Nr. 87 viertes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Samstag, 12. April 1930
Sie Liatsberalung im hessischen Finanzausschuß.
Sondergebäudestcuer. - Gewerbesteuer.
Darm ft ab t. ll. April. (WHP) 3m Finanzausschuh des Hessischen Land- tags wurde heute die Aussprache über das Kapitel 10 (L a nde s st e u e rn) zu Ende flc- I^Der Minister wandte sich gegen den Dor- Wurf, dah ein noch größerer Betrag a!8_ zwei Millionen Mark der Wirtschaft entzogen würden.
Die volksparteilichen Vertreter hielten jedoch daran fest, dah neben den im Sofort» Programm gestrichenen zwei Millionen für den Wohnungsbau weitere 9 bis 12 Millionen Marr Privatgelder und Hypotheken der Wirtschaft mcht zur D^fügung stehen würden.
Von Regierungsseite wurde erklärt, dah entsprechend den gesetzlichen D-stimmungen bei einer Friedensmicte von etwa 70 Millionen de-c Betrag von 9,9 Millionen im Etat für den Wohnungsbau den gesetzlichen Bestimmungen entspreche.
Der Minister gab auch zu, dah heute ein Mangel ajn ersten Hypotheken nicht mehr bestehe. 3m nächsten Jahre werde bereits der Betrag von 9,9 Millionen Mark für die Tilgung rmd Verzinsung der früher aufgenommenen Anleihen benutzt werden müssen.
Ein Vertreter des Landbundes regte an, in diesem 3ahre überhaupt leine Mittel für den Reubau, sondern alles für die Tilgung der Anlechen einzustellen. Der Antrag wurde jedoch wegen des Widerspruchs der übrigen Parteien zurückgezogen.
Die Sozialdemokraten forderten weiter, die Sondergsväudesteuer nach der wirklichen Rentabilität des Hauses zu berechnen. Heute basiere die Steuer auf einer fünfprozentigen Durchschnittsrentabilität. Ramentlich für die Städte errechneten sich Vie Sozialdemokraten ein erhöhtes Steuereinkommen.
Die Regierung erwiderte jedoch, dah ihre Erhebungen bei einem Baublock in Mainz eine Durchschnittsverzinsung von nur 5,6 Prozent, in Darmstadt von nur 5.2 Prozent bei einer guten Geschäftslage ergeben hätten.
Ein volksparteilicher Antrag, die noch zur Verfügung stehenden 900 000 Mk. aus der Rechnung von 1929 sofort für Wohnungsbauzuschüsse auszuwerfen, wurde durch die zusagende Reqierungsantwort für erledigt erklärt.
Ein Zentrumsantrag, wonach die Darlehen an die hessischen Siedler im Osten nur mit 2 Prozent verzinst und mit 1 Prozent getilgt werden sollen, wurde der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Diese teilte mit, dah Hessen in bezug auf die anderen Länder an der Spitze der Ostsiedlung stehe.
Von volksparteilicher Seite wurde erneut eine schärfere Erfassung der Wander- lager zur Wandergewerbe st euer gefordert. Heute gebe es schon ganze Automobilkolonnen in Odenwald und Vogelsberg, die sogar fertige Möbel zum Kauf anböten.
Die Sozialdemokraten verlangten, die gesamte Wandergewerbesteuer den Gemeinden zu überlassen, denen eine leichtere Erfassung der Steuerpflichtigen möglich fei.
Ein Landbundantrag, als SteuerbemessungS- grundlage den Ertragswert des Reichsbewer- tungsgcsehes festzusehen, wird der Regierung als Material überwiesen.
Abgelehnt werden volksparteiliche Anträge, den den Betrag von 7,52 Mill. Mk. übersteigenden Steucrertrag für die Feldbereinigung zur Zinsverbilligung zu benutzen und die Gewerbesteuer von 7,85 Mill, auf 7,20 Mill, herabzusetzen. Alle übrigen Anträge zum Kapitel der Sondergebäudesteuer wurden bis zur zweiten Lesung zurückgestellt. — Gegen zwei Stimmen fand das Kapitel Annahme.
