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kann, so wäre das erfreulich. Die Reichsregierung Hot sich eingehend mit dem Schutz der Veredelungs- wirtschaft beschäftigt. Wenn Sie aber in der Land- volkpartei glauben, den notwendigsten Sanierungs- niatznahmen der Reichsreaierung Ihre Zustim­mung versagen zu sollen, so kann ich Ihnen nur das eine sagen: Bei einer solchen ablehnenden Haltung werden auch alle weiteren denkbaren Zoll- Maßnahmen die Lage der Landwirtschast nicht retten können, denn das erste Problem, auch für die Landwirtschast, namentlich für die Zins- belastung und Steuerbelastung der Landwirtschaft, ist die Sanierung unserer Finanzen. Sie können Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft beschließen, wie Sie wollen-, wenn Sie den Kopf in den Sand stecken vor diesen Problemen, dann werden alle übrigen Maßnahmen nicht ihren vollen Erfolg haben können. (Sehr richtig!) Ich be­greife nicht, weshalb landwirtschaftliche Organisa­tionen gegen die landwirtschaftliche Einheilssteuer Stellung nehmen konnten. Sie bedeutet doch nichts anderes, als daß die Landwirtschaft ein st e u e r freies Existenzminimum von 6000 Mk. jährlich erhalt. (Hört! Hört! links. Abg. Torgier (Korn.):An die Arbeiter denken Sie wohl über­haupt nicht?") Wenn die Reichsregierung alle diese Maßnahmen für die Sanierung der Arbeitslosenver­sicherung und zur Sicherung der Sozialversicherung trifft, wenn sie den Preisabbau fördert, so ist das sicherlich Arbeiterpolitik (Unruhe bei den Kommunisten. Ordnungsruf gegen den Abg. Rädel (Komm.).) Wenn ich Ihnen (zu den Kommu­nisten) antworten wollte, dann müßte ich auf d i e Derhältnisse eines anderen Landes eingehen, wo die Lage der arbeitenden Klassen viel schlimmer ich als bei uns. (Abg. Stöchr: (Komm.): Sie bauen ab, und dort wird aufgebaut!") Lachen bei der Mehrheit. Zuruf bei den Sozial- demokraten:Galgen werden in Rußland auf-

gebaut!" Lärm bei den Kommunisten. Abg. Stöcker:Bier Millionen Erwerbslose gibt es in Deutschland, Herr Kanzler!) Die Reichsregierung muß in dieser Stunde die Parteien davor war­nen zu glauben, daß unmittelbar und sofort an den Bestimmungen der Notverordnung noch unge­heuer vieles ober überhaupt etwas geändert wer­den könnte.

Ich muh davor warnen, daß im Laufe der Debatte die Parteien sich in Einzelheiten verlieren. Ich muh davor warnen, daß dadurch eine Stimmung erzeugt wird, die nicht nur in diesem hohen Hause, sondern in der Welt di e bedenklich st en üonfequen- zen haben mühte. Es ist meine Pflicht, In dieser ernsten Stunde Sie zu bitten, dah die Jlotoerorbnung, so wie sie ist, angenommen bzw. nicht aufgehoben wird, dah die Entschei­dung darüber e h e st e n » gefällt wird. Und, meine Herren, seien Sie sich ihrer Verantwor­tung bewuht! halten Sie mit Ihrer Kritik in dieser wirklich ernsten Stunde zurück! Sie wissen nicht, wenn die Dinge etwa zum Schei­tern kommen sollten, was hinter diesem Scheitern stehen könnte. Sie tragen eine furchtbare Verantwortung, und ist bin überzeugt, dah es genügt, die Par­teien an diese Verantwortung erinnert zu haben, dah Sie sich ihrer Pflicht dem Staat, dem Volk gegenüber bewuht werden und den TU u t haben (lärmende Zwischenrufe bei den Kom­munisten), die Maßnahmen zu ergreifen, die e» dem Volk ermöglichen, über diese schweren Zeiten Hinwegzukommen. (Lebhafter Beifall in der

Mitte.)

des

Nie Preissenkung.

