Nr. 135 Erstes Blatt
180. Jahrgang
Dienstag, 10. Juni 1030
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Dr. Fnedr. WNH. Lange. Derantwortlich für'Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton I)r H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Dieben.
Carol zum König von Rumänien ausgerufen.
WTV. Bukarest, 8. Ium Kammer und Senat, die als Rationalverjammlung zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengetreten waren, haben den Antrag, Prinz Garol zum König von Rumänien auszurufen, mit 485 gegen eine einzige Stimme angenommen Oie Rationalver- sammlung rief dann Oen Prinzen Garol zum König aus und dieser leistete bald daraus den Gid aus die Verfassung
Honig i&arol
Mehl als vier Jahre Hal sich Lara» mit Geduld wappnen muffen, bis ihm seine Freunde die Botschaft überbringen tonnien, daß seiner Rückkehr und seiner Thronbesteigung keinerlei Hindernisse mehr im Wege lägen Wenn es dem Ministerpräsidenten und Bauernsuhrer Maniu schließlich doch gelang, Im ganzen Lande einen Stimmungsurnschwung zugunsten des Exkronprinzen herbeizufuhren, dann liegen die Gründe dafür in dem Verhalten der Liberalen, die, so lange sie.an der Macht waren in dem rumänischen Volke nur ein lohnendes Aus beutungsobiekt sahen und auch mit dem Gedanken spielten. Rumänien zu einer Republik zu machen um sich auf diese Weise von dem ihnen unbequemen Königshaus zu befreien Die Königinmutter M a r i a die sich als erste von ihrem Sohne losgefagi hatte, griff auch als erste wieder ein, als sie sah wohinaus die Liberalen wollten Ihr ist es nicht zuletzt zu verdanken, daß B r a 11 a n u seinen schlichten Abschied erhielt und an feine Stelle M a n • u gesetzt wurde, der schon lange für die Rückkehr Carols gekämpft hatte Auch für ihn war es keine Kleinigkeit, Carol die Wege aus der Verbannung in die Heimat und zum Königsthron zu ebnen Politische Klugheit war es aber endlich, die die königliche Familie und die Parteien veranlaßten sich mit Carol auszuföhnen und ihn mit offenen Armen wieder aufzunehmen Wenn di« Köniain mutter Maria es oorzog. ihrem Sohne bei dessen Ankunst aus dem Wege zu gehen und eine Aus- landreife anzutreten, so darf daraus nicht geschloffen werden daß ihre alte Feindschaft gegen ihn fort- besteht Waren es auf der einen Seite die unerquicklichen innerpolitischen Verhältnisse, die die Sehnsucht im Lande nach einem Herrscher anwachsen ließ, dann war es aber auf der anderen auch die außenpolitische Lage Rumäniens, die die Wieder- besetzung des Thrones erheischte. Ein Blick über die ungarische Grenze genügt schon, um verständlich au machen, daß man sich in Bukarest beeilt«, den -ohn Ferdinands Aurückzuholcn, weil es wohl nicht mehr allzu lange Dauern wird, bis auch Ungarn wieder einen König hat. Hier galt es. sich zu beeilen, zu- mal In Bukarest Kräfte am Werke sind, die auf eine Vereinigung Ungarns mit Rumänien hinarbeiten und denen ein königlicher Gegenspieler in Budapest aus diesem Grunde mehr als unerwünscht ist. Ob aber die Ungarn in ihrer Mehrheit geneigt sein werden, sich mit Rumänien etwa in der Form zusammenzuschließen, wie sie früher mit den Oesterreichern zusammengearbeitet haben, bleibt doch abzu- warten, weil das in jedem Fall das Ende der Selb- ftänbigfeit Ungarns bedeuten würde Dann find aber die Italiener auf dem Balkan ungemein rührig. Rumänien hat sich wegen seiner unglücklichen Re- gierungsoerhältnisie bisher passiv verhalten mästen. Auch das hat die Parteien mit veranlaßt, sich einen Herrscher zu geben, um durch die nunmehr vollzogene innerpolitifche Bereinigung auch außenpolitisch wieder energischer, als Das bisher der Fall war, auftreten zu können.
