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Nr. 84 Dritter Blatt__________________Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Aus Natur und Technik.

Mittwoch, 9. April 1950

Vom Oberleitungsomnibus.

Don Karl Ammon.

In der Berliner Technisch-Literarischen Gesell- schäft sprach kürzlich Ingenieur Max Schie­mann aus Wurzen in Sachsen über gleislose elektrische Dahnen. Es handelt sich dabei um den Oberleitungsomnibus, an dessen Durchbildung Herr Schiemann seit Deginn dieses Iahrhunderts arbeitet. Den ersten solchen Wagen hat die Firma Siemens & Halske bereits in den achtziger Iahren nach dem Spandauer Bock bei Berlin lausen lassen. Dann hat Schiemann verschiedene Linien sowohl für den Personen- wie für den Güter­verkehr in Gang gesetzt. Damals scheiterte die Sache xaber daran, daß die Gummireifen noch nicht so weit durchgebildet und daß auch die Straßen einem Verkehr mit so schweren Wagen nicht gewachsen waren. Dies ist nun allmählich durch die Entwickelung des Kraftwagenverkehrs anders geworden, und man kann jetzt wieder an den Oberleitungsomnibus denken, bei dem die Kosten für einen Wagenkilometer etwa 6DPsennig betragen. , _

Die Kontaktstange ist schon seit langer Zeit so ausgebildet, daß sie ein weites seitliches Aus­weichen gestattet. Freilich braucht man für den Oberleitungsomnibus zwei Fahrdrähte, eine Hin- und eine geerdete Rückleitung, da ja die bei der Straßenbahn übliche Rückleitung durch die Schie­len beim Omnibus unmöglich ist. Aber man kommt mit einer einzigen Kontaktstange aus, die oben Kontakte für beide Drähte trägt. Wo der Verkehr nicht allzuhäufig ist, genügt das Spannen von zwei Drähten für beide Fahrtrichtungen. Von den sich begegnenden Wagen zieht dann einer den Stromabnehmer ab und läßt den anderen vorbei. Bei häufigerem Verkehr kann man Ausweichstellen mit vier Drähten anlegen: jedoch ist der zuerst eintrefsende Wagen, wenn der begegnende Verspätung hat, nicht zu warten gezwungen, da man ja immer noch das Ver­fahren mit dem Abziehen der Kontaktstange an- wenden kann: tvo in Städten der Oberleitungs­omnibus an Stelle des Denzinomnibus oder der Straßenbahn eingesetzt wird, also bei dichterem Verkehr, wird man natürlich vier Drähte ziehen.

In England und Frankreich gewinnt dieser Betrieb dauernd an Boden, und nun kommt der Oberleitungsomnibus von dort wieder zu uns. Es ist daher nicht unwichtig au betonen, daß er eine deutsche Erfindung ist, Oie nur während des Krieges und nach dem Kriege bei uns aus naheliegenden Gründen nicht so gefördert werden konnte, wie in den glücklicheren Ländern. Ratür- lich kann der Oberleitungsomnibus die Straßen­bahn nicht ersetzen, die allein den Massen- und Epitzenverkehr z. B. bei Arbeitsbeginn und -schluh bewältigen kann. Aber er kann in Dielen Fällen vorteilhaft sein, insbesondere wenn die Verhältnisse die Erneuerung oder Reuver- legung von Straßenbahnschienen bei zwar ver­hältnismäßig häufigem, aber nicht allzustarkem Verkehr nicht lohnend erscheinen lassen. Ins­besondere wird er auch als Vorläufer der Straßenbahn bei der Erschließung neuer Stadt­teile, namentlich in Vororten, angebracht sein, ebenso, wo wegen der Enge von Straßen oder aus anderen Gründen die Verlegung von Schie­nen untunlich oder ihre Beseitigung wünschens­wert erscheint. .

Ganz besonders wirtschastlich gestaltet sich der Verkehr da. wo außer dem Personenverkehr auch Güterverkehr eingerichtet werden kann. Man ver­wendet für den Güterverkehr Fahrzeuge vom Aussehen kleiner elektrischer Lokomotiven etwa wie die auf Fabrikanschlußgleisen. die ange- hängte Lastwagen aus der Landstraße ziehen. In Frankreich hat man diesen gemischten Ver­kehr in mustergültiger Weise durchgebildet.

Das Chrom als Deredelungs- metall.

Don Ingenieur Hans Coler.

Rachdruck verboten!

