Von derRomantil zur Gegenwart
— Paul 22 iegler: Geschichte der deutschen Literatur. Band 2: „Don der Olomantil bis zur Gegenwart". Derlag Hilft ein, Berlin. Drosch. 22. Leinen 26 Mk. (503.) — 3n diesem Dand wird die deutsche Literatur des IS. Jahrhunderts dargestellt und die des 20. btS 1930, bis zu unmittelbaren Gegenwart. Dre Anlage ich dieselbe wie in dem vorigen, früher schon an dieser Stelle besprochenen Band, der mit Goethes Tod, dem Ende des Klassizrsmus von Weimar und mit 3can Paul als einem Menschen des Hebergangs abschloh. Wiegler erzählt die Literatur, gibt in der Farbe der Originalwerke und in der Fülle des stofflichen Reichtum- die 3nhalte und schildert das Leben der 'Dichter im Zusammenhang mü ihren Schöpfungen. Er benutzt ihre Briefe, Tagebücher, felbstbio- graphischen Niederschriften und die Berichte ihrer Zeitgeiwssen, um ihre verborgene Problematik ans Licht zu heben: und so erscheint die Gesamtentwicklung des poetischen Schaffens als ein überwältigender Zug von Persönlichkeiten. Heberall ist zugleich der kulturelle Hintergrund zur Anschauung gebracht und die Folge der Generationen. Sie beginnt mit der Romantik und ihren Gruppen, zwischen denen Hölderlin und Kleist ihr gesondertes Dasein haben, führt zur Spätromantik und Rachromantik und über Heine zum Jungen Deutschland. Don dem, was Wiegler als Literatur des Zeitgeists und der Revolution zu- sammenfaht, wendet er sich den großen Tragikern zu, Otto Ludwig, Hebbel. Richard Wagner, und den großen Erzählern, Stifter, Keller, Meyer, der Francois, Storm und Raabe. Die bürgerliche Literatur der siebziger und achtziger 3ahre wird behandelt; die „zwischen den Zeiten", begrenzt durch die Namen Bismgrck, Anzengruber, Fontane. Cbner-Eschenbach, Lagarde und Nietzsche; der Dormarsch des Naturalismus, die Generation der Haupimann, Liliencron und Dehmel, die Literatur um 1890 und 1900. Zuletzt werden die Lebenden porträtiert, in einer Hebersicht, die keinen irgendwie wesentlichen Dichter auch der Nachkriegs-Cpoche fortläßt und bis in die neuesten Daten vollständig ist. Sachlich in allen Angaben unangreifbar, glänzend geformt, wird diese Literaturgeschichte jeden Leser in Bann schlagen.
Deutsche Erzähler.
— 3oseph von Laufs: O du mein Niederrhein. Roman. Grotcsche Sammlung von Werken zeitgenössischer Schriftsteller Bd. 187. Geh. 5 Mk., geb. in Ganzleinen 7,50 Mk. G. Grote, Berlin. (450). — All seinen Humor, seine herzhafte Gestaltungsgabe, seine Liebe zur nieder- rheinischen Heimat und zum deutschen Vaterland hat der in diesem 3ahre 75jährige Dichter seinem neuen Buche mit auf den Weg gegeben. Es ist aus dem vollen Lebensstrom geschöpft, der das Lebenselement des Rheinländers bildet, es ist ein Hymnus auf die stille 22eite von Wald uni) Feld am Niederrhein, auf die Traulichkeit der alten Städte, auf die schöne Besonderheit des Menschenschlages. Die hochgemut ,kapiteinische Tochter" Iakobine ist eine Verherrlichung des niederrheinischen 2Veibes mit all seinen sinnlichen und seelischen Reizen, der Förster Reiner, der sie nach allerlei Wirrnissen erringt, ein Bild aus rechter Männlichkeit in Denken und Handeln. Darum herum gruppieren sich jene Kapitäne, Wirte und „Rübenbarone", für deren Zunge Gott die Reben wachsen' läßt, für deren Ohren er Histörchen in die große Weltgeschichte einstreut, für Deren Augen er die Frauen lieblich macht, und die bei aller heiteren Lebensgewandtheit der schweren Gegenwart fest ins Auge schauen.
— Gustav Schröer: Die Flucht aus dem Alltag. Einmalige Vollsausgabe. 15. bis 30. Tausend. 310 Seiten 8". Leinen 2,85 Mk. Okrlag von Quelle & Meyer, Leipzig. (520.) — Zum ersten Male liegt einer der großen Romane des Thüringer Heimatdichters zum Preis von 2,85 Mark vor. Diese gediegene „Volksausgabe" ist ein Geschenk an Schröers ausgedehnte Lcsergemeinde. Schröer ist durch Geburt und innere Verwandtschaft mit der Welt des mitteldeutschen Stammes, seinen Kämpfen und Nöten verbunden, und sie hat in ihm einen beredten Ausdruck gefunden. Die „Flucht aus dem Alltag" hat alle die guten Eigenschaften, die dieses Werk zu einem rechten Volksbuch machen können. Der 22eltweite des Deutschen steht hier die Sammlung im kleinen Kreis der Familie als notwendiger Ausgleich gegenüber. Einkehr, Selbstbesinnung, Loslösung von des Tages Geschäften, ein Wollen hinauf und empor — das ist die Sonne, die über den Alltag leuchten muß. So ist dieser Roman in Tagebuchform ein hohes Lied vom deutschen Familienleben, seinem Glück und Licht.
— Max Krell: Orangen in Ronco. Roman. 243 Seiten 8". Geh. 4 Mk., Leinen 6,50 Mk. Ernst Rowohlt, Verlag, Berlin 1930. (327.) — Das ist eine Episode, ein 3ntermezzo aus unserer Zeit: die zarte und mit behutsamen Fingern dargebotene Liebesgeschichte eines alternden Mannes und eines sehr jungen Mädchens, welches den merkwürdigen und würzigen Vornamen Thymian führt. Ein großer Mann, ein Selfmademan aus der 3ndustrie, besinnt sich eines Tages darauf, daß er an einem inneren Wendepunkt seines Daseins steht; ihn überfällt jählings und unbestimmbar die Angst vor seinem Alltag und die Sehnsucht nach einer 3ugend, die er längst hinter sich gelassen hat. Er flteht in den Süden, an einen See, in eine kleine idyllische Landschaft, findet das Mädchen Thymian darinnen und lebt, sich verjüngend, eine Handvoll glücklicher Tage mit ihr. Hnd eines Tages ist es dann aus; und er kehrt zurück in die große Welt und das große, brausende Leben, und es ist alles wie zuvor. Kann eine Liebesgeschichte anders enden? Sie ist in einem knappen, gepflegten Stil geschrieben, von literarischer Haltung, modern und dennoch nicht ohne Anmut.
— Robert Neumann: Passion. Sechs Dichter-Chen. 221 Seiten 8°. Kart. 3,50, Ganzl. 4,80 Mark. Phaidon-Verlag, Wien. (474) — Wir finden, daß Neumann seine starke Begabung an einen besseren und wesentlicheren Stoff hätte wenden sollen als an diese chronique scandaleuse, die in ihrer Gesamtheit einen durchaus peinlichen Eindruck hinterläßt; wir sagen das gerade, weil wir den Autor und seine vorcmgegangenen Leistungen wertmäßig anerkennen. Dieses Buch hätte er sich und uns ersparen sollen. Es wird gelesen
Kür den Büchertisch.
werden und wahrscheinlich sogar ein großes Geschäft machen, aber was beweist das ? Für die Qualität nichts — für die Spekulation auf das Sensationsbedürfnis eines primitiven Publikums manches. (Dabei ist das Buch so geschickt geschrieben wie fast alles, waS Neumann anfaßt.) Am erträglichsten sind noch die Kapitel über Shelley und Balzac; aber der Weimarer Klatsch über die Vulpius, die 3ndiskretionen aus dem fatalsten Kapitel in Goethes Biographie — ist das geschmackvoll? Daß Strindberg ein unglücklicher Mensch und seine Ehe ein 3nferno war, daß wußten wir schon — vor diesen indezenten Ausführ- lichkeiten aus dem privatesten Leben. Ebensowenig wird für Dostojewski und Byron durch diese posthumen Enthüllungen gewonnen; man hätte dem Publikum die Dichter doch wohl auch noch auf andere Weise „menschlich näherbringen" können, um das Stichwort zu sagen, hinter dem der Autor sich vermutlich gegen jede Ablehnung zu
rückziehen wird, wenn wir den 2Daschzettel des Verlags recht verstanden haben. -y-
— Sophie Evenius: „Katharine Kep- l e r". Erzählung. 132 Seitep 8". Kart. 2,50, Leinen 3,20 Mark. Oranien-Verlag, Herborn 1931. (507.) — Die Erzählung behandelt das Schicksal der Mutter des großen deutschen Astronomen Johann Kepler, dessen 300. Todestag am 15. November begangen wird. Auf dem dunklen Hintergründe einer durch Aberglauben verfinsterten Zeit zeichnet die Verfasserin auf Grund eingehender Studien das helle Bild einer charaktervollen Frau.
— Friede H. Kraze: Mysterium. Roman. 288 Seiten 8°. Brosch. 4,50, Leinen 5,80 Mk. Hellmuth Wollermann, Braunschweig. (523.) — Das Problem dieses neuen, von starker Spannung und starkem Stimmungsgehalt getragenen RomanS der beliebten Erzählerin ist die Psychoanalyse; daS Werk dürfte der großen und getreuen Gemeinde der Kraze neue Anhänger zuführen.
Krieg und Revolution.
— Karl Benno von Mechow: Das Abenteuer. Ein Reitcrroman aus dem großen Krieg. Umschlag- und Einbandzeichnung von Friedrich Kremer. 253 Seiten 8°. Geh. 4,50 Mark, Leinen 7 Mark. Verlag von Albert Langen, München 1930. (439.) — Es scheint eine neue Welle von Kriegs- büchern heranzurollen. Innerhalb weniger Tage wirft man uns gleich fünf Neuerscheinungen als Rezensionsstücke auf den Schreibtisch. Eines davon ist Mechows „Abenteuer". Das Kriegsbuch eines Kavalleristen. (Schon Lachmann schrieb den „Frontbericht eines Reiters"; er umspannte vier Jahre.) Dieser hier nur zwei. Die beiden ersten. In Rußland. Mit der Reiterei. Eine Schilderung vom „sausenden Spaziergang nach Osten". Ganz klar, nüchtern, männlich beschrieben. Ohne Beschönigung, ohne Schminke^ mit allerlei bittern Wahrheiten. Aber auch mit Freude am Reiten, am „großen Abenteuer", und voll Stolz und wehmütiger Erinnerung an die guten, gefallenen Führer. Das ist bei alledem weniger Roman als Bericht, Teilbericht von einem großen Kriegsschauplatz der ersten Jahre, unter dem Motto und Reiterspruch „Abenteuer ist überall zwischen Geborenwerden und Sterben". —
— Konrad Seiffert: Bormarsch im Osten. Brandfackeln über Polen. 173 S. 8°. Kart. 3,50 Mark, geb. 5 Mark. Fackelreiter-Ver- (ag, Hamburg-Bergedorf 1931. (441.) — Noch ein Kriegsbuch. Noch ein Buch gegen den Krieg. Diesmal von der Ostfront. Nur ein Ausschnitt, eine Folge von Bildern voller Schrecknis und Grausam- feit. „Schlachtfeld", „Stadt", „Einzug", „Flücht- linge", „Nachtasyl" — so heißen etwa die Stationen dieses Vormarslyes in Russisch-Polen, die aus bitterem Erleben, aus persönlicher Erinnerung und mit ganz bewußter Tendenz hier aneinandergereiht werden. — Druck und Ausstattung des Buches sind zu loben.
