Wirtschaft.
* Ermäßigung des Privatdiskonte s. Der Prioatdiskont wurde für beide Sichten um je z d. $). auf 5| o. H. ermäßigt.
* Distontermußiguag in Veuyork. Die Veuyor'er Bundesreservebank hat ihren Diskontsatz von 41/2 Proz. um 1,'2 Proz. aus 4 Proz. herabgesetzt. Der Diskontsatz von 41Z2 Prozent war seit dem 15. November 1929 in Geltung.
* Ermäßigung des Londoner Bank« diskontes. Die Bank von England hat gestern den Wechseldiskont von 5 aus 4XA v. H. herabgesetzt.
* Kein Moratorium der Türkei. Die Berliner türkische Botschaft erklärt, daß an den Meldungen über ein von der türkischen Regierung geplantes Moratorium kein wahres Wort sei.
* Zahlungsein st ellung eines 0 ’ nauer Bankhauses. Das Bankhaus Bacharach in Hanau hat größere Verluste erlitten und infolgedessen seine Zahlungen eingestellt. Die Gläubiger sind für nächsten Montag zu einer Versammlung einberufen worden. In einem Rundschreiben teilt das Bankgeschäft mit, daß man bemüht sei, die Gläubiger voll zu befriedigen.
• Der Großhandelsindex tm M o - n a t s d u r ch s ch n i t t Januar. Die für den Monatsdurchschnitt 3anuar berechnete Groh- handelsindexziffcr des Statistischen Reichsamts ist von 134,3 im Vormonat auf 132,3, oder um 1.5 Prozent gesunken. Die Indexziffern für die Hauptgruppen stellten sich für Agrarstoffe auf 1218 (Dezember 126,2), für industrielle Roh- stosse und Halbwaren auf 128.3 (129,3). und für industrielle Fertigwaren auf 156,0 (156,2).
* Zur Zahlungseinstellung der Raab-Katzenstein Flugzeugwerke. Wie dem WTB.-Handelsdienst von der Verwaltung der Raab-Katzenstein Flugzeugwerke G. m. b H. in Kassel mitgeteilt wird, trifft es nicht zu, daß die Gesellschaft bei dem Zusammenbruch des Bankhauses Schirmer in Kassel eine größere Summe eingebüht habe, vielmehr hatte die Gesellschaft von dem Bankhaus einen größeren Kredit in Anspruch genommen, der infolge des Zusammenbruches des Bankhauses abgedeckt werden mußte und so die Gesellschaft in Schwierigkeiten brachte. Der Betrieb des Werks soll unverändert aufrechterhalten werden; auch die Flug- schule soll bestehen bleiben.
* Zahlungsein st ellung der Golo- S chuh s abr ik A. G., Frankfurt a. M. Infolge dec schlechten Konjunktur und größerer Verluste in einzelnen Abteilungen der Fabrik har die Go'o-Schuhsabrik A.-G., Frankfurt a. M. sich genötigt gesehen, ihre Zahlungen einzustellen und Antrag aus Eröffnung des Vergleichsverfahrens zu stellen. Für das Geschäftsjahr 1928 hatte die Gesellschaft noch aus 120199 Mark Reingewinn 6 Proz. Dividende auf 1,35 Mill. Mark Aktienkapital ousgeschüttet. Die Passiven werden auf insgesamt zirka 4 Mill. Mark geschäht, wovon etwa 2 Mill. Marck bevorrechtigt sind. Demgegenüber dürfte der Hauserbefitz der Gesellschaft das wertvollste Alt.vum sein. Ein genauer Äeberblick wird in etwa acht Tagen, nachdem die RevisionZgesellschaft ihre Arbeiten beendet hat, möglich sein.
* Export st eigerung in Solinger Stahlwaren. Die Ausfuhr in den sog. Solinger Artikeln, also in feinen Schneidwaren, vermochte sich 1929 gegenüber den Vorjahren weiter zu steigern. Sie belief sich auf 8150 Tonnen im Werte von 75,4 Millionen Mark gegen 7300 Tonnen im Werte von 70,1 Mill. Mark im Iahre 1923. 3m Vergleich zur Vorkriegszeit ist mehr als eine Verdoppelung der Ausfuhrmenge zu verzeichnen. Die hauptsächlichsten Be?-ugsländer waren im vergangenen Iahre: England 735 (1923: 615) Tonnen, Bri» tisch-Indien 629 (543) Tonnen, Viederländtzch- 3ndien 526 (500) Tonnen, Brasilien 457 (380) Tonnen, 11. <5. QI. 436 (378) Tonnen, Argen- tinien 406 (357) Tonnen. Holland 354 (322) Tonnen. 3talien 269 (278) Tonnen, Belgien 192 (141) Tonnen, Britisch-Südasrika 185 (166) Tonnen. Oesterreich 179 (178) Tonnen, Spanien 169 (172) Tonnen usw.
