Der „Prophet" We ßenberg vor Gericht
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bereitet und bitte deshalb, von der sofortigen Aussprache abzusehen. Auch dies wurde ab- gelehnt. Der dritte Interpellant, der radikale Abgeordnete und ehemalige Ltnterrichtsminister Francois Albert, erklärte, er befände sich in dergleichen Lage wie die übrigen Interpellanten, doch wolle er dem Beispiel der beiden ersten Redner nicht folgen und sprechen. Der Redner wies die von der Rechtspresse gegen Bricmd gerichteten Angriffe scharf zurück. Seine Ausführungen lösten scharfen Widerspruch aus, und es kam zu lärmenden Szenen, so daß die Sitzung auf eine halbe Stunde unterbrochen werden muhte.
Berliner Börse.
Berlin, 5. Nov. (WTB. Funkspruch.) Nachdem schon gestern abend auf die Regierungserklärung im Reichsral die Kurse etwas anziehen konnten, war auch heute früh eine etwas freundlichere Stimmung fcstzustellen, da man annahm, daß sich das Interesse, für Spezialwerte wenigstens, erhalten werde. Die Umsatztätigkeit blieb aber nach wie vor gering, und die gestrigen Abendkurse wurden nur taxiert. (AEG yrfa 117, Siemens zirka 181, Farben zirka 143 und Reichsbank zirka 230 )
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Dor dem Schöffengericht Drriin-Mitte begann der Prozeh gegen den Heilmagnetiseur Iosef Weißenberg wegen fahriästig^r Tötung unter erschwerenden Umstunden und fahr.ässigcr Körperverletzung. Weißenberg ist der Begründer und das Oberhaupt der in Deutschland weitverbreiteten Sekte, die den Ramen ,Evangelische Io- hanneskirche, nach der Offenbarung St. Io- hanneS" führt. Bon Beruf ist der Angeklagte Maurer und Kellner. Seit dem Iahre 19)3 betätigt er sich als Heilmagnetiseur. Dann will er eine Erscheinung gehabt haben, die ihm bedeutete, geistlich tätig zu werden und zu predigen.
Unter den überzeugten Anhängern des Angeklagten befand sich auch das Drogistenehepaar W e r n i ck e. Im Iuni 1929 bildete sich bei dem Ehemann, der an Zuckerkrankheit litt, im Racken ein Karbunkel. Obwohl dieses Ge- schwür einen bedrohlichen Eharakter annahm, lehnte Wernicke die Zuziehung eines Arztes ab. Er behandelte es nach Befragen Weißenbergs vielmehr durch Auflegen von weißem Käse Da das Geschwür schlimmer wurde, schrieb die Ehefrau nochmals an Weißenberg und dieser antwortete, daß zunächst ein Ta^lappen und dann trockener weißer Käse auf die Wunde gelegt werden solle. Der Zustand des Kranken wurde schließlich so bedenklich, daß Frau Wernicke einen Arzt hinzuzog. Sanitätsrat Dr. B r a tz stellte sest, daß sich das Geschwür über den ganzen Racken und Hinterkopf ausgebreitet hatte und daß bereits Blutvergiftung eingetreten war. Zwölf Stunden nach der Einlieferung ins Krankenhaus st a r b Wernicke bereits. Die medizinischen Sachverständigen Prof. Dr. Strauch und Medizinalrat Dr. Frhr. v. Marenholtz sind auf Grund der Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, daß Wernickes Tod durch die s a h r l ä s - sige Behandlung des An^eilagten eingetreten ist. Die Ehefrau bemüht sich auch jetzt noch, Weißenberg zu entlasten. Sie ist noch immer eine fanatische Anhängerin Weißenbergs.
Im August 1929 ercrankte das fünf Monate alte Kind der Eheleute Haenicke in Hohenfinow an einer Augenentzündung. Eine von einem Arzt verordnete Salbe wurde von den Eheleuten nur einmal zur Anwendung gebracht. Rachdem mit der Gemeindeschwester vereinbart war, daß das Kind in die Charit^
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Wettervoraussage.
