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Turnen, Sport und Spiel.

großen und I Königsberg (VfL,-Platz. Halle). Holstein Kiel I Die Hinter- gegen VfV. Leipzig (Hamburg-Simsbüttel). Tt-

;üla 07 oder Fort. Düsseldorf

tanio Stettin gegen

kommt

land

(München).

schwierigen,

daß unsere Vertretung vor einer

Vergmaier, L. Hofmann

5)te deutsche Mannschaft: Tor: Leinberger, Heidkamp: Stürmer:

wenn nicht unlösbaren Aufgabe steht. Trotz des Schweizer Sieges müssen wir uns darüber klar sein, daß eine Niederlage das Wahrscheinliche ist. Schon ein Unentschieden würde einen riesigen Erfolg bedeuten. Das Spiel wird also in jeg- licher Hinsicht ein Ereignis sein. Die 52 000 Plätze des Deutschen Stadions sind schon seit Tagen aus- verkauft.

Mit Ausnahme des Linksauhen Huber (Ra­statt), des Halbrechten Sackenheim (Dresden) und des rechten Läufers Hergert (Pirmasens) sind acht Spieler der siegreichen Elf gegen die Schweiz vertreten. Für Hergert wurde der weit bessere Mantel eingesetzt. Pöttinger löste Sackenheim ab und Ludwig Hofmann steht für Huber auf dem linken Flügel, wo er bereits gegen die Schweiz vorgemerkt war, aber krankheitshalber absagen

Fuhballkampf Deutschland - England.

nehm überrascht zu werden, erhielten die Ber­liner Gehlhaar, Müller, Brunke und Appel die Aufforderung, sich am Spieltage in Bereitschaft zu halten.

Vorrunde zur OJÄ -Meisterschaft.

Der Deutsche Fuhballbund hat jetzt für die am 18. Mai stattfindende Borrunde zur Deut­schen Fußballmeisterschaft nachstehende Epieleinteilung getroffen:

Eintracht Frankfurt gegen VfL. Benrath (Frankfurter Stadion). Spvg. Fürth gegen Ten- nis/Dorusfia Berlin (Nürnberger Stadion). Sportfreunde Breslau gegen 1. FC Nürnberg (Breslauer Stadion). Hertha/BSC. Berlin gegen Bcuthcn 09 (Berliner Poststadion). Schalke 04 gegen Hannover 96 oder Arm. Hannover (T. u. S.-Platz, Bochum). Dresdener SC. gegen BfB

Am nächsten Samstag findet in Berlin der Fubball-Länderkampf Deutschland gegen England statt. Es ist die erste Be­gegnung dieser beiden Länder in der Fußball- Geschichte Deutschlands. Deutsche Amateure ge­gen englische Berufsspieler, eine Begegnung von besonderem Interesse und Delikatesse. Denn Eng- mit einer ausgezeichneten Elf, so

Kreß; Verteidiger: Schütz und Stubb: Läufer: Mantel, Pöttinger, Kuzorra, R. Hofmann (Dresden),

muhte. An der Aufstellung dürfte im t ganzen nicht viel zu bemängeln sein. Die Hinter Mannschaft und Die Läuferreihe sind ohne Tadel. Im Sturm stehen sowohl Scharfschützen, wie ebenso glänzende Techniker. Ausschlaggebend für einen Erfolg gegen Englands Professionals toirD die Frage lein, in welcher Kondition unsere Mannschaft sich am Spieltage befinden wird. Die Gestellung von Ersatzleuten erübrigt sich, da der Kampf nach den internationalen Regeln ausgetragen wird, die den Austausch verletzter Spieler nicht zulassen. Um aber nicht unange-

(SSC.-Plah, Stettin).

OerTag des Pferdes" in Oberheffen.

Der Provinzialverband der länd­lichen Reit- und Fahrvereine Ober« Hessen hält am Sonntag, 18. Mai, im »Iahre des Pferdes" zur 'Betonung der 'Bedeutung der Pferdezucht und Pferdehaltung folgende Voran- staltungen ab. Zunächst großerStafetten- ritt" auf Grünberg. Daran beteiligen sich 15 Vereine mit 33 Rcitabteilungen und zwei preußische Vereine (Hanau und Marburg) mit im ganzen 376 Kilometer Streckenentfernung. 7 Houptstafettenlinien nebst kleineren Zweig­linien reiten nach Grünberg und überbringen dorthin die Grüße aller Städte Oberhessens. Die Hauptstrecken gehen von Hanau über Fried­berg Gießen, von Butzbach über Lich, von Büdingen über Hungen und Nidda, von Mar­burg über Londorf, von Kirtorf über Homberg, von Alsfeld über Mücke und von Schlitz über GrebenhainSchotten nach Grünberg. Außer den Stafetten reiten Gruppen durch alle Ortschaften, die nicht von den Stafetten berührt werden. Die Hauptfeier ist mittags 12 Uhr in Grünberg zum Empfang der Slädtegrütze, wozu die Be- Hörden, landwirtschaftlichen Organisationen ein­geladen sind. Nachmittags Festakt mit Vortrag des Landstallmeisters H e r t e l - Darmstadt über .Die Bedeutung des Pferdes für die deutsche Wirtschaft". <.