Von sozialdemokratischer Seite wurde eine R e • Vision öer Äesoldungsordnung gefordert mit dem Ziel einer Senkung der hohen Beamtengehälter, welchem Vorgehen sich auch die Gemeinden anschliehen wollen. Die Regie- rung brachte ihre hiergegen bestehenden Bedenken zum Ausdruck.
Von deutschnationaler Seite würde eine zehn- prozentige Senkung der Staatsausgaben. Streichung der Ausgaben für die Gesandtschaft in Berlin und Erhöhung der Gemeindezuschüsse für die staatliche Polizei von 1200 auf 1800 Mark verlangt.
Der Ausschuh setzte seine Beratungen am Samstag fort. Die Karwoche bleibt sihungssrei. Das Plenum wird voraussichtlich am 13. Mai zufammenkommen.
Preußen.
Palmsonntag.
Fast zweitausend Jahre liegen zwischen jenem Tage, an dem Christus seinen Siegeszug in Jeru- falcm hielt, und unserem heutigen Palmsonntage. Was für ein Tag muh das gewesen sein, und welch ein Mensch, dah er die Herzen einer Weltmenschheit gefangennahm durch seine Lehre, die erst nach seinem Tode sich in ihrer unwiderstehlichen Kraft offenbarte. Wie mag das Volk gejauchzt haben, als „sein" Befreier, der König der Armen und Verachteten, der Freund und Helfer der Kranken und Schwachen durch die Straßen der hochgebauten Stadt zog. Was
aber auch hatte er gewagt! Der Erbärmlichkeit, Lüge und Heuchelei die Maske abgerissen, die Wechsler und Händler aus dem Tempel gejagt, aus dem Hause seines Gottvaters, aus dem sie ein Geschäftshaus gemacht hatten, in dem Feilschen und Handeln betrieben wurde. Er, der Sohn dessen, vor dem Geldwerte keine Werte sind, vor dem nur die Seele des Menschen etwas gilt, hatte gewagt, der Macht entgegenzutreten, die alle unter ihr Zepter zwang.
Nun ritt er durch die Straßen Jerusalems, und das Volk legte Palmenzweige auf feinen Weg und breitete Kleider vor ihm aus zum Zeichen der Huldigung. Was war das für ein Tag! Selig die Jünger, — selig das Volk. Keiner dachte daran, daß auf diesen Tag der Freude herbstes, bitterstes Leid folgen würde, daß mit dem Hosianna zugleich das ,Kreu- zige" geboren wurde, — außer einem: Christus selbst. Er wußte, daß er den Leidenskelch schon an diesem Tage in der Hand hielt. Verbissen standen seine Widersacher und suchten aus der Schar der Jünger den heraus, den sie eines Verrates fähig hielten. Arm waren sie alle, die sein stetes Gefolge bildeten, aber nur von einem konnte man erwarten, daß er dem Klang des Goldes.nicht widerstehen würde: Judas'. Er würde die dreißig Silberlinge nicht ad- weisen ...
Mochte auch der „Befreier" sich als Volkskönig dünken, mochte auch das Volk jubeln und Hosianna schreien, das Kreuz auf Golgatha warf schon am Palmsonntag seine Schatten voraus.
*
In jungen Frühlingstagen liegt heute der Palm- fonntag, der auf die bevorstehende Osterzell hinweist. Es ist ein schöner Brauch in deutschen Landen, — mit Ausnahme vielleicht der Großstädte, die schon im März die Konfirmation ihrer jungen Bürger stattfinden lassen —, den Palmsonntag dazu zu benutzen, um die gläubige Schar zum erstenmal zum Tisch des Herrn zu führen. Sie treten nun in den Lebenskampf hinaus mit vielem Mute und reger Lebensfreude, sie sehen es nicht, und wollen's auch nicht sehen, daß mit dem Abschluß der Schulzeit viele Jahre folgen, die ernste Anspannung und großen Fleiß erfordern. Trotzdem wird der Erfolg nicht immer gleich zu erreichen sein, es wird Rückschläge geben, harte und böse Tage mit vielem Ungemach, die durchschritten sein wollen. Schatten legen sich auf die jungen Geben, die nm Palmsonntag zwar noch nicht recht erkannt werden. Sich von ihnen nicht betrüben, noch einschüchtern lassen, unaufhaltsam auf die große Auferstehung, auf den Sieg des Lichts marschieren, das ist die beste Mahnung des Palmsonntags, der den Stifter des christlichen Bekenntnisses zum ersten und einzigen Male in weltlichem Glanze sah. M. G.
