ales rings um sie brehte sich in Kreisen .. Die. Zofe, welche eine Viertelstunde später an öle Ture des Eßzimmers klopfte unb feinHerein" bekam, öffnete unb fanb bie Diva bewußtlos auf dem Fellbelag bes Erkers ausgestreckt. Ohne Lärm zu schlagen, wusch ihr bas Mädchen Stirne unb Schlafen mit Kölnisch Wasser unb netzte ihr bie Lippen mit bem Tokaier, ber in einer angebro- chenen Flasche auf dem Teetisch stanb.

Etwas später schlug Helene die Augen auf lächelte, und lieh sich in das Schlafzimmer fuhren'

Solch ein Versagen der Kräfte, ehe sie noch am Ziele war, durfte nicht wieder vorkommen! Nie wieder! Gierig trank sie das Glas Wein

_ Vorsicht beim Obsternten in ben Nähe von Starkstromleitungen. Beim Ernten von Obst, das in unmittelbarer Nähe der elektrischen Stromleitungen an Bäumen hängt, ist mit größter Vorsicht umzugeben. Jede Berührung dieser Leitung, ob unmittelbar, oder mittels Stangen, Leitern und anderen ©egen* ständen, insbesondere ber burch einen Dlitzpfeil gekennzeichneten Hochspannungsleitungen, ist le­bensgefährlich. Eine Reihe von Unglücksfällen, teilweise mit tödlichem Ausgang, ist bereits burch derartige Unvorsichtigkeiten eingetreten, so bah nicht eindringlich genug vor solchen Maßnahmen gewarnt werden kann.

** Die Herbarien a ls Lehrmittel in ben hessischen Schulen. Der hessische Minister für Kultus unb Bildungswesen erläßt eine Bekanntmachung, in der die Direktionen der höheren Schulen und die Stadt- unb Kreis- schulämter aufgefordert werden, zu berichten, wo sich Herbarien im Besitz von höheren Schulen, oder Volksschulen befinden. Herbarien haben, so heißt es in der Bekanntmachung, als Lehrmittel historische Bedeutung unb teils auch noch wissen­schaftlichen Wert. Sie sollten nicht vernachlässigt werben. Der Minister bittet deshalb, dafür zui sorgen, daß sie trocken unb staubsicher^aufbewahrd werden, damit sie nicht eine Beute ber Milben unb Insekten werben. Falls die Schulen zur Aufbewahrung nicht in ber Lage seien, sollen sie ihre Herbarien bem Schulmuseum an bem Päda- gogischen Institut in Darmstabt überweisen, das historisches Lehrmaterial sammelt.

** Die Stempelgebühr von Dresch­maschinen in Ortsdurchfahrten. Seit bem Uebergang ber hessischen Landstraßen auf bie Provinzen wurden ben Landwirten, die ge­zwungen waren, Straßengelände ber Ortsdurch- sahrten zur vorübergehenden Aufstellung von Dreschmaschinen in Anspruch zu nehmen, nicht nur Schwierigkeiten gemacht, fonbern bie Kreis­ämter erhoben auch für bie Ausstellung bec Erlaubnisscheine in jedem Einzelfalle und je­des Jahr aufs neue eine Verwaltungsgebühr. weist 3 Mk. Aus Grund eines Antrages Dr. Niepoth, Dr. Keller unb Genossen (DVP.), der den Erlaß der Stempelgebühr forderte, hat nun ber hessische Minister bes Innern verfügt, bah die Anträge dem Kreisamt gesammelt vorgelegt werden können, so daß bie Kreisämter die Ge­nehmigung auf Widerruf auf unbestimmte Zeit -u erteilen in ber Lage sind. Die Stempelgebühr ist also für eine Reihe von Jahren nur einmal, unb zwar für bie Gesamtheit der Landwirte einer Gemeinde, zu entrichten.

** Zwangsversteigerungen land­wirtschaftlich. Grundstücke in Hessen. Nach Mitteilungen ber hessischen Amtsgerichte wurden in Hessen im Jahre 1929, unb zwar in ben vier Vierteljahren, Zwangsversteigerun­gen eingeleitet: im 1. Vierteljahr 213 mit 581,4 Hektar (bavon burchgeführt bzw. abgeschlossen 31 mit 41,68 Hektar): im 2.Vierteljahr 195 mit 259,45 Hektar (33 mit 17,38 Hektar): im 3. Vier- . teljahr 177 mit 160,81 Hektar (36 mit 44,88 Hektar): im 4. Vierteljahr 257 mit 277,58 Hek­tar (37 mit 40,15 Hektar). In ben beiben ersten Vierteljahren 1930 stellen sich bie Vergleichs­ziffern auf: 287 mit 280,95 Hektar (48 mit 60,5 Hektar) und 280 mit 322,56 Hektar (67 mit 57,03 Hektar). Die Durchschnittsgröhe der zwangsversteigerten Grundstücke stellte sich dem­nach im 1. Vierteljahr 1929 auf über 2 Hektar war bann mit etwa 1 Hektar konstant und stieg erst im 2. Vierteljahr 1930 toieber auf über 1 Hektar an.