Deutschland-Rundfahrt 1930.

Geyer (Schweinsurth) gewinnt die 2. Etappe.

Die zweite Etappe der Deutfchlandrundfahrt führte am Dienstag von Glogau nach Dresden, wobei die Fahrer durch verschiedene Umleitungen statt der vorgesehenen 245 etwa 280 Kilometer fah­ren muhten. An der Etappe waren alle gemeldeten 62 Fahrer beteiligt. Sieger wurde Geyer (Schwein- furth) in 9:13,04 Stunden mit Handbreite vor Manthey (Berlin). Dritter wurde Stapel (Berlin) in 9:15,48 vor Sieronski (Berlin) und Seiferth (Leip« zig), die ihm dichtauf folgten.

Die dritte Etappe der Deutschland-Rundfahrt. Sieronski siegt überlegen.

Die dritte Etappe Der Deutschland-Rundfahrt wurde gestern bei sehr schlechtem Wetter durchgc- führt. Die Strecke über 245 Kilometer führt« von Dresden nach Erfurt. Während bislang alle 62 Teilnehmer an der Fahrt zusammengeblieben waren, gab es am Donnerstag verschiedene Aus­fälle, die zum Teil durch Stürze verursacht wurden. Schon nach wenigen Kilometern kam es bei Kessels­berg zur ersten Entscheidung» Buse, Bulla, Sieron­ski. Remold, Unger, Nickel, Weyer, Schön, Hertwig und Brandes konnten dem übrigen Feld entweichen. Eine lange Steigung vor Naumburg wurde vielen zum Verhängnis. In der Spitzengruppe drückten Buse, Bulla, Sieronski und Schön auf dos Tempo, diese vier Fahrer trafen auch als erste in Naum« bürg ein. Bei einem Borstoh blieben nur noch Sieronski und Bulla vorne. Noch vor Weimar kam Bulla mit einem Auto in Kollission und erlitt da­bei einen Dorderradbruch. Sieronski steuerte nun allein Dem Ziele zu. Das er kurz vor 2% Uhr er« reichte.

3m Gesamtklassemeni fuhrt cicronffi mit wenigstens 5 Minuten Vorsprung Das Ergeb­nis der dritten Etappe lautet: 1. Sieronski 8:17 Std.: 2. Remold 8:26,2 Std.; 3 0. Tietz: 4 Buse, 5. Stöpel 8:29.41 Std., 6 Bulla 8:35,44 -td.. 7. Metze 8:38,15 Std., 8. Koch 8:39,13 Std., 9 Ritzjchke, 10. Schön, 11. Dumm, 12. Weyer, all« dichtauf, 13. Thierbach 8:40,52 Std., 14. Manthey, 15. Siegel, beide dichtauf.

(Spielvereinigung 1900 Gießen.

ö. Das Spielprogramm für Den kommenden Sonntag sieht allein vier Spiele der Seniorenmann- schoflen 1900s auf Dem Sportplatz an Der Liebigs- höhe vor.

Für die Liga ist Der Tobellenzweite Der Sud- mainkreisliga verpflichtet worden. DerBail­spielklub" Frankfurt a. M.« Oberrod stellt sich damit erstmals Dem Gießener Publikum vor. Die Gästeelf besteht aus jungen Kräften, Die technisch sehr gut DurchgebilDet sinD. Bei BeenDi- gung Der letzten Meisterschaftssaison rangierte her B. E. DberraD nur einen Punkt hinter Dem Meister unD AusstiegskanDiDaten Sportverein Heusenstanner, Die auch hier bekannten Vereine Kickers-Viktoria Mühlheim, V.f.R. 1900 Offenbach, Blau-Weih B >r- gel unD anDere hinter sich lassend Dieses beroorra- qende AbschneiDen läßt auf soliDes Können schließen, |o Da6 Die Gießener am Sonntag in einer wenig aussichtsreichen Lage sinD. 1900 wird mit Aus­nahme Des am vergangenen Sonntag erneut ver­letzten linken Läufers Katz, in stärkster Aufstellung antreten, also Diesmal bestimmt mit seinen guten Stürmern ADelberger unD Heilmann, was Der Mannschaft zu einem ganz anDeren Widerstand verhelfen sollte.

