Ausgabe 
13.5.1930
 
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Nr. m Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Dienstag, 13. Mai (930

Verkehrsbund Obechesien.

3m Sitzungssaale des StabthaufesBergstraße zu Sichen hielt der Derkehrsbund Ober» Hessen unter der Leitung des 1. Bunbesvor- sitzcnden, Veigeordncten Dr. Hamm, (Sieben, gestern vormittag seine diesjährige ordent­liche Jahres-Hauptversammlung ab. Die Mitglieder des Bundes (Provinz Oberhessen, die oberhessischen Kreise, Städte, Dadeverwaltun- gen, Dcrkchrsvereine, Industrie- und Handels­kammern, Handwerkskammer, B.H.C. usw.) waren durch etwa 25 Herren vertreten, ferner wohnten die beiden Vorsitzenden des Hessischen Derkehrs- verbandes, Sih Darmstadt, Kaufmann Stem­mer und Acgicrungsrat Dr. Roesener, Darm­stadt, der Tagung als Gäste bei.

Der 1. Bundesvorsihende, Beigeordneter Dr. Hamm, Gießen, widmete vor Eintritt in die Tagesordnung dem im vorigen Winter verstor­benen Vorstandsmitglied Notar Stahl, Bad- Nauheim einen warmherzigen, ehrenden Nachruf, in dem er die großen Verdienste des Heimgegan­genen um den Derkehrsbund Oberhefsrn, die oberhessische Fremdenverkehrswerbung und die gesamte hessische Verkehrswerbearbeit gebührend hervorhob. Die Versammlung ehrte den verdienst­vollen Entschlafenen in der üblichen Weise.

Anschließend widmete der 1. Bundesvorsitzende den Vertretern des Hessischen Verkehrsvcrbandes, Kaufmann Stemmer und Negierungsrat Dr. Roesener, herzliche Worte des Willkommens, ebenso dem als Stellvertreter für den Fried­berger Handelskammerpri.s.denten, Kommerzien­rat Langsdorf, Friedberg, benannten Syndikus Dr. Göbel. Sodann verlas der Vorsitzende den

Geschäftsbericht,

der ein Bild regster Tätigkeit des Verkehrsbundes zum Besten unserer Provinz im abgelaufenen Jahre 1929 gab Auf diesen Bericht werden wir wegen Raummangels in der heutigen Ausgabe morgen noch zurückkommen.

Nach der b^battelofen Entgegennahme des Ge­schäftsberichts erstattete der Bundesrechner. Bür­germeister Menge! (Schotten), die

Hechnunasablage für 1929

Danach beliefen sich im Jahre 1929 die Sin« nahmen des Bundes auf 3011,01 Mark, die Ausgaben auf 2453,74 Mark, fo daß ein Ueberschuß von 557,27 Mark verbleibt.

Namens der Rechnungsprüfer bestätigte Bei­geordneter P l o ch (Butzbach) die Richtigkeit der Rechnungsführung. Daraus wurde dem Rechner und dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt.

Oie Neuwahl des Vorstandes

Vatzungsgemäß wird der Bundesvorstand auf drei Jahre gewählt. Da das Mandat des alten Vorstandes abgelaufen war, wurde die Neuwahl notwendig

Provinzialdirektor G r a e f (Gießen) beantragte die Wiederwahl des bisherigen Dun» desvorstandes Der Redner dankte bei die­ser Gelegenheit dem Vorstand für seine hervor­ragende und erfolgreiche Tätigkeit, die er bis­her entfaltet habe Es habe sich jetzt schon her- ausgestellt, wie segensreich es war, daß Ober­hessen sich in dem Derkehrsbund Oberhessen zu­sammengeschlossen habe, denn ohne diesen Zu­sammenschluß wäre es nicht möglich gewesen, die bisherigen Erfolge zu erzielen. Erfreulich sei auch das gute Zusammenarbeiten zwischen dem Hessischen Verkehrsverband und dem Verkehrs­bund Oberhessen und daß die bei der Derkehrs- bund-Gründung gehegten Befürchtungen einer Ri- valität nicht eingetreten seien, lieber die bis­herige Entwickelung könne man sich nur freuen, und er glaube im Namen aller Körperschaften

Fünf Jahre Neichsnmdfunkgesellschast.

