Ausgabe 
11.9.1930
 
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Aus der Prvvinzialhauptfiadt.

Gießen, ben 11. ©eptember 1933.

Kommerzienrat Adolf Klingspor 60 Zähre alt.

2m morgiaen 12. September begeht der Sc- niorchef der Zigarrenfabrik Alinglpor und ehren­amtliche Beigeordnete der ©tabt Gießen, Kom­merzienrat 2 b o 11 Ktin gs por, leinen 60. ®t- burtStag. 2m 12 September 1870 in Viehen ge­boren, trat Adolf Kl in gspor nach dem Be­suche de» Siebener Realgymnasium- und der Realschule in Alzey im Jahre 1888 In Da» Väter» liche Geschäft ein. Rachdem er hier di« Grund­lagen seiner sausmünnischen und tabaksachlichen Au-bildung erhalten hatte, war er zur Vervoll­kommnung seines Dissen» In den Hanfastädten und in den wichtigsten Tabaketportplätzen de» Auslandes tätig. 3n die Heimat zuruckgekehrt, widmete er sich in jahrelanger Arbeit mit Tat­kraft der Weiterentwickelung der Firma Kling- fpor. Da» Hou» hat wie viele andere Fir­men natürlich auch durch Krieg und Jnfla- tion zu leiden gehabt, und infolgedessen erfor­derte es gerade im letzten Jahrzehnt angespann­teste Arbeitsleistung dc» Jubilar», um Die Fol­gen der Kriegs- und JnflationSjahre so weit wie möglich auszuheben.

3n den KriegSjaycen war Adols Kling'por, der seine aktive Militärbienstzeit al» Sinjährig- Freiwilliger im Jnsanterle-Regiment 116 bei der Leiblompanie verbrachte und infolge schwe­rer Erkrankung al» dienstuntauglich au» Dem militärischen Dienstverhältnis auSgeschieden war, nach freiwilliger Gestellung im 3ahre 1914 zu­nächst in den staatlichen Munitionsfabriken in ©iegburg. später im Gefangenenlager zu Gießen tätig. Als kriegSbeschädigte Offizier« für dies« Ausgaben zur Verfügung standen, nahm er seinen Abschied und wirkte dann im Schlichtung»- und Einberufung»au»schuß. später al» Vorsitzender de» Schlichtungsausschusse» bi» zur Besetzung diese» Posten» durch einen beruflichen Vorsitzen­den.

Beben seiner geschäftlichen Tätigkeit widmete sich Adolf Klingspor schon in jungen Jahren der Arbeit für da» Allgemeinwohl. Sr wirkte im Rahmen der früheren Rationalliberalen Partei an den öffentlichen Aufgaben mit, wobei er sich so allgemeine» Vertrauen erwarb, daß er mit dem Vorsitz Der Stadt- und Krei»organisativnen der Rationalliberalen Partei betraut wurde. Im Juni 1905 wurde er von der Kausmannschoft zum Mitglied der Gießener Handelskammer gewählt. Deren stellvertretender Vorsitzender er seit 1. Ja­nuar 1920 ist' erst kürzlich konnte er da» Jubi­läum seiner 2Sjährigen Zugehörigkeit zur Han- delSkammer begehen. In Anerkennung seiner Ver­dienste um Da» Gemeinwohl wurde er am 25. Ro- vember 1911 von dem früheren Großherzog zum Kommerzienrat ernannt. Vom 26. Januar 1919 bi» 27. Rovember 1921 war er Mitglied der ver­fassunggebenden Volkskammer Hessen», auS ge­sundheitlichen Rücksichten und wegen geschäft­lich^- ikberbürbung lehnte er aber eine Dieder- Wahl in Den Landtag ab. Seit einer Reihe von Jahren wirkt er ferner al» Handelsrichter, ebenso ist er sei? langer Zeit ehrenamtliche» Mitglied deS Finanzgenchtü Darmstadt. Sein lebhafte» Interesse für die Belange unserer LandeSuniver- sität führte ihn in Die Reihe Der Gründer der Siebener Hochschulgesellschaft. Durch Stiftungen gab et seinem Interesse für die Universität auch nach außen hin sichtbaren Ausdruck. Die ^Universität stattete ihm ihren Dank Durch Die Ernennung zum Ehrensenator am 24. Januar 1923 ab

