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Nr. 132 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Samstag, 7. Juni 1950

Gießen stimmt den Hekogaverträgen endgültig zu.

Eine Stadtratsmehrheit von Nicolaus bis Mann für das Vertragswert.

Dießen. 6.3uni 1930.

Der Diehcner Stodtrat hat sich in seiner heutigen Sitzung mit der für unser Ge­meinwesen besonders wichtigen Frage der G a s- sernversorgung abschließend beschäftigt. Nachdem sich das Haus am 24. Januar bereits grundsätzlich für den Vertragsabschluß mit der Hekoga ausgesprochen, damals aber gewisse Ab­änderungen an den Verträgen gefordert hatte, konnte es heute die abgeänderten Verträge nahezu einstimmig guthcihen. Erfreu­licherweise stimmte heute die sozialdemokratische Fraktion, die sich am 24. Januar der Mehrheit des Stadtrates wegen allzu starker Bedenken gegen die Verträge nicht anschloß, trotz weiter­hin bestehender Bedenken doch mit sür die Vor­lage der Stadtverwaltung, so daß die endgültige Entscheidung über das Vertragswert der Heloga mit einer Mehrheit von Nicolaus bis Mann getroffen wurde. Dieses breite Fundament für die Zustimmung unserer Stadt zu den Hekogaverträgen ist besonders zu be­grüßen, denn es kann schließlich für diese tief- einschneidende Umwälzung in unserer kommu­nalen Dersorgungswirtschast nicht gleichgültig sein, ob die Vertreter der Sozialdemokratischen Partei sich positiv, oder enthaltend entscheiden. Wir glauben, das; die sozialdemokratische Gtadt- ratssraktion, die ihren Standpunkt in einer for­mulierten Erklärung kennzeichnete, durch ihre Zustimmung unserer Stadt und der Aufgabe der künftigen Gasversorgung einen guten Dienst erwiesen hat. Nicht minder ist das Verdienst der beiden bürgerlichen Fraktionen, die ebenfalls trotz einiger noch bestehender Bedenken sich zu- fiunften des endgültigen Vertragsabschlusses aus- prachen. 3n der Geschichte unserer Stadt wird die heutige Sitzung infolge der großen Mehr­heitsentscheidung in der Gassrage sicherlich als ein wertvoller Aktivposten verzeichnet werden.

Neben dieser überragenden Angelegenheit tra­ten die übrigen Tagesordnungspunkte vollkom­men in ben Hintergrund, und ihre Erledigung ging denn auch rasch und glatt vor sich.

Sitzungsbericht.

Anwesend Oberbürgermeister Dr. Keller, Bürgermeister Dr. Seid, die Beigeordneten Dr. Hamm, Iustizrat Dr. Rosenberg und Kom­merzienrat K l i n g s p o r. sowie 37 Stadtrats­mitglieder.

Der Zuhörerraum ist stark beseht, meist von Erwerbslosen, während eine weitere Menschen­menge vor dem Tor des Stadthausgrundstücks in der Bergstraße Ausstellung genommen hat. Eine Anzahl Polizeibeamte ist zur Sicherung der Ordnung anwesend.

Oberbürgermeister Dr. Keller teilt zu Be­ginn der Sitzung mit, daß er in Zukunft An­sammlungen vor dem Stadthaus nicht mehrdulden werde, einerlei, ob eS sich um Erwerbslose oder um andere Personen han­dele.

Oie Steueraussch agsatze für 1929.

Zunächst werden die Steuerausschlagsätze für das Rj. 1929, gemäß einem Antrag der Stadtver- iüaltung wie folgt festgesetzt:

I Grund st euer: 1. für Gebäude nebst Zu­behör. sowie für Bauplätze 25 Pf. je 100 Mk. Steuerwert: 2. für land- und forstwirtschaftlich oder gärtnerisch gen. Grundstücke nebst Zu-

Konstanze.

Vornan von Karl Heinz Voigt.

Urheber Rechtsschutz Verlag Oskar Meister. Werdau 31 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Wie kommst du denn hierher nach München, alter Junge?" fragte Peter und hakte seinen Bekannten sogleich unter.

Geschäfte. Geschäfte, mein Liebster", erklärte der andere.Ich bin gestern hier angekommen und werde bis übermorgen bleiben.

Laß sehen!" rief Peter und blieb mitten auf der Straße stehen und betrachtete den Freund von oben bis unten.Ganz der alte, offenbar!"

