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Mittwoch, 12. November 1930

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 265 Drittes Blatt

Aus dem Reiche der Frau.

Landfrauenarbeit.

Don E'isabet Boehm, Shrenprüsidentin des ^eichsverbondeö Landwirtschaftlicher

Hausirauenvereine.

Die Landfrauenarbeit umfaßt ein so weite- Gebiet, daß man bei ihrer Besprechung immer nur einen kleinen Teilausschnitt behandeln kann. Ehe und Kinder, geistige und körperliche Kinder­erziehung, Erziehung der hauswirtschaftlichen Hilfskräfte im Lehrlingswefen, bewußte Hebung der Hauswirtschaft und ihre planvolle Leitung hat die Landfrau Wohl mit der Stadtfrau ge­meinsam als Arbeitsfeld, aber für sie kommen noch die großen volkswirtschaftlichen Aufgaben in Gartenbau, Kleintierzucht, in Milchwirtschaft und Schweinezucht nebst dem weiten Gebiet des Absatzes und dev Verwertung hinzu. Darüber aber spannt sich im weiten Dogen die soziale Arbeit der Landfrau in der Fürsorge für den großen Kreis ihrer Mitarbeiter in Hof, Gut, Dors und Gemeinde.

So will ich heute nur einen ganz kleinen Aus­schnitt der Landfrauenarbeit besprechen: ihre Ar­beit für Absatz und Verwertung landwirtschaft­licher Erzeugnisse. Voraussetzung ist hierbei, daß sie den Charakter ihrer Hauswirtschaft um­gestellt hat, daß sie aus einer nur verarbeitenden und erhaltenden eine erwerbende Hauswirtschaft gemacht hat. Daß sie also die Erzeugung in Garten und Geflügelhos über den eigenen Vedars hinaus für den Markt, für den Handel gesteigert hat. Dieses Erzeugen für den Handel erfordert Verbesserung der Ware, also Herstellung einer haltbaren Qualitätsware und Kenntnis der Ab­satzverhältnisse und gegebenenfalls sogar Schaf­fung von Absatzwegen.

Die deutsche Landwirtschaft leidet heute ganz allgemein unter mangelndem Absatz, weil die Auslandware gleich nach dem Kriege dem ausgehungerten Volke sehr willkonimen heute unsere Märkte so überschwemmt, daß der deutsche Dauer in seiner Vereinzelung völlig von dem geschlossen auftretenden 3inporthandcl vom Markt verdrängt wird. So sehen wir überall in land­wirtschaftlichen Kreisen und ihren behördlichen Vertretungen das Bemühen, durch genossenschast- lichen Zusammenschluß den eigenen Absatz zu fördern und die Auslandware zurückzudrängen. Der Einsichtige weiß, daß wir dazu einer ent­schlossenen nationalen Handelspolitik bedürfen, die nicht dem Trugbild 5er billigen Lebensmittel nachjagt.

Die Landfrauen haben schon vor 30 3obren angefangen, den Absatz ihrer Qualitätsware in die eigene Hand zu nehmen, indem ihre Berufs- vrganisation die Landwirtschaftlichen Haus- frauen-Dereine sich eigene Verkaufsstellen schufen, die gemeinsam von ihren Mitgliedern aus Stadt und Land geleitet wurden. 3n Ost­preußen, dem Geburtslande der LHV, haben sich diese Verkaufsstellen so entwickelt, daß sie jetzt einen Jahresumsatz von 3 Millionen Mark haben. Sie nehmen an Zahl und Umsatz jährlich zu, weil sie sich völlig das Vertrauen der städtischen Hausfrauen erworben haben. Die Waren der Verkaufsstellen sind unter allen Umständen gut, frisch und preiswert. Für die Landfrauen aber ist es notwendig, bei ihrer Herstellungsarbeit mit festen Preisen rechnen zu können und nicht mit den schwankenden Ergebnissen eines guten oder schlechten Markttages oder mit der größeren oder geringeren Geschicklichkeit ihres zum Markt gehenden Verkäufers.