** Friedberger Herbst-Pferdc- m a r f t. Arn 21. Oktober findet in Friedberg öer Herbst-Pferdernarkt mit Prämiierung statt. Anmeldungen zur Prämiierung können vom 15. September ab beim Bürgermeisteramt in S75Dnerg erfolgen. Mit dem Markte wird bie übliche Verlosung verbunben sein: u. a. kommen babei als Hauptpreis fünf Fohlen zur Ver­losung. (Siehe heutige Anzeige.)

ben dieses Gastspiel begrüßen, denn Sarrasani bringt Geld in bie Stabt. Lieferanten aller Art müssen Berge von Material beschaffen, um ben gewaltigen Apparat lebensfähig zu erhalten. Es sei aber auch auf ben hohen volksbilbnerischen Wert ber Sarrasani-Schau hingewiesen. Viele Schreiben von Schulbehörden unb Stadtverwaltungen haben bestätigt, baß eine Stunde bei Sarrasani zehn Stun­den Tier- unb Völkerkunbe ersetzt. In allen Gast- spielstäbten hat man bie Schulen klassenweise zu Sarrasani geführt: nie hat man etwas von einer Enttäuschung gehört.

Auf über 200 eigenen Automobilen wirb das Weltunternehmen Sarrasani in Gießen einziehen. Iw Glanze von 15 000 elektrischen Lampen wirb die Zeltstabt ber Zehntausend wie ein Wunder aus Tausendundeine Nacht" aufleuchten. Dieses Vier- mastenzelt, das größte bisher konstruierte, werden mächtige Stallbauten für Hunderte der seltensten, exotischen Tiere, Garderoben für Künstler aller Rassen und Farben umgeben. Und: Sarrasani führt alles nur in einer Manege, einem großen Rund von 17 Metern Durchmesser, vor. Mit dem größten Zirkusbirektor kommen 500 Artisten unb 400 Tiere aus aller Herren Ländern. Wir nennen hier nur: 22 indische Elefanten, Kolosse des Dschun­gels, 14 Königstiger, 56 Löwen, Kamele, Eisbären, Zebras, Zebroid, Nilpferde, 250 Pferde, Hunderte von Chinesen, Indern, Negern, Indianern, Japa­nern, Marokkanern, Tscherkessen, Grusinern, Mulat­tinnen, Samoanerinnen usw.

_ - seine eben

in den Wagen, der vor der kleinen Kirche in einer der Außenpfarreien Münchens stanb, unb musterte die Gruppen Neugieriger.

Aus der provinzialhauptstadt.

Gießen, den 13. September 1930.

Was bu nicht erzählen sollst.

Deine Träume! Sie interessieren niemand, außer Psychoanalytiker: (und denen darfst du sie am allerwenigsten erzählen).

Deine Leiden! Laß dich durch die scheinbare Teilnahme deiner Zuhörer nicht täuschen: es ist alles Heuchelei! Sie hören gar nicht hin, sondern denken nur an ihre eigenen Leiden.

Sprich auch nicht über die Leiden deiner An­gehörigen! Sie interessieren, wenn möglich, noch weniger.

Erzähle niemand, was du gern ißt und was du nicht gern ißt! Auch nicht, was deine An­gehörigen gern essen und nicht gern essen! Auch nicht, was du unb deine Angehörigen vertragen und nicht vertragen können! Wie eure Mägen auf diese oder jene Speise reagieren.

Erzähle nie die Filme, die bu kürzlich gesehen Hast! Wenn sie noch so schön unb spannenb sind zu sehen, zu hören, sind sie unerträglich lang­weilig. (Und du bringst auch unfehlbar alles durcheinander!)

Sprich nicht davon, wie reizvoll du als junges Mädchen gewesen bist und welche Erfolge du auf Bällen gehabt hast, besonders dann nicht, wenn bu schon in reiferen Jahren bist. Es glaubt dir kein Mensch, wenn sie auch alle so tun.

Cs interessiert auch niemand zu hören, ob Heine Kinder leicht oder schwer gezahnt 6 ab en: höchstens andern Müttern darfst du davon erzählen und auch die reden viel lieber davon, wie ihre Kinder gezähnt haben.

Erzähle niemand, was für ein Wunder an Klugheit dein Hund ist, auch nicht, wie unglaublich sich dein Dienstmädchen benommen hat!

Wenn du meinst, daß diese Warnungen über­trieben sind, so mache die Probe aufs Exempel und prüfe dich einmal im stillen Kämmerlein, ob du es gern hast, wenn deine Mitmenschen dich Von den oben angeführten Gegenständenunter­halten". H. Sch.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag. Kurzschriftverein von 1861: Vereinsabend. 20.30

* *

abzugeben. Kommen Sie mit nach Tegernsee. Neben dem Chauffeur ist noch Platz."

