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wissen Besorgnis entgegensehen. So viel Glück China 1929 in seiner äußeren Politik gehabt hat die Mandschurei ist China ja schließlich erhal­ten geblieben so unglücklich haben sich die Dinge im Innern entwickelt. Das Spiel mit dem Feuer, das die Aufrollung der Frage der Ab­schaffung der Exterritorialität bedeutet, scheint nicht geeignet, um China eine friedliche innen- und außenpolitische Entwicklung für die nächste Zeit prophezