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Oberheffen.

Landkreis Gieren.

XKlein°Linden,9.Sept. Die Bautätig­keit in unserem Orte hat in letzter Zeit erfreu­licherweise an Umfang zugenommen. Reben Mm« und _ Erweiterungsbauten an landwirtschaftlichen Gebäuden sind mehrere Wohnhausbauten zur Zeit im Gange. Sn der Gartenstrahe wurde ein Neu­bau bereits bezugsfertig hergestellt. 2lm Sams­tag konnte der Landwirt L. Faber II., Kirch­straße 9 wohnhaft, seinen 74. G e b u r t s t a g be­gehen. Der alte Herr betreibt in verhältnis­mäßig guter körperlicher Rüstigkeit noch immer seine Landwirtschaft.

LJ Großen-Linden, 8. Sept. Gestern fand das Abturnen des hiesigen Turnvereins DT., verbunden mit Preiswettkämpfen, statt. Sn den Vormittagsstunden wurden die einzelnen Kämpfe ausgetragen, wobei sehr gute Leistungen zu verzeichnen waren. Der Rachmittag brachte Massenfreiübungen und Schauturnen an den ver­schiedensten Geräten. Alle Vorführungen, ganz besonders die der ersten Riege, in der die be­kannten hiesigen Turnergröhen mitwirkten, fan­den reichen Beifall. Gesellige Unterhaltung und Tanz folgten den turnerischen Darbietungen. Die Ergebnisse des Wettkampfes sind u. a. folgende: Volkstümlicher Fünfkampf der Turner: 1. Ernst Stern, 100 Punkte: 2. Karl Seipp, 95 P.: 3. Erich Volk, 92 P.: Zehnkampf, Zöglingsstufe: Ehrensicg Kurt Faber, 199 P.: 1. Walter Luh, 161 P.: 2. Walter Mehl und Walter Rinn, 159 P.: 3. Hans Textor, 152 P.: Schüler-Ober­stufe: 1. Hermann Schorge, 178 P.: 2. Richard Wagner, 172 P.: 3. Walter Zörb, 163 P.; Schüler-Unterstufa: 1. Herbert Fischer, 118 P.: 2. Reinhard Lang, 116 P.; 3. Hugo Keßler, 115 P.: Turnerinnen: 1. Anna Weinandt, 162 P.: 2. Luise Weiß, 157 P.: 3. Lilli Sern, 151 P.: Schülerinnen: 1. Marie Schäfer, 133 P.: 2. Maria Menges, 128 P.; 3. Else Decker, 121 P. Aus den Reichsjugendwettkämpfen an un­serer Schule gingen u. a. als Sieger hervor: im Fünfkampf der Knaben: 1. Karl Klaum, 114 P. (Oberklasse), Dreikampf der 'Mädchen: 1. Anna Kreussel, 52 P.: Vorklasse, Knaben, Dreikampf: 1. Hugo Wagner, 64 P.

ri. Lich, 9. Sept. Der Turnverein Lich hielt am Samstagabend eine Monatsversamm­lung bei Gastwirt Ernst Häfner ab. Der erste Vorsitzende Hermann Schmidt begrüßte und bat die Turner und Turnerinnen, treu im Geiste der Deutschen Turnerschaft weiterzuarbeiten. Er­freulicherweise zeige sich in der letzten Zeit eine aufwärtsstrebende Linie im Leben des Vereins. Dann berichtete der Frauenturnwart über die Erfolge des Turnvereins beim Gaufrauenwett­turnen in Lauterbach. Der Turnverein kann stolz sein auf seine Turnerinnenschar. 14 Turnerinnen waren in Lauterbach und 13 konnten sieggekrönt zurückkehren. Dei der Sondervorführung unserer Turnerinnen in Form von neuzeitlichen Seil­sprung- und Hüpfübungen errangen sie die Rote «gut bis sehr gut, die beste Leistung im ge­samten Gau. Hierauf berichtete der Spielwart Otto Zimmer kurz über die beginnenden Ver­bandsspiele und gab dem Wunsche Ausdruck, daß es auch in der Spielabteilung aufwärts gehen möchte. Mit dem Gesang eines Turnerlledes nahm die Monatsversammlung ihr @nl>e.

