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Man war beim Nachtisch und Primo Duerv war es schon ein paarmal aufgefallen, bah seine Begleiterin mehrmals ihre goldene Armbandlihr befragte. Plötzlich sprang die Tür auf und an dem Kellner vorbet drängte sich ein Herr von plumpem Aussehen. Es war Picter van Muylen, der laut Auskunft der Berliner Detektei der erste Mann der Montirossi gewesen.
Primo Duero begriff kaum, was eigentlich loS war, so schnell spielte sich eine Szene vor ihm ab. die sehr gut in einen Film hineingepaht hätte.
Zuerst schrie die Montirossi leise auf. Aber nicht freudig, sondern sehr entsetzt. Dann packte sie ihn am Aermel und stammelte: „Hm des Himmels teilten, mein Mann! Bringen Sie mich fort, retten Sie mich!"
Doch schon stand der plumpe Gesell vor ihm, knirschte ihn mit wutverzerrter Miene an, reihte in hastiger Folge Satz tm Sah, hielt ihm die drohende Faust dicht vor das Gesicht.
Primo Duero verstand nichts von der hastig hervorgeschleuderten Rede Muhlens, aber er wußte, auch ohne der Landessprache mächtig zu sein, der Holländer beschimpfte ihn.'
Die Montirossi packte ibn fester am Arm.
„Ich beschwöre Sie, gdhen Sie forks fliehen Sie! Mein Mann kennt sich nicht In seiner Wut. Ich will gern für Sie leiden, aber eilen Sie. Verlassen Sie das Haus, reisen Sie ab, noch heute, versprechen Sie es mir, reisen Sie ab so schnell wie möglich."
Sie zitterte am ganzen Körper und schien ganz außer sich.
Primo Duero sah die entsetzten Gesichter deS Kellners und des anderen Pärchens wie durch einen Aebel.
Die Szene war gemein und widerwärtig und schon wollte er sich erheben, als sich ihm die Erinnerung aufdrängte an eine andere Streit- szene, in der diese beiden auch die Hauptrollen übernommen. Die Szene im Eßzimmer der Pension Lotos am Savignhplah in Berlin.
Ihm kam mit einemmal, was eben noch so natürlich gewirkt, unnatürlich vor. Er hatte Plötzlich einen kritischen Blick.
Eben hatte sich der Kellner herangewagt und redete erregt auf Pieter van Mühlen ein, beschwor ihn wohl, die Ruhe des Hauses zu wahren.
Da raffte sich Primo Duero zum Entschluß auf.
Er streifte mit rascher ^Bewegung die noch immer seinen Aermel malträtierende Hand der Frau ab, sagte leise: „Bemühen Sie sich beide doch nicht zu sehr, mir eine Komödie vorzuspielen. Es lohnt sich nicht. Ich laufe doch nicht so einfach davon, wie Sie es wünschen, ohne den Ding, mit dem Sie sich so graziös geschmückt haben. Ich habe ihn gekauft und verlange mein Eigentum, Prinzessin Montirossi."
(Fortsetzung folgt.)
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den Besitz der blauen Brillanten gekommen war.
Aicolaas Sneek strich bedächtig das Geld ein und kümmerte sich nicht um seine Tochter. Er gab dem Biesen einen Wink und beide verschwanden mit den Iuwelen. Den schönen Ring hatte die Montirossi wie gedankenlos an den Goldfinger der Linken gesteckt.
Ietzt lächelte sie: „Wann darf ich mein Führeramt beginnen?'1 , .
.Sobald als möglich", gab er zuruck und verneigte sich galant.
Warfen Sie auf mich an der nächsten Straßenecke rechts, ich bin in zehn Minuten bei Ihnen", versprach sie, und er tat dankbar, obwohl ihm die kokette Tochter von Aicolaas Sneek sehr unsympathisch war. Aber er dachte daran, es galt den Mörder seines Vaters aufzuspüren, und da gab es nichts, was ihm schwer werden durste.