. Bei der steigenden Verwendung metallischer Gebrauchsgegenslände aller Art gewinnt die Oberflächenveredelung immer größere Bedeutung. Gilt es doch nicht nur. die Gegenstände selbst gegen Llnbrauchbarwerden oder Zerstörung durch Anfressungen zu schützen, sondern sie auch für das Auge dauernd ansehnlich zu erhalten.

Da sich die Herstellung von Gegenständen des täglichen Gebrauchs aus hochwertigen Me­tallen infolge des hohen Preises meistens von selbst verbietet, verwendet man als Grundstoff Metalle geringeren Wertes, die man in der Regel aus galvanischem Wege mit dünnen Schuhhäuten hochwertiger Metalle überzieht. Am häufigsten verwendete man bislang Zinn, Kupfer oder Rickel zu diesem Zwecke. Diese Metalle ha­ben aber den Rachteil, daß sie sich nicht gleich­mäßig für alle Zwecke als Schutzüberzug eignen, da sie infolge von Temperatureinflüssen, Ory- dationserscheinungen oder chemischen Angriffen zerfressen und dadurch unansehnlich werden. Selbst das am häufigsten angewendete Rickel unterliegt zerstörenden Einflüssen, denn es läuft bei höheren Temperaturen leicht an und ist auch ziemlich weich, daher wenig widerstandsfähig gegen mechanische Beschädigungen. Aus diesem Grunde führt sich das Chrom als Schutz- Überzug immer mehr ein. Chrom läuft erst bei Temperaturen von 800 Grad Celsius an, weshalb es sich außerordentlich gut für Scheinwerfer­spiegel, Automobilkühler usw., hir^ für alle Gegenstände eignet, die häufigem Temperatur­wechsel oder Temperaturen bis zu 700 Grad Celsius ausgesetzt sind. Es ist im allgemeinen säurebeständig. Lediglich Salzsäure und unter ge­wissen Voraussetzungen auch andere Chlorionen enthaltene Flüssigkeiten, beispielsweise Seewasser, greifen es an. Durch Fruchtsäuren, Essigsäure usw. wird das Chrom nicht angegriffen. Diese Eigen­schaft ist besonders für Speisegerätschaften wie Löffel, Gabeln usw. von Wichtigkeit. Den an­deren Veredelungsmetallen ist das Chrom na­mentlich auch durch seine außerordentliche Härte überlegen, die dem damit veredelten Metall eine große Widerstandsfähigkeit gegen

Der Ersatz der Straßenbahn durch Benzinomni« buffe, wie er z. B. in Wiesbaden vorgenommen worden ist, ist ein sehr gewagter Versuch, und es sprechen viele Anzeichen dafür, daß man dort froh wäre, wenn man die Straßenbahn wieder» hätte: nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch deshalb, weil man mit den Benzin- omnibussen den starken Sonntagsspihenverkehr an den Rhein überhaupt nicht bewältigen kann. Wan kann die- eben nur mit Straßenbahnen mit Anhängewagen. Der Ruf nach Entfernung der Straßenbahn aus den Straßen der Groh- und der Mittelstädte ist also verfrüht und zweifellos wirtschaftlich bedenklich. Vielleicht aber wird der Oberleitungsomnibus jetzt, wo man geeignete Luftreifen, Sechsradwagen mit Vierradantrieb und schöne, zweckmäßige und geräumige Wagen­aufbauten hat, in manchen Fällen den goldenen Mittelweg bieten, den man betreten kann; in allen freilich nicht. Immerhin wird auch Berlin in den Vororten demnächst Versuche mit Ober­

leitungsomnibussen machen, die auf erfolgver­sprechenderen Grundlagen beruhen als die frühe­ren zu einer Zeit, wo sie dem Stand der Technik vorauSeilten.

Der Vortragende schloß seine Ausführungen mit der zweifellos richtigen Schlußfolgerung, daß der Oberleitungsomnibus ebenso tote übrigens der Denzinomnibus und der Benzinkraftwagen überhaupt nur so lange lebensfähig sein werden, bis ein brauchbarer und wirtschaftlicher Elektri­zitätsspeicher erfunden fein wird: denn wenn dies der Fall fein wird, so braucht man weder eine Oberleitung noch den verwickelten Denzinmotor: Dann fährt man eben allgemein mit dem billigen und einfachen Elektromotor. Aber so weit sind wir leider noch nicht. Es kann daher häufig zweckmäßig fein, sich die Einfachheit und Dillig- keit des Elektromotors als Antriebsmittel schon jetzt dienstbar zu machen wenn auch vorläufig noch mit zwei Stromzuführungsdrähten.

Elektrisch gereinigte Röntgenbilder

Don Wilhelm Buchmann.

Die Röntgentechnik hat mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kämpfen. Fängt man ein Röntgenbild auf einem Leuchtschirm auf, das ist eine Fläche, die z. D. mit Baryuinplatinchanür bestrichen ist, so erscheint das Dild nur sehr lichtschwach. Dies hat seinen Grund in der ge­ringen Leuchtkraft der sogenannten fluoreszieren­den Stosse, die die kurzwelligen, unsichtbaren Röntgenstrahlen in langwellige, sichtbare Licht­strahlen umwandeln. Besser ist es schon mit

Einrichtung zur elektrischen Reinigung von Röntgenbildern.

photographischen Platten, die für die Röntgen­strahlen besonders empfindlich sind. Bei der Durchleuchtung dickerer Körper tritt aber eine sehr unerwünschte Erscheinung auf. Iedcr Punkt, der unmittelbar von Röntgenstrahlen getroffen wird, sendet eine neue Strahlung aus, die man als sekundäre zweite Röntgenstrahlung bezeichnet. Diese Strahlen fallen ebenfalls auf den Leuchtschirm oder die photographische Platte und verschleiern das Bild. Diesem Liebelstand suchte man bisher dadurch zu begegnen, daß man zwischen den Körper und die Platte ein aus hoch­kant stehenden Metallstreifen zusammengesetztes Gitter schob, das ähnlich aussieht wie die Ein­sätze einer Gierkiste. Dadurch werden wenigstens die seitlich auftreffenden Strahlen von der Platte ferngehalten.

Dor kurzem wurde nun eine Einrichtung be­kannt, die den Schwierigkeiten auf äußerst sinn­reiche Weise beizukommen sucht, und die zweifellos eine große Reihe von Vorteilen in sich schließt.

Die Einrichtung ist doppelt interessant, weil sie den sehr zeitgemäßen Fernsehern entlehnt ist. Der Grundgedanke ist der. nicht den ganzen Kör­per gleichzeitig zu durchleuchten, sondern ihn nur mit einem seinen Röntgenstrahl punktweise in einzelnen Linien abzutasten. Die Strahlen der Röntgenröhre R fallen zu diesem Zweck durch feine Ocffnungen O einer metallischen Scheibe S, die nach ihrem Erfinder RipkowscheScheibe genannt wird. Da die Ocffnungen auf einer Spirallinie liegen, tasten die einzelnen durch sie hindurchfallenden Strahlen bei einer Drehung der Scheibe durch einen Motor M den Gegen­stand nacheinander in einzelnen Zeilen ab. Hinter dem Gegenstand kann eine photographische Platte, oder bei genügend rascher Umdrehung auch ein Leuchtschirm aufgestellt werden. In diesem Fall muh sich die Scheibe aber so schnell drehen, daß das verhältnismäßig träge Auge das Bild als Ganzes wahmimmt. Don den lebenden Film­bildern wissen wir, daß hierzu etwa 16 Bild- Wechsel in der Sekunde notwendig sind. Da die meisten Leuchtschirme jedoch noch eine kurze Zeit nachleuchten, so wird man die Geschwindigkeit in diesem Falle geringer wählen können. Wenn auch bei einer solchen Anordnung die Ver­schleierung der Bilder zum größten Teil behoben wird, so ist jedoch für die Helligkeit noch nichts gewonnen.

Aus dieser Schwierigkeit führt ein bemerkens­werter Weg heraus. Die Röntgenstrahlen wer­den nicht in Fluoreszenzstrahlen sondern in elek­trische Ströme umgesetzt, die ihrerseits z. B. in einer Reonlampe in gewöhnliches Licht verwan­delt werden, oder durch ein Lichtschüh die Hellig­keit eines beliebigen Lichtstrahles beeinflussen. Zu diesem Zweck wird hinter dem zu durchleuchtenden Gegenstand an Stelle eines Leuchtschirmes oder einer Platte eine für Röntgenstrahlen besonders empfindliche Zelle Z angebracht, die der Photo­zelle eines Fernsehers entspricht. Das Merk­würdige öaran ist, daß sie aus einem Aluminium- kästchen besteht, das vorn mit einer dünnen Aluminiumplatte abgeschlossen ist. Aluminium läßt nämlich die Röntgenstrahlen fast ebenso leicht durch wie Glas das Licht. Die inneren Wände des Kästchens mit Ausnahme der Vorder- wand sind noch verbleit, damit die Röntgen­strahlen nicht weitergehen, sondern möglichst gut ausgenutzt werden. Wie bei einer Photozelle befindet sich isoliert im Innern die Anode, die aus einem dünnen Aluminiumblech besteht. Das Kästchen selbst dient als Anode. Das Ganze ist