In Der unmittelbaren Mitarbeit an den kvm- inunalea Ausgaben Der Stabt Gießen steht Adolf Klingspor seit 30. Juni 1919. An jenem Tage tour De er von Der Stadtverordnetenversammlung auf Die Dauer von 6 Jahren zum unbesoldeten Beigeordneten der Stadt Gießen, alS Rachfol- gcr für den Beigeordneten Geheimrat Emmeliu», gewählt. Am 2. Juli 1925 erfolgte seine Wie­derwahl durch Die Stadtverordnetenversamm­lung aus weitere 6 Jahre. Durch LandeSgesetz vom 10. Dezember 1929 wurde aber die Amts­zeit aller unbesoldeten Beigeordneten, Die in den Städten im Jahre 1925 wiedergewählt wur­den, auf 9 Jahre verlängert, fo daß die jetzige Amtszeit des Beigeordneten Klingspor bis zum Jahre 1934 läuft. In der StaDtverwaltung ist Beigeordneter Klingspor Dezernent für den Schlachthof und die Fleischbeschau, für daS Markttoesen, einschließlich Pferdemarkt, für daS Stadtthcatcr und für da» Gebiet Der Schank­konzessionen; bi» zum Februar 1927 war et außerdem Leiter De» StandeSamtSwesenS. Den Deputationen und Ausschüssen für die vorstehend benannten kommunalen Arbeitsgebiete steht er als Vorsitzender vor. In unermüdlicher Tätig­keit und mit klugem Dlick für Die Erfordernisse der Sache und Der Zeit, aber auch mit viel Geschick in den mancherlei komplizierten Aus­gaben seines kommunalen Arbeitsgebietes und bei den häufig widerstrebenden Meinungen in Der Bürgerschaft und im Stadtrat hat der Ju­bilar wertvolle produktive Arbeit für unser Gemeinwesen geleistet. AlS äußere» Merkmal seines verDienstvolten, uneigennützigen Wirkens ist Do» hohe Maß von Vertrauen unD Wert­schätzung anzusehen. Da» ihm sowohl von Der Stadtverwaltung und vom Stadtrat, wie auch von weiten Kreisen der Bürgerschaft entgegen­gebracht wird.

Bei vielen Mitbürgern, die in Kommerzienrat Klingspor den arbeitsfrohen und klug ab- wagenden Mitarbeiter im Dienste der Allgemein­heit, aber apch den allezeit liebenswürdigen und fiel» hilfsbereiten Menschen kennen und wert­schätzen lernten, wird an seinem morgigen Ge­burtstage der Wunsch bestehen, daß es ihm vergönnt sein möchte, noch lange Jahre in Frische und Gesundheit sowohl in seiner Firma, wie auch für die Allgemeinheit tätig sein zu können.

Oas Gießener GiudenienhauS.

Don Der Pressestelle der ilniDcrfität Gießen wird mitgeteilt:

Zu Beginn deS Winter-Semester- wird das neuerrichtete Gießener StudentenhauS seiner Bestimmung übergeben werden. Troy der überaus schwierigen wirtschaftlichen Lage ist es gelungen, die Mittel zu beschaffen, um das Ge­bäude in seinem größten Teile bezugsfertig zu machen. Dies haben neben den Zuschüssen aus Reichsmitteln (Die durch Vermittlung des Deut­schen Studentenwerks in Dresden eingegangen sind) und deS Hessischen Staates, neben den Bei­trägen der Studentenschaft und der Dozenten Die zahlreichen Spenden ermöglicht. Die von Den hessischen Provinzen, Kreisen und Gemeinden,

Oer Wahlkampf auf dem Höhepunkt.

Oie Deutsche Dolkspariei im Wahlkampf.

