Nr. 160 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Sreitag, 11. Juli 1950
Oberheffen.
Stadtvorstandssihung in Alsfeld.
fr* Alsfeld. 9. 3ulL 3n der letzten Sitzung befaßte man sich wiederum mit der Beschäftigung der Wohlfahrtserwerbslo- se n. Wie der Borsitzende mitteilte, nimmt deren Zahl noch ständig zu. Zwecks Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten wird ein weiterer Kredit von 2500 Mark zur Vornahme von Aotstandsarbeiten bewilligt. 3m ganzen finb bis jetzt 12 500 Mark für diesen Zweck ausgegeben worden. — Zur Verbesserung der Wasserzufübrung für das städtische Schwimmbad soll die durch Beschluß vom 13. Mai d 3. angeordnete direkte Wasser- Zuführung aus dem Mühlgraben verlängert wer- den bis oberhalb der Ausmündung dä Erlen- teiches in den Mühlgraben. Die Ausführung der Arbeit wird der Firma Heinrich und August Röhner übertragen. — Die Pflasterarbeitei; für die älmpflafterung der Baugasse werden dem Adam Hebeis in Alsfeld übertragen. — Die Rudergebühren für Bootsfahrten auf dem Erlenteich, die vielfach als zu hoch bemängelt wurden, werden ab 1. 3uli für eine Person für anderthalb Stunden auf 30, für jede weitere Person auf 20 Pfennig festgesetzt. — Eine Aenderung der Satzung der Freiwilligen Feuerwehr ist von dieser in der letzten Deneralver- sammlung beschlossen worden, zu welcher sahungs- gemäh der Gemeinderat, der Kreisausschuh und das Kreisamt ihre Genehmigung erteilen müssen. Durch die beabsichtigte Satzungsänderung sollen neben den aktiven Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr auch Inaktive und unterstützende Mitglieder xugelassen werden. Die beantragte Satzungsänderung wurde genehmigt. — Ein Antrag des D. H. V., Ortsgruppe Alsfeld, verlangt den weiteren Ausbau der kaufmännischen Berufsschule. 3n dem Antrag wird eine Erhöhung der Pflichtstundenzahl, die Anstellung harcptamtlicher Lehrkräfte, sowie die Einführung des Maschinenschreibens als Unterrichtsfach verlangt und gewünscht, dah der Verband durch zwei Mitglieder im Fortbildungschulvorstand vcrl.elen sei. Die Anträge wurden gemäß dem Vorschläge der Finanzkommission abgelehnt, der Antrag, durch Satzungsänderung auch Arbeitnehmer in den Schulvorstand zu berufen, soll dahin seine Erledigung finden, dah demnächst eine Revision der Zusammensetzung des Schulvorstandes für die Fortbildungsschule vorgenommen wird. — Am Schlüsse der Sitzung gab der Vorsitzende Aus- kunft über den am nächsten Montag stattfindenden Prämienmarkt, der erfreulicherweise dieselbe Anzahl von Anmeldungen zur Prämiierung bei den einzelnen Tiergattungen wie im vorigen 3ahre aufweist. Am Rachmittag findet auf dem Festplah eine reitersportliche Veranstaltung statt. Es ist ein starker Marktverkehr zu erwarten.
L'anötrcie bir ken
ch Lang-Göns, W. Juli. Am kommenden Sonntag begeht der älteste hiesige Gesangverein „Frohsinn" sein 75jähriges Vereinsjubiläum und verbindet damit einen Gesangsivettstreit, an dem sich fast 20 Vereine aus nah und fern beteiligen. Der rührige Verein und die weit und breit bekannte Gastfreundlichkeit unserer Bewohner werden allen Gästen einige angenehme Stunden bereiten. Das Fest wird auf dem bekannten Festplatze vor der Niederhofenstraße abgeholten.
lH Lollar, 9. Juli. Eine öffentliche Sitzung des Gemeindeniates sand gestern abend statt. Aus der Tagesordnung sei als bemerkenswert festgehalten: De Israelitische Religionsgemeinschaft ersucht um ei. en Beitrag zur Reparatur der Synagoge. Gemäß dem Vorschlag der Finanzkommission werden 300 Mark bewilligt. — Wie in früheren Jahren so sollen auch die im Rj. 1930 begonnenen Bauten, soweit sie Wohnzwecken dienen, auf fünf Jahre auf Antrag von der Gemeindegrundsteuer befreit werden. — Die Bedürfnisfrage zu zwei Wirtschaftskonzessionsgesuchen, Hch. Schadeck VII. und Otto Nuhn II. wird be-
Die Gefahren oes Gommers.