Frankfurter Börse.
Frankfurt a.M., 7.Febr. Tendenz: unein» Zeitlich. — Die Börse war gegenüber den letzten Tagen nur wenig verändert. Die Grundstimmung war wohl etwas fester, do, nachdem nun auch die Neuyorker Reserve Bank ihren Diskontsatz auf 4 v. H. ermäßigt hat, die Geldverflüssigung keine weiteren Fortschritte mehr machen kann, blieb der
Geldmarkt nunmehr ohne Anregung und das Geschäft erfuhr keine Belebung. Das Publikum fehlre immer noch, auch war von einer Beteiligung des Auslandes kaum etwas zu bemerken. Die Kulisse war daraufhin fehr zurückhaltend und schritt nur in Einzelfällen zu Deckungen. Der bessere Stand der Favagoerhandlungen, bei dem wahrscheinlich ein Konkurs vermieden werden kann, konnte ebenfalls keinen Eindruck machen. Zur Lustlosigkeit und Zurückhaltung trugen vor allem die schwachen Auslandbörsen bei. 9n Paris liegt schon seit Tagen das Geschäft erheblich schwacher. Jungst herrschte daselbst sogar eine ausgesprochene Baisse- stimmung. Diese Tatsache machte auf den deutschen Markt einen nachteiligen Eindruck. Gegenüber der gestrigen Abendbörse war die Kursgestaltung nicht einheitlich. Am Elektromarkt waren Siemens 2,25 v. 5). fester, nachdem dieses Papier an der gestrigen Abendbörse gedrückt lag. Schuckert waren behauptet. Licht und Kraft verloren 1 v. H., Chadea'tien mußten sogar 3 Mark nachgeben, aber AEG. konnten hierfür wieder 1,25 v. H. gewinnen. Deutsche Erdöl büßten 1 v. H. ein. Montanaktien hatten heute eine uneinheitliche Entwicklung. Buderus, Gelsenkirchen und Harpener gaben bis zu 1,25 v. H. nach. Klöck- nerwerke, Mannesmann und Rheinstahl vermochten dagegen etwas Interesse auf sich zu lenken, bei Besserungen bis zu 15 v. H. Am Bankenmarkt war die Entwicklung nicht einheitlich. Reichsbank konnten bei einigen Rückkäufen 1,5 v. H. gewinnen. Barmer Bank leicht gebessert. Renten still. Deutsche Anleihen behauptet. Schutzgebiete lagen etwas schwächer. Türken dagegen trotz des Dementis, daß die türkische Regierung um ein Moratorium nachsuchen werde, weiter etwas nachgebend. Im Verlaufe war die Stimmung nicht unfreundlich, ohne daß nennenswerte Umsätze zustande kamen, doch besserte sich das Kursniveau bis zu 1 v. H. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6 5 v. H. leichter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1840, gegen Pfund 20,370 gegen Paris 124.06. London gegen Kabel 4 8660, gegen Mailand 92 97, gegen Madrid 37 42, gegen Schweiz 25,2025, gegen Holland 12,1225.
Berliner Börse.