— Ernest Hemingway: 3 n einem anderen Land. Roman. 367 Seiten 8". Geh. 4,50, Leinen 7.50. Ernst Rowohlt Okrlag, Berlin 1930 (442). — Wieder ein Buch vom Kriege. Dies ist die deutsche Fassung des amerikanischen Originals
„A farewcll to arms“. (Hebersetzt von Annemarie Horschitz.) Der deutsche Vorabdruck des Werkes trug den Titel „Schluß damitI Adieu Krieg!" ES spielt, merkwürdig genug, zum großen Teil in Italien, auf dem Kriegsschauplatz und im Lazarett. Noch merkwürdiger aber: das Hmschlagbild zeigt einen niedlichen dicken Puito, ein Amorbübchen, dem ein Stahlhelm über seinen Bogen gestülpt ist. Aus diesen unmißverständlichen Symbolismen schon ist zu entnehmen, daß die Erinnerungen deS Amerikaners Hemingway, der seinen Roman in der Ichform erzählt, sich nicht allein auf den Krieg beziehen (den er verabscheut und dem er mit endgültiger Entschiedenheit Lebewohl sagt) — sondern auch auf die Liebe. Hnd also daS Allermerkwürdigste: wie dieser rauhe und ungeniert deutliche Kriegsroman unversehens und auf eine überraschende Art sich in eine zärtliche Liebesgeschichte auslöst, die im Lazarett begann und die sehr traurig endet in der französischen Schweiz — abseits schon und fern vom Kriege.
— Heinz Liepm ann: Der Frieden brach aus, Roman. Phaidon-Verlag Wien IV. (436) — Die furchtbaren Tage der Inflation, der materielle und sittliche Zusammenbruch nach dem Friedensschluß sind hier zu einem Roman gestaltet. Wie einen häßlichen Traum, wie den schauerlichen Wirbel eines Totentanzes empfinden wir die schnelle Szenenfolge, mit der Menschenschicksale dieser haltlosen und hoffnungslosen Zeit gespenstisch vor uns auftauchen und verschwinden, ungreifbare, blasse Schemen heute, und doch Typen jüngster Dergairgenheit.
— KurtLamprecht: RegimentRe'ichs- t a g. Preis geb. 6 Qllt. Der Fackelreiter-Verlag, Hamburg-Bergedorf. (469) — Sehr knapp und pointiert, schon durch den behandelten Stoff aufregend und spannend ist dieser Ausschnitt aus dem Bürgerkrieg in Berlin der Jahreswende 1918/19, in dem von einigen entschlossenen Männern zusammengerafften Truppenresten der Lpar- takusaufstand in blutigen Straßenschlachten niedergerungen wird.
Rechtswiffenschastliche Literatur.
— Handbuch des Deutschen Staatsrechts, in Verbindung mit einer Reihe von Gelehrten herausgegeben von Gerhard Anschütz und Richard Thoma, Verlag 3. C. B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen, Subskriptionspreis der Lieferung 2,40 Mk. (insgesamt etwa 30 Lieferungen) broschiertes Exemplar des auf zwei Bände berechneten Werkes 60 bis 70 Mk. — Von dem bedeutsamen Sammelwerk liegen nunmehr sämtliche Lieferungen des ersten Bandes vor. Auch die ersten drei Bogen des zweiten Bandes (16. Lieferung) werden soeben ausgegeben. Das Werk zeigt den großen Vorzug aller ähnlichen Unternehmungen, daß die einzelnen Teilgebiete von Spezialisten bearbeitet werden konnten. Der jetzt abgeschlossene erste Band gibt in seinem ersten Teil Die geschichtlichen Grundlagen. Anschütz, Hübner, van Calker, Omelin, Schücking, Meinecke, 3ellinef und Koellreutter, um nur einige zu nennen, behandeln Die Geschichte des deutschen Staatsrechts vom alten Reich über den Deutschen Bund und die nationalen Cinheits- beftrebungen der 48er 3ahre zum Norddeutschen Buick) und zur Vismarckschen Reichsverfassung, die dann in ihren Grundzügen eingehend dar- gelegt wird. Der Schluß des ersten Teils behandelt schließlich die Umwälzung des Jahres 1918 und die Entstehung der neuen Verfassung wobei auch die Entwicklung des Etaatsrechts in Oesterreich seit dem 3ahre 1918 gebührend berücksichtigt wird. Der zweite Hauptteil gibt das geltende deutsche Staatsrecht, und zwar die Struktur des deutschen Staatswesens, sein Staatsgebiet und seine Staatsbürgerschaft, die Beziehungen zwischen Reich und Ländern und Die Organisation des Reiches und der Länder. 3n einer Zeit, die in hohem Maße das Bedürfnis nach einer staatsrechtlichen Reform, nach einer Neugliederung des Reiches und einem organischen Neuaufbau Der Verwaltung in Reich und Ländern zeigt, ist gerade dieser Teil des Handbuches von besonderem Wert und wird nicht nur in Der Fachwelt auf berechtigtes Interesse stoßen. Der zweite Band, dessen erste Lieferung Der Verlag soeben vorlegt, beginnt mit der Behandlung des Beamtenrechts in Reich und Ländern.
