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Sitzung sieht man mit begreiflicher Spannung ent­gegen; denn von ihm hängt cs ab, ob der Reichs­tag aufgelöst wird, oder nicht. Jedenfalls steht dies­mal fest, dah die Regierung morgen die endgül­tige Entscheidung suchen wird. Die Stim­mung, die in fireifen der deutschnationalen Fraktion heute abend herrschte. wareindeutigaufAb- lehnung der Steuervortagen eingestellt. Man wird abwarten müssen, ob bis morgen mittag eine Wandlung eintritt. Die Erklärung, die der Kanzler zu § la Im Reichstag abgeben wird, wird sehr präzise und bündig sein. Das Kabi­nett hat ihm Vollmacht gegeben, die Erklärung aus­zuarbeiten. so dah eine neue Kabinektssihung nicht mehr nötig ist.

Ser Kamps im ReMagsplemmi

Berlin, 11. April. (VDZ.) In der heutigen Sitzung des Reichstages wurde die zweite Beratung der Deckungsvorlagen fortgesetzt.

Abg. Or. Zöhr (3<nfr.)

gab im Namen der hinter der Regierung stehenden Parteien, mit Ausnahme der Bayerischen Volks- Partei, eine Erklärung ab des Inhalts, die Parteien würden trotz mancher Bedenken den Deckungs­vorlagen z u st i m m e n , um die dringend not­wendige Sanierung der Reichskasse und Entlastung der Wirtschaft zu ermöglichen.

Sämtlich« hinter der Regierung stehenden Par­teien hätten gestern den Initiativantrag zum Agrarhilfsprogramm unterschrieben. Sie würden sich aber bei einer Ablehnung der Deckungsvorlagen an diese Unterschrift nicht ge­bunden fühlen und würden sie in diesem Fall zurückziehen. (Beifall.)

Wir betrachten die Ordnung der Finanzen des Reiches zugleich als die Voraussetzung für die Wie­derbelebung der Wirtschaft, die wiederum Voraus­setzung ist für die Behebung der sozialen Notstände. Mit unserer Zustimmung zu den Vorlagen geben wir dem besten Willen Ausdruck, eine gründliche Finanzreform und Steuersenkung mit aller Beschleunigung in Angriff zu nehmen und durchzuführen. Gleichzeitig legen wir Wert darauf, mit aller Deutlichkeit auf die Konsequenz einer Ab­lehnung des Finanzprogramms hinzuweisen.

In der Einzelberatunq protestierte Abg. T o r g I e r (Komm.) in einer Geschäftsordnungsbemerkung gegen die Methode, das Agrarprogramm als Aendc- rungsantrag zu behandeln.

Abg. Dr. Dessauer (Zentr.) beantragte hierauf die Ueberweisung des Antrages über das Agrar- programm an den Steuerausschuß.

21bg. Berndt (Dn.) widersprach der 'Aus- schuhÄerweisung. Das Vorgehen der Regie­rungsparteien lasse darauf schließen, dah es ihnen mit dem Agrarprogramm gar nicht ernst sei.

Abg. v.Lindeiner-Wildau (Chr.-R.) be­tonte demgegenüber, man wolle im Ausschuh eine durchaus sachliche Beratung des Agrarpro­gramms durchführen.

Abg. Sorg Ier (Komm.) beantragte Absetzung der Aenderungsanträge, mit denen das Agrar­programm und die LImsatzsteuererhöhung durch­geführt werden soll, von der Tagesordnung.

3m Hammelsprung stimmten die Deutschnatio­nalen mit den Regierungsparteien gegen die Absetzung. Der Antrag Torgler wurde mit 210 gegen 146 Stimmen abgelehnt.

Zur Einzelberatung kommt zunächst die Aende- rung der Tabak- und Zucker st euer.

Qttg. Bergholz (Soz.) wendet sich gegen den Aenderungsantrag der Regierungsparteien, der im Gegensatz zur Regierungsvorlage die Tabak-

jetzt

Gartenfrühling

Von Hermann Hesse.