So sehen wir denn, wie die Verkaufsstellen der LHV. den Landfrauen die Steigerung der Waren- erzeugung erleichtert haben und ihnen Mut und Kraft geben, ganz bewußt die Auslandware zurückzudrängen. Unter der Rückendeckung der

eigenen Verkaufsstellen sind die Landfrauen dem Handel nähergetreten unD versuchen, ganze Kauf­läden zu beliefern unter der Bedingung, daß letztere kein ausländisches Gemüse und Obst führen Mir ist ein Fall bekannt, wo eine Land­frau mit ihrer großen Gemüsezucht unter Glas diesen Weg erfolgreich beschritten hat und die Läden der RachbarstaDt so beliefert, wie sie eS notwendig haben. Mit den Kaufleuten zusammen ist auf diese Weise die Gemüseeinfuhr in diese Stadt verhindert worden.

Die Werbung für Roggenbrot haben viele Landfrauen dadurch in die Hand genommen, daß sie gutes Roggenbrot zum Verkauf backen. Sie kaufen ihrem Wann den Roggen ab, lassen ihn beim nahen, kleinen Müller mahlen und backen nun ein hochwertiges reines Roggenbrot, was sehr viel besser schmeckt als daS Dockerbrot, weil das Mehl besser ist als das immer mit Weizen- absallmehl untermischte Roggenmehl, womit der Handel die Däcker beliefert. Der Erfolg zeigt, daß die Stadtbevölkerung solches .Landbrot" sei es feines oder grobes Roggenbrot sehr gerne kauft. Der Vorteil liegt auf beiden Seiten: ie Landfrau hat einen guten Verdienst und die Städter essen ein vollwertiges Drot, dem nicht durch die hohe Ausmahlung alle Vitamine ent­

zogen sind. Würden unsere Kinder wieder mit grobem Drot und mit Mehl angerührter Milch­suppe. anstatt mit Kaffee und Weißbrot aus- gezogen, so würden sie auch toiever gesunde Zähne haben, die ihr Lebenlang vorhalten. Der deutsche Dauer aber würde seinen Roggen los- werden. DaS deutsche Klima läßt vielfach nur Roggen-, leinen Weizen anbau, zu, und wir wür­den unserer Volkswirtschaft die Ausgabe für amerikanischen Weizen ersparen.

Die Werbung für deutschen Roggen, deutsches Obst, Gemüse. Eier, "Butter hat die Landfrauen hineingeführt in das Werben für deutsche Waren überhaupt, zum Schutz der deutschen Arbeit zwecks Minderung der Arbeitslosigkeit. Dazu ist Waren- kenntniS der Käufer notwendig, die ja oft gar nicht wissen, was deutscher Herkunft ist. Und so haben sich die LHV. in die Kampfesreihe für eine .Deutsche Woche" gestellt. Das ist eine alljährlich wiederkehrcnde Woche, in der überall nur deutsche Waren ausgestellt und verkauft werden. Das sind Anfänge für eine hoffentlich ganz Deutsch­land überziehende "Bewegung deutscher, vater­ländischer Arbeit, ausgegangen von den Land­frauen und ihrem "Bestreben, Absatz und Der- Wertung deutscher Waren zu verbessern.

Es ist ein trauriges, aber durchaus typisches Bild unserer Tage, in der ständig wachsenden Zahl der Arbeitslosen viele junge Frauen und Mädchen zu finden, die aus dem Wirtschafts­und Berufsleben notgedrungen ausgescha.tet wur­den. 3ft es daher ein Wunder, wenn Eltern sich mit banger Sorge fragen, welchen Beruf denn nun ihre Tochter nach dem Verlassen der Schule ergreifen soll, und wenn die jungen Mädchen selbst einige Angst vor ihrer Berufswahl emp­finden?

