Aus -er Provinzialhauptfiadt.
Gießen, den 6. März 1930.
Vorfrühling am sonnigen Hang.
Erster Sonntag im März! Festlich strahlend lockt die Sonne. Und so wandern wir hinaus: Vater, Mutter, Bub und Mädel in glücklicher Gintracht. Ferne Hügel sind unser Ziel, wo uns der Frühling in jedem Jahr zuerst begegnete.
Durch kleine Dörfchen führt unS der Weg. Sonntäglich blinken weihe Gardinen hinter blan- len Scheiben. 3m kleinen Vorgärtchen läuten unzählige Schneeglöckchen dem Frühling Willkomm. Lienen sind erwacht aus langem Winterschlaf und breiten wohlig die zarten Flügel der wärmenden Sonne entgegen. Gin lebhaftes Hin und Her ist vor den Fluglöchern des Bienenhauses. Bauern im Sonntagsgewand stehen in Gruppen, froh schwätzend auf den Straßen. Dies alles erhascht der Blick im Borübergehen.
Die sonnigen Hügel locken uns heute, wo her Frühling schreitet auf leisen Sohlen. Gleich hinter dem Dörfchen steigen sie an. Gemächlich klimmen wir hinauf. Der Bub und das Mädel lebhaft voraus, den Blick immer suchend am Boden, bis die Kleine laut jauchzend ruft: .,3ch hab' die erste!" Wir umstehen das liebliche Frühlingswunder, die blaue Blume mit dem goldgelben Strahlenbüschel von Staubfäden und iehen ihr zu wie sie Sonne trinkt, Licht und Wärme, ilnh ein Schmetterling kommt, der Große Fuchs, die Liebliche zu umkosen Dann senkt er den "Rüssel hinab in den blauen Kelch, zu trinken den dargebotenen Honigtropfen. Auch ein gelber Zitronenfalter ist schon erwacht. Wir sehen ihn drüben gaukeln. Während wir weiterschreiten, luatS aus dem Boden, da und dort, strahlend hell- und dunkelviolett in ganzen Sträußchen. Es ist die Küchenschelle, eine der ersten Frühlingsblumen. Ihre Knospen sind in dicke, graue Pelzchen gehüllt zum Schutz gegen Racht- frost. Auch die schon offenen Blüten schützen sich vor der Kälte durch Zusammenfalten nach Sonnenuntergang. Ihre grünen Blätter sind noch kaum zu sehen. Sie kommen erst, toemt die Pflanze doll auf geblüht ist.
Wer genau zusieht, entdeckt noch einen Frühblüher. Das ist das Hungerblümchen. Aus einer zierlichen Blattrosette erhebt es seine niedrigen Stiele mit den winzigen Weißen Blütchen. Auf dein sonnigen Hang stehen sie zu Hunderten und Tausenden nebeneinander, ihr bescheidenes Leben vollbringend, von den wenigsten Menschen gekannt und beachtet. Der Volksglaube sieht in dem zahlreichen Auftreten und Blühen des Hungerblümchens das Zeichen für ein unfruchtbares Jahr. Der Raine stammt jedoch daher, weil das Pflänzchen auf nahrungsarmem, kümmerlichen! Boden wächst.
Zwei bis drei Wochen scheint die Ratnr voraus zu sein gegen andere Jahre. Die Haselkähchen haben ihren gelben Blutenstaub schon ausgeschüttelt. Vicht lang wird's dauern, so werden auch die Weiden in voller. Blüte stehen und den hungrigen Bienen das erste Futter darreichen. Wehe den Menschen, die rücksichtslos die Blütenzweige von den Büschen reißen und Gottes schöne Vatur verschandeln! Jeder sollte' daran denken, daß er damit den emsigen Honigsammlern ihre ersten „Weideplätze" raubt und den Spaziergängern, die nach ihm kommen, einen lieblichen Anblick!
Doch wir wollen uns jetzt keinen verdrießlichen Gedanken hingeben. Wir lauschen der Kohl
meise, die aus dem Geäst des Apfelbaumes ruft: Frühling ist s, Frühling ist's. Veckend jagen sich Männchen und Weibchen von einem Baum zum andern. Ihr schwarzblaues Käppchen scheint für den Sonntag besonders schön geputzt und geplättet zu sein ,so glänzt's in der Sonne. Dann treffen wir im Duschwäldchen ein zärtliches Goldammerpaar. Do leuchtend gelb ist des Männchens Kopf und Hals, daß die Kinder meinen. es sei wohl ein entflogener Kanarienvogel.
Mit Heiterkeit im Herzen kehren wir heim, und mir kommt Mörikes schöner Frühlings- gedanke in den Sinn:
Frühling läßt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte: Süße, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon. Wollen balde kommen. — Horch, von fern ein leiser Harfenton? Frühling, ja du bist's!
Dich hab' ich vernommen! H. O.
Daten für Freitag, 7. März
1792: der englische Astronom Sir John Herschel in Slough geboren. — 1922: der Mediziner Karl Ludwig i^hleich in Saarow-Pieskow gestorben.
