Hebet die L o h n p o l i t i k besteht augenblicklich große Verwirrung. Ganz zu Hnrocht wird der Regierung vorgcworsen, daß sie Lohnsenkungspolitik treibe. Dabei wird vergessen, daß in an- deren Ländern, wo der Staat sich gar nicht um die Löhne kümmert, auch eine starke Lohnsenkung einget reten ist im freien Spiel der Kräfte Wenn die Reichsregierung ihre Machtmittel zur Stabilisierung der seitherigen Löhne einsetzen wollte, so stände sie vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Heberlassen wir die Lohnentwicklung dem freien Spiel der Kräfte, so könnten bei der deutschen Neigung zu extremen Strömungen. Störungen der öffentlichen Ordnung im Gefolge von Streiks und Aussperrungen eintreten, daß das Sanierungswerk ernstlich gefährdet werden könnte. Für die Regierung bleibt daher nur der dritte Weg der Lohnpolitik offen, nämlich mäßigend und regulierend einzugreisen.
Hierauf wurde gegen 12 Hhr die öffentliche Reichsratssitzung geschl's en und die Beratung in vertraulicher Sitzung fortgesetzt. Es sprachen die Ministerpräsidenten fast aller deutschen Länder. Sn der Aussprache kam der einmütige Wille zum Ausdruck, an dem großen Reformwerk mitzuarbeiten, wenn auch in Einzelheiten noch Bedenken vorgebracht wurden.
Oer Eindruck -er Kanzlerre-e
Die Meinung der Berliner Dresse.
Berlin, 4. Rov. (TH.) Bon den Abend- blättern nimmt nur ein Teil zu den umfangreichen Regierungserklärungen Brünings, Dietrichs und Stegerwalds im Reichsrat Stellung. Sm wesentlichen wird hervorgehoben, daß die Regierung mit dieser öffentlichen Aktion eine größtmögliche psychologische Wirkung habe Hervorrufen wollen, und die den Regierungsparteien nahestehenden Blätter stellen fest, daß dies dem Reichskanzler auch durchaus gelungen sei. Minister a. D. Reinhold feiert in der „B o s s i s ch e n Zeitung" Brüning, der frei und in feiner sicheren, bestimmten und überzeugenden Form sprach, als einen wirklichen Staatsmann, der immer mehr über sich hinauswachse und zu der staunenswerten Sachkenntnis auf vielen Einzelgebieten von Monat zu Monat mehr die unbeirrbare Sicherheit des Snstinkts untf den auf ein großes Ziel gerichteten Willen gewinne. Auch das »Berliner Tageblatt spricht von einem tiefen Eindruck, es fordert aber über die Finanzsanierung hinaus auch die Reichsreform, zu der die Regierung größerer Hnabhängigkeit von den föderalistischen Kräften bedürfe, vor denen sie heute plädiert habe. Der „Lokal- Anzeiger" findet das Galopptempo besonders auffällig, in dem die Regierung die Erledigung der dreißig Reformgesetze (innerhalb 14 Tagen) verlange. Das hätte doch nur Sinn, wenn sich sofort die Reichstagsverhandlungen anschlössen. Das Blatt schließt daraus, daß Brüning mit dem kühnen Gedanken umgehe, alsbald nach der Verabschiedung der Gesetze durch den Reichsrat sie oder ihre Hauptteile durch Rotverordnungen in Kraft zu sehen in der Annahme, daß weite Kreise, die der Einführung der Gesetze niemals zugestimmt hätten, vor deren Außerkraftsetzung zurückschrecken würden. Das Blatt fragt daher in aller Form, ob die Regierung nun auch das verfassungsmäßige Steuerbewilligungsrecht des Reichstages auf dem Wege über Artikel 48 außer Kraft sehen wolle. Die „Deutsche Zeitung" sieht in den Vorschußlorbeeren, die Brüning der „Sachlichkeit" des Reichsrates gespendet habe, eine deutliche Spitze gegen den unbequem gewordenen Reichstag. Die Sachlichkeit heiße Otto Braun und verfüge über die zumeist ausschlaggebenden preußischen Stimmen.
Der sozialdemokratische „QI be n d" hält sich sehr zurück und meldet bereits für viele Punkte kritische Bedenken und wesentliche Verbesserungsvorschläge der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion an. Das Blatt vermißt vor allem eine tatsächliche aktive Wirtschaftspolitik mit dem Ziele der Preissenkung. Der „S u n g d e u t s ch e" sieht in dem Hinweis des Reichskanzlers auf den Zusammenhang zwischen Außenpolitik und Sanierungsprogramm die Absicht des Kabinetts, durch die Finanzsanierung die Hände für die Revisionsver-
Gießener Etavttheater.
