Oberhessen.
Landkreis Gießen.
* Leihgestern, 8. Dez. Die Volkshochschule Leihgestern, beginnt am Mittwoch, lv. Dezember, ihre diesjährige Winterarbeit. Für den ersten Vortrag hat sich, wie im letzten Winter, älniversitätsprosesior Dr. Sessous, Gießen. in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Er wird sprechen über: „Die Bedeutung der landwirtschaftlichen Kontrollstationen für den genossenschaftlichen Handel." Diesem Vortrage werden sich fpäter andere Vorträge aus dem Gebiete des Ge- rwssenschaftswesens anschlietzen. Am Samstag. 13. Dezember, spricht dann Dr. Helmut Lotz aus Klein-Linden über „Feuer und Eis in Island". Dieser Vortrag ist für einen größeren Hörerkreis berechnet. Dr. Lotz wird über seine dreijährige Forscherreise durch Island berichten und seine Ausführungen durch eine große Anzahl von Lichtbildern veranschaulichen.
r. Lang-Göns. 8. Dez. Von Schlossermeister Otto Boller wurde eine praktische, besonders für Landwirte wichtige Erfindung gemacht. Er baute eine Iauchepumpe, die so eingerichtet ist, daß während des Pumpens durch eine Druckluftpumpe die Flüssigkeit in der Grube beständig umgerührt wird, daß also Schlamm und dickere Bestandteile herausgesaugt werden können. Der Gang der Pumpe ist ebenso leicht wie bei einer gewöhnlichen. Das Recht der Ausnutzung (Herstellung, Verkauf usw.) wurde an eine Pumpenfabrik in Kaiserslautern verkauft.
0 Holzheim, 8. Dez. Bei der am gestrigen Sonntag hier stattgehabten Bürgermeisterwahl entfielen bei äußerst starker Wahlbeteiligung — von ungefähr 800 Wahlberechtigten stimmten 736 ab, also rund 90 v. H. — auf Genossenschaftsrechner Heinrich Buß 387, auf Beigeordneten Heinrich Grieb I. 252 und auf Landwirt Heinrich Wetz III. 93 Stimmen. Einige Zettel waren ungültig. Somit ist Heinrich Buß g e w ä hl t. Abends bewegte sich ein Fackelzug nach seinem Hause, vor dem die übliche mächtige Tanne aufgestellt war. Der Gesangverein „Harmonie" (Leitung G. Sarnes) brachte dem neuen Bürgermeister ein Ständchen, der Turnverein stellte zwei gut gelungene Pyramiden. In seiner Ansprache
gelobte Bürgermeister Buß den zahlreich Erschienenen, seine ganze Kraft einzusetzen zum Wohle unseres Gemeinwesens.
s. Trais-Horloff, 7. Dez. Ihren 82. Geburtstag feierte dieser Tage Katharine Dorothea Iöckel, Witwe des Landwirts Heinrich Iöckel. Sie ist Urgroßmutter und erfreut sich noch verhältnismäßiger Rüstigkeit. Als einzige Tochter des früheren Bürgermeisters Philipp Raab, entstammt sie der hier weitverbreiteten Familie Raab, die in Trais-Horloff alteingesessen ist und sich in den Kirchenbüchern bis zum Dreißigjährigen Krieg zurück feststellen läßt.
s. Aus dem Horlofftal, 7.Dez. Der Handel mit fetten Gänsen hat eingesetzt. Die Preise sind, den übrigen Fleischpreisen entsprechend, niedriger als im Vorjahre. Für das Pfund Lebendgewicht wurde von den Händlern 90 Pf. bezahlt. Die Gänsezucht hat in den letzten Iahren in den Dörfern unseres Tales stets zugenommen. — Die Fettschweinepreise halten sich auf der Höhe von 60 Pfennig für das Pfund Lebendgewicht. Die Raachfrage nach Ferkeln besteht auch weiterhin. Sieben Wochen alte Irma- Here kosten 26 bis 28 Mark.
Kreis Schotten.
* Freienseen. 8. Dez. Die Holz fäl- lungsarbeiten in den Gemeindewaldungen wurden in Angriff genommen. Zu den Arbeiten wurde allerdings nur ein geringer Prozentsatz von Arbeitslosen herangezogen, da man anscheinend aus wirtschaftlichen Rücksichten auf das Ausroden der Wurzelstöcke verzichtet. Die niedrigen Holzpreise waren für die Gemeinde weiter der Anlaß, die zu fällende Holzmenge auf das Rotwendigste zu beschränken. — Zum Wintermarkt, dem sog. „Rickelsmarkt". waren 150 Schweine aufgetrieben. Für sechs bis acht Wochen alte Ferkel wurden 20 bis 24 Mark gezahlt, für acht bis zehn Wochen alte 24 bis 30 Mk. Der Absatz war gering. VegünsHgt durch das schöne Winterwetter war auch der Krämermarkt gut besucht.
