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Mittwoch. 5. Zebruar 1930

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 30 Drittes Blatt

Aus der Wett des Films

A.

machen I

des

wird wie i

also teuer bezahlt und ist auch nicht so bequem, man es sich gewöhnlich vorstellt.

Sünden der Väter."

Oer neue Emil-Iannings-Hilm.

Berlin, Ende Januar.

der CBäkr* Mögen die Däter dieses Films ihre Sünden bereuen und es demnächst besser

Dach dem deutschen Tonfilm «Die Melodie Herzens" läuft jetzt im Lisa-Palast am Zoo wie­der ein stummer Film, und es soll nicht verschwie­gen werden, daß sich das Publikum des wieder vollzählig besetzten Orchesters und des ausge­zeichneten LIfadirigenten Schmidt-Gentner von Herzen freute. Wenn dieser Paramount- Film «Sünden der Väter", dec von dem deutschen Regisseur Dr. Ludwig Berger drüben gedreht wurde, besser gewesen wäre, so hätte sich das Publikum auch ebenso herzlich an ihm freuen können, ober da gab es außer Emil Iannings nichts, was Freude hätte machen können. Das Drehbuch, von E. Lloyd

Easanova erzählt...

Begegnung mit Iwan Moeljoukin.

Don A. Thurandt.

Es ist ein ganz unromantisches Zimtner, in dem wir sitzen. Hnb nun werden Sie schön ent­täuscht sein, liebe Freundin, die Sie keinen an­deren Ehrgeiz haben, als zum Film »u gehen, um vielleicht einmal in einem der vielen -ateitera Ihrem umschwärmten Iwan Mo s jio uktn persönlich Hu begegnen, dem Casanova. Mct dem ich jetzt zusammensitze wie gesagt: in einem ganz unromantischen Zimmer, an einem nebel­grauen Vormittag. Unb auch unsere Stimmung ist so gar nicht romantisch, tote Sie es sich gewiß wünschten. Ich muß Sie Inder ent­täuschen. , . .

Mosjoukin hat wieder einmal einen großen Film hinter sich - was Sie gewiß interessieren wird. Er trägt eine bärtige Krause um dos Kinn, weil dieser Bart zur Statur seiner Rolle gehört. Vichts mehr von Easanova. Hier sitzt ein müder Mensch, der monatelang ange­strengtester Filmarbeit geleistet hat. Der im dramatischen Spiel des kaukasischen Freihelts- kampfes gegen das zaristische Rußland in das Leben seiner Ahnen zurückkehrte und sich iedes deutsche Wort nur mühsam von den Lippen ringt. Er der «Weiße Teufel" Hadschi Murat, tote der neue Llsa-Großfilrn heißt. 3a, das war für ihn Romantik, ein Stück längst ver­lorener Heimat... ,

