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cht mächtiges Reich mir der Parbeipolitik wegen kampflos wine ganze Stellung aufgebe. Es ist deshalb nicht erstaunlich, daß die asiatischen Völ­ker von Tag zu Tag aggressiver werden, zuerst gegen die Engländer und dann gegen alle Euro­päer überhaupt.

Die Chancen des Ringens -wischen London und Moskau in Asien, die gegenwärtig zweifellos zugunsten Moskaus stehen, würden nur dann Umschlägen, sobald sich England und Europa entschließen, twn Kampf gegen den Bolschewismus mit Waffengewalt aufzunehmen. So über­legen der Bolschewismus in der Propaganda ist. so unterlegen wird er sein, sobald die Waffen entscheiden. Die Rote Armee Moskaus ist mo­dernen europäischen Armeen keineswegs gleich­wertig und die Kampfkraft des weißen Mannes hat sich in der Geschichte noch immer als der des Farbigen überlegen erwiesen."

Soweit die Ausführungen des englischen 3n- dustriemagnaten. Cs ist in der Tat zu beobachten, wie überall in. Asien der Brand unter der Ober­fläche glimmt und weiterfriht, denn hier und dort brechen lodernde Flammen durch und lassen schon jetzt die ganze Ausdehnung des unterirdischen Feuerherdes erkennen.

Wir Deutsche müssen erwägen, welche Konse­quenzen die deutsche Politik aus der ver­zweifelten Lage Englands zu ziehen hat. Es handelt sich für die deutsche auswärtige Politik selbstverständlich nicht darum, wieviel Macht­mittel England gegenwärtig noch besitzen mag, sondern lediglich darum, wieviel dieser Macht­mittel es gegebenenfalls zugunsten Deutschlands in die Waagschale legen könnte, wenn den eng­lischen Staatsmännern in irgendeiner Konstella­tion eine solche Eventualität als im englischen Interesse gegeben erscheinen sollte.

Die Antwort auf diese Frage kann nicht an­ders als völlig negativ sein. England, von der einen Seite schwer bedroht durch die immer über­wältigendere Hegemonie der Bereinigten Staaten von Amerika und auf der anderen Seite noch schwerer bedroht durch die Offensive des Bolsche­wismus in Asien, könnte in der letzten Konse­quenz kein Kriegsschiff, keine Kanone und keinen Soldaten für irgendwelche etwaigen Ausein­andersetzungen zwischen den westlichen und zen­tralen Mächten Kontinentaleuropas mobllmachen. Wollte England gegenwärtig seine Machtmittel in solchen Auseinandersetzungen tatsächlich enga­gieren. dann würden sowohl die Bereinigten Staaten von Amerika, wie insbesondere der Bolschewismus das nicht ungenutzt vorübergehen lassen und dann allerdings wäre England mit fast rechnerischer Gewißheit verloren.

Die Macht Englands ist also, was ihre even­tuelle Einwirkung auf politische Spannungen im westlichen und mittleren Kontinentaleuropa an­geht. nicht höher zu bewerten, als wie etwa die Macht Dänemarks. Das mag zunächst über­raschend klingen, aber es ist doch richtig. Die Unterschrift Englands ist daher für die Mächte des westlichen und zentralen Kontinentaleuropas nicht mehr gut, weil England sie nicht mehr in der letzten Konsequenz durch irgendwelche Macht­mittel stützen kann. So könnte England im Ernst­fälle weder Deutschland gegen Frankreich noch Frankreich gegen Deutschland garantieren, wie es im Locarnovertrag vorgesehen ist.

Wir können uns aber anderseits nicht ver­hehlen, dah es für Deutschland ganz sicher kein Porteil ist, wenn unsere früheren erbitterten Gegner im Weltkrieg, die Engländer, in Asien rüehr und mehr in Bedrängnis geraten. Auch Deutschland ist wie England ein großer In­dustriestaat. Auch wir können unser Volk nicht aus dem Ertrag des deutschen Bodens allein ernähren, und wir müssen ganz ebenso wie England den aus diesem Grunde erforder­lichen Import eines Lebensmittelzu­schusses nach Deutschland mit dem Export unserer Industrieerzeugnisse auf die Weltmärkte bezahlen. Wenn nun der Bolschewis­mus in Asien die Weltmärkte immer mehr zer­stört, dann ist das dadurch bedingte Schwinden der Weltkaufkraft für Deutschland nicht weniger verderblich als es für England ist. Hnser Inter­esse dem Bolschewismus gegenüber ist mit dem Englands übereinstimmend.

ende punkt der Politik.