Gictzener r6ochcnmarktprcisc.
Es kosteten aus dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 170, Matte 30 bis 35, Wirsing 25 bis 35, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 35 bis 40, älnter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 35 bis 40, Feldsalat 180 bis 200, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4,5 bis 5, Aepfel 10 bis 15, Dirnen 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Russe 50 bis 80, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund: Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf. Tauben 70 bis 80, Eier 10 bis 11, Blumenkohl 50 bis 100, Salat 30 bis 40, Endivien 40 bis 60, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück: Radieschen 25 bis 30 Pf. das Bund: Kartoffeln 3,80 bis 4 Mk. der Zentner.
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag: Akademische Kurse für Kaufleute und Gewerbetreibende: Betriebswirtschaftlicher Kursus
(Thema. Selbstkostenproblem, Vortragender tlniv.-Prof. Dr. Aulcr», 20,15 Llhr, Großer Hörsaal des Dvrlesungsgebäudes. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pat und Patachon als Kannibalen" und „Luvino Lane im Sanatorium". — Ast oria-Lichtspiele: „Der Schrecken der Posträuber" und »Dolores, die Pantherkatze".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am morgigen Freitag, 7. März, findet die zweite Wiederholung des mit so großem Beifall ausgenommenen Arnold-und-Dach - Schwankes „Weekend im Paradies" statt. Am Samstag, 8. März, um 15.45 Uhr findet zu kleinen Preisen eine Schülervorstellung des Shakespeare-Lustspiel „Wie es euch gefällt" statt. Man wird es hoffentlich begrüßen, daß auch der Jugend eine Sonderausführung dieses klassischen Lustspiel« geboten wird. Das heitere Stück wurde allseitig als eine besondere in Spiel, Kostümen und Bühnenausstattung wohlgelungene Aufführung angesehen. — Sonntag, 9. März, 18.30 Uhr, findet als letztes Operetten-Gastspiel des Frank
furter Operetten-Ensemble« eine einmalige Ausführung „Der fidele Bauer" statt.
— „Die R o t der deutschen Ostmark" ist Has Thema eines Vortrages am nächsben Montagabend im EafS Leib, zu dem die Arbeitsgemeinschaft der Militär- und Regimentsvereine Gießen im Anzeigenteil unseres gestrigen Blattes eingeladen hat. Vortragender ist Archivrat a. D. Thiele aus Berlin. Der Eintritt ist frei, Gäste sind den Einladenden willkommen.
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** Festgoitesdicnst in der Stadt- kirche Am nächsten Sonntag wird der Hauptgottesdienst in der Stadtkirche um 9.30 Uhr auf Wunsch der 50er-Vereinigung 1870 1920 lVorsitzender Stadtratsmitglied Apotheker S ch w i c - der) zu einem Festgottesdienst für alle im Jahre 1870 geborenen Männer und Frauen, sowie deren Angehörige ausgestaltet. Die Predigt wird Pfarrer Mahr halten. Die Konzertsängerin Frl. Stammler und der K i r ch e n ch o r werden bei dem Gottesdienst mitwirken. An dem Festgottesdienst werden alle Mitglieder der Vereinigung ohne Unterschied der Konfession teilnehmen. Die Altersvereinigung wird an diesem Sonntag die Kirche mit Blumen schmücken und außerdem auf den Gräbern der Heimgegangenen Alterskameraden Kränze niederlegen lassen.
** Eine Schulfeier des Realgymna- s i u m s findet am morgigen Freitagnachmittag in der Turnhalle der Anstalt statt. Ferner veranstaltet die Direktion der Schule eine Ausstellung der Schülerzeichnungen. Die heutige Anzeige sei der besonderen Beachtung empfohlen.
•• Städtische Brennholzver steige- rung. Auf die am morgigen Freitag 9.30 Uhr beginnende Brennholzversteigerung der Stadt Gießen in der Abteilung 51 des Stadtwaldes, bei der außer erstklassigem Buchen- und Eichenbrennholz auch kleinere Mengen Fichtenderbstangen 1., 2. und 3. Klasse zum Verkauf kommen, fei an dieser Stelle besonders hingewiesen. Bei dieser Versteigerung wird da« noch restliche Brennholz aus der Försterei Rödgen (Abt. 3 — Stolzenmorgen —, 19b — Dhilosophenwald — 23, 27, 28, 38 und 42 — Stadtwald —) ebenfalls zur Verwertung gelangen. Das Holz aus diesen Abteilungen kann jedoch nicht vorgezeigt werden, weshalb vorherige Besichtigung empfohlen wird. Zusammenkunft: Alter Rödger Weg, 11. Schneise (an der Happelwiese).
*• Keine Geflügelcholera mehr. Das Polizeiamt teilt mit: Die Geflügelcholera in dem Hühnerbestand des Theo Bieker, Gießen, Reustadt 55, ist erloschen.