Wer einen Garten hat, für den ist es , Zeit, an die vielen Frühlingsarbeiten zu denken. Da geht man nachdenklich durch die schmalen Wege zwischen den leeren Beeten, die noch gar nicht frühlinghaft aussehen. Auf den Wiesen, an Bachrändern und am Saume der warmen, steilen Weingärten treibt aber schon mancherlei grü­nes Leben, es stehen auch schon die ersten, gelben Mattenblumen mit schüchtern frohem Lebens­mute im Grase und schauen mit offenen Kinder­

augen in die stille, erwartungsvolle Welt. Aber iiL Garten ist, anher den Schneeglöckchen, noch alles tot, hier bringt der Frühling weniges von selber, und die nackten Beete warten gedul­dig auf Pflege und Samen.

Die Spaziergänger und Sonntags-Ratur- frrninde haben es jetzt gut; sie können umher­gehen _ und dem Wunder der Wiederbelebung vergnügt zuschauen. Sie sehen das Wiesengrün mit frohen, farbigen Erstlingsblumen bestickt, die Baume mit harzigen Knospen beseht, sie schneiden ,rch Zweige mit Palmkätzchen ab, um sie daheim "6 Zimmer zu stellen, und betrachten alle die Herrlichkeit mit einem behaglichen Erstaunen bar- aber, wie leicht und selbstverständlich das zu- geht dah alles zur rechten Zeit kommt und treibt und zu blühen beginnt. Sie haben wohl Gedanken,' aber keinerlei Sorgen dabei, da sie nur das Gegenwärtige sehen und weder Racht- froste, noch Engerlinge, noch Mäuse und an- Deren Schaden zu fürchten brauchen.

.®te, Gartenbesitzer haben es in diesen Tagen nicht so beschaulich. Sie gehen umher und merken versäumt ist, was noch hätte ge- WljcTx können; sie besinnen sich, was dies 3ahr werden soll, betrachten mit Sorge die Beete, die bor*0cn 2ahre schlecht gehalten haben, überzahlen ihre Dorräte an Samen und Knollen, Gartenwerkzeug, finden den

' rn1 abgebrochen und die Baumschere ver- i* Natürlich geht es nicht allen so. Die ?^5^0ar^er haben ihre Gedanken auch den ganzen Winter über bei der Arbeit gehabt, und .Liebhaber und klugen Haus­frauen zeigen sich in allem wohlgerustet. Bei v lt fSn Gerätstück, ist kein Messer ver­rostet kein Samenpaket feucht gelegen, keine Knolle und Zwiebel im Keller verfault oder ver­lorengegangen auch der ganze Gartenplan fürs ttf-ne 3ahr ist fertig und durchgedacht der etwa Ege Dung im voraus bestellt und überhast alles tadellos vorbereitet. Wohl ihnen, sie ver- dien^n Lob und Bewunderung, und ihre Gärten werden auch dieses 3ahr wieder alle Monate hin- durch die unfrigen beschämend überglänzen J

Otter da ist nichts zu madjern Ww ernteten. tol£ Dilettanten und Faulpelze, wir Träunrer ^-^Eecschlafer, betrachten bestürzt, was alles fleißigere Rachbarn schon getan haben, während in angenehmen Winterträlu^n r Sn?* schämen wir uns, es pressiert plötz. lich schrecklich, unb während wir hem Versäumten ^laufen und unsere Scheren schleifen m

Minister Schiele über die Agrarvorlage.

Zm Ausschuß angenommen.

Berlin, 11. April. (D. D. Z.) Der Han­delspolitische Ausschuß das Reichstags befaßte sich am Freitagabend mit den ihm überwiesenen Anträgen zur Herbeiführung der Agrarmah- nahmen.

3n der Generalaussprache wandte sich Abg. Tarnow (Soz.) gegen jede Verteuerung der landwirtschaftlichen Produkte.