Der Kaltlufteinbruch, welcher sich einerseits auf die Temperaturen ausgewirkt und andererseits zu Barometeranstieg geführt haü ist bereits wieder be- endet. Dabei hat sich die Wetterlage in unserem Bezirk etwas freundlicher gestaltet, und die Niederschläge waren nur leichterer Art. Die Wetterlage geht aber neuen Verschlechterungen entgegen, denn über Irland, England und Nordfrankreich setzt stärkerer Luftdruckfall ein. Die Winde kommen dort aus südlicher Richtung und nehmen sehr lebhaften stürmischen Charakter an; Bewölkung und Niederschläge treten ebenfalls auf. Bei uns kündigt das wieder fallende Barometer den Witterungsumschlag an, der abermals Niederschläge und unfreundliches Wetter bringen wird.
Aussichten für Donnerstag: Zurück- drehen der Winde auf Süden und Südwesten. Zunahme der Luftbewegung, bewölkt und bedeckt mit Niederschlägen, milder.
Lufttemperaturen am 4. November: mittags 9,1 Grad Celsius, abends 5,5 Grad; am 5. November: morgens 4,8 Grad. Maximum 9,3 Grad, Minimum 4,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 4. November: abends 7,2 Grad am 5. November: morgens 6 Grad Celsius. — Niederschläge 0,2 mm.
Aus Oer PromnütofbaupfftaDt
Gießen, den 5. Rovember 1930.
Oer Weg zum Glück.
Da, wo die menschlichen Wünsche wandern, in der ganzen großen Ideenwelt, stehen ungezählte Wegweiser mit der Aufschrift: „Zum Glück". Doch nie ist eine nähere Erklärung dabei, nie weih man: laufen alle Wege auf einen gemeinsamen Punkt zu, den man überall das Glück nennt, oder mündet jeder auf unbestimmter Stelle, oder führt gar der eine oder der andere absichtlich irre, damit der rechte Weg nicht allen offenbar wird, sondern nur den Auserlesenen? So viele sind ausgezogen, einem dieser Wegweiser nach, und alles fanden sie, nur kein Glück. Vielleicht liefen sie daran vorbei und sahen es gar nicht, oder es war etwas, das ihnen zu unbedeutend dünkte, sich gar nicht der Mühe des Verweilens lohnte und das doch die Fähigkeiten des Glücklichmachens in sich trug. Wird einer sagen: „Beschreibt es mir, wie es aussieht, damit ich nicht daran vorübergehe!". Wie es aussieht?! Glück sieht nicht aus, ist nicht greifbar, nur seelisch. Glück ist kein Begriff; und wollte man sich recht prosaisch ausdrücken, so müßte man sagen: „Was dem einen eine Eule ist, ist dem anderen Rachtigall". Darum stehen auch so viele Wegtoeiser, die alle die gleiche Inschrift tragen, und doch jeder zu einem anderen Glück hinweist.
Jeder, der froh und zufrieden sich einen Zustand geschaffen hat, der ihm als Höhepunkt im Leben, als „Glück" gilt, sagt wohl: das war mein Weg zum Glück! In stiller Beschaulichkeit fand es her eine, im lauten Leben suchte es der andere. Die Stille erscheint so vielen leer, und darum laufen sie der lauten Reklametrommel der Stadt nach. Dort, wo mit dem Dunkelwerden die farbigen Lichter der Angreisungen leuchten, wo das Hupen der Autos, das Läuten der Straßenbahnen und das Geschrei der Vergnügungen die Rotrufe des einzelnen erstickt, da, wähnen so viele Toren, müsse das Glück sein. Müde und zerschlagen verlangen sie oft heim. — Die kleine Stadt bietet mehr Liebe, mehr Herzenswärme, mehr Mitgefühl als der Moloch Großstadt, in der ein Mensch an Einsamkeit vergehen kann.
