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Aus der Provinzialhauptstadt.

® i e ß e n, den 10. 3uü 1930.

Öaffio1* sei's panier!

Zum 115. Stiftungsfest

der ältesten Gießener Studentenverbindung.

Sin Alter Herr des Corps Hassia schreibt uns: Schwer lastet zwar der wirtschaftliche Druck auf unserem ganzen Q3oll. Gleichwohl glaubte das Corps Hassia bie 115. Wiederkehr seiner Gründung (3. August 1815) nicht ganz sang- und klanglos vorübergehen lassen zu dürfen. Die Feier dieses für das Corps die ä l t e st e Studentenverbindung der Landesuniver- fität so bedeutungsvollen Tages wird sich ohne große prunkvolle äußere Festlichkeiten ganz im Kreise der Corpsbrüder und ihrer Frauen und Töchter vollziehen. Ich blättere aus An­laß des bevorstehenden Festes in alten Berichten und habe dabei vor mir liegen auch die Ar. 184 desGießener Anzeigers" vom 10. August 1892, in der der damalige Erste Chargierte, der un­vergeßliche im Weltkrieg als erster Gießener Hesse gefallene Alexander Boppder verehr- lichen Einwohnersckaft von Gießen für die ge­legentlich des 50jährigen Stiftungsfestes so über­aus zahlreich gegebenen Beweise der Zuneigung" den besten Dank ausspricht. In dem offiziellen Bericht über den Verlauf des Festes, bei dem auch das erste Gießener Studenten­haus dieHessenkneipe" eingeweiht wurde, heißt es:Auch die geradezu großartige Anteilnahme der gesamten Einwohnerschaft Gie­ßens an der Feier, die sich in der mannigfaltig­sten Weise kundtat, konnte nicht anders als er­hebend auf die Festteilnehmcr wirken."

Zwar heißt es: tempora mutantur et nos mutamur in illis, allein die guten alten Be­ziehungen zwischen der Bürgerschaft der Musen- stadt Gießen zu ihren Studenten und ganz be­sonders zu denHessen" haben sich im Kerne nicht geändert.

In den Tagen Dom 11. bis 14. Iuli werden Hunderte von alten Hessen mit Frau und Kin­dern in den Mauern der ihnen fest ans Herz gewachsenen Stätte froh verlebter Studiensemester verweilen, und es werden viele alte liebe Be­ziehungen aufgefrischt werden. Die Hessen sind überzeugt, daß ihnen die Sympathien der Ein­wohnerschaft unserer Stadt noch in demselben Maße entgegengebracht werden wie im Iahre 1892, und daß die Einwohnerschaft an dem 115. Stiftungsfest ebenso herzlichen Anteil nimmt wie am 50jährigen. Wenn diesmal auch die Straßen nicht in dem prunkvollen Festschmuck (Fahnenmasten, Triumphbögen, Tannengrün usw.) wie damals erscheinen werden, so wird die Ein­wohnerschaft doch gern durch reiche Beflaggung der Häuser den äußeren Glanz des Festes ver­mehren helfen.

Manche infolge des Wechsels der Reichsfarben ad acta gelegte schwarzweißrote Fahne kann an den Tagen vom 11. bis 14. Iuli noch einmal als Hessen"fahne im Winde wehen.

Also ergeht der Ruf: Fahnen heraus in den Tagen vom 11. bis 14. Iulil

Gictzencr Wochcrimarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 180, Matte 30 bis 35, Wirsing

10 bis 15. Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, grüne Bohnen 20 bis 25, gelbe Bohnen 25 bis 30. Erbsen 15 bis 20. Tomaten 30 bis 60, Zwiebeln 10 bis 15, Rhabarber 10 bis 15, Pilze 30 bis 35. alte Kartoffeln 4,5 bis 5, neue Kartoffeln 10 bis 12, Dirnen 30 bis 40, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 20 bis 30. Heidelbeeren 30 bis 35, Sta­chelbeeren 20 bis 25, Iohannisbeeren 15 bis 20, Erdbeeren 50 bis 80, Himbeeren 45 bis 50, Apri­kosen 50 bis 55. Pfirsche 55 bis 60, Honig 40 bis 50. junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Aüsse 60 bis 70 Pf. das Pfund: Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.: Tauben 70 bis 80. Eier 11 bis 12, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 8 bis 10, Salatgurken 20 bis 40, Einmachgurken 3 bis 6, Ober-Kohlrabi 8 10. Rettich 10 bis

15 Ps. das Stück: Rad eschen 10 bis 15, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Ru^-n 8 bis 10 Pf. das Bund, Kartoffeln 3,80 bis 4 Mk. der Zentner.

Vornotizen.

Lageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: ,Soldatenleben, das heißt lustig sein" undDer Teuselsreporter".

Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Am nächsten Dienstag bringt das Stadt­theater eine KomödieWir wollen träumen", von Sascha Guitry, in der Übersetzung von Bruno Frank, zur Erstaufführung. Das Stück wird in Gießen nur einmal gegeben werden und im Winterspielplan nicht erscheinen. Regie wird Hans Hais führen.

LU. Universitäts-Gottesdienst. Von der Pressestelle der Landesuniversität wird mit« geteilt: Am Sonntag, 13. Juli, vormittags lli Uhr findet in der Neuen Aula ein Universitäts-Gottes« dienst statt. Die Predigt hält Professor Dr. Rudolph.

LU. Von der Landesunioersität. Von der Pressestelle der Universität wird mitgeteilt: Dr. phil. Heinrich Richter, der sich für das Fach der Geologie und Urgeschichte zu habilitieren wünscht, wird am Freitag, 11. Juli, 18 Uhr, in der Kleinen Aula, Ludnrigstraße 23, eine Probevorlesung über Die altsteinzeitliche Höhlensiedlung in Treis a. d. Lumda" halten.

* Der Ve rfassunastag in Hessen. Aach einer Anordnung der hessischen Staats­regierung wird auch in diesem Iahre der 11. August als Erinnerung an die Verkündung der Reichsverfassung von Weimar in feierlicher Weise begangen. In sämtlichen öffentlichen Schulen Hessens fällt der Unterricht an diesem Tage aus. An seiner Stelle ist eine der historischen Bedeu­tung des Tages entsprechende Schulfeier zu ver­anstalten. Fällt der Derfassungstag in die Som­merferien, dann ist die Schulfeier am ersten Schultage nach den Ferien unter Aussetzung des Unterrichts nachzuholen. Am Verfassungs­tage sind sämtliche staatlichen unb kommunalen Bureaus geschlossen: an den Gerichten dürfen Termine nicht abgehalten werden.

* Erledigte Lehrer st eilen. Erledigt sind im Kreis Gießen eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Det­tenhausen, Dienstwohnung ist vorhanden und frei: eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Steinheim, Dienstwohnung ist vorhanden und frei: im Kreis Friedberg eine Lehrerstelle für einen evange­lischen Lehrer an der Volksschule in A jeder -

Florstadt, Dienstwohnung ist vorhanden: eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Petterweil, Dienstwoh­nung ist vorhanden.

Die Markusgemeinde hält nächsten Sonntagnachmittag ihre Gemeindefeier auf der Hardt ab. Ein reiches Programm an Spiel und Musik ist vorgesehen. Cs wirken mit die Kinder der Kindcrkirche, die Iugendvcreinigungen und der Verein für christliche Musik. (Siehe heutige Anzeige.)

" Der Nationalsozialist ischeDeut- sche ©tubentenbunt), Hochschul- gruppe Gießen, veranstaltete am Mittwoch- abenb in ber Turnhalle cm OSwaldsgarten eine öffentliche Versammlung, in der Werner (Frankfurt a. QU.) über Demokratie, Faschismus

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dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf

und Nationalsozialismus sprach. Der Redner erläuterte zunächst die Grundbegriffe des Fa­schismus, zeigte die Parallelerscheinungen mit dem Nationalsozialismus und die Gegensätze ge­genüber dieser Weltanschauung, um sich dann eingehend mit der demokratischen Staatsausfas- fung zu beschäftigen, an welcher er Kritik übte, ferner stellte der Redner der demokratischen Staatssorm den Faschismus gegenüber, zeigte die Entwicklung und Auswirkung dieser Staatsauk- faffung in Italien, um sich dann eingehend mit den derzeitigen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Verhältnissen in Italien zu beschäftigen. Hierbei ging der Redner auch auf die Aussöh­nung zwischen König und Papst ein und zeigte die inner- und außenpolitische Auswirkung die­ses Schrittes. Der Redner kam bann auf bie politischen Parteien und das parlamentarische System zu sprechen, das er einer scharfen Kritik unterzog. Zum Schluß beschäftigte sich der Red­ner noch mit dem Boungplan und dessen Aus­wirkung. Nach dem Referat übte ein Diskussions­redner Kritik an den Ausführungen des Vortra­genden, welcher in einem längeren Schlußwort antwortete. Die Versammlung verlief ruhig.

" Sonderzüge zum Kriegerfest in Kes selb ach. Am Sonntag, 13. Iuli, verkeh­ren aus Anlaß eines Verbandskriegersestes in Kesselbach zwischen Grünberg und Londorf zwei für den öffentlichen Verkehr freigegebene Sonder- züge mit zweiter und dritter Wagenklasse. Erster

Sonderzug: Grünberg ab 11.50, Deltershain an 11.56, ab 11.57; Lumda an 12.00, ab 12.01; Geilshausen an 12.06, ab 12.07; Odenhausen an 12.10, ab 12.11: Kesselbach an 12.15, ab 12.17; Londors an 12.21. Zweiter Sonderzug: Lon- dors ab 20.00, Kesselbach an 20.03, ab 20.09; Odenhausen an 20.12, ab 20.13: Geilshausen an 20.17, ab 20.18; Lumda an 20.24. ab 20.25; Bel­tershain an 20.29, ab 20.30; Grünberg an 20.36.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

-j- Leu n, 7. Iuli. Die evangelischen I ü n g - lingsvereine und Posaunenchöre bei Kreises Wetzlar feierten gestern in unserer Ge­meinde ihr diesjähriges K r e i s s e st. Zahlreiche auswärtige Festgäste, unsere Einwohnerschaft, so­wie die im Kreisverband zusammengeschlossenen Vereinsglieder hotten sich in stattlicher Zahl eingefunden. Im FestgotteSdienst hielt Pfarrer Gaul (Dillenburg) über das Hauptthema: Haltet fest am Bekenntnis! die Predigt. In den Nach­mittagsstunden bewegte sich ein stattlicher Fest­zug durch die Ortsstraßen nach dem schön ge­legenen Festplatz, wo alsbald die Festverfamm- lung durch einen Vortrag der Posaunenchöre unter Leitung des Dirigenten Iohannes Kuhl (Brandobemdorf) eingeleitet wurde. Aach Schrift- verlesung und Gebet des Kreispräses der Iüng- lingsvereine, Pfarrer Koch (Lützellinden), hieß der Ortsgeistliche, Pfarrer Steiner, die Ver­sammelten herzlich willkommen, worauf Stabt- Missionar Schmibt (Wetzlar) die Grüße der Vereine für entschiedenes Christentum (E. C.) überbrachte. Heber bie Frage: Was bekennen wir? hielt nun Pfarrer Gaul (Dillenburg) die erste Festansprache. Inspektor Classen (Elber­feld) behandelte anschließend das Thema: Wie bekennen wir? und schilderte an Hand von Bei­spielen aus dem täglichen Leben den Wert und die Kraft eines glaubensfesten Dekenntnisfes. Die dritte Festansprache hielt Pfarrer G ü 11 g e s (Wetzlar) über den Segen des Bekennens, worauf Kreispräses Pfarrer Koch (Lützellinden) unter Zugrundelegung von Ioh. 11,40 im Schlußwort das Gehörte noch einmal unterstrich und mit Gebet und Segen das Fest beendete, das mit zwei Versen des Liedes: Ein feste Burg ist unser Gott! einen erhebenden Ausklang fand. Durch stimmungsvolle Vorträge der Posaunen- und Männerchöre wurde die Veranstaltung würdig umrahmt. Die Kollekte wurde für die IünglingS- vereinssache bestimmt.

Berliner Börse.

Berlin, 10. Iuli. (WTB. Funkspruch) Der heutige Frühverkehr lag ohne besondere An­regungen und hatte noch keine Umsätze aufzu­weisen. Die Besserung in Neuyork hatte schon gestern abend in Frankfurt zu Kurserholungen geführt, und man taxiert heute diese Kurse zu­mindest behauptet.

Verantwortlich für Lokales: I. D.: Dr. Thyriot. Gelbe Raucherzahne.Nach langem Suchen endlich das Richtige für meine Zähne. Nach dreimaligem Gebrauch blendend weiße Zähne, trotzdem dieselben durch vieles Rauchen braun und unschön wirkten. Ich werde nichts anderes mehr gebrauchen, als Chlorodont." B., Horst Berg. Chlorodont: Zahnpaste 60 Ps. und 1 Mk., Zahnbürsten, Mundwasser 1 Mk. bei höchster Qualität. In allen | Chlorodont- Verkaufsstellen zu haben.

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