Neue Forschungsergebnisse.
Von Dr. W. Hofmann, Leipzig.
Wie unsere Vorfahren zur Zeit des Frühlings ihre „Auffrischungskuren" unternahmen, benutzen wir heutzutage gerade die Zeit des Sommers, die Zeit der Hundstage zur Erholung. Gewiß ist es dann keinem übelzunehmcn, wenn er sorglos und erfreut alles das genießt, was die Patur in so reicher Fülle bietet. Wasser, Luft und Sonne. Alle drei sind ja heute anerkannte Faktoren, welche beim Aufbau, ebenso wie beim Wiederaufbau unseres erschöpften oder erkrankten Organismus eine bedeutende Rolle spielen. Alle drei haben auch ihre Gefahren und Tücken, die sich umgehen oder vermeiden lassen. 3m folgenden soll von den neuesten Forschungsergebnissen auf diesem Gebiete die Rede sein.
Beginnen wir mit der Sonne, speziell mit der übermäßigen Sonnenbestrahlung, so haben wir drei Krankheitserscheinungen zu erwähnen, den Sonnenbrand, den Sonnenstich und den Hitz sch lag. Wir wissen ja heute, daß der Sonnenstich, allgemein gesprochen, ebenso wie der Hitzschlag, Erkrankungen sind, bei denen es im Organismus zu einer Wärmestauung kommt. Um also diesen beiden Erkrankungen, die sich in Uebelkeit, Brechreiz, Schwindelgefühl und Mattigkeit äußern, günstig zu beeinflussen, ist es nötig, die Bedingungen zu schaffen, die eine ungehinderte Abgabe, , gewissermaßen eine Verdunstung der im Körper befindlichen, giftigen Stoffwechselprodukte, die normalerweise von der Haut „abgeatmet" werden, zu schaffen. Man löst also die beengende Kleidung, schafft den Erschöpften an einen kühlen, schattigen Platz, an dem womöglich ein kleiner Luftzug herrscht. Ein Arzt sollte aber immer sofort zu Rate gezogen werden, da die individuelle Beschaffenheit des Erkrankten oft besondere Maßnahmen nötig macht. Wie es zu diesen Erkrankungen kommt, haben die Versuche von Amerikanern ergeben, welche an Hunden den Hitzschlag experimentell erzeugen konnten. Die Versuchstiere reagierten auf hohe Temperaturen, in denen sie für bestimmte Zeit gehalten wurden, genau so. wie der Mensch, mit Erschöpfung und Temperaturen, die unter der normalen logen.
Auch über den Sonnenstich liegen wissenschaftliche Untersuchungen vor, von denen hier ledig-
Vom Einwanderer zur Maschine.
Wit obigem Schlagwort kennzeichneten amerikanische Wissenschaftler in den Tagen, wo die Sonne der „Prosperität" noch im Zenith stand, den Umschwung, den das Abstoppen der Einwanderung und die allgemeine Einstellung auf eine mechanische „Masscnerzeugung" im Wirtschaftsleben des Volkes der Vereinigten Staaten seit dem großen Kriege hervorrief. Nachdem Onkel Sam aus einem „Weltschuldner" zu einem „Weltgläubiger" geworden war, konnte er sich gestatten, die „fixen Kosten" seines Produktions- apparates ins Unermeßliche zu steigern, um über desto billigere und gefügigere mechanische Arbeitskräfte zu verfügen, je mehr in die Furcht vor einem Masseneinstrom moderner Barbaren auf die Zufuhr bedürfnisarmer fremder Arbeitskräfte verzichten lieh. Unternehmer, wie Ford, die ihre Betriebe in einem Maße „mechanisieren" konnten, dah der erforderliche Lohnfonds für die Höhe der Gestehungskosten überhaupt nur noch eine geringe Rolle spielte, fingen an, das „Evangelium höherer Löhne" zu predigen, um ihrer „Massenerzeugung" durch immer größeren „Massenverbrauch" immer neuen Ansporn zu geben. Als die Absatzmöglichkeiten trotzdem mit der fortschreitenden Kapazität der Betriebe nicht Schritt halten konnten, ging man zu raffinierten neuen Methoden der Reklame, zum Abzahlungssystcm, zu allgemeiner Konsumfinanzierung, zur Züchtung von Modelaunen auf allen Gebieten des Verbrauchs und anderen Mitteln modernster „Verkaufswissenschaft" über. Das alles hat aber nicht zu verhindern vermocht, dah die Wirtschaftskrise, die die Prosperitätsperiode ablöste, um so verheerender in das Wirtschaftsleben der Union ein- brach, je länger ihr naturnotwendlges Eintreten künstlich verzögert worden war.