Abg. Dr. Dessauer (Z.) betonte, dah die Regierung von den Ermächtigungen nur in den dringendsten Fällen Gebrauch machen werde.

2lbg. H ö r n I e (Komm.) sprach sich gegen die Agrarmahnahmen aus.

Abg. Frau Sender (Soz.) meinte, das System der Einfuhrscheine werde das Ausland nur zu Rachahmungen anregen und unseren Außenhandel aufs schwerste gefährden.

Abg. Freiherr von Richthofen (Dnt.) ver­wahrte sich gegen den Vorwurf, dah die deut­sche Landwirtschaft etwa wuchern wolle; sie ver­langt nur gerechte Löhne für die landwirtschaft­liche Arbeit.

Reichsernährungsminister Schiele:

Der Ausgangspunkt aller Maßnahmen war früher schon, einen Durchschnittspreis von 230 Mark für Roggen festzusehen. Auch heute drehen sich die Erörterungen noch um diesen Preis. Er soll nur ein Durchschnittspreis für das 3ahr sein, der zeitweilig unter- bzw. überschritten wer­den kann.

Den Befürchtungen, daß die geplanten Mah- nahmen zu Lohnerhöhungen mit allen Ihren wirtschaftlichen Folgen führen könnten, hielt der Minister die Tatsache entgegen, dah der Index für die landwirtschaftlichen Produkte von 144 v. h im Jahre 1926 auf 110 v. h. gesunken ist, wäh­rend in der gleichen Zeit der Index für indu­strielle Fertigwaren von 142 auf 153 v. h. stieg

und in derselben Zeit der Index für die Löhne der gelernten und ungelernten Arbeiter um

20 v. h. gestiegen ist.

Gegen die Konkurrenz der überseeischen Länder kann die deutsche Landwirtschaft einfach nicht an- kämpfen. Die Löhne sind dort ungleich niedriger. In Deutschland beträgt der Lohnanteil am Preis immer noch 40 v. $). Dieselben Maßnahmen, die wir letzt durchfuhren wollen, sind in Frankreich scho n langst durchgeführt. Nur eine elastische Gestaltung der Zölle kann uns in die Lage versetzen, der Dinge Herr zu werden und einen wirklichen Einfluß auf die Preise zu erhalten. Die Maßnahme der Einfuhrscheine werde ich nur subsidiär anwenden.

Ls soll nur der wirkliche Ueberfluh soweit abge- dämpft werden, dah die Ausgeglichenhell im eigenen Lande hergeftellt wird.

Was den polnischen Handelsvertrag be- so ist "ach sorgfältiger Prüfung durch die ein­zelnen Ressorts festgestellt worden, daß die vor» gesehene Nachholung der Schweinezölle keine Ge­fahr für den polnischen Handelsvertrag bildet. Zu der Frage des Ge f r ic r f l e i s ch k o n t i n g e n t s erklärte der Minister, er sei entschlossen, der wirk- lich minderbemittelten Bevölkerung den bisherigen Fleischverbrauch zu ermöglichen, allerdings auf einem Wege, der auch den Bedürfnissen der Landwirtschaft gerecht werde. Zch werde sofort mit den großen Verbrau- cherorgamsationen und dem Gewerbe beraten wel­cher Weg zur Erreichung dieses Zieles der beste fem wird. Die Reichsregierung beabsichtigt, organi­satorische und technische Maßnahmen in erweiter­tem Umfange namentlich auf jenen Gebieten durch- Zufuhren, die wegen handelspolitisd)er Bindungen oder aus anderen Gründen in der jetzigen Vorlage nicht entsprechend berücksichtigt werden konnten.

3n der Einzelberatung wurde die Agrarvor­lage gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen.

steuerläger bestehen lassen unb davon eine Der- waltungsentschäbigung von 0,5 Prozent erheben will.

Cs folgt die Ginzelberatung der Bier st euer. An Stelle der im Ausschuß abgelehnten Cv- höhung um 75 Prozent beantragen die Regie­rungsparteien eine 50prozentige Erhö­hung der Bier st euer.