Die Ligareserve hat Die Ligaelf Der Gie­ßener Vorortler Heuchelheim im Rückspiel zum Gegner Das Treffen ist vollständig offen. Man kann keinesfalls den 1900cm größere Siegeschancen geben als den Gästen, denn der Borspielsieo Der Gießener in Heuchelheim kam etwas überraschend und zudem hatte 1900 damals eine recht gute Ver­tretung entsandt. Das Spiel der Reserven am uer- nangenen Sonntag hat ganz gewaltig enttäuscht v.n der Elf 1900s sind grundlegende Aenderungen vor- genommen worden, so daß man jetzt auf ein besseres Spiel hofft.

1900s 3 und 4. Mannschaft haben Rückspiel­begegnungen mit Hermann st eins (Kr. Wetz­lar) 1 und 2. Elf. Die Blauweihen stehen dabei, gemessen an den Vorspielresultaten vor schweren Aufgaben. Nur in stärkster Aufstellung kann es zu knappen Erfolgen des Gastgebers reichen, roobet auch der Vorteil des eigenen Platzes mit ins Oe- wicht fallen sollte.

Die 1. Jugend fährt nach Marburg, um dem dortigen V. f. B. K u r h e s s e n das Rückspiel zu lie­fern, und sollte Dabei wohl um eine Niederlage nicht herumkommen. Denn auf eigenem Platz unterlag 1900 erst kürzlich knapp 2:3. Die Marburger reprä­sentieren zur Zeit wohl Die beste FußballjugenD im früheren.Lahnkreis, trotzdem sollten ihnen die 1900er Das Siegen nicht allzuleicht machen, denn auch diese Elf zeigt gutes Können.

1900s 2. Fugend- und 1. Schülerelf tra­gen in Weilburg Gesellschaftsspiele aus. Wenn auch Die Gießener zur Zeit recht spielstark sinD, so müssen sie Doch Den fremDen Platz in Rechnung stellen und auf Dem schon mancher verlor.

Die 3. Jugend spielt voraussichtlich iy Gar­be n h e i m bei Wetzlar.

Der geschundene Schiller

3u seinem 125. Todestage.

Son Alexander Giern

Ein unmoralisches, alle Bande Der Gesellschaft auflösendes, höchst gefährliches Theaterstück, weder nach Der Idee Des Verfassers, noch in irgenDeiner Umarbeitung zur theatralischen Aufführung geeig­net" schrieb Der Wiener Zensor v. S u m e r a u , als erDie Räuber" zu beurteilen hatte, Die 23 Fahre vorher in Mannheim zum erstenmal aufgeführt wor­den waren. Dort schon waren sie verwässert wor Den, Schiller selbst mußte sie umarbeiten, Franz starb nicht Den FreitvD, fonDern wurDe gefangen vor Carl gebracht unD in Den Turm geworfen, alles Anstößige" mußte gestrichen werden, unD wo Schil ler sich sträubte, Da dichtete Der Herr Intendant o. Dalberg höchstselbst in Das Stück hinein.

Das war aber nichts gegen Oesterreich. Zwei Jahre nach Der Mannheimer Uraufführung wurDe in Wien ein Machwerk zugelassen. Das ein gewisser Rauten st rauchbearbeitet" hatte. Carl war nicht Des alten Moor Sohn Das wäre anstößig gewesen fonDern sein Neffe, und man stelle sich Die Wirkung Des Auftrittes am Hungerturm vor, wenn Carl losbrach:Schweizer, so ist noch kein Sterblicher geehrt worDen wie Du; räche meinen Oheim!" UnD auch Dieses von allen Flecken gerei­nigte Stück rourD: verboten. Erst 1850, 68 Jahre nach Der Uraufführung, 45 Jahre nach Schillers ToD, setzte Laube Die Ausführung Des Schiller- schen Werkes Durch.

Franz heißt Die Canaille?" Das Durfte von 1792 bis 1835 Schweizer in Wien nicht sagen Warum? Weil Der Zensor meinte:Das könnte als eine Anspielung auf feine Majestät Den Kaiser genom­men werDen."