+ Lich, 8. Sept. Naturfreunde können zur Zeit , allabendlich am Albacher See ein Naturschau­spiel beobachten. Tausende von Staren aus der näheren und weiteren Umgebung geben sich in dem Schilf und in den hohen Bäumen ein Stell­dichein. Gegen 18 Uhr finden in den Platanen des Schloßgartens und in den Fichten des fürstlichen Friedhofs die Vorversammlungen statt, die vor ein- »prechender Dunkelheit aufgehoben werden und dann _am Albacher See ihre Fortsetzung in der Haupt­versammlung finden. Bis in die Nacht hinein hält das tausendfache Gezwitscher an.

Helene Chlodwigs

Schuld und Sühne.

Vornan von 3- Schneider-Foerstl.

Urheber-Rechtschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

9. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Es war nichts mehr hörbar, als das Ticken des Regulators, der an der Schmalwand über dem Rauchtisch hing. Von der Straße herauf kam das Surren der Trambahnen, das Klingen der Räder und das Tuten der vorüberjagenden Autos. Mißtönend schlugen die Geräusche an das Ohr der halbbetäubten Frau, die jetzt vor dem Stuhle auf dem Teppich kniete und die Hände über den gepolsterten Sitz hingeworfen hatte.

Erst nach einer langen Weile erhob sie sich, ging nach ihrem Schlafzimmer und begann sich anzukleiden. Als sie auf den Korridor trat, staunte die alte Haushälterin, die schon seit vierzig Sahren der Familie diente,grau Geheimrat sollten nicht ausgehen jetzt! Es steht ein Gewitter am Himmel."

»Das macht nichts, Agnes. Sch habe eine dringende Besorgung zu erledigen.

Kann ich das nicht für Sie tun, Frau Geheim- rätin?

Danke, Agnes, diesmal nicht. Sie hatte schon den Riegel zurückgeschoben und hastete die Treppe hmab, kam in der Eile beinahe zu Fall und fing sich gerade noch am Treppengeländer.

Durch die alte Schule der Sparsamkeit ge­gangen, zögerte sie einen Moment, ob sie die Tram oder eine, Taxe nehmen sollte, entschied sich dann doch für das letztere und normte die Adresse ihres Sohnes.

Gewiß, der Herr Doktor ist noch zu Hause, sagte das öffnende Mädchen, als sie keuchend und nach Atem ringend, vor seiner Flurtüre stand.

Da hörte sie auch schon dessen Stimme den Gang zuruckkommen.Mutter, du? Und so erhitzt? Seine dunklen Augen sahen besorgt in ihr Gesicht.

Sie Treppen! Weißt du, mein Bub! Die Treppen machen mir immer mehr zu schaffen" Shre Worte überstürzten sich.Es ist mir erst als du gegangen bist, eingefallen ob du dich nicht nach ihr erkundigen solltest. Sch meine nach dieser dieser Helene Chlodwig."

Er zog lächelnd ihren Arm durch den seinen und nahm sie nach dem Wohnzimmer, das in seiner Traulichkeit gar nicht wie das Heim eines Sunggesellen anmutete.Seh dich, Mama. Rein, setz dich erst. Du bist ja noch ganz atemlos. Mit deinen sechsundfünfzig Sohren solltest du keine Rekorde mehr aufzustellen versuchen."

! Hungen, 9. Sept. Dieser Tage fand hier das diesjährige Preis-Schafhüten der Ortsgruppe Gießen und Umgegend des Landes­verbandes Rhein-Main im Verein Deut­scher Schäferhunde statt. An dem Wett­bewerb beteiligten sich 13 Bewerber mit ihren Hunden (7 Hündinnen und 6 Rüden). Die den Tieren gestellte schwierige Aufgabe, die aus einer Führung an einem fahrenden Fuhrwerk vorbei, über eine schmale Drücke, Heidegelände, hart an ausgestellten Aeckern vorüber, auf schmalen Feldwegen zurück zum Pferch bestand, wurde durchweg gut gelöst. Gute Dressur verrieten die Tiere auch in den verschiedenen Arten des An- packens, sowie beim Antreiben und Begleiten der Herde. Dabei zeigten sich fast durchweg die Hündinnen den Rüden überlegen.

