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75 Zahre Gießener

Don Hermann ©le.

euer* re 1845

Stadttbeater Dieben. Man schreibt unS: Ä u r t Dommisch, der dem Ensemble des Giefeener Stadttheaters über ein Jahr an­gehörte, wurde vom 16. September ab an daS KomödienhauS Leipzig verpflichtet.

Mit der Errichtung freiwilliger F wehren In Heften machte im 3a gi

Offenbach den Anfang. 3n Oberheffen folgte dem Offenbacher Beispiel Alsfeld im 3ahre 1854 und im Jahre 1855 Lauterbach und Dietzen. Die biS dahin In Kraft befindlichen staatlichen Verordnungen verpflichteten die Bürger, in erster Linie die Bauhandwerker, zum Löfchdienst, aber die Verpflichteten waren meist nicht »ur Stelle, und das entstandene Durcheinander begünstigte nur daS AuSdreiten deS an den alten Gebäuden reiche Vahrung findenden FeuerS. 3m 3ahr« 1850 wollte sich der Siebener Turnverein in den Dienst der guten Sache stellen, wenn ihm die Stadt eine neue Spritze mit Geräten zur Ver­fügung überliefe. Dieses Anerbieten wurde ebenso wie das 1852 wiederholte vom Gemeinderat ab- gelehnt, da kein Geld In 6er Sladlkasse sei

Aut Einladung de- Tabakfabrikanten Georg Philipp Gail versammelten sich am 6. Oktober 1855 sechsunddreifeig Giefecner Bürger und bil­deten die Freiwillige Gailsche Feuer­wehr. Da- Hau- Gail schasste auf eigene Kosten eine Spritze und einen Gerätewagen an. Der Spritzensabrikant Karl Metz au- Heidel­berg gab der jungen Wehr die erste Anleitung zur Bedienung der Löschgeräte. Die Wehr wurde in ihrem Verhältnis zur Stadt als Privat- seuerwehr betrachtet, so dafe ihr Gemeinde- zuschüsse nicht bewilligt werden konnten. Da auch von den Mitgliedern nur geringe Beiträge zu erwarten waren, deckte Kommerzienrat Gail daS in manchen 3ahren infolge der Anschaffung von Ausrüstungsgegenständen nalurgcmäfe ent­standene Defizit. Dank dieser auf den heu­tigen Tag dem Korvs gewordenen Zuwendun­gen deS Hauses Gail war es möglich, die Wehr weiter auSzubauen und ihren Gerätebestand zu vervollkommnen.

am Oswald-garten zu einer Hebung mit an- ichliefeenüem Brandangriff aufstellen. Hm 15Hhr wird sich der Ze st zug von OSwaldSgarten aus durch die Stadt in Bewegung fetzen und dabet folgende Ctrafeen passieren: Reuftadt. Bahnhof­strafe e, KaplanSgasse, Seltersweg. Alicenftrafee, Ludwigftrafec, Goethestrafee, Südanlage, Garten- strafee, Kaiserallee nach der Volk-Halle. Hier werden nach den Ansprachen deS Tages Konzert, GesangSvorträge der vereinigten Gietzener Ge­sangvereine. Vorführungen der Giefeener Turner­schaft und der Vadfahrervereine usw., sowie am Abend Tanz den Besuchern angenehme Stunden bereiten. Man beachte die heutige Anzeige, in der auch die DorverkaufSstellen für die Fest- abzcichen angegeben sind.

Vornotizen.

Tageskalender für Freitag. DHT.: Monatsoersammlung, 20.30 Uhr, bei Hopfeld. Lichtspielhaus^ Bahnhosstrafee:Skandal um Toa" undMickyMaus".

21 u 6 dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die letzte Vorstellung der Sommer­spielzeit findet am nächsten Dienstag statt. Es wird das LustspielSeine Majestät das Publikum" ge­geben.

Die Schrecken, die der AuSbruch eines Brandes in früherer Zeit hervorrics. hat Schiller tref­fend gezeichnet, indem er in feiner ..Glocke" schrieb

Kochend, wie au- Okn8 Aachen Elüh n die Lüfte, Balken krachen, Pfosten stürzen, Fenster Ihnen, Amber jammern, Mütter irren, Tiere wimmern unter Trümmern.

