Kr. 238 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Samstag, I'. Oktober (930
Der Geünbeegev Gallusmarkt
findet Mittwoch, den 15., und Donnerstag, den 16. Oktober d. Ls., in bedeutend erweitertem Umfange auf dem stark vergrößerten Marktplatz statt, und laden wir zu zahlreichem Äesuche ein. • Pferde-, Rindvieh- und Gthweiuemnvkt findet Mittwoch, den 15. Oktober, statt. Oer Austrieb beginnt morgens s Uhr und endigt 9 Uhr. Anschließend Krämermarkt. Nachmittags Dolkcbelustigung mit Tanz. • Donnerstag, den 16. Oktober: ^rSmevmarkt, Verlosung und Volksbelustigung. • Extrazüge verkehren nach Gießen, Alsfeld, Londorf und Lich. «nn
Hessische Bürgermeisterei Grünberg
Oer Gallusmarkt als wirlschastlicher Mittelpunkt. Grünberg steht wiederum vor seinem bedeutendsten wirtschaftlichen Ereignis des Jahres: am kommenden Mittwoch und Donnerstag findet der weithin bekannte Gallusmarkt statt.
Gallusmarkt in Grünberg, das heiht das wirtschaftliche Leben der beschaulichen Kleinstadt für fttoei. drei Tage zur Hochkonjunktur anschwellen lassen, heiht für die Bewohner einiger Dutzend umliegender Dörfer ein einziges Ziel haben, wohin zu gehen man sich das ganze Jahr über vorbereitet hat, heiht für Grünberg selbst das große Fest des Jahres feiern. Weit ist er bekannt und berühmt, der Grünberger Gallusmarkt; der wetterfeste Vogelsberger nennt ihn kurz „Gall- mährt", während sein südwestlicher Vachbar, der Bewohner der gesegneten Metterau, breit und behäbig vom „Gallmaht" spricht und der halbvornehme Städter ihn mit „Gallmarkt" bezeichnet. Schon aus diesen verschiedenen Rainen geht deutlich hervor, daß der Grünberger Gallusmarkt überall im Lande Hessen genannt wird und bekannt ist. Sogar in Amerika wird ganz sicher im Monat Oktober von ihm gesprochen, wenn sich dort hessische Landeskinder und besonders Grünberger zusammenfinden, um von der Heimat zu plaudern.
Und welcher Zauber und welche Bedeutung sich erst in der Heimat an das Wort „Gallusmarkt" knüpft, das beweist die zu einem geflügelten Worte gewordene sagenhafte Antwort jenes Grün- berger Schulbübleins, wonach er mit unter die „hohen christlichen Feiertage" zu rechnen ist, das beweist aber auch, dah er hierzulande eine ganze Jahreszeit aus dem Kalender verdrängt hat; denn von den, Herbst svricht hier kein Mensch, hier heiht es nur „ver'm Gallmährt", „im de Gallmährt erim" und „nooch'm Gallmährt". So lebt er in der Vorstellung von jung und alt als „das Ereignis" im Jahre, von dem das ganze Jahr über gesprochen wird, auf das sich alles freut und wofür alles aufs beste in Ordnung gebracht wird. Und wenn die in der Ferne wohnenden Grünberger das ganze Jahr ihre Heimat nicht gesehen haben, im Herbst erwacht die Sehnsucht nach der Vaterstadt, der Zauber des Gallus- marltes zieht sie an mit unwiderstehlicher Gewalt.
Jahrhunderte alt ist der Gallusmarkt, verlieh doch im Jahre 1481 der Kaiser Friedrich III. aus dem Hause Habsburg der Stadt Grünberg das Recht, am St. Kalixtenabend (14. Oktober) einen
„freien Jahrmarkt" zu beginnen. Eigentlich hätte der Markt daher „Kalixtenmarkt" heißen müssen, aber die Grünberger nannten ihn nach dem berühmten „Freiheitsbrief" des Landgrafen Heinrich I. von Hessen, den dieser airläßlich seines Besuches am St. Gallustage (16. Oktober 1272) der Stadt ausstellte, in dankbarer Erinnerung an dieses wichtige Ereignis „Gallusmarkt", da ja auch dieser Tag den Schluß des ursprünglich dreitägigen Marktes (14. bis 16. Oktober) macht.