Minister Schreiber über die Erfolge der Aktion.

Ein außenpolitisches Zwischenspiel

Oer ReichSaußenmimster und seine Kritiker von rechts.

Preisabbau an einem Tage vor s i ch gehe. In Deutschland hätten sich seit Mitte 1929 die Preise für die Lebenshaltung immerhin um sieben v.H. gelenkt, bei der Ernährung allein um 11 v.H. Besonders stark sei auch der Textiloreis gesenkt worden. Die Regierung könne nicht die Preise für Tausend? von Waren diktieren; sie könne aber versuchen, den Preisabbau zu organisieren, soweit es den natürlichen Tendenzen ent­spreche. Dor allem müsse sie ihre Sorge darauf richten, daß Preissenkungen bis zum Verbraucher durchdringen. Di« Erfolge könnten nicht bestritten

Abg. Rosenberg (Rats.) schildert die Unter­drückung der deutschen Minderheit in Polen. Das Ziel der polnischen Aufständischen sei, die polnischen Grenzen von 1792 wieder zu erreichen. Polen hätte sich den Deutschen gegenüber eines offenen Bruches der Minderheitenordnung schuldig gemacht, aus dem die Reichsregierung die Kon­sequenzen zu ziehen habe. Das Versailler Diktat bedeute einen Bruch der von Wilson feierlichst ver­heißenen 14 Punkte. Wilson hat in seiner Rede da­mals die Ehre der amerikanischen Ra­tion verpfändet. Wir erinnern die Amerikaner daran, daß auch der reichste Staat der Welt eine Ehre zu verlieren hat. Frankreich hat setzt selbst durch Richtersüllung der Abrüstungsverpflichtung den Versailler Vertrau gebrochen. Deutschland muß daraus die Konsequenzen ziehen. Dazu brauchen wir eine Abkehr von dem jetzigen System der Außen- und Innenpolitik die Aus­merzung des sozialdemokratischen Einflusses auf diese Politik. Wir kämpfen nicht nur gegen das jefeige System, sondern auch gegen d i e Persönlich­keiten, aus denen dieses System geboren ist und mit denen es zugrundegehen wird. (Beifall bei den Nationalsozialisten.)

Abg. Bürgers (Z.) bezeichnet die Notverord­nung als ein Fundament der Wiederherstellung unserer wirtschaftlichen Existenzbedingungen. Deutsch­land hätte ohne A u s l a n d s k r e d i t sich nach dem verlorenen Kriege nicht erholen können, und es ist auch keine Schande, wenn wir zum Wiederaufbau unserer Wirtschaft auf ausländisches Kapital zu- rüefgreifen. Zu einem günstigen Zinsfuß werden Wir dieses Kapital aber nur erhalten, wenn mir das Risiko auf ein Minimum reduzie- r e n durch eine möglichst schnelle Stabilisierung unserer Staatsfinanzen. Gewiß ist eine Verwinde- rung der Reparationslast notwendig, aber wir dür­fen nicht die Nerven verlieren. Die Zeit arbeitet für uns, und wir müssen uns hüten, durch vorzeitiges Vor stoßen unsere Chancen aus der i)anb zu geben. Auch der Weg zu einer Er­mäßigung unserer Reparationslast führt nur über eine vorherige Sanierung unserer inneren Verhält­nisse. Zu einer geduldigen Arbeit in dieser Richtung gehört mehr Vaterlandsliebe als zur Katastrophen­politik. Ada. Feder hat die italienischen Ver­hältnisse so gerühmt, daß ich mich gefragt habe, wie er wohl hätte reden müßen, wenn er italieni­scher Abgeordneter wäre. (Ein Nationalsozialist ruft: .^Infamie!" und wird deswegen zur Ordnung ge­rufen). Tatsächlich hat sich auch im Siegerlande Italien die Arbeitslosigkeit um 60 Prozent er. höht. (Hört! Hört!) Dabei ist die Produktion wesentlich zurückgegangen. Der öffentliche Finanzbedarf ist in Italien, das doch Reparations- gelber bekommt, um 26 Prozent gestiegen. Die italienische schwebende Schuld ist höher als die Deutschlands. (Hört! Hört!) Daraus ergibt sich jedenfalls, daß die Weltwirtschaftskrise auch auf Die Siegerstaaten ihre Wirkung übt.