+ U l f a, 8. Dez. Der Evangelische Mädchenverein „Freude" veranstaltete im Saale der Gastwirtschaft „Zur Linde" einen Familienabend, der drei heitere („Mädchen von heute", „Fräulein Doktor" und „Der Kaffeetisch"), sowie eine
ernste Aufführung („Unseres Herrgotts Puppen, theater") brachte. Die Stücke waren mit Sorgfalt und Geschmack ausgesucht und wurden von den jungen Mädchen mit viel Spielfreudigkeit und Geschick aufgeführt. Der von dem Ortsgeistlichen, Pfarrer (Trull, geleitete Abend verlief überaus harmonisch. Die Veranstaltung war sehr gut besucht.
* Eichelsdorf, 7. Dez. Von Schülerinnen der Oberklasse unserer Schule wurden in unserem Dorfe 45 Mark für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gesammelt.
* Aus dem vorderen Vogelsberg, 7. Dezember. Eben werden in dien Hecken vieler Feldmarken die Schwarzdornen g c fdj n 11 • t e n und an die Gradierwerke von Bad-Nauheim geliefert. In einer wenig Erwerbsmöglichkeiten bietenden Zeit ist man auf die mühsame Arbeit des Dornenschneidens zurückgekommen und befördert Wagen mit Dornen in der Größe hochbeladener Heu- wagen nach der Badestadt.
Oie Inthronisation des neuen Bischofs von Limburg.
WSN. Limburg, 8. Dez. Schon am Sonntagabend läuteten die Glocken des Doms die Feier der Inthronisation des neuen Bischofs Dr. Antonius Hilfrich ein. Am Montagmorgen prangte die Bischofsstadt in festlichem Schmuck. Domdekan Göbel, Stadtpfarrer F e n d e l, Landrat Dr. B r e i t e n b a ch und Bürgermeister Dr. Krüsmann waren zur Abholung des Bischofs nach Wiesbaden gefahren. Dort verließ um 8 Uhr der Bischof, begleitet von der Pfarrgeistlichkeit und einer ungezählten Menschenmenge, die Bonifatius- kirche, bestieg das bischöfliche Auto und fuhr unter dem Ehrengeleit von einem Dutzend anderer Kraftwagen nach Limburg. Hier angekommen, legte der Bischof im Bischöflichen Palais die Pontifikalgewän- der an und begab sich in feierlicher Prozession unter dem Geläut der Domglocken und den feierlichen Klängen der Musik durch die reichgeschmückten Straßen Alt-Limburgs zur bischöflichen Kathedrale. In dem Seitenschiff nahm der Klerus, im Mittelschiff die geladenen Gäste Platz. Unter den Gästen bemerkte man Ministerialrat Schlüter als Vertreter des preußischen Kultusministeriums, Vizepräsident C o m m e r - Wiesbaden, Dr. S o n ö a g,
Vizepräsident des Provinzialfchulkollegiums in Kassel. Landeshauptmann Dr. Lutsch-Wiesbaden, Präsident des Landesfinanzamts Kassel, L o t h o l z, Ministerialrat T h e g a r t e n - Berlin u. a. m. Als der Bischof den Dom betrat, intonierte der Ehor das Tedeum. Dann ergriff Domdekan G ö b e l das Wort zur Begrüßung des Bischofs, der ihm das Treu- gelohnte der Diözesanen und besonders der Geistlichkeit überbrachte. Nach einer Ansprache des Bischofs fand die Huldigung der Geistlichkeit statt. Hierauf zelebrierte der Bischof ein feierliches Pontifikalamt. Anschließend war im Bischöflichen Palais Empfang der geladenen Persönlichkeiten. Am Abend fand im großen Turnhallensaal eine Feier der PsarrgeMeinde Limburg statt, bei der Geistlicher Rat F e n d e l und Bürgermeister Dr. Krüsmann, sowie der neue Bischof von Limburg sprachen.
Oie verschluckte Zahnbürste als Todesursache.
WER. Hanau, 8. Dez. Ein wohl einzig dastehender Fall, der zum Tode eines jungen Mannes führte, ereignete sich dieser Tage in Hanau. Der junge Mann verspürte vor etwa 14 Tagen ein Iucken im "H«4fe, dem er mittels einer Zahnbürste berzukommen versuchte. Dabei blieb ihm die Bürste im Halse stecken, und als er nach Atem rang und einen Alferus ausstieß, rutschte ihm die Dürste dre Speiseröhre hinab. Rach wenigen ^agen verspürte der Bedauernswerte heftige Schmerzen, die ihn zum Aufsuchen des Landes- krankenhauses veranlaßten. Im Krankenhaus versuchte man zunächst den Fremdkörper auf natürlichem Wege zu entfernen. Als aber alle derartigen Versuche fehlschlugen, entschloß man sich zur Operation, die der junge Mann aber! nicht überlebte.
_________(Schluß des redaktionellen Teils.)
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