Du hast doch den Abend frei, wie?" fragte Otto Avus.Nun, also! Wir werden zusammen den Abend verbringen, wie? Ich habe mich mit einigen Geschäftsfreunden nach Hotel Kanzler verabredet. Du bist heute natürlich mein Gast. Wir sind ganz unter uns. Nur Herren! Milly habe ich heute zu Haufe gelassen."

Bist du denn verheiratet?"

Nein, wieso denn?"

Ich dachte nur ...

Ach so ..." Er lachte unbändig, schließlich fragte er:Wie lange haben wir uns eigentlich nicht gesehen? Warte einmal. So sechs Iahre wohl, wie?"

Er übergoß Peter mit einem Strom von Er­zählungen und Fragen. Er drängte ihn förmlich zu dem Autodroschkenhalteplatz und sie bestiegen einen Wagen.

Pcter wäre viel lieber ruhig nach Hause ge­gangen, aber er konnte nicht unhöflich erscheinen und so mußte er schon die Einladung Ottos, sein Gast zu sein, annehmen.

Die Geschäftsfreunde waren bereits vollzählig versammelt. Was waren das für Menschen hier!

Behäbige Geldkönige. Leute, die nur das Leben öon der Seite des Reichtumerraffens anfahen. Peter suhlte sich hier nicht wohl. Die Gespräche drehten sich um Geschäfte und Spekulationen, wovon der Künstler nichts verstand.

Nach dem Essen wurde ein Spielchen o®r- geschlagen. Aus irgendeiner Ecke erklang das WortSpiel" und Peter erschauerte bei dem Klange. Augenblicklich sah er im Geiste glan­zende Räume vor sich. Karten lagen wie große Echilfblätter :n einem grünen See. Er schloß die Augen.

Die Anregung zum Spiel wurde mit Freude begrüßt. Ein würgendes Gefühl drückte auf Peters Gurgel. Run muhte er gehen! Er würde diesem Gespenst, das seine schleimigen Polypenarme gierig nach ihm auszustrecken drohte, entgehen. Haha! Er würde Hut und Mantel nehmen und sich verabschieden. Er wollte

behör sowie Bergwerkseigentum 35 Ps. je 100 Mark Steuerwert.

II. Gewerbesteuer: 1. deS Gewerbekapi­tals 55 Pf. je 100 Mk. Steuerwert: 2 des Ge- werbeertrags 220 Pf. je 100 Mk. Steuerwert.

III. Sondergebäude st euer: Don den zu erhebenden staatlichen Steuersätzen: 1. für be­bauten Grundbesitz mit einem Friedenswert von über 7000 Mk. 47,93 v. H. einschl. Kreisanteil aus 160,65 Pf.: 2. für bebauten Grundbesitz mit einem Friedenswert von nicht mehr als 7000 Mk. = 54,90 v. H. einschl. Kreisanteil aus 127,50 Pf.

Die für daS Rj. 1929 bereits entrichteten vor­läufigen Steuerbeträge find auf die endgültig festgesetzten Steuern aufzurechnen.

Oie Gasfernversorgung.

Die Stadtverwaltung beantragt folgende Be- fchlußfasfung:

Dem DertragSwerk der Hekoga mit Ruhr- und Saar-Gas AG. wird zugestimmt.

Beigeordneter Dr. Hamm begründet den Ver­waltungsantrag und weist darauf hin, daß der Stadtrat am 24. Ianuar 1930 den Hekoga-Der- trägen bereits grundsätzlich zugestimmt, aber an verschiedenen Teilen des Dertragswerkes mit der Ruhr noch Verbesserungen gefordert habe. Diese Verbesserungen seien durch erneute Ver­handlungen der Hekoga mit der Ruhr inzwischen in allen wichtigen Punkten nach dem Verlangen des Stadtrates erreicht worden, so daß man heute dem Dertragswerk endgültig zustimmen föm*. Der Redner erläutert eingehend die Ver­besserungen im einzelnen, wobei sich ergibt, daß unsere Stadt nach den jetzt vorliegenden revi­dierten Verträgen wesentlich günstiger dasteht, als nach den früheren Vertragsentwürfen der Hekoga.