— Ernst Beling, Prof, in München: Die Lehre vom Tatbestand. Verlag 3. C.D.Mohr, Tübingen, 1930. 23 S. (301.) — Die Delingsche Verbrechenslehre ist dasjenige neuere Strafrechtsshstem, das die weiteste Verbreitung gefunden hat. An Hand Der jetzt in 11. Auflage vorliegenden „Grundzüge" eignen sich zahlreiche Studenten Die grunDlcgenDen Gesichtspunkte zur Erfassung unseres Strafrechts an. Auch in andere Lehrwerke des Strafrechts sind wesentliche Bestandteile Der Belingschen Lehre übergegangen. Beling selbst hat aber mit Der Zeit Unvollkommenheiten in feinem System entdeckt, denen abzuhelfen Die vorliegende, Reinhard v. Frank zu feinem 70. Geburtstag gewidmete Schrift berufen ist. Die hier gebrachten
QlenDerungen find bereits in Die neue Diesjährige Auflage Der Grundzüge übergegangen. Aber Die kurze Abhandlung erleichtert allen Denen, Die in der alten Derbrechenslehre denken gelernt haben, den Hebergang zur „geläuterten“ Lehre und ist besonders im Hinblick hierauf zu empfehlen. E.
— FestgabefürRcinhardvonFrank zum 70. Geburtstag, zwei Bände, 620 und 588 Seiten, Verlag von 3. C. B. Mohr, Tübingen, 1930. Geh. 63 Mark, geb. 70 Mark. (318) — Am 16. August diesen 3ahres ist Reinhard von Frank diese stattliche Festgabe überreicht worden, Die nicht weniger geben will als einen „Querschnitt durch die heutige deutsche Strafrechtswissenschaft". Fast alle deutschen Hochschullehrer und einige hervorragende Praktiker wie Lobe, Ebermayer u. a., insgesamt 39 Autoren, haben sich vereint, um in einzelnen Beiträgen die wichtigsten Probleme des deutschen Strafrechts zu behandeln. Die meisten Schriftsteller haben sich Fragen vorgenommen, die ihnen von früheren wissenschaftlichen Spezialarbeiten her vertraut und ans Herz gewachsen sind. Die steuern also zu der Festgabe Abhandlungen bei, Die die Quintessenz eines rastlos erneuerten, immer lieferen Eindringens in die Probleme Darstellen. Ich nenne hier nur beispielsweise Die Aufsätze von Regler (Dem Herausgeber) über subjektive Rechtswidrig- keitsmornente, Nagler über Den Begriff Der Rechtswidrigkeit, Mezger über Die Zurechnungsfähigkeit, Goldschmidt über den normativen Schuldbegriff, Finger über Den Begriff der Gefahr, Schoetensack über Den Versuch, Baumgarten über Die Idealkonkurrenz, Kahl über Die Re- ligionsDelikte und Kern über die Beleidigung. Leider ist ein näheres Eingehen auf den Inhalt dieser und der anderen Beiträge an dieser Stelle unmöglich. Jeder aber, der sich mit dem monumentalen Werk beschäftigt, wird den Eindruck bekommen, daß es in gleichem Maße Zeugnis ablegt von Dem hohen Stande unserer Strafrechtswissenschaft, wie es eine würdige Ehrung des Mannes bedeutet, dem es gewidmet ist. Wie kein anderer unter den deutschen Strafrechtlern hat sich ja gerade Frank durch seinen in jeder Beziehung mustergültigen Kommentar zum Strafgesetzbuch den Dank aller am Strafrecht Interessierten: Der Studenten, Theoretiker und Praktiker verdient und erworben. Es mußte daher schon ein gewichtiges Werk geschaffen werden, um eine Festgabe zustandezubringen, Die des Meisters wert war. Dies ist Dem Herausgeber, dem Verlag und den Mitarbeitern aufs schönste gelungen. Mit besonderem Interesse wird aber der hessische ^Jurist von dem Erscheinen dieses Werkes KenNnis nehmen, das zu Ehren eines hessischen Landsmannes erschienen ist, Der überdies während der Jahre 1890—1899 an unserer Landesuniversität lehrte und dessen sich noch viele unter unseren Praktikern dankbar erinnern.