Berlin, 7. Febr. Für die heutige Börse lagen einige günstige und einige ungünstige Momente vor, und es war im heutigen Dormittagsverkehr noch nicht zu erkennen, welche Seite die Oberhand bekommen werde. Da aber das Geschäft so gut wie ganz aufgehört hatte und die Kundenorders nach wie vor ausblieben, lag es an der Spekulation, sich zu entscheiden. Einerseits hakten d.e leichten i ternationalen Geldsähe (Qleu- york hatte seinen Diskontsatz gestern auf 4 Prozent ermäßigt), die Dementis hinsichtlich angeblicher Schwierigkeiten in der Provinz, d'.e besseren Aussichten in der Angelegenheit der Frankfurter QUlgemeinen Bersicherungs-A.-G. usw. anregen müssen, anderseits wirkten aber die wenig günstige allgemeine Wirtschaftslage, in der 3n- dustrie angestellte Tarifverhandlungen und vor allem die kommenden Etatsverhandlungen geschäftshemmend, und die Kurse bröckelten, hauptsächlich aber wohl durch die herrschende Ce- schäftsstille veranlaßt, zu den ersten Kursen der heutigen Börse um 1 b is 2 Prozent iin Durchschnitt ab. Stärker gedrückt lagen Chadeaktien mit minus 4,50 Mk-, Aku 4,5 Prozent, Schubert & Salzer mit minus 3,5 Prozent, und die Montanwerte, die bis 2,5 Prozent verloren. Kanada-Zertifikate erschienen mit Minus- Minuszeichen. Bemerkenswert fest eröffneten Bayerische Motorenwerke mit plus 1,75 Prozent, und ' Polyphon mit plus 2 Prozent. Lebhafter ging es heute wieder am Rentenmarkt zu, an dem von deutschen Anleihen Qlltbesih eher fester eröffneten, Reubesih konnten sich dagegen gut behaupten. Don Ausländern setzten österreichische und ungarische Renten ihre Aufwärtsbewegung in verstärktem Maße fort. (Man svrach von Prager Käufen.) Dagegen konnten Türken trotz des Dementis Abschwächungen nicht verhindern. Der Pfandbriefmarkt war noch unentwickelt. Die Grundstimmung war an diesem Markte nicht unfreundlich, die Kurse dürften sich auf dem gestrigen Stand behaupten. Der Geldmarkt war writer erleichtert. Man nannte Tagesgeld mit 6 bis 8 Prozent, Monatsgeld mit 7 bis 8,25 Prozent. Rach den ersten Kursen wurde es auf Deckungen allgemein etwas fester. Bemberg gewannen 2,5 Prozent, Salzdetfurth 2 Prozent. Das Geschäft hielt sich aber weiter allgemein in engen Grenzen.
B liner Produktenbörse.
Berlin, 6. Febr. Die dauernde Flaue der Auslandmäikte, vor allem die sehr flauen Rotierungen Liverpools, wirkt auf den hiesigen Markt außerordentlich verstimmend, der Geschäftsum- fang leidet hierunter in erster Linie. Weizen ist vom Inlande verhältnismäßig stark, aber keineswegs dringlich angeboten, zu etwa 2 bis 3 Mark niedrigeren Preisen findet das vorhandene Ma
terial Unterkunft. Roggen ist laufend reichlich offeriert. Durch die anhaltenden Stühungskäufe tritt das Angebot am Platze besonders stark in Erscheinung. Die Wühlen, die über sehr schleppenden Roggenabsah (lagen, anderseits infolge der Stützungsaktion Rohmaterial zu einigermaßen rentablen Preisen nicht erwerben können, bekunden kaum irgendwelche Vachfrage.
Schach-Ecke.
Bearbeitet von W. Orbach.
Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Losungen usw sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers".
Problem Nr. 250.
Don H. Kirschmann.
Schwarz.
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6
7
5
3
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M
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5
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a b c d- e f
£ •: a d e f g h Weih.
Weiß zieht und seht in zwei Zügen matt
Weiß: 10 Steine Kg2; DI7; Tel, e8; Le2; Sb5, f5;
Bc2, e3, e5.
Schwarz: 6 Steine Ke4; Dd4; Tc8; La8; Sd2, hl.
Durch einen hübschen Cinleitungszug tritt die Kraft der beiden verbauten weihen Türme in Aktion.
Partie Nr. 176.
Vachstehende Partie wurde am 15. Dezember 1929 im hessischen Städteturnier zwischen Offenbach a. M. und Gießen am fünften Brett gespielt.
Unregelmäßig.
Weiß: Fröhlich (Offenbach a. M.).
Schwarz: Dr. Rothenberger (Gießen).
1. e2-e4 I.b7-b6
2.d2-d4 2. Lc8—b7
3.d4-d5
Schwächt die weihe Zentrumsstellung; besser geschieht 3. Ld3.
3.... 3.Sg8-f6
4. f2 —f3?
Dieser den Königsflügel fast immer schwächende Zug, sollte nur in den seltensten Fällen angewandt werden.
4 . . .
4. e7-e6
Mit der Drohung 4..
. ., Sxe4! ulte.
5. dbxed
5. f7xeö
Jetzt scheiterte 5.. . .,
Sxe4 an 6. exd7 + usw.
6. LI 1 - c4
6. d7-d5 .