«Sniein die Szene der Osternacht ach. Sie müßten das alte Rußland kennen, um das ver- stehen zu können! Da wird ein Weinen durch die Theater gehen. Besonders in Berlin, das ja so vielen russischen Emigranten neue Heimat geworden ist. Das ist unsere Romantik glou- cn Sie mir! Da denke ich an meine Klndcr- jahre zurück, da mein Bruder, ein berühmter Opernsänger, die alten schönen Weisen sang, die jetzt der Don°Kosokenchor für diesen Tonfilm sang! Wie oft stahl ich mich als Gymnasiast heimlich ins Theater! Vach zwei Jahren 3ura- Studium mußte ich ouskneilen. Zwei 3ahre trieb ich mich an südrussischen Provinzbühnen herum, bis mich das Vloskauer Dramatische Theater zu einem Gastspiel einlud. Vur moderne Rollen spielte ich: 3bsen, Wilde. Hauptmann in dessen «Versunkener Glocke" den Meister Hein­rich als ganz jugendlichen Helden umgedichtet, wie das dem russischen Geschmack damals ent­sprach. Dann filmte ich bisweilen, kam aber zur Erkenntnis, daß sich Bühne und Film definitiv nicht vereinigen können, obgleich ich die Büh­nenschule für den Film ausgezeichnet halte. Als der Bolschewismus bei uns ausbrach, brachte mir die Vrbeiterdeputation ein Drehbuch 3ch lehnte ab. Ich floh nach der Krim, nach Jalta, der kaiserlichen Residenz, wo die Landschaft wie bei Vizza ist und ich in einem ziemlich unvoll­kommenen Atelier eines Freundes vier Filme spielte. Dann abermalige Flucht über Kon­stantinopel und Marseille nach Paris. Dort Ar­beit von ganzen sieben Jahren. Mein Ruhm stieg auf. 3ch setzte mich als einer der ersten für die Filmgemeinschaftsarbeit mit Deutschland ein. Mein «Casanova" bewies die Richtigkeit meiner künstlerischen Ansicht. Lind nun bin ich ja hier und bin sehr zufrieden. Ich vermisse Paris nicht im mindesten. Ich finde die deutschen Frauen ebenso schön wie die amerikanischen, die mich besonders begeisterten. Ich habe den Ein­druck, als ob das gesellschastliche Leben Berlins längst das von Paris überholt hat auch in kulinarischer Beziehung. Aber Sie wissen ja, daß wir Künstler unseren Appetit gar sehr im Zaume halten müssen damit wir nicht dick werden. Sonst würde ich gern dem deutschen Bier mehr zusprcch:n. So halte ich mich an den herrlichen Rheinwein, den ich auch schon immer in Paris trank. Lind die Frauen? Fragen Sie noch einmal. Ja, da muß ich, den mich so viele als Casanova anschwärmen, Sie leider enttäu­schen. Ich bin verheiratet. Ich bin sogar sehr

Lebensgefährliche Filmkunst.

Berussgefahren im Glashaus. - Knochenbrüche und Todesstürze. - Tom Mix, Zairbanks und Aorma Talmadge. Filmtricks und Zilmwirllichleit.

Don Walter Gersky.

glücklich verheiratet. Vur eines gefällt mir nicht in Berlin: Der Asphalt, auf dem mein Auto so oft ausrutscht. Aber da hat man jetzt probe­weise ein paar Stücke gerauhten Asphalt ange­legt die erscheinen mir fast besser als in Amerika. Was ich für ein Buch da habe? Puschkin lese ich, wenngleich der «Weihe Teufel" ja nach einer Vovelle von Tolstoi gedreht ist. Von deutscher Literatur beschäftigt mich eben eine Vovelle von Arthur Schnitzler, au3_ der ich gern selbst ein Drehbuch machen mochte, um darin das Leben eines kleinen armen Schau­spielers zu spielen. Zwischen den großen Prunkfilmen drangt es mich nach psychologischen Rollen. In dieser Beziehung befriedigte mich Hadschi Murat ganz besonders."

spieler hielten durch und die Aufnahmen gelan­gen. Fairbanks, der über diese Szenen berich­tete, hat selbst mehr als einmal für sein Leben ge­fürchtet. In dem FilmDer Mann mit der Peitsche" mußte er einen Stierkampf ausfechten, bei dem er von dem wütenden Tier viermal hintereinander angegriffen wurde. AlsDas Zeichen des Zorro" aufgenommen wurde, hatte Fairbanks die Aufgabe, von einem Kirchendach herabzuspringen, und er mußte es sich ferner gefallen lassen, daß ein Dolch unmittelbar an seinem Gesicht vorbeigeschleudert wurde. Als sich Fairbanks im Mai 1926 in Ita­lien aushielt, gab er freilich einem italienischen Jour­nalisten gegenüber zu, daß nicht alle seine akro­batischen Leistungen so gefährlich seien, wie sie auf der Leinwand erscheinen. Er meinte damals, die furchtbarsten Folgen hätte für ihn nicht ein Sprung über den Abgrund gehabt, sondern eine Liebesszene, die er mit einem schönen Mädchen zu spielen hatte, und an die sich ein heftiger Auftritt mit seiner Frau anschloß.Viel lieber", sagte er,springe ich über eine in Fahrt befindliche Lokomotive. Das sieht recht gefährlich aus, ist aber alles genau berechnet, und jeder dieser ,Seitensprünge' wird ein Dutzend- mal erprobt, ehe er auf dem Filmstreifen festgehal­ten wird. Und wenn die Aufnahme vorüber ist, habe ich menigftens nichts mehr auszustehen."