Aus fremden Literaturen.
— Knut Hamsun, August Weltum- fegler. Roman. Preis geheftet 5,50 Mark, in Leinen gebunden 8 Mark. Okrlag von Albert Langen in München. (447) — August Weltumsegler, der neue Odysseus — wir kennen ihn, kennen ihn gut aus HamsunS „Landstreichern" —, ist zurückgekehrt in Die stille Bucht und bringt wieder Leben in sie. Die Menschen verändern sich nicht, er kommt al- derselbe, der er vor zwanzig Jahren war: ein Mann, der Ideen hat, eine lebendige Zeitung, ein Waghals, in Geschäften dreist bis zur Frechheit, Olahrung für daS Traumleben Der Ducht; aber auch ein Mann ohne inneren Dalast, feig und abergläubisch WaS er in fremden Ländern sah, weiß er in Der Ducht zu verwerten: er baut sich ein schönes HauS nach dem andern, aber eins nach Dem anderen wird ihm abgclauft, Denn die Ducht bat gute Heringsjahre gehabt; er behalt keines. Zuletzt ist Die wenige fruchtbare Erde zu einer Stadt verbaut. Das ist Leben, da ist moderne Entwicklrmgl Auch eine Heringsmehlfabrik baut August, — bis auf den Schornstein und auf die Maschinen. Man braucht sie im Augenblick ja noch nicht, denn die Heringsschwärme bleiben aus. Aber August ragt in Glanz und Glorie. - - Die Stadt ist gebaut, — eine Stadt ohne Nahrung I Als Der Winter kommt, versinkt die Ducht in Elend. Hunger, Verzweiflung, Aufruhr, Raub wachsen in ihr, sonst nichts mehr. Da ist es Ezra, Der Hnmodeme, Der Landwurm, Der CrDknecht aus Der neuen Siedlung, Der die Stadt rettet. — August aber, Der eS für sich ja nie zu etwas bringt, geht wieder davon; rasch und leicht — leicht wie Geld — geht er durch oas Dämmernde Licht.
— Gunnar Gunnarsson: Schwarze Schwingen. Roman. 303 Seiten, 8". Berechtigte Hebersehung aus dem Dänischen von Pauline Klaiber-Gottschau. Hmschlag- und Einbandzeichnung von Professor Dr. Walter Tiemann. Geh. 5,50; Leinen 8 Mark. Verlag von (Albert Langen in München. (377) — Gerichtssitzung auf Island! Hnerbittlich wie die grauen Steinberge ihres Landes tagen die Männer, ein Urteil zu finden. Angeklagt find ein Mann und ein Weib, beide stark und schön. Die Frau ist gestorben, — wurde sie vergiftet? 02ar das ein Mord? Der damals Protokoll führte, als „die Gerechtigkeit ihren Gang ging", der junge Pfarrer führt in diesem Buch noch einmal Protokoll,.und er tut das an Dem Tage, Da fein einziger Sohn vom Meere verschlungen tourDe. Gerichtssitzung über sich selbst hält er, indem er von dieser Gerichtssitzung berichtet, die zwei Morde mit zwei Morden gestraft hat. — Und er nimmt den Tod feines Kindes als verdiente Strafe dafür an daß er, blind und befangen wie alle, einmal glaubte der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen zu müssen. Nun wehen die schwarzen Schwingen auch über feinem Haus. Dieser spannende Roman scheint geeignet, die Schätzung Gunnarssons bei uns noch zu vertiefen.