Abg. Dr. Freiherr v. Freytagh-Lo- ringhoven (Dn.) erklärt: Die deutsche Außen­politik von heute klammere sich in völliger Plan­losigkeit hilflos an die ausgehöhlten Schlagworte der Stresemannschen Zeit. 3n Genf wolle man die Minder Heltens rag« grundsäh'ich för­dern, verstricke sich abr in zwcck'ose Auseinander­setzungen. Aach den Deutschenverfolgun­gen t n Prag habe sich der Außenminister nur gegen die materielle Schädigung der deutschen Filmindustrie gewandt, und er habe erleben müssen, daß ein sudetendeutscher Abgeordneter ihn im Prager Parlament getadelt habe. Sogar von Litauen lasse sich der deutsche Außen­minister täuschen. Vollends hilflos sei er gegen­über den unerhörten Polengreueln. Gr sehe nicht, daß es sich um einen zielbewußten Vernichtungskampf gegen daS Deutsch­tum handele. Dr. Curtius habe weder Plan noch Ziel. Verständigung im Westen und Re­vision im Osten seien unvereinbar miteinander.

ReichSarrßenminister Or. (Surtiut:

Ich bin Der letzte, der sich dagegen wehrt, daß mit dieser Debatte auch autzenpmlllfche Fragen verknüpft werden. Ich muß es zurückweisen, wenn Sie uns immer unterstellen, daß wir uns an der Außenpolitik vorbeireden wollten. Wir haben uns in drei Sitzungen deS Auswärtigen Aus­schusses über die ganzen Fragen eingehend unter­halten. Bei der Darstellung unseres Vorgehen- gegen die Praaer Demonstrationen hat Herr v. Freytagh wieder die KampfeSweise bewiesen, die totr schon feit Jahren zur Genüge kennen. (Abg. v. Freytagh. Unerhört! Rufe rechts. Frechheit!) Sie haben verfchwiegen. dah am Tage nach der Demonstration der deutsche Gesandte in Prag vorstellig gewor­

den ist und dah auf Grund feines Vorgehens die entscheidenden Beschlüsse gefaßt worden stnd. Auch bei der Schilderung der Vorgänge im Memelland haben Sie irrtümlicherweise ich drücke mich vorsichtig aus (Abg. v. Freytagh: Das wollte ich Ihnen auch raten! Lärm und Lachen links.) nicht den Abschluß der Sache geschildert, sondern ein Zwischenstück. Es hat keinen Sinn, jetzt im Rahmen Der Debatte über die Notverordnung außenpolitische Fragen zu erörtern, deren Gesamtzusammenhang doch nicht richtig herausgearbeitet werden kann. Wir wer­den wie bisher eine gradlinige Minder­heitenpolitik treiben. Mi', dieser ist es nicht vereinbar, wenn man die Wiederaufhe­bung de - L i q u i d a t i o n s a b k o m m e n s mit Polen fordert. Aach diesem Abkommen dürfen 40 000 bis 50 000 Hektar deutschen Bodens in Polen nicht weiter liquidiert werden und über 80 000 Menschen in Polen werden auf diese Weise Dem Deutschtum erhalten. Ich würde Ihnen (nach rechts) empfehlen, sich mit Den Deutschen MinDerheitsvertretern in Verbindung zu setzen. Sie werden sich wundem, was sie zu Ihrem wahnwitzigen Beschluß sagen.

Oie zweite Rednergarnitur.

Die Abstimmung am Samstag zu erwarten.