Carol von Rumänien lebte seit 1925 nach feiner Derzichtleistung auf die Thronfolge und den Prinzenrang ständig im Auslande, dr war seinerzeit zu der Trauerfeier für die Königinmutter Alexandra nach London gereift und hatte sich von dort in Begleitung der Madame L u - vescu nach Venedig begeben, von wo er seine Derzichterklärung an König Ferdinand über- sandte. Carol, der jetzt im 37. Lebensjahre steht diente nach Abschluß seiner militärischen Erziehung in Deutschland bis zum Kriegsausbruch beim ersten Garderegiment zu Fuß. Seine Thronverzichterklärung von Venedig war nicht die erste Nachdem er im August 1918 in Odessa die Rumänin Cäcilie 2 a m b r i n o geheiratet hatte, hatte »- schon einmal auf den Thron verzichtet
Seiner der Königin Maria, aclana
eS damals jedoch, die Verbindung zu lösen und den Verzicht für ungültig zu erklären. 1921 heiratete der Prinz dann die griechische Prinzessin Helene. Aus dieser Ehe entsproß der Prinz Michael, der nach dem Tode des König« Ferdinand im Jul 1927 zum König ausgerufen wurde.
Während des Auslandsaufenthaltes Carole landen die Gerüchte, daß der Prinz tatsächlich auS politischen Gründen t u r ü d getreten sei, dadurch Rahrung. daß die Opposition im rumänischen Parlament für ihn eintrat ^Obwohl es im Oktober 1926 zu einer Der löhnung des Prinzen mit seiner Mutter kam wurden die Rachrichten von feiner Wiederein setzung als Kronprinz dementiert Rach dem Tode seines Vaters erließ Carol in Pariser Blättern eine Erklärung, daß er sich feine Thron- rechte vorbehalte. 3m Oktober 1927 trennte sich Prinz Carol vorübergehend von Frau LupeScu Es ichien eine Erhebung in Rumänien zu seinen Gunsten in Dorbereitung zu sein Prin/i Carol blieb jedoch vorläufig in Frankreich ob wohl er dort ivegen angeblicher Deutschsreund Uchkeit nicht gern gesehen war. Später Der luchte er von England aus einen Staatsstreich in Rumänien zu unternehmen. Er beabsichtigte durch Flugzeuge Manifeste in Rumänien Der breiten zu lassen Durch das Eingreifen der englischen Regier'ng die den Prinzen des Landes verwies, mißlang dieser Versuch.
Der Prinz der daraus aus Chateau d Ardennes bei Ramur Wohnung nahm, wurde im 3um 1928 von der Prinzessin S^elene geschieden.
Oie Thronrede Carois.
Bukarest, 8 Ium (IDIB ) König Carol faglt in seiner Rede anläßlich seiner Proklamation u a.: 3d) komme heule mil erhobenem Herzen in die Mille meines Volkes ohne die mindeste Spur von Lmpfindlichkeil selbst gegenüber denen, die durch ihre unüberlegte Aktion die unlöslichen Lande zu zerbrechen gesucht haben, die zwischen mir und allen denen bestehen, die sich als wahre Rumänen fühlen 3ch bin nicht gekommen, um mich an irgend jemand iu rächen
Mit der ganzen Därme und der ganzen Anhänglichkeit meiner Seele will Ich alle diejenigen In ein Bündel zusammenschnüren, die den willen und die Kraft haben, für den Fortschritt Des Vaterlandes zusammenzuarbeiten
3n Der Zusammenarbeit mit Denen, mit denen wir verbunden sind, und in Gefühlen der Freund ichast gegen alle Völker und besonders gegen unsere RaJ)barn werden wir für die Beseitigung der Hebel wirken müssen, die durch den Weltkrieg oerurfadji worden sind
Schließlich gedachte der König der großen Freudc der Wiedervereinigung mit seinem heißgeliebten Sohn den er im Geiste seiner erlauchten vorfahren zu unendlicher Ctebe zu seinem Lande erziehen werde dankte seinem Bruder und seinen Mitarbeitern Im Regentschaftsrat und schloß mit dem Ruf: „Rumänen von allen vier Enden des Landes, einigt Euch In Euren Gedanken, einigt fud) In Euren Gefühlen! And jetzt an die Arbeit!" 9er Verlauf der Proklamation.