—^M. Verhoeven-Schmitz: Heimweh. Roman. Olus dem Holländischen von F. von D o t h m e r. 354 S. 8". Drosch. 4, Ganzl. etwa 7,50 Mk. Verlag Grethlein L Co., Leipzig, Zürich. (457). — Ein sicher nicht unbedeutendes und nicht uninteressantes Thema: die mittelalterliche Faust- Problematik in einen modernen Lebenslaus-trans- poniert. Der Stoff scheint uns doch Die Kraft der — In Holland preisgekrönten — Erzählerin überstiegen zu haben. Auch die Stilisierung ist keineswegs immer einwandfrei, allerdings läßt sich kaum beurteilen, wieviel davon auf das Konto des Heberse^ers kommt. 01 ad) Dem Gesamteindruck halten wir diese deutsche Ausgabe (zu der der Verlag sich durch die vorausgegangenen Publikumserfolge Der Arnmers-Küller verleiten ließ) für überflüssig. Romane vom gleichen Niveau gibt es bei uns zu Dutzenden, und ihre Autoren werden keineswegs mit einem Literaturpreis ausgezeichnet.
Länder und Völker.
— Handbuch der geographischen Wissenschaft: Die Länder der Erde in Natur, Kultur und Wirtschaft, herausgeaeben von Professor Dr. Fritz K l u t e, Gießen. Verlag der Akademischen Verlagsgesellschaft Athenaion m. b. H., Wildpark-Potsdam. (394.) — Das Werk, das in großzügiger und vorbildlicher Weise dem gebildeten Deutschland Die Kenntnis unseres CrDballs, seine Länder, Meere und Völker, ihre Natur, Kultur und Wirtschaft in Wort und Bild nahe bringen will, widmet die drei neuen Hefte (4 bis 6) zwei Zukunftsländern: Südamerika und Australien. Deides „unvollendete Kontinente", Wirtschaftsund Siedlungsländer von heute noch nicht abmeß- baren Ausmaßen, werden lebendig. Noch befindet sich Südamerika ganz im kolonialen Stadium, ist lediglich Rohstoffproduzent, und die Staaten, deren riesige Flächen grotesk mit ihrer geringen Einwohnerzahl kontrastieren, nehmen soeben erst Anlauf zu einer selbständigen Wirtschaftspolitik. Hier ist alles noch im Fluß, im ersten Stadium einer vielleicht großartigen Entwicklung. Aber auch Australien, dieser so gänzlich anders geartete Erdteil, ist — vielleicht noch mehr — Zukunftsland. Wenn auch dieses Land erst noch vorwiegend in seinen Küstenstrichen kultiviert ist, so vollzieht sich doch gerade jetzt die wichtige ODanDhing vom Dergbau zu Viehzucht und Ackerbau, beginnt überall Die systematische Siedlung gegen das Innere hin. Die mannigfachen Probleme der europäischen Einwanderung, Der staatlichen Konsolidierung und des wirtschaftlichen Aufstiegs fesseln den Leser in der Darstellung Geislers vom ersten Buchstaben an. Scharf gezeichnete Landkarten, Tabellen und Tafeln über Klima, Bevölkerungsdichte, Verkehr, Pflanzenformationen usw., charakteristische Photographien von Land und Leuten und vorzügliche Farbbilder, die treffend Die Landschaft Widerspiegeln, ergänzen Den Text auf Das einDring-
— „New Bork" von Paul Morand. Phaidon Okrlag, Wien IV. (385). — Als beste Orientierung hier eine Selbstanzeige Des Verfassers: „Man hat mir Den Antrag gestellt, ein Buch „New Dort" zu schreiben. Die Idee hat mich gepackt. Die zwei Monate, die ich in Nc'w Bork verbrachte, waren Derart mit Arbeit ausgefüllt, daß ich mich heute frage, wie ich eS. ohne zu ermüde, ausgehalten habe. Ich gab Damals offen zu, daß ich New Vork sehr wenig kenne, ich ersuchte um Ratschläge und bat um Hilfe. Hnd