Abg. Puchta (Soz.) lehnt die Biersteuer­erhöhung ab und beantragt für den Fall der Annahme eine Bestimmung, wonach die Braue­reien keinen Preisaufschlag über die Steuererhö­hung hinaus machen dürfen. Ein weiterer An­trag verlangt Entschädigungen für die Drauerei- angestellten, die infolge der Biersteuererhöhung arbeitslos, oder durch Kurzarbeit geschädigt werden.

Präsident Lobe teilt mit, dah inzwischen ein neuer Antrag zur Bier st euer einge­gangen sei, der die Tlnterschrift aller in der Re­gierung vertretenen Parteien trägt.

2lbg. Dr. Hertz (Soz.) führt aus, daS neue Kompromiß bleibe hinter der SOprozentigen Bier­steuererhöhung zurück, an der die Regierung unbedingt festhalten wollte. Der Redner wendet sich dann gegen die gestaffelte Tlmsahsteuer. Diese Steuer schädige nicht in erster Linie die Warenhäuser, wohl aber den gewerblichen Mit­telstand und Kleinhandel.

Abg Willickens (Rat.-Soz.) erklärt, seine Freunde würden der Landwirtschaft jede Hilfe gewähren, aber sie konnten nicht den Anträgen zustimmen, mit denen das Kabinett Brüning ge­stützt werden soll.

Abg. Schlack (Zentr.): Das Regierungspro­gramm belaste schon die breiten Massen weit­gehend, aber der Antrag der Regierungspar­teien ist für die breiten Massen geradezu un­erträglich. Die Umsatzsteuer belaste am meisten die armen kinderreichen Familien. Dazu komme die Sondersteuer, die ein Ausnahmegesetz gegen die Selbsthilfe der Verbraucher darstelle und die viel schlimmer sei als die frühere Waren­haussteuer. Für die Landwirtschaft wird ein Hilfsprogramm gemacht, das wiederum die Le­benshaltung der Arbeiter verteuert.

Die Umsatzsteueranträge werben dem Steueraus- fchuß überwiesen.

Bei der Einzelberatung der Mineralwasser- steuer fordert Abg. Sollmann (Soz.) die Geg­ner des Alkoholismus in allen Parteien zur Ab­lehnung dieser Steuer auf.

Bei der Vorlage der Industrieaufbrin- gungsumlage begründet Abg. Meier -Baden (Soz.) den sozialdemokratischen Antrag auf Einfüh­rung eines Notopfers in der Form, daß bei Ein- kommen über 8000 Mark ein lOprozentiger Zuschlag zur Einkommensteuer erhoben wird.

Lettlands neuer Staatspräsident.

Alberl kviesls, Abgeordneter des Lettischen Bauern­bundes, Vizepräsident des Parlaments, wurde zum Staatspräsidenten von Lettland gewählt.

Es folgt die vorher zurückgestellte Vorlage über die Erhöhung der Mineralölzölle.

Abg. Hünlich (Soz.) erklärt, in ihrer jetzigen Form sei die Vorlage für die Sozialdemokraten nicht annehmbar. Das Leuchtp roleum müsse von der Zollerhöhung befreit werden.

Abg. Hörnle (Komm.) erklärt, das Agrarpro- gramm sei ein Programm zur Aushungerung der werktätigen Massen des Volkes zugunsten der Junker unb Großbauern.

Abg. Tempel (Soz.) weist unter lautem Wider­spruch der Kommunisten darauf hin, daß die Agrar­politik der russischen Sowjetregierung restlos miß­lungen sei. Was jetzt als Agrarprogramm vorge­legt wird, ist nicht vereinbar mit den Interessen der Gesamtwirtschaft und schädigt besonders auch di« bäuerlichen Wirtschaften.

Die Agrarvorlagen werben bann dem hanbelspoli- tischen Ausschuß, die Umsatzsteueranträge dem Steuerausschuß überwiesen.