Stadtratsmitglied Mann (Soz.) verliest im Namen der fozialdemokratifchen Stadtratösrak- tion folgende Erklärung:Die sozialdemo- kratifche Fraktion stellt fest, daß durch ihren Widerspruch gegen die alten Ruhrgasverträge im nunmehr vorliegenden Dertragswerk wesent­liche Derbesserungen erreicht sind. Sie bedauert, daß eine gemeinsame Derhandlungsbasis zwi­schen Süwega und Hekoga nicht erzielt wurde. Zweifellos wäre dadurch die Kraft gegenüber der Ruhrgas AG. erhöht und damit den kommu­nalen Interessen gedient worden. Auch dem Übrigen Dertragswerk stehen noch ernste Be­denken entgegen. ES dürfte aber für die Inter­essen der Stadt Gießen von keiner anderen Seite ein günstigeres Angebot zu erzielen sein. Aus diesem Grunde wird die sozialdemokratische Frak­tion trotz schwersten Bedenken dem vorliegenden Dertragswerk ihre Zustimmung geben." Herr Mann fügt dieser Erklärung eine Begrün­dung an, in der er betont, daß seine Fraktion nicht freudigen Herzens f ü t diese Verträge stimme. Nachdem er sich über diese Bedenken näher ausgesprochen und dabei Teile des Ver- tragswerkes erörtert hat, erklärt er zum Schluß, seine Fraktion glaube den Interessen unserer Stadt zu dienen, wenn sie trotz ihrer Bedenken dem Vertragswerk zustimme.

Beigeordneter Dr.' Hamm geht auf einige Ausführungen des Vorredners ein und hebt her­vor, daß der Widerstand des Stadtrates gegen die früheren Vertragsentwürfe wesentlich zu der

etwas Diesbezügliches zu Otto Avus sagen und verwunderte sich selbst, daß er schwieg.

Der Freund schob seinen Arm unter Peters Arm und zog ihn mit sich.

..Da ist das Spielzimmer! Du bist doch mit von der Partie?"

»Nein", beeilte sich Peter zu entgegnen. »Du wirst mir nicht böse sein, wenn ich mich jetzt verabschiede." Er blickte Otto Avus nicht an, weil er sich unerklärlicherweise schämte. Der andere ließ Peters Einwände gar nicht gelten. Er lachte schallend auf und schon standen sie im Nebenzimmer an einem runden, grünbezogenen Tisch, um den sich die anderen Herren bereits niedergelassen hatten.

Es ist mein Ernst, Otto", beharrte Peter. Ich möchte dich jetzt Dctlaffen.

Des anderen Gesicht nahm einen enttäuschten Ausdruck an. Er drohte scherzhaft mit dem Finger.

Hast du ein kleines Abenteuer vor!?"

Nein, nein! Es ist mein Prinzip."

»Oh, du hast dich in der Tat geändert. Du warst doch früher immer einer der ersten, wenn es hieß: Karten her! Wir spielen nur um ganz kleine Einsätze, ßicbftcr. Du wirst mich doch nicht kränken wollen? Wir kommen so jung nicht wieder zusammen."

Es tut mir leid, daß du mich nicht verstehen willst."

Wir spielen nur ein kleines Stündchen. Ich glaube, die Herren sind heute alle etwas un­lustig. Also nur zum Zeitvertreib. Das Spiel geht um geringe Einsätze."

Peter empfand das aufdringliche Quälen feines Freundes geradezu als taktlos. Plötzlich war ihm dieser genießerische Geschäftsmann aufs höchste zuwider. Deshalb klang es nicht eben höflich, als Peter entgegnete:

Unb wenn um gar feinen Einsatz gespielt wird! Ich tue nicht mit.

»Nun also, dann leiste uns wenigstens Gesell­schaft", nötigte der andere aufs neue. »Das Zu­sehen wird deiner Moral nichts schaden ober erstreckt sich vielleicht auch hierauf bein Prinzip?"

Diese Frage klang fast ironisch unb Peter ver­droß sie maßlos. Sie trug burchaus nicht bazu bei, bie Sympathien für seinen früheren Schul- fameraben zu stärken.

»Nun gut", sagte Peter gegen seinen Willen fast allzu mürrisch unb blickte stumm unb mit finsteren Mienen auf bas bekannte Treiben am Spieltisch.

Otto Avus hatte sich neben einem seiner Ge­schäftsfreunde niedergelassen und übernahm als erster die Dank. Er mischte die Karten und teilte sie aus. Man spielte um geringe Wardeinsätze. Zuerst schlich das Spiel langsam dahin. Plötz­lich bekam bet Nebenmann von Avus, ein älte­rer Agent, alle Chancen in die Hand. Die

Verbesserung des Dertragswerkes beigetragen habe.