Außenpolitische Umschau.

Von Dr. Otto Hoetzsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. ZK.

Der Personenwechsel in den höheren Posten des Auswärtigen Amtes und des diplomatischen Dienstes ist nun in Gang ge­kommen. Lange genug ist davon gesprochen wor­den, und man kann nicht sagen, daß die Art der öffentlichen Behandlung, wie sie bei uns zu den Personalien des Auswärtigen Dienstes beliebt wird, diesem selbst oder dem Ansehen Deutsch­lands draußen besonders nützlich sei. Bei einer solchen unbekümmerten Erörterung vor aller Öffentlichkeit über Dotschaften-Besehung u. dgl. vergißt man leicht, daß das Reden über Ver­änderungen im diplomatischen Dienste, über Reu- besetzung wichtiger Auslandposten natürlich doch auch an der anderen Stelle im Ausland verfolgt wird, die nach diplomatischem Brauche ebenfalls um ihre Zustimmung zur Ernennung des neuen Botschafters gefragt werden muß.

Auch jetzt noch ist dieses sogenannteRevire­ment" noch nicht fertig und im einzelnen ent­schieden. Für die Arbeit daheim ist am wesent­lichsten der Wechsel in dem Po st en des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes, den Herr v.Schubert nach fünf­jähriger Tätigkeit vevläßt. Seit Deutschland ein parlamentarisch regiertes Land geworden ist, die Minister also außerordentlich schnell wechseln, sind die Staatssekretäre, d. h. die Ministerver­treter, immer wichtiger geworden, weil sieder nchende Pol in der Erscheinungen Flucht" sind. Mancher dieser Staatssekretäre hat in der Zeit seiner Wirksamkeit ein Dutzend und mehr Mi- nrster erlebt! Schon aus dieser Tatsache kann sich jedermann eine Vorstellung machen, welchen Einfluß und welche Bedeutung der Staatssekre­tär in einem Ministerium von heute hat. Dieses Amt ist abar im Außenministerium besonders schwierig. Dieser Staatssekretär hat, wie überall, den inneren Dienst zu verantworten das Amt zusammenzuhalten und alles zu tun, was der innere Dienst, die Beamten- und Verwal- tungssragen eines großen Amtes erfordern. Be­denkt man, daß dazu im Außenministerium die verwickelten und schwierigen Personalien des Auslanddienstes gehören, so ist damit schon ein großer Kreis der Arbeit umschrieben. Ratürlich hat der Staatssekretär, in Verbindung mit dem

Das Iunkers-Großflugzeug G 38.

Wie wir hören, wird das neue Junkers- Großflugzeug G 38, jetzt mit der neuen Num­mer D 2000, anfangs nächster Woche von Dessau aus einen großen Werkstättenflug unternehmen, bei dem sämtliche Einrichtungen des Flugzeuges durchgeprobt werden sollen.

D. Red.

Das ideale Großverkehrsflugzeug der Zukunft rückt immer mehr in greifbare Rähe. Die Iunkers G 38, das zur Zeit größte Landflugzeug, hat im Rovember 1929 seine ersten Probeflüge durchgeführt. Dieses Flugzeug zeigt konsequente Annährung an die endgültige Lösung der Aufgabe, die in dem bekannten Iunkers-Patent vom Iahre 1910 fest­gelegt ist. Das von Iunkers damals geforderte Rur Flügel-Flugzeug" entzieht alle schädlichen Widerstand erzeugenden Teile, wie Traggerüste, Motoren. Brennstoffbehälter, Be­satzung, Passagiere und Fracht dem freien Luft- strom und hüllt sie in einen großräumigen.Flügel; der Rumpf verschwindet. So entsteht ein Flugzeug, das mit kleinem Luftwiderstand großen Auftrieb verbindet und damit die fundamentale wirtschaftliche Aufgabe der Luftfahrt, mit geringstem Kraftaufwand größte Transport­leistung bzw. Reichweite zu erzielen, löst.