! Aus dem südöstl. Kreise Gießen, 9. Sept. Die ersten Ob st Versteigerungen fanden dieser Tage in unserer Gegend statt. Bei fast gänzlichem Ausfall der Apfelernte beschränk­ten sich die Angebote in den meisten Fällen auf Dirnen und Zwetschen. Die auch bei diesen Obst­arten nur gering vorkommenden Mengen wurden mit teilweise hohen Preisen bezahlt. So kamen bessere Honigbirnen je Zentner am Daum bis aus 8 Mark. Geringere Sorten kosteten 2 bis 5 Mark, Tafelbirnen (gepflückt) wurden an die Händler mit 10 und 11 Mark verkauft. Zwetschen kosteten 7 bis 8 Mark je Zentner.

< Langd, 9. Sept. Unter den hiesigen Kin­dern sind die M a s e r n ausgebrochen. Die Kinder im vorschulpflichtigen Alter sind bis jetzt mehr verschont geblieben, dagegen fehlen achtzig Prozent der Schulkinder beim Unter­richt. Die Schule wurde daraufhin für acht Tage geschlossen. Die Krankheit tritt sehr heftig auf, sie beginnt mit Husten, Erbrechen und Müdigkeit. Die Kinder liegen anfangs mit über 40 Grad Fieber darnieder, dann aber nimmt die Krankheit einen normalen und guten Verlauf.

Kreis Büdingen.

ow. Ober-Widdersheim. 9. Sept. Die durch den Tod des langjährigen Postagenten Louis Geist erledigte hiesige Postagentur wurde seinem Sohn, dem Landwirt Ludwig Geist dahier, übertragen.

pw. Stockheim, 8. Sept. Am vergangenen Samstag hielt der hiesige Turnverein im benachbarten Effolderbach einen wohlgelun­genen Werbeabend ab. Der Zweck dieses Abends sollte sein, den früher schon bestandenen Turnverein Effolderbach wieder ins Leben zu rufen. Rach der Begrüßung des ersten Vorsitzen­den, Lehrer H ö l z i n g e r, der auf den gesund­heitlichen Wert des Turnens hinwies, wickelte sich ein Wechselreiches Programm ab. Keulen-, Freiübungen und Volkstänze der Turnerinnen, sowie unvorbereitete Freiübungen, Darren- und Pferdturnen der Turner zeigten einen Ausschnitt aus dem großen Gebiete des deutschen Turnens. Sm Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag des Werbewartes des Vereins, Willi K e i d e l, der ein rechtes Bild von dem Gemein­schaftsgedanken und von der Vielseitigkeit der DT. gab. Rach dem Schlußwort des ersten Turn- warts, Dr. med. ©iegert, und einem drei­fachenGut Heil!" auf die Deutsche Turnerschaft und den wieder zu belebenden Turnverein Effol­derbach fand der Abend einen würdigen Abschluß. Möge es dem rührigen Turnverein Stockheim gelungen sein, den neuen Verein wieder auf die Höhe von einst zu bringen.

i. Babenhausen, 9. Sept. Der im benach­barten Bellmuth von einem Pferde getretene alte Mann ist nach der Operation in der Klinik zu Gießen seinen schweren Verletzungen erie gen.

Kreis Schotten.

Laub ach, 8. Sept. Sn diesem Herbst wer­den es 55 Sahre, daß Graf Friedrich zu Solms-Laubach in Gemeinschaft mit der

Sch bin gefahren, Suft.

Tram?" Er streichelte unterdessen ihre fahrigen Hände und zwang sie zwischen den seinen zur Ruhe.

Sch habe mir ein Auto genommen."

Richt möglich!" Sein Lachen klang knabenhaft übermütig durch das Zimmer und die Freude, mit welcher er sie an sich drückte, war so impulsiv, daß sie ratlos in seine strahlenden Augen sah.

Warum lachst du, Suft?

Weil du eine solche Verschwenderin wirst", er lachte wieder und drückte, auf der Lehne ihres Stuhles sitzend, den Kopf der völlig aus dem Gleichgewicht geratenen Frau an seine Schulter. Liebe Mama, wie kannst du dich auch nur einen Augenblick mit dem Gedanken tragen, ich würde in einem Auskunftsbureau nach der Vergangen­heit meiner Braut forschen. Denk doch nur, wenn sie davon erfährt."