Gastspiel Harry Liedlte:
„Em idealer Gatte' von Oscar Wilde.
Wir haben so lange keinen Wilde mehr hier gehabt. Die „Salome": das ist nun auch schon wieder eine ganze Weile her, und zudem nimmt dieses wilde und blutige Stück (so wenig es seinen Schöpfer verleugnet) doch eine gewisse Sonderstellung unter Wildes Werken ein, und wenn von seinen Stücken die Rede ist. denkt man doch immer zuerst an die Lustspiele, die Salondramen, die Skandalaffären. So war diese Begegnung ein begrüßenswertes Ereignis im Spielplan.
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„Ein idealer Gatte" ist dreierlei in einem: Lustspiel, Salondrama, Skandalaffäre: eine gesunde und dauerhafte Mischung für das Theater. Man mertt ihm gar nicht an, daß er schon fünf- unddreihig Sabre alt ist. Solche Sntrigenstücke sind offenbar, wenn man sie ein wenig auf neu herrichtet, unverwüstlich. Zumal wenn sie so nach allen Regeln der Kunst und der älteren französischen Schule gebaut sind wie dieses hier.
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Es hat aus mehreren Gründen wenig Sinn, den Snhalt zu erzählen, was immer ein undankbares Geschäft ist und außerdem viel kostbaren Platz beansprucht. Zu bemerken ist, daß Wilde hier mit allen Mitteln arbeitet, die eine rafft- nierte Dramaturgie für unfehlbare Publikumswirkungen ausgeknobelt hat. Aus ein wenig PoUtik, reichlich Liebe und einer saftigen, ausgewachsenen Gemeinheit läßt sich eine sehr be- kömmliche Fabel Herstellen, die mit mehreren großen Szenen, gestohlenen Briefen, verwechselten Personen und verlorenen Diamanten auf- wartet, den Zuschauer bis ganz zuletzt in Atem halt und für die ausgestandenen Aengste mit zwei zärtlichen Umarmungen und der obligaten Verlobung freundlich entschädigt.
Ein Kritiker hat über die Wildeschen Gesellschaftsspiele gesagt: „Regie und Darsteller müssen verstehen, daß nicht Seelen und Schicksale, sondern Geist und Worte der Snhalt dieser Stücke sind" Das gilt auch für den Zuschauer und ist, obwohl es zunächst sehr hart klingt, doch im wesentlichen richtig.
Cs handelt sich hier durchaus in erster Linie um Theater, um Effekt, um gute, fbannende amüsante Unterhaltung: jedes der Wildeschen
Die ersten Wahlresnltaie ans Amerika.
Starke Mehrheit der Prohibitionsgegner. - Sieg der Demokraten.
Reu York. 4. Rov. (TU. Junffprudj.) Die amerikanischen Wahlen find im ganzen Lande bei ungewöhnlich starker Beteiligung im allgemeinen ruhig verlausen. 3n Reuyork waren mehrere Versuche, den Wahlakt zu stören, zumeist harmlosen Charakters. Insgesamt wurden 15 Personen dabei verhaftet. Die republikanische Zeitung „Herold Tribüne" meldete um 7.50 Uhr abends, daß der demokratische Gouverneur des Staates Reuyork, Roosevelt, mit großer Mehrheit wieder- ge wählt fei. Die demokratische Presse bezeichnet Roosevelts Sieg mit einer Mehrheit von über einer halben Million als einen Rekord. Soweit die Ergebnisse aus dem Londe vorliegen, hat sich eine ft a r k e Mehrheit für die Aufhebung der staatlichen Prohibitionsgesehgebung in Illinois, Massechussets und Rhode Island ergeben. In Illinois unterlag die republikanische Senatskandidatin, die bekannte Millionärin Ruth Anna M c C o r m i ck gegen den früheren langjährigen demokratischen Senator James Hamilton Lewis, der mehr als die doppelte Stimmenzahl erhielt. In
Rem Ierfey siegte der republikanische Senatskandidat M o r r o w mit großer Mehrheit. In den Kongrehwahlen kommt gleichfalls Abneigung gegen die Prohibition zum Ausdruck. Sogenannte nasse Kandidaten wurden ohne Rücksicht auf ihre Parteizugehörigkeit wiedergewählt.
Der Vorsitzende des demokratischen Landesous- schusies teilte um Mitternacht mit, daß eine Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus gesichert erscheine und daß im Senat gleichfalls ein erheblicher Zuwachs a n Mandaten zu erwarten fei. In Wisconsin wurde PH. 3- Lafollette, der jüngste Sohn des verstorbenen Senators Robert Lafollette, mit großer Mehrheit als republikanischer Gouverneur gewählt. „Associeted Preß" gibt um 1 Uhr morgens 214, also rund d i e Hälfte der Ergebnisse der Wahlen zum Repräsentantenhaus bekannt, hiervon entfallen aus die Republikaner 92 und auf d i e Demokraten 12 2, während die bisherige Mandatszahl 260 gegen 160 betrug.
Entwaffnungsakt
Umfangreiche Waffenfunde bei
Wien, 4. Rov. (TH.) Das österreichische Bundesministerium hat am Montag Haussuchungen nach Waffen bei den sozialdemokratischen Organisationen sowohl in Wien als auch in der Provinz angeordnet. Sn Wien wurde das Parteihaus der Sozialdemokraten, in dem sich auch die „Arbeiterzeitung" und das „Kleine Blatt" befinden, von Polizeibeamten durchsucht, ebenso die Lokale der sozialdemokratischen Sportverbände.
Dis Mittag wurden in Snnsbruck sechs Maschinengewehre und 130 Kisten mit Munition, ein Paket Sprengstoff und mehrere Kisten mit Snfanteriegewehren und sonstiges Kriegsgerät beschlagnahmt. Sn Graz erfolgte die Beschlagnahme verschiedentlichen Kriegsgeräts einschließlich Munition. Sn Wiener-Reustadt nahm aus dem Hauptplah eine starke Maschinengewehrabteilung Aufstellung. Einige hundert Mann Gendarmerie besetzten sämtliche Parteilokale sowie das Rathaus. Bisher wurden hier zwei Maschinengewehre und mehrere tausend Snfanterie- gewehre nebst Munition, sowie in dem sozialdemokratischen Konsumverein in Mödling zwei Maschinengewehre und mehrere hundert Sn- fanteriegewehre gefunden und beschlagnahmt. Sn Wiener-Reustadt erschien auch in der Wohnung des sozialdemokratischen Landeshauptmann-Stellvertreters Hellmer Gendarmerie und suchte nach Waffen. Hellmer hat gegen die Verletzung seiner Smmunität als Landtagsabgeordneter bei der Regierung telegraphisch Protest erhoben.
VN in Oesterreich.
i sozialistischen Organisationen.
Auch der Sndustrieort Druck a. d. M. wurde früh morgens von Truppen des Dundesheeres und Gendarmerie durchsucht und alle Drücken der Stadt und die in die Stadt führenden Straßen durch Posten gesperrt, vor der Filiale des Konsumvereins zudem spanische Reiter ausgestellt, um Störungen zu verhindern. Waffen wurden hier nicht gefunden.
Hmfassende Maßnahmen sind auch in Linz und Steyr getroffen worden, da man in Oberösterreich großen Warenlagern des Republikanischen Schutzbundes auf der Spur war. Sn Linz wurde eine Haussuchung im Hotel „Schiff" vorgenommen, das der Sozialdemokratischen Partei gehört. Sm Hintergebäude des Hotels befand sich ein Lichtspieltheater, das gleichfalls der Partei gehörte. Sn den Kellerräumen darunter wurde eine Betondecke von außerordentlicher Stärke festgestellt, die unter Anwendung aller Vorsichtsmaßnahmen gesprengt wurde. Darunter wurde ein umfangreiches Waffenlager gefunden, darunter drei Maschinengewehre, dreihigtausend Patronen, frisch eingegurtete Maschinengewehrmunition und zahlreiche Handgranaten. Der Sprengstoff der Handgranaten befand sich in Zersetzung, so daß die Gefahr der Selbstentzündung, wie sie bei alten Sprengstoffen dieser Art häufig vorkommen, gegeben war. Sn Stehr wurden in den Räumlichkeiten des sozialdemokratischen „Tageblattes" zahlreiche Gewehre, in den Steyrer Werken mehrere Maschinengewehre gefunden.
Handlungen über den Doung-Plan freizubekommen. Dre kommunistische „Welt am Abend" und der nationalsozialistische „Angriff" nehmen von der Reichsratssitzung überhaupt keine Rotiz.
