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Aus der provinzialhauptstadi.

Gießen, den 5. Juli 1930.

Briefe, die nicht kommen.

Wan ist nicht einsam, wenn man Briefe ernt» fängt. Briefe schlagen eine Brücke. Es braucht gar nichts knünzustehen; es ist sogar gut, wenn nicht- drinsteht. Kuvertierte Abhandlungen uno Betrachtungen, womöglich mit weltanschaulicher Soße übergossen, sind meistens scheußlich. Briefe, die verbinden sollen, brauchen nur da zu fern. Weiter nichts. Die Handschrift zu fehen genügt.

Bun aber kommen keine Briefe. Ohne einen Menschen zu haben, kann niemand richtig leben. Man hat einen Menschen, irgendwo da drauhen. Für Wochen, für Monate ist man von ihm ge­trennt. Es gibt merkwürdigeNotwendigkei­ten", die solche Trennung veranlassen 3c dicker die Anführungsstriche vor und hinter der Hot» Wendigkeit, desto schlimmer die Trennung. Man sitzt und lauert auf Briefe.

Aber es kommen keine. Der sonnigste Tag ist trübe, denn die Wolken der Grübeleien ver­finstern ihn. Man glaubt an jenen Menschen, unbedingt. Aber unsere Seele ist teuflisch kon­struiert: vom Glauben allein kann sie nicht le­ben. Sie möchte wissen. Ein paar kleine Zei­len suggerieren dieses Wissen.Gestern hat eS hier geregnet. Ich konnte daher den geplanten Ausflug nicht machen, habe in der Stube ge­hockt und meine Photographien geordnet. Hof­fentlich war dort gutes Wetter. 3ch weih, du kannst ohne Sonne nicht sein." Lind wenn es auch in Wahrheit gehagelt hat: schon ist die Sonne da. Lind das Wissen.

Schweigen aber ist fürchterlich. Durch alle Stunden schleppt sich die Frage nach dem Grund. Ist es Krankheit? Ist es Verstimmung? Hab­ich den Anlah gegeben? Lind womit? Oder ist das Gefühl erkaltet? Sind andere Interessen o/usgetaucht? Ist es am Ende gar Taktik? Kreuz und quer'laufen die Fragen. Sie verwirren. Sie drücken. Mechanisch tut man, was man zu tun hat. Die Fragen dominieren, Alltag und Sonntag, Helle und Dunkelheit füllen fie aus, alle Energien legen sich schlafen, lebendig ist nur ein zitterndes Fragezeichen.

AiemalS ist man einsamer als in diesem Zu­stand der Llngewihheit und des Wartens. Ab- lenken, sagen die Leute, die an einem vorbei­streifen. Aber das ist gar nicht so einfach. Cs muh wohl Gesetzmäßigkeit sein im Ablauf die­ser Dinge.

Gin Mensch, den das unverständlich« Schwei­gen eines anderen Menschen zermürbt, kann Ablenkung nicht an der Bar suchen. Gr läutet bei Freunden an. Llnd dann ergibt sich immer wieder dasselbe:

Die Herrschaften sind ausgegangen. Wann sie zurückkommen? Ich weih nicht. Aber es wird wohl sehr spat werden. (Anhängen.)

Oder: Dah du auch gerade heute abend an- rufen muht! Ich habe die Stenotypistin hier. Vielleicht übermorgen? Melde dich mal wieder. (Anhängen.)

Oder das Schweigen, das einen umgibt, fetzt sich im anderen Kreise fort, auf den Anruf kommt kein Gegenruf, nur das automatische Weckzeichcn tönt im Hörer. Man ist abgeschnit- ten, rettungslos allein, die Zimmerdecke fcheint sich zu senken, die Wände rücken näher zusarn- men, immer mehr verkleinert sich der Kubus des Aufenthaltsraumes, als sei das Gespenst von Edgar Allan Poe technisch tätig, man stürzt ins Freie, läuft durch die Straßen und fühlt nun inmitten von abendlichem Hupenlärm erst recht, wie nebensächlich, widerlich und angst­erregend Menschen sind, wenn der Mensch fehlt.