Aber auch Berlin ließ sich nicht lumpen. Hier hat fjerr Plümick« Das Stück so zu gerichtet. Daß man fürDerhin nicht mehr verhunzen, fonDern verplü« micken sagte. Franz war Der Halbbruder Carls, weil es nicht anging, daß solche ein ausbünDiger Schurke ein Adeliger sei. Carl wurde von Schwei­zer erdolcht. Das sind so die hübschesten Einfälle. In dieser Zurichtung bekamen die Berliner das Werk im Döbbelinschen Theater in der Behren­straße vorgesetzt. Die Erstaufführung war am 1.3a- nuar 1783, und trotz Plümicke gefiel bas Trauer­spiel so gut, daß es fünfzehnmal gegeben werden mußte.

In Rostock und in Stralsund waren DieRäu- der" nicht wieder zu erkennen Hier waren sie ein­wandfrei moralisch: Der alte Moor ging ins Kloster, Carl heiratete Amalia, und Die Räuber beschlossen, umzukehren und fortan ein ehrbares Leben zu füh- ren. Was müßen sich die Rostocker Darüber gefreut haben!

Den Leipzigern ging es nicht so gut. Dort plün­

derten währenD einer Aufführung DerRäuber" Taschendiebe einige Zuschauer. Wirkung: Die Polizei verbot weitere Aufführungen Der verderblichen Ko- möDie.

Bei den Polizeiämtern unD Den Zensurstellen nahm man Die tommenDen Werke Schillers über­haupt nur noch mit Der Feuerzange in Die HanD. Daß HessenKabale unD Liebe" ganz unD gar ver- bot, lag nahe. In Wien hat man es Dafür um unD um gekrempelt Präsident'' Das ging nicht Also

Schillers Totenmaske.

wurde aus ihm ein Vizedom, ein Statthalter. Fer­dinand durfte nicht fein Sohn, er mußte fein Neffe fein. Wurm Durfte nicht Derart frech mit Dem Vize- DompräfiDenten abrechnen, fonDern hatte bis zum Schluß höflich unD fubmisiest zu bleiben. Wirklich bestehende Amtsbezeichnungen Durften Personen auf Der Bühne nicht tragen. So wurDe aus Dem Hof­marschall ein DbergarDerobemeifter. Man stelle sich Die Wirkung folgenDer Szene vor FerDinanD hat eben Den Brief bekommen, Den der schurkische Wurm von Luise erpreßt hat unD in Dem sie so tut, als wäre sie Die Geliebte Des Hofmarschalls, parDon, Des DbergarDerobemeifters. Nun: Vierter Akt, Der Vorhang geht hoch, ein Saal beim PräsiDenten, Fer­DinanD, Den Brief in Der HanD, rast von Der einen Seite auf Die Szene, von Der anderen kommt ein

Diener. Ferdinand schreit, außer sich:War kein DbergarDerobemeifter Da?" Diener.Herr Major, Der Herr VizeDorn fragen nach Ihnen." Fer- DinanD:Alle Donner, ich frage, war kein Dber­garDerobemeifter Da?"

Jetzt stelle man sich erst vor, wie manDon Car­los" verstümmelt hat. In Leipzig strich man Den Großinquisator, aus dem Beichtvater Domingo wurde ein Häsling Perez, von Ketzerverbrennungen, von der Inquisition Durfte fein Wort gesagt werDen, Posa war kein Maltheser, am Hofe Philipps gab es überhaupt keine Mönche unD keine Nonnen, unD Der Name Gottes Durfte nicht genannt werDen. In Wien Durfte Carlos überdies feine Stiefmutter nicht lieben!

GegenWallensteins Lager" erhob I f f I a n D in Berlin gewichtige Bedenken. Er versuchte Schiller davon zu überzeugen, daß es ausgeschlossen wäre, Den braven Wachtmeister in Berlin sagen zu lassen:

Alles Weltregiment, muß Er wissen, Von Dem Stock hat ausgehen müffen. UnD Das Zepter in Königs HanD Ist ein Stock nur, Das ist bekannt." Das ist", meinte er,bedenklich wenn ein militä­rischer König Der erste Zuschauer ist." Da Schiller nichts änDern wollte, blieb DasLager" unausgeführt. InMaria Stuart" beanftanDcle ein Berliner KritikerMortimers viehische Sinnlichkeit". UnD Der König Friedrich Wilhelm III.konnte sie nun einmal nicht leiden" Die beamtete Zensur war ge­gen Die Beichtszene, unD in Wien wollte man nicht an das Schicksal der Marie Antoinette erinnert^ fein. Das Werk wurde verboten,bearbeitet", verplümickt umsonst. In Arnsberg in Westfalen wurde Die Aufführung am Totensonntag verboten, weil Der zu luftige Charakter des Stückes die kirchliche Feier stört".