So ist er zu seinem Aamen gekommen der altehrwürdige Freund, hat Jahrhunderte überdauert, hot gute und schlechte Zeiten gesehen und war bis ins vorige Jahrhundert einer der besuchtesten Märkte Mitteldeutschlands. Auch heute noch übt er stets seine Anziehungskraft auf die Umgebung aus und ist das Herbst-Stelldichein für den vorderen Vogelsberg, die Rabenau, das Busecker Tal u. a. Dieses lebhafte Interesse weiter Bevölkerungskreise findet seine natürliche Begründung einerseits in der wirtschaftlichen Bedeutung oes Marktes selbst, anderseits in der Tatsache, daß man in Grünbergs Mauern während und nach den Stunden des Marktgeschäftes mancherlei frohe Geselligkeit findet, die in dem ewigen Einerlei des Alltags, insbesondere auch für die schwer arbeitende Landbevölkerung, eine willkommene Zerstreuung bildet. Deshalb ist es dem einfachen Bauers- und Arbeitsmann, der sich den Sommer hindurch auf seiner Scholle mühsam plagt, Bedürfnis, den Gallusmarkt zu besuchen. Da er das Jahr über öfters nach Grünberg kommt, so will er auch beim Gallusmarkt dabei lein, einmal um den Marktrummel mitzuerlebcn, zum anderen aber auch sind es sehr reale Dinge, die ihn herführen: An- oder Verkauf von Ferkeln, Anschaffung notwendiger Geräte und Gegenstände des täglichen Bedarfs, vor allem Winterware; dies alles wird am Gallusmarkt erledigt. Gerade für den Landwirt ist die Zeit besonders günstig, denn bis Mitte Oktober sind die dringendsten Feldarbeiten beendet, er hat einen äleberblick über seine Futtervorräte und kann danach seinen Viehbestand einrichten, überflüssiges Vieh abstoßen oder neues kaufen; durch den Verkauf seiner Erzeugnisse hat er die nötigen Barmittel in den Händen und kann an allerlei Anschaffungen denken, die er in den geldknappen Sommermonaten sich nicht leisten konnte. Und die Grünberger Geschäftswelt, die sich für den Gallusmarkt ganz besonders rüstet, — ein Blick auf die zahlreichen Anzeigen in diesem Blatte beweist dies — bietet alles auf, um den Marktbesuchern mit allem dienen zu können. Sind für sie doch diese Markt
tage wohl die Tage, die ihnen die größte Ernte des Jahres bescheren. Seit langem haben sie vorgesorgt; besonders Bäcker und Metzger müssen an den beiden vorhergehenden Tagen mit Hochbetrieb arbeiten, um für den Markt gerüstet au sein, und an den Markttagen haben alle Hände vollauf zu tun, um die Kunden zu bedienen und jede Rachfrage zufriedenzustellen. Groh ist oft der Umsatz, der bei gutem Marktverlauf in manchen Geschäften erzielt wird. Kein Wunder, denn schier unübersehbar ist die Menschenmenge, die zu Fuß, zu Wagen, mit Rad, mit Auto oder mit der Bahn, die außer den verstärkten fahrplanmäßigen Zügen noch Sonderzüge laufen läßt, nach Grünberg hereinkommt. Unaufhörlich ergießt sich ein Menschenstrom durch die Straßen, in den Geschäften staut sich die Menge der Käufer, und der Markt auf der Käswiese ist bis in die späten Abendstunden stets mit einer dichten Menge belagert; übertrifft doch nach vorsichtiger Schätzung die Schar der Marktbesucher oft weit die Zahl 10 000.
