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Zölle an die Schwankungen des Weltmarktes zu empfehlen. Der Redner behandelte dann die Rückwirkungen der GeireidepreZe auf die Schweine- und Kartoftelprei.e. Erhöhte Roggen­zölle bei gleichzeitigen niedrigen Futtergerst»-. Mais- und Futtermittelzöllen bl'.eben wirkungs­los. Bei Schweinen seien heute etwa angepaßte Preise erreicht. Bei den Rindv'.ehpre. en wirkten sich die Sätze des schwedischen Handelsvertrages schwerwiegend aus. 3n der gleichen Richtung drückten die jetzigen billigen russischen Gerste- und Futterangebote. Zum Schluß erklärte er.

die Zeit der Besprechungen und Sympathie­erklärungen sei vorbei.

Die Vertreter der Landwirtschaft forderten alle Einsichtigen auf, tatkräftig an der Beseitigung der schweren Rot mitzuarbeiten. Dabei sei die Parteizugehörigkeit ganz einerlei. (Beifall.)

Prof. Or. Münzinger

von der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohen­heim behandelte hieraufDie Auswirkung der Agrarkrise auf den kleinbäuer­lichen Betrieb". Er erklärte, es sei ein großer Irrtum, anzunehmen, daß den kleinbäuer­lichen Betrieb die Agrarkrise weniger hart treffe, als den etwa aufkapitalistisch-industrieller" Grundlage basierenden Großbetrieb. Die Cha­raktereigenschaften des Dauern: Sparsamkeit, Ge­nügsamkeit, Arbeitswille, Stolz und Mißtrauen ließen allerdings diese Rot häufig nicht so in Erscheinung treten. Schulden seien lediglich zur Erhaltung des Besitzes und zu seiner Intensivie­rung, nicht aber zu verbesserter Lebensführung gemacht worden. Dazu komme seine im Blut bedingte Liebe zur Scholle.

Leider ernähre der Betrieb heute die zweiten Söhne und Töchter nicht mehr, und um die Vareinnahmen zu erhöhen, gingen diese zur Lohnarbeit meist in die Industrie.

Dadurch veränderte sich auch die gesamte Lebens­auffassung, die Proletarisierung des Bauerntums trete immer mehr in die Erscheinung. Daraus entspringe auch bei vielenAlten" die gewisse Verdrossenheit. Der Redner behandelte dann an Hand zahlreicher Lichtbilder den Arbeitsertrag der bäuerlichen Familienwirtschaft. Die durch­schnittliche Arbeitsleistung des Bauern betrage 13 Stunden täglich. Dagegen habe sich in der angeblich sozialen Gegenwart noch nie­mand gewandt. Dasölniversalwerkzeug" in der bäuerlichen Wirtschaft sei die Bauersfrau, die neben ihren Mutterpflichten auch noch die Ver­sorgung von Haus und Hof und meistens auch Feldarbeiten übernehmen müsse. Das Problem der Bäuerin beginne nicht nur im Hinblick auf die Landflucht schwierig zu werden. Die Bauerntöchter bevorzugten heute Handwerker, Angestellte und Beamte, ja sogar Erwerbslose vor den Bauernsöhnen. Der Zug nach der Stadt mit deren scheinbar blendenden Einrichtungen und Verhältnissen wirke gerade auch auf die weib­liche bäuerliche Jugend.

Der Gesindelohn sei häufig größer als der Ertrag für die Bäuerin. Unter Zugrundelegung einer nur 5-v. h.-Verzinsung' für das Kapital des Eigenbesihes ergebe sich ein Ertrag von 12 bis 24 Pf. für die Arbeitsstunde des Bauern. Selbst ohne eine Grundrente komme er noch nicht an die höhe der Gesindelöhne heran, die in vielen Betrieben bis zu 83 o. h. der Pro­duktionskosten ausmachten, im Durchschnitt 68 v. h.