Oben links: Staatssekretär B.edow, Mitte: das Modell des neuen Berliner Funkhauses aus der Vogelschau; rechts: Dr. Magnus, der Direktor der Reichsrundfunkgesellschaft. Unten: die Haupt- front des neuen Funkhauses nach dem Entwurf von Professor Poelzig.

und Behörden den Wunsch aussprechen zu dürfen, daß die harmonische und ersprießliche Zusammen­arbeit zwischen den beiden Verbänden auch wei­terhin .bestehen bleiben möge.

Rach diesen Worten des Provinzialdirektors wurde der gesamte Bundesvorstand einstimmig auf drei Jahre wieder- gewählt.

Der 1. Bundesvorsihende, Beigeordneter Dr. Hamm (Gießen), dankte dem Provinzialdirek­tor für seine anerkennenden Worte und der Versammlung für die einmütige Vertrauens- kundgebung mit herzlichen Worten im Namen des Gesamtvorst anbes

Der Bundesvorstand besteht für die näch­sten drei Jahre aus folgenden Herren: Beige­ordneter Dr. Hamm (Gießen) 1. Vorsitzender, Bürgermeister Dr. V ö l s i n g (Alsfeld) 2. Vor­sitzender; Redakteur Diumschein (Gießen) Schriftführer; Bürgermeister Menge! (Schot­ten« Rechner; Bürgermeister Dr. Seyd (Fried­berg) Beisitzer. (Diese fünf Herren bilden den geschäftsführenden Dorstand.) Ferner: Oberre- gierungsrat Ritzel (Gießen), Beigeordneter Ploch (Butzbach), Geh. Justizrat Ro ern- held (Nidda), Bürgermeister Hildner (Bü­dingen), Bürgermeister Dr. N j e p o t h (Schlitz), Bürgermeister Walz (Lauterbach), weiter je ein Vertreter der Industrie- und Handelskam­mern Gießen und Friedberg, der Handwerkskam­mer-Nebenstelle Gießen und des Dogelsberger Höhenklubs

Oer Haushattsvo. ansch ag für 1930 wurde nach den Dorschlägen des geschäftsführen­den Dorstandes mit je 2450 Mk. in Einnahme und Ausgabe festgesetzt.

Verkehrs-Wervemahnahmen.

Unter PunktVerschiedenes" besprach der 1. Vor­sitzende des Hessischen Verkehrsverbandes, Kaufmann Stemmer (Darmstadt), eine Reihe von Verkehrs- werbemaßnahmen, die auch für unsere Provinz von Bedeutung sind. Er erörterte insbesondere die Her­ausgabe einer Reliefkarte von Oberstes- s e n, für die sich der Hessische Verkehrsverband im Einvernehmen mit dem Verkehrsbund Oberhefscn schon seit längerer Zeit bemüht. Eine solche Karte ermögliche eine sehr wirksame Fremdenwerbung, da sie dem Interessenten die landschaftlichen Schönheiten Oberhessens klar vor Augen führe. Die Kosten einer solchen Karte werden auf 7500 Mark geschätzt. Da die hessische Staatsregierung für diesen Zweck in dankenswerter Weise einen Betrag von 2500 Mark zur Verfügung stellte, hätten alle oberhessischen In­teressenten noch etwa 5000 Mark aufzubringen. Wei- ter empfahl der Redner eine stärkere Beteiligung Oberhesfens an den photographischen Wettbewerben für den Hessenkalender, der eine gute Werbemöglichkeit darstelle, sodann regte er die Be­teiligung an Ausstellungen für Verkehrs­werbezwecke und die stärkere Unterstützung des Hessischen Derkehrsverbandes durch die Erwerbung der Mitgliedschaft an. In der Aussprache, an der sich Provinzialdirektor G r a e f (Gießen), Kreisdirek- tor Dr. Michel (Lauterbach), Beigeordneter Dr. Hamm (Gießen), Bürgermeister Dr Seyd (Fried­berg), Redakteur B 1 u m s ch e in (Gießen) und der Referent, Kaufmann Stemmer, beteiligten, wurde die Herausgabe einer Reliefkarte von Oberhellen als ein sehr wirksames Werbemittel anerkannt. Provin­zialdirektor Graes regte noch an, diese Karte mit Bildern der oberhessischen Städte zu umrahmen, um dadurch ihre Werbewirkung noch zu fteiaern. Die­ser Vorschlag wurde allgemein gutgeheißen. Auch