Grzesmski Polizeipräsident von Berlin.
Berlin, 4. Rov. (WTB. Amtlich.) Das preußische Staatsministerium hat beschlossen, den Staatsminister a. D. Grzefinfki zum Polizeipräsidenten von Berlin zu ernennen. Der bisherige Polizeipräsident von Berlin, Zörgiebet, ist in den ein st welligen Ruhe st and verseht worden.
Stücke hat ein wenig von der graziös-gepflegten Form, der bezaubernden Artistik seines „Dorian Gray". Man ist entwaffnet von der Fülle der kleinen Bosheiten, der lockeren Aphorismen und berühmten Paradoxe, vom witzigen und geistig beweglichen Dialog dieses Engländers.
Aber er selber hat einmal gesagt: Wer unter die Oberfläche schürft, tut es auf eigene Gefahr. Das ist in diesem Fall weder zu empfehlen noch auch der Sinn der Kritik: man wird nicht mehr von diesem Schauspiel verlangen, als es sein will, und ihm nicht vorwerfen, daß es vor lauter Raffinement und Effekt an der Lösung der tiefer liegenden Probleme, nicht ohne Eleganz, vorübergleitet. — Es war, darauf kommt es an, ein amüsanter Abend. —
Hnd ein großer Abend auch, kein Zweifel. Ausverkauftes Haus, wenn wir recht gesehen haben; und das zum ersten Male in dieser Spielzeit, wenn wir uns recht erinnern. (Eine Erinnerung übrigens, die etwas nachdenklich stimmt, wenn man sich besinnt, wie viele von den früheren und zum Teil noch „prominenteren" Gastspielen ein so volles Haus gehabt haben.)
Dieser Abend gestaltete sich zur Huldigung für Harry Liedtke, dessen Film-Popularität sich deutlich im Kassenraport bewährt, der schon mit Beifall begrüßt wurde, ehe er noch den Mund auftun konnte, und auch später noch auf offner Szene die Hände in Bewegung setzte. Er ist der Bonvivant des Films, er ist nun einmal der Liebling des Publikums, da ist nichts zu machen, und wenn er gar noch eine so wunderbare Aufgabe hat (wie jene etwas moderneren Meisterdetektive), die ausgekochteste und von allen Hunden gehetzte Schurkin mit seinem gewinnendsten Lächeln an die Wand zu drücken, sie schachmatt zu machen, ihr den gefährlichen Trumpf aus dem zarten Händchen zu winden, daß sie ganz klein und häßlich wird und nicht mehr piep sagen kann, — dann ist er einigermaßen unwiderstehlich.
Er spielt das auch sehr nett und sehr liebenswürdig, aber allerdings in dem einmal festgelegten und etwas stereotypen Stil, den man vom Film her an ihm kennt.
Sedensalls gebietet die Gerechtigkeit, festzustellen, daß die Mehrzahl der übrigen, ein bißchen anonym und ein bißchen nebenbei als „Ensemble" zusammengefahten Milwirkenden darstellerisch dem Star dieses Gastspiels mindestens ebenbürtig war.
Ein Beamtenerlaß des Hamburger Senats.
Hamburg, 4. Rov. (TH.) Der Senat hat am Montag folgenden Beschluß gefaßt: „Beamte, die Parteien oder Organisationen unterstützen oder fördern, die den gewaltsamen H m - stürz der bestehenden Staatsordnung erstreben, verletzen die aus dem Deamtenverhältnis sich ergebende besondere Treuepflicht des Beamten gegenüber dem Staate und machen sich eines Dienstvergehens schuldig. Zu diesen Parteien gehören die Kommunistische Partei Deutschlands und die Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Die Kommunistische Partei Deutschlands hat selbst zugegeben, daß sie den gewaltsamen Hmsturz der
Dor allem Arthur Schröder wäre da zu nennen, der mit vornehmer Zurückhaltung und sicherem Takt den Lord Ehiltem spielte. Traute Carlsen ferner, die mit geschmeidiger Routine und aufreizender Verruchtheit die erpresserische Mrs. Cheveley bediente. Eine echt Wildesche Figur: Max Landas Cavcrsham, knapp, pointiert, trocken und witzig. Freundliche Wiederbegegnung mit Carola Toelle, die sehr fein und sehr damenhaft die Dorothy gab: Roma Bahn (als Mabel) in der gleichen frischen Sugendlich- feit, mit der sie sich vor ein paar Sahren in Berlin durchgefetzt hat. Olga Limburg endlich, die sich als lächerlich geschwätzige und aufgeplusterte Lady Markby ein Sonderapp.äuschen holte.