Schließlich kommt ein Brief. Was war? Vichts von Bedeutung. Kleine Zerstreuungen, Schreibfaulheit, ein Grippe-Anfall. Oft heiht ies:Ich begreife nicht, wie Du Dich so auf- regcit kannst."

Dah wir einander nie ganz begreifen werden, haben wir nun langsam begriffen. Aber wir sollten darüber hinaus begreifen lernen, dah Kopfschütteln und eigensinniges Beharren nichts taugen, wenn menschliche Bindungen auf dem Spiele stehen. Entgegenkommen ist alles.Ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie man unter Schweigen leiden kann, aber da ich weih, dah Du leiden würdest, schweige ich nicht."

So einfach, klar und gut denken allerdings die Menschen nur selten. Sogar die liebenden. Lind wenn sie so denken, ist es bis zum Han­deln noch weit. V. K.

Gietzener Wochcnmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 150 bis 170 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 10 bis 15, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen (grüne) 30 bis 35, (gelbe) 35 bis 40, Erbsen 15 bis 20, Tomaten 35 bis 70, Zwiebeln 10 bis 15, Rhabarber 10 bis 15, Pilze 30 bis 35, Kartoffeln (alte) 4,5 bis 5, (neue) 10 bis 12, (alte Kartoffeln pro Zentner 3.80 bis 4 Mk.). Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 20 bis 30, Heidelbeeren 30 bis 35, Stachelbeeren 20 bis 25, Johannisbeeren 20 bis 25, Erdbeeren 50 bis 80. Himbeeren 50 bis 55, Aprikosen 50 bis 55. Pfirsich 55 bis 60. Rüsse 60 bis 70, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 pro Pfund: Tauben 70 bis 80, Eier 11 bis 12, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 8 bis 10, Salatgurken 20 bis 50, Einmachgurken 8 bis 10, Oberkohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 15 pro Stück: Radieschen 10 bis 15, gelbe Rüben 8 bis 10 Pfennig pro Bund.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag. Ge­sellschaft von Freunden und Förderern der Llni- versität Giehen: Festsitzung, 17.15 Llhr, im Gro­ßen Hörsaal der Llniversität. 800-Iahr-Feier auf dem Dchiffenberg; 19 Llhr: Wilhelm-Heinrich- Riehl-Feier, ab 20 Llhr: Kommers. Erste ReichskurzschriftgesellschaftGabelsberger" und Damenabteilung e. V.: Dereinsabend in der

ehlar feierte sein ISOjähn'ges Bestehen

Eine Gruppe aus dem historischen Festzug: Verleihung de« Stadtrecht« durch Kaiser Barbarossa.

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Das Gchiffenberg-Iubiläum.

Von dem Presseausschuh für das Schtffenberg- Iubiläum wird uns mitgeteilt:

Bei der heutigen Vorfeier zum Schiffenberg-Iubiläum, die um 19Llhr auf dem Schiffenberg beginnt, wird zunächst die Gedenktafel für den Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl am Hauptgebäude feierlich ein- geweiht werden. Die Gedenkrede wird Llniver- sitätsbibliothekar Dr. W a l b r a ch halten. an­schließend folgen noch Ansprachen des Llniver- sitätsprofessors Dr. Rauch und des Direktors der Llniversitätsbibliothek Prof. Dr. Ebel. Dann werden u. a. Mitglieder des Orchestervereins Gie­ßen mit instrumentalen Darbietungen erfreuen, Gesangvereine aus Watzenborn-Steinberg und Hausen werden fingen, der Turnverein 1864 Hausen wird Pyramidengruppen stellen und der Sportverein 1928 Garbenteich wird durch zwei Lampionreigen erfreuen.