Stabtralsmitglied Horn (Arbeitsgemeinschast der Wittes begrüßt im Namen der Arbeitsge­meinschaft das jetzt vorliegende Dertragswerk, nachdem die Beanstandungen gegen die früheren Vertragsentwürfe beseitigt sind. Wenn auch die Wünsche des Stadtrates nicht restlos befriedigt feien, so könne man doch ben jetzigen Verträgen mit gutem Gewissen zustimmen, da unsere Stadt an dem Zustandekommen der Gasfernversorgung ein besonderes Interesse habe unb außerdem durch die Schaffung dieser Anlagen auch Ar­beitsgelegenheit geschaffen werde. Seine Frak­tion werde den Verträgen zustimmen.

Stadtratsmitglied K u r z iWirtsch Vgg.i äußert seine Befriedigung darüber, daß auch die fozial- demokratifche Fraktion ihre Bedenken soweit habe überwinden können, um den Verträgen zuzu- stimmen. Nicht bie sozialdemokratische Fraktion allein, sondern auch die Aufsichtsratsmitglieder der Hekoga hatten an der Verbesserung der Ver­träge mitgewirkt. Wan könne die jetzt vorliegen­den Verträge gutheihen, seine Fraktion werde dafür stimmen.

Bei der Abstimmung wird dem DertragS- werk mit allen Stimmen gegen die Stimmen der zwei Kommunisten und deS National­sozialisten zugestimmt.

Vergebung von Arbeiten unl> Weferlingen.

Die Weißbinderarbeiten an den Woh­nungsbauten in der Schwarzlach wer­den nach dem Antrag des Bauausschusses an eine Reihe von Firmen vergeben i Gesamtpreis für fünf Arbeitsteile 22 587,40 Mk.), ebenso die Echreinerarbciten im Gesamtbeträge von 12098,70 Mark, bie Schlosserarbeiten im Gesamtbeträge von 4302,10 Mk.

Der Lieferung ber Möbel für ben An­bau der Gewerbeschule durch vier Fir­men wirb zugestimmt. Gesamtpreis 8458 Mk.

Der Einbau einer Druckluftanlage im stäbtifchen Dolksbab wird der Firma H. Schasfstaebt in Gießen zum Preise von 6000 Mark übertragen.

Die Pflaster- unb Chauffierarbeiten für den Ausbau der Straße Am Riegelpsad werden ber Firma Gebr. Pausch, Gießen, zu ihrem Angebotspreis von 3420 Mk. in Auftrag gegeben.

Die Liebertragung ber Arbeiten zur Ver­größerung bcs Wagenparkplahes auf bem Viehmarktplah am Güterbahnhof an die Firma Ernst Wagner in Gießen zum Preise von 3954,32 Mark wird nachträglich genehmigt.

Die Lieferung der bei der Errichtung des neuen Wafserhochbehälters benötigten Armaturen wird ber Firma Bopp & Reuther, Mannheim zum Gesamtpreis von 7451,50 Mark übertragen, unter der Bedingung, daß die Arma­turen innerhalb sechs Wochen nach Auftkags- erteilung zu liefern sind.

Die Lieferung der zum Wasserhochbe- h ä 11 c r erforderlichen Formstücke wird den Bu- derus'schen Eisenwerken in Wetzlar zum Gesamt- Preis von 3450. Mark und die Lieferung der nötigen Gußrohre dem Gußrohrverband in Köln -um Gesamtpreis von 5605,80 Mark übertragen.

Kreditbewilligungen.

Der im Voranschlag 1929 für die tierärzt­liche LIeberwachung ber Diehmärkte

Karten, die er batte, waren derart, daß selbst der zuschauenbe Peter einen Ruf ber Verwunde­rung ausstieß.

Jetzt schien Interesse in die Spielenden zu fommen. Die Karten wurden rascher aufgebedt. Das Gelb wanderte von einem zum anderem Es waren nur Markstücke, um bie man spielte. Aber es war immerhin Gelb.

Kneife bie Augen ganz fest zusammen, Peter, bamit bu bie flatternden Karten nicht siehst! Halte bir bie Ohren zu, bamit bu ihr Fallen auf ben grünen Tisch nicht hörst! Beiße dir in die Faust! Beiße fest hinein in das Fleisch, daß es schmerzt, damit du es nicht denen da drüben inö Gesicht brüllst: »Laßt mich mittunl Ich gehöre zu euch! Ich bin einer wie ihr. ein Spieler, ein Spieler, ein Spieler!"