mechanische Verletzungen verleiht. Gerade darin beruht aber die Dauerhaftigkeit des Schuhes, den es verleiht.

Betrachtet man einen vernickelten Gegenstand unter einem starken Vergrößerungsglas, so er­kennt man zahlreiche Schrammen und Kratzer, die vielfach die Schuhhaut völlig durchschneiden unö das Grundmetall sreilegen. An diesen Stellen setzt, dem unbewaffneten Auge zunächst nicht er­kennbar, eine Zerfressung des Metalls ein, z. D. beim Eisen ein Verrosten. Diese Zerstörungen setzen sich dann unter der Schuhdecke rund um die Einbruchsstelle herum fort, bis die Schuhhaut ab- zublättem beginnt, wenn sie nicht infolge Ver­schleißes überhaupt langsam verschwindet. Diese Uebelstände werden bei der Verchromung infolge der großen Härte des Chrommetalls vermieden. Es hat schließlich noch den Vorzug eines vorzüg­lichen Aussehens. Poliert hat es einen dem Pla­tin ähnlichen Glanz und ein hohes Rückstrah­lungsvermögen, matt hat es einen grauen Farb­ton von eigenartigem Reiz.

Die Schaffung eines wirksamen Verchro­mungsverfahrens war allerdings nicht ganz einfach und erforderte langwierige und ein­gehende Versuche. Bei diesen stellte es sich her­aus, daß neben der Zusammensetzung des Elek­trolyten die Temperaturen der Chrombäder von ausschlaggebender Bedeutung für die Güte des erzielten Chromüberzuges finb._ Aber auch Tem­peraturunterschiede zwischen Bädern und Verede­lungsgut bereiten unter Lim ständen Schwierig­keiten. ilm unter allen Llmständen fest hastende Chromüberzüge Herstellen zu können, versieht man das Veredelungsgut zunächst mit einer Rickelsch'.cht oder bei Ersen zunächst mit einer Kupfer- und dann mit einer Rickeihaut, um erst auf dieser die Chromschicht niederzuschlagen. End­lich war es noch nötig, die sich beim Derchro« mungsverfähren in den Bädern bildenden Gase abzusaugen, um Gesundheitsschädigungen des Personals zu verhüten. Trotz dieser vielfachen Maßnahmen bleibt der P r e i s der Verchromung in durchaus wirtschaftlichen Grenzen. Inwieweit durch eine geeignete Verchromung Gebrauchs­gegenstände vor dem Verrosten oder Zerfressen-- toerben geschützt werden können, zeigt ein sehr lehrreicher Versuch. Im Tropenraum der Firma Siemens & Halske wurden Schnurschuhspiralen, teils verchromt, teils unverchromt, längere Zeit aufbewahrt. Vor und während der Dersuchszeit wurden sie einige millionenmal hin- und herge­

bogen. Trotz der heißen, seuchtigkeitsgeschwän- gerten Luft dieses Raumes blieben die ver­chromten völlig blank, während die unverchrom- ten vollständig verrostet und teilweise zerstört waren. 3n Amerika geht man daher heute be­reits dazu über, große Crakkessel zu verchromen. Allerdings sind dazu Aufbauten erforderlich, die für unsere Verhältnisse kaum in Betracht kom­men können.

Roch ist es nicht gelungen, alle Metalle zu verchromen, insbesondere gelingt es bei den Leichtmetallen noch nicht. Der Stand der Ver­suchsarbeiten, die von einem unserer führenden Elektrokonzerne in Verbindung mit amerikani­schen Firmen durchgeführt werden, läßt aber hoffen, daß es auch bei diesen noch gelingen wird.

Zur Sonnenfinsternis am 28. April.

Don Professor Dr. Küstermann.