Die Hauptfeier am Sonntag wird mit Massen- chören der vereinigten Gießener Gesangvereine eingeleitet. Anschließend folgt die Aufführung des Schiffenberg-Fe st spiel s, in der ersten Abteilung (historischer Teil), die von Ober­spielleiter T a n n e r t vom Gießener Stadttheater verfaßt ist, in lebenden Bildern die wichtigsten Begebenheiten der kulturellen Entwickelung rings

Stadt Lich". Artillerieverein: Monatsver­sammlung, 20.30 Llhr, im Vereinslokal. 1870 bis 1920: Hauptversammlung, 21 Llhr, im Aqua­rium. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Das Er­lebnis einer Rächt".

Tageskalender für Sonntag. 800- Iahr-Feier auf dem Schiffenberg; 15 Llhr: Fest­spiel, Massenchöre, Volksfest. Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Das Erlebnis einer Rächt".

** Vom Schwurgericht. Im Monat Juli findet vor dem Gießener Schwurgericht am Dienstag, 8. Juli, und Mittwoch, 9. Juli, je eine Verhandlung statt. Die Anklage lautet in beiden Fällen auf Mein­eid. Die Anklage vertritt am ersten Tage Staats­anwalt Fischer (Gießen) am zweiten Tage Ober­staatsanwalt Dr. B r i l l (Gießen). Die Verteidigung führt im ersten Falle Rechtsanwalt Dr. Katz (Gie­ßen), im zweiten Falle Rechtsanwalt Zimmer (Gießen).

** Erstaufführung im Stadttheater. Man schreibt uns: Am kommenden Dienstag, dem 8. Juli, gelangt das Kriminal-Lustspiel Der Herr mit dem Fragezeichen" von Alfred Möller und Hans Lorenz zur Aufführung. Der Theaterbesucher versuche dieses Geheimnis um den Herrn mit dem Fragezeichen nicht vor Schluß der Vorstellung zu lösen, er rät bestimmt daneben. Fassott ist der Regisseur des Stückes; der Herr mit dem Fragezeichen ist Hanns Tannert.

Waldbühnc Gießen. Man schreibt uns: Die Stadt Gießen besitzt eine herrlich, gelegene Waldbühne in nächster Rähe der Stadt. Wie m den letzten Jahren hat die Intendanz die Absicht, auch in diesem Sommer dort Gast­spiele zu veranstalten. In Aussicht genommen ist zunächst ein Lustspiel von Shakespeare,Lie­besleid und Liebeslust". Rähere Mitteilungen erfolgen noch.

Eröffnung eines Bettenspezial­geschäftes. Gestern, Freitagnachmittag, eröff­nete die Firma Betten-Där, Marktstraße29, ein Dettenspezialgeschäft im Erdgeschoß des im vorigen Jahre von der Firma H o l t e r h o f f erworbenen Hauses Seltersweg 20. Die Geschäfts­räume sind unter der Leitung von Daurat Conrad Schuhmacher, Gießen, modern um- gebaut und bedeutend vergrößert worden. An die Hellen und geräumigen Derkaufslokalitäten schließt sich seitlich, durch eine breite Glaswand abgetrennt, ein Raum an, in welchem die neuen Federn im Beisein des Kunden abgewogen und eingefüllt werden; ferner befindet sich in diesem Raum eine ganz moderne Dettsedern-Reinigungs- anlage mit elektrischem Betrieb; diese Anlage stellt insofern eine bemerkenswerte Reuerung dar, als der Kunde auf diese Weise den gesamten 'Rei­nigung shergang mit eigenen Augen kontrollieren kann, ohne selbst durch Federn oder Staub be-