Junge Augen schauen mit besonderer Sehnsucht nach dem bunten Leben und halten den Kreislauf von Tragödie, Trauerspiel und Lustspiel für einen unterhaltsamen Reigen. Mittanzen. mitschwingen können — das ist gewiß das Glück! Tausende starben daran, sie kamen wie die Motten zur Flamme, verbrannten sich die Flügel und gingen elend zugrunde.
Glück ist ein Begriff! Aber erst im Alter kommt das Verständnis für das Glück. Dann weiß man. ob man es errungen hat, weiß, ob man daran vorbeigegangen ist, und versteht es, fein Glück zu hegen und zu pflegen, auch wenn es nicht jene Formen angenommen hat, von denen man einst träumte ...
Zechtverein Daisenschuh.
Auf Einladung des Bürgermeisters Dr. Seid und des Rentiers Winn fand gestern abend im Stadthaus Gartenstraße eine Sitzung statt, in der über die Frage der Wiederbelebung des früher hier tätigen Fechtvereins Waisenschutz beraten wurde. In Verhinderung des Bürgermeisters Dr. Se i b leitete Herr Winn die von zahlreichen Damen und Herren besuchte Sitzung, und er gab dabei einleitend kurzen Aufschluß über die frühere segensreiche Wirksamkeit des Vereins Waisenschuh bei der Unterstützung von hilfsbedürftigen Halbwaisen. Sodann gab Herr Mohr (Mainz) vom Hessischen Hauptverein der Waisenschutz-Organisation einen Ueberblid über das Tätigkeitsfeld der freiwilligen Fürsorge für Halbwaise, die besonders in der Form von Weihnachtsbescherungen, Ausstattungen bei Konfirmationen und Kommunionen, sowie in gewissen Fällen auch in der Gewährung von Aufenthalten in Erholungsheimen zum Ausdruck fomme. An den aufschlußreichen Vortrag knüpfte sich eine rege Aussprache an, hr der allgemein die Wieder-
teiligung auS allen Schulen Hessens war über Erwarten groß; es wurden etwa 700 Entwürfe eingereicht. Die Arbeiten bieten einen interessanten und für den Besucher, der sich für die De- hfccbtunq der Ausstellung Zeit nimmt, tiefen Einblick in die Seele des Kindes und unserer Jugend überhaupt. Auf 'Veranlassung des Stadtschulamtes Gießen werden diese Arbeiten in einet Ausstellung in der Turnhalle der Pestalozzi- schule, Rordanlage 6, vom 6. bis 15. Rovern bet von 11 bis 13 Uhr und von 14 bis 16 llhr der Oeffentlichkeit zur Besichtigung zugänglich gemacht. Der Eintritt ist frei.
•• Ertappter Wilddieb. Dom Verein „Hubertus", Sih Gießen, wird uns mitgeteilt: Dor einigen Tagen vernahmen die Iagdpächtet von Dutenhofen bei der Jagdausübuna das Klagen eines Rehes, das nach langem Kampf, den daS Tier offenbar zu bestehen hatte, schließlich verstummte. Man suchte die Dickung ab, au8 der die Laute drangen, und fand ein in der Schlinge frisch verendetes Rehkitz. Die ganz« Umgebung zeugte von dem furchtbaren Todeskampf des qualvoll erdrosselten Stückes. Der Jagdaufseher Kreutz konnte nach stundenlangem Ausharren in der Rähe des Wildes am Vormittag des Fvlgetages den Frevler in der Person deS Ludwig Schneider jun. aus Dutenhofen feststellen, als dieser das Reh auS dec Schlinge löste, um damit zu verschwinden. Bei der folgenden Haussuchung durch die Landjägerei wurde festgestellt, daß Schneider schon mehr gewildert hat, so daß er nunmehr seiner Bestrafung entgegensieht. Hoffentlich findet dabei auch die tierquälerische Art des Fangens mit der Schlinge die entsprechende Berücksichtigung.
•• Gefundene Gegenstände. Das 03er- zeichnis der im Monat Oktober gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf-Pht- livP-Platz l. eingesehen werden Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbureau während der Dienststunden geltend zu machen
Oie Wetterlage.