Aicolaas Sneek hatte sich nicht mehr blicken lassen, und Primo Duero fiel erst auf der Straße ein, die Montirossi hatte ja den von ihm getauften Ring behalten.
Aun, sie mußte wohl in wenigen Minuten erscheinen. , „ , .
Aach einer Viertelstunde sah er sie in einem sehr eleganten, dunkelblauen Samtmantel und kleinem schwarzen Hut unter den herbstkahlen Bäumen der Heerengracht auftauchen.
Er ging ihr ein paar Schritte entgegen, und als er den Ring an ihrer Rechten erblickte über die sie eben einen halben dänischen Handschuh streifen wol te, meinte er: „Ich wollte ß^on um- kehren, weil ich vergessen hatte, mir den Ring von Ihnen zu erbitten."
Sie hob verzückt die Lider.
„Lassen Sie ihn mir noch ein biBd>en, ich schwärme für diesen Ring, aber Vater macht alles zu Geld, er gibt mir keins von den kostbareren Schmuckstücken." , , .
Sie hatte den Handschuh schon angezogen und meinte vergnügt: „Was lockt Sie, jetzt zu sehem Monsieur? Wollen Sie ein Museum betrachten ober das Schloß, möchten Sie in den Zoologischen Garten oder wollen wir lieber einen Rundgang durch die Stadt machen? Es ist jetzt zwölf Uhr. Ich habe, offengestanden, Appetit, ein leichtes Gabelfrühstück könnte mich reizen/'
An Deutlichkeit ließ es diese Holländerin nut dem Aussehen einer Pariser Lebedame nicht fehlen. Es interessierte sie anfdtemenb wenig, wie er hieß und was er war. Ihr schien nur daran zu liegen, für ein paar ©tunben ,^n^n Begleiter zu haben, bet während der Zerf bie Unkosten übernahm. _ , _
»Ich kenne einen entzückenden Lunchrvom. Dort sitzt man äußerst mollig und ungeniert. Es wird Ihnen gefallen. Ein neueres Plätzchen gibt es in ganz Paris und Berlin nicht.
Er sagte lässig: „Kennen Sie Paris und Berlin, meine Gnädigste?"
Also erkannt hatte sie ihn auf keinen Fall.
Er gab höflich zurück: „Ich bin Spanier und spreche das Französische fließend."
„Schön", lächelte sie und zeigte ihm, wie tadellos ihre Zähne in Ordnung waren. „Wir haben nämlich einen herrlichen Ring, der feit einigen Monaten verfallen ist und von meinem Vater verkauft werden kann. Ich zeige ihn Ihnen, Monsieur." rr
Der Alte brummte etwas, aber die Montirossi kümmerte sich nicht darum. Sie sagte lässig: „ORein Vater meint, der Ring würde Ihnen zu teuer sein."
Sie verschwand hinter dem Vorhang und kehrte gleich daraus zurück mit einem weißen Leberetui, das sie öffnete unb ihm einen Ring entnahm, in der Form eines Blumenkelches, der zusammengesetzt war aus den verschiedensten farbigen Iuwelen. Aus Brillanten, Saphiren, Türkissen unb Rubinen, Golbtopas unb hellgelbem Beryll. Es war ein antiker unb wertvoller, eigenartiger
Primo Duero vergaß für Augenblicke vollständig, weshalb er sich hier in bem dunklen Laden der Heerengracht auf hielt. Sein fachmanni- sch.'r Blick war gefesselt. , ...
Er fragte, wieviel das Schmuckstück kosten sollte.
Es gab eine lebhafte Unterhaltung zwischen Vater unb Tochter, bann nannte der Alte bie Summe von drei tauf enb Gulden.
Primo Duero sand den Preis reichlich hoch, aber es reizte ihn, das Stück zu kaufen. Auch nahm er an, der Kauf würde die beiden in gute Laune versetzen. Er konnte sich bann leichter etwas anpirschen, Gelegenheit zu längerer Unterhaltung suchen.