»Aber es geht doch um Dein ganzes Lebens­glück, Suft. Wenn es nach mir ginge

Muht du dich denn ewig sorgen, Mutter", unterbrach er sie, streichelte ihr Haar und küßte sie auf die Wange.Du bleibst jetzt bei mir, und zwar hältst du dich hier in diesem Stuhle ruhig. Sch mache dir inzwischen einen dicken Mokka.

Keinen dicken", sagte sie ängstlich.

Dann einen dünnen, Muttchen! Du sollst dich stillhalten, zankte er, als sie nach den Zündhölzern greifen wollte, die auf dem Tische lagen.

Er klingelte, ließ Wasser bringen und goß es in die weihe Glaskugel, unter welcher er ein Spiritusflämmchen aufslackem lieh.

Hast du nicht Sorge, daß das einmal splittert?" Sie verfolgte gespannt die Perlen­bildung auf dem Boden.

»Hab' keine Angst, es splittert nicht", beruhigte er und schüttete den feingemahlenen Staub in den Trichter über der Oeffnung.

Duft zog durch den Raum. Die Geheimrätin begann sich $u beruhigen. Die Glaskugel war nicht in Trümmer gegangen und Suft hatte sich beim Füllen der Tassen nicht die Finger verbrannt. Sie vergaß, daß ihr der Sohn nur noch zum Teil gehörte, daß eine Frau jetzt zwischen ihr und seinem Leben stand, und daß sie diese Frau niemals als Tochter anerkennen wollte.

Draußen hatte sich mit viel Lärm ein August­gewitter entladen. Franke zog die Vorhänge über die Scheiben, so daß nur noch das gleich­mäßige Aufschlagen der Tropfen auf dem Blech­sims zu hören war. Ab und zu sah man einen matten Schein leuchten und vernahm schwaches Rollen, das über die Dächer hinzog.

_ Wenn es immer so sein würde! Ommer so, wünschte die Geheimrättn, glückdurchzittert. Sah ihren Einzigen, wie er den Rauch [einer Zigarve

Stadtverwaltung das im Sahre 1922 wie­der aufgehobene Gymnasium begründet hat. Sm Hinblick auf diesen Gedenktag hat der Vor­stand der Vereinigung ehemaliger Lehrer und Schüler des GymnasiumsFridericianum" durch Umfrage festgestellt, daß die Mehrzahl der Mit­glieder gewillt ist, dieses Ereignis durch eine Wiedersehensfeier, die für den 27., 28. und 29. September vorgesehen ist, in Laubach fest­lich zu begehen. Die Festordnung verspricht einen harmonischen Verlauf der Feierlichkeiten.

V" Gedern, 9. Sept. Aus dem Gemeinde­rat: Das Finanzamt Ridda will hier keine Sprechstunden mehr abhalten lassen, da die Reise­kosten nicht mehr vergütet werden. Da diese Sprechtage für die Devöllerung vorteilhaft sind, soll die Gemeinde die Reisevergütung vorlegen, sich vom Finanzamt aber ermächtigen lassen, die Beträge von den Sntereffenten wieder einzu­ziehen. Sollte dies nicht genehmigt werden, dann sollen Gedem und Oberseemen für den Betrag aufkommen. Da die Felddieb stähle in letzter Zeit sehr zugenommen haben, sollen künftig die Hamen der erwischten Felddiebe in der Zeitung veröffentlicht werden. Sm übri­gen beschäftigte sich der Gemeinderat mit einer ganzen Reihe kleinerer Vorlagen.

Kreis Alsfeld.