Der Reinertrag ergebe eine Verzinsung des .gesamten Cigenkapitals für Boden, Ceoäude und Betrieb von 1,2 bis 6 Prozent, bei Heran­ziehung aller Produktionsmittel allerdings. Da­von gehen dann die Steuern und Abgaben und sozialen Beiträge ab. Die bäuerliche Arbeit werde durch die meist unsinnig kleine Parzellierung und große Entfernung der Betriebsstätten voneinander manchmal bis zu einem Drittel mit Leerlauf belastet. Rur bei größter Enthaltsamkeit, Sparsamkeit und Rücksichtslosigkeit gegen sich und seine Familie sei vielen Landwirten der Sih auf der Scholle noch möglich. Wenn das Bauerntum, der Jung­brunnen des Volkes, überhaupt erhalten werden solle, dann müsse, wie das der neue amerika­nische Präsident Hoover versprochen und auch durchgeführt habe, dem Landwirt ein ange­messenes Einkommen gesichert wer­den, ebenso wie den anderen Volksschichten. (Leb­hafter Beifall.)

Landlagsabgeordneter Dr. Mütter vom Bauernbund fragt, wenn der sozialdemokra­tischeVorwärts" den Anspruch des Bauern auf Grundrente verneine, warum dann der Staat eine Grundrente erhebe, deren sittliche Berechtigung doch dann ebenfalls entfalle.

Sine Reihe von Anfragen beschließt die Sitzung, in der Dr. Brandes noch einmal ausdrücklich betont, daß alle zollpolitischen Verbesserungen wirkungslos verpufften, wenn nicht dazu die energische Selbsthilfe und genossenschaftlicher Geist treten.

Landesverband der Obst- und Garienbauvereine.

3mRummelbräu" fand am Rachmittag die außerordentliche Hauptversammlung des Lan­desverbandes der Ob st - und Garten- bauvereine statt, die ebenfalls einen sehr guten Besuch zu verzeichnen hatte. 3m Mittel­punkt der Versammlung stand ein Referat von Generalsekretär Dr. Strub, Darmstadt, über Aufgaben und Erfahrungen der ge - nossenschaftlichenObsterfassungund -Verwertung". 3m vergangenen Jahr hat sich die Erfassung des Obstes durch die Genossen­schaften vergrößert, und auch die Verwertung konnte meist erfolgreicher gestaltet werden. Der Redner legte den Erzeugern erneut ans Herz, in Sortierung. Typisierung und Aufmachung alles nur Mögliche zu leisten, damit einmal die Kon­kurrenz mit den ausländischen Erzeugnissen aus­sichtsreich ausgenommen, zum anderen aber auch angemessene Preise erzielt werden können. Die Marktgenossenschaften hätten gute Resultate er­zielt.

Berliner Börse.

Berlin, 10.3an. (WTB. Funkspruch.) 3m heutigen Frühverkehr war die Tendenz bei ruhi- gern Geschäft freundlich. Man hörte Farben mit 173,5 Geld und Siemens mit 280,5 Geld. Be­sondere Momente liegen nicht vor. Am Devisen­markt nannte man: London gegen Paris 123,90 zu 123,91, London gegen Mailand 93,07 zu 93,09.

Aus der Provinzialhauptstadt

Gießen, den 10.3anuar 1930.

plötzliche Sehsiörunqen.

Von Or. med. Georg Kaufmann.

Eine plötzlich auftretende, wesentliche Beein­trächtigung des Sehvermögens ist immer eine höchst beunruhigende Feststellung. Brennen der Augen, Verschwimmen der Buchstaben beim Le, en können bei starker Ermüdung oder seeliichcr Ver­stimmung auftreten, auch das Vorbeihuschen dunk­ler Punkte durchs Sesichtfeld (fliegeirde Mücken) beruht auf harmlosen nervösen oder Ermüdungs- Erscheinungen. Anders ist es, wenn die Sehkraft ganz plötzlich nachläßt, oder wenn gar auf einmal nichts mehr gesehen wird. Eine solche Verän­derung wirkt wie eine Katastrophe auf den Be­troffenen, vor allem dann, wenn die Augen bis dahin völlig gesund schienen.

Die Ursachen solcher plötzlich auftretenden Seh- bee.nträchtigungen und Erblindungen können über­aus verschieden sein und in jedem Abschnitt des Sehorgans, sowie der Sehbahnen und Sehzentren im Gehirn auftreten. Auch durch Vergiftun­gen und Allgemeinkrankheiten kann plötzliche Sehschwache und Erblindung hervor­gerufen werden, und schließlich gibt es auch plötzliche Erblindungen, die gar nicht auf körper­lichen Störungen beruhen, sondern die rein see­lisch bedingt sind. 3n letzterem Falle funktionieren alle Teile des Sehapparatrs, aber die Fähigkeit, die aufgenommenen Gesichtseindrücke bewußt zu machen, ist plötzlich ausgefallen.