um den Schtfsenberg in der römischen und ger­manischen Zeit zeigt. Die zweite Abteilung (Reue Zeit), versaht von unserem Heimatdichter Georg Heß (Leihgestern) wird zeigen, was der Schiffen­berg dem Hessenvolk geworden ift Die ersten lebenden Bilder werden Trachtengruppen aus Leihgestern und Dornholzhausen (Hüttenberger Trachten), aus Watzenborn-Steinberg und Grü- ningen in ihrer eigenartigen früheren Tracht zeigen. Eine Leihgesterner Schulklasse wird einen Wanderreigen aufführen, eine Schulklasse aus Watzenborn-Steinberg mit einem Mundhar­monikakonzert erfreuen. Bei den weiteren Dar­bietungen wirken mit der Turnverein 1864 Hausen und der GesangvereinGermania"Watzen­born-Steinberg. Zwischen den einzelnen Dild- gruppen wird dieReue Zeit" nach einer Dich­tung von Georg Heß die verbindenden Texte sprechen. Die Aufführung wird von allen Seiten her gut zu sehen und zu hören sein.

Reben den Kraftomnibusverbindungen zum und vom Schiffenberg (vergl. die gestrige Fahrplan­anzeige) ist natürlich auch der Besuch mit Privat­autos möglich, für die Parkplätze geschaffen wor­den sind. WÄter hat die Reichsbahn eine Ver­stärkung ihrer Züge vorgesehen

schmutzt zu werden. Die Firma beabsichtigt, das alte Geschäft in der Marktstraße unverändert weite i^uführen, während in den Lokalitäten am Seltersweg speziell Betten, Schlafzimmer, Ma­tratzen, sowie alle Zubehörteile geführt werden sollen Das Spezialgeschäft zeigte am Eröffnungs­tage in den sehr freundlich und ansprech^rd ausgestatteten Räumlichkeiten eine mit gediegenem Geschmack zusammengestellte Ausstellung seiner Spezialartikel in neuzeitlichen Formen, schönen Farben uni) großer Reichhaltigkeit.

* * Zielfahrt des Hessischen 21 u t o mo­bil 11 u b s Rheinhessen. Zur offiziellen Reichsbefreiungsfeier hat der Hessische Automobilklub Rheinhessen (A. v. D.) zu einer Zielfahrt am 20. Juli nach Mainz aufgerufen. Eine rege Beteiligung der Automobilisten ist zu erwarten. Die Zielfahrt ist offen für alle Mitglieder des Automobilklubs von Deutschland und für dessen Körperschaftsmitglieder. Eine künstlerisch ausgestaltete Befreiungsplakette wird den Teilnehmern an der Zielfahrt zur Erinne­rung überreicht.

** Karl- und Luise-Keimscher-Er- ziehungsfonds. Die am 24. März 1919 in Frankfurt a. M. verstorbene Berta Keim, Tochter des in Friedberg wohnhaft gewesenen, verstor­benen Distriktseinnehmers Karl Keim und dessen gleichfalls verstorbenen Ehefrau Luise Charlotte, geb. Pilger, hatte den Hessischen Fiskus zu ihrem Erben eingesetzt. Unter anderem hatte sie neben einer Reihe von Vermächtnissen lehtwillig ver­fügt, dah aus ihrem Rachlah zur Erinnerung an ihre Eltern derKarl- und Luise-Keimsche-Er- ziehungsfonds" gebildet werden solle, aus dessen Einkünften Zulagen zu den Kosten der Erziehung von Söhnen und Töchtern hessischer Staatsbeam­ten gewährt werden sollen. Rach Auszahlung der Vermächtnisse und Durchführung der Aufwertung besteht dieser Fonds aus rund 16 000 Mk. Lieber Gesuche um Gewährung von Crziehungsbeihilfen entscheidet der Hessische Finanzminister.

* * P e r s o n a l i e. In den Ruhestand tritt auf sein Nachsuchen der Bureaudirektor beim Kulturbau- amt Gießen Albert Cullrnann mit Wirkung vorn 1. Oktober 1930 ab.