Arn Dienotagabentz trat die Deutsche volk»pariei zum zweiten Male mit einer Versammlung vor die Wählerschaft. Der hessische Spitzenkandidat und bi»- herige Reichstagsadacordnete Dingeld« y (Darm­stadt) sprach im Laie Leid vor einer gut besuchten Versammlung zunächst über außenpolitische Fragen Er erinnerte Dabei an die außerordentlich schwierige Lage unsere« Volke« im Jahre 1923 und stellte jenen verhältnisten In kurzen Strichen die von Strese- mann vertretene Außenpolitik gegenüber, al» Deren Krönung Die frühere Befreiung Der Rheinlande von Der fremdländischen Besatzung zu verzeichnen war. Nunmehr sei da» Schwergewicht der deutschen Außenpolitik auf Die Rettung De» deutschen Osten» durch Neoidierung Der Dortigen Grenze zu legen, und Dabei muffe da» deutsche Volk in geschlossener Front zusammenstehen. Die Zusammenfassung aller Strafte sei weiterhin erforderlich, um die innere Sa­nierung Des Reiche» unaesäumt in Angriff zu neh­men. Die grunDliche Reform Der ÜebensgrunDlagen unseres Volkes fei geradezu Die Schicksalsfrage Deutschlands. Der ReDner kritisierte hierauf kurz Die Haltung Der Deutschnationalen unD Der Sozialdemo- kraten unD kam Dabei zu Dem Ergebnis, Daß mit einer nur aus Agitation eingestellten unD Die Un­popularität fürchtenden Politik, Die man vor allem auch bei Der Sozialdemokratie bemerke. Die Sanie­rungsarbeit nicht durchyeführt werden könne. Al» dringend notwendig bezeichnete Der Redner Die Auf­rechterhaltung und Fortführung Des vom Kabinett Brüning begonnenen Sanierungswerkes durch ent- sprechende Gestaltung Der Mehrheitsoerhältniffe im Reichstage. Da» weitere große Ziel Der innerpoli­tischen Arbeit sei Die Reichsresorm, bei Der man nun endlich zur praktischen Tat kommen müsse. Im Zusammenhang damit seien auch die drängenden großen wirtschaftlichen und sozialen Reformen zu verwirklichen, denn es gehe nicht länger an, wie bisher etwa ein Drittel de» gesamten jährlichen Produktionsertrages allein für die Zwecke Der öffentlichen Wirtschaft zu leisten. Der Redner be- sprach sodann in kurzen Zügen Die Weltwirtschafts­krise unD ihre Auswirkungen, das Arbeitslosen. Sroblem, die Frage der Wiedergesunduna des

Qittelftanbee, und bezeichnete die gedeihliche Lösung aller dieser Schwierigkeiten als unbedingt notwen­dig, um unsere Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig zu machen. Es handele sich Darum, für diese Auf­gaben eine arbeitswillige und nnt politischer Be- sonnenhell tätige Mehrheit zu schassen. Eine Regie­rung diese» Willen» sei schon vorhanden. Die von den Nationalsozialisten vorgeschlagene Politik lehnte der Redner mit Entschiedenheit ab und erklärte Demgegenüber, daß alle bürgerlichen Parteien sich zur engen Gemeinschaftsarbeit mit zusammen- gefaßter Kraft vereinigen müfjtem um durch eine gründliche Reformgesetzgebung die Gesundung un­sere» staatlichen Lebens herbeizusühren. In diesem Zusammenhang kam der Redner kurz auf die Vor­gänge bei der Gründung der Deutschen Staatspartei zu sprechen, deren Verlauf er bedauerte Besonders bezeichnete er bas Bestreben der unbedingten Rück- sichtnahme auf die Sozialdemokratie ohne gleichzeitige entsprechende Einstellung zu den staatsbejahenden Kräften auf der rechten Seite als untragbar für Die ausgleichende Politik Der Deutschen Dolkspartei. Der Redner wie- dann noch kurz auf die innere Auseinandersetzung bei der Staatspartei hin und erklärte, wenn diese Partei nach den Wahlen ge­meinsam mit der Deutschen DolkSpartei auf der von ihm gekennzeichneten Grundlage an der Re­formarbeit teilnehmen wolle, werde sie sicher­lich keine Ablehnung finden. Mit der Aufforde­rung. am Wahltage die zu staatsbejahender Mit­arbeit bereiten Parteien der Mitte zu stärken und insbesondere die von der Deutschen Volks- partci empfohlene politische Linie zu unterstützen, schloß der Redner seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen.

Im Anschluß daran sprach nodj kurz ein Ver­treter der jungen VolkSparteiler für die Un- terstützung der volk-parteilichen Politik zur Schaffung einer wahren Volksgemeinschaft.

Oie Oeutschnationale Volkspaetei.

3n der Wahlversammlung am Dienstagabend in der Turnhalle sprach Reichstagsabgeordneter Geh. Rat Dr. Q u a a h (Berlin) über daS Thema: .Steuerzahler, waS geschieht mit deinem Geld?". Der Redner behandelte zunächst die poli­tische Rot des deutsches Volke», kam auf die geplante Wahlrcform und die Reichsreform zu sprechen und vertrat die Auffassung, daß die politische Rot unseres Volkes durch da- gegen­wärtige System der Mehrheitsherrschaft be­gründet sei. Der Redner schilderte dann in län­geren Ausführungen die Auswirkung dieser Mehrheit-Herrschaft im Deutschen Reich, kam auf die Verhältnisse in der preußischen Regierung zu sprechen und vertrat dabei den Standpunkt, daß die Regierungsgeschäfte de» Deutschen Reiches von Preußen wesentlich beeinflußt wür­den. Selbst In außenpolitischen Fragen mache Preußen seinen Einfluß bei der Reich-regierung mit Erfolg geltend. Anderseits sei öS ein großer Fehler, daß die ReichSregierung vom Reichstag abhängig fei, zumal durch den ständigen Wechsel der Regierung positive Arbeit nicht geleistet werden könne. Der Redner besprach hierauf die Ausgaben de- Reiche» gegenüber der Vor­kriegszeit und forderte weitgehende Sparmaß­nahmen. Außerdem müffe Deutschland von dem Spiel der Mehrheiten und von dem jetzigen Einfluß Preußen» freigemacht werden. Dagegen sei anderseits eine Einheit zwischen dem Reich und Preußen dringend notwendig. Da» der­

zeitige Wahlsystem habe sich al» unbrauchbar erwiesen und zur Zersplitterung de» deutschen Volke» beigetragen. Vorbildlich sei da» eng­lische Wahlsystem Rotwendig sei für un» eine Politik, die sich nicht von Wirtschaft»interessen leiten .Ar beru'»'.ind six

nur zur Zersplitterung bei. Der Redner kam dann auf die wirtschaftliche Rot unsere» Volke» zu sprechen, nahm Hirz Stellung tur Weimarer Verfassung, zeigte die 2u»toirfungen des DatoeS- und Doungplan» und vertrat Dabei die Auf­fassung. daß die Frage der Reparationen mit der innerpolitischen Entwicklung Deutschlands zu- sammenhänge Die Arbeitslosigkeit und die Rot der Landwirtschaft feien die Folgen der Tribut­wirtschaft Unsere Xributlaften seien oufgebaut auf Der Knegsfchuldlüge. die energisch bekämpft werden müffe. Die Erfüllung-Politik habe Die In­flation herbei geführt, da» Sparkapital vernichtet und die Kulturschichten zum Hungern gebracht.

Wahlzeii von 8 bis 12 IWt-

Jedermann gehe am nächsten (Sonntag bei» -eitenzur Wahl, möglichst schon vormittag-, oder am frühen Nachmittag! Um 12 Uhr (5 Uhr nachmittags) ist überall Wahlschluß! Deshalb:

rechtzeitig wählen!

Die Sozialdemokratie habe die Hilfe der Mittel­parteien, namentlich feit 1923 die Hilfe der Deut- toen Volkspartei gewonnen. DaweSplan und Voungplan hätten zu einer rapide wachsenden inneren und äußeren Verschuldung geführt. Die Erfüllung-Politik ende in einer Tragödie der Jugend und deS Alter». In seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der Redner ein­gehend mit dem Marri-muS. Wer Deutschland von den Tributen befreien wolle, müsse es vor allem vom Marxi-mu- frei machen. Rach einigen Bemerkungen über die Absplitterungen bei der Deutschnationalen Dolkspartei sprach der Redner kurz übet die Kulturnot deS deutschen Volke-. Sr schilderte dabei die Einstellung seiner Partei zur Religion und zu den kulturellen Fragen, um sich dann mit dem Zentrum und dessen Zusam­mengehen mit der Sozialdemokratie zu beschäfti­gen. Zum Schluß erläuterte der Redner noch, wie sich seine Partei die künftige Gestaltung Deutschland» denkt, und welche Forderungen von der Deutschnationalen Volkspartei gestellt wer­den. Die Kleinstaaterei müsse beseitigt werden unter besonderer Berücksichtigung der Eigenart jede- Landes. Weitgehende Sparmaßnahmen und eine rücksichtslose Finanzreform seien dringend erforderlich. Die soziale Fürsorge muffe den Ge­meinden übertragen werden. Dafür seien diese steuerlich selbständiger zu machen. Jede lieber- Produktion von Gesetzen und Verordnungen müsse vermieden werden. Die kommende Wahl sei nur der Ansang eine« Kampfe- zur Freimachung deS Deutschen Reiches von Dem Einfluß de« Zentrums und des Marxismus.

Gozialdemoleatische Kundgebung.

Die Sozialdemokratische Partei veranstaltete am Dienstagabend in der Volkshalle eine Wahlkund- gebung. Die von etwa 2500 Personen besucht war.

Staatskanzler a. D. Dr. Renner (Wien) sprach zunächst über Das ThemaDie Deutsche Reichstags- wähl unD Oesterreich (Einheitsstaat)". Die Reichs­tagswahl am 14. September sei nicht nur für Oester- reich, sondern für ganz Europa von größtem Inter­esse. Oesterreich sei ein Teil Der Deutschen Nation, hoffentlich auch in naher Zukunft Durch Die Staats- gemeinschaft. Der Redner besprach Dann Die QJrünbe, Die zum Erlaß Der Notverordnung und zur Reichs- tagsauflösung führten. Die. sozialdemokratische Reichstagsfraktion hätte sich Dem Ansinnen, Die Le- bensnotroenDigfeiten Der arbeitenden Bevölkerung zu kurzen, nicht fügen können. Die Frage Der Arbeits­losenversicherung sowie Der Sozialversicherung sei außerordentlich schwierig infolge Der zerrütteten Wirtschaft. Die Arbeitslosigkeit fei eine Welterschei- nung, von Der u. o. auch England und Amerika mit schätzungsweise runD sechs Millionen Menschen be­troffen mürben, sie sei aber nicht Die Folge Des Marxismus, sonDern eine Folge Des Weltkriegs Der Redner schilderte Dann Die trostlosen Verhältnisse in Oesterreich unD in Deutschland im Jahre 1918 nach Dem Zusammenbruch Es sei das Verdienst Dr. Strefemanns, daß Deutschland und Oesterreich heute als gleichberechtigte Staaten im Völkerbund waren, die Tore Dafür habe Die SoziolDemokratie geöffnet. In Den letzten zehn Jähren sei eine allmähliche öko­nomische Erholung Deutschlands festzustellen. Ein Wendepunkt, Der Oesterreich angehe, flehe bevor. Das Reich solle eine einzige Gemeinschaft sein Der An­schluß an Deutschland wurde Durch Das Friedensdikkot verboten, aber Der Anschluß wurDe in Den Herzen bereits vollzogen. Oesterreich sei im Reiche notwendig

ab Bindeglied Al» große» Ziel zu erstreben fei die europäische Staatengemeinschaft

Sodann sprach Staatspräsident Dr Adelung (Darmstadt) über ^Dolk, Staat und Politik und die bevorstehende Reichstagswabl" E» sei dringend nötig, daß man sich im Wahlkampf ab wende von Terror, Gewalt und Durch die Gosse-Ziehen, man solle Achtung vor der Auffassung der anderen Volks­genossen haben. Sodann erörterte der Redner Die politischen Ereignisse Der letzten Monate im Reichs­tage, Die zur Auslosung führten unD legte Dabei Den Standpunkt der Sozialdemokratie zur Notverord­nung, Ropffteuer usw Dar Die Dinge lägen Grunde sehr tief. Darum muffe man wissen, rote sich Die vielen Parteien als Willensgemeinschaften zu Den Fragen stellen Die rechte und Die linke Flügelpartei (Nationalsozialisten unD Kommunisten) lehnten Die Demokratie at» zur Verteidigung von Dolksrechten sei bei beiden Parteien kein Witte vorhanden,löeiter wurden von dem Redner die übrigen Parteien Im Wahlkampf, dezro ihre Bestrebungen gewürdigt. Ein Volk. Das arm sei, könne nur noch armer werden, wenn seine geistigen Güter geschmälert würden. Wie die Sozialdemokratie zu nationalen Fragen stehe, habe sie u. a. im Ruhrkampf und im besetzten Gebiet gezeigt wo alle Co»l6|ungsbeftrebungen am Wider­stande Der Arbeiterschaft scheiterten International sein heiße nicht antinational sein, und national sein heiße höchste kulturelle Ärafte entwickeln. Die Demo* fratie fei eine Staatsform, Der Inhalt gegeben wer- den solle durch den Sozialismus.