7. Lc4-b3
7. Sb8-d7
8. Sbl-c3
8. c7-c6
9. a2-a3
9 Lf8-c5
10. Sgl -e2
10.0-0
H.Se2-f4
11. Dd8-e7
12. Ddl-e2
12. Kg8-h8
13. Lei -d2
13. e6-e5
14. Sf4-d3
14 Lb7-a6!
15. e4xd5
15 cfxd5
16. Sc3xd5
16. Sf6xd5
17. Lb3xd5
17.Ta8-c8
18 Tal -cl
Die Folgen der schwachen weihen Eröffnung machen sich jetzt bemerkbar. Der weihe König kann nach keiner Seite rochieren und muh dem Ansturm der schwarzen Figuren in der Mitte bald erliegen. Vach 18. 0-^-0—0 würde 18..., Lxa3 verhängnisvoll wirken.
18.... 18 De7-h4+
19. g2-g3 19. Dh4-h5
34. Le5-c3
Es gibt keine Qkrteibigimg mehr. Die letzten Züge hätte sich der Weiße ruhig sparen können.
35.. .
35 Fr x -H
34.. . .
35. Dd2-d6
Kfl, e3! usw.
36. Ke2-fl
37. Dd6xf6
38. Kfl-e2
39. Ke2-d3
40. Tgl-fl
41. Kd3-c2
11 nb Weiß einigen Zügen
20 Lc5-d6 21. "d7-f6
22 VcS-eS
23 Sföxg4 24. Dh5-g6 25 La6-b7 26 Lb7-f3 27 Lf3-g2 28. Lg2-c6 29. Th-f3 3) e5-c4 3!.Ld6-e5 32. b6-b5!
20 b2-b4 21. c2 — c4
22.Ld5-e6 23.Le6-g4 24. '3xg4 25. Sd3-f2
26. Fhl -fl 27. De2-e3 28. Tfl —gl 29 De3-c3 30 Ld2-e3 31. Kel-e2 32 Dc3-d2 33. c4 — c5
mit baldigem Matt geführt.
36. I"e3-f3
37. Tf3xf6
38 e4-e3
39. e3xf2
40 Ti6-t3-b
41.Te8-e2+ wurde, da er nicht aufgab, in mattgeseht.
Den Turm kann Weih nicht schlagen, wegen 3b..., Df3 matt; aber zu einem noch rascheren Ende als die von Schwarz gewählte Spielweise hätte 35..., Txf2+! 36. Lxf2, Df34-, 37.
33 L)g6 -16
34. Tcl -dl Sonst folgt 34.. . ., Td8 nebst I.c6-d5— c4+ usw.
Lösung des Problem- Ar. 246.
Don A. Sedlacek.
I.f6-f7!,g7-g6(g5)2. Dd5-hl,Kh8-g73.Dhl-al matt 2. . . ., S bei. 3. Dhlxhö matt. 1.. . . Lh6-f4 (e3) 2. Dd5—f5 nebst 3. Df5-h7 oder Df6 matt. 1 . .
S beliebig 2 Sf8-g6+, Kh8-h7 3.17 —f8 Spr. matt Sehr hübsch.
Schachbricfkasteu.
H.A., Lletzhausen. Besten Dank für Ihre Einsendung. Ihr Zweizüger wird in einer der nächsten Vummern gebracht.
Oie Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom RedaktlonSt'sch.
Litt.
Kleemann hat sich beim Drogisten für zwanzig Pfennig Vatron gekauft. Plötzlich sieht er auf dem Fußboden ein Markstück liegen. Geistesgcg:n- wärtig läßt er seinen Handschuh darauf fallen und will es aufheben. Aber das Geldstück kommt nicht mit dem Handschuh mit. Voch einmal versucht er das Manöver, und er ist gerade dabei, sich zum drittenmal zu bücken, als der Drogist sich umdreht:
,Oh, bitte, darf ich Ihnen eine Flasche von unserem vorzüglichen Patentkitt geben? Ich glaube, Sie haben sich bereits von der ausgezeichneten Klebkraft überzeugt.-
Klassiker.
Kürzlich wurde im Stadttheater zu 2. das „Käthchen von Heilbronn" aufgeführt.
Ich hatte meinen Platz neben der Stadtverordnetenloge.
Es wird dunkel, der Vorhang geht hoch, und — Sie erinnern sich an die erste Szene, nicht wahr? — da steht der Meister Theobald Friedeborn vor dem heimlichen Gericht, klagt gegen den Grafen Wetter vom Strahl, erzählt, wie seine Tochter Käthchen auf- und davonging, wie sie dem Grasen nachläuft von Ort zu Ort und nicht zu ihrem bejammernswürdigen Vater zurückkehren will...
Und da seufzt einer von den Stadtvätern neben mir und ich höre aus dem Dunkel:
„Öltet das Määdjn geheerd doch eesach in de Fursorche-Erziehungk!"
Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse.
Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschiosienen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6 v. H., Lombardzinsfuß 7 v. H.
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