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Nr. 210 Zweites Blatt

siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Dienstag, 9. September (930

Verlassene Gommervilla.

Von Peter Bauer.

Ruhig klickten die bebrillten Augen der groben, doppclscheibiaen Fenster über den be­buschten Rasen des Vorgarten- wie über eine stille Llserwicse aus den lärmenden Strom der Straße. Glück deS Geborgenscins strahlte auS Urnen wie auS dem Leuchten der weihen Fassade. Vielleicht lag dieser stille Glanz auch aus dem Antlitz der Bewohner, die ich nie sah. Das weite, grüne Dorado des Parts hinter dem Hause mit seinen überlaubtcn Wegen und lustigen Winkeln war ihnen wohl liebster Aufenthalt allein und mit besrcundeten Gästen.

Run sind sie fort wie Zugvögel, die vor dem nordischen Herbst und Winter bangen. Die Fenster haben ihre Lider geschlossen und versuchen zu schlafen. Vergebens warten Flure. Treppen und Zimmer, dah ein plötzlicher Lichtzauber den Dann der Dunkelheit von ihnen nehme und sie mit flutender Helle fülle Vergebens harren die Türen auf einen zarten oder festen Händedruck um ihre Klinken, den sie mit sanstem Knarren au erwidern pflegten. Kein Teppich trägt ihnen den leisen Rhythmus gedämpfter Schritte näher. Keine Stimme kommt zu ihnen geflattert wie ein fröhlich zwitschernder Vogel. Stühle und Polster sehnen sich nach der Berührung seidener Gewänder, nach der Last einer lieben Gestalt. Umsonst halten die tiefen Ruhesessel ihre Arme gebreitet. Mmfonft blühen die Diwankissen üppi­ger als je. Fröstelnd trauern die von Linnen und Decken entblößten Tische dem Prunk fest­licher Tage nach, da fröhliche Esser und Trinker um sie geschart saßen und ihnen warm wurde von den köstlichen Speisen, die auf ihnen dampften. Die Elfenbeinfelder des kleinen Lchachtischchens liegen leer wie ein geräumtes Schlachtfeld. Sie­ger und Besiegte ruhen vereint im Massengrab eines Schubfaches versenkt. Die Kristallrömer in den Vitrinen dürsten nach feurigen Weinen und süßen Küssen trinkender Zrauenlippen. Die jubel­ten sie sonst ancinanderklingend mit glockenreinen Tönen ein vielstimmiges Evoe dem lachenden Leben. Reben ihnen hungern Daten nach pran­genden Blumensträußen, deren Atem die Räum«

Südamerika in Aufruhr

Von unserem k.-Berichterftatter.

Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

London, September 1930.

Seit einigen Monaten mehren sich die Rach- richten über Urauben auS Südamerika. Nach­dem vor kurzem in Bolivien der bisherige Präsident durch bewaffneten Aufstand zur Flucht gezwungen wurde, ist jetzt auch in Peru der Präsident Leguia. der seit 1919 diktatorisch re­gierte. gestürzt worden. 3n Argentinien hat der Präsident Irigoyen ebenfalls feine Stel­lung verloren, in Drafilien spürt man noch die Rachwehen der letzten Präsidentschaft-Wahlen bei einigen Bundesstaaten, die im Bürgerkrieg stehen: Ehile, Kolumbien und die mittclamenfani- schen Staaten stöhnen unter der Weltwirtschafts- krife, die diese Länder besonder- hart trifft.

Kurz, man hat den Eindruck, daß sich ganz Südamerika in Aufruhr befindet, ja, man bat auch mitunter da- Gefühl, al- ob hinter.dem allen eine einheitliche große Bewegung stecke, die sich gegen die USA. richtet Das ist jedoch in dieser Allgemeitcheit nicht richtig. Die Zustände in Südamerika sind im allgemeinen genau so friedlich, wie bei un- in Europa, und aus politischem Eifer werden im südamerikani­schen Erdteil nicht mehr Leute getötet al- in Deutschland leider auch. Wer weiß, ob ein Süd­amerikaner bei Durchsicht der Kabel aus Europa nicht am Ende ^u der ileberzeugung kommt, daß es in Europa viel schlimmer sei und er von Glück sagen könne, daß er in Südamerika sitzt... Trotz­dem ist wohl nicht zu leugnen, daß Südamerika mitten in einer grundleg enden Um­wälzung steht, die neue Bevölkerungsschichten an die Leitung der verschiedenen Staaten trägt.