M- Alsfeld, 8. Sept. Die Ekkehard- Spiel s ch a r erschien in der vergangenen Woche auf ihrer Rundreise auch in Alsfeld mit einer ganz neuen Spielfolge und bot im großen Saale desDeutschen Hauses" einen Volkskunst- abend mit Sing- und Sprechchören, Kammer­musik, Mysterienspielen, Volkstänzen. Die Ver­anstaltung erfreute sich eines außerordentlich guten Besuchs, die Darbietungen waren hervor­ragend und von einer Vielseitigkeit, die jeder Geschmacksrichtung Rechnung trug. Auch auf dem Gebiet der Leibesübungen zeigte die Schar in den Volkstänzen Tüchtiges. Schon am Abend darauf fand in ganz ähnlicher Art eine Ver­anstaltung des Vereins für das Deutsch­tum im Ausland in Form eines Kärnt­ner-Abends statt. Eine. aus jungen Lehrern und Lehrerinnen aus Klagenfurt bestehende Su- gendgruppe zeigte einen heimischen Volkskunst­abend, der einen guten Eindruck in das kernige Volksleben der deutschen Brüder in der Südmark gewährte. Volkslieder, Volkstänze, Dialektdich­tungen und die Vorführungen von Kärntner Spielen folgten in bunter Abwechslung. Der stür­mische Beifall war wohlverdient. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Alsfeld, Studienrat Dr. Berg, eröffnete den stimmungsvollen Abend mit einer entsprechenden Ansprache. Auch diese Veranstal­tung erfreute sich eines recht guten Besuches.

Kirche und Schule.

Kirchen-Zubiläum in Annerod.

* Annerod, 8. Sept. Am gestrigen Sonntag feierte unsere Filialgemeinde Annerod das 50jährige Bestehen ihrer jetzt wieder neu hergestellten Kirche. Sm festlichen Schmuck nahm das Gottesbaus vormittags um 10 Uhr Gäste von nah und fern zum Festgottesdienst auf.

Selten schön in Bauart und Snnenschmuck ist die Kirche zu Annerod. Dem Gemeinderat und dem Kirchenvorstand mit seinem Pfarrer gebührt Dank dafür daß die Herstellung zum 50. Geburts­tag erreicht und auch vollendet worden war. For­men und Farben der Snnenausstattung stehen in trefflicher Harmonie zueinander, besonders reli­giös-stimmungsvoll ist der Chor durch Kirchen- maler Kienzle aus Darmstadt ausgemalt wor­den. Sn leicht bewölktem Himmel leuchten Sonne und Sternlein, an den Wänden strebt stilisiertes Weinlaub um die Chorfenster empor, über dem Triumphbogen steht das truhige Pauluswort: Sst Gott für uns, wer mag wider uns fein. Römer 8,31.

vor sich aufsteigen ließ und gewahrte den sehn- suchttg geweiteten Blick seiner Augen. Da verflog der Spuk.

Alles wurde wieder zur Wirklichkeit. Die Angst um ihn, der n ederströmende Regen draußen, der so grau vom Himmel herabfloß und in glucksendem Schwall von den Dachrinnen nach den Abflußrohren hinunte^urgelte.

Franke verschwendete all seine Beredsamkeit, aber sie bestand darauf, nach Hause zu fahren' Richt einmal den ärgsten Regenschauer wollte sie abwarten. Er muhte ihr den Willen tun, tele­phonierte nach einer Autodroschke und schlüpfte in seinen Mantel. Sie wollte nicht, daß er mit- kam. Als er aber darauf bestand, sie wenigstens bis an ihre Wohnungstüre zu bringen, sprach sie nicht mehr dagegen.

Eine halbe Stunde später stieg er wieder die Treppe zu seinem Sunggesellenheim hinauf, un­lustig, von einer lähmenden Depression erfüllt, für die er keinen Grund anzugeben wußte. Es hing etwas in der Luft, etwas unausgesprochen Beängstigendes.

Er horchte auf das Geprassel, das draußen mit unverminderter Stärke gegen die Scheiben schlug, ging nach seinem Sprechzimmer hinüber und setzte sich an seinen Schreibtisch, lief wieder zurück und suchte nach einem Briefe, der am Morgen ge­kommen war, aber er fand sich nirgends.

Er knüllte eine Rechnung, die zum Versand fertig dalag, zusammen und warf den Knäuel gedankenlos auf den grünen Filz der Platte. Da Helene in Rottach-Berghof war, konnte er auch nicht zu ihr nach Harlaching hinausfahren, um den Abend in ihrer Gesellschaft zu ver­bringen. Das wäre das beste Heilmittel für feine Unruhe gewesen. Er ging nach dem Korri­dor, nahm seinen Mantel vom Haken und schloß die Flurti're ab.