3nzwischen hat die „zweite industrielle Revolution" auch in anderen überseeischen Ländern ihre Kreise gezogen. 3n Kanada und Au - st r a l i e n, wie in Argentinien und anderen lateinamerikanischen Ländern ist, genau wie in den Vereinigten Staaten, auch die Landwirtschaft seit dem großen Kriege in einem Tempo mechanisiert worden, daß selbst in diesen dünn besiedelten Ländern Landflucht die städtischen Arbeitsmärkte überfüllen und alle massenhafte Einwanderung zu einem unerträglichen Uebel werden lieh. Traktor und Dresch- mäher haben in den Vereinigten Staaten seit 1925 je rund drei Millionen menschliche und tierische Arbeitskräfte entbehrlich gemacht und dennoch die Produktion nicht unwesentlich gesteigert. Was Wunder, dah auch Kanada aus denselben Gründen immer mehr mit seinem natürlichen Bevölkerungszuwachs auslommt, trotzdem cs seit 1910 seine Wcizenerzeugung verdreifachte. Inzwischen konnte die Kaufkraft der Bevölkerung mittel- und westeuropäischer Länder nur durch den Anleihemechanismus des Finanzkapitals der Union vor raschem Sinken bewahrt werden, während in den meisten asiatischen und osteuropäischen Ländern entweder revolutionäre Vorgänge oder politische Monopol- Wirtschaft den Außenhandel lahmlegte. Die ganze derzeitige Weltwirtschaft ist von dem Widerspruch zwischen einer zwangsläufig gesteigerten Kapazität moderner Betriebe und der Abnahme der Käuferzahl durch Freisetzung menschlicher Arbeitskräfte beherrscht. Massenhafte Arbeitslosigkeit in „alten" wie in „neuen" Ländern ist die Folge, während hemmungslose Mechanisierung auch
landwirtschaftlicher Betriebe selbst so dünn bevölkerte Länder wie Australien und Kanada sich gegen Einwanderung aus dicht bevölkerten Ländern abschliehen läht.