Wenn ich im folgenden zum Thema der Be­rufsaussichten Stellung nehme, so kann ich im Rahmen dieses kurzen Zeitungsaussatzes lediglich einige allgemeine Hinweise geben; auch sollen sich meine sachlichen Ausführungen auf den Kreis der kaufmännischen, gewerblichen, handwerklichen und technisch-wissenschaftlichen Berufe beschrän­ken.

Ganz allgemein kann über die heutige Lage des Arbeitsmarktes gesagt werden, daß infolge der überaus starken Konkurrenz mehr denn je Spitzenlei st ungen auf allen Gebie­ten gefordert werden. Rur wenn die be­treffende Stellungsuchende in der Lage ist, allen Ansprüchen der interessierten Firma ge.echt zu werden, wenn es ihr möglich ist, Den Besuch voll­wertiger Lehranstalten nachzuweisen, kann sie hoffen, eine Anstellung zu finden. Deutschland ist infolge seiner schwierigen Wirtschaftslage, seiner Geld- und Rohstoffknappheit dazu gezwun­gen, das Hauptgewicht seiner 3ndustriepolitik auf die Material- und Verarbeitungsseite zu legen. Zur Herstellung von Qualitätserzeugnissen g<choren aber nicht nur Qualitätswerlzeuge, ge­hört auch eine vollwertige Organisation und ge­hören vor allem Menschen von besonders Hoyer Leistungsfähigkeit. Wir brauchen solche Quali­tätsmenschen heute dringender denn je, nicht nur auf geistig-schöpferischem Gebiete, sondern auch auch auf dem Gebiete der handwerklic^n, kauf­männischen und technischen Berufe. Zur Her- anbildungvonQualitätsarbeiterin- n e n ist aber eine gewissenhafte Schulung von­nöten. Auf dem von den öffentlichen Dildungs- inftituten vermittelten Grundwissen muß eine gründliche und ernste Sonderausbildung auf­

stituten, Prüsungsämiern, Zuckerfabriken Gas­anstalten usw. ein interesiantes und lohnendes Arbeitsfeld zu finden.

Für die Berufswahl entscheidend ist in Dielen Fällen immer noch die individuelleBegabung des jungen Mädchens. Verfügt es zum Beispiel übet ein ausgesprochen zeichnerisches Talent, o bietet der "Beruf Der Mode- und Reklame- z e i ch n e r i n noch gute Aussichten. Um den For­derungen unserer Zeit nach entsprechend vor­gebildeten Fachkräften im vollen Umfange ent­sprechen zu können, hat man daher auch auf die­sem Gebiet zur Vorbildung eine dreijährige Lehr­zeit ein geführt, die an manchen 3nftituten, wie zum Beispiel am Lette-Verein in Berlin, staatlich anerkannt ist. Für den praktischen Erfolg in die­sen Derufsgruppen wird allerdings immer die Begabung der Anwärterin ausschlaggebend fein. Das junge Mädchen muh imstande sein, seinen Arbeiten eine persönliche und interessante Rote zu geben, um Aufmerksamkeit auf sich lenken zu können.

Oft wird die Unterbringung von Absolventin­nen der verschiedenen Berufsgruppen dadurch erschwert, daß die Stellungfuchenden sich allzu sehr auf Posten in der Großstadt versteifen, an­statt Der Tatsache Rechnung zu tragen, daß eine Anstellung in einer kleineren Stadt durchaus nicht weniger aussichtsreich zu sein braucht und zumindest als Sprungbrett für einen späteren Groß st ad tp osten geeignet ist.

Zum Schluß sei nochmals mit Rachdruck be­tont, daß Heulzutage beim Unterkommen im Wirt­schaf tsleo en Glück und Protektion eine weit ge­ringere Rolle spielen systematische Doc.U- dung und genügende Kenntnisse Der Anwärterin. 3e gründlicher und vielseitiger also die Untere lagen der Stellungsuchenden sind, um so größer wird für sie Die Aussicht fein, im praktischen Be­rufsleben einen Platz zu erobern.

gebaut werden. 3n allen Fällen sollte eine ab­geschlossene Schulbildung Die unumgängliche Vor­aussetzung für Die Aufnahme in Die einzelnen SonDcrausbildungen fein.