Abg. v. Stauffenberg (Landvolk): Seit Schiele das Ministerium übernommen hat, ist der Weltgetreidepreis unaufhaltsam weiter gesunken. Aotwendig sind Einfuhrverbote gegen überflüssige ausländische Agrar­produkte. Wir haben volles Vertrauen zu unserem Minister Schreie, aber wir fürchten, daß hier ein guter Mann einer verlorenen Sache dient. Vor allem steht diese Reichsregierung ganz un­ter dem Einfluß der vreußifchenRe- glerung, die für die Landwirtschaft wenig übrig hat.

Abg. Köster (WP.) bekämpft die B ie r- und Getränke steuern, die nicht nur den Handel ebenso schwer schädigten wie die Mehr­belastung des Tabaks, sondern so hohe Verwal­tungskosten und technische Schwierigkeiten zeigten, daß sie von zweifelhaftem fiskalischem Wert seien. Vor allem lehne die Wirtschaftspartei es ab, den Gemeinden die Biersteuer zu über­lassen. Eher liehe sich über eine Neuregelung der Reichsbiersteuer verhandeln.

Abg. Dr. Mumm (Ehr.-Soz. 93b.): Ich stelle den Antrag, die Reichsregierung möge baldmöglichst in die Erörterung einer Revision der Tribut- lasten mit den am Poungplan beteiligten Mäch­ten eintreten und dazu alle innerpolitiscben Maß­nahmen, die zum Erfolge notwendig sind, treffen. (Ruse bei den Nationalsozialisten: Die werden schön lachen, die haben keinen Mumm dazu!) Sie können folche Zwischenrufe machen, aber die Verantwor­tungsbewußten unter Ihnen bitte ich, daran mitzu- roirten. Möge Gott mit dieser Revision die Krönung des Lebenswerkes Hindenburgs uns geben. (Ruse bei den Nationalsozialisten: Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!)

Es sprechen noch die Abg. Dr. Halacher (93.93p.), Dr. Kleiner (Dntl.), Rädel (Korn.) und Hopp (Ldv.). Danach wird die Beratung aus Samstag ver­tagt. Präsident Löbe erklärt, es werde vielleicht möglich sein, um 14 ober 15 Uhr abzu st Immen Sollte bie Debatte länger bauern, so könnte bie Ab­stimmung am Dienstag ber Montag ist wegen eines katholischen Feiertags sitzungssrei vorgenommen werden. Das Haus stimmte dem Vor­schläge des Präsidenten zu.

Berlin, 5. Dez. (TU.) Im Hauptausschuß Preußischen Landtags entspann sich eine Debatte über die hohe Spanne zwischen Erzeuger- und Ver­braucherpreisen. Handeisminister Dr. Schreiber erklärte, die Oeffentljchkeit erwarte immer, daß der

Oie Kabineiiskrisiö in Frankreich.

Die republikanische Konzentration. Wer ist der kommende Mann? Briand oder Barthou?

P a r i s, 6. Dez. (EAB. Funkfpruch.) Die Mor­genpresse bringt klar zum Ausdruck, was an dieser Stelle unmittelbar nach der Abstimmung des Senats als die notwendig« Folg« des Sturzes des Kabinetts TarDieu bezeichnet word«n war: Die Schaffung einer republikanischen Konzentration. Es scheint aber, dah, wenn Der Präsident per Republik heute nachmittag einen Senator, ob er nun Louis Barthou oder Steeg oder Sarraut heißen mag, berufen wird, um ihm Die Kabinettsbildung anzuvertrauen und dieser mit Den einzelnen Parteien Füh­lung nimmt, er sofort feststellen wird, daß alle , Konzentration" sagen, dah aber nicht alle dieses Wort in der gleichen Weise deuten, und das scheint die Schwierigkeit zu fein, auf Die jeder Parlamentarier stoßen wird, Der zuerst vorsühlt, um zu wissen, wie weit er gehen kann. Wo er links mit der Konzentration zu be­ginnen hat, weiß er, nämlich bei denRadi - falen. Wo er enden muh, das weih er nicht, und bei der Frage dieser Ab­grenzung werden sich die Schwierig­keiten ergeben. Schon heute vormittag zeigt Die Morgenpresse, dah Blätter, die aus Dem Standpunlt der Fraktion Maginot und L^Üis Marin stehen, zwarKonzentra­tion" schreiben, aberB u r g s r i e D e n" meinen, D. h. Ausgleich Der Parteien, so wie et sich im Kabinett Der Finanzsanlerung Poin- car4s 1923 zeigte. Etwas Derartiges mitzumachen, ist D e n R a D i k a l e n fast unmöglich, da Die belDen lehren Parteitage, sowohl der in Angers, als auch Der in Grenoble, Den Ausschluß Der reaktionären Parteien, also Den Aus­schluß zum mindesten der demokratisch-republika­nischen Vereinigung (Louis Marin), auch viel­

leicht Den Ausschluß der demokratischen und fo* ziaten Aktion (Maginot) gefordert haben. Würde Das letztere geschehen, dann wäre ziffernmäßig eine neue Mehrheit kaum zu bilden. Alle Blätter sprechen deshalb von Den Schwierig­keiten, Die sich ergeben wurden, und es ist Die falsche Interpretierung Der Formelrepubllka- irische Konzentration", Durch bie Die rechtsgerich­teten Elemente Diele Situation herbeigeführt haben. Unter Diesen Umständen wäre der Mann, Der sich von Dem großen innenpolitischen Betrieb seit Jahrzehnten fern gehalten hat unD der ge­wissermaßen über Dem Ganzen schwebt, der gegebene Mann zur Entwirrung Der Lage, nämlich BrianD.

Die Morgenpresse nennt in ber Hauptsache als Persönlichkeit, Die Der Präsident Der Re­publik im Verlaufe des heutigen TageL^berusen wird, um ihr Die Kabinettsbildung anzubieten, Senator Barthou, der Der demokratisch-radi­kalen Vereinigung im Senat angehört, Die Der Gruppe Loucheur in der Kammer entspricht, und bie in vielen Fällen bei Abstimmungen grund­sätzlicher Art das Zünglein an der Waage bildet. Barthou war im ersten Kabinett Tardieu Iustiz- miniftcr. Er hat sich bei Der Abstimmung, Die Den Sturz Des Kabinetts herbeiführte, ber Stimme enthalten.L'Ordre" zweifelt^ Daß die Kombination Barthou Erfolg haben könne, da Barthou zwar Der Favorit des Se­nats sei, aber nicht Das Vertrauen Der Kammer besitze. Louis Barthou ist, man könnte sagen, eine abgestempelte Persönlichkeit. Deutschland hat ihn bei einem besonderen An­laß, nämlich auf der Konferenz von Genua 1922, kennengelernt

Krylenko beantragt die Todesstrafe gegen alte Angeklagten.

Vor dem Llrteil im Moskauer Industrie-Sabotage Prozeß.

Moskau, 5. Dez. (WTB.) Im Prozeß gegen die Angehörigen der Jndustriepartei hielt nach Ab­schluß der Vernehmungen der öffentliche Ankläger Krylenko die Anklagerede. Nicht nur in der Sowjetunion, sondern In ganz Westeuropa folge man jedem In diesem Saale erklingenden Wort. Der Prozeß habe die Aufmerksamkeit auch dadurch, daß die Sowjetregierung und die öffentliche Anklage nicht davor zurückscheuten, schwere Mängel des Staatsorganismus aufzudecken, gefesselt. Wir fürch­teten nicht, erklärte Krylenko, unsere Mängel aufzu­zudecken, weil wir annehmen, die schöpferische Be­geisterung der Arbeiterklasse werde beh Machenschaf­ten unserer Feinde widerstehen können. Gegenwärtig habe man eine Wiederholung des Schachty-Prozesses auf erweiterter Grundlage. Spionage habe man auch Im Schachty Prozeß gehabt, jetzt jedoch handele es sich schon um die Durchführung von O p e- ratioaufträgen des Gegners. Man stehe vor einer Vereinigung fämtlidjergegen- revolutionärer Kräfte zum Zwecke der Vernichtung dxr Sowjetunion und zur Erstellung unmittelbarer Verbindungen mit den Intervenienten- Organisationen Westeuropas.