Das Problem, das die gegenwärtige allgemeine Wirtschaftskrise stellt, ist eine Schicksalsfrage für die Völker der weihen Rasse. Die sogenannte „zweite industrielle Revolution" findet ihren auffallendsten Ausdruck darin, dah die modernsten Methoden massenhafter Erzeugung landwirtschaftlicher Güter die den Küsten des pazifischen Ozeans benachbarten Ebenen bevorzugen: Westkanada, die Weststaaten der Union, Australien, die Mandschurei, Ostsibirien. Es gibt für die Dauer nur zwei Möglichkeiten, das Absahproblem zu lösen, das den zwangsläufig wachsenden Getreidemengen entspricht, die die Getreidefabriken, die den größten Ozean zu umsäumen beginnen, auf den Markt werfen. Entweder wird man es verstehen, innerhalb deS europäisch-amerikanischen Kulturkreises durch neue Formen der Kolonisation neue Absatzmärkte mit rasch wachsender Kaufkraft zu organisieren und dadurch zugleich die Kaufkraft der d ich t b e v ö l k e r t e n alten Kulturländer zu heben, indem man ihre Arbeitsmärkte entlastet: oder aber dieselben Kräfte, die heute jene Getreidefabriken organisieren, werden zu deren Ergänzung di« Kaufkraft Indiens, Chinas und Sowjetruhlands entwickeln. Es ist kein Zufall, daß der Außenhandel eines so alten Agrarlandes wie China die einheimische Bevölkerung von Jahr zu Jahr in größere Abhängigkeit von fremden Lebensmittelzufuhren bringt. Im Jahre 1929 führte China für zweihundert Millionen Silber-Dollar (etwa 400 Millionen Mark) Lebensmittel ein. wobei es sich mehr als zur Hälfte um Weizen und Weizenmehl handelt. Weizen schlägt in der Sphäre des modernen Industrialismus Reis, weil die Rcis- kultur einmal nur auf bestem und leicht künstlich zu bewässerndem Boden gedeiht und dann selbst bei ausgiebigster Anwendung moderner Maschinerie, wie auf amerikanischen Reisfar- men, noch viel menschliche Arbeit erfordert, jedenfalls lange nicht in dem Maße mechanisiert werden kann wie der Weizenbau, der zudem In immer unwirtlichere Gegenden, auf von Ratur immer dürftigerem Boden, vordringt. Modernes Verkehrswesen und landwirtschaftliche Maschinerie kann in China etwa dreimal soviel Boden der Gewinnung menschlicher Nahrung neu erschließen, wie heute angebaut ist, weil die Mühseligkeit herkömmlicher, gartenbauähnlicher Bestellung nur beste Böden in günstigster natürlicher Verkehrslage zu bewirtschaften gestattet. Vorläufig aber können die Getreidefabriken Kanadas, des Westens der Union, Australiens und Sibiriens die billige Versorgung ostasiatischer Industriebevölkerungen erleichtern, die bestimmt sein könnten, mit der Zeit jene Kaufkraft für die Massenerzeugung" der Neuen Welt zu entwickeln, die das verarmte und überschuldete Europa nicht zu erreichen vermag. Der Westwärtsdrang Weiher Menschen ist in der „Neuen Welt" abgelöst worden vom Westwürtsdrang mechanischer Kräfte, die den Inhabern eines Trustkapitals gehorchen, die es reizt, die Kaufkraft einer Milliarde asiatischer Menschen zu entwickeln, selbst wenn das „Abendland" dabei zugrunde geht.
jaht. Cs handelt sich hierbei um alte, seit langen Jahren bestehende Wirtschaften, bei denen die Konzessionen noch auf den Namen der Dorbesitzer lauteten. — Als Hossenkkasten für die zur Zeit im Gange befindliche Kanalisation sind zwei gleichwertige Systeme zugelassen. Empfohlen wird das System Panse, Wetzlar. — Zur Angelegenheit der Beseitigung der Derkehrshinder-
lich die neuesten angeführt werden sollen. Unh zwar hat der Schweizer Schwab berichtet, daß allein die Hirnveränderungen nach übermäßiger Sonnenbestrahlung so schwer sein können, dah sie allein für die Erllärung der Krankheit genügen. Es ist ein weiter Unterschied, ob die Sonnenstrahlen von der Haut aufgeiangen werden, oder ob sie tatsächlich ungehindert bis ins Blut oder bis in die einzelnen Organe des Körpers gelangen. Eine braune Haut schirmt nämlich die schädlichen Strahlen ab, so daß der braungebrannte Mensch sich ohne Schaden in der prallen Sonne auch längere Zeit bewegen kann. Da aber unsere Haut im alltäglichen Leben von Kleidung bedeckt ist, muß diese ^gesunde Bräune" erst in Sonne und Luft erzeugt werden. Zu welchen schweren Zuständen das sehr oft führen kann, beweist schon ein Besuch in einem Sonnenbad. Immer hat man dort Badende anzutreffen, die einseitig — eben nur dort, wo die Sonne hingetroffen hat —, mit einer roten Haut „bekleidet" sind, mit einer Haut, die sofort an einen gesottenen Krebs erinnert. Cs ist das Zeichen von übermäßiger Sonnenbestrahlung. Die Haut wehrt sich nämlich dagegen, bittet allerdings auch die schützenden Pigmentkörperchen, nur vermag sie das nicht ganz plötzlich, sondern auch sie muß sich an die Durchwanderung der braunen Pigmentkörperchen aus den Unterschichten an die Oberschichten „gewöhnen". Ist sie aber gewöhnt, d. h. hat sie schon etwas gebräunt — das erreicht man durch weniger langes, aber öfteres Derweilen in der Sonne, Brünnette schon an der Luft —. so tritt diese Folgeerscheinung nicht mehr auf. Diese Reaktion kann nun geradezu stürmisch verlaufen, d. h. die davon Betroffenen erkranken an Sonnenbrand, der ganz schwere Formen annehmen kann. Der Gletscherbrand beim Hochtouristen ist genau dasselbe. Auch bei dieser Erkrankung sollte sofort ein Arzt zu Rate gezogen werden. Vor allen Dingen sind aber Linderungsversuche mit Hilfe von kaltem Wasser durchaus falsch, sie können die Erkrankung evtl, nur verschlimmern. Gerade das sieht man am meisten, weil gegen Brennen oder Brand ja immer einfach Wasser genommen wird.