Plötzliche Erblindungen durch Veränderungen im Auge selbst treten einmal auf bei Ll n g I n ck s- fällen durch Verletzung der Augen. Hier ist der Zusammenhang meist ohne weiteres klar Auch indirekte Verletzungen der Augen, Schädel­bruch, Bruch des Daches der Augenhöhle können zu Blutungen und Sehnervenverlehungen führen, ohne daß zunächst Veränderungen am Augapfel wahrnehmbar sind. Verstopfungen der Blutadern des Sehnervs durch Dlut- g e r in f ei sind zwar seltene, aber mehrfach be- obachtete Llrsachen plötzlicher Erblindungen. Blu­tungen ins Augeninnere, z. D. in den Glaskörper, bei Verletzungen oder Erkrankungen im Augen­inneren betreffen zunächst zumeist ein Auge, können aber wenigstens teilweise wieder auf- gesogen werden, so daß sich das Sehvermögen wieder bessert. Erfahrungsgemäß springt eine schwere Entzündung des gesamten Augapfels häufig von dem kranken Auge auf das gesunde Auge über und kann dann zu einer plötzlichen, unheilbaren Erblindung führen. Deshalb dringt der Augenarzt bei solchen schwe­ren allgemeinen Erkrankungen eines Auges auf sofortige Entfernung züm Schuh des noch ge­sunden Auges. Die gefürchtete Retzhautab­lösung kündigt sich meist durch allmählich auf­tretende Sehstörungen an, die den Kranken meist bald zum Arzt führen. Tückischer ist der grüne Star. Diese Augenkrankheit besteht in einer starken, manchmal plötzlich auftretenden Druck­steigerung im Augapfel. Oft, aber nicht immer, bestehen dabei heftige Schmerzen, die Sehstörun­gen sind durch zunehmende Herabsetzung des Seh­vermögens gekennzeichnet, die manchmal in kür­zester Zeit zur Erblindung führen. Bei dem ersten Auftreten solcher Symptome ist aller- schnellste augenärztliche Hilfe nötig. Der Arzt vermag oft noch durch Tropfen oder Operation das schwergefährdete Sehvermögen in letzter Stunde zu retten. Gehirnerkrankun­gen rufen häufig Sehstörungen hervor, viele lassen sich erst durch älntersuchung des Auges mit dem Augenspiegel erkennen. Plötzliche Er­blindungen kommen nach Hirnblutungen, sowie durch den Druck von Hirngeschwülsten vor.

Plötzliche Erblindungen durch Krankheits­gifte werden bei schweren Rierenkrankheiten und Krämpfen bei der Geburt beobachtet. Glück­licherweise tritt nach Stunden oder wenigen Ta­gen wieder volle Sehkraft ein, wenn es gelingt, die Krankheitsursache zu beseitigen. Schlechter sind die Aussichten bei Vergiftung durch gewisse chemische Stoffe. Hier spielt der Methylalkohol eine große Rolle. 3n Ame­rika ist leider die Zahl der Erblindungen durch Methylalkohol feit Einführung des Alkoholver­botes erh.b if) gestiegen. Von ctoer6'i^e t Eisten führt vor allem das Blei zu Augenschädigun­gen, sowohl in Form allmählicher Erblindung, wie auch durch plötzlichen Verlust der Sehkraft. Medikamente, die unter älmständen zu einer Ver­nichtung der Sehkraft führen können, werden heute überhaupt nicht mehr verwandt. Sie sind alle durch unschädliche Mittel ersetzt. Ein schwe­res Augengift ist das R i k o t i n. Es muh daher besonders darauf hingewiefen werden, daß starke Raucher, vor allem die sog. Kettenraucher, jede Sehftörung genau beachten und ärztlichen Rat einholen sollten. Durch gänzliches Aussehen des Rauchens ist eine völlige Heilung zu erwarten.