Gegen 17 Uhr vertagt sich das Haus auf Samstag 12 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen die Abstim­mungen über die Deckungsvorlagen und die zweite Beratung der Vorlagen über den vorläufigen Fi­nanzausgleich und die Vorbereitung der Finanz, reform.

Das Biersteuerkompromiß.

Berlin, 11. April. (VdZ.) Das zwischen sämt­lichen Regierungsparteien heute vereinbart« Kompromiß über die Biersteuerer- Höhung liegt jetzt vor. Rach diesem neuen Kompromiß beträgt die Diersieuer von den ersten 2000 Hektolitern der 3ahreserzeugung 9,50, von den folgenden 8000 Hektolitern 9,70, von den fol­genden 10 000 Hektolitern 10,20, von den folgen- genden 10 000 Hetolitern 10,20, von den folgen­den 30 000 Hektolitern 10,50, von den folgenden 30 000 Hektolitern 10,80, von den folgenden 30 000 Hektolitern 11,40 u.nd von dem Rest 12 Mark. Gegenüber dem ursprünglichen Kom­promiß sind sämtliche Steuerfähe um 50 Pfennig gesenkt worden. Für Brauereien, die innerhalb eines Rechnungsjahres aus selbstgewonnener

dringend an die Samenhändler schreiben, gehen schon wieder halbe und ganze Tage ungenützt dahin.

Am Ende sind aber auch wir fertig und grei­fen zur Arbeit. Die ist nun in den erste Tagen zwar wieder, wie immer, ahnungsvoll beglückend und erregend, aber auch schwer, und während der erste Schweiß des Jahres an der Stirne quillt, die Stiefel im weichen, schweren Boden einsinken und die Hände am Spatenstiel zu schwellen und weh zu tun beginnen, will uns schon die harmlose, zarte Sonne fast ein wenig zu warm vorkommen. Müde und mit schmerzen­dem Rücken kehren wir nach ein paar sauren Stunden ins Haus zurück, wo uns die Ofen­wärme ganz wunderlich fremd anmutet, und sitzen den Abend bei Lampenlicht über unferm Garten­buch, das so viele verlockende Dinge und Ka­pitel enthält, aber auch von vielen herben und unluftigen Arbeiten erzählt. Immerhin, die Ra- tur ist gütig, und es wird am Ende auch im Garten des Bequemen ein Beet voll Spinat, ein Deet voll Lattich, ein wenig Obst und zur Augen­lust ein fröhlicher Sommerflor gedeihen.

Beim ersten, mühsamen ilmgraben des Bo­dens erscheinen Engerlinge, Käfer, Larven und Gespinste, die wir mit Grimm vertilgen. In ver­traulicher Rähe aber singt die Amsel und plau­dern die Meisen. Mit jeber Stunde wird das alles uns wieder mehr vertraut, wir ahnen über­all den Sommer, und wir schütteln den Kopf und begreifen nimmer, wie wir den langen, dumpfen Winter haben aushalten können. Ist es nicht ein Elend, fünf lange, dunkle Monate ohne Garten, ohne Dust, ohne Blumen, ohne grünes Laub! Aber nun beginnt das alles wie­der, und wenn auch heute der Garten noch öde lregt, so ist für den, der darin arbeitet, doch alles im Keim und in der Vorstellung schon da. Die Beete haben Leben, hier wird lichtgrüner ^atllch stehen, da die luftigen Erbsen, dort die Erdbeeren. Wir ebnen den gegrabenen Boden, sieben schöne glatte Reihen nach der Schnur, darein die Samen kommen sollen, und in den Blumenbeeten verteilen wir voraussehend die Farben und Formen, häufen Blau und Weiß, schmettern ein lachendes Rot dazwischen, säumen

l £>r(?d)t &ier mit Vergißmeinnicht und dort I \ ^leden ein, sparen nicht mit dem leuch­tenden Kapuziner und lassen auch, an einen som­merlichen Imbiß und Weintrunk unter den Ka­lmen denkend, hier und dort Platz für ein Buschel Radieschen.