Die G 38 ist noch keinRur-Flügel-Flugzeug", aber sie enthält bereits die wesentlichen Elemente und Merkmale, welche für die endgültige Ver­wirklichung desRur-Flügel-Flugzeuges" Vor­aussetzung sind. Die Ruhla st räume sind be­reits in den den ganzen Aufbau des Flugzeuges beherrschenden freitragenden Flügel von 2 Meter Dicke hineingewachsen. Ebenso hat sich die Tri^bwerksanlage von vier Mo­toren mit der Flugzeugzelle zu organischer kon­struktiver Einheit verbunden. Hm die Motoren dem Luftstrom zu entziehen und im Fluge warten zu können, für die Propeller aber möglichst günstige Arbeitsbedingungen in ungestörtem ßuft- ström zu schaffen, sind die Motoren völlig ins Flügelinnere verlegt, die Propeller aber, mittels einer neuartigen von Iunkers ent­wickelten Antriebsleitung in windschnittiger Ver­kleidung weit vor die Flügel vorgezogen. Die Luftschraube ist mit dem Motor durch eine den Anforderungen des Flugzeugbaues entsprechende besonders leichte, Schwingungen dämpfende, Dreh­moment begrenzende Kupplung verbunden.

Das Leitwerk der G 38 zeigt, wie weit die Beherrschbarkeit großer Flugzeuge fortgeschritten ist. Durch die Iunkers geschützte Ausgestaltung der Ruderorgane werden die Steuerkräfte so gering, dah das Flugzeug mit Leichtigkeit von der Hand des Plloten gesteuert werden kann. Wie die bisherigen Flüge bereits eindeutig er­wiesen haben, wird diese einfache Betäti­gung der Ruderorgane selbst bei noch

weit größeren Abmessungen der Flugzeuge er­halten bleiben können.

Der Kommando st and befindet sich vor der Mitte des Flügels in einem Ausbau; hinter diesem liegt der Führerraum für zwei Piloten und anschließend der Zentralbedienungs- st and für die gesamte Tricbwerks- a n l a g e.

Heber Mittelteil des Flügels und Rumpf ver­teilen sich die Ruhlasträume.

Das Gewicht der Maschine ruht entsprechend ihrer Größe nicht mehr auf einem zweirädrigen Fahrgestell, sondern auf einem Fahrwerk aus vier Rädern, die zu je zwei hintereinander in einem Pendelrahmen lagern. Iedes Rad ist mit Luftdruckbremse versehen. Die Bremsen können einzeln und dabei verschieden stark be­tätigt werden. Dadurch und durch Einbau eines Spornrades an Stelle des Spornes manöveriert die Maschine auf dem Boden sehr leicht. Durch gleichmäßige Betätigung der Bremsen aber wird der Auslauf der Maschine sehr kurz.

Die technischen Daten des Flugzeuges sind folgende: Spannweite 45 Meter, Länge 23 Meter, Leergewicht 13 Tonnen, Fluggewicht 20 bis 24 Tonnen. Triebwerksanlage vier Iun- kers-Motoren mit zusammen 2400 Pferdestärken. Reichweite bei 3000 Kilogramm Nutzlast etwa 3500 Kilometer z. B. B e r l i nP e r s i s ch e r Golf, Verwendungszweck: Fracht- und Passa­gierbeförderung.

Die G 38 ist noch mit Vergasermotoren aus­gerüstet. Der von Iunkers entwickelte, jetzt be­reits durch Fluge erprobte Schwerölmotor wird der Maschine einen weiteren großen Zuwachs an Wirtschaftlichkeit durch Erhöhung der Tragfähigkeit bzw. Reichweite bringen. Die Mitteilungen von Iun­kers über diesen Motor auf der Tagung der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt haben großes Aufsehen erregt. Auf den Einbau des Iunkers-Dieselmotors in die G 38 ist lediglich zunächst aus dem Grunde vernichtet worden, um nicht zu viele entscheidende Schritte gleichzeitig zu tun. Dies ist verständlich, wenn man bedenkt, wie viele wichtige Reuerungen bereits in der G 38 enthalten sind.