Die Kundgebung nahm einen fachlichen und ruhigen Verlauf.

Wahliumuli in Gießen.

Gestern abend hielt die '2Iational|o»lalifNf4e deutsche Arbeiterpartei in der Turnhalle am O»- waldSgarten eine Versammlung ab, in der der hessisch Spitzenkandidat der Rationalsozialisten. Pastor a. D. Münchmeyer. sprach. Die Ver­sammlung, über deren sachliche» Ergebnis wir noch berichten werden, war bei der festgesetzten Stunde de» Beginn» so stark überfüllt, daß der Zutritt zur Turnhalle polizeilich gesperrt wurde. Infolge de» großen Andranges veranstaltete die örtliche Parteileitung sofort eine Parallelver- fammhmfl im Safö Leib, in der ein junger Gieße­ner Rationalsozialist namen» Bretz als Referent so lange sprach, bis der Kandidat Münch- meyer gegen 11,15 ll&r in dieser Versammlung erschien und nun seinerseits zu den Besuchern über die Ziele der Rationatsozialisten redete. Beide Versammlungen konnten ohne Störung durchgesuhrt werden: die Versammlung in der Turnhalle war kurz nach 11 Uhr, die im Lafe Leib gegen 1 Uhr zu Ende.

AlS die Parallelversammlung im Easö Leib der vor der Turnhalle wartenden großen Menschen­menge angekündigt wurde, strömte diese sofort nach der Walltorstrahe, mit ihr aber auch viele politische Gegner der Rationalsozialisten, insbe­sondere zahlreiche Kommunisten. Die Poli^ei- beamten waren in Erwartung von Zwischenfällen nicht nur an der Turnhalle, sondern auch int Tase Leib rechtzeitig zur Stelle und sperrten dort alsbald den Saal ab, nachdem dieser voll besetzt war. Kommunistische Besucher mußten umfcbren. eine Anzahl von ihnen versuch'.e dann dadurch in den Saal zu gelangen, daß sie sich vom Hose au» über die Treppe nach dem Obergeschoß begaben, hier eine Tür einschlugen und dadurch Zugang zur Galerie dcS Saale» erlangten. Bei dieser Sachlage sah sich die Polizei gezwungen, die Galerie zu räumen ujtb im Anschluß daran die in der Walltorstraße sich stauende lärmende Menschenmenge zurückzudrängen. Leider wider­setzte sich dabei ein Teil der Leute, so daß Die Polizeibeamten bedauerlicherweise aczwungen waren, von dem Gummiknüppel Georauch zu machen.

Dor Der Turnhalle sammelte sich bann wieder eine große Menschenmenge an, die durch sorgsame Absperrungsmaßnahmen der Polizei von Dem Versammlungslokal fern gehakten wurde und sich besonders aus dem Bürgersteig bei Der Feuerwache aufhielt. Als nach Versammlungsschluß ein kleiner Trupp von uniformierten Nationalsozialisten in Der Richtung nach Dem (Lass Leib abmarschierte, Drängte eine starke gegnerische Menge lebhaft nach, wahrend Die nationalsozialistische Gruppe von etroa 10 Mann von Polizeibeamten geleitet wurde. An Dem Eng­paß in Der Dammstraße wurde von Linksrodikalen der Versuch gemacht, über Die Nationalsozialisten herzufallen, und als die Polizei in Durchführung ihrer Sicherungsaufgabe wiederum zum Gummi­knüppel greifen mußte, wurde sie heftig mit Steinen beworfen, wobei leider einige Beamte getroffen wurden. Zum Glück sind Deren Verletzungen aber leichterer Art. Während Die nationalsozialistische Gruppe im Sturmschritt nach Dem Eaf6 Leib eilte, wurde Die Menschenmenge von Der Polizei zurück- geDrängt, später folgte sie aber Den Beamten nach, als Diese sich zum Eafö Leib begaben Schließlich sah sich Die Polizei, Die in allen Teilen korrekt unD ohne unnötige Schärfe vorging, gezwungen, zur Verhütung von Unheil Die Walltorstraße auf weite Strecke hin wieder zu säubern, so daß sich Die viel- fach laut lärmende Menschenmenge in Der Haupt­sache am Lindenplatz zusammenballte.