.; ^ad mit der fortschreitenden Arbeit legen sich ote törichten Freudewogen und werden ruhia n,b wunderlich ergreift uns dies Heine, barm- lofe Gartenwesen mit Anklängen und Gedanken etwas von Schöpferluft

^^bferubermnt beim Gartenbau, man kann , ducken Erde nach seinem Kops und Willen kann sich für den Sommer Lieb-

Lieblingssarben, Lieblingsdüfte schaf- em kleine- Beel, ein paar Qua- nadtcn, Bodens zu einem lachenden aZ?*02 von Farben, zu einem lieben Paradies- qartchen nwchen. Allein es hat doch seine engen Grenzen. Schließlich vruß man mit altem Gelüste I

und aller Phantasie doch wollen, was die 21a- tur wlll, und mutz sie machen und sorgen las­sen. Lind die Ratur ist unerbittlich. Sie läßt sich etwas abschmeicheln, läßt sich scheinbar einmal überlisten, aber nachher fordert sie desto strenger ihr Recht.

Man kann als Lustgämtner in den paar allzu kurzen warmen Monaten viel beobachten. Wenn man will und dazu veranlagt ist, sieht man nichts als Fröhliches: Lleberschwang der Erdkraft im Zeugen und Bilden, Spiellaune und Phantasie der Ratur in Gebilden und Farben, lustiges Kleinleben mit manchen Anklängen ans Mensch­liche, denn es gibt auch unter den Gewächsen gute und schlechte Haushalter. Sparer und Ver­schwender, stolz Genügsame und Schmarotzer. Cs gibt Pflanzen, deren Art und Leben philiströs und hausbacken ist, und andre, die es recht wie Herren und Genießer treiben; es gibt unter ihnen gute Rachbarn und schlimme, Freundschaf­ten und Abneigungen. Cs gibt Gewächse, die treiben und leben und ft erben wild und zügel­los und ohne Maß, und es gibt arme Benach­teiligte, die hungern sich kümmerlich durch ein blasses und schweres Dasein. Manche zeugen und vermehren sich mit einer fabelhaften Lleppig- feit, anderen muß man die Nachkommenschaft mühsam entlocken.

Erstaunlich und bebenttid) ist mir immer die ungeheure Schnelligkeit und Hast, > mit der so ein Gartensommer kommt und geht. Ein paar Monate und in dieser kurzen Zeit wachsen, brüsten sich, leben, welken und sterben in den Beeten die Geschlechter. Kaum ist so ein Beet voll junger Kräutchen gepflanzt, begossen, ge­düngt, da treibt es schon und wächst und tut groß mit seinem vergänglichen Gedeihen, und kaum daß der Mond zwei-, dreimal wechselt, da ist die junge Pflanzung schon alt und hat ihren Zweck erfüllt, wird ausgerottet und muß neuem Leben Platz machen. Bei keiner Besd)äftigung und bei keinem Richtstun geht ein Sommer so erschreckend rasch und eilig dahin wie beim Gärtner.

Lind dann ist einem Garten der enge Kreis­lauf alles Lebens noch enger und noch deutlicher und einleuchtender zu sehen als irgendwo sonst. Kaum hat das Gartenjahr begonnen, so gibt es auch schon Qttfälle, Leichen, abgefchnittene Triebe, gestutzte Stengel, erstickte oder sonst umgekommene Pflanzen, und jede Woche werden es mehr. Sie kommen alle, zusammen mit dem Küchenabfall, mit Aepsel- und Zitronen- und Eierschalen und allerlei Kehricht, auf den Dunghcnifen, ihr Wel­ken und Vergehen und Verwesen ist nicht gleich­gültig, es wird bewacht, und nichts wird weg- geworsen. Sonne, Regen, Rebel, Luft, Kälte zersetzen den unschönen Hausen, den der Gärtner sorgfältig bewahrt, und kaum ist wieder ein Iahr um und ein Gartensommer verblüht, so sind alle die Leichen schon verwest und kommen wieder in den Boden, den sie fett und schwarz und fruchtbar machen müssen, und eS geht nicht lang, fv steigen auS dem trüben Schutt und Tod von neuem Keime und Sprossen, so kehrt das Faule und Aufgelöste mit Macht in neuen, schönen, farbigen Gestalten wieder, ilnb der ganze, ein­