Schon die Vergrößerung der Abmessungen von Flugzeugen stellt den Konstrukteur vor schwierige Aufgaben. Sie allein enthält aber noch nicht in sich die Möglichkeit zu entscheidendem wirt­schaftlichen Fortschritt. Das Maximum an wirt­schaftlichem Fortschritt ist nur erreichbar durch organisches Ineinanderfugen von Flugzeug - und Motorenentwicklung, wie es unter einheitlicher Führung bei Iunkers verwirklicht ist. Mit dieser Arbeitsmethode ist das 0 38° Flugzeug für wirtschaftlichen Fernflug geschaffen worden.

Leiter des Etatswesens, auch die Verhand­lungen über seinen Etat zu führen, mit dem Finanzministerium und namentlich mit dem Reichstag. Auch auf diesem Gebiete war eine große Arbeit zu tun. Wan braucht nur etwa an die Festsetzung der Bezüge der Ausland­beamten in den schwankenden Währungsverhält­nissen daheim und draußen im letzten Iahrzehnt zu denken. Ferner aber hat der Staatssekretär die Verbindung mit den Vertretun­gen der fremden Staaten in Berlin zu halten, ohne dah damit der Minister von diesen oft sehr zeitraubenden Verpflichtungen be­freit ist. Schon dadurch wird der Staatssekretär sehr stark nicht nur Vertreter, sondern auch Stütze des Ministers. Hnd wenn er das längere Zeit ist. so wächst sich selbstverständlich seine Ar­beit auch in der Sachberatung des Mi­nisters in weitestem Hmfange aus.

Das ist nicht nur bei uns so! Man braucht bloß in das Außenministerium rn London oder in Paris zu sehen und dort den ständigen Staats­sekretär an der Arbeit zu beobachten, so weih man, welchen gewaltigen Einfluh auch in der großen Politik dieser Beamte gegenüber dem parlamentarischen Minister hat. Fehlt doch dem letzteren eigentlich stets die Kenntnis der Fragen im einzelnen, die Kenntnis der Staatsmänner auf der anderen Seite und dergleichen mehr. Rimmt man dazu, dah dann nach deutschem Brauche der uns allerdings nicht immer richtig erscheint der Staatssekretär den Minister bei den zahlreichen wichtigen Konferenzen und nach Genf begleitet, so ergibt sich eine Arbeitslast, die auherordentlich groh ist und die durch die gesellschaftlichen Verpflichtungen noch gesteigert wird. Es muh schon eine sehr arbeitsfähige und kräftige Persönlichkeit sein, die das eine Reihe von Iahren wirklich aushält.

Herr von Schube rt ist eine solche gewesen und hat daher die Pflichten des Amtes im vollen Mah erfüllen können. Man kann ja nun annehmen, daß nach dem Abschluß des Voung- plans und der Rheinlandräumung eine größere Ruhe eintritt, und es wird sich allerdings emp­fehlen, dah künftig der Staatssekretär nicht einen so grohen Teil des Iahres in Begleitung des Ministers von Berlin abwesend ist, wie das bis­her der Fall war. Das seht freilich voraus, dah der Minister selbst sich gründlich in die Einzel- fragen einarbeitet, was Dr. C u r t i u s mit Energie und Reigung tut. und dah er eiiy längere Zeit im Amte bleibt, also wirklich Gr- sahrungen sammeln, Pläne auf längere Sicht überlegen und auf diese Weise wirklich mit den Auhenministern der anderen Staaten arbeiten kann, von denen ja manche lange Iahre im Amt bleiben und sind. Man denke an Driand in Frankreich oder den heute dienstältesten Auhen- minister Europas. Dr. Benesch in Prag! Im übrigen ist mit diesen Bemerkungen noch nicht alles gesagt, was über alle diese Fragen im ganzen zu sagen wäre und auch einmal gesagt werden muh. Dazu muh aber die ganze Perso- nalveränderung. die recht weite Kreise ziehen wird, erst einigermaßen übersehbar fein.