Bödlinger lachte.Ich hab bloß Glück wünschen wollen, Frau Kammersängerin. Nach Tegernsee mitfahren, das kann ich wirklich nicht. Wir haben noch fünf Fuder Heu auf die Wies'n liegn. Das Wetter ist nicht verläßlich. Hinter'm Wendelstein brummt s schon alleweil ein bisserl. Ich trau ihm nimmer recht. Nah is nah. Ich bring's Heu lieber ung'spritzt unters Dach."

Immer pflichtgetreu", lobte Franke anerken­nendDann trinken Sie, wenn Sie abends nach Hause kommen, mit ben anderen ein paar Flaschen Wein auf unser Wohl, lieber Bödlinger."

»Da sag ich net nein, Herr Doktor! Sakra, die Wand hinten wirb alleweil finftriger, ba Darf ich schau'n. baß ich heimkomm'. Ich wünsch' halt eine gute Unterhaltung unb ein ewig langes Leden, <zrau Kammersängerin."

Ohne eine Antwort obzuwarten, drückte er den Schlag m die Riegel und lief mit langen Schritten Den -Rain hinauf, ber ein Abkürzungstoeg nach Rottach-Berghof war.

Seife, wie das Knurren eines gereizten Tieres, klang Gewitterrollen aus der Feme. Der sonnige Tag war plötzlich mit graublauen Schleiern ver­hangen.

.-Hast du Furcht?" Franke lächelte, als sich die geliebte Frau enger an ihn kuschelte unb nach feinen Händen griff.

->3ch kann dir nicht sagen, wie!" Ihre Zähne schlugen aufeinander.Der Jüngste Tag könnte mich nicht mehr in Schrecken versetzen." Sie deckte zusammenzuckend die Linke über bie Augen, so hatte sie der Strahl geblendet, der gradlinig von einem ber Bergzacken zu bem anberen gesprun­gen war.

Der Chauffeur schraubte bie Kilometerzahl hin­auf. Noch ehe die ersten Tropfen fielen, bog der Wagen unter bas schützenbe Dach bes Seehotels.

* » *

Die Geheimrätin war restlos mit ber Schwieger­tochter ausgesöhnt. Sie tat sogar noch ein übriges und ergnff Partei für diese.Warum soll eine Frau, wie bie beine, sich nicht ein bißchen schmin- len? trumtfte sie den Sohn ab, als er Helene bat, sich nicht zubemalen.

»Schminke war dir früher verhaßt", warf er verärgert hin.

Früher, mein Sohn! Eigentlich noch! Aber will boch hübsch sein! Witt ^rLaIt[encni^t? Helene ist ein toenig blaß, da hilft sie eben ein bißchen nach."

SleiiietiDegeii" sagte Franke ärgerlich.Wenn zwei FrauenJa" sagen, kann nicht einmal der $ "Vein" daraus machen."

-Und Helene Chlodwig schminkte sich weiter.

.(.Fortsetzung folgt), - -

unterbleibt, gegenüber den Vorjahren noch er­weitert. In den Gemeinden, in denen eine Per­sonenstands- und Betriebsaufnahme stattzufinden hat, beschränkt sich die Mitwirkung der Gemeinde­behörden auf die Verteilung und die Einsamm­lung ber Haushaltungslisten, Betriebsblätter und Hauslisten, sowie auf die Prüfung ber Vollstän­digkeit dieser Listen. Da in den Vorjahren wieder­holt Klagen über nicht ausreichende Mitwirkung der Gemeindebehörden erhoben wurden, soll bie Prüfung biesmal besonders sorgfältig geschehen. In Gemeinden mit staatlicher Polizei wird bie Polizei zur Hilfe gezogen.

In Oberhessen wirb bie Personenstands- unb Betriebsaufnahme in folgenben Orten burch­geführt: Alsfeld, Bübingen, Butzbach, Gam- bach, Ober-Mörlen, Steinfurth, Bad-Nauheim, Friedberg, Vilbel, Wölfersheim, Gießen, Großen-Linden, Heuchelheim, Lollar, Watzen­born-Steinberg, Wieseck, Grünberg, Großen-Bu- seck, Lich, Hungen, Laubach, Lauterbach, Schlitz, Schotten.

Gießener Wochenmarktpreise.

Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 180, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 10 bis 12, Weiß­kraut 6 bis 8, Rotkraut' 10 bis 15, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 25, Bohnen, grüne 15 bis 20, gelbe 20 bis 25, LInter-Kohlrabi 6 bis 8, Erbsen 20 bis 25, Feld­salat 100 bis 120, Tomaten 10 bis 20, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 50 bis 60, Kürbis 8 bis 10,

Has ihr das Mädchen ans Bett brachte, und löffelte zwei Halbweiche Eier dazu.

Behutsam lehnten die Finger der Zofe den seitwärts neigenden Kopf der Diva in das batist- überzogene Kissen.