Dor dem Kriege, genauer bi- in die ersten Jahre dieses Jahrhunderts, war es bekanntlich in ganz Südamerika die Klasse der Groß­grundbesitzer. die regierte. Reben diesen Rach fahren oer alten Konquistadoren gab eS nur noch die arme, meist indianische oder mischblütige Landbevölkerung, aber keine Stadtbevöl­kerung, keinen Mittel st and, auch kaum Be­amtenschaft ober Militär. Die- alles hat erst die damal- einsetzende wirtschaftliche Entwicklung ge­schaffen, die in der Entstehung der großen, auf den Export eingestellten Agrarwirtschaften, der Einrichtung von Bergwerken und schließlich, seit dem großen Kriege, auch in der Schöpfung eigener, bodenständiger Industrien ihren Aus­druck fand. Damit entstanden erst die großen Städte und damit die Probleme, vor denen ganz Südamerika jetzt steht.

Während also wirtschastlich große Umwälzun­gen eintraten, blieb politisch zunächst alle# beim alten Die Politik wurde weiter, das war einfach selbstverständlich, nur von den alten Fa­milien gemacht, die infolgedessen auch den größten Vorteil von der wirtschaftlichen Ent- Wicklung Es gab ja im Grunde

nommen überall nur zwei Parteien oder richtiger Eliquen. eine klerikal-konservative und eine liberal-sreimaurerische. die sich so sicher in ihrer Macht fühlten, daß sie sich kaum bekämpf­ten: man löste sich vereinbarungsgemäß in festem Wechsel in der Macht ab und nutzte die Zeit der Regierung dazu, um sich und seinen Freun­den möglichst auSgiebig die Taschen zu füllen.

DaS ging io lange gut. wie man unter s i ch blieb und wie sich die Verwaltung deS Landes in altväterlichem Rahmen bewegte tourbc aber mit einem Schlage unmöglich, alS man teils unter amerikanischem Druck, teils auch unter freiwilliger Rachahmung englischer politischer Sitten ernsthaft parlamentarisch zu ar­beiten begann und vor allen Dingen in wachsen­dem Maße neue Leute in die Politik zu kommen begannen, die sich al« Dert reter des neu erwachsenen Mittelstandes nicht ohne weiteres in die alten Parteien einordnen ließen. Dazu kam, daß sich in vielen Ländern die Dor- ftellungen von der Bedeutung und Ausgabe deS Staates änderten. Aus den einst nur durch ihre frühere koloniale Zugehörigkeit zu diesem oder jenem europäischen Mutterland sich unterscheiden­den südamerikanischen Staaten wurden echte Rational st aaten mit einer Bevölkerung,

die es mehr und mehr mit ihrem Patriotismus ernst nahm, und deshalb auch vorn Staat-Wesen mehr verlangte, als eine bloße Klüngelwirtschaft -um Vorteil einzelner Familien.

Diese Revolution in der Einstellung der Geister, die in den letzten Jahren mehr und mehr in allen südamerikanischen Staaten zu beobachten ist. wurde verständlicherweise nicht, ober nur in Au-nahmefällen, von ben alten Politikersamilien getragen (Origoben. bet Präsident von Argen» timen, war solch eine Ausnahme), fonbem von ber Jugend, die in Europa studierte ober in ben USA. erzogen wurde, und vor allem dem Offizierskorps. Advokaten, Studenten und Offiziere sind also durchaus nicht nur zufällig die Leiter und Führer fast aller ..Revolutionen" geworden, die Südamerika in den letzten Jahren erlebte und vor denen wir jetzt wieder stehen. Ebensowenig, wie e- ein Zufall ist. daß dis jüngeren unter diesen revolutionären Politikern in wachsendem Maße faschistisch ober auch sozia­listisch gesinnt sinb. Für sie ist eben Demokratie, Parlamentarismus unb wa- so bamit zusammen­hängt im allgemeinen gleichbebeutenb mit der Herrschaft ber alten Korruption, wie auch Dikta­turen nur gestürzt werben, um neue zu errichten!