über die Frage der Finanzierung kam mae in der Aussprache zu Möglichkeiten, die eine gün­stige Lösung der Frage erhoffen lasten. Weiter wurde noch zu regerer Beteiligung am Hesse» kalender ermahnt.

Iahrplanfragen.

Anschließend referierte der 2. Vorsitzende des He^» fischen Berkehrsverbandes, Regierungsrat Dr. R o e- e n e r (Darmstadt), über eine Anzahl Fahrplan­ragen der oberhefs i f chen Strecken und der Reichsbohnlinien im Frankfurter Bezirk, soweit in diesem Zusammenhänge der Verkehr mit Oberhessen in Betracht kommt. Der Redner gab da­bei aus dem reichen Schatze seiner Erfahrungen und seiner gründlichen Sachkenntnis eine Anzahl wertvoller Anregungen, die für die weitere Arbeit des Hessischen Verkehrsoerbandes und des Verkehrs- bundes Oberhessen von großer Bedeutung sein wer­den. Insbesondere unterstrich er auch die Forderung des Derkehrsbundes Oberstessen nach Wieder­einführung beschleunigter Züge auf den Strecken Gießen Fulda und Gießen Gelnhausen, ferner verlangte er weiteren Ausbau der Eilzugverbindungen zwischen Oberhessen und Frankfurt. In der Aussprache, an der sich neben dem Referenten noch der Bundesvor­sitzende Beigeordneter Dr. Hamm (Gießen), Bür­germeister Dr. Seyd (Friedberg), Bürgermeister Menge! (Schotten) und Redakteur B ! u m s ch e i n (Gießen) beteiligten, wurde Herrn Dr. Roesener Dank gesagt für seine Mühewaltungen im Interesse unserer Provinz, und ferner seinen Vorschlägen in vollem Umfange zugestimmt Bürgermeister Dr. Seyd (Friedberg) brachte weiter eine Beschwerde gegen die Stadt Butzbach in O-Zug-Angelegen- petten vor. Die Versammlung nahm einstimm g einen Antrag an, in dem zum Ausdruck gebracht wird, daß sie sich geschlossen hinter die Stadt Butzbach stellt und deren Bemühen um den Halt von v - Zügen in Butzbach einhellig unterstützt, dabei jedoch unter keinen Umständen gutheißen kann, daß diese v-Zug'Halte auch nur teilweise auf K o st e n der Stadt Friedberg gehen sollen; die Reichsbahn müsse vielmehr den berechtigten Anforderungen beider Städte entsprechen. Bürgermeister Geil (Lich) brachte noch die geradezu unglaublichen Fahrplanverhältnisse im Personenverkehr auf dev Butzbach-Licher Bahn zur Sprache und fand dabei mit seiner scharfen Kritik die volle Zustim­mung der Versammlung. Weitere Schritte in dieser Angelegenheit sollen von den beiden hessischen Der- kehrsorganisationen an den maßgebenden Stellen nachdrücklichst unternommen werden.

Gegen dte Hekoga- Verträge.

Mainz, 12. Mai. (WSR.) ImGoldenen Pflug" zu Mainz tagte gestern eine Konferenz der sozial- demokratischen G e m e l n b e o e r t r e t e r Hessens, die sich mit dem endgültigen Vertrags­entwurf der Hekoga mit der Ruhr- und S a a r g a s - A. - G. befaßte. Rach der Berichterstat­tung von Bürgermeister Dr. Kraus (Mainz), einem Korreferat von Bürgermeister Schulte (Worms) und einer lebhaften Aussprache, in der die Ablehnung der vorliegenden Vertragsent­würfe gefordert wurde, kam folgende Entschließung bei Stimmenthaltung von Bürgermeister Schulte (Worms) zur einstimmigen An­nahme:Die Konferenz der sozialdemokratischen Gemeindevertreter nimmt Kenntnis von dem Bericht der Kommission, die zur Prüfung der Fraae der Gasversorgung eingesetzt wurde, und stellt fest, daß es dem Vorstand der Hekoga, gestützt in der Haupt­sache auf die begründeten Einwendungen der sozial­demokratischen Vertreter in der Hekoga, möylich war, Verbesserungen in den Ruhr-Saar-Verträgen durchzusetzen, daß aber dadurch die sachlichen Ein­wendungen nicht restlos beseitigt sind, insbesondere