fache und fidjere Kreislauf, der dem Menschen so viel und schwer zu denken gibt und an dem alle Philosophen und Religionen ahnungsvoll verehrend oder kühl beobachtend deuten, geht in jedem kleinen Gärtchen so still und rasch und deutlich vor sichl Kein Sommer, der sich nicht vom Tode des vorigen nährt, älnd kein Ge­wächs, das nicht ebenso still und sicher zu Erde wird, wie es aus Erde zur Pflanze ward.

In meinem kleinen Garten säe ich mit froher Frühlingserwartung Dohnen und Salat, Rese­den und Kressen, und dünge sie mit den Resten ihrer Vorgänger, denke an diese zurück und an die kommenden Pflanzsngeschlecgter voraus. Wie jedermann nehme ich diesen unentrinnbaren Kreislauf hin als eine selbstverständliche und im Grunde innig schöne Sache; und nur zuweilen kommt es mir im Säen und Ernten für Augen­blicke in den Sinn, wie merkwürdig es doch ist, daß von allen Geschöpfen der Erde nur allein wir Menschen an diesem Lauf der Dinge etwas auszusetzen haben und mit der Ansterblichkeit aller Dinge nicht zufrieden sind, sondern für uns eine persönliche, eigene, besondere haben wollen. --

Das technische Orchester der Anderen Seiten

Morgen, Sonntag, wird Sheriffs Kriegsdrama Die andere Seite" zum 12.Male unter der Spielleitung des Intendanten Dr. Pro sch im Gie­ßener Stadttheater in Szene gehen. Es dürfte inter- effant fein, zu hören, weid) ein großer Geräusch­apparat, vor allem im letzten Akt, während des Trommelfeuers, hinter der Bühne arbeitet. Ein lech, nischer und ein beleuchtungstechnischer Leiter über- nehmen die Zeichen des Inspizienten, der, mit dem Buch in der Hanb, genau auf den Text und die Vorgänge vor der Kulisse achtet, und auf das Stich­wort präzis Einschläae, Trommelfeuer, Maschinen­gewehr., Gewehrschüsse usw. angibt. Für das Ge- chutzfeuer werden von je zwei Mann zwei Kessel- muken und zwei große Trommeln bedient. An der □genannten Donnertrommel sitzt ein Arbeiter, ebenso an dem Donnerblech, das sreischwebend aufgehängt ist und durd) seine Schwingungen sich wie dumpfes Donnerrollen anhört. An zwei verschieden dicken Sperrholzplatten werden die Maschinengewehr- gerausche von zwei Arbeitern geschlagen. Ein Feuer- werter hat für die schweren Detonationen die geöff­nete Versenkung zur Verfügung. Ebenso bedient ein Arbeiter den sogenannten Einsd-lagkasten. Der letzte Einschlag wird vom Beleuchtungsturm aus elektrisch gezündet. Der Mann, der den Schlußvorhang zieht, . - rbw vier andere Funktionen: künstlichen Rauch entwickeln, anstecken der Vlitz- J^e Beim Schlußeinfturz sind sechs Dkann beschäftigt, die mit peinlicher Präzision arbeiten massen, ba sonst die Schauspieler durch die herab- fallenden Kulissen gefährdet werden können. Zu der Gerauschsymphonie sind im ganzen etwa 17 Leute angestellt. Zum Schluß der Vorstelllmg ist die ganze Buhne in einen dicken, weißen Qualm gehüllt, der ^^^ononenschlägen und dem künstlichen Rauch

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