Aus aller Welt.
Der Kasseler Magistrat lehnt die SDOO-Tfiarf-Spenbe für die Streikenden ab.
Im Magistrat wurde ein Antrag der Stadtverordnetenversammlung, 5000 Mark s ü r die Opfer der Bergwerkskatastrophen von Alsdorf und Maybach zu bewilligen, angenommen, wogegen der Dechluß der Sladtver- ordnetenversammlung, 5000 Ma.k fürdie streikenden Metallarbeiter in Berlin yt bewilligen, abgelehnt wurde. Der Oberbürgermeister teilte mit, daß im Laufe dieser Woche Derhandlungen mit Vertretern von Danken und der Landeskreditkasse stattfinden sollen, die die Aufnahme einer Anleihe zur Finanzierung des Arbeitsbeschaffungsprogramms zum Zweck haben.
Proteststreik gegen die Getränkesteuer in Dresden.
Auf Grund der Rotverordnung ist in Dresden eine zehnprozentige Getränkesteuer eingeführt worden die vom 1. Rovember ab in sämtlichen Gastwirtschaften aus alle Getränke außer Bier erhoben wird. Gegen diese Steuer haben die Dresdener Gastwirte beim Stadtrat Einspruch erhoben, der aber erfolglos geblieben ist. Daraufhin wurde beschlossen, zum Zeichen des Protestes am Don- nerstag sämtliche Dresdener Gaststätten ge- schlossen zu halten. Auch die großen Hotels beabsichtigen, sich diesem Proteststreik anzuschliehen.
Line Ratte stört die Stromversorgung.
Bocholt wurde am Dienstagabend durch ein . eigenartiges Vorkommnis in ein halbstündiges Dunkel gehüllt. Die Untersuchung ergab, daß sich eine Ratte indieTransfor- matorenstationder Flenderwerke ein- gcschlichen hatte. Das Lier hatte sich an ein Relais des 10 000°Dolt-OeIschalters herangemacht und eine lleberbelastung der mit Oel gefüllten Kästen der Stromwandler herbeigesührt. die infolgedessen platzten. Das hochgradig erhitzte Oel verbrannte unter explo.ivartigen Erscheinungen. Der dadurch in dem geschlossenen Trans,ormatoren- raum entstandene Luftüberdruck bewirkte, daß eine Wand herausgedrückt wurde. Die Flenderwerke müssen für zwei Tage stillgelegt werden. Die Ratte mußte ihre Reugier mit dem Leben bezahlen.
„G 38“ in schwerem Sturm.
Die Junkers G 38, die von Barce lonanach Madrid gestartet war, muhte in der Rähe von Tarragona infolge schweren Llnwetters gegen einen Sturm von 190 bis 200 Stundenkilometer mit Vetikalböen bis zu 500 Meter an- kämpfen. Die Maschine, die infolge des Sturmes, der ihrer Eigengeschwindigkeit gleichkam, nicht mehr vorwärts kommen konnte, fuhr deshalb nach Barcelona zu rück, wo sie wohlbehalten eintraf.
belebung des hiesigen DereinS Waisenschutz begrüßt wurde. Da 359 Bürger unserer Stadt gegenwärtig die direkte Milg.iedschaft beim Hessischen Hauptverein in Mainz haben, soll dieser Mitgliederstamm als Grundlage des neuen Ortsvereins gelten und darauf weiter aufgebaut werden. Rach dem formellen Beschluß über die Wiederbelebung des Gießener Ortsvercins wurde folgender Vorstand gewählt: Derwaltungsamt- mann Kaitzer, Vorsitzender; Derwaltungsober- fefretär Häuser, Schriftführer; Derwaltungs- obersekretär Gräf, Rechner; ferner noch Frau Dr. Marx, Frau Rotar PeterS, Oberschwester Anita Hermannh, Frau Reh, Psarrer A u s s e l d, Kausmann Weisel, ilhrmacher- meistcr Stöver und Schreinermeister Beil. Aus Zweckmäßigkeitsgründen wurde Gewicht darauf gelegt, daß die Leitung des Vereins in enger Verbindung mit dem städtischen Wohlfahrtsamt als der beftinformierten Seite auf diesem Arbeitsgebiete steht.
Aus dem Zuchthaus entsprungen.
Gestern kurz nach 18 Uhr ist der im L a n d e s - zuchthaus Marienschloh bei Rockenberg untergebrachte 30 Jahre alte Strafgefangene Georg Poth aus dem Zuchthaus aus- gebrochen und flüchtig gegangen. Der Mann ist Schreiner von Berus und war in seiner Zelle mit Holzarveiten beschäftigt. Dabei hatte er es fertiggebracht, sich eine Leiter anzufertigen und diese gestern nachmittag, als er bei Arbeiten im Zuchthaushose tätig war, heimlich aus der Zelle ins Freie zu schassen. Mit Hilfe dieser Leiter gelang es ihm dann, unbemerkt die Mauer zu über ft eigen und auf und da»
kommen sollte, weigerte sich die Mutter plötzlich. es nach Berlin zu bringen. Es sei ein Brief getommen, das Kind werde so gesund. Der Brief stammte von Weißenberg, der Frau Haenicke auf eine schriftliche Anfrage mitteilte, sie müsse zwei Eßlöffel weißen Käse nehmen uni) etwas Salz dazu und dieses ordentlich verrühren, dann in einen Lappen packen und dem Kind über Rächt auf die Augen legen. Am nächsten Morgen müsse sie den Käse verbrennen. Diese Behandlung müsse wöchentlich zweimal vorgenommen werden. Die Mutter müsse aber recht ernst ins Gebet gehen und in Geduld und Hoffnung verharren. Monatelang wurde das Kind demeniiprechend behandelt. Als Frau Haenicke Weißenberg aufsuchte, sagte dieser u. a.: Ich gebe Ihnen keinen Rat, ob Sie zum Arzt gehen sollen oder nicht, aber Ihr Kind wird auch so gesund. Das Kind erblindete jedoch schließlich auf beiden Augen.
Das Schöffengericht verurteilte Weißenberg unter Freisprechung von der Anklage der fahrlässigen Tötung wegen fahrlässiger Körperverletzung z u sechs Monaten Gefängnis. In der Urteilsbegründung führte der Dorsitzende aus, daß der Angeklagte als nicht mit voller Sicherheit überführt angesehen werden könnte, am Tode des Drogisten Wernicke schuldig zu sein. Als erwiesen sehe das Gericht aber an, daß der Angeklagte schuld an der Erblindung des Kindes des Ehepaares Haenicke gehabt habe. Denn er habe zweifellos eine Behandlung der Augen mit weißem Käse empfohlen. Deswegen habe auch das Gericht die Frage, ob der Angeklagte fahrlässig gehandelt habe, bejaht. Das Hauptverschulden erblicke aber das Gericht in der Fernbehandlung von Krankheiten durch Briefe. Bei der Bemessung des Straf- maßes habe das Gericht mildernd berücksichtigt, daß die Eltern des Kindes noch ein weit g r ö. ß e r e s Verschulden als den Angeklagten träfe. Aber die Tätigkeit von Leuten, wie des Angeklagten Weißenberg, die Krankheiten durch Fernbehandlung heilen wollten, stelle eine große Gefahr für das Dolkswohl und die Dolksgesund- beit bar. Es müsse immer wieder darauf hingewiesen werden, daß durch die Behandlung des Angeklagten einem jungen Menschen das ganze Leben verdorben sei.
von zu gehen. Kurze Zeit später wurde sem Verschwinden bemerkt und sofort die Verfolgung in die Wege geleitet. Beamte der Landes» kriminalpolizeistelle Gießen nahmen mit Hilfe eines Polizeihundes die Rachforschungen auf, der Hund verfolgte auch auf eine größere Strecke hin die Spur, verlor sie aber schließlich, so daß diese Suche abgebrochen werden muhte. Poth, der sich bei seinem Ausreihen in Anstalts- kleidung befand und ohne Geldmittel war, hatte wegen Spionage zugunsten Frankreichs eine längere Zuchthausstrafe in Marienschloh zu verbüßen Sämtliche Sicherheitsbehörden sind von dem Ausbruch des Gefangenen natürlich sofort in Kenntnis gesetzt worden.