Die Entwicklung ber Dinge in Südamerika ist also auch durchaus nicht zufällig, sie kün­digte sich seit langem an. Chile, da- schon seit Jahren eine nationalistische (und antilor- ruptionistische) Regierung hat, ift mit dem Bei­spiel einer faschistisch-mittelständlerisch orientier­ten, zugleich aber auch arbeitersreundlichen Ver­waltung vorangegangen und hat damit, da- muß man wohl anerkennen, sehr gute Erfahrungen gemacht. Daß andere Staaten, zunächst da- be­nachbarte Peru, diesem Beispiel folgen, und daß auch in Kolumbien sich wachsend An­hänger dieser Regierung-weise sammeln, nimmt daher kein Wunder. Ist doch z. B. derKamps gegen Irigoyen in Argentinien in vielem nicht- andere- gewesen alS ein Kamps gegen die Korruption seiner Anhänger, während man Irigoyen persönlich nur den mindesten Vor­wurf macht, daß er nicht tatkräftig genug gegen seine Freunde austrete.

durchduftete wie Weihrauch die Kirche. Da- Ge­fühl. vernachlässigt oder gar vergessen zu sein, macht die Spiegel trüb und mancher, dem kein Geheimnis der Körper, kein Schönheitsmal und kein überschminkter Makel fremd waren, seht melancholisch Staub an. Auch der große Flügel, der mit der Seele seiner Spieler fingen unb weinen konnte, verliert, bie innige Zwiesprache missend, seinen Glanz. Wenn ber Deckel ge­öffnet würbe, unb flinke Finger eine Tonleiter über feine Tasten tanzen liehen, bröhnte er auf, daß bie Wänbe au- ihren Träumen erwachten. Ein starkes Gefühl konnte ihn grollen und ju­beln. donnern unb schmeicheln machen. Wenn MozartS heitere Weisen lodenb im Raum schwan­gen. sprangen die graziösen Rokokodämchen Wat­teau- aus ihren schweren Goldrahmen und wiegten sich entzückt und entzückend im Tanz­schritt. Es wird ihnen bitter werden, diese Musenstunden entbehren zu müssen. Aber sie werden es lernen müssen wie bie schlankrückigen Bücher auf dem Regal, die nun hinter Glas­fassaden gesperrt ungehört mit lockenden Far­ben und Titeln abenteuerliche Schicksale unb Erlebnisse verheißen. < Bücher sind wie schöne Frauen, die ein Geheimnis wissen: Sie brennen, es loszuwerben.)

Rur die hohen Standuhren, bie bunkel tidenben Herzen vieler Zimmer, werden noch eine zeit­lang ihre hallenden Orgeltöne schlagen und sorg­los weiterpendeln, als sei nichts geschehen unb nur die Rächt länger als sonst. Vielleicht wird auch hin und wieder noch eine verirrte Fliege mit leisem Gesumm die Stille durchrudern, bis sie einen Schlupf findet vor kommender Kälte und Rot.

Im Park lassen die Lindenkuppeln, die vor Wochen noch wie Bienenstöcke summten, die ersten fahlgelben Blätter fallen, und am Laub der Kaftanienbäume beginnt der herbstliche Rost zu nagen. 3m Gartenhaus baumeln, an Drähten aufgehängt, die bunten Papierhüllen einiger ver­gessener Lampions. Aber feine frohe Laune wird ihre niedergebrannten Lichtstümpse noch einmal zum magischen Schein über märchen­haften Rachtseften entzünden. Die erblühen be­reits unter südlicheren Sternen.