Aber nicht nur in diesem Falle bringt das Wasser seine Gefahren In Deutschland ertrinken jährlich immer noch 20 000 Menschen. Wie es zu diesem plötzlichen Tod durch Ertrinken gesunder Menschen kommen kann, ist noch nicht einwandfrei geklärt. Dr. P. F. Petersen
n i s s e (Treppen vor den Häusern Dölp und Zimmermann, Hauptstraße 91 und 93) liegt ein Bericht des Hochbauamtes Gießen vor, wonach bei einer Beseitigung der Treppe vor dem Dölp- schen Anwesen dieses Haus seinen bisherigen Charakter und sein gutes Aussehen, die Straße ihr städtebauliches Bild verlieren würden. Der Gemeinderat nimmt mit Entrüstung von diesem
nimmt an, daß durch den Sturz ins Wasser — es kommt dabei also zu einer plötzlichen Tempe- raturfenfung — eine starke Ausatmungspressung eintritt, welche zu einer Unterbrechung des Lungenkreislaufes führt. Diese bedingt wiederum eine Leerung der linken Herzkammer, so daß kein Blut ins Gehirn gelangen kann. Dadurch wird das Atmungszentrum gelähmt, und es kommt also zu Bewußtlosigkeit, schließlich zu Erstickung. Anscheinend spielt dabei die Größe des Herzens eine ausschlaggebende Rolle. Fast alle durch Plötzlichen Fall ins Wasser Ertrunkenen weisen nämlich ein kleines Herz auf. Anders liegt die Sache bei Sprüngen ins Wasser. Hierbei kann es durch falsche Kopfhaltung beim Auftreffen auf das Wasser zu einer Zerreißung des Trommelfelles kommen. Nun bringt kaltes Wasser in das mittlere und innere Ohr, was zu einer Lähmung des statischen Organs unsres Körpers fichrt. Auf dem Lande würde ein davon Betroffener einfach Umfallen. Fällt nun aber — so etwas kann auch dem geübtesten Schwimmer pa'sieren — ein Mensch unter diesen Umständen im Wasser um, so muß er unweigerlich ertrinken, da er die Orientierungsmöglichkeit über Oben und Unten sofort verliert. Am meisten gefährdet sind natürlich die Leute, bei denen früher einmal eine Erkrankung des Ohres zu einer teilweisen Zerstörung des Trommelfelles geführt hat. Diese tonnen fi:1' nur durch einen festen Verschluß des Gehörgr mit Hilfe eines Pfropfens schützen, der am t: _.t aus nicht entfetteter Watte besteht.