Da herrscht überall reges Leben und Treiben, Musikbanden und Harfenmädchen durchziehen die Straßen und eilen von Wirtschaft zu Wirtschaft, um ihre Weisen, besonders die neuesten Schlager, hören zu lassen, Blinde, Krüppel und Invaliden mit Drehorgel oder Ziehharmonika sitzen an allen Straßenecken und den Zugängen zum Markte, leiern ihre eintönigen Melodien ab und bitten um milde Gaben. Auf dem Markte lange Reihen von Verkaufsständen, die in mehreren Gassen angeordnet sind und allerlei Waren enthalten, darunter besonders auffallend ein oder mehrere „wahre Jakob". Immer Und immer wieder preist er seine Waren mit lautem Rufen und Schreien als die allerbilligsten an, durch seinen treffeirden, nie versiegenden Mutterwitz ist er stets von einer Schar Schau- und Kauflustiger umlagert und was für ihn die Hauptsache ist, seine Sachen finden immer wieder ihren Liebhaber. Dicht daneben der Juxplatz mit seinen Ständen mit Spielsachen, Zuckerzeug und was sonst das Herz der Kinder erfreut, ferner Schiffsschaukel, Karussell, Schießbude, Panorama, Tierschau. Schnellphotographie, Wahrsagerbude, Ent- fessclungskünstler, Degenschlucker, Feuerfresser und vieles andere mehr. Mit hochtönenden Worten laden die Besitzer dieser Buden zum Besuche ein, „die hier gebotene, nie wiederkehrende Gelegenheit", ihre einzigartige Sehenswürdigkeit zu besichtigen, ja nicht zu versäumen. Sie alle finden stets Zuspruch, denn der Marktrummel bringt es mit sich, daß an diesem Tage das Geld
lockerer in der Tasche sitzt als sonst und man deo Wissenschaft halber sich zum Besuche der einen oder anderen Sehenswürdigkeit herbeilüßt.
So dauert das Leben und Treiben auf dem Markte bis in die späte Rächt, während der Verkehr in der Stadt nicht minder stark ist. Alle Wirtschaften und Gasthäuser sind stets voll besetzt, in mehreren Sälen der Stadt hat sich die Jugend der Dörfer eingefunden, um dem Tanze zu huldigen, und die reichen Vorräte der Bäcker und Metzger finden rasche Abnahme.
Der Verlauf des Gallusmarkles spielt sich folgendermaßen ab: Dienstagabend findet nach einem Platzkonzert der Fcuerwehrlapelle auf dem Marktplatz und einer Ansprache des Beigeordneten auf dem Rathaus die Hissung der Marktfahne in den Farben der Stadt (blau-weih-rot> statt. Seit 1928 wird dieser alte Brauch, der jahrzehntelang geruht hatte, wieder geübt und dadurch angedeutet, dah die Stadt für drei Tage unter Marktrecht steht. II. a. besagt dies, daß man auf dem Markte den Anordnungen des Marktmeisters und seiner Gehilfen, die alle mit einem langen Säbel ausgerüstet sind, Folge zu leisten hat, ferner, daß die Polizeistunde für die Dauer des Marktes aufgehoben ist. Am Mittwochmorgen findet Pferde-, Rindvieh- und Schweinemarkt statt, der dieses Jahr auf der Lehmkaute abgehalten wird, da der Platz auf der Käswiese infolge des Herbstwetters von den Schweinehändlern, die meist mit Autos kommen, nicht befahren werden kann. So muhten diese im vorigen Jahre etwas abseits an den Wegen Aufstellung nehmen, was zu Klagen Veranlassung gab. Diesem Ülebelstande will man durch die jetzige Anordnung abhelfen. Außerdem ist am Mittwoch sowie auch am Donnerstag Krämermarkt und Volksbelustigung, was beides tote stets auf der Käswiese stattfindet. Richt unerwähnt soll bleiben, bah auch dieses Jahr wieder die Schmückung der Stadt, ähnlich wie im vorigen Jahre, mit den von der Marktkommission bescAfflen Fahnen und Wimpeln erfolgt, wodurch das Straßenbild ein buntes Gepräge erhält. Wie schon seit einer Reihe von Jahren findet wieder eine Verlosung statt, die am zweiten Tage in der Turnhalle vorgenommen wird.
Sind so alle Vorbereitungen getroffen und macht auch der Wettergott ein gutes Gesicht, so kann der Gallusmarkt, die „Grimmerger Kirmes", Einzug halten. Grünberg wird seine Ehre darin sehen, die Erwartungen seiner Gäste vollauf zu erfüllen. K. W.