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Christoph Kolumbus "

Eine £pcr

von Tarins Milhaud und Paul Claudel

(Berlin, im Mai.

Die Auslösung der Opernform kann kaum weiter getrieben werden. Sie deutet sich natürlich auch äußerlich an. der Dühnenrahmen wird gesprengt, er genügt nicht mehr, lieber die Rampe fort ist (in der Aufführung der Staatsoper Unter den Linden) eine neue Spielfläche vorgeschoben, die der Bühne nächsten, mit Stoff verkleideten Logen- reihen bilden jetzt den Rahmen der erweiterten Szene. Aus dem vorderen Podest, ins Publikum eingeschoben, sitzt der braungekleidete Chor. Männer und Frauen, auf braunen Banken, eine braune Masse. Hinter ihr steigen Stufen zu einer Oberbühne empor, auf der sich die eigentliche Opern"-Handlung begibt, die räumlich vom Zu­schauer möglichst weit fort und dicht an den Rundhorizont gerückt ist. Diese (im Gegensatz zu der braunen Chormenge) sehr bunte und farbige Handlung erreicht also den Zuschauer doch nur durch das Medium des Chors und bildet zudem einen gewollt unwirklichen Rückblick auf die Taten des Christoph Kolumbus; auch der Spre­cher tritt noch als störender Dermittler da­zwischen: ,Sie sehen hier..." sagt er im Markt- schreicrton.Jetzt beginnt die große Revolte." Dieser marktschreierische Ansager ist ein Sym­ptom aller Formauflösung, darum hat ihn Stra­winsky imSoldaten", Goering in derSüdpol­expedition" und Doblin am Beginn jedes Alexanderplah"-Kapitels. Der Ansager ver­kündet auch, weitere Erleichterung für schwäch­liche Librettisten und Dramatiker, was sich in der Zwischenzeit begab, er weist auch einmal den ,Chor zurecht, der ein Ballett und eine sensatio­nelle Knalligkeit verlangt. So, auf die erhabene Hinterbühne verlegt, ziehen die siebenundzwanzig Bilder der Handlung vorüber.

Kolumbus als müder Greis in der Schenke von Dalladolid. Er tritt aus dem Bilde und sieht sich mitten aus dem Chor seine Dergangenheit an, die sich jetzt vor ihm abrollen wird. Aber, so neu alle diese umfangreichen szenischen Zutaten, so traditionell ist das Ethos desKolumbus". Bald beginnt die Symbolik und das Spiel mit der Allegorie: Christophorus ^bedeutet Christträger und Columbus wird von Taube (columba) abge­leitet. Ein Mysterienspiel. Nicht um Gold und Kolonien geht es. sondern darum, dem Kreuz neue Seelen zu bekehren. Die einzelnen großen Etappen sie sind neulich erst durch Wasser­manns Buch wieder aufgefrischt worden ziehen vorüber, und der erste Teil endet mit