Ich weih nicht, ob es sich empfiehlt, Himmels­erscheinungen, wie z. B. Sonnenfinsternisse, als eine Art Denksportaufgaben zu betrachten. Aber diesmal ist die Versuchung dazu gar zu groß, und ich kann ihr nicht völlig widerstehen. Wie eine Sonnenfinsternis zustande kommt, nämlich dadurch, daß der Mond zwischen die Erde und die Sonne tritt, das haben wir natürlich alle in der Schule gelernt, und ich brauche den Leser damit nicht weiter aufzuhalten. Der Leser wird sich auch selbst sagen, daß eine vollständige Finsternis nur dann eintreten kann, wenn die Mondscheibe größer erscheint als die Gönnen» scheibe, oder doch mindestens genau ebensogroh, denn sonst kann sie diese natürlich nicht vollständig verdecken. Ist hingegen die Mondscheibe schein­bar kleiner als die Sonnenscheibe, so kann es zu einer ringförmigen Sonnenfinsternis kom­men. Run ändern sich natürlich die Größen der Sonne und des Mondes nicht wirllich die des Mondes überhaupt nicht, unö die der Sonne jedenfalls nicht einer im Verlauf eines Menschen­lebens irgendwie ins Gewicht fallenden Weise. Wenn sie also scheinbar verschieden groß sind, so kommt dies nur von ihrer wechselnden Ent­fernung. Run kommt für gewöhnlich die Aus­dehnung der Himmelskörper gegenüber ihren Ent­fernungen gar nicht in Betracht: denn der Mond ist etwa 30 Erddurchmesser von der Erde ent»

mit einem Edelgas oder mit besonderen Dämpfen ungefüllt, die die Wirksamkeit gegenüber der Luft etwa verzehnfachen. An die Elektroden wird nun eine hohe Spannung gelegt. Ie stärker dis Zelle von Röntgenstrahlen getroffen wird, desto größer wird der von der Kathode zur Anod« gehende Strom. Diese Ströme werden in einem Verstärker V mit Elektronenröhren soweit ver­stärkt, daß damit ein Lichtschüy gesteuert werden kann. Als solches dient beispielsweise eine be­kannte Kerrzelle K zwischen zwei Rikolschen Prismen N, die das Licht einer starken Lampe U entsprechend den Stromschwankungen mehr oder weniger durchlassen.

Diese Lichtschwankungen müssen nun wieder zu einem Bild zusamnrengesetzt werden. Don den zahlreichen zur Verfügung stehenden Mitteln. Die für die Bildzerlegung und Zusammensetzung beim Fernsehen entwickelt worden sind, kann man nun ebenfalls wieder eine Ripkowsche Scheibe benutzen, und zwar dieselbe Scheibe, die für die Zerlegung der Röntgenstrahlen dient. Dazu be­darf es allerdings eines Kunstgriffes. Die vor­handene Lochspirale läßt sich nicht verwenden, weil dann die Dildanfänge nicht zusammenfallen würden. Man muh daher eine zweite Lochspirale in der Scheibe anbringen, die entweder auf einem anderen Durchmesser liegt oder deren Ocffnungen durch Röntgenstrahlen undurchlässig sind, damit die Zerlegung durch die erste Loch- spirale nicht gestört wird. Diese Aufgabe scheint zunächst unlösbar, da doch die Röntgenstrahlen viel durchdringender sind als die Lichtstrahlen. Im Bleiglas hat man aber tatsächlich einen Stoss, der für Röntgenstrahlen fast undurchlässig ist, während das gewöhnliche Licht glatt hin­durchgehen kann. AuS solchem Bleiglas werden nun kleine Linsen B geschliffen, die auf einer spiralförmigen Linie in die Scheibe eingesetzt werden. Die Löcher der ersten Spirale werden mit Papier verklebt, damit das gewöhnliche Licht nicht hindurch kann. In genau der gleichen Weise wie das Bild auf der einen Seite der Scheibe zerlegt wird, wird es auf der anderen Seite wieder Zeile für Zeile zusammengesetzt und ent­weder auf einer Platte P oder einem Film fest geh alten, ober in großem Maßstab an die Wand W geworfen. Falls lebende Filmbilder auf genommen werden sollen, so kann man den Filmstreifen mit dem Antrieb der Lochscheibe kuppeln, so daß er nach jeder Llmdrehung der Scheibe um eine Bildbreite weitergeschaltet wird.