, Krylenko hob.Ramsins Erklärung hervor, daß das praktische Programm der Jndustriepartei auch die Vorbereitung einer Militärdiktatur des weißgardistschen Generals Lukomski enthielte und wies an Hand der Zitate aus dem Organ der WeißgardistenRenaissance" nach, daß das Programm dieser Diktatur m der Wiederher- ftelluna der Monarchie bestanden habe. Ramsin ging bewußt auf Massenerschießungen und Strafexpeditionen los mit Millionenopfern der Ar­beiterklasse und der Bauernschaft. Die Hauptrolle unter dem Anklagematerial nimmt darunter das Geständnis der Angeklagten ein. Die An­nahme diese Geständnisse seien Ergebnisse von Fol­tern, ist absoluter Unsinn. Der Umstand, daß die Angeklagten g e st ä n d i g sind, ist erklärlich durch das Fehlen jeglicher Hoffnung, ihr Leugnen könnte zu irgend etwas führen.

Krylenko zitierte eine Aeuherung des engli­schen Abgeordneten Deterbing bei der Zehn­jahrfeier Der russischen Schule In Paris am 11. Juni 1930, worin er behauptete. DieBefreiung"

werbe in einigen Monaten erfolgen. Ev ging Darauf zu Ramsins Aussage über eine Ver­bindung mit französischen Militär- kreisen über unD berief sich auf Die Den Ottten beigelegten Auszüge au 3 Dem Tagebuch Des Gene­rals Janin. Ferner wies er Darauf hin. Daß kei­nerlei Ursachen Dafür Vorlagen, Ramsins Erklä­rungen über Das Vorhandensein einer Kommis Ion Des französischen Generalstabes für Die Vorberei­tung einer Intervention nicht Glauben zu schenken. Er zitierte einen Artikel Des zur Gruppe TarDieu gehörenden Abgeordnelen Fouere, Der im Ro- vember in der PariserVictoire" veröffentlicht wurde und zur Durchführung der ^chir­urgischen Operation" zur Herbeiführung des Ausschlusses der Sowjetunion aus der Mitte Der zivilisierten Völker aufforderte.

Zum Schluß ftetlte Krylenko folgend« Straf­anträge: Do d durch Erschießen gegen Ramsin und sieben weitere Angeklagte. Krylenko erklärte, daß v'.on Gnade keine Rede fein könne, da Die Angeklagten Die größten Feinde Der Sowjetregierung seien. Die nicht nur Die Regierung stürzen wollten, sondern mit ausländischer Hilfe auch einen neuen Weltkrieg verursachen wollten, dessen Ausmaße gar nicht zu übersehen Heu.

Es sprachen Dann die Verteidiger Der Angeklag­ten Kuprßanow. und Sitnin, Die übrigen An­geklagten hatten auf Verteidiger ver­zichtet. Der Verteidiger Kuprijanows, Brande, stimmte Den vom Staatsanwalt gezogenen Schlüf­fen zu, wendete sich aber für feinen Mandanten! gegen das beantragte Strafmaß. Er verwies darauf, daß Kurijanow ein vollesReue- bekenntnis abgelegt hätte, und erblickte einen mil­dernden Umstand in Der politischen ün- wissenheit Kuprijanows. Er führte ferner aus, Daß die Hauptschuldigen, nämlich Das Handels» und Industriekomitee und gewisse Vertreter französischer Regierungskreise, Die Den wahren Mittelpunkt der tonterreoolutio* nären Tätigkeit bildeten, Dem Gericht ent- gingen. Der Verteidiger Sitnins, O z e P.

ittet ebenfalls bas Gericht um ilmtoanD- lung ber Tobes strafe in Anbetracht Der Reue Der Angeklagten.

werden. Beim B r o t p r e i s müsse anerkannt wer­den, daß die Bäcker bei der Senkung auf einen sehr erheblichen Teil ihrer Verdienstspanne verzichtet hätten. Annahme sand ein Antrag auf einen stärkeren Abbau der Preisspanne zwischen Erzeuger­preis in der Landwirtschaft und Verbrau­cherpreis hinzuwirken.