Ratürlich ist es ein Zufall, aber immerhin ein passender Zufall, dah dieser starke Personal- Wechsel zusammensällt mit dem Beginn einer neuen Periode in der großen Politik; denn diese ist mit Voungplan und Rheinlandräumung be­zeichnet. Der Voungplan wird spätestens am 15. Mai da die Ratifikation Englands und Italiens nunmehr in Aussicht steht, in Kraft treten. An diesem Tage wird die erste deutsche Zahlung bei derDIZ." und nicht mehr beim Reparationsagenten erfolgen Kurz darauf, sicherlich noch vor Ende Mai. wird der erste Teil der großen Reparationsanleihe aufgelegt werben, über deren Zinsfuß und Emissions­

kurs man jetzt verhandelt. Auch die O strepa­ra t i o n e n sind jetzt in Ordnung. Der Geschick­lichkeit Loucheurs ist es gelungen, die schwierigen Endverhandlungen in Paris am 28. April mit der Hnterzeichnung der vier großen Abkommen durch die Beteiligten abzuschließen. Wie groß deren Kreis ist, sieht man aus der Reihe der beteiligten Staaten: Australien, Belgien, Kanada. Frank­reich, Griechenland, Großbritannien, Iapan. Ita­lien, Iugoslawien. Polen, Portugal, Rumänien, Tschechoslowakei und Hngam.

Gleichfalls nach der BIZ. blickt ein Staats­mann aus, der seine letzten Reisen auf Grund schon der Ergebnisse aus dem Haag und Paris gemacht hat, nach Rom und Berlin und nun­mehr in der letzten Woche nach Paris und Lon­don. Wir meinen den österreichischen Bundeskanzler Dr. Schober. Man las in den Blättern gar viel von der politischen Bedeutung dieses Besuches, von der Rolle, die Oesterreich in der großen Politik spiele, etwa zwischen Italien und Deutschland oder zwischen Frankreich und Italien u. dgl. m. Das sind freundliche Redensarten, die nicht viel bedeuten. Denn dieser Staat ist viel zu klein und zu machtlos, als dah er in dem Kräftespiel Europas, Südosteuropas an sich und durch sich wirklich etwas bedeuten könnte. Die einzige politische Frage, für die er den anderen wichtig ist, ist die des Anschlusses mit Deutschland. Die hat Dr. Schober mit dem glücklichen und viel zitierten Wort behandelt, daß Deutschland und Oesterreich feienein Volk in zwei Staaten". Mehr konnte er nicht sagen. Aber mehr braucht auch nicht gesagt zu werden, da man in Berlin und Wien weiß, daß die Anschlußfrage nicht gegen Italien und die Tschechoslowakei entschie­den werden kann. Hnd da man an beiden Stel­len sie gar nicht aufzuwerfen gedenkt, wäre es eigentlich überhaupt nicht notwendig, daß man sich bei solchen Reisen, wie denen des österreichi­schen Bundeskanzlers, gewissermahen besonders entschuldigt und darauf hinweist, dah man die Anschluhfrage nicht betreibe. Auch wenn sie heute rein politisch so liegt, wie wir sie bezeichneten, so bleibt der Anschluß doch eine Selbstverständ­lichkeit, die sich einmal zu gegebener Zeit mit elementarer Kraft durchsetzen wird.

Rein, die Hauptsache war für Dr. Schober, mit dieser umfassenden Aktion den Boden für die große sogenannte Investitionsanleihe zu bereiten, für die der Abschluß im Haag und in Paris Oesterreich die letzten Voraussetzungen gab, die Zurückgewinnung der vollen Finanzselbstän­digkeit Oesterreichs. Daher kann er über die An­leihe man spricht von 100 Millionen Dollar auch mit den Staatsmännern nicht verhandeln. Sein Staat ist nunmehr, nach Ratifikation der Haager Abkommen, finanziell ganz selb- st ä n d i g und kann sich fein Geld suchen, wo er es bc.ommt. Aber für die Leiter der Banken die das Geld geben müssen, ist natürlich wesentlich, was die Regierungen von Oesterreich denken. So war der Zweck der Reise Schobers und die Auf­gabe seiner Gespräche in Paris und in London, die Staatsmänner dort davon zu überzeugen, dah in Oesterreich Ruhe und Ordnung herrsche, dah die Welt vor inner- und außenpoli- tischen Heberraschungen von feiten Oesterreichs sicher sein könne. Wer an die Schwierigkeiten denkt, die Dr. Schober zu überwinden hatte, weih, dah mit dieser scheinbar leichten Phrase sehr Ernsthaftes gesagt ist und wofür sich der Staats­mann an der Spitze Oesterreichs gewissermaßen dem Ausland egegenüber verbürgt, das jetzt Oesterreich fein Geld leihen soll, damit dieses finanziell überhaupt weiter kommt und an ein großes Verkehrsprogramm gehen kann. Man denkt an Ausbau der Straßen, Wasserkräfte, Eisenbahn, Telegraph ufw. und hofft, daß der

Daten für Sonntag, 11. Mai.

Sonnenaufgang 4.17 Hhr, Sonnenuntergang 19.37 Hhr. Mondaufgang 18.27 Hhr, Mond­untergang 3.42 Hhr.

1916: der Komponist Max Reger in Leipzig gestorben.

Daten für Montag, 12. Mai

1864: der Dichter Cäsar Flaischlen in Stuttgart geboren; 1884: der Komponist Friedrich Sme­tana in Prag gestorben.

Vertrag über die Anleihe etwa tat Iuli fertig werden wird. Auch das ist. wie gesagt, eine der ersten Aufgaben der Bank für Internationale Zahlungen, die damit gleich zu Beginn zeigt, was für ein weitreichendes Organ sie im Wieder­aufbau Europas sein wird.

In Spanien scheint die Periode der Heber­legung, die nach dem Rücktritt Primo de RiveraS dem König und seiner Hingebung für die neuen Wege gelassen war, zu Ende zu gehen. Sehr nachdrücklich erinnert eine, schon revolutionäre Formen annehmende Bewegung, in erster Linie der Studenten, daran, daß nun etwas ge­schehen muß. Man konnte verstehen, daß der König und der General Berenguer nach dem Sturze des Diktators eine gewisse Zeit zu der Heberlegung brauchten, was nun geschehen solle. Dieses Hebergangsregime ist allerdings sehr we­sentlich durch Ratlosigkeit bezeichnet-gswesen und hat praktisch nichts anderes gewußt, als mit gewissen Milderungen das Regime des Diktators fortzusetzen. Aber es ist eine alte Erfahrung, daß, wenn ein Diktator so stürzt wie Primo de Rivera, die Linie der Diktatur nicht in gleicher oder ähnlicher Richtung und Weise weiterlaufen kann. Da gibt es nichts anderes als den Ent­schluß, Reformen durch^uführen, Freiheit zu ge­währen. die Gesellschaft oder die Parteien zu einem Reuaufbau heranzuziehen, der notwendig geworden ist, weil die Zeiten anders geworden sind. Dafür hat König Alfons mit feiner Hinge­bung bisher weder Formeln noch Wege gesunden. Er hat sich allerdings auch nicht auf Parteien; stützen können, die entweder durch den Diktator kaputt gemacht waren oder heute jedenfalls ge­genüber einer ganz anders gewordenen Zeit mit ihren überlebten Programmen und Formeln auch nichts schaffen können. Man sieht ja, daß keine der spanischen Parteien so recht in Ordnung, zu geschlossenem Wollen und Dorwärtsgehen kommt. Insofern sind sie durch die Diktatur von sechs Iahren krastlos gemacht worden. Dann richtet sich aber das Wünschen, und wenn dieses nicht erfüllt wird, das Fordern und die Erregung cm die Stelle, die noch da ist. dageblieben ist unD auch während der Diktatur daneben stand. DaS ist die Krone.