SinD Die VorbeDinguvgen bezüglich Der Aus­bildung richtig erfüllt, so gibt es immer noch eine ganze Anzahl von Berufen, Die ihren An­wärterinnen eine aussichtsreiche Zukunft ecoff- . nen. So macht sich z. B. zur Zeit ein ausgespro­chener Mangel an geschulten Diätküchen­schwestern bemerkbar unD es ist in Den letzten 3ahren nicht möglich gewesen, Die günstigen An­gebote auf Diesem Gbebiete auch nur annähernd zu befriedigen. Die Ausbildung Der Diätsachkraft Dauert ein 3ahr. Sie fetzt allerDings schon eine abgeschlossene lrankenpftegerifche Vorbildung und gute hauswirtschaftliche Kenntnisse voraus, ist Daher nur einem begrenzten Kreise von Berufs­anwärterinnen zugänglich.

Für Die jüngeren Absolventinnen Der einzelnen Berufslehrgänge erweist sich Das Volkswirtschaft- lich an sich höchst beDauerliche Symptom, Daß ältere Arbeitskräfte sich nur schwer unterbringen lassen, als vorteilhaft; einem großen Teil von ihnen gelingt es in verhältnismäßig kurzer Zeit, Stellungen mit guten Anfangsgehältern zu fin­den. Haben Die Anwärterinnen zuvor eine grünD- liche und vielseitige AusbilDung in Den Handels- unD Sprachwissenschaften an einer anerkannten höheren HanDelsschule mit Erfolg durchlaufen, so sind sie meist in Der Lage, als Privat­sekretärinnen unD fremdsprachliche Korrespondentinnen in kaufmännischen Betrieben, industriellen Unternehmungen und der- gleichen mitjuarbeiten. Derartige Posten werden meist recht hoch bezahlt und Die Berufsaussichten auf Diesem Gebiete sind nach wie vor nicht un­günstig.

3ünger als der Beruf Der technischen Assisten­tin an meDizinischen 3nftituten ist Derjenige Der Chemotechn ikerin (technische Assistentin an chemischen Betrieben), Der sich erst mit der wach­senden Zunahme der neuzeitlichen industriellen Unternehmungen entwickelt hat. Er bietet den Absolventinnen der staatlich anerkannten zwei­jährigen Lehrkurse Aussichten, als Mitarbeiterin­nen an chemischen Fabriken, wissenschaftlichen 3n-

Vemssaussichten für junge Mädchen

Son Dr Lilly Hauff, Direktorin des Letteverems.

Oer moderne (Säugling.

Don Or. med. Lnnemaie Scheeffcr.

Die erschreckend hohe Ziffer der Todesfälle im ersten Lebensjahr veranlaßte vor etwa 30 Jahren Die Aerzte, nach Grund und Ursache der Sterblichkeit zu suchen und sie zu bekämpfen. Die Erkenntnis, daß nicht nur die Säuglinge ärmerer Kreise, sondern aller Bevölkerungsschichtcn in so hoher Zahl dem Tode verfallen waren, führte zu einer Reform in der Er­nährung und Lebenshaltung des Kindes im ersten Lebensjahr.

Licht Luft, Sonne und natürliche Ernährung ist jetzt die Losung moderner Säuglingspflege. Die Steckkissen sind verbannt, man läßt dem Kinde dafür durch angemessene Bekleidung möglichst viel Stram­pelfreiheit, stellt es an warmen, windfreien Tagen in die frische Luft, statt wie früher das Zimmer zu verdunkeln und die Fenster zu schließen. Das tägliche Bad dient nicht nur zur Reinigung, sondern stärkt durch lebhafte Bewegung der Glieder im Wasser die Muskulatur des kindlichen Körpers. Die Kräftigung der Muskeln unterstützt man bestens, wenn man sechs bis zehn Wochen nach der Geburt anfängt, mit dem Kinde zuturnen", das sind einfache Be­wegungen, die jede Kinderschwester, jede Hebamme heute der jungen Mutter zeigen kann.