AngeNchts der damaligen mangelhaften Sicher- heitSeinrichtunaen bedeutete der Aus .Feuer" Tod und Verderben. in wenig milderer Form Verlust von Hab und Gut, der Frucht mühe­voller Arbeit. Ein regelrechter AettungSdienst bestand damals nicht, denn die behördliche An- Dehnungen wurden entweder gar nicht, oder nur mangelhast befolgt, und so sank wertvolle- bewegliche- und unbewegliche- Eigentum In Asche und Schutt

Trübe Erfahrungen veranlatzten noch und nach die Gemeinden zur Äillchafsung von Lösch­geräten, die natürlich im Vergleich zu den, durch die fortschreitende Technik in verbesserten Geräten sich al- unzureichend erwiesen Dabei fehlte eS an Organisationen, die die Löschgeräte sachgemätz zu handhaben wufeten an den Feuerwehren. Die erste freiwillige Feuerwehr bildete sich im 3ahre 1842 In der sächsischen Porzellanstadt Meisten. Seit Karl Metz, der Gründer der bekannten Feuerlöschgerätefabrik In Heidelberg, sich die Gründung von sreiwilligen Feuerwehren angelegen sein liefe, machte die Feuerwehrsache segensreiche Fortschritte. 1854 fand in Ulm der erste deutsche Feuerwehrtag stau.

12. September, 18 Uhr, au-gesteilt. Aach diesem Zeitpunkt können Anträge auf Ausstel­lung von Stimmscheinen nicht mehr berücksich­tigt werden.

Gießener Feuenvehrjubiläum.

3n Anerkennung deS verdienstvollen Wirkens der beiden Giefeener Freiwilligen Feuerwehren durch uneigennützigen Dienst für das Gemeinwohl hat der Oberbürgermeister angeordnet, dafe au- Anlafe des 75. 3ubiläumS der Freiwilligen Gailschen Feuer­wehr und der Giefeener Freiwilligen Feuerwehr am SamStag und Sonntag die städtischen Dienstgebäude zu beflag­gen sind. Es wäre zu begrüfeen, wenn auch die Bürgerschaft ihren Dank an die beiden Wehren durch Beflaggen der Häuser an den beiden 3ubiläumstagen zgm Ausdruck brin­gen würde.

Am morgigen SamStag werden bereits zahlreiche auswärtige Jeuerwehrgäste hier ein- treffen. Am Vormittag und nachmittag- werden geschäftliche Sitzungen stattfinden. Um 20 Hhr wird sich vom Landgraf-Philipp-Plah auS ein Fackelzug der beiden Wehren in Bewegung setzen, der auf der LiebigShöhe enden und dort mit einem Kommers auSllingen wrd.

Sonntag Docmihag werden weitere aus­wärtige Wehren empfangen. Don 9.30 Uhr ab findet ein Kreisfeuerwehrlag der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Giefeen im EafL Selb statt. Um 11.30 Uhr werden sich die Wehren

Di« Giefeener Freiwillige Feuer­wehr. zum Unterlchied von der Gail schen die .Städtische" genannt organisierte sich, nachdem am 10 Aovember 1855 eine Versammlung opfer­freudiger Männer die Gründung beschlossen am 15. Dezember desselben 3ahres. Der im 3ahre 1860 unter Führung von Edr Aübsamen unternommene Versuch, die Wehr in eine Turner- seuerwchr umzuwandeln, mifelang. Die obsiegende Panei unter Fahrung deS Buchdruckervldesitzers Fr. Shr. Pietsch veranlastte die Stad«, da- Feuerlöschwesen neu zu regeln Differenzen mit der Stadt führten un 3ahre 1882 zur Auslösung der Wehr, doch wurde sofort unter dem Vorsitz de- Redakteurs S ch c y d a eine neue Wehr er- let, der 30 Mann der aufgelösten bei traten. Seit dieser Zeit führt da- Korps die Bezeichnung Giefeener Freiwillige Feuerwehr". Beim 3n- frafttreten deS Hessischen .Feuerwehrgefetzes wurde in Stärke von 300 Mann eine Pslichtfeuerwehr errichtet. Sie bildete eine An Reserve, die Pflich­tigen waren nicht uniformiert, sondern nur durch eine rote Armbinde kenntlich Die drei Wehren standen unter dem Oberbefehl eine- Branddirek­tor-. Zu hervorragender Betätigung halte die Pf licht feuerwehr indes keine Gelegenheit, fte ist inzwischen von der Bildfläche verschwunden, und mit ihr manche- andere, z. B. die Zcuereimer, da- Läuten der Sturmglocke und der ohren­betäubende Hörner- und Trommelweckruf. Die älteren Einwohner werden sich noch der Zeit erinnern, in der Giefeen keine Wasserleitung hatte, und da- Wasser von der Nächsten Pumpe au- in Eimern bi- an die Spritze gebracht werden muhte.

