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Gesellschast aus."
„Was?" das Wort kam halb als Schreck, halb als Erstaunen von Marschners Lippen.
„Soll ich es Ihnen wiederholen?"
„And die Gründe?"
„Privater Art, mein Lieber ..Er lächelte und lehnte sich gegen den Tisch. ..Durchaus privater Art ... Jetzt sind Sie der König, nicht wahr? Der Sieger ... der Alleinherrscher ..." Gr machte eine gnädig wirkende Handbewegung.
„Herr Enimerstorss, ich rechne eS ihrer — ihrer — ihrem Zustande zugute, daß ..."
„Sie denken wohl, ich bin bekneipt, wie? — Nein, nein, ich bin vollständig nüchtern. Also nochmals: Ich trete aus der Gesellschast aus."
„Wie Sie wollen, Herr Emmerstorff ... Ich werde mir erlauben, morgen ..
„Nicht doch, Teuerster", lächelte Lothar und klopfte seinem Gast auf die Schultern. Siegfried Marschner empfand diese Vertraulichkeit jetzt in dieser Situation al« durchaus unangebracht.
„Sie brauchen morgen nicht wiederzukommen teuerster Marschner. Was ich gesagt habe, bleibt
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Konstanze.
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Sr muhte Licht haben, viel Licht. Alle elektrischen Lampen entzündete er in diesen einsamen Stunden, und dann geschah es wohl, daß er sah und sah und nichts dachte, und nur empfand, dah er einsam war, verlassen und ohne Wew.
Es ist die Tragik des Lebens, dah die Menschen erst nach dem Verlust eines GuteS erkennen, was sie besahen." ,
Lothar Emmerstorss schaute grübelnd vor sich hin. .Weshalb war sie von ihm gegangen? — Die war überhaupt der ganz« Ursprung ihrer Ehe gewesen?" - Wohl sah er vor einem inne- ren Auge klar und deutlich sich selbst alS Dräu- tiaam sah sich werben um Konstanze, aber die Wurzeln des Uranfangs seiner Werbung konnte er nicht entdecken.
„Aller Anfang ist Geheimnis, siehst du! — 3a, doS muhte wohl so seinl Ieder Anfang unb jeder Ursprung waren Geheimnis. —
Wochen vergingen, in denen Lothar Constanzes Abwesenheit wie einen reihenden und wütenden Schmerz empfand. Dann stürzte er sich mit doppelter Wut in seine Geschäfte. Sr arbeitete zwölf Stunden und mehr hintereinander. — Dein Kompagnon Siegfried Marschner, ein stiernackiger Kaufmann, sah wohl diese wütende Veränderung Smmerstorsfs, schüttelte den Kopf und lieh ihn gewähren. — Warum auch nicht? -Emmer- storfs machte in dieser kurzen Zeit mehr Geld, als in manchen Jahren.
Diesem Extrem folgte ein anderes. Lothar wurde leichtsinnig. Er verbrachte die Nächte in Gesellschaft schöner Frauen. Es kam mitunter vor, dah sein Dienstpersonal ihn eine halbe Woche lang nicht zu sehen bekam. Dann war er aus Nelsen. In die Umgebung Berlins. — Seine Geschäfte interessierten ihn nicht mehr. Die Briefschaften und Papiere aut seinem Schreibtisch häuften sich stohweihe an. Er gab seinem Sekretär Vollmacht und lieh selbst die Privatkorrespon- denz durch ihn erledigen. Kam er wirklich ins Büro, so hatte er kurze Besprechungen mit den Prokuristen, denen er zerstreute und zerfahrene Anordnungen gab, mit denen sie nichts anzufangen wußten.
Sr wird wieder vernünftig werden, dachte Siegfried Marschner und drückte ein Auge zu. Als Emmerstorff aber nicht vernünftig wurde und sich die Akten und Briefe im Büro immer höher türmten, sc> dah sich der Sekretär keinen Nat mehr wuhte, runzelte Siegfried Marschner die Stirn. DaS war da« erste Anzeichen einer drohenden
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Eruption. Er nahm sich vor, seinen Kompagnon zur Ned« zu stellen.
Lothar -Emmerstorsf aber ging in diesen Tagen ernstlich mit dem Plan um, auS dem Werk auszutreten.
Siegfried Marschner lieh sich in der Privatwohnung melden. Dreimal kam er umsonst. Endlich wurde er empfangen. Er muhte lange warten, bis der Hausherr erschien. — Schließlich trat Lothar aus seinen Besucher zu. Marschner erschrak. Wie konnte sich ein Mensch in so wenig Tagen derart verändern? — Er merkte sofort, dah sein Kompagnon nicht ganz nüchtern sei. Der sonst so korrekte Mann lieh sich gehen. Sein« Kleidung war nachlässig. Tie Krawatte sah schief. Er war unrasiert und hatte sich, um dies zu verdecken, wohl rasch etwas gepudert. Das wirkte jetzt seltsam zu der ganzen Erscheinung.
„Mein lieber Marschner", rief Lothar Emmer- storff mit schallender Stimme und drückte seinen Besucher aus den Klubsessel nieder. „Was gibt es denn? — Wichtige Geschäfte? — Sie müssen entschuldigen, Teuerster! Ich war ein paar Tage abwesend. — Eie waren schon einige Male hier, sagte der Diener. Es tut mir leib! Ich bin vorhin erst zurückgekchrt. Ich bitte daher, die Toilette zu entschuldigen. Eine Havanna gefällig?" Er reichte seinem Gast die Kiste hin.
Siegfried Marschner lehnte ab. Er verschanzte sich hinter einer undeutbaren Miene und dachte: „Er riecht sogar nach Alkohol."
„Aber sie gestatten doch", fragte Lothar und zündete sich eine Zigarre an. Dann lieh er sich seinem Besucher gegenüber nieder und sah ihn erwartungsvoll an.
„Ich möchte Sie doch fragen, Herr Emmerstorff", begann Marfchner schliehlich in kühlem Tone, „wie Sie sich die Folgen 3f)re8“ — er suchte nach Worten — „Ihres ungeschäftsmäßi- gen Berhaltens — ausmalen? Es dürste wohl nicht gerade auf das Personal den günstigsten Eindruck Hervorrufen, wenn Sie fortwährend Vergnügungsreisen unternehmen und schliehlich das Wohl und Wehe des Betriebes den Angestellten überlassen. Ich kann nicht überall sein, Herr Emmerstorsf. — Wie gesagt", fuhr er nach kurzer Pause fort, ..ich möchte nur wissen, ob Sie diese Dergnügungsreisetätigkeit, die Sie nun schon seit Wochen betreiben, fortzusetzen gedenken. Cs mühten sodann andere Dispositionen getroffen werden. Das Personal mühte erweitert werden. Auherdem würde ich einige Herren zur Prokura Vorschlägen."
Lothar Emmerstorsf sah seinen Kompagnon an, aber man konnte erkennen, dah er dessen Worten nur mit halbem Ohre zuhörte.
Trotzdem der andere das bemerkte, fuhr er fort:
„Ihre Wandlung, um es so zu nennen, Herr Emmerstorsf, nimmt mich umsomehr wunder, als
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Bestimmung zweier Rechnungsprüfer für die Rechnung für 1930.
Auslosung von Anteilscheinen gemäß § 6 der Satzung.
5. Neuwahl des Vorstandes.
doch Ihr ganze- Interest« vorher Im verstärkten Maße unseren neuen Zielen zugerichtet war. Ia sogar mit einer bewunderungswürdigen Zähigkeit, die jedermann in Erstaunen setzte und nun, seit längerer Zeit ..Er hielt inne, da er wohl empfinden mochte, dah die Worte, die er jetzt noch sagen wollte, nicht recht gewählt werden könnten. Er schweiste deshalb ab und ergänzte:
„Es wäre sehr schade, wenn durch irgendwelche Borkommnisse privater Art unsere geschüstlichen großen Borhaben leiden sollten."