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Die saubere und gepflegte Aufführung stand unter der bewährten Regie von Professor Eugen Robert: Gesamtleitung: Gastspieldirektion Alfred F is ch e r, Berlin.
Es wurde stürmisch geklatscht. hth.
Geschmackvolle Geschichten.
Von K.Z Grün.
Ein Großvikar von Bordeaux hatte mit seinem Erzbischof um einen getrüffeden Truthahn gerne.tel und die Wette verloren. Da der Großvikar längere Zeit nichts von sich hören lieh, mahnte ihn der Erzbischc». Der Grohvikar entschuldigte sich. „Das liegt daran, Monseigneur, die Trüffeln sind diese Jahr mißraten."
Woraus der Erzbischof antwortete: „Glauben Sie das nicht, lieber Bruder. Das ist ein falsches Gerücht, das die Truthähne ausgestreut haben."
Ein irischer Adeliger, der ein großer Gourmet wesen war, kam zum Sterben und ließ seinen Sohn zu sich rufen „Vermögen kann ich Dir leider nicht hinterlassen, mein Sohn", gestand der alte Feinschmecker.. „Aber ich habe dir ein Geheimnis mitzuteilen, das vielleicht einigen Ersatz leisten kann. Rach jahrelangen Versuchen bin ich zu der Heberzeugung gekommen: Krabbensauce ist entschieden besser als Hummer, aucel"
Dem Lord Dudley war das opulenteste Diner ohne Apfelpastete nichts. Bei einem Galadiner des Fürsten Esterhaz) gene' er über das Fehlen seiner Lieblingspeise außer Fas uig und murmelte vernehmlich vor sich hin: „Gott sei meiner Seele gnädig I.. Richt einmal Apfelpastete gibt esl" Diogenes war dagegen mit feiner sprichwörtlichen
bestehenden Staatsordnung erstrebt. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei verfolgt nach zahlreichen Aeußerungen maßgeblicher Führer das gleiche Ziel. Gegenteilige Erklärungen von Führern dieser Partei aus jüngster Zeit beweisen nicht, daß die Na.ionalsoziali^ische Deutsche Arbeiterpartei dieses Ziel ausgegeben hat. Der Senat warnt daher die Teamtens^a.t nachdrücklichst vor jeder Hnterstützung und Förderung solcher Partei- Organisationen."
Oie Schlichtungsstelle für den Konflikt in -er Berliner
Metallindustrie.
Berlin, 4. Nov. (TU.) Amtlich Die in der Berliner Metallindustrie zur endgültigen Regelung der Löhne von den Parteien vereinbarte Schlichtungsstelle ist nunmehr gebildet worden. Außer dem früheren Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, dessen Bestellung der Oeffentlichkeit bereits bekannt ist, hat der Retchsarbeitsminister im Benehmen mit beiden Parteien-de^Oberbürger- meister Dr. Jarres in Duisburg und den Professor Dr. Sinzheime r in Frankfurt a. M. zu Mitgliedern der Schlichtungsstelle ernannt. Die Genannten haben die Berufung angenommen. Die Schlichtungsstelle wird die Verhandlungen unter Vorsitz des Ministers a. D. Brauns alsbald aufnehmen.
Brauns rechnet damit, daß es gelingen wird, die Entscheidung bis Samstagabend herbeizuführen. Das Schiedsgericht ist so zusammengesetzt worden, daß Dr. Brauns als der neutrale Vorsitzende anzusehen ist, während Professor Sinzhei- mer den Arbeitnehmern und Dr. Jarres den Arbeitgebern nahesteht. Es ist aber anzunehmen, daß das Schiedsgericht am Freitag zunächst in direk - ten Verhandlungen die beiden Parteien noch einmal hören wird, ehe das eigentliche Schiedsgericht unter sich berät. Dabei dürste es dem Dor- itzenden vor allem darauf ankommen, einen e intim m i g e n Spruch des Gerichtes herbeizu- ühren.
Oie Pariser Kammer beginnt.
Außenpolitische Debatte. — Verhinderte
Redner. .