bäufem entrinnt, muß bei Freilichtaufnahmen ra­sende Autofahrten, Flugzeugjagden oder waghalsige Ritte unternehmen, und oft kommt es vor, daß eine zarte Filmdiva in das Eisloch eines zugefro­renen Sees springen muß: Erkälttingskrankheilen sind häufig die Folgen, und Schnupfen, Bronchial­katarrh oder sogar zuweilen eine Lungenentzün­dung sind nicht zu vermeiden. DasSchlaraffen­leben" der Filmhelden, nach dem sich mancher sehnt.

Tonfilm« W! hat eigene Werte.

Don Frank Warschauer.

Wir gehen in ein Kino und sehen kein Or­chester mehr vor der öetntoanb, auch nicht den einzelnen Pianisten, der den Film musikalisch illustriert, sondern hören den Ton in mechanischer Reproduktion. Das ist zunächst einmal ein rein technischer Vorgang, der uns erst dann inter­essieren kann, wenn wir die künstlerischen Konse­quenzen kennenlernen, die sich daraus ergeben.

Akustisch ist es ja schließlich doch immer schöner, Geigen, Celli, Trompeten oder menschliche Stim­men direkt zu hören, als aus einem Lautsprecher. Daran ist auch vorläufig bei aller technischen VoUkommenheit nichts zu ändern. Lind doch ist schon jetzt erkennbar, daß mit der Entwicklung des Tonfilms wirklich eigenartige neue Werte ausgebildet werden.

Die Funktion der Musik im Film war bisher ganz unsicher. Denn sie gehörte nicht organisch zu dem bildlichen Geschehen auf der Leinwand. Iedes Theater machte seine eigene Musik, in den großen Llraufsührungstheatern war sie pompös oder witzig, in kleinen Theatern zuweilen äußerst dürftig. Solche Llnterschiede werden künftig fort- fallen. Die Musik wird in jedem Fall mit dem DUdgeschehen fest verbunden, es steht nicht mehr in dem Belieben des einzelnen Kapellmeisters, was er sich zur Begleitung aussucht, wir hören jetzt alle dieselbe Musik zum Film. Was bringt es uns für Vorteile?

Erstens: es kann nicht mehr passieren, daß Tänzerinnen im Film auf treten oder Soldaten marschieren oder etwas anderes Rhythmisches geschieht, und die Musik ein beträchtliches Ende hinterherhinkt.

Zweitens: wenn ein Lied gesungen wird, ober eS spielt jemand im Film ein Instrument, so war in solchen Fällen die musikalische Illustration bisher nur ein Votbehelf. Sie gab einen Ersatz das ist jetzt nicht mehr nötig. So kann eS berat geschehen, daß sich in dem Tonfilm bereits

Sheldon nach einer Vovelle «Der Schrnugg'.er- könig von Manhattan" von Vormann B u r n - stine mehr fchlecht als recht zusammengestellt, erzählt die Geschichte von dem nach Amerika ausgewanderten deutschen Kellner Wilhelm Spengler, der aus Freude über die Geburt eines Sohnes in 'einem Dienst eine Llngeschicklichkeit begeht, entlassen wird und nun selbst eine Kneipe ausmacht, um seine Familie zu ernähren und vor allen Dingen seinem Sohn eine bessere Erziehung zuteil werden zu lassen. Frau und Tochter rädern sich redlich für das Geschäft ab, während Spengler nur das Regiment führt und ausschließlich für seinen abgöttisch geliebten Jungen da zu fein scheint. Die Frau ist lungenleidend... das Pu­blikum wird durch einige Hustenanfälle der Aerm- ften beizeiten auf ihr nahes Ende vorbereitet und toeih, jetzt muß gleich die Verführerin kommen, die den guten Wilhelm in ihre Vetze verstrickt, was dann auch prompt auf einem Kellnerball ge­schieht. Ein stellungsloser Kellner der obligate Filmbösewicht und seine Geliebte, eine stel­lungslose, reichlich schlangenhafte Animierdame verstehen es, sich bei dem gutmütigen Kneipen­wirt einzuschmeicheln, der sie und einen Teil der Gesellschaft in seine Kneipe mitnimmt, wo lär­mend weiter gefeiert wird, nebenan liegt die tot- kranke Stau Spengler, die, von dem Lärm geweckt, Lufsteht und gerade dazukommt, wie ihr Wilhelm