wirksamen, chorisch leidenschastlich erregten, sze­nisch bunten Bildern von großer Schönheit und dramatischer Spannung: Im Hafen von Cadiz werden für die Amerikafahrt Zuchthäusler zu Matrosen gepreßt, die mexikanischen Gotter, grelle und exotische Farben sprühende Ungeheuer, sinnen auf Abwehr gegen die nahenden Kara- vellen. Revolte aus dem Admiralsschiff des Ko­lumbus, der Ruf: Land! Hier wird der Chor aktiv, als Cadizer Dolk, als meuternde Matrosen. Diese Handlungsansähe ersterben im zweiten Teile aber völlig. Kolumbus, der im ersten noch den Schein der Entscheidungen in Händen hielt (in Wahrheit handeln Chor und Ansager), wird jetzt ganz passiv und verfchwebt ins Nchstische. Sein Gewissen tritt in Gestalt eines fürchter­lichen Kochs zu ihm, wobei es seltsam genug be­rührt, daß Kolumbus nicht durch die Hekatomben geopferter Menschen, sondern durch die Tatsache angesochten wird, daß das neue Land nicht nach ihm, sondern nach Amerigo Despucci heißen soll. Darum heißt der zweite Teil, der Ansager ver­kündet es, die Prüfung. Prüfung, Abstieg und Dersall, bis er in den Himmel eingeht, in den ihm die spanische Königin, der er immer geheim­nisvoll verbunden war, vorangegangen ist. Halle­luja erflingt am Ende.

Hebcrall spielt der Film mit Wenn Kolumbus einen ans Land getriebenen Matrosen zum Leben erwecken will, sieht man hinter ihm den gleichen Dorgang gefilmt, es soll visionär wirken, bleibt aber Flimmerleinwand, die mit der plastischen und bunten Dekoration nicht zusammengeht be­sonders dort nicht, wo im Vordergründe so farbenfrohe Grotesken walten wie die mexikani­schen Götter, hinter deren phantastischem Treiben die gefilmten Karavellen des Kolumbus unpla- stisch und grau erscheinen. Jene Taube, die in schicksalsvollen Augenblicken immer zu ihm flat­tert, kann man nicht anders als lächelnd auf­nehmen, während sie doch wohl die heilige Er­griffenheit vor dem Mysterium erwecken soll. Das gefilmte Meer rauscht nicht, denn es ist nur photographiert (o segensreicher Tonfilm!), aber der Chor im Vordergründe, die Menschen im Hintergründe leben, tönen und reden: die Kontraste gegen den Film sind hier zu groß. So hat also, abgesehen davon, daß die Bühnenfil­merei gar nicht so neu ist Piscator ar­beitete schon vor Jahren damit der Film in der Oper seine Verheißungen vorerst nicht ge­halten. Gewiß, es ist mal was anderes. Aber nach diesem Grundsatz kann man keine Kunst machen.

Die Musik von Darius Milhaud hat die ver­schiedensten Aemter zu betreuen Sie untermalt die Worte des Ansagers und die Reden des Chors, sie begleitet den Sologesang, der hier eine Art

rhythmischer Deklamation ober, in den kirchlich be­stimmten Szenen, psalmenhaster Vortrag ist. Die ausgesprochenen und variierten eigentlichenMo­tive^ sind selten, das Melodiöse tritt ganz hinter der rhythmischen Begleitung des Worts zurück. Im er­sten Teil hat Claude! dem Komponisten jene drei bewegten Szenen gegeben, ähnliche fehlen im zweiten, das Geistig-Gespensterhafte, das Kirchlich- Erhabene und Jenseitige lassen kalt.

Araoantinos hat einige wundervolle Bilder riesenhafte schwarze Silhouetten vor flimmern­den Projektionswänden geschaffen; für den Film ist nicht er, sondern der Spielleiter H ö r t h ver­antwortlich, der den ganzen ungeheuren technischen Apparat des Werkes ebenso straff zügelt wie K l e i- b e r das Orchester und den Chor, der von Hugo Rüdel und Alexander C u r t h geleitet wird. Der Chor ist der eigentliche Herr des Abends; neben ihm herrschen Theodor S ch e i d l als wirklicher und Max Roth als jenseitiger Kolumbus und Delia Reinhardt auf der oielgeteilten Bühne. Als Ergebnis dieses sehr interessanten Abends muß aber festgestellt werden: die Auflösung der Opernform ist nahezu erreicht. Ein negatives Resultat. Und dafür ein zu gewaltiger Aufwand. G. B.

Die wiedergefundene Weltreise.

Von Andre polher.

Eine Laune des Schicksals wollte, daß ein Hauptgewinn der Wohltätigkeitslotterie Dago­bert zufiel: eine Weltreise.