* Zur Richtigstellung. Es wird berich- tigend darauf hingewiesen, daß am Sonntag nicyt von Steinberg, sondern von Großen-Linden bis Schiffenberg Pendelverkehr von 14 bis 16 Uhr ab Station Großen-Linden eingerichtet ist.

* * Ein Militär-Großkonzert findet am nächsten Donnerstag, 17. d. M., 20 Uhr, bei volkstürn. lichen Eintrittspreisen in der Volkshalle statt; das Konzert wird ausgeführt von den Gießener und Marburger Militärkapellen unter Leitung von Ober­musikmeister Löb er (Gießen) und Musikmeister Große (Marburg). Interessenten seien auf die heutige Anzeige hingewiesen.

Die Museen sind am morgigen Sonntag zu kleinen Preisen geöffnet.

Versteigerung von Dullen und Ebern. Gelegentlich des allgemeinen Prämien­marktes in Alsfeld am Montag, 14. Juli findet eine Versteigerung von Bullen und Sbem statt. Gemeldet sind 34 Fleckvichbullen und 8 Eber der veredelten Landschweinrasse. Die Dullen stammen vorwiegend auS den bekannten Zucht­gebieten der Kreise AlSfeld und Lauterbach. Gemeinden und Zuchtgenossenschaften ist hier beste Gelegenheit geboten, gute Zuchttiere zu erwerben. (Räheres in der heutigen Anzeige.)

Festnahmen. DaS Hessische Polizeiamt teilt mit: Ein mehrfach wegen Diebstahls vor­bestrafter Bäckergeselle Paul Hermann ClauS, in Dresden geboren, wurde am 2. Juli dabei betroffen, als er im De griffe stand, Bettwäsche an der^ Mann zu bringen. Da er über den Er­werb ungläubige Angaben machte, wurden die in seinem Besitz befindlichen Wäschestücke sicher- gestellt imb Claus selbst dem Amtsgericht zu- geführt. Haftbefehl wurde erlassen. Gs handelt sich um folgende, mit großer Wahrscheinlichkeit auS einem Diebstahl herrührenden Gegenstände: Ein graugrüner Rucksack mit ausgenähten Ta­schen, Ledertragriemen und wasserdichtem Futter, zwei Damastbezüge, zwei Kopfkissenbezüge und ein Handtuch gezeichnet M. R., drei weih- leinerne Bettücher, gezeichnet R., ein Paar grüne Sportstrümpfe, efn Damenpullvver braun-grau­gelb mit weiß gewürfelt, Hals- und Aermel- aufschlag aus grauer Wolle, eine grüne Leder­tasche mit verschlissenem Seidenfutter und ein­genähten Schlaufen für Bestecks oder Toilette­artikel. Auf der Tasche ist aus Metall der Buch­stabe F., ein zweiter Buchstabe, vermutlich E., ist entfernt Ein Hausierer entwendete in Gro- ßen-Linden aus einer unverschlossenen Wohnung, dessen Inhaber für kurze Zeit abwesend waren, aus einem Kleiderschrank 40 Mark Bargeld. Als der Täter das Haus verlassen wollte, be­merkte er die zurückgekommene Inhaberin, wo­rauf er kurz entschlossen durch ein geöffnetes Fenster in den Garten sprang und flüchtig ging. Einigen Einwohnern gelang es, den Dieb, der seine Aktenmappe mit dem entwendeten Geld versteckt hatte, festzunehmen. Das versteckte Geld wurde kurz nach der Festnahme aufgefunden und konnte der Besitzerin restlos ausgehändigt werden.