Kreis Wetzlar.
<> Lützellinden, 12.April. Gestern abend zwischen 6 und 7 Uhr befand sich der Gewerkschaftssekretär Jochem aus Gießen mit einem Hanomag- Kleinauto auf der Fahrt zwischen hier und Klein- Linden. Unterwegs geriet das Auto plötzlich in
Brand und brannte bis auf die Eisenteile nieder. Der Autofahrer konnte sich nur dadurch retten, daß er sofort aus dem brennenden Wagep heraussprang.
Kreis Marburg.
][ Marburg, 10. April. Der heutige Schwei» ne mar ft war mit 712 Schweinen, darunter 19 Läufern, beschickt. 6 Wochen alte Ferkel kosteten 30 bis 35 Mark, 6 bis 8 Wochen alte 35 bis 45 Mark. 8 bis 13 Wochen alte 45 bis 55 Mark und Läufer 60 bis 80 Mark je Stück. Der Handel war flott.
0 Fronhausen (ßaljn), 9. April. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung wurde die Wahl des Schulvorstandes vorgenommen, wobei sich die Vertretung auf einen Wahlvorschlag geeinigt hatte: es wurden gewählt: Oekonom Johannes Lauer, Landwirte Johannes V o r m s ch l a g und I. Jakob Kraft, Stellwerksmeister i. R. Heinrich Dörner, Assistent H. P a u s ch und Rangierführer Georg Spengler, ferner gehören dem Schulvorstand aus Grund gesetzlicher Vorschrift an der jeweilige Geistliche (Pfarrer Weber), Lehrer Schick, I m m e l und Möller, Lehrerin A l - tendurg und Bürgermeister Schnabel. Mm eine ausreichendere Sicherstellung der Waffe r z u s u h r für alle Teile des Dorfes zu erreichen, soll der Ginbau eines Elektromotors in die Pumpanlage vorgenommen werden. Man beschloß einstimmig die Einholung entsprechender Kostenvoranschläge. Für die hiesige Freiwillige Feuerwehr ist die Anschaffung von Bekleidungsstücken notwendig geworden. Von den Kosten in Hohe von rund 1500 Mark trägt die Brandversicherungskammer 500 Mark, au« dem Gemeindehaushalt sollen ebenfalls 500 Mk. gedeckt werden, während die restlichen 500 Mk. aus einer Spende entnommen werden sollen. Dein Vorschläge wurde einstimmig zugestimmt. Für die Anschaffung eines Schulfunkappara- t e s stellt die Gemeindekasse 50 Mark zur Verfügung, den Restbetrag muß die Schulverbandskasse decken. Die Vorlage wurde mit 9 gegen 4 Stimmen angenommen. — Dieser Tage fand die Besichtigung und ilebergabe der vollendeten Lahnregulierung bei Roth und Fron- hausen statt. Hierzu waren Vertreter der Regierung in Kassel, Landrat Schwebe!, Marburg, die Kreisbauräte, sowie die Gemeindevertretungen von Fronhausen und Roth erschienen. Die Gemeindevertretungen unterzeichneten die Mcbernaljmcbebingungcn mit der Maßgabe, daß kleinere Reparaturen durch die Kreisaufsichtsbehörde zu erledigen sind. Beigeordneter T ö r - n e r sprach im Ramen der Gemeindevertretung von Fronhausen dem Landrat Schwebel und allen beteiligten Stellen, die zu der Lahnregulierung Mittel zur Verfügung gestellt hatten, den Dank der Gemeinde Fronhausen aus. Einige Wünsche der Gemeinde Roth wegen weiterer Verbesserungen an der Lahnstrecke Riederwalgern— Roth mußten wegen Mangels an Mitteln vorläufig zurückgestellt werden.
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Die zu zahlende achte (letzte) trägt für:
Bekanntmachung.
Ich mache darauf aufmerksam, daß das Ausgießen oder Einleiten von Schmutzwasser in die Straßenrinnen verboten ist.
Zuwiderhandlungen unterliegen den Rechtsfolgen des § 42 der Polizeiverord- nunq die Entwässerung von Grundstücken im Anschluß an die städtische Kanalisation in der Stadt Gießen betr., vom 1. August
Bekanntmachung
Die Lieferung von
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Bekanntmachung.
Der beratene Voranschlag der Gemeinde Mainzlar für das Rechnungsjahr 1930 liegt von Samstag, den 12. April 1930, eine Woche lang auf unserem Amtszimmer zur Einsichtnahme offen. Innerhalb dieser Zeit können Einwendungen hiergegen vorgebracht werden. 30080
Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, wozu auch die Ausmärker herangezogen werden.
Mainzlar, den 11. April 1930.
Bürgermeisterei Mainzlar.
Vogel.
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Göbelnrod für das Rj. 1930 liegt vom 14. April ab eine Woche auf der Bürgermeisterei offen. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Einwendungen können während der Offen- legungsfrist schriftlich oder mündlich vorgebracht werden. 29770
Göbelnrod, den 11. April 1930.
Hessische Bürgermeisterei.
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Erwin Zollinger
Klaviertechniker und gepr. Kein Stimmer
Stadttheater-Abonnement
Die Einlösung des achten (letzten) Ab- fchnitts der Abonnements für Dienstag, Mittwoch und Freitag hat an der Theaterkasse — Johannesltraße 3 — zu erfolgen, und zwar: 2896C
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Handelskunde m. Handelsrecht u. Schriftverkehr, kaufm. Rechnen, Buchführung (modernste Methoden), Volkswirtschaftslehre, Werbekunde, Wirtschaftsgeographie, Wirtschaftsgeschichte, Warenkunde und Technologie, Englisch, Französisch, Bürgerkunde, Deutsch, Reichskurzschrift, Maschinenschreiben, (10- Finger - Dlindschreib- methode), Schönschreiben, Rund- u. Plakatschrift.
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1. Höhere Handelsschule für Schüler nur mit Obersekundareife. Dauer 2 Semester.
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Gießen, den 11. April 1930.
Verwaltung
der Veterinär-Kliniken und -Institute.
Bekanntmachung.
Von Grundstücken, die an die Straßenkanäle angeschlossen sind, darf kein Niederschlagswasser über den Bürgersteig ab- fließen, was besonders eintritt, wenn die Hof- ober Regenrohrsinkkasten nicht regelmäßig gereinigt werden. Die Unterlassung der Reinigung unterliegt den Rechtsfolgen des § 42 der Polizeiverordnung, die Entwässerung von Grundstücken im Anschluß an die städtische Kanalisation in der Stadt Gießen betr., vom 1. August 1904.
Gießen, den 11. April 1930. 3003C
Der Oberbürgermeister. 3.93.: l)r. Hamm.
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Ich mache darauf aufmerksam, daß vor der Reuherstellung oder Veränderung von Grundstücksentwässerungen die baupolizeiliche Genehmigung hierzu einzuholen ist und daß Arbeiten an Entwässerungsanlagen nur durch Installateure oder Un- ternehmer ausgeführt werden dürfen, die den hierzu erforderlichen Zulassungsschein besitzen.
Zuwiderhandlungen unterliegen den Rechtsfolgen des § 42 der Polizeiverord- nung, die Entwässerung von Grundstücken im Anschluß an die städtische Kanalisation in der Stadt Gießen betr., vom 1. August 1904.
Gießen, den 11. April 1930. 3003C
Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm.
II. Zuchtvieh-Versteigerung
des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für Oberhefsen
in Lauterbach
am Mittwoch, dem 23. April 1930.
Zur Versteigerung sind gemeldet rund 70 Fleckoiehbullen, hierunter eine größere Anzahl Leistungsbullen. 2969D
Beginn der Versteigerung 11 Ahr vormittags.
Gemeinden und Zuchtgenossenschaften ist hier beste Gelegenheit geboten, gute Zuchttiere zu erwerben.
Landwirtschaftskammer-Ausschuß für Oberhessen.