Auch das Bettchen sieht anders aus als früher. Verbannt sind die weichen Unterbetten; das Kind liegt auf einer festen, flachen Unterlage, das Köpfchen unterstützt von einem flachen Roßhaarkissen. Bedeckt ist der Säugling mit einem leichten Federbett bzw. im Sommer mit einer Steppdecke. Sehr zu empfehlen ist das Torfmullbettchen, das statt der festen Matratze Torf enthält, über dem ein mit Nessel bespannter Rahmen liegt. Der Wert dieses Bellchens liegt in der allgemein bekannten guten Saugfähigkeit Des Torfes. Die nasse Stelle ist rasch fortgenommen und durch trockenen Tors ersetzt, der Rohmen schnell aus­

Rationalisierung im Haushalt

Don Dr. med. h. c. Hedwig Heyl, Äerlin, Sdrenvorsihenden des ^eichsverbandes

Deutscher Hausftauenvereine und desDeutschen Lyzeumkluds.

Der Weltkrieg hat zu einer ungeheuren Er­weiterung Der beruflichen Tätigkeit unserer Frauenwelt geführt. War Die Frau früher vor­nehmlich Schühcrin Des häuslichen HerDes, Mut­ter ihrer Kinder und ängstlich vom Manne vor Dem Lebenskämpfe bewahrt, steht sie heute in­mitten Des praktischen Lebens, oft sogar in Dor- postenstellung im Ringen um Die Existenz.

Etwa 11 Millionen Deutscher Frauen sind heute im Erwerbsleben tätig, lieber 4 Millionen Dieser Frauen sind verheiratet; viele von ihnen haben mehrere Kinder. Sie üben also nicht nur eine oft überaus aufreibende Tätigkeit in ihrem "Be­rufe aus, sondern sie sind gezwungen, daneben auch die schwierigen Pflichten als Hausfrau und Mutter zu erfüllen.

Diese Entwicklung, bedingt Durch Die fteigenDe Wirtschaftsnot unseres Volle-, hat zu einer V e r- viels achung Der hausfraulichen Pflichten, zu einer starken ^Intensivierung hauswirtschaftlicher Arbeit und Ausbildung ge­führt. Vielseitig und verantwortungsvoll ist Der Beruf Der Hausfrau. Reben Pünktlichkeit, Ord- rtung unD Sparsamkeit erforDett er viel müh­selige Kleinarbeit, er verlangt vor ollem aber auch eine Beherrschung von mancherlei Kennt- nissen, Die nur aus einem Mitgehen mit Der ständig fortschreitenden Wissenschaft und aus einem Echritthalten mit Der unermüdlichen Technik fließen.

3ch denke hierbei nicht nur an solch wichtige Fragen, wie etwa Die Kenntnisse Der moDernen Vitaminforschung, sondern auch an die unzähligen neuen modernen Koch- und Haushaltsgeräte, Die uns immer aufs neue von einer unermüdlichen Technik beschert werden. Genau so wie in Der 3nDuftrie kennen wir ja in Der moDernen Haus­wirtschaft eine Rationalisierung, Deren Ziel Die Vereinfachung Der Haushaltsführung ist.

Genau so wie in der 3ndustrie muh aber Die Ra ionalisierung in Der Hauswirtschaft planmäßig unD zweckbewuht Durchgcführt werDen. Die Haus- frau will und muh es ablehnen, blindlings all jene Gegenstände zu übernehmen, mit Denen em