Heute kann sich jeder in Sicherheit wiegen ob der neuen Einrichtungen. Sin Retz von über 40 Feuermeldestellen. eine ergiebige Wasserleitung, zwei im Depot am OSwaldSgarten in jeder Se­kunde zur Abfahrt bereite Motorspritzen und schließlich eine auSgebildete. rund 200 Mann starke, mit modernen Geräten und etwa 600 Meter Schläuchen ausgerüstete Mannschaft beider Weh­ren sind ein hochschätzbarer Schutz der Bürger- schast und zugleich auch Zeugen steter Hilfsbereit­schaft und Opferwilligkeit der Stadtverwaltung, tote deS Hause- Gail. Auster den Motorspritzen bilden drei Handspritzen, drei mechanische Leitern biS zu 22 Meter Auszug, drei Geräte- und vier Schlauchwagen den beweglichen Park der Wehren.

Die 75jährige Tätigkeit unserer freiwilligen Feuerwehren yat gezeigt, dafe sie ihren Zweck, Hab und Gut der Burger vor dem Untergang zu schützen, bestens erfüllt hat. Bei zahlreichen, oft großen Bränden (e- fei nur an drei grobe Brände in Heuchelheim, den ^ant> in der Kapla- neigaffe in den 80er 3ahren und an den letzten großen Brand der Gailschen Ziegelei erinnert) haben die Wehren ihre Schlagfertigkeit in glän­zender Weise bewiesen. Und wenn eS heute mög­lich ist. mit jederzeit zum Eingreifen bereiten Motorspritzen und einem gut funktionierenden Meldewesen auSbiAchende Brände schon tm Keime zu ersticken, so daN nicht vergessen werden, waS unsere freiwilligen Feuerwehren seit ihrer Grün­dung im Dienste der Stadt wie der Rachbar- gemeinden in anerkennenswerter Weife getan haben. Möge die 75. 3ubclfcier unserer Feuer­wehren am Samstaa und Sonntag den Sin- toohnern Gießens Gelegenheit geben, durch zahl­reiche Beteiligung an der Feier der verdienten Anerkennung und Dankbarkeit gegenüber den Wehren Ausdruck zu geben.

Am

war

SS 11/77

ScbßUinend

erbemartt In Gießen, findet auf den städtischen

abfolgte ihm sofort eine Tracht Prügel, zwa ganz mit Recht, aber am unrechten Ort. den: Die Züchtigung ging ohne Lärm nicht vor sich, und der Lärm veranlaßte einen Menschenaullauf.

Mark:anlagen an der Rodheimer Straße Pferde- und Fohtenv-arkt statt, mit dem eine Prämiierung verbunden fein wird. Für PrämilerungSzwe« flcben 2<XX) Mark zur Verfügung.

Laßt Deien und Herde nachsehenl 34 liegt im wohlverstandenen 3ntercf<e der HauS-

- natfl für die 3nstandtetzung unb Erneuerung der fcharchasten, oX*r unbrauchbaren Herde und veftn ihrer Grundstücke zu sorgen. Rach den allgemeinen DersicherungSbestimmungen ist» der Versicherungs­nehmer zu Schadenabwendungen verpflichtet unb darf die gesetzlichen und polizeilichen SicherungS- vorfchnlten weder leibst verletzen, noch deren Versetzung durch einen Dritten zulassen.

Auch im Zorn Respekt vor bet Pol 1 zell Ern Vater, der seinen Zungen abend- spät auf der Straße herumftromernd antraf, ver-

Ötn Polizeibeamter griff ein, wurde aber von dem erzürnten Vater mit der Aeußerung emp­fangen, was er da tue. gebe niemanden etwas an. Dieser 3rrtum war verzeihlich, und die Aeußerung bei der Erregung des Angeklagten nicht allzu schlimm zu nehmen Er liefe aber der Aeußerung unflätige Worte folgen, die fraglos eine Be­leidigung des mit Recht elngeschrittenen Beam­ten enthielten, die dieser auch, zumal sie Nfent* lich erfolgte, nicht auf ich sitzen laien d.

Angeklagte erhielt vom Gießener Amtsgericht eine Q) c l b ft r a f c von 25 Marr unb der Beleidigte die Befugnis, das Urteil in geeig­neter Weise veröffentlichen zu lassen.