Er mußte jetzt Menschen um sich haben! Diele Menschen! Das Alleinsein war zwecklos. Die Gedanken wucherten dabei wie Unkraut. Und wenn man anfing es auszureißen, schoß ein Dutzend und mehr an derselben Stelle wieder nach.

Er lief nach der Haltestelle und schwang sich in den nächsten stadteinwärtsfahrenden Wagen. Morgen wollte er nach Rottach-Berghof hinaus- fahren, um dort sein hämmerndes Blut zur Ruhe zu bringen.

Olm Stachus verließ er seinen Eckplatz in der Elektrischen und tauchte im Gewühl der Menge unter, die ihn bereits wenige Minuten später spurlos verschlungen hatte.

Sie wollen also heiraten, liebe Helene." Aver- son saß in dem großen Speisezimmer auf Rottach- Berghof und breitete die Damastserviette über die Knie. Sie rutschte, fiel und blieb unbeachtet

Sn diesem schönen, mit Blumen geschmückten Kirchlein, von dessen Turm die Kirchenfahne grüßte, nahmen die Zuhörer mit großem Snter- esse all das auf, was im Festgottesdienst folgte. Sm Auftrag der oberen Kirchenbehörde sprach Dekan G u ß m a n n und überbrachte deren Grüße. Sn kernigen Worten redete er über den Text: Offenbarung Sohannes 21,3 und betonte, daß man auch fernerhin treu zur Kirche halten solle, wie's einst die Alten taten in Zeit und Rot. Die Festpredigt hielt der Ortsgeistliche Pfarrer Bön­ning aus Rödgen über Psalm 26,8: Liebe zur Kirche, eine ehrende Erinnerung an die Ver­gangenheit, ein tapferes Bekenntnis für die Gegenwart und ein heiliges Gelöbnis für die Zukunft. Die aus Kirchenkonzerten von Gießen her bestens bekannte Konzert- und Oratorien- fängerin Käthe Gärtner brachte mit ihrer umfangreichen, warmen Altstimme sinnig aus­gewählte und unter Begleitung von Orgel und Violine wirkungsvoll vorgetragene Sologesänge von Bach und Beethoven zu Gehör, die mit großem Sntereffe ausgenommen wurden. Sn all ihren Liedern, besonders den beiden Stücken Sofua" und Arioso" von Händel, zeigte es sich, daß die Künstlerin tief imierlich-seligiöses Emp­finden mit technischem, musikalischen^Können ver­einbart. 8tud.tIreoI. D o lz, der die Diolinbeglei- tung zum Gesang übernommen hatte, wußte sich vorzüglich anzupassen und erhöhte durch die Fein­heit seines Spiels den Wert der Händelstücke. Lehrer Hotz, dem nichts zu viel war, gab als Organist und auch als Begleiter sein Bestes und wurde allen Anforderungen gerecht. Rein und exakt erklangen die Chöre des Mannerge­sangvereins Annerod unter der vortreff­lichen Leitung feines Dirigenten Ph. Groß. Daß das besonders schöne Lied:Was schimmert dort auf dem Berge so schön... die Gemeinde ebenso wie damals vor 50 Safjren bei der Einweihung so freudig bewegte, soll nicht unerwähnt bleiben, älnb frisch und lebendig trug der Posa unen- chorvonGroßen-Buseck unter der Leitung von stud. mach. R.Kalbhenn seine Weisen vor.

Sn der R a ch m ittagsfeier sprach Mis­sionar PH. Schäfer, ein Anneröder, zu den Kindern schön und verständlich und erzählte au8 dem Leben eines bedeutenden Missionsmannes, der einst auch ein schlichtes Dorfkind gewesen. Der Ortsgeistliche bot an Hand von alten Akten. Aufzeichnungen und Kirchenbüchern einen in­teressanten Dortrag über Werden und Wesen von Dorf und Kirche Annerpd. Sm übrigen stell­ten die obengenannten Kräfte wiederum ihr schönes Können in den Dienst der guten Sache. Außerdem erfreute noch ein Streichquartett, bet stehend aus den Herren Ph. Groh (Dioline), Oberrealschüler Lotz (Dioline), Lehrer Schnei­der aus Dettenhausen (Cello) und Lehrer Hotz (Orgel) durch den schönen Dortrag desLargo" von Händel undCaro mio ben" von Giordani, während die erste Schulklasse rein und ton- sicher unter der Leitung von Lehrer Hotz (für den verhinderten Lehrer Müller) die Feier be­schloß mit ihrem Lied von Kirche und Kirchen- glocken. Das Schlußwort mit Dank an alle Mit­wirkenden und das Gebet sprach der Ortsgeist­liche.