Wie man sieht, haben bie Vorgänge In den südamerikanischen Staaten an sich herzlich we­nig mit den USA. zu tun. Jedenfalls bildet bie Politik bet Bereinigten Staaten nicht ben Anlaß zu den Vorgängen. Aber ein wenig spielen bie USA. in bie Dinge doch hinein. Südamerika ist ja nicht umsonst auf den Reuhorker Geldmarkt angewiesen, ja, in gewissen Industriezentren auch ganz und gar von den Staaten abhängig. Deshalb nimmt man in Washington auch an Den Vorgängen in Südamerika ein so starke- grundsätzliches In­teresse und erkennt, gemäß einer alten Tradition des Weißen Hause-, neue Regierungen in Süd­amerika erst an, wenn sievom Volk bestätigt sind". D. h die USA. setzen sich auch heute noch für Demokratie und Parlamentarismus ein, sei es. um gelegentlich im Trüben zu sischen, oder die Anerkennung der amerikanischen In­teressen auch von der jeweiligen neuen Regierung zu erzwingen.

Da- geschieht allo nicht, um sich direkt in die inneren Verhältnisse der Länder einzumllchen da« tun die Staaten nur in Mittelamerika, aber nicht im Süden, wo daS ihnen lehr übel be­kommen würde - es wird aber von den Süd- amerilanern trotzdem als unerträgliche Knech­tung empsunden. Und von diesem Gesicht-Punkte aus gewinnen die südamerikanischen Revolutionen eine Richtung, die den Anschein erweckt, alS ob sie immer gegen die USA. gingen da jede amerikanische Einmischung (und sie bleibt nirgends auS, weil eS überall amerikanische In­teressenten in Südamerika gibt) die Abneigung gegen den Rorden verstärkt. Setzen sich die Re­volutionen in Südamerika durch, so ist also auch nicht daran zu zweiseln, bah gleichzeitig mit ihnen eine Periode verstärkter Nord- amerikafeinbsch aft in Sübamerika ein­setzen wirb. Richt nur auS dem Grunde, weil die neuen Regierungen betonter national sein werden alS die früheren, sondern auch, weil die i USA. so stark mit den jetzigen Regierungen bzw. den inzwischen gestürzten, verbunden waren, daß immer eine Ruance herauSkommen muh, | die amerikafeindlicher ist alS bisher.

Der weiße Teufel" ein Kilm.

Ein Ufa-Film, ber sich an bie bekannte Er­zählung .Hadschi Murat" aus T o l st o j s Rach- Iah anschließt: er behanbelt bie Unabhängigkeits- kämpse kaukasischer Bergstämme anno 1852 gegen die erdrückende U eher macht ber Russen unter Nikolaus I. unb schilbert im besonderen bie Kriegstaten unb die Liebesgeschichte MuratS, der als ber .weihe Teufel" bei Feind unb Freund bekannt unb gefürchtet ist. Der von Alexander Wolkoff inszenierte Film hat Farbe, Tempo und natürliche Spannung; er wirkt zwar gelegent­lich etwas slach und primitiv in Der verschwen­derischen Ausnutzung von Reitcrverfvlgungcn und kriegerischem Getöse, aber er ift im ganzen sehr gut und mit schöner Bildwirkung photographiert, vor allem die grohlinig unb stimmungsvoll auf­genommenen Szenen in Petersburg. Der Film, an sich stumm, wirb wesentlich bereichert durch die wnsilmische Einbeziehung des berühmten Don­kosakenchors. dessen melancholisch-melodiösen Ge­sänge sich ber Handlung vorzüglich anpassen und übrigens auch eine dem gegenwärtigen Stande der Reproduktionstechmk entsprechende, befrie» digende Wiedergabe gefunden haben. (Man darf vom Tonfilm, der ja noch immer jung ist. auch nicht zuviel verlangen: jede derartige Ausnahme wird, ebenso wie jede Radio-Uebertragutrg. einen Annäherungswert dar stellen.) Außerdem wirkt das Ballett der Eduardowa bei den Tanzszenen in der Petersburger Oper mit Das Beste, was der Film zu geben hat. ist in der Darstellung der Titelrolle durch Iwan MoSjukin beschlossen: obwohl ihm diese Partie nicht die unnachahmliche Eleganz unb bie umspringende Beweglichkeit ge­stattet, wie er sie seinerzeit im .Casanova" und auch noch 'im .ManoleScu" entfalten konnte: er ist ein Dollblutschauspieler und er gibt ben Murat finster unb wild, leidenschaftlich unb geschmeidig, er hebt ihn, wie es sich gebührt, aus dem Kreise der übrigen Handlungsträger entschieden heraus. Betty Amann, die Dagover und Fritz Alberti fmb neben Mosjukin die wich­tigsten Leute. .Der weihe Teufel" läuft feit gestern (bei ausgezeichnetem Besuch) im Licht- fpislhauL -* 3m Beiprogramm findet wie-