Die Reformbewegung wird so zur Bewe­gung gegen die Monarchie. In dieser Situation ist heute Spanien und sein König. Es ist schon so. daß in den Wahlen, die gar nicht zu vermeiden sind und in Aussicht stehen, um das Programm: Monarchie oder Republik? gekämpft werden wird. Es fallen außerordenllich scharfe Bemerkungen, wie in der Rede des Pro­fessors Hnamuno in Madrid am 3. Mai, mit ihrer scharfen Spitze gegen die Person des Königs und dem Rufe zur Revolution auf der Straße. Sicher ist eine republikanische Bewegung noch nicht völlig fertig. Eine republikanische Stimmung aber ist stark vorhanden, und man zweifelt, ob Der König mit seiner Hingebung diese werde meistern können. Das Regime, wie es da ist und der Form nach als Monarchie auch durch die Diktatur nicht verändert wurde, hat keinen Halt mehr an der Ration. Der Opposition dagegen fehlt die breite Grundlage in einem bewußten ak­tiven Bürgertum und in einer einheitlichen Arbeiterbewegung. Die Mächte der Reaktion sind stark: die Aristokratie, die Kirche und vor allem die Stütze des Ganzen, die Armee mit dem Offizierkorps. Land und Volk Spaniens sind heute noch so eigenartig in ihrer wirtschaftlichen und sozialen Organisation und Denkweise, daß es nicht möglich ist, vorauszusagen, es würde etwa die Bewegung in Spanien nach dem Schema der Revolutionen ablaufen, die Europa seit dem Kriege erlebt hat. Aber ohne Zweifel ist das Land in einer Spannung und Erschütterung, wie niemals zuvor in seiner Geschichte. Indem der Diktator nicht fähig war. durch sich, fein Pro­gramm und System die Reform zu bringen, ent­bindet der Fehlschlag nach den Gesetzen der Ge­schichte gerade die entgegengesetzten Kräfte, die der Revolution, der republikanischen Bewegung, der Opposition, und in diesem Kampf kann gar leicht die alte spanische Monarchie zugrunde gehen! ,

Die neuen Hekoga-Verträge.

Darmstadt, 8. Mai. (WSN.) Der Vorstand der ch e k o g a hatte für heute nachmittag die Presse zu einer Besprechung über die neuen Ferngas- Verträge mit der R u h r g a s - S a a r g a s ein­geladen. Unter dem Vorsitz von Ministerialrat Dr. Reitz vom hessischen Innenministerium erstattete zunächst Bürgermeister ch i e m e n z (Mainz) Bericht über die bisherige Entwicklung der Frage der Gas­fernversorgung und über die Abänderung der neuen Verträge gegenüber dem früher abgeschlossenen Der- tragswerk, dessen Inhalt seinerzeit bereits bekannt- gegeben worden ist. In der 'Aussprache wurde von Seiten des Vorstandes mitgeteilt, daß auch die Ver­treter der Suwega nicht mehr die Behauptung auf. rechterhielten, daß das Vertragswert irgend etwas enthalte, was gegen die Interessen der Rachburge- biete verstoße. Da noch einige Punkte wegen der Tarifierung der südlich des chekoga- aebiets gelegenen Gebietsteile offen find, wurden entsprechende Verhandlungen mit der Nuhrgas und der Saargas eingeleitet, chier ver­lange die Saargas-A.-G. eine tarifliche Sonder­stellung. Auch die Tastversuche der Ruhrgas, A. - G. gegenüber der Stadt Frankfurt a. 'Dl. kamen zur Sprache. Es wurde darauf hingewiesen, daß durch eventuelle 23erl)anblungen zwischen Frank- furt und der Ruhr keine neue Situation geschaffen werde. Auch die chekoga trete durch ihre Meistbegünstigungsklausel automatisch in allerdings nicht zu erwartende Sondervorteile bei einem et­waigen Vertragsabschluß mit Frankfurt oder der Süwega ein. Abschließend wurde mitgeteilt, daß auch der Darmstädter Stadtverordne­tenversammlung die Genehmigung zum Beitritt zu den chekogaverträgen vorge­schlagen werde. Der Vorstand der chekoga ist der Auffassung, daß das nunmehr geschaffene Vertrags­wert von der Generalversammllmg angenommen werden wird, da die unbedingte T a r i f h o h e i t der Gemeinden und die Beschlußfassung über das Schicksal ihrer eigenen Gaswerke voll­kommen gewahrt ist.