Ganz allgemein kann gesagt werden, daß eine Beseitigung plötzlich auftretender Sehstörungen nur dann möglich ist, wenn die Schädigung sich rasch beheben läßt. Die Organe des Auges gehören zu den differenzier- testen und empfindlichsten Teilen des Körpers. Was da einmal zerstört ist, läßt sich kaum er­setzen. Daher ist immer schnell Hilfe er­forderlich, um noch zu retten, was zu retten ist. Eine Ausnahme machen nur die Sehstörungen und Erblindungen, die seelisch bedingt sind. Bei schwerer Hysterie kommen plötzliche Erblin­dungen gar nicht so selten vor und lassen sich vom kundigen Arzt auch meist als solche erkennen. Eine hypnotische oder kräftige Suggestionsbe- handlung genügt oft, um dem Kranken das volle Sehvermögen wiederzugeben, auch wenn die Seh­störungen längere Zeit bestanden.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadt­theater:Der Gsisterzug", 20 bis 22 Uhr. Licht­spielhaus Bahnhofstraße:Der Graf von Monte Cristo": auf der Bühne: Gastspiel des Variets- kunstlers Sylvester Schäffer. Astoria-Lichtsoiele: Das Panzerauto" undDie Jagd nach der Kassette"

Die Intendanz des Stadtthea­ters bittet uns um Ausnahme folgender Zeilen zur heutigen Erstaufführung:Der Geisterzug", ein Kriminalstück in drei Akten, erlebte in Lon- atlein rund 2000 Ausführungen. Die raffiniert aufgebaute Handlung ist bis zur letzten Szene mit spannendsten Lleberraschungen geladen. In der unheimlichen Atmosphäre einer nächtlichen kleinen Bahnstation jagt eine nervenpeitschende Situation die andere: Spuk, Gespenster, am Fenster vorbeirasender Geisterz im, Revolver­schüsse krachen in die Rachtl Drei "Akte vibriert

jeder Rerv kaum entspannt durch Witz und drolligsten Humor neues Schaudern und Gruseln bis zum letzten Augenblick, der Schluß, aber den darf man niemand ver­raten, auf keinen Fall!!!

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend Erstauffüh­rungDer Geisterzug", 20. Llhr. Sonntag, 12. Ian., zum letzten (9.) Male das MärchenDas tapfere Schneiderlein", Beginn 15 älhr. Be­setzung, Musik, Ballet wie be. der Crsta.:f,ührung. 18.30: OperettenpremiereGräfin Mariza". Dienstag, 14.3an..Tobias Wunderlich", Dra­matische Legende in drei Aktern Mittwoch, 15. Ian.,Der Geisterzug" von Ridley. Frei­tag, 17.3art,Kyritz-Pyrih". 3n Vorberei­tung:Die andere Seite", von Sheriff.

Gegen AI Wnde ImAdreßbuchVesen.

Vereinbarungen zwischen Industrie und Q3er* lagägewerbe über die Behandlung von

Adreßbuchfragen.