zwanzig Wunden, Tom Mix war jedoch wie durch ein Wunder dem Tod entgangen und hatte nur ein geplatztes Trommelfell zu beklagen. Ein anderes Mal wurde ein großer Indianerfilm In Kalifornien gedreht, bei dem Tom Mix an einem Seil in einen Elbgrund zu klettern hatte. Das Seil löste sich, der berühmte Darsteller stürzte und blieb auf einem Felsvorsprung liegen. Schon glaubte er sich geret­tet, als ein Regen von kleineren Steinen auf ihn niederprasselte, die durch die Schwingungen des Seils vom Felsen abgebröckelt waren. Auch damals ent­ging er nur durch ein Wunder dem Tod. Weit harmloser sind die zahlreichenkleinen Unfälle" ge- wesen, die Stürze vom Pferd oder die Beinbrüche: wenn er beim Sprung aus der Eisenbahn oder vom Automobil das Ziel verfehlte, warenhöch­stens" eine Gehirnerschütterung die Folge.

Film-Gastronomie.

Der Kinobesucher schaut wohl manchmal mit einem gewissen Gefühl des Veides auf den Filmschauspieler, der sich auf der weißen Lein­wand das reichlich aufgetragene Essen und den schäumenden Trunk vortrefflich munden läßt. Wie es in Wahrheit damit bestellt ist, darüber plau­dert der bekannte Filmstar Clive Brook einiges aus: «Essen! Essen! heißt das Gebot des Filmregisseurs, und dann muh man essen, ob man Lust hat oder nicht, und noch dabei sich stellen, als ob man höchst beglückt darüber wäre. Es geht nicht, daß man das Essen nur markiert. Wahrlich, es gehört ein guter Magen dazu, Film­schauspieler zu sein: denn niemand würde glau­ben, wie oft und wieviel im Film gegessen und getrunken wird. Als ich meinen ersten amerika­nischen Film drehte, mußte ich etwas trinken, was Wein vorstellen sollte, in Wahrheit aber nur Traubensaft war. Ich kannte dies Getränk noch nicht, und die ersten zwei Gläser mundeten mir vortrefflich. Aber nachdem ich neun große Maß in einer halben Stunde getrunken hatte, fühlte ich mich so elend, daß ich nicht mehr stehen konnte, und bis heute kann ich den An-

Liebe Freundin sind Sie enttäuscht? Ihr Casanova verheiratet und nun gar bärtig... Die Romantik, der unsere Sehnsucht gilt, ist eben immer ein flüchtiger Schemen. Sie leben in einer so schönen ruhigen Bürgerlichkeit, daß Sie es sich wirklich noch ein gutes Dutzendmal überlegen lallten, ob Sie deswegen den Sprung in das schillernde LIngewisse wagen sollen. Ist es nicht vielleicht viel genießerischer, dieses süß betörende Spiel der Kunst, das ewig abwechselnde vom geruhigen Hasen aus anzusehen, bis einmal doch in ihm ein Prunkschiff landet, aus dem ein anderes Idol von Mann, als es ein Casa­nova ist, aussteigt und um Ihre kleine schöne Hand bittet?

einzelne feste musikalische Vummern herauskristal- lifieren, und daß Schlager ihren Weg über die Welt vom Tonfilm her nehmen: man denke nur an den Erfolg von «Sonny boy aus dem Al I o l s o n - Tonfilm «Der singende Varr". Der Tonfilm beschert uns den Tonfilmschlager aber ebenso werden jetzt Volkslieder, Chor­gesänge und ähnliches als geschlossene musikalische Vummern im Film zur Wirkung gelangen kön­nen Das hat erst kürzlich der Llfa-Tonfilm «Melodie des Herzens" mit seinen un­garischen Soldatenliedern und ähnlichem befon- oers deutlich gezeigt.