Bornottzcn.
— Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: „Geschäft mit Amerika", 20 bis 22 Uhr. — Institut für Leibesübungen der Universität Gießen; Ski-Klub Gießen im DSD.: Ski-Film „Sonne über Piz Palü, 20 Tlhr, in der Reuen Aula. - Rationalsozialistische Deutsche Arbeiter- Partei: Oeffentliche Versammlung, 20.15 Uhr. im (Safe Leib. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Unter den Dächern von Paris". — Astoria-Licht- spiele: „Achtung! Falschmünzer!"
— Aus dem Stabttheaterbureau wirb uns geschrieben: Heute findet um 20 Uhr unter der Spielleitung von Karl Volck bie Erstaufführung von Paul Franks und ßubroig Hirschfelds Lustspiel: „Geschäft mit Amerika" statt. Der Erfolg, ben bas Stück anberwärts bereits errang, bürste ihm auch hier unter Karl Volcks Regie nicht versagt bleiben. Mitwirkende: bie Damen Jahn, Leutholf, Schwenb; bie Herren Bäuerle, Hauer. — Am Freitaa erstmalige Wiederholung bes Schauspiels „Neioharbt von Gneisenau" von Wolfgang Goetz unter ber Spielleitung von Walter Bäuerle.
— DonderDolkshochschule. Der Kursus „Handschrift und Charakter" fällt heute aus. Siehe Anzeige.
— Filmvorführung im DHD. Morgen, Donnerstag, läßt die Ortsgruppe Gießen des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Derbandes im Cafe Leib den Film „Milak, der Grönlandjäger" vorführen. (Siehe heutige Anzeige.)
•
•• Evangelisch-kirchliche Personalien. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrer Wilhelm Rau zu Wallernhausen die evangelische Pfarrstelle zu Dortelweil, Dekanat Rodheim, und dem Pfarrverwalter Lic. Ernst zur Rieden zu Offenbach die evangelische Iugendpfarrstelle zu Offenbach übertragen.
•* Straßensperre. Wegen Kanalausführungen wird die Provinzialstrahe Grünberg— Hungen, Ortsdurchfahrt Hungen, vom 10. Rovember ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über die Ortsdurchfahrtstrahe an der neuen Schule vorbei.
* Die Verlosung von Auslosungsrechten der Ablösungsanleihe der Stadt Gießen betrifft eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung, die der Aufmerksamkeit der Beteiligten empfohlen sei.
** G es chäf tsj ub iläum. Am morgigen Donnerstag, 6. Rovember, kann die Firma Sonn & Hertz, Mineralöl-Import, Gießen, Walltorstraße 44, auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken. Die Firma erfreut sich in Gießen und weit darüber hinaus dank ihrer guten kaufmännischen Grundsätze besten Ansehens.
** Arbeits-Jubiläum. Am morgigen 6. November ist der Oberheizer Karl Schweng- ber fünfundzwanzig Jahre bei der Veterinär-medizinischen Fakultät der Universität Gießen tätig. Der Jubilar erfreut sich bei der Fakultät und bei seinen Mitarbeitern wegen seiner dienstlichen und persönlichen Eigenschaften eines hohen Ansehens.
"* Zeichen-Ausstellung. Die Hessische Wanderausstsllung für Gesundheitspflege und soziale Fürsorge hatte im Februar in Verbindung mit dem Minister für Kultus und Dildungswefen einen Schülerzeichenwettbewerb ßur Erlangung eines Diplomentwurfes ausgeschrieben. Die Be-
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