ilm die feit langen Jahren immer wieder laut werdenden Klagen über Mißstände im Adreßbuch wesen nach Möglichkeit abzu- stellen, und in gemeinsamer Arbeit gesunde Ver- häitnisse in diesem Verlagszweige zu schaffen, find an mehreren Stellen Verhandlungen zwischen Spitzenverbänden der Wirtschaft und dem Reichs­verband der Adreßbuchverleger eingeleitet wor­den. Als erste Spitzenorganisation der Wirt­schaft ist der Reichsverband der Deut­schen Industrie zu Llbmachungen mit den Adrehbuchverlegern gelangt, die unter dem RainenRichtlinien für die Behandlung von Adreßbuchfragen" zufammengefaßt worden sind. Damit haben die voraufgegangenen lang­jährigen Bemühungen des Deichsverbandes der Adreßbuchverleger, in feinen Reihen Ordnung zu schaffen und den Boden für qualitativ hoch­stehende Leistungen seiner Mitglieder zu bereiten, eine beachtliche Bestätigung und Ergänzung er­fahren. Der wichtigste Bestandteil der geschaffe­nen Richtlinien sind die unter der Lleberschrift Gute Sitten im Adreßbuchgewerbe" getroffenen Klarstellungen. Hier wird der Cha- tralter eines Adreßbuches definiert, die Frage der Häufigkeit des Erscheinens und der deutlichen Scheidung zwischen kostenpflichtigen und kosten­freien Eintragungen behandelt und die Durch­führung der Werbung im Wege der als An­gebot klar kenntlich gemachten Vertragsofferte, sowie die Innehaltung unbedingter Tariftreue gefordert. Das sofortige Inkasso durch Reisende wird abgelehnt. Die gegenseitige Llebereinstim- mung, daß die auf dem Adreßbuchgebiete herr­schende Lieberproduktion eingeschränkt werden müsse, wird ausdrücklich festgestellt. Unter allen Umständen soll bei Reuerscheinungen die De- dürfnisfrage von den interessierten Kreisen be­jaht werden Außerdem soll aber auch die wirt­schaftliche und sachliche Leistungsfähigkeit des Verlages die Grundlage für die Anerkennung oder Förderung einer Reugründung bilden. Die systematische Bekämpfung unzulänglicher und zweifelhafter Unternehmungen soll erstrebt und zu diesem Behufe der bereits durchgeführte Auf- klärungs- und Warnungsdienst auf eine breitere Grundlage gestellt werden. G:gen die Verquickung privater Verlagsgeschäfte mit der Autorität staatlicher, kommunaler oder öffentlich-rechtlicher Körperschaften wird Stellung genommen und eine solche als unerwünschte privatwirtschastliche Be­tätigung der öffentlichen Hand angesehen. Für die Erfüllung dieser Ausgaben soll ein gegen­seitiger Informationsdienst durchgeführt und nöti­genfalls der Weg in die Oeffentlichkcit eingefchla- gen werden.

«

** Die Feueralarmsirenen werden am morgigen Samstag um 15 Uhr probeweise in Tätigkeit gesetzt. Ein Grund zur Beunruhigung ist also beim Ertönen der Sirenen nicht vor­handen.

* Abbruch städtischer Gebäude. Seit Rovember vorigen Jahres läßt die Stadtver­waltung baufällige Gebäude niederlegen. Rach- dem zunächst Wohnhaus und Scheune Weiden­gasse 12, dem früheren Polizeiamt gegenüber, niedergelegt wurden, wird zur Zeit ein bau­fälliges Haus in der Reustadt beseitigt. Durch die Riederlegung der Gebäude in der Weiden- gasse ist ein weiterer Schritt zur endgültigen Bereinigung der Weidengasse getan, und es steht dort jetzt nur noch ein Gebäude über die Straßen- flucht vor, das hoffentlich auch bald der Durch­führung der neuen, in der Verbreiterung der Weidengasse vorgesehenen Straße Platz machen wird. Wenn auch beim Abbruch des Gebäudes in der Reustadt wesentliche Verbesserungen hin­sichtlich der Straßenerweiterung nicht zu er­warten sind, so wird diese Beseitigung doch zur weiteren Bereinigung der Reustadt Anlaß bieten. Weit wichtiger ist aber der seit einigen Tagen begonnene Abbruch der Gebäude in der D a m m- st r a ß e. Damit wird die Ausführung eines Projekts begonnen, das länger als ein Viertel- jahrhundert auf seine Ausführung harrte und das für das nordöstliche Stadtviertel von weit- tragender Bedeutung ist. Zunächst wird bei dem Pröscholdschen Anwesen mit dem Beseitigen der Gebäude begonnen, und von hier aus soll, je nach dem Freiwerden der Wohnungen, in ge­wissen Etappen die Beseitigung der Gebäude bis zur Walltorstrahe durchgeführt werden. Hoffentlich gelingt es der Stadtverwaltung, die jetzt noch bestehenden Hindernisse $ur alsbaldigen Bereinigung der Dammstraße zu überwinden und dann anstelle der alten Gebäude ein neues, den zeitgemäßen Verkehrsverhältni.fen entsprechendes Straßenbild zu schassen, das dem Rordostviertel eine weitere Verbesserung bringen wird.