Bredis Rücktrittsgesuch genehmigt.

Berlin, 5. Dez. (WTB.) Reichspräsi­dent v. Hindenburg empfing heute vor­mittag den Reichskanzler Dr. Brüning zum Vortrag über Die Polltische Lage. Der Herr ReichsPräsiDent hat auf Vorschlag des Reichskanzlers Den Reichsminister Dr. BreDt seinem Antrag« entsPrechenD vom Amte des Reichsmini sters Der Justiz entbun- Den und den Staatssekretär im Reichsjustizmini- sterium Joel bis auf weiteres mit Der Wahr­nehmung Der Geschäfte Des Reichsjustiz- ministers beauftragt.

Aus aller Welt.

180 Stunden im Bergwerk verschüttet und lebend geborgen.

Bekanntlich wurden am Freitagmorgen voriger Woche auf der ZecheV i k t o v* in Castrop-Rauxel durch Zubruchgehen eines Strebepfeilers zwei Bergleute verschüttet. Am vergangenen Sonntag war es gelungen, mit einem der Verschüt­teten, den Bergmann Wienpahl, der unverletzt geblieben war, in Verbindung zu treten. Man führte ihm seitdem durch ein Preßluftrohr flüssige Speisen und Frischluft zu. In- zwischen wurden die Rettungsarbeiten mit fieber­hafter Eile betrieben. Da die Bergungsmannschaften seitlich an die Bruchstelle, die sich über acht Meter erstreckt, nicht herankommen konnten, ging man dazu über, von unten her einen Stollen durch die Kohle zu treiben. Am Freitagabend um 7.16 Uhr

ist es den Rettungsmannschaften nach mühevoller Arbeit endlich gelungen, den Verschütteten noch lebend aus seiner qualvollen Lage zu befreien. Er hat im ganzen 180 Stunbenln seinem unter- irdifchen Gefängnis ausharren müssen. Trotz seiner genau 185stundigen Gefangenschaft in dem dunklen Hohlraum der Bruchstelle befindet sich Wienpahl dank der fortgesetzten Nahrungs- und Frischluft­zufuhr in erstaunlich guter körperlicher Verfassung, fo daß er sich, nachdem er ein einfaches Mahl be­stehend aus Milch und Zwieback eingenommen hatte, in Begleitung eines Arztes in seine Wohnung be­geben konnte. Wienpahl hatte während seiner langen Gefangenschaft keinenAugenblickdenMut verloren und sich fast unausgesetzt mit den Ret­tungsmannschaften verständigt.

kommunistische Krawalle in Berlin.

Die Kommunisten hatten in Berlin ihre An­hänger zu Kundgebungen auf den verschiedensten Plätzen Der Staat aufgeforDert. Während Diese Verfammlungen selbst teilweise nur schwach be­sucht waren und auf mehreren Plätzen überhaupt niemand erfchienen war, schlossen sich Die ver­schiedenen Trupps später zu größeren Zügen zu- fammen, die zum Teil nach Dem Stadt- inner n marschierten. In Der Markgrafen- st raße kam es zu erheblichen Krawallen, als ein: Zug von mehreren Hundert Kommunisten auf­gelöst werden sollte, well verbotene Lieder ge­sungen wurden. Die Demonstranten setzten sich zur Wehr und bewarfen die Beamten mit Pflasiersteinen. Ein Schutzpolizist wurde zu Boden geschlagen, konnte aber von fei­nen Kameraden befreit werden. Eine Gruppe Der Ruhestörer suchte ein Lebensmittelgeschäft zu plündern, wurde jedoch von Der Polizei zu» rüdgeDrängt. Unter Anwendung Des Gummi­knüppels stellte schließlich ein größeres Polizei­aufgebot Die Ordnung wieder her. Auch vor Dem Rathaus und auf Dem Alesanderplatz wurden kommunistische Züge und Zusammenrottungen mit Dem Gummiknüppel zerstreut. ,