Jun di achen. Das Polizeiamt teilt mit: DaS Verzeichnis über die im Monat August gefundenen bzw abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur deS Polizeiamts eingesehen werden. Die EmpfangSberechtigtrn werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte inner­halb zwei Monaten beim Jundbureau während der Dienststunden geltend zu machen.

ee Schachtreffen in Giefeen Pm kommen, den Sonntagvormittag treffen sich die Arbeiter- Schachoereine Alsseld unb Nieber-Florstabt zu einem .Lor- unb Rückspiel In Giefeen.

" Evangelische Singebewegung. Aus Einladung Der evangelischen Kirchengemeinden hielt im 3ohanneSsaal der akademische Musik­lehrer am städtischen Oberlyzeum und Frauen- f (foule in Köln-Mülheim. Willy ötromm, einen interessanten Vortrag über seine Methode für den deutschen Volks- und Ehoralgefang. Er forderte dabei, daß neben dem weltlichen Lied daS geist­liche Volkslied belfer als bisher gepflegt werden müßte, und trat für bewußte- Gingen nach Ro­ten ein. Zur Erreichung der von ihm klar herau-gestellten Ziele nach seiner in all$n Einzel­heiten erläuterten Methode gab der Redner den 3uborem wertvolle Anregungen, die in hohem Mähe fesselten.

Vüchertisch.

Kritische BeiträgezurLehrevon der materiellen RechtSkraf t tm Z i - v i l p r o z e ß vom Privatdvzenten Dr. E. Böt­ticher. 1930. Berlin. Otto Liebmann. 250 S. 11 Mark, Vorzugspreis für die Abonnenten der Deutschen 3uriftxm-3eilung 9 Mark. (299). Der noch immer unentschiedene Streit zwischen der materiell-rechtlichen und der prozessualen Rechtskrafttheorie darf die Aufmerksamkeit nicht ablenken von der Gestaltung, die die RechtSkrast neuerdings gerade außerhalb der zivilprozessu­alen Doktrin, insbesondere in der publizistischen Literatur erfährt. Die Behandlung deS Rechts- kraftproblemS als Geltung-Problem und seine Verquickung mit dem Problem der Abänderlich­keit staatlicher Akte macht eine nochmalige, kri­tische Hntersuchung der begrisslichen Grundlagen deS RechtskrastinstitutS und seine Reinigung von artfremden Bestandteilen erforderlich Dieser Aus­gabe ist der erste Teil der vorliegenden Arbeit gewidmet. Darüber hinaus fördert die Arbeit, die AuSeinandersevung zwischen einer materiell- rechtlichen und einer prozessualen Auffassung der Rechtskraft durch eine schärfere ^eraUmarbeitung deS fte unterscheidenden Kriterium-. Die ent­wickelt den wahren Eharakter der prozessualen RechtSkrafttheorie und damit deren Stofekraft auf der Grundlage de- alten, heute nur noch im Strafprozeß recht herrschenden Prinzip-ne bis in idem*4, aus dem sich auch von selbst die Qualität der RechtSkrast als negative Prozefe- voraussetzung ergibt. Das tiefgründige Werk ver­dient da- 3nteresse jedes 3uristen- der Zivil- prozessualist muß es ftubteren.

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Aus der Provinzialhauptfiadi.

Gießen den 5. September 1930.

Die Drachen steigen wieder.

Gemäht lind die Felder, der Stoppelwind weht. Hoch droben in den Lüften mein Drache nun stehl Diese Worte aus Viktor Blüthgens Gedicht .Ach. wer das doch könnte" kommen nun un­seren Zungen wieder in den Sinn

Ein uralte- Vergnügen ist dies und durch 3ahrhunderie hindurch läßt sich die Sitze des Drachensteigens verfolge:'. Sie ist wohl so alt wie der Wunsch und die Sehnsucht des Menschen, den Vögeln gleich sich über die Erde in die Lüfte schwingen zu können. Denn heute auch dieser jahrhundertealte Wunschtraum deS Menschen sich ' erfüllt hat. so wird durch Zeppelin und Flug- i zeug die 3ugenb noch mehr gereift, sich mit Lustsahrt zu beschäftigen. Hnd da ist der alte Drachen ihr gerade recht.

Es hat nicht an Versuchen jugendlicher Bastler ' gesehlt. seine alterprvbte Form zu wandeht, dem ' Drachen die Gestalt eine- ZeppelinS oder einer , Flugmaschine zu geben. Der Mißerfolg solch mo­derner Luftsahrzeuge im kleinen liefe die ftet» den ' Erfolg suchende 3ugend zu der jahrhundertealten j Form wieder zurückkehren. Mehr Erfolg scheint dem behördlicherseits in den Schulen und Zugend­gruppen gesörderten und eingeführten Bau von Segelslugzeugmodellen beschiecen zu fein, wobei, wie auch die Ergehn ffe der von Verbänden er- faffenen PreiSauSichreiden beweisen, gute Formen gefunden wurden.