Nichts von dem tat Peter. Er stand da mit etwas vorgeneigtem Körper und schaute auf das Spiel. Er sah die Karten in dem grünen See. Sah die blanken Markstücke wie Wasserblasen am Aande dieses Sees. Er sah noch mehr. Er sah, wie das Geld umherlief, bei diesem verweilte, sich bei jenem nur ganz kurze Zeit aufhielt.

Otto Avus hatte die Bank abgegeben. Nun war ein großer schlanker Mann, ber ihm vor­hin als ein gewisser Ottokar Hargk, Börsen­spekulant, vorgestellt worden war, an ber Reihe.

An ber Art, wie er bie Karten behanbelte, erkannte Peter in ihm sofort den gewerbsmäßigen Spieler. Sein Gesicht war das eines Raub­vogels. Die Augen waren glühend auf die Karten gerichtet, die er dennoch mit einer ge­wissen Geringschätzung betrachtete. Peter be­merkte,^ daß er das Spiel um diese geringen Ein­sätze für lächerlich und unwürdig hielt. Er gab mit hochmütigem, etwas nachlässigem Ausdruck im Gesicht die Karten.

Das Spiel lief. Das Geld setzte sich in Bewe­gung. Der Bankhalter, der gewöhnlich bie größ­ten Chancen in seinen Händen hat, verlor dies­mal unausgesetzt.

Die Mienen des Hageren blieben starr, un­beweglich. Diesmal bezeigte das Geld Avus seine Gunst. Es lief zu ihm. erst langsam unb einzeln bann kam es gerannt Der Kaufmann gewann unb gewann.

Peter war so in den Anblick des Spieles ver­tieft, daß er gar nicht hörte, als der Kellner, der durch den Raum kam und sah, daß er unbeteiligt war, ihn fragte, ob er etwas zu trinken wünsche. Als Peter nicht antwortete, zog sich der Befrackte mit beleidigten Mienen zurück.

Peter fühlte nicht, wie feine Hände zitterten. Er hatte das Dedürinis, sich eine Zigarette an- zustecken, aber er hätte dadurch den Blick von dem Tisch wenden müssen und so unterließ er es. Es war kein Zweifel, Peter stand unter dem Banne des Spiels. Er schob die Hände in die Taschen unb ballte sie zu Fäusten.

oorgefebene Kredit wirb um 450 Wk. erweitert.

Für die Ausführung von Reparaturen an ber Motor st raßenwalze wird der im Vor­anschlag 1929 vorgesehene Kredit um 1000 Wk. erweitert.

Zur Vornahme notwendiger Ausbaggerungen im Volksschulbad in ber Lahn wirb ein Betrag von 400 Mk. bewilligt.

Für ben Ginbau von acht Wohnungen in die B e h e l s s s ch u l b a u t e n in der Robheimer Straße wird ein Betrag von 13 000 Wk. bewilligt.

Für bie Schassung einer Ucbertrage­gelegenbeit an bem Wehr bei der Möserschen Mühle unb für bie Beseitigung von Holzpfählen im Wasser ober- und unterhalb der Lahnbrücke wird ein Betrag von 600 Wk. zur Verfügung gestellt.

Die GaS - unb Wasserleitung in der Liebig st raße zwischen Ludwig- und Gbel- straße wird verstärkt und die Kosten mit 3500 bzw. 2750 Mk. bewilligt.

Für bie Herstellung einer befestigten Zu­fahrt zu bem Wohnhof ber Bauten ber Baugenossenschaft 1 894 am Aul­weg wird ein Betrag von 1000 Mark zur Ver­fügung gestellt.

Zur Beschaffung einer Alarm vorrich- tung für ben Flugplatz wirb ein Betrag von 270 Mark bewilligt.

Für bie verbilligte unb kostenlose Abgabe von Mülleimern an bie minberbemit- teltc Bevölkerung wirb ein Betrag von 3000 Mark vorgesehen.

Für ben Einbau von sechs Kleinwoh­nungen in das Gebäude R e u st a b t 6 1 , wel­ches seither als MädchensortbilbungSschule ver­wandt wurde, wird ein Betrag von 6000 Mark bewilligt.