Paris, 4. Nov. Das französische Parlament hat heute seine außerordentliche Tagung eröffnet. Sn der Kammer herrschte das Treiben der großen parlamentarischen Tage. Als Außenminister B r i a n d , der einen frischen Eindruck machte, den Sitzungssaal betritt, wird er auf der Linken mit dem Rufe: Es lebe Briandl begrüßt. Während der Ferien ist ein radikaler Abgeordneter, S bebau 11, ein Kriegsblinder, in die Kammer gewählt worden. Als er am Arm eines radikalen: Abgeordneten den Sitzungssaal betritt, bringt man ihm eine Ovation dar, an der sich auch Ministerpräsident Tardieu beteiligt. Die Linke hat jetzt also ebenfalls ihren blinden Abgeordneten, wie ihn die Rechte in der Person des Abgeordneten Scapini zu den ihrigen zählt.
Nach Verlesung der vorliegenden etwa 60 Snter- peklationen erklärte Ministerpräsident Tardieu, daß die Regierung bereit sei, zuerst die Snter- pellation über die Außenpolitik der Regierung zu beantworten und nach diesen in die Beratung der Snterpellationen über die Mißstände in bet französischen Luftfahrt einzutreten. Nach lebhafter Debatte wurde beschlossen, sofort in die Diskussion der Außenpolitik einzutreten, eine Entscheidung, die mit großer Heiterkeit ausgenommen wurde, weil man wußte, daß der Hauptinterpellant, Franklin- Bouillon, seine Akten nicht bei sich hatte und deshalb nicht sprechen konnte. Er erhob sich und erklärte unter dem schallenden Gelächter der Linken, er appelliere an ihre Höflichkeit, den Beginn der Aussprache erst auf Donnerstag festzusetzen, da er ohne seine Akten nicht sprechen könne. Die Linke lehnte ab. Auch der zweite Snterpellant, der Abgeordnete Scapini, der ebenfalls über die Außenpolitik zu interpellieren gedenkt, erklärte, er sei n i ch t v o r-
Anspruchslosigkeit überglücklich bei dem Anblick einer Maus, die an seinem halb trockenen Brotrest nagte: „Sch bin reich, ich habe sogar Mitesser!"
Wenn der Herzog von Escars, oberster Haushofmeister Ludwigs XVII1., mit seinem Herrscher zusammenkam, um über eine neue Speise zu beraten, mußten selbst die Minister im Vorzimmer war:en. Am nächsten Tag erschien dann in den offiziellen Zeitungen ein Bulletin: „Seine Majestät hat mit dem Herzog von Escars Kabinettsrat abgehalten!"
An einer Pastete, die der Mundkoch Roel dem Alten Fritz eines Tages gebacken hatte, verdarb sich der König den Magen. Friedrich der Große ließ seinen Rapoleon des Psannenstieles kommen und meinte. „Er wird sehen, wir fahren beide in die Hölle. Er, weil er die Pastete fabriziert, ich, weil ich sie gegessen habe." Roel erwiderte schlagfertig. „Tut nichts, Majestät, wir sind ja beide an das Feuer gewöhnt."
Königin Anna von England war nicht nur eine bekannte Feinschmeckerin, sondern auch eine Kochkünstlerin von ziemlichen Graden. Daher tragen noch heute ausgesuchte Speisen den Zusatz: „After Queen Anns fashion“ "nach Königin Anna Art).
Also Malborough war als siegreicher Feldherr nach London zuruckget.^rt, und ging, oyne sich melden zu lassen, direkt zum St.°Sames°Palast. Die Königin war gerade bei der Mischung eines Puddings in der Küche. Trotzdem ließ sie den Feldherrn vor und beglückwünschte ihn zu seinem Erfolg „Shre Verdienste, He.zog, wird die Ration zu ehren wissen. Shre Königin a er hat jetzt nur einfachen Dank und die Bi te, wenn Sie wollen, heute ihr Gast zu der Mahlzeit zu sein, für bie Sie sie eben beschäftigt finden." Seit diesem Tag ist der „Malborough-Pudding" eine Lieblingsspeise der Engländer.
Hochschulnachnchten.
Sn Halle verschied der emerit. Ordinarius der vergleichenden Anatomie und Physiologie der Haussäuger Geh. Regierungsrat Pros. Dr. med. Dr. sc. nat. Rudolf Disselhorst im Alter von 76 Sahren. — Pros. Dr. Erhard Reuwiem in Greifswald hat den an ihn ergangenen Rus aus den Lehrstuhl des öfsen,t- lichen Rechts an der Hniversität Münster als Rachfolger von Prof. Sos. Lukas angenommen und bereits seine Ernennung zum Ordinarius in Münster erhalten.