* Lehrgang überAuslands­deutschtum und Schule". Zu der gestri­gen Mitteilung über diesen Lehrgang in der Aula der Landesuniversität am 15. und 16. Ja­nuar wird uns berichtigend mitgeteilt, daß den einleitenden Vortrag dieses Lehrganges nicht Professor Dr. König (Gießen), sondern Staats­minister a. D. Dr. Boelih halten wird. Er wird überDie deutsche Schule im Ausland, ihr Wesen und ihre Bedeutung" sprechen

* Grimm- Feier im Hessischen Ge­schichtsverein Hamburg. Zur Grimm- Feier des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde zu Hamburg, die alljährlich An­fang Januar stattsindet, hatte sich wie uns aus Hamburg berichtet wird diesmal ein be­sonders zahlreicher Teilnehmerkceis eingefunden. Angehörige der geschichtlichen Vereinigungen von Hamburg, Altona, Wandsbek und Umgegend, sowie Mitglieder des Marburger Llniversitäts- bundes füllten den Saal bis zum letzten Platz, um dem Iahrhundertgedenken an die Bruder Grimm beizuwohnen. Der Vereinsvorsitzende Dr.

Hans Braun, eröffnete bte Feierstunde mit einem Hinweis auf die Entstehung der Heimat- liebe an Hand der Grimmschen Genealogie und wies auf die Bodenständigkeit vieler hessischer Familien hin. Darauf skizzierte er in großen Zügen ein Bild von dem Lebensgang der Brüder Grimm. Die Hauptansprache hielt hieraus der bekannte Grimmforscher und verdienstvolle Vor­sitzende des Hersfelder Geschichtsvereins, Stu- diendi'-ektor Dr. S ch o o f, Hersfeld, über das Thewa «Hessen und die Brüder Grimm". Der Reuncc verstand es, das Thema seiner Festan­sprache in eindrucksvoller Weise zu behandeln und durch seine begeisternden Ausführungen die Liebe zu den Brüdern Grimm bei allen anwesen­den Hessen und den übrigen Zuhörern nur noch mehr zu befestigen. Mit einer herzlichen Dankes- kundgebung des Vorsitzenden an den Hauptredner des Abends und mit inniger Bekundung gegen­seitiger Hessentreue fand der Abend feinen Ab­schluß.

Oberheffen.

Landkreis (Sicken.

t Treis a. d. Ld a., 9. Ian. Dieser Tage ist ein altes Wahrzeichen uns eres Dor - f e s infolge Abgängigkeit beseitigt worden: die alte Kastanie auf dem Rondel vor der alten Schule unterhalb der Kirche. Sie war vor etwa 80 Jahren an Stelle der eingegangenen Dorflinbe gepflanzt worden, nach Aussage eines Zeitge­nossen, weil gerade kein junges Lindenläumchen auszutreiben war, und hieß im Volksmund deshalb auch dasLinnebäumchen". Her wurde seinerzeit, als Treis noch kurhessisch war, der sog.Ferkeltanz" am Kirchweihtag abgehalten. Das hatte folgende Bewandtnis: D.e Kirchweih­musikanten, die aus der Marburger Gegend ka­men, wurden von den Kirmesburschen und den Mädchen am Buchwaldweg, , beim Weinberg, in Begleitung natürlich der gesamten Schuljugend, abgeholt; der Zug setzte sich unter Musik durchs Dorf in Bewegung bis zur Dor.l'.nde. Hser tourte Halt gemacht und nunder erste" geolasen, der für die Kinder war. Lustig wirbelten diese dann um die Linde. Das war der Ferkeltanz. Rachher durften sie sich nicht mehr bei dem Tanzboden sehen lassen.

O Holzheim, 9. Ian. Viel früher als sonst beendeten die hiesigen Holzfäller dieses Jahr ihre Arbeit. Das liegt einmal daran, daß nur 420 Festmeter Holz (namentlich Buchen! geschla­gen wurden, gegen 520 Meter im Vorjahr. Dazu waren es heuer bald doppelt so viel Arbeitskräfte. Leider erhöht sich dadurch jetzt die Zahl der Er­werbslosen beträchtlich. Die große, erst 1925 erbaute,Hofreite der nach Büdesheim, Kreis Friedberg, verzogenen Frau Pauline Fauer­bach, geborene Weh, ging in den Besitz des Landwirtes Wilhelm Grieb Hl. über; dessen Wohnhaus mit Rebengebäuden übernimmt sein Rachbar Karl Jakob Jung.

Kreis Friedberg.