Für die Instandsetzung ber sür bie Kausm. Berufsschule unb die öffentliche Han - delslehranstalt in dem stäbtifchen Anwe­sen Liebigstraße 16 vorgesehenen Räume wirb ein Kredit von 3600 Mark zur Verfügung ge­stellt. Die Industrie- unb Handelskammer hat von bem auf bie Herstellung ber an sie vermieteten Räume entfallenben Betrag von 1800 Mk. einen Zuschuß in Hohe von zwei Fünftel, also 720 Mark, zu leisten.

Zur Herstellung eines Derbindungskabels zu den beiden Transformatoren st atio- nen in Krofdorf-Gleiberg wird ein Kredit von rund 9500 Wk. zur Verfügung ge­stellt. Die Vergebung der Arbeiten und Liefe­rungen hat an ben Winbestfordernden zu er­folgen. Die für bie Verlegung erforderlichen Arbeiten werden der Firma Gebr. Verlach, Krof­dorf, übertragen.

Neue stcucrlöjchordnttng.

Der vorliegenden neuen Feuerlöschordnung für die Stadt Gießen an Stelle der vor 38 Iahren erlassenen Ordnung wird zugestimmt. Mit bem Tage des Inkrafttretens biefer Feuerlöfchorb- nung wird die Ortsfeuerloschorbnung vom 12. Iuni 1892 aufgehoben.

(Sieben und her Hess. Bcrkchrsvcrband.

Die Stadt Gießen erwirbt die Mitgliedschaft beim hessischen Verkehrsverband in Darmstadt mit einem Jahresbeitrag von 100 Wk.

Schließlich gelangte das Spiel zum Ende. Ein anderer nahm ben Platz bes Bankhalters ein.

Peter sagte etwas Er wußte nicht, was es gewesen war. Er fühlte unwirklich, baß feine Beine Bewegung taten unb baß er vorwärts schritt. Plötzlich sand er sich neben Otto Avus am Spieltisch sitzenb wieber.

Das ist vernünftig, alter (Junge! Du woll­test bich wohl erst überzeugen, ob reell gespielt wird, wie? Run, du wirst gesehen haben, daß alles in bester Ordnung vor sich geht, wie?", hörte er den Freund sagen.

Peter legte mechanisch einige Markstücke vor sich auf den Tisch und setzte. Er gewann. Er staunte über seine günstigen Karten. Die grüne Tischplatte vor ihm verwandelte sich sehr bald in ein silbernes Feld. Mark reihte sich an Mark. Er gewann dauernd. Ihm schwindelte. Hier war eine offensichtliche Glücksserie. Diese Chancen mußte er ausnuyen! Er bekam unerhört gute Karten in die Hand. Ein wahrer Taumel ergriff ihn.Wenn ich jetzt verliere, höre ich auf", dachte er. Aber er verlor nicht, er gewann mehr.

Die Zeit eilte dahin. Immer wieder wurde die Bank gewechselt. Als bie Reihe an Peter kam, blieb ihm das Geld auch jetzt treu.

Einmal überflog er die Gesichter ber Spieler mit ben Blicken. Keine Bewegung las er in ihnen. Allmählich aber fing man an, über Peters Gewinnserie zu staunen. Man schüttelte bie Köpfe. Peter kam sein bauernbes Gewin­nen selbst beinahe unheimlich vor. Er wußte auS feiner Spielerpraxis, daß sich diese Serie fort- fetzen und ihm unerhörte Gelder einbringen tonnte.

Beim nächsten Bankwechsel debattierte man über Peters Karten. Verschiedene Meinungen schwirrten hin und her.

Spielen Sie nach irgendeinem System? Haben Sie irgendwelche Grundsätze?" fragte ber große Hagere mit ben Raubvogelaugen unb sah Peter burchbringend an.

Der Gefragte schüttelte den Kops:Mein ein­ziger Grunbsatz war, nicht mehr spielen zu wol­len", lächelte Peter mit schiefem Munbe. Seine Stimme klang krächzenb. Er schob das Ge­wonnene in bie Tasche. Das Geld klirrte mit lockendem Ton. Da empfand er plötzlich etwas wie Verlegenheit. Seine Gestalt, die während des Spieles zusammengesunken war, straffte sich und er erhob sich.

Eie gestatten, meine Herren, daß ich mich zurückziehe. Sie werden verstehen, daß es mir in ihrem Interesse unangenehm fein muß, bei ben offensichtlichen Gewinnchancen, bie ich in ihrem Kreise habe, weiterzuspielen. Ich möchte nicht ben Eindruck erwecken, bief« Gewinnserie auszunützen.

(Fortsetzung folgt.]