** Ein Saatgutmarkt mit anschließendem Grünlandkursus findet auf Veranlassung der Landwixtschaftskammer .am kommenden Sonntag in G r ü n b e r g im Gasthaus ., Zum Rappen^ statt. Interessenten mögen die heutige Anzeige beachten.
** Die landwirtschaftliche Haus- haltungsschule in Michelstadt, eine Einrichtung der Hess. Landwirtschaftskammer, eröffnet am 2. Juli wieder einen fünfmonatigen Haushaltungskursus Zur Beteiligung an diesem Kursus wird in unserem heutigen Anzeigenteil eingeladen. Man beachte die Anzeige.
"Der Eisenbahnverein Gießen hielt am Sonntagnachmittag im Saale des Kath. Vereinshauses seine diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung ab. Aus dem vom ersten Vorsitzenden, Reichsbahnobersekretär A l t h a u s, erstatteten Geschäftsbericht war zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl des Vereins sich im verflossenen Jahre m erfreulicher Weise vermehrt hat. Der starke Mitgliederzuwachs berech
tige zu der Hoffnung, daß bald wieder die Mitgliederzahl wie vor dem Kriege erreicht sein werde. Mit den Veranstaltungen des Berlins im verflossenen Jahre könne man zufrieden sein. Auf dem Gebiete der Mitglicderfürsorge habe der Verein segensreich gewirkt. 125 kranken und erholungsbedürftigen Mitgliederkindern sei im Laufe des verflossenen Jahres aus Mitteln der Dereinsfürsorge ein sechswöchiger Kuraufenthalt ermöglicht worden Der vom Rechner, Reichsbahnassistent August Loos, erstattete Kassenbericht wies eine Einnahme von 2292,18 Mark und eine Ausgabe von 2254,56 Mk. auf. Rach dem Bericht des Kassenprüfers wurde dem Rechner mit Dank Entlastung erteilt. Für drei ausgeschiedene Vorstandsmitglieder wurden Reichsbahnsckretär Heinrich L u h, Reichsbahnassistent Hamel und Reichsbahnhilfswagenmeister Leinweber gewählt. Der Vorsitzende teilte dann mit, daß der Vorstand für die diesjährigen Vereinsausflüge Koblenz gewählt und die erforderlichen Schritte zur Genehmigung der beiden Sonderzüge bereits eingeleitet habe. Die Errichtung einer Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen Eisenbahner sämtlicher Dienststellen in Gießen wurde erneut in Erwägung gezogen. Der Vereinsvorstand wurde beauftragt, an die Reichsbahndirektion Frankfurt mit der Bitte um Heberlassung einer geeigneten Flache an einer Wand der Bahnhofshalle zur Anbringung einer Ehrentafel heranzutreten.
Kirchliche Nachrichten.
Israelitische Keliglonsgemeinbc Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 8. März. Vorabend: 6 Uhr: morgens: 9 Uhr: abends: 6.25 und 7.05 Uhr.
Israelitische Religionsgescllschasi. sabbatfeier den 8. März. Freitag abend 5.50 Uhr: Samstag vormittag 8.30 Uhr: nachmittags 3.30 Uhr: Sabbatausgang 7.05 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 7, abends 5.30 Uhr.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
„Der haushalt ist der beste, in dem man nichts Ueberfliissiges will und nichts Notwendiges entbehrt", hieß es im Altertum.
In der heutigen Zeit hält man sowieso nur Ausschau nach dem Notwendigen, dabei Guten und Billigen. .hierbei sind in erster Linie Maggi's gebrauchsfertige Suppenwürfel zu nennen, weil sie um wenig Geld nahrhafte, wohlschmeckende Suppen in reicher Auswahl liefern. In Millionen von .Haushaltungen sind diese praktischen Helfer der Küche ständig im Gebrauch. 407D
TVilf heute, jeder -6ein /- jjrum tutypiier- j/jraxiri^ jfadhinein Und nimm jfäiAerSÄcnax-. Sei/edaitr Sc /uh td du dich verjüngt im Sj?t
Ab Freitag, den 7. März, sieht ein großer Transport osipreußische hochtragende MemMdel in meinen Stallungen zum Verkauf. J9llD
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Ich bin nunmehr auch am
Landgericht Giefeen
zugelassen.
Dr. Meinhardt
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Rechtsanwalt
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Viele Speisen, wie Schnitzel, Kotelett, Beefsteak, Bratwurst usw., geben wenig Soße. \A erden diese Gerichte mit Knorr Bratensoße gereicht, so wird die Hausfrau bei Tisch nicht den Vorwurf hören: „Das Essen schmeckt so trocken.“ — Knorr Bratensoße ist mühelos in wenigen Minuten zuzubereiten und kann niemals mißlingen. Ihr feiner, würziger Geschmack paßt sich der Eigenart jeder Fleischspeise an.
1 Würfel gibt so viel Soße
wie 2 Pfund Braten
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1 Würfel “ ^1 « U Pfennig