Bei diesen Worten fuhr Lothar auS seiner zusammengesunkenen Haltung auf. Marschner Iah sein Gegenüber sehr erstaunt an. denn der Blick Lothars war besorgniserregend. In seinen geheimen Gründen züngelten tausendfältige Feuer wie Natternzungen. Lothar schlug mit den Fäusten aus die Lehne seines Klubsessels, dah das Leder klatschte:
„Schweigen Sie! — Was berechtigt Sie, von meinen Privatangelegenheiten zu reden?"
Siegfried Marschner löste mit jähem Ruck seine breiten Schultern aus der Tiefe des Sitzes. Mächtig stand er da, wie eine Säule, um einen guten halben Kops größer, als Lothar, der sich jetzt auch erhoben hatte.
»Das ist der Jähzorn eines Berauschten", siel es Marschner ein und er sagte:
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bestehen" Seine Stimme klang entrückt, unsicher wie bei schwer Trunkenen. „Ich hab« einfach keine Lust mehr." Er kicherte: „Einfach keine Luft mehr, ja, da» ist es. sehen Sie! —Mit den Forinalitüten und notariellen Abwickelungen werde ich Iustiz- rat PranderS beauftragen.“
Schon wandte sich Siegfried Marschner verstört und völlig ratlos zur Tür, als Lothar Emmer- storss weitersprach:
„Ich empfehle Ihnen eine Aktiengesellschaft zu gründen, aber", er lachte wieder, „glauben Sie nur ja nicht, daß ich Ihr Aktionär werde, dazu ist mir mein Geld zu schade, verstehen Sie?!*4
Ls hat gar keinen Zweck, diese nutzlose Unter- rcdung fortzusetzen, empsand Eiegsried Marschner.
Als er gegangen war, dachte er: „Er ist ein armer Mann, dem die Frau toeggelaufcn ist und er ist ein verlorener Mann."
Sowie Lothar wieder allein war, siel abermals die seinbliche Derlassenheit über ihn. Äon- stanze schwebte als verschleierte Gestalt vor ihm her. Don überallher ertönte ihr Lachen, daS stets geklungen hatte wie ein silberhelles Glöckchen, das man zur Dämpfung mit Werg umwickelt hatte. Es war seltsam, wie eindringlich er sie jetzt vermißte. Bielleicht hatte er früher ihre Anwesenheit stets als etwas gar au Selbstverständliches empfunden. Das rächte sich nun. — Warum in aller Welt war Konstanze von ihm gegangen? Etwas Klares, ein Wort, das ihm alles verständlich gemacht hätte, wäre ihm jetzt mehr wert, als alle Schätze der Welt.
Welche Veränderung geht mit dir vor, Lothar, empfand er dumpf. Du verlierst den Boden unter den Füßen. Schon ist dein Weg nicht mehr ganz der gerade von ehedem. — „Warum gingst du, Konstanz«", murmelte er, „wenn es ein anderer Mann war, der deine Ginne entzündete, so will ich das zu verstehen suchen und dir verzeihen. Aber diese Gründe, die du da angabst, waren Irrsinn." — Ihr schreiben? Zum hundertsten Male hatte Lothar diese Möglichkeit in den letzten Wochen erwogen. Aber immer hatte er den Plan wieder verworsen. Er erwog ihn auch jetzt Wieder und verwarf ihn sogleich.
Warum hörte er nichts von ihren Eltern? — Seine Gedanken schweiften wieder sprungartig zu seinem Besucher, hinter dessen Rücken sich soeben die Tür geschlossen hatte.
Er war eigentlich nie recht warm geworden mit Siegfried Marschner in den ganzen Reihen von Iahren, in denen sie zusammen gemeinsam gearbeitet und ble chemische Fabrik auf die Höhe gebracht hatten, auf der sie heute stand, auf eine beachtliche Höh«. Unb nun, da die neue große Sache ansing zu arbeiten, Ertrag und Anerkennung zu bringen, nun warf er alles hin, leichtsinnig, ohne Bedenken.
(Fortsetzung folgt.)
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