druck geben zu sollen, indem sie Bemerkungen parteipolitischen, religiösen oder sonstigen Charakter», Verse und ähnliche» auf den Stimmzettel fetzen. Alle derartigen Vermerke, auch wenn sie nicht auf dem Stimmzettel selbst, sondern auf besonderen, in den Umschlag gelegten Zetteln geschrieben werden, machen die Stimmabgabe ungültig. Bei der letzten Reichstagswahl waren 412 M2 Stim­men oder 1,32 o. ch. der abgegebenen Stimmen un­gültig.

Vie Fahl der zersplitterten Stimmen

war bei der letzten Wahl sehr hoch. Sie setzten sich einmal zusammen au» der Hahl der Stimmen, die auf Splitterparteien entfallen. Als solche versteht man die Parteien, die keinen Abge­ordnetensitz errungen haben. Vie Zahl dieser Stimmen betrug 832 563. Dazu kommen die Slim- men kleinerer Parteien, die zwar einen oder zwei Sitze erhalten haben, die aber ihre Stimmen nicht voll auswerten konnten. DielZahl dieser Stimmen betrug 362 697. Insgesamt sind also 1 195 260 gültig abgegebene Stimmen, oder 3.89 v. ch. aller galligen Stimmen, wirkungslos abgegeben worden. E» waren 12 Abgeordnete mehr gewählt worden, wenn diese Stimmen nicht zersplittert gewesen waren, '.sticht in der Zersplitterung liegt do» cheil, sondern im S t r c ben zum Ganzen undzurCinheit Davon mögen sich alle Wähler und Wählerinnen leiten lassen, wenn sie am 14 September über die weitere Zukunft des deutschen Vaterlandes entscheiden.

Ariilleristentag in Mainz.

Man berichtet uns: Die Angehörigen des ehe­maligen Fcldartillcrie-Regiments Nr. 27 (Oranten) versammelten sich zu einer W je­der s e h e n s f e i e r in Mainz.

In Verbindung mit diesem Tressen der allen Kame­raden sand am Samstag die Feier des 6 0 j ä fr r. Bestehens des M o i nzer Veteranenocr- eins statt, an der zahlreiche chasfia-Mitglieder so- wie Vertreter der früher in Mainz liegenden Regi- menter teilnahmen. Die Feier, die in der Stadt­halle abgchaltcn wurde, nahm in Gegenwart des früheren Großherzogs Ernst Ludwig und seines ältesten Sohnes, sowie einer großen Schar von Gästen bei trefflichen Ansprachen und guten ge- fettigen Darbietungen einen ausgezeichneten Verlauf.