D u t a r e ft . 9. 3um (Xel.-Hnj Die R a onalberfammlung hat dem Gefehent- ourf, durch den das am 4. Januar 1926 be- chlofjene Gesetz übet öle Thronfolge- 'rage als aufgehoben erklärt wird, mit 185 Stimmen gegen eine Stimme zugestimmt Die Vertreter der einzelnes Parteien, darunter auch Dr. HanS Otto Roth von der Deutschen Partei, gaben dementsprechende Erklärungen ab Der Präsident der Rationalversammlung erklärte hieraus unter dem Jubel der Anwesenden Prinz Carol zum König von Rumänien. Vorher war ein anderer Gesetzentwurf eingereicht worden, durch den Michael zum Groß-Wojewoden von Syula- fehervar ernannt wird Professor 3 o r g a protestierte gegen den Titel, der zu operettenhaft sei und schlug den Ramen »Herrscher" vor. Dic Rationalversammlung nahm den Gntwuri !edoch in seiner ursprünglichen Fassung an mit oer Begründung, daß er tederzeit wieder abgeändert werden könne. Rach dem Schluß der Sitzung begab sich Mironescu ins Schloß und teilte Carol das Ergebnis mit. 3n Begleitung seines Bruders A i k o l a u s begab sich Carol Daraut im Galawagen, von Kavallerie begleitet, unter dem 3ubel der Menge zur Ratlonalver- i ammlung
3n der Stadt hat wohl noch niemals ein so starkes Leben geherrscht wie gestern, als König Carol II. vom Schloß nach der Kammer fuhr, um den Eid auf die Verfassung zu leisten. Me ganze Devölkerung war auf den Straßen und begrüßte den König auf feiner Fahrt mit brausenden Hochrufen 3n der Rp klonal-
Der unmünöige König Michael Königinmutter Maria von Rumänien,
mit feiner Mutter, der Prinzessin Helena.
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mit tiefer Bewegung richten sich meine Gedanken auf die, die vor mir an dieser Stelle denselben Lid geleistet und ihr ganzes Leben dem Wohl des Vaterlandes geweiht haben, das zu führen sie berufen waren Vas Beispiel, das sie mir durch ihre unendliche Liebe für das Land und Ihre Verteidigung feiner Interessen geben, werde ich voll nach- ahmen.
Der König gedachte sodann der Tausende, die mit ihrem Blut die Einigung der Ration in Ihren natürlichen Grenzen für immer besiegelten, und fuhr fort: wir müssen dieses gewaltige Lrde als den heiligsten Schah hüten, und stärker als jemals durch diese Opfer bin ich entschlossen, meinen Schwur, die An- Verletzlichkeit des vaterländischen Bodens zu wahren, ohne Zögern zu erfüllen Dazu brauche ich vor allem
die Mitarbeit aller lebendigen Kräfte der Ration ohne Hintergedanken.
Versammlung wurde der König vom Ministerpräsidenten M i r o n e s c u empfangen und zum Platz des Präsidenten geleitet. Sämtliche in Bukarest beglaubigte Diplomaten waren anwesend DaS Publikum auf den Tribünen brach in nicht endenwollende 3ubelrufe aus. Der König der die Uniform eines Generals des Fliegerkorps trug, leistete den Eid auf die Verfassung und schwor, diese, die Gesetze und die Unversehrtheit des Landes schützen zu wollen. 3m Anschluß daran hielt er seine vorstehend berichtete Rede.
3m Anschluß an die Rede des Königs gab der Präsident der Rationalversammlung Stefan Ciceo Pop der ungeheuren Freude des Landes über die Rückkehr des heißgeliebten König- Ausdruck.
Oie Liberalen nicht dabei.