So schloß er denn ab, und legte das Geld sofort in bdr auf den Tisch. Die Montirossi war plau- berluftig geworden.
„Haben Sie sich unser schönes Amsterdam schon angesehen?" fragte sie interessiert, unb ihre dunklen Augen wurden kokett.
Er erwiderte: „Ein bißchen bin ich ja schon benungetommen, aber wenn man allein bummelt, sieht man das Beste nicht. Es müßten überall gute Freunde von einem wohnen, die das Füh- reramt übernähmen."
Sie girrte ihn an: „Das kann man doch habenI Wenn Sie wollen, führe ich Sie gern.“
Primo Duero war etwas verblüfft, aber er na"m das Angebot sofort an. Was wagte er dabei? Aichts. Doch durfte er hoffen, leichter zu erfahren, was er zu wissen wünschte. Wie sie in
Sie nickte. „Paris kenne ich, aber Berlin nur aus den Schilderungen von Bekannten."
Warum log sie? durchzuckte es ihn. Irgendwie mußte sie doch in bezug auf die blauem Brillanten ein schlechtes Gewissen haben.
Er ließ sich willig von ihr führen und achtete gar nicht auf den Weg. In einer stillen, schein- bar vom Zentrum ziemlich abgelegenen Straße, durch die eine Gracht ihr trübes Wasser kaum vorwärts zu bewegen schien, machte sie halt unb klingelte an einem Haus, bas einem stillen Prwathaus glich. Ein Mann mit Kellnerjacke öffnete unb lieh beide eintreten.
Die Tür zu einem in halboffenen Aischen ein- gcteilten Raum sprang vor ihnen auf. Aur ein Paar saß in einer der Aischen und tränt Ehampa gner, sonst sah man keine Gäste.
Die Montirossi wählte einen Platz und lachte ihn an: „Wir trinken doch auch Sekt, nicht wahr? Um diese Zeit trinke ich ihn am liebsten."
Sie ließ sich vom Kellner den Mantel ab- nehmen unb Primo Duero sah, daß sie bas Kleid gewechselt hatte. Ein schickes schwarzes Seidenkleid hob ihre künstliche Blondheit und sie schaute ihn mit verführerischem Lächeln an.
„Erzählen Sie mir etwas, QHonfkur. Sind Sie verheiratet? Olein. Aber ich bin es, doch mein Mann ist langweilig und ich brenne ihm ab und zu mit Begeisterung durch."
Primo Duero dachte, weshalb spielt sie die verheiratete Frau? Von ihrem ersten Mann war sie geschieden unb ihr zweiter war gestorben.
Die Montirossi neigte sich zu bem neben ihr Sitzenden. „Sie gefallen mir, Monsieur, Sie gefallen mir sogar sehr. Es wäre doch nett, wenn auch ich Iynen gefiele."
Primo Duero verlor ein bißchen die Fassung. Diese Form sollte bas Abenteuer, bas ihm für feine Zwecke sehr gelegen gekommen, eigentlich nicht annehmen. Er tat sehr bescheiden. Mochte sie ihn für einen ausgemachten Dummkopf halten. Er antwortete: „Ich wage es nicht. Ihnen leichte Komplimente vorzusetzen. Sie sind zu schon dafür! Und bitte, bestellen Sie hier ganz nach Ihrem Geschmack, ich möchte Ihnen die Wahl der Speisen und Getränke überlassen."
Sie nickte ihm gnädig zu und unterhielt sich lebhaft mit bem Kellner.
Kaviar und Sekt bildeten den Auftakt zu dem Lunch, und die Montirossi bewies guten Appetit, denn Eier mit Schinken folgte. Dann gab es kleine Filets mit einer raffiniert zusammengestellten Garnierung. Während des Essens plauderte die Montirossi, und Primo Duero spielte den Schüchternen.
Er erhoffte viel von der Sektstimmung, die sich bei ihr immer stärker bemerkbar machte, während er sich vollkommen nüchtern fühlte, weil er sehr wenig getrunken. ___________________
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