Als er die bunten Zettel in Empfang nahm, die ihn die Schiffspassagen, die Reisen in Luxus­zügen. die Unterkunft und Verpflegung in großen Hotelpalästen gewährten, unb obendrauf noch tausend Mark, sozusagen als Taschengeld, da drohte sein Herz vor lauter Freude zu bersten.

Doch jäh zerstob dieses Glück, gleich einer schillernden, zarten Seifenblase. Als Dagobert noch in jauchzender Seligkeit die beengenden Wände seines bescheidenen Zimmers betrat, setzte plötzlich das Herz aus. Noch wollte es der Ver­stand nicht fassen, doch die zitternden Hände tasteten vergeblich die Taschen ab: Papiere und die zehn Hundertmarkscheine waren verschwunden.

Das Unglück stellte sich später von geringer Bedeutung heraus. Billetts und Anweisungen lauteten sämtlich auf Dagoberts Namen und konnten durch Duplikate ersetzt werden. Dicht aber die tausend Mark.

Dagobert war trotzdem entschlossen, auf die Weltreise nicht zu verzichten. Mit einer lächer­lichen Summe in der Tasche, die nicht für einen besseren Theatersitz gereicht hätte, schiffte et sich in Hamburg auf dem Luxusdampfer ein.

In den folgenden drei Monaten führten mäch­tige Schiffskolosse, rasende Expreßzüge und weit­bäuchige Ueberlandbusse Dagobert um den Erd­ball. Doch dieser sah nicht die giganttschen Wol­kenkratzer nordamerikanischer Großstädte, die poe­tisch reizvollen Landschaften Nippons, die tro­pischen Vegetationen exotischer Länder, die in den Himmel ragenden Bergspitzen Asiens. Die hämischen, geringschätzigen Blicke der um ihr Trinkgeld sich betrogen fühlenden Schiffsstewards. Hotelangestellten. Gepäckträger und übrigen Dack- schischheischer »erfolgten ihn selbst im Traume.

Dagobert rauchte nicht, trank zu den opulenten Mahlen internationaler Palaces Leitungswasser und wusch heimlich hinter sorgsam geschlossenen Hotelzimmertüren Hemden und Kragen selber.

Er kehrte von der Wettfahrt als ein ver­schlossener, erbitterter Menschenseind zurück. Freunde, die seiner am Bahnhof harrten, war­teten vergebens auf irgendeine Schilderung der großen Reise.

Zu Hause brachte ihm mit boshaftem, ver­dächtigenden Blick seine Wirttn einen Zettel: es war eine Vorladung zur Polizei, die schon seit Monaten auf ihn wartete.

Er ging hin und bekam fein verlorenes Kuvert ausgehändigt mit den Reisepapieren und den zehn Hundertmarkscheinen. Ein Wann hatte eS auf der Straße gefunden, dem seine vielen Mil- lionen den Luxus erlaubten, ehrlich zu sein.

Lange überlegte Dagobert, was er mit dem Geld anfangen sollte. Dann zog er in ein großes Hotel ein, wo die Angestellten schon am ersten Tage seststellten, daß der neue Gast entweder ein Krösus sei oder ein Defraudant: Das kleinste Trinkgeld für den geringsten Dienst war 10 Mark.

Als Dagobert eine Woche später das Hotel verlieh für länger reichten die tausend Mark nicht bildeten Speisesaal- und Etagenkellner. Zimmermädchen und Hausdiener, Liftboys und Portiers Spalier und verbeugten sich ehrfurchts­voll vor dem ausziehenden, königlich freigebigen Gast.

Lächelnd unb mit erhobenem Haupt trat Dago­bert auf die Straße und kaufte im ersten Bücher­laden mit dem letzten Selbe einige Reisebücher.

Unb viele Jahre noch tonnte er von feiner unvergeßlichen Weltteile berichten: Von den rie­sigen Städten, den exotischen Ländern unb den märchenhaften Hotelpalästen mit ihrer devoten Dienerschar. .

Hochschulnachnchten.

Amtlich wird die Smennung des o. Profes­sors Dr. Franz Hamburger von der Uni­versität Grgz zum ordentlichen Professor der Kinderheilkunde an der Unioerfität Wie« al* Nachfolger von Prof. Pttguet bestätigt.