Vukarest, 9.3uni. (WTV.) Sämtliche rumänischen Parteien, auch die Parteien der nationalen Minderheiten, stimmten in der gestrigen Sitzung der Rationalversammlung der Ausrufung Carols zum König zu, mit Aus
nahme der Liberalen Partei. Deren Vertreter an dieser Sitzung nicht teilnah- men.
Das Lleberqanqs Kabinett.
Bukarest, 7. 3uni. (WTB.) Wie amtlich mitgeteilt wird, Hal Mmifterpräfident Maniu Dem Regentschaftsrat die Demission deS Kabinetts überreicht Der Rücktritt ist dadurch veranlaßt worden, daß eS nicht gelungen ift, innerhalb der Regierung eine Einigung über die Lösung der VersassungSpläne zu erzielen, die durch die Ankunft d«S Prinzen Carol geschaffen
Mlnifterpräs. Maniu, Errninisterpräs Brattaun, Der Führer der Bauern- der Führer der Libe- partel, die ttarols Rückkehr ralen und schärfster guthelßt. Gegner Carols. s
wurden. Der RegentschaftSrat hat Die Demission angenommen und den bisherigen Außenminister Mironescu mit Der Kabinettsbildung beauftragt.
Die neue Regierung ist um 9 Uhr abends gebildet worden Sie steht unter der Leitung von Mironescu. der daS Außcnminlsterium bei» behält 3nnenminifter ist Mihai Popovich, Finanzminister Raducanu, Kriegsminister General Condeescu. Di« übrigen wichtigeren Ministerien behalten die bisherige Besetzung. Sämtliche Regierungsmitglieder gehören der Rationalen Bauernpartei an.
Nach Erledigung der Ausgabe zurückgetreten.
Bukarest. 8. 3unt. (WTB.) DaS Kabinett Mironescu, daS gebildet tvorden war. um die Führung bei der Wiedereinsetzung deS Prinzen Carol in seine Rechte zu übernehmen, tst nach Erledigung seiner Ausgabe zurückgetreten. Der König hat bereit» Maniu und 3 o r g a empfangen und mit ihnen über die Bildung der neuen Regierung beraten.
Oer erste Regierungsakl.
Bukarest, 9.3uni. (WTB.) Der König unterzeichnete eine Verordnung, durch die alle vom RegentschaftSrat und Dom Mini» ft e r r a t Dom Tode deS Königs Ferdinand bis zu der gestern vorgenommenen Eidesleistung Dor genommen en Akte als gesetzlich anerkannt werden.
Garol bleibt vorläufig geschieden
Bukarest, 9. 3unt (WTB Privatmeldung.) König Carol hatte gestern abend, wie die Blätter melDen, eine Unterredung mit der Prin- Aeffinmutter Helene, in der beschlossen wurde, daß vorläufig keiner von beiden die U n - gültigkeitserklärung der Ehescheidung beantragen wird König Carol und Prinzessin Helene kamen überein, daß die Erziehung des Erbprinzen in den Händen der Prinzessin bleiben soll. Königin M a r i a hat ein Glückwunschtelegramm gesandt, auf das Der König geantwortet hat. Die Königin wird bei chrer Rückkehr Ende der Woche feierlich empfangen werden. Rachdem die Armee Den Treueid geleistet hatte, richtete der König eine Ku ndgebung an das Volk, in der daS gleiche gesagt wird wie in feiner Rede vor der Ratlonalversammlung. Abends fuhr König Carol nach Curtea de Arges, um das Trab seines Vaters zu besuchen. Heute mittag wird er wieder nach Bukarest zurückkehren.
Spaltung der Liberalen Partei?
Bukarest, 10. 3uni. (TU. Funkspruch.) 3n einer Sitzung des Vollzugsausschusses Der Liberalen Partei hielt der frühere Muni sterpräs, denk Dratianu eine scharfe Rede, in der er erklärte, daß
bie Liberale Partei mit Der Wahl Carols zum König nicht einoerffanben fein könne Die Ausrufung Carols fei ein 21 benfeuer. Das nicht lange dauern werde.
Liberale Partei könne sich unter keinen Umständen au einem Staatsstreich ^ergeben. De« frühere König Ferdinand habe feinen Entschluß^