Die Jungfrau von Orleans" Durfte in DresDen nicht fo heißen, well Das zu sehr an Jungfrau Ma­ria erinnere, Gott wurDe gestrichen und Durch Him­mel ersetzt. Der Teufel mußte weg und hieß böser Geist. In Wien hat man Die Dichtung sobearbei­tet", Daß sie Durchfiel: von Schillers Geist hatte man keinen Hauch mehr übrig gelassen.

Wilhelm Teil" war in Den Augen Der Zensur schlechtweg ein Bolschewistenstück. Jffland wollte un­ter anderem den MonologDurch diese hohle Gasse muß er kommen" gestrichen haben. Als Kotzebue ermordet wurde, setzte Berlin denTell" vom Spiel- plan ab. Der war schuld. Er war auch an der Pari­ser Julirevolution von 1830 schuld. Berlin und Wien warfen Den wieDeraufgeführten Anlaß rasch in die Archive. Wien bekam SchillersTell" ohne Be­arbeitung erst 1856, also 52 Jahre nach feinem Erscheinen, zu sehew Laube mußte, um Das Durch, zusetzen, jahrelang kämpfen.

Da war ein Direktor in der österreichischen Pro­vinz schlauer. Er wollte Das schreckliche Stück auf­führen und sagte beider Pollzei, er habe es ent­giftet und gereinigt, nicht em radikales Wort wäre

stehengeblieben. Der zur Probe eingelabenc Poli- zeigewaltige kam aus Dem Staunen nicht heraus: Oben auf der Bühne wurden all« mit Dem Bann belegten RevolutionsreDen gehalten, nicht ein Wort war geänbert. Die Schweizer kämpften gegen Den Tyrannen Oesterreich nur ganz zum Schluß ries Der Chor nichtEs lebe Tell, Der Schütz« unD Der Erretter!" fonDern ging feierlich an die Rampe vor unD sagte auf:Es lebe Oesterreich! Tell ist ein Verräter."

So warD Schiller geschunDen. Nur einiges wurde hier aus ungeheurer Fülle herausgegrisfen.

Geheimnisse der Schwarzweiß-Kunst.

Im Hörsaal Des Kunstwissenschaftlichen Instituts sprach gestern abend Professor Dr. Rauch anläß. lich der gegenwärtig im Kunstoerein von der Gesell­schaft für Volksbildung in Berlin veranstalteten Ausstellung moderner Graphik über das Thema: D i e Geheimnisse der Schwarz-Weiß- Kun st ein Besuch in der Werkstatt eines Künstlers". Der Vortragende erläuterte in fast zweistündigen interessanten Ausführungen an Hand eines reichhaltigen Lichtbildermatenals die zum Teil sehr komplizierten, verschiedenartigen Tech- niken der graphischen Künste unD gab gleichzeit g in großen Zügen einen Ueberblicf über deren je­weilige geschichtliche Entwicklung. Die Technik Des Holzschnitts wurde zuerst dargestellt und mit Bei­spielen aus dem Schassen der bedeutendsten Meister auf diesem Gebiet- illustriert: Dürer (Apokalypse, Marienleben), Cranach, Holbein (Totentanz), Rechel (Totentanz), Richter, Menzel. Auch der in Japan zur höchsten Blüte entwickelte Farbenholzschnitt wurde besprochen und mit einigen deutschen Ar­beiten (Orlik, Leo Franck) charakterisiert. Der Kup­ferstich ist aus Der Goldschmiedekunst hervorgegan- gen; seine bedeutendsten Vertreter in Deutschland sind etwa der Meister E. S., Schongauer, der Haus» buchmeister und wiederum Dürer. Nach einem Ex­kurs über die Schabkunst besprach Pros. Rauch Technik unD Geschichte Der Radierung mit Beispielen von Dürer, Altdorfer, Hirschvogel, Rembrandt, Chodowiecki, Klinger, Liebermann und Corinth. Das Aquatintaversahren ist nomenttich von dem großen Spanier Francisco Goya ausgebildet und gepflegt worden. Eine Spezialtechnik stellt das sog. Durchdruckoerfahren bar, mit dem besonders aparte Wirkungen zu erzielen sind. Die jüngste der graphi- schen Künste ist die 1796 erfundene Lithographie (Steinzeichnung); hier sind vor allem Künstler mit Daumier, Toulouse-Lautrec, auch Renoir in Frank­reich, und Menzel, Slevogt, Thoma, Käthe Kollwitz bei uns hervorzuheben. Der Vortragende schloß seine feinsinnigen und sehr instruktiven Darlegungen mit einer Aufforderung zu regem Besuch der Ausstel­lung und womöglich zum Ankauf des einen oder andern Kunstblattes. Die zahlreiche Zuhörerschaft dankte mit lebhaftem Beifall.