2$. Bad-Rauheim, 9. Jan. In der rühri­gen Abteilung der Kolonialgesellschaft, die alljährlich durch mehrere Vorträge berufener kolonialer Sachkenner den kolonialen Gedanken in weiten Bevölkerungskreisen wachhält, sprach am Dienstagabend der ehemalige Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Freiherr v. Rechenberg, überDie wirtschaftliche Bedeutung einer Kolonialpolitik". Der Redner zeigte anschaulich und überzeugend die wirtschaft­lichen Vorteile der kolonialen Betätigung und wies an Hand der neuesten Statistik nach, daß unsere ehemaligen Kolonien den heutigen Man­datsmächten wertvolle Erzeugungs» und Absatz­gebiete sind. Sollte sich uns in Zukunft wieder die Möglichkeit zu kolonialpolitischer Arbeit bie­ten, dann dürften wir nicht abseits stehen, son­dern müßten im Interesse der deutschen Welt­marktgeltung etwaige Angebote annehmen. Dem Vortrag wohnte auch ein deutscher Kaffeeplan­tagenbesitzer aus dem Kilimandscharogebiet bei, der zur Zeit zur Kur hier weilt.

Kreis Büdingen.

ch Leidhecken. 8. Ian. Gestern feierte Frau Margarete ällrich ihr 30. Jubiläum als Hebamme unserer Gemeinde. Der Ortsgeist- liche, Psarrer R h e i n f u r t h , beglückwünschte sie aus diesem Anlaß. Am Abend brachte chr der hiesige Musikverein ein Ständchen, wobei Bürgermeister S e l z a m eine Ansprache hielt, in der er hervorhob. daß die Jubilarin ihr ver­antwortungsvolles Amt zur größten Zufrieden­heit gewissenhaft versehen habe. In Anerken- nung ihrer treuen Dienste überreichte er ihr im Auftrag des Gemeinderats einen Sessel. In bewegten Worten dankte die Jubilarin.

KreiS Alsfeld.

te* Alsfeld, 9.Ian. Am vorigen Dienstag trat der neugewählte Stadtvorstand äu seiner ersten Sitzung zusammen. In seiner Cinführungsrede wies Bürgermeister Dr. Völ- s i n g darauf hin, daß die außerordentlich trübe Lage des Wirtschaftslebens auch auf die Ge­meinden ihre Rückwirkung äußere und zu großen Einschränkungen im Gemeindehaushalt führen werde. Infolge der sinkenden Konjunktur sei im neuen Rechnungsjahr mit einem erheblichen Einnahmeaus f all an Steuern, ins­besondere Gewerbesteuern, zu rechnen. Es werde angestrengter Arbeit bedürfen, um auch die kleinen Kommunen über diese schwierige Lage hinweg-ubringen. Unter d esen ilmftänben sei ein v.rständiges, gedeihliches Zusammen arbeiten mehr als je notwendig. Dann erfolgte die Verpflich­tung der einzelnen Mitglieder durch den Dor- sitzenden mittels Handschlags. Auf Grund der mit den Fraktionsführern gepflogenen Vorbespre­chung vollzog sich die darauf vorgenommen« Reuwahl der Kommissionen, Depu­tationen und Ausschüsse ohne Wider­spruch, ebenso die Reuwahl des Schulvorstan­des, sowie des Kuratoriums der Gewerbeschule. Eine Kreditübersch-e' tung für die Wieder­herstellung der Deleuchtungsanlags in der Walpurgiskirche, die ge .enübet dem Voranschlag von 2040 Mark etwa 500 Mk. betrug, wurde genehmigt. Zu der Angelegen­heit der Bewilligung eines weiteren Kredits für Rötst andsarbeiten er­läuterte der Vorsitzende die Sachlage und führte aus, daß der bis jetzt bewilligte Betrag von 3000 Mark nahezu verbraucht sei und weitere Mittel zur Beschäftigung ausgesteuerter Er­werbsloser und sonstiger Wohlfahrt'empfänger notwendig würden. Es wurde daher ein weiterer Kredit in Höhe von 2000 Mark für RotstandS- arbeiten bewilligt. Der Vorsitzende teilte dazu mit, daß die Arbeitslosigkeit in letzter Zeit stark zugenommen habe, und daß auf die Dauer die stets steigenden Fürsorgelasten für die Gemeinden bedenklich werden müßten.