Die Dersuche mit der beschriebenen Anordnung, die zunächst nur mit einer groben Bildzerleguna arbeitete, sind so befriedigend ausgefallen, daß man sich zum Bau eines neuen, feineren Appa­rates entschlossen hat. Besonders bestechend daran ist, daß man die Lichtstärke ganz bedeutend er­höhen und die Bilder einem großen Zuschauer­kreis sichtbar machen kann. Die Kerrzelle hat aus diesem Grunde eine besondere Gestalt erhal­ten, die eine sehr große Lichtmenge durchlassen kann. An Stelle nur zweier Kondensatorplatten wie bei der bisherigen Ausführung ist ein Block» kondensator mit vielen Platten und daher vielen lichtdurchlässigen Zwischenräumen getreten. Wenn auch die Derwendung nur einer Lochscheibe zur gleichzeitigen Bildzerlegung und Zusammensetzung besondere Gleichlaufmittel überflüssig macht, so stehen doch der Benutzung getrennter oder an» beseitiget Dorrichtungen, wie z. B. Spiegel» trommeln, keine grundsätzlichen Schwierigkeiten im Wege. Beim heutigen Stande der Technik ist es sogar schon möglich, die Röntgenbilder unmittelbar in die Ferne zu senden und daS Herz eines Menschen über taufende von Kilo­meter schlagen zu sehen, und zwar klarer und deutlicher, als es bisher auf dem Leuchtschirm möglich ist!

Aber auch auf röntgentechnischem Gebiet bringt die Erfindung ganz erhebliche Fortschritte. So läßt die nachfolgende elektrische Derstärkung eine

fernt, die Sonne aber ungefähr 12 000. Diesen Entfernungen gegenüber machen geographische Entfernungen auf der Erde meistens nichts aus.

Diesmal aber will es der Zufall, daß die Sonne und die Mondscheibe fast genau gleich groß erscheinen, so daß in diesem Ausnahme­fall die Lage des Deobachti/ngspunktes auf der Erde sehr wohl in Betracht kommt. Run wan­dert der Mond von Westen nach Osten zwischen der Erde und der Sonne vorbei. Sein Schatten fällt also zuerst auf Punkte der Erde, die gerade Morgen haben, kommt bann beim Weiter- toanbem nach Osten in Mittagsgebiete unb ge­langt auf seiner weiteren Ostreise zu Leuten, bie getabe im Begriff sinb, Feierabenb zu machen. Wegen ber Kugelgestalt bet Erbe sind nun die Punkte, für bie bie Sonnenfinsternis zur Mit­tagszeit eintritt, der Sonne unb dem Mond am nächsten. Dort hat sich infolgedessen der näher gelegene Mond gegenüber ber entfernteren Sonne so stark vergrößert, bah es zu einer vollstän­digen Sonnenfinsternis kommt. Aber das trifft nur für ein recht kleines Gebiet etwa in der Rähe von San Francisco zu, während die Fin­sternis westlich davon im Stillen Ozean und öst­lich in Rordamerika und auf einem Streifen des nördlichen Atlanfischen Meeres ringförmig ift Don Europa werden nur Schottland und Irland die Sonne, und zwar schon während ihres -Unter­gänge«, noch teilweise verfinstert erblicken.

Aus der saft genauen Gleichheit ber Sonnen- unb Mondscheibe folgt auch, baß die Dauer der Finsternis nur sehr kurz sein kann: denn sobald sich ber schnell toanbernbe Mond auch nur ein wenig verschoben hat, ist bas Ende ber voll­ständigen ober ringförmigen Finsternis ba. Die DoIIftänbige Finsternis bauert im Höchstfälle etwa eineinhalb Sekunben, bie ringförmige überschrei­tet nur an wenigen Punkten bie Dauer einer halben Minute. Dies beeinträchfigt natürlich ben Wert ber Finsternis für bie Beobachtungen, bie gewöhnlich bei einer Dollftänbigen Finsternis angestellt werben: doch form bie Finsternis in anderer Beziehung sehr wertvoll sein: denn wenn sich die Sonne und ber Mond fast haarscharf decken, so gibt dies Ursache, ben QUonb in Seiten­ansicht unb demnach seine Gebirge besonbers fdjarf gegen ben Hellen Hintergrunb zu sehen, unb man kann hoffen, baß in biefer Hinsicht wertvolle Licht- bilbaufnahmen das Ergebnis dieser Sonnen­finsternis sein werden. Die Finsternis bietet auch eine willkommene Gelegenheit zur Rach- prüfung unserer Rechnungsunterlagen.