Schließlich sei noch einer anderen Gefahr gedacht: das ist der gleichzeitige Genuß von Obst mit Wasser. Lange Zeit hat man nicht gewußt, worin die Gefahr besteht. Erst die eingehenden Untersuchungen von Gros haben hier ergeben, daß der ungeheuer großen Quellbarkeit der Zellulose die Schuld zu geben ist. Er stellte nämlich fest, daß 250 Gramm Herzkirschen — der Sommer ist ja auch die Jahreszeit der Kirschen — mit 500 ccm Wasser zu der doppelten Maste aufquellen tonnen. Die Aufquellung und Gasentwicklung ist mitunter so stark, daß eine Zerrung des feinen Gewebes stattfindet, so daß es zu einer Entzündung des Magen-Darmkanals, namentlich bei Kindern und Leuten mit ohnehin schon geschädigtem Magen kommt. Die Sommerhitze mit ihrer Begünstigung aller Fäulnis- und Zersetzungsvorgänge spielt hierbei keine unerhebliche Rolle. Ebenso gefährlich sind Stachel- beeren und Wasser, weil es hierbei nach dem Genuß sogar zu Darmverschluß und — waS viel
Gutachten Kenntnis und beschließt, di« Angelegenheit der Provinzialdirektion vorzulegen. — Die Gemeinden sind von dem KreiSamt aufgc« fordert, Stellenpläne der vorhandenen voll- beschäftigten Deamtenposten aufzustellen und vor- zulegcn. Der Gemeinderat befchsteßt, je eine Stelle des GemeinderechnerS, PolizeidienerS und Flurschützen aufzunehmen. — Der Gemeinderat fast den Beschluß, daß bei der jetzigen Durchführung der Kanalisationsanlage der vor dem Kriege angelegte Teil in gleicher 'Weise zu vervollkommnen ist, d. h. daß insbesondere alle Dachkandel, Spülküchen. Höfe usw. in vorschriftsmäßiger Weise an den EntwässerungS- kanal anzuschließen sind.
-8- Londorf, 10. Juli. Die hiesige landwirtschaftliche Berufsschule besuchte dieser Tage mit ihren beiden Klassen den Selgenhof bei Ulrichstein, das Versuchs- und Mustergut der Landwirllchastskammer. Außer den mustergültigen Stall- und Hosanlagen mit neuzeitlichen Einrichtungen (Silo, Heuablader usw.) wurden vor allem bte Weiden und das Vogelsberger Rotvieh einer genauen Besichtigung unterzogen. Weiterhin wurde den Schülern von der mustergültigen Führung ein Einblick in die landwirtschaftlichen Verhältnisse des Dogelsberges gegeben. Die Schüler konnten wertvolle Eindrücke, besonders auf dem Gebiete der Weidetechnik, mit nach Hause nehmen. Besonderer Dank gebührt der Landwirtschaftskammer für die Erlaubnis zum Besuche und dem Verwalter des Selgenhofes, Dipl.-Landwirt Adelberger, für di« hervorragende Führung. Abschließend darf woyl noch gesagt werden, daß der Selgenhof fein Ziel, ein Mustergut für die Landwirtschaft zu sein, in kürzester Zeit erreicht haben wird.
ch Aus dem mittleren ßumbatal 10. Juli. Mit dem Schnitt der Sommergerste ist vielerorts begonnen worden. Durch starken Regen ist vielfach Lagerfrucht entstanden, was ein Qlbcmten mit Maschinen unmöglich macht. Recht schönen Stand zeigen die Hackfrüchte. Nur klagen unsere Landwirte allgemein über starke Verunkrautung. Die Frühkartoffeln stehen in Blüte. Die ergiebigen Regenfälle find den Futterfeldem und den Wiesen sehr zu statten gekommen. In den Gärten stehen alle Gewächse in voller Entwicklung. Die Ernte der Stachelbeeren und Johannisbeeren ist im Gange. Sie fällt vorzüglich aus. Die Bohnen und Gurken stehen in Blüte. Leider zeigen letztere die fast alljährlich auftretende Fleckenkrankheit, wodurch der Ertrag wesentlich vermindert wird. Das Kraut und andere Gemüsepflanzen werden stark von den Raupen der Kohlweißlinge heimgesucht.
! Hungen, 9. Juli. Dieser Tage feierte der Gesangverein „Liederkran z", der auf beachtenswerter Höhe steht, das Fest seines 40jährigen Bestehens, verbunden mit der zweiten Fahnenweihe. Eingeleitet wurde das Fest durch einen Kommers unter Mitwirkung des Gesangvereins „Eintracht" und des Radfahrervereins. Der Vorsitzende des „Liederkranz", Hch. Köhler, sprach herzliche Begrüßungsworte, und Bürgermeister Fendt beglückwünschte namens der Stadt den festgebenden Verein. Lieder der beiden Gesangvereine und zwei schöne Radreigen des Radfahrervereins, sowie Konzertstücke der Festkapelle verschönerten den Abend. Am Sonntagvormittag wurde durch den Dirigenten des „Liederkranz". Lehrer Schmidt, nachdem der Verein das Lied „Den GMallenen" gesungen hatte, am Gefallenendenkmal ein Kranz niedergelegt, worauf der Verein am Festgottesdienst teilnahm. Nachmittags bewegte sich ein stattlicher Festzug zum Festplahe. Nach dem Degrüßungschor des Vereins und einem von Fräulein Anni Frutig vorgetragenen Prolog begrüßte der Vorsitzen^: des Vereins die Festgäste. Bürgermeister Fendt sprach ebenfalls herzliche Degrüßungsworte. Der Vorsitzende des „Horlosf-Wettertalsängerbundes". K. Bender, beglückwünschte den Verein zu seinem Jubiläum. Pfarrer Bock hielt die Wcihe- rede. Fräulein Minna Röder überreichte mit einem schön gesprochenen Prolog die von den Frauen und Ehrenjungfrauen gestiftete Fahnenschleife, und der Gesangverein „Eintracht" ließ
gefährlicher ist — zu einer Darmlähmung kommen kann.
Aus dem hier Gesagten geht wohl ohne weiteres hervor, wie zahlreich die Gefahren sind, die uns umgeben. Kennt man die aber, — und dazu soll dieser Aufsatz beitragen — so sind sie leicht zu umgehen und zu vermeiden.
Oie Zische in der Sprache.
Den stummen Fischen hat die Sprache mancherlei Bereicherung zu verdanken. Da ist vor allem das Zeitwort stschen zu nennen samt dem Hauptwort Fischer(in): die entsprechenden Ableitungen mausen, flöhen, krebsen haben kein Hauptwort erzeugt, der Fischfang hat ja für Millionen Menschen die größte Bedeutung. Wie krebsen fangen schlechtweg bedeuten kann, so ist stschen auch auf anderes anwendbar als auf Fische, besonders auf Dinge, die man durch List zu erlangen sucht, sogar auf Menschen. Christus heißt den Petrus und seinen Gefährten beim Fischfang Menschen fischen, mit Beziehung auf ihr ehemaliges Gewerbe. Bevorzugte Werber fischen anderen ein Mädchen weg, womöglich einen Goldfisch, d. i. ein reiches Mädchen, ehemals sagte man dafür auch Karpfen mit Rogen. Das Streben nach unlauterem Gewinn bezeichnet dieAedensart „imTrüben fischen", d.h. eine allgemeine Verwirrung benutzen, um etwas zu gewinnen, und zwar ungesehen, wie dec Fischer bei trübem Wasser. Dieselbe Redensart gebrauchen auch Franzosen, Italiener und Engländer. Während wir nach Lob Haschen, sucht man im Englischen Komplimente zu fischen, und wie der Engländer rät, Fische nicht zu kochen, bevor man sie geangelt hat, so haben wir das Sprichwort: Man soll nicht rufen: Holt Fisch«, «h« man sie hat. Don einem, der sich nicht anlocken oder anführen läßt, heißt es: er beißt nicht an, nämlich an den Köder: man ködert auch einen Menschen, wenn auch mit anderen Mitteln als mit einem Regenwurm. Dom Angelsport kommt der Aus- druck „nach etwas angeln1*. Da der Fisch nicht als Fleisch gilt — der Katholik darf auch Freitags Fisch eßen — besagt die Verneinung: Nicht Fisch, nicht Fleisch, soviel wie nichts Ordentliches. Unwahrscheinliche Ausreden, auch verdächtige, sittlich bedenkliche Handlungen, bezeichnet man als faule Fische, die lein Mensch mag. Einem faulenden Fisch wird in allen Sprachen ein lästiger Gast verglichen: Ein Gast ist wie ein Fisch, er bleibt nicht lange frisch. Don einem Gemeinwesen, das an der Verderbtheit seiner Leiter krankt, heißt eS: der Fisch fängt am Kopfe an zu stinken. Q M.