Doch die große Masse der 3ugenb läßt in diesen Tagen wieder ihre Drachen steigen. »Die Rippen von Holze, der Leib von Papier, ^wei $ Augen, ein Schwänzlein sind all feine Zier." : So baut und bastelt man nun überall die Segler der Lüfte. Wie beneidet ist der, der daS leich­teste Holz, da- dünnste und dauerhafteste Papier, die buntesten Farben zum Bau seine- Luftvogels zur Verfügung hat. Doch zu guter Letzt entscheidet die Leistung.

Wie leuchten die Augen, füllt sich die Brust mit Freude, wenn der Lustoogel, getragen von günstigem Wind, sich bi- In die Höhen, soweit die Kordel reicht, schraubt. Doll Begeisterung schaut alle- zu ihm auf. Freudenrufe erfüllen die Luft, da- jugendsrohe Knabenhcrz jauchzt alle seine Wünsche hinaus zu dem Luftvogel. Wenn fle ihn ganz sicher erreichen sollen, schickt man ihm Depeschen: auf kleine Papierfetzen schreibt die vor Freude und Erregung zitternde Knabenhand Grüße. Wünsche, Befehle, führt sie durch ein Loch in die Kordel. Hnd nun beför- ' der Wind da- Briefchen an der Schnur entlang zum Drachen ...

Da- find Freu den stunden, unb sie füllen zu einem großen Teil die freie Zeit au-.

Allerdings ist für die 3ugend unterer Tage da- ihr gern zu gönnende Spiel des Drachen- fteigenlassen- nicht ganz ungefährlich. Hochfpan- nungsleitungen, Slromleituimen für elektrische Straßen- und Eisenbahnen überqueren vielerortS bie Stoppelseider, die Start« und Landungs­plätze für die Drachen sind. 3n der Rähe solcher Leitungen ist daS Drachensteigen lassen mit Le- benSgesahr verbunden. Ein plötzlich umschlagen­den Wind läßt den Drachen in die elektrisch geladenen Drähte stürzen: durch die von Knaben­hand gehaltene Schnur wird eine Erdleitung hergestellt, besonders, wenn die Schnur feucht ist. Elektrischer Schlag Tod können bann leicht den Drachenlenker treffen. Auch kann durch den zwischen den Drähten hängenden Drachen leicht Kurzschluß in den Stromleitungen und da­mit Hnterbrechungen und Störung der Strom­zuführung hervorgerufen werden. Es ist also eine sorgsame Warnung der 3ugend nach dieser Richtung hin am Platze.

3n jeder anderen Beziehung ist aber der 3u- gend dieses Spiel zu gönnen: und wenn man eS ihr nehmen wollte, wird sie eS sich nicht nehmen lassen, denn eS gehört zu ihr wie die Stoppeln zur Ernte. H. M.

Der Stimmschein zur ^eichStagöwahl.

Einen Stimmschein erhält auf Antrag ein ! Stimmberechtigter, der in eine Stimmliste oder 1 Stimmkartei eingetragen ist. wenn er sich am Ab- ftimmungStagc wahrend der Abstimmungszeit au- zwingenden Gründen außerhalb feine- Stimm­bezirk- aufhält, wenn er nach Ablauf der Ein­spruchsfrist (31. VIII. 1930) seine Wohnung in einen anderen Stimmbezirk verlegt, oder wenn er infolge eines körperlichen Leiden- oder Ge- brechen- in seiner Bewegungsfreiheit behindert ist und durch den Stimmschein die Möglichkeit erhält, einen für ihn günstiger gelegenen Ab- stimmungSraum autzufuchen.

Der Grund zur Ausstellung eines Stimm- fcheinS muß vom Stimmberechtigten glaubhaft gemacht werden. Die Ausstellung eines Stimm- ! schein- muß persönlich, oder schriftlich beim Wahl- amt beantragt werden. Wird ein Stimmschein sür i Dritte begehrt, so ist über die Berechtigung, diesen Antrag stellen zu können und ben Stimm­schein in Empfang zu nehmen, eine Vollmacht vorzulegen.

3n Gießen werden Stimmscheine beim städtischen Wahlamt. Stadthaus. Berg­straße 20 Zimmer Rr. 13 biS Freitag,

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