Eine reiche Kirchen- und Hauskollekte, sowie die Stiftung einer feinen Altardecke und selten schöner Altargeräte gaben Zeugnis von der Opferwilligkeit auch der einzelnen Gemeinde­mitglieder. Es war alles in allem eine erhebende Feier.

Aus dem Amtsverkündigungsblati.

Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 68 vom 9. September enthält: Reichstags­wahl 1930. Einfuhr von Vieh aus stark ver­seuchten Gebieten. Falsche Rentenbankscheine. Straßensperre-Aufhebung. Siedlungsmög­lichkeiten im Deutschen Reich. Ergebnis der Hauptkörung 1930.

als schneeiger Flecken auf dem Teppich liegen. Sch bezweifle sehr, ob Dr. Franke der rechte Mann für Sie ist."

»Rch, lieber Direktor, wenn es nach Shnen ginge"

Meine liebe Helene", unterbrach er sie.Sie tvollen damit sagen, daß es dann überhaupt keinen passenden Mann für Sie gebe! Möglich! 2Iber nicht zu verwundern! Shre Heirat zer­schlägt meine letzte Hoffnung, Sie jemals mein zu nennen. Aber damit Sie sehen, daß ich troh- dem nicht aus reinem Egoismus einer Verbindung mit Dr. Franke entgegen bin, will ich Shnen das hier zum Geschenke machen." Er überreichte ihr dabei die Urkunde, welche die Löschung ihrer Hypothek enthielt.

Sie war für einen Augenblick fassungslos, hielt das Blatt zwischen die Finger geklemmt und sah an ihm vorüber.Das kann ich unmöglich annehmen.

Warum nicht, Helene?"

Sie nagte an ihrer Unterlippe und blickte immer noch an ihm vorbei.Ein Mann schenkt einer Frau nicht so ohne weiteres vierzigtausend Mark."

Sie vergessen, Helene, daß ein Mann, der liebt, alles zu geben bereit ist."

Sch kann Shnen aber nichts dafür schenken", schnitt sie ihm die Rede ab.Sch habe Sie sicher gerne, wirklich gerne, lieber Averson."

216er Dr. Franke hat mir den Rang abge­laufen", sagte er ergeben.Lassen wir s also! Sch trete vom Schauplatz ab. Vorläufig wenigstens."

Eine gewisse Angst erwachte in ihren Augen. Was soll bas heißen?"

Liebe Helene!"

Was das heißen soll? unterbrach sie ihn.

Daß ein Ahnen in mir lebt, welches mir sagt, daß Sie mich noch brauchen werden, Helene."

Sie erblaßte bis in die Lippen hinein.

Sie können immer auf mich zählen! Ommer! bekräftigte er, sah ihren Blick starr auf sich ge­richtet und ließ die Lider zur Hälfte über die Augen fallen.

Sn diesem Moment fürchtete ihn die Diva. Wußte er etwas? Und wieviel? Alles? Oder nur einen Bruchteil dessen, was ihr die Rächte so beängstigend lang und ihre Tage so bleiern schwer machte? Ohr war, als säße da ein Tier, das nur auf den günstigsten Moment wartete, ihr seine Krallen ins Genick zu schlagen«

Sch tue ihm Unredjt, schämte sie sich, als sie Aversons Blick so voll ehrlicher Liebe auf sich gerichtet sah. Er meinte es sicher nur gut. Viel­leicht paßte sie wirllich nicht zu Oust. Aber schließlich hielten ja die Ehen letzt nicht mehr so eifern fest wie früher.

' y * < Fortsetzung folgt)