Empfehle in großer Auswahl
Damen- und Kindermäntel
Gummimäntel, Paleto s und Ulster Herren-, Knabenanzüge
Stoffe aller Art, Strickwaren sowie Unterzeuge - Alles in cgi7D bester Qualität zu den billigsten Preisen
Rudolf Römer,Grünberg
Verkauf nur In dem Laden!
Bahnhofswirtschaft in Grünberg (im Bahnhof)
Ab 1. Oktober übernommen. - Beste Biere Vorzügliche Weine — Gute Verpflegung
Am GallusmarktSpezialgerichte
zu billigsten Preisen
Emil Backfisch, Grünberg (Hess.)
(Früher in Gießen) 69,8l)
Gallusmarkt Grünberg
Hotel zum wilden Mann
empfiehlt seine Lokalitäten. Am Gallusmarkt in den unteren Räumen 6871 0 bayer. Stimmungs-Kapelle (Damenbedienung). — Vorzügliche Küche, gut gepflegte Biere, vorzügliche weine.
Am 2. Gallusmai kitag im Saale Ball
Es ladet freundlichst ein Karl Wetzlg.
Ga lusmarkt Grünberü i.H.
Hotel zum Hirsch
la Weine, Münchner Biere bekannt gute Küche Mittagessen im Saal mit Konzert 1315Uhr Am 15 Oktober 1930, abends 8 Uhr; BALL Leitung: Tanzlehrer Schneidt, Laubach Eintritt: Herren RM. 1.50, Damen RM. 1 -
He Reichswehrkapelle • Intant.-Regt. Nr. 15
Im Restaurant erstklassige Stimmungs- Kapelle! Beste Humoristik
Damen - Bedienung! 687GD
Es ladet freundlichst ein:
Hermann Eiertänzer
Sdiuhe kauft man gut und ballig!
Schuhhaus Sdiweißguth Inhaber Fr. Hofmann
.... Grünberg
Zum Gallusmarkt
6916D
in großer Auswahl
Damen-, Herren- u. Kinderkleidung AI e Manufaktur-varen u. Weißwaren, Unterkleider, Strickwesten, Pullover, Lumberjacks
Sonntag, den 12. Oktober, ist mein Geschäft von 11 bis 6 Uhr geöffnet! Ich gebe an diesem Tage sowie in der Gallusmarktwoche a f alle Waren
10 Prozent Rabatt! “;0~
Herrn. Aug. Christ
GrQnberg
Kartoöelwäicher,G:ohüs‘
Leistung garantiert 60 Pfd. Je Minute. Trommel verzinkt — Bewflbit in Grob-, Mittel- and Kleinbetrieben, Haushaltungen usw. 68691 >
Alle Landmaschinen und Geräte
F.C. Weiß Nacht,iDhMSchrcer
Grtinberg (Hennen) 5
Fernspredier: Grünberg Nr. 10.
•HteiHHMMHMHttHWHHMCttMe
Unbedingt zuverlässig bedient Sie das moderne Uhrenfacbßesdiatt
K. H. Pfeffer, Grünberg
Trauringe, Modesdimuck Geschenkartikel
Moderne Ware / Niedrige Preise / Vielseitige Auswahl
Einwandfreie Qualität 69düD
•eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeoeeeeeeeeeeeeeee*
Singer Maschinen altbekannt. Erleichterte Zahlungs- bed ngungen. Mäßige Monatsraten
Singer Nähmaschinen-Aktiengesellsch.
Gießen Marktplatz 18
Vertretung u. Niederlage in Grünberg We ß Nachfolger, H. Schroer, Marktplatz 69111 •
Cafe und Konditorei „Zum Taunus“
GrQnberg, Neustadt 29 empfiehlt seine neuhergerichtete Gaststätte
GALLUSMARKT Donnerstagabend
6959D Tanzkränzchen
Alleinige Herstellung u. Versand von Weizen- u. Roggen- schrotorot u. Schrotzwieback für Magen- u. Zuckerkranke
Dec Grünberger Gallusmarkt