übereifriges Unternehmertum sie beglücken will. Sie will wägen, prüfen und die praktische Der- wendungsmöglichleit Der neuen Geräte und Appa­rate feststellen. Schon längst finD Die über 300 Deutschen Hausfrauenvereine bemüht, Diese ForDe- rung in praktischer Weise in Die Tat umzusehen. Wir besitzen in Leipzig eine Versuchs st elle, in Der alles, was einer Verbesserung der Haus­haltsführung dienlich ist, alles was zur Förde­rung unserer.Wohn- und Lebenskultur beitragen soll, geprüft und untersucht wird. Die große Ausstellung ..Die Frau im Haus und Be­ruf" im 3ahre 1912, an Deren ZustanDekommen ich mitwirken Durfte, stellte ja alle diese Pro­bleme in ihren praktischen Auswirkungen zum ersten Male öffentlich zur Diskussion und brachte sie in einer systematischen Uebersicht Der Oeffent- lichkeit naher. Heute sind wir deutschen Haus­frauen bereits so weit, daß wir nicht nur Reues prüfen, sondern von uns aus Der 3ndustrie Anregung geben in bezug auf praktische Reue- rungen, Die sich aus unserer Erfahrung ergeben haben. Wir wollen Die Tätigkeit weiter ausbauen unD streben so eine Art praktische Zusammen­arbeit zwischen 3nDustrie und Hausfrauenwelt an, Die zum Segen für Die gesamte Volkswirtschaft ausschlagen soll.

Die Vertiefung Der Kenntnisse moderner Haus­wirtschaft, die Hebung der Hous rauenwürde durch die Ausschaltung eines gefährlichen Dilettantis­mus, soll auch auf andere Weise erreicht werden. Erwiesenermaßen gibt die Leitung eines Haus­haltes schon eine Garantie für den Besitz von gewissen Kenntnissen und Erfahrungen in Der Hauswirtschaft. Es mangelte nun bisher an Der Bestätigung des Besitzes dieser KennMifse von objektiver, autoritativer Seite aus. Es fehlte sozusagen das Pünktchen auf Dem L Es War gewiß ein glücklicher Gedanke Der hausfrau­lichen Berufsorganisationen in Deutschland, das Diplom einerMeisterin der Haus w ir t. schäft" zu schaffen. Dieses Diplom beftahgt feiner 3nhaberin Den Besitz hauswirtschafllicher Kenntnisse und die Beherrschung der grunDlegen- Den Regeln dieses wichtigen Faches. Die deutschen Hausfrauenvereine und Schulen haben es unter­nommen, Kurse einzurichten, in Denen all jene Kenntnisse praktischer wie theoretischer Ratur vertieft und wenn nötig vermittelt werden, deren Besitz die Erlangung des Diploms voraussetzt. Dieses Diplom einerMeisterin der Hauswirt­schaft", das zum ersten Male in Königsberg, heute in vielen Städten, erteilt wurde, bietet

also nicht nur dem Einzelhaushalt eine Garantie dafür, daß die leitende Frau in jeder Beziehung Die Hauswirtschaft beherrscht, sondern es soll auch Frauen, Die aus besonderen Gründen heraus sich einen Wirkungskreis in einem fremden Haus­halte suchen, in Die Lage versetzen, den Befähi­gungsnachweis einer allgemein anerkannten Or­ganisation vorzuweisen.

Aber noch mehr. Den neuen Meisterinnen der Hauswirtschaft, Die in ihrer Wirtschaft tätig finD, soll mit Dem Besitze des Diploms auch Die Berechtigung zur AusbildungHauswirt- schaftlicher Lehrlinge" gegeben werden. Diese Ausbildung kann zum Beispiel in Der Form einer Unterweisung von Haustöchtern ftatt- finDen, als Haushaltshilfe unD Hausangestellte, Die über Können verfügen, Die höherem Entgelt Dann besser entsprechen wie bisher.

Auch Der Wirkungskreis Der Frau läßt sich schöpferisch gestalten. Wirtschaften ist eben eine Kunst unD nur durch eine souveräne Beherrschung ihres Gebietes ist Die Frau in Der Lage, Das ihr unterstellte Reich richtig zu verwalten und Der häuslichen Kleinarbeit Den Stempel iDealer Betätigung auszuDrücken.

November-Rezepte.

Don Liselotte ©eiter, Schloß Dornburg.