* Sicherstellungen. Das Hessische Po­lizeiamt teilt mit: Eine elektrisch« Fahrradbosch­lampe (Dynamo und Gehäuse mit Batterie), ein Doschblendgehäuse mit Batterie, ein Dynamo (Radsonne 21 r. 1128), ein kleiner englischer Schraubenschlüssel, ein Motorradschlüssel (Bug- reid 14, 15, °/l8 und 1/4), zwei Schraubenzieher, eine Drahtzange, eine Ravensteins Rad- und Autokarte der Mittelrheinischen Verkehrszentren, ein schwarzledernes Zigarrenetui. Die Gegen­stände rühren aus Diebstählen her, die aus Per- fonenfrafttoagen anläßlich des Schützenfestes und der Opelwagenausstellung 1929 entwendet wur­den Personen, die Eigentumsrechte geltend machen können, werden gebeten, bet der Krimi­nalpolizei Zimmer 24 vorzusprechen.

** Die Fünsziger-Vereintgung 18 80/19 30 hatte, wie man uns schreibt, dieser Tage ihre Mitglieder zu einer geier in daS Schühenhaus eingeladen. An einer in Blumen­schmuck prangenden Tafel waren die Geburts­tagskinder versammelt. In seiner Ansprache be­grüßte der erste Vorsitzende, Glafermeister Hein­rich Marx, zunächst zwei auswärtige Teil­nehmer an der Feier, geborene Gießener und Fünfzigerkollegen, August Reinhardt aus Rordamerika, und H. D e n n er auS Freiburg i. Dr. Weiter hob er hervor, dah in dem halben Jahr seit der Gründung sich die Fünfziger gegen* feitig näher gekommen feien. Wahre Freundschaf­ten hätten sich allenthalben herausgebildet. Der Abend solle vor allen Dingen für den amerika­nischen Gast eine stete Erinnerung in seiner Lieberseeheimat bleiben. Im 21 amen der Ge­burtstagskinder sprach Zahnarzt Dr. Duchin- ger den Willkommgruh. Lim Die Mittemachts­stunde schloß sich ein feierlicher Akt aus Anlah der Befreiung des Rheinlandes an. Das ganz« rheinisch« Volk, so führt« der Dorfihende in einer Ansprache aus, habe in Treue und Zuversicht zum angestammten Mutterland gehalten. Ein Hoch auf den deutschen Rhein und das deutsch« Volk, sowie der Gesang des Deutschlandliedes schlossen die Gedächtnisfeier. Im Mittelpunkt der 23eranftaltung stand der amerikanische Gast, der feine Ozean- und Heimatreife so gelegt hatte, dah er an diesem Feste teilnehmen konnte. Bet der Llnterhaltung gab der Gast eine interessante Schilderung seiner Reiseeindrücke. Ein« bleibende angenehme Erinnerung nehme er mit über den Ozean zurück, das fei die überall freundliche Ausnahme und bereitwillige und gefällige Aus­kunftserteilung in allen Städten, die er in Ge­meinschaft mit feiner Frau besucht habe.

** Heue Führer und Stadtpläne von Gießen. Wie der Verkehrs- und 2kr- schonerungsverein Gießen im heutigen Anzeigen­teil bekanntgibt, sind die neu erschienenen Führer und Stadtpläne von Gießen im Bureau des Der- kehrsvereins, Seltersweg (Torhäuschen), zu er­halten. Räheres in der Anzeige.

** Preußisch.Süddeutsche Klaffen­lot t e r i e. Die Erneuerung der Lose zur 4. Klasse hat planmäßig spätestens bis zum 7. Juli, 18 Uhr, bei Verlust des Anrechts in der zuständigen Lotterie- Einnahme zu erfolgen. Die Beachtung dieser Frist wird in der jetzigen Reifezeit besonders empfohlen.

Heuschreckenschwärme in Hessen.

WSN. Darmstadt, 4. Juli. In Anwesenheit voll Direktor Seeger vom Landwirtschaftsamt wurde in der Gemarkung Griesheim bei Darm- ftadt dos Auftreten größerer Heuschrecken­schwarme feftgestellt. Mehrere mit Kartoffeln und Kohl bebaute Grundstücke find vollständig kahl gefressen. Es wurden sofort umfangreiche Schutz­maßnahmen getroffen.

Verantwortlich für Lokales: I. V.: Dr. Thyri ot.

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