Nach Versammlungsichluß gegen 1 Uhr begaben sich Die Nationalsozialisten, gefolgt von dem lieber- faUfommanbo Der Polriei, nach Dem nationalsozio- listischen Vercinslokal. An Der Ecke Sonncnstrahe- Reuenbäue entstand Dabei eine kurze Schlägerei zwischen zwei Männern, in die Die Polizei eingriff unD Die Äampshähne trennte, von Denen einer Durch seinen Gegner Verletzungen am Stopfe baoontrug. Die Polizei selbst brauchte erfreulicherweise von ihrer Waffe keinen Gebrauch mehr zu machen.

von Privaten und au» der Industrie züge­llosen sind. Von letzteren sind besonder» Die groben Zuwendungen Der BuderuS-Werke in Weylar und der 2C®. zu nennen. Die voll­ständige Fertigstellung de» Gebäudes wird aller­dings erst Im kommenden Jahre erfolgen kön­nen. Aber schon jetzt kann die studentische Speisung in vollem Umfange darin ftattfin- den, schon jetzt werden die Arbeit-- und AusenthaltSräume, unter denen sich ein besonderer Aufenthalt-raum für Studentinnen befindet, und sämtliche Studentenwohnun- gen in Benutzung genommen, einschließlich des Evangelischen Theologcnheim». über dessen zwölf Plätze da- Hessische evangelische LandeSkirchen- amt verfügt.

Aornotizen.

Tageskalender für Donner-tag. Christlich-Sozialer Volk »dienst: Wahlversamm­

lung. 20.15 Lhr, im Gas6 Leib Deutsche Staatspartei: zreite öffentliche Kun'gebung, Lass Leib. DHD: Versammlung, 20.15 iltnr. Lony- straße 18. Lichtspielhaus: .Der weiße Teufel". Astoria-Lichtspiele: .Der fliegende Teufel von TeeaS' und .Die Orchideen-Tänzerin".

Deutsche Staatspartei. Nächsten Frei­tag abend im Cafs Leib Wahlkundgebung Es sprechen Kapitän z. S. a. D. v o n E g i d y und Frau Regierungsrat Keller. Siehe heutige Lnzeigc

Der BundHaus und Schule" ver-' anstallet am morgigen Freitag. 20 Uhr. im Jo­hann es saal, einen Familienabend. (S. Anz)

Lin Einbruch in eine Jagdhütte bei Butzbach wurde vor einigen Tagen verübt. Dabei wurden ;a»ei Ferngläser, einige Orommo- phonplatten, ein Photoapparat und einige kleinere Sachen gestohlen. Die poli^ilichen Ernnttelungen führten, rote polizeilich berichtet wird, zur Derhaf-

tung Der Täter, und zwar eine» Gastwirte», eines Schuhmacher» und eines aktiven Polizeioberwacht- Meisters. Alle drei Einbrecher sind von Butzbach.

Eine Automobil-Sonderfchau veranstaltet gegenwärtig in dem Ladenraume im früheren Hotel Einhorn die hiesige Auto- mobilfirma Otto Faber. Sie zeigt Dort eine Anzahl BMW-KIeinwagcn der verschiedensten Bauart und in gediegener Ausstattung, die daS starke Interesse des Publikums finden. Es fmb bei dieser Sonderschau sowohl Zweisitzer-, alS auch Biersitzerwagen zu sehen, die sowohl für Familienzwecke, wie auch für Geschäftsbedürf­nisse geeignet erscheinen. Die Ausstelluilg sei der Beachtung aller Interessenten empfohlen.

Malerinnen ÄBiido