Am Sonntagmorgen vereinigte man sich in den Mainzer Kirchen zu gemeinsamem G o 11 e s b i e n st. Anschließend fand auf dem Ehrensriedhos eine G e- fallenen-Gedenkfeier statt, bei der Gene- ralleutnant a. D. von Oven, früher Plotzkom- mandant von Mainz, die Ansprache hielt. Gesang des Mainzer Männerchors und Iraucrmufif der Kapelle des früheren Feldartillerieregiments Nr. 63, foroie Kranzniederlegung der Regimentsvertreter gaben der feierlichen Gedenkstunde einen erhöhten Inhalt. In geschloffenem Zuge begaben sich die allen Soldaten bann durch die Stabt nach dem hatten- platz, wo eine feierliche Kundgebung anlaß - lich der Rheinlandbefreiung ftattfanb. Von hier aus fuhren bie ehemaligen 27er nach ihrem früheren Stanbort Gonsenheim bet Mainz, wo [i? mit Böllerschüssen unb begeisterten Zubel empfangen wurden Nach dem Mittagessen ging es nachmittags in einem Festzug mit klin- lenbem Spiel durch bie festlich geschmückten Orts- traßen nach der Turnhalle, die in kurzer Zeit über- iillt war. Dbcrregierungsrat Falk, Mitglied des Arbeitsausschusses, begrüßte bie allen Kameraden mit einer zündenden Ansprache unb übergab die Leitung des Festes an General Petze! Bürger- meister Alexander (Gonsenheim) überbrachte den herzlichen Willkommengruß der Gonsenheimer Bür- ger und gab ihrer Freude über ben Besuch so vieler aller 27er in bem früheren Garnisonort beredten Ausdruck. Die Festrede hielt General Petzei, der dabei auch der gefallenen Kameraden gedachte unb mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das d^tsche Vaterland schloß. General der Artillerie von Gollwitz, der bekannte Führer ber Armee Gollwitz im Weltkrieg, richtete an bie alten Karne- raben gehaltvolle Worte über bie aktive Dienstzeit unb bie Kriegsjahre, unb ermahnte zu treuem, ferne- rabschastlichem Zusammenstehen beim Wieberausbau unseres Vaterlanbes.

Am Montag beschloß eine Rheinfahrt nach St. Goar unb zurück das glänzend oerfaufene Treffen ber alten Artilleristen.

herum die tonende .Micky MauS" den ungeteilten 'Beifall des erweiterten und verblüfften Publi­kum-. __r__

Königsberger $te(P undSchmand mit Glumse^.

Ostpreußen, da- Land des Bernsteins, der weiten Haffs mit den eigenartigen Nehrungen, die die höchsten Wanderdünen der Erde krönen' das Land des Elchs, der im Niederung-Wall» lebt, und der 3000 masurischen Seen, umrahmt von weiten Wäldern, hat mehr als andere deutsche Reisegebiete gastronomische Speziali- täten. Königsberger Marzipan Wirtin alle Erdteile verschickt. Bekanßt sind auch Königs­berger Klop- und Königsberger Fleck. Für den Besucher Ostpreußens, der Freund einer guten Küche ist. seien noch folgenbc Spezialitäten .empfohlen: Beliebt sind graue Erbsen mit Speck oder besser mit zweimal Speck. Schwarz- sauer mit Gänseklein ist eine in der Geflügel- deit sehr verbreitete Speise. Betenbartsch, eine rote Rübensuppe, die auch im Sommer kalt mit Radieschen in Scheiben genossen werden, kann, ist ein für ostpreuhischen Geschmack charak- teristrsches Gericht. Daß es unter den Ostpreußen als Kuftenbewohner vielAalfreeier" gibt nimmt nicht Wunder.Aal in Dill" fehlt im Sommer Wohl in keiner ostpreußischen Küche. In Masuren giltAal mit Krebsragout" al- höchste Delikatesse. Aber auch gespickter Hecht oder gebackene Schleie, dazu ein spritzi­ger Mosel sind nicht zu verachten. Die Riko- laiker M a r än e n sind weit über Ostpreußen bekannt. Man erhält sie geräuchert an den Dampferanlegestellen und verspeist sie am besten gleich mit dernatürlichen" Gabel, aber auch gebacken sind sie eine Delikatesse. Ein DolkS- nahrungsmittel ift der Stint m Ostpreußen, ber vorzugsweise in einer langen Supp? alS J au» rer Stint" genossen wird. Am Schluß sei noch Schmand mit Glumse" genannt, eine für ostpreuhische Mägen hergerichtete Mischung von Lahrre und Quark, besonders beliebt an heißen Tagen.

Ratschläge für den Wahltag.