Don da ist es ja nun nicht sehr weit zur Tonfilmoper. Man hat sie immer wieder prophezeit. Wird sie erscheinen und wird sie sich halten können? Vielleicht in einzelnen Szenen im ganzen aber kaum. Schon deswegen toeit die Handlung der meisten vorhandenen Opern und der übermäßig genaue Anblick der Sänger unsere durch den Film gesteigerte Augen-Veu- gier und Augen-Sensibilität nicht befriedigen wird.

Aber Tonfllm heißt nicht nur Musik-Film. Hier können wir vor allem auch die Geräusche des täglichen Lebens hören und die natürlich« Musik um uns herum, ob sie nun aus Vogel­kehlen oder dem Klang der Glocken kommt. Don da aus ergeben sich für die Musik, nicht nur im Tonfilm, die stärksten Anregungen. In dem Ton­film der Reichsrundfunkgesellschaft wurde daS Krachen der Dampfhämmer, das Sausen der Llntergrundbahn umgebeutet zu musikalischen Motiven, die dann in klanglich kühner Weise von dem Komponisten der Musikbegleitung, Ed­mund M e i s e l, weiterverarbeitet wurden. In dem Ruttm ann-Film «Melodie der Welt" wurde ähnliches versucht. Geräusch und Klänge des Alltags werden zu musikalischen Faktoren.

Reue Ausgaben erwachsen der Musik und der freien Klanggestaltung im Tonfilm. Daß sie jetzt erkannt worden sind, ist der erste Schritt dazu, sie allmählich in schöpferischer Weise zu be­wältigen. Jahrhundertelang gab es Genies der Oper, der Sinfonie, des Liedes das zwanzigste Jahrhundert wartet auf das Genie der Tonfilm- mu,it

Im vergangenen Jahr mußten Schauspieler und Akrobaten Besonderes bei Ausnahmen zu einem Film leisten, der in den Aloen spiette. Die Skiläufer, die von Chamonix noch Planpraz ausstiegcn, wur­den damals Zeugen eines aufregenden Schauspiels. Der englische Komiker Monty Banks, der sich in wenigen Tagen die Kunst des Schneeschuhlaufens angeeignet hatte, führte vor dem Apparat im grel­len, durch die Reflexe des Schnees noch verstärkten Licht halsbrecherische Kunststücke aus. Die Winter- sportler waren aber noch weit verblüffter, als sie eines Morgens inmitten der Schneeseider, die allein dem Skiläufer zugänglich sind, ein großes Automo­bil erblickten. Man hotte den Wogen mit der Draht­feilbahn durch die Luft heraufbefördert, um eine Woche lang Aufnahmen zu machen. Das auf Schlit­tenkufen gesetzte Auto war dann an den Rand einer jäh abfallenden Schlucht gezogen worden und wurde dort in schwindelnder Höhe auf einer Fels­spitze über einem gähnenden Abgrund schwebend erhalten. Der Filmstar und seine Kollegen führten bald auf dem Auto, bald an dessen Rädern über dem Abgrund ihre Akrobatenstücke aus. Der ein­zige Kunstgriff, den man sich gestattete, bestand darin, daß die Schlittenkufen des Wagens auf einem zu diesem Zweck bearbeiteten federnden Felsftück aufmontiert waren: bas Ganze wurde mit dem Fels- massiv so geschickt verbunden, daß die Kufen dem Auge nicht sichtbar werden konnten. Die Aufnahme wirkt infolgedessen so echt, daß die Zuschauer bei ihrem Anblick aus der Aufregung nicht herauskom- men.