Die winterliche Zeit naht. Stürme, düstere Wolken, täglich rascher schwindenDeS Tageslicht fünDen deutlich des Winters Beginn. Die un­freundliche Witterung, die nassen, ausgeweich­ten Wege zwingen zum Stubenhocken für manche Stunde am Tage, Die wir in Der besseren 3ahrcszeit im Freien verbrachten. Die Erzeug­nisse t*ed Schweineschlachtens. Die Beute Der nun beginnenden 3agDen verlocken zu stärkerem Fleischgenuß. Da muh man, als gesundes und notwendiges Gegengewicht, fein Augenmerk auf solche Gerichte und Rahrungsmittel richten, die dem Körper Vitamine und säurefeindliche Basen zusühren. Außer mit rohem Obst, Rüssen und Schnittlauch Der wie Petersilie Den Winter über in Töpfen sich halten läßt kann man durch folgende Rezepte den Mittag-- und Abend­tisch zuträglicher gestalten und schmackhaft be­reichern:

Gefüllte Aepfel oder Sellerieknol­len. Rohe große Aepfel oder ziemlich weich ge­kochte Sellerieknollen höhlt man vorsichtig aus,

füllt sie mit einer beliebigen Fleischfarce, be­träufelt sie mit etwas Butter und schmort sie unter Beigabe von Würfel- oder Gemüsebrühe vollends gar. Man kann sie auch, mit etwa- geriebener Semmel bestreut, im Ofen Überbacken lassen. Mit aus dem Saft bereiteter Soße, Salz­kartoffeln ober Kartoffclschnee und Salat ge­reicht, bildet das Gericht eine wohlschmeckende kräftige Speise.

Tomatenschnitzel. Große, seste, reife To­maten schneidet man in dicke Scheiben, läßt den alhuvielen East etwas ablaufen, paniert Die Scheiben unD brät sie in steigender "Butter auf beiden Seiten. Man serviert die Schnitzel mit Kartoffelsalat. Auch ein guter Brühreis schmeckt vortrefflich dazu.

Gebackene Gemüse. Verschiedene gekochte Gemüse Schwarzwurzeln, Dlumenkoylrofen, Kohlrabi, Selleriescheiben. Möhren, Porreestengel usw. werden in Pfannkuchenteig getaucht, schwimmend in Fett gebacken und mit einer Kräutersoße aufgetragen.

Pilzkartoffeln. Rohe Kartosfelscheiben werden mit Zwiebel in Fett halbgar gedünstet. Dann gibt man etwas Gemüsebrühe, kleinge­schnittene Pilze und ein Mehlteiglein hinzu unb läßt das Gericht im zugedeckten Topf fertig schmoren.

Spinatplatte. Fertig zubereiteter Spinat wird mit rohen, halbierten Tomaten garniert und mit Bratkartoffeln zu Tisch gegeben.

Türkischer Salat. Rohe Tomaten und Aepfel schneidet man in Scheiben, vermischt sie mit etwas Zitronensaft, Zucker und dicker, ge­schlagener Sauermilch, richtet den Salat berg- artig an und umgibt ihn mit Puffreis oder Puffmais.

RohesApfelkompott. Rohe Aepfel wer­den auf Der Glasreibe gerieben und mit Zucker, Rosinen, zerstoßenen Rüssen und etwa- Zitrone vermischt.

Auf ein ungemein gesundes Essen soll xum Schluß noch aufmerksam gemacht werden: rohes Sauerkraut. Es Darf mit nicht allzuviel Salz eingelegt werden. Beim Einschichten Apfelscheiben, Wacholderbeeren oder Weinbeeren Darunter ge­mischt, verbessert den Geschmack und gesundheit­lichen Wert des Krautes wesentlich. Man kann das rohe Sauerkraut, rasch gewaschen, verzehren, wie es auS dem Topfe kommt. ES läßt sich aber anch mit Hilfe von Sahne und Zitrone ein äußerst wohlschmeckender Salat davon bereiten.