Besorgt euch rechtzeitig einen Stimmschein! Macht den Abstimmungs- Vorstanden ihr Ehrenamt nicht schwer! Füllt den Stimmzettel richtig aus! Wählt keine Splitterparteien!

Wer sich am Wahltage aus beruflichen ober son- fügen zwingenden Gründen außerhalb seines Wohn­ortes aufhält, kann fein Stimmrecht nur ausübcn, wenn er

einen Stimmschein

besitzt Den Stimmschein stellt auf münblichen ober schriftlichen Antrag die Gemeinbebehörbc bcs Wohnorts aus, wenn ber Antragsteller in bas Wählerverzeichnis eingetragen ift unb wenn er ben Grunb zur Ausstellung des Slimmfcheines glaubhaft macht. Stimmscheininhaber können ihre Stimme am Wahltage in einem beliebigen Stimmbezirk des Reiches abgeben. Wer einen Stimmschein benötigt, soll ihn möglich ft frühzeitig beantragen. Geht ber Antrag erst in ben letzten Tagen vor bem Wahltage ein, so be­steht bie Gefahr, baß ber Stimmschein nicht mehr rechtzeitig zugestellt werben kann.

Für jeben Stimmbezirk wirb

ein Abstimmungsvorsteher

unb ein Stellvertreter von ben Magistralen, auf bem Lanbe von ben fianbräten ernannt. Der Ab- flimmungsoorsteher beruft aus ben Wählern seines Stimmbezirks brei bis sechs Beisitzer sowie einen Schriftführer unb bilbet so ben Abstimmungs- d o r ft a n b. Die Kreiswahlleiler bilben Abftim- mungsausfchüfse, ber Reichswahlleiler ben Reichs- Wahlausschuß, inbem sie Wähler als Beisitzer in bie Ausschüsse berufen. Bei Bilbung ber Wahlausschüsse unb ber Abslimmungsvorstänbe sollen bie verschie- benen Parteien berücksichtigt werben.

Alle biesc Aemler werben ehrenamtlid) aus- geübt. Rechnet man für jeben Abslimmungsvorstanb burchschnittlich 8 Personen, so finb am Wahltag

rund 560 000 Wähler unb Wählerin­nen ehrenamtlich in ben Wahloorftän- ben tätig. Da bie Abflimmungszeil um 8 Uhr morgens beginnt unb bis 5 Uhr nachmittags bauert, an bie Stimmabgabe noch bie Feststellung bes Ab­stimmungsergebnisses sich anschließt, bie bis zu zwei Stunben in Anspruch nimmt, bebcutet bie Mitwir­kung im Wahlvorstanbe ein erhebliches Opfer. Die Wählerschaft sollte sich besten bewußt unb daher bemüht fein, bie Arbeit bes Wahlvor- ftanbes möglichst zu erleichtern.

Auf bem Stimmzettel

finben sich bie Wahlvorschläge ber einzelnen Par­teien in befonberen Felbern untereinanber aufge- führt. Dem Felde für jebe Partei ist ein Viereck mit einem freischwebenben Kreis eingeführt. Der Kreis ift bazu bestimmt, bas Slimmzeichen aufzunehmen. Nach bem Gesetz ist bie Stimmabgabe derart oorzunehmen, baß ber Wähler buid) ein Kreuz ober in sonst erkennbarer Weise kennzeich­net, welchem Kreiswahlvorschlag er seine Stimme geben will. Es bleibt jebem Wähler überlassen, welche Art ber Kennzeichnung er anwenben will. Inbessen empfiehlt es sich, zur Vermeibung einer Ungültigerklärung, aber auch im Interesse ber Ver- einsachung bcs Feststellungsverfahrens, bie Kenn- Zeichnung nur in ber Weife vorzunehmen, baß ber Wähler in ben Kreis bes WahlVor­schlags, bem er seine Stimme geben will, ein Kreuz setzt.

Dringenb gewarnt muß bavor werben, neben bem Stimmzeichen ben Stimmzettel noch mit einem Vermerk zu versehen. Es kommt immer wieber vor, baß einzelne Wähler glauben, beim Wahlakt ihren befonberen Gefühlsäußerungen Aus-