Man braucht nur die Namen Harry Piel, Luciano Albertini oder Eddi Polo zu nennen, braucht nur an den verstorbenen Baien« t i n o zu erinnern, um jedem Menschen das Bild abenteuerlicher Filmakrobatik vor das Auge zu zau­bern. Es trifft heute nicht mehr zu, daß die Film­stars ihre gewaltigen Honorare in aller Bequem­lichkeit verdienen: selbst wenn sie keine Akrobaten­stücke auszuführen hoben, müßen sie doch im Glas­haus unter ungesunden Umständen schwer arbeiten und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Augenerkran­kungen treten sehr häufig auf. Die Bindehaut wird nämlich durch bas grelle Licht der Jupiterlampen gereizt und schmerzhaft entzündet. Ost folgt eine langwierige Krankheit, die zu Arbeitsunfähigkeit füh­ren kann. Wer den stickigen und staubigen Glas-

In der Nähe von Los Angeles stießen kürz­lich zwei Flugzeuge der Fox-Filmgesellfchast zusammen und stürzten in den Stillen Ozean. Die zehn Insassen, unter denen sich bekannte Jilmschouspieler befanden, sind umgekommen.

Nicht alle Unfälle, die sich vor der Filmkamera ereignen, sind tragisch zu nennen. Mit großem Ver­gnügen hat Douglas Fairbanks einmal die Geschichte einer Aufnahme erzählt, bei der ein She­riff mitwirken sollte. Der Beamte hotte eine Rolle au spielen, in der er von einem Verbrecher erschos­sen werden und dabei rufen sollte:O weh, er hat mich ermordet!" Dor der Ausnahme verabredete der Regisseur mit dem Schauspieler, der den Verbrecher spielte, daß er eine Stachelbeere in den Reooloer- lauf legen sollte. Die Wirkung war einzigartig. Der Sheriff rief;O weh, er hat mich ermordet!" und griff mit der Hand nach dem Herzen. Plötzlich fühlte er etwas Feuchtes an feiner Fingerspitze. Mit dem Aufschrei:Mein Gott, er hat mich wirklich er­schossen!" fiel der zu Tode erschrockene Mann in Ohnmacht.

So harmlos verlaufen leider nicht alle Film­unfälle. Das Beispiel der fliegenden Filmschauspie- (er, die kürzlich im Stillen Ozean ertrunken sind, beweist der Welt, daß Filmen trotz aller Tricks, die angewendet werden, eine gefährliche Kunst ist. Ge­rade die Filme, die im Flugzeug ausgenommen wer­den ober bei denen Schauspieler mit dem Fall­schirm abspringen müssen, versetzen die Künstler häufig in Lebensgefahr: die Skeptiker im Publikum, die alles immer ganz genau wissen und sich jede nervenpeitschende Sensation durch gestellte Aufnah­men zu erklären wissen, sind also nicht immer im Recht, und oft sind die naiven Zuschauer viel klüger, die einfach an die Leistung glauben, die sie sehen. Zu den Männern, die beim FUm mehrmals ihr Lebten gewagt haben, gehört z.B. Tom Mir. Wenn man ihm glauben darf, benutzt er niemals photographische Tricks, und er verzichtet auch dar­aus, bei besonders schwierigen Stellen einen Akro­baten einzuschmuggeln, der in seiner Maske die halsbrecherischsten Leistungen vollbringen könnte. Dieses Dersahren wird von anderen Künstlern viel­fach angewendet, ist aber gerade bei den größten Sensationsdarstellern nur selten zu gebrauchen. Der Körper von Tom Mix ist von Narben bedeckt: beide Arme und Beine sind'ihm mehrmals gebrochen, drei Rippen mußten ersetzt werden. Nach seinen eigenen Berichten hat er acht Kugelwunden: 140 Mal wurde er von Hieben und 127 Mal von Stichen verletzt. Eins seiner gefährlichsten Erlebnisse war der Ritt durch einen unterminierten. Hohlweg: die Spreng­uhr war so gestellt, daß die Mine auffliegen mußte, kurz nachdem Tom Mix die Stelle passiert halte. Aber die Sprenguhr versagte, die Mine flog vor­zeitig in die Luft, und Tom Mix wurde mit feinem Pferd vom Luftdruck erfaßt, in die Höhe gehoben und beiseitegeschleudert. Das Pferd blutete aus

die verführerische Schlange küßt. Die Leibende bekommt einen Blutsturz, unb nachbem sie dem reuigen Sünder verziehen und ihm das Wort ab» genommen hat, das «Frauenzimmer" aus dem Hause zu schalfen, stirbt sie. 2lbec die «Person" läßt sich nicht verjagen, lie erreicht es selbstver­ständlich, daß Spengler sie heiratet, und nach die­ser etwas dickflüssigen Dorgeschichte geht der eigentliche Film erst los. Die Prohibition kommt! Spengler glaubt, daß nun alles aus sei, aber der Bösewicht Vewman, den Spengler als Heiser behalten hat, toeih Rat. Vlloholschmuggel! Vus Liebe zu seinem Sohn, der unter allen Umständen «etwas Besseres" werben soll, wirb Spengler Schmuggler unb heimlicher WhiZkyfabrikant, was ihm Millicnen auf Kosten ber Gesunbheit seiner Mitbürger emträgt. Unter der harmlosen Flagge «Spenglers Eemü.e" überschwemmt das Giftzeug, das zum größten Teil aus Methylalkohol besteht, Manhattan, unb nun will es bas Schicksal oder vielmehr der Vutor, daß Spenglers ver­götterter Sohn, ber trotz bes Daters Derbot dem heimlichen Vlkoholgenuh front, an den Folgen des giftigen Getränks erblindet. Gebrochen an Leib unb Seele verbüßt ber alte Mann eine lang­jährige Gefängnisstrafe, wird nach seiner Entlas­sung wieder Kellner in einem Gartenlokal unb | findet dort eines Tages seinen blinden Sohn in ber Gesellschaft seiner von ihm verstoßenen Tochter und seines Schwiegersohnes wieder. Ein happy end mit viel Rührung beschließt die schaurige Mär von den Sünden der Väter, unb wäre Emil Iannings nicht dieser Wilhelm Spengler ge­wesen, das deutsche Publikum hätte ob dieses Kitsches weidlich gepfiffen. Iannings rettete unb trug jedoch die Handlung mit seinem sprühen­den Humor, mit seiner natürlichen unb glaub­haften Menschlichkeit über alle Fährnisse des Kitsches hinweg. Er gestaltete Szenen von er­schütternder Eindringlichkeit, so wie sie nur die­ser hochbegabte Menschendarsteller zu gestalten vermag, und darum galt ber Beifall am Schluß ausschließlich Iannings, nicht dem Film, nicht dem Regisseur Berger, an dessen Vamen sich bessere Leistungen knüpfen, und ganz unb gar nicht ber Photographie Victor Milners. So schlecht ist ein amerikanischer Film schon lange nicht photographiert worben wie diese »Sünden

Wer in einem Sensationsfilm mitwirkcn will, muß über eiserne Nerven unb großen Mut ver­fügen. Bei den Aufnahmen zu dem FilmDie einzige Frau", In dem Norma Talmadge mit­spielte, sollte eine Luxusjacht an den Klippen zer- schellen. Das Schiff stand bereit, und der Regisseur wartete nur auf einen kräftigen Sturm. Als ein nahendes Unwetter gemeldet wurde, mußten Schau­spieler, Regisseure und Operateure an Bord. Die Aufnahmeapparate wurden festgeschraubt, und da es Nacht war, spielte sich alles beim Licht der Schein- | werser ab. Norma Talmadges Kleider wurden vom Sturm buchstäblich zerfetzt, und sie fürchtete stän­dig, von umherfliegenden Holzteilen verletzt zu wer­den. Es war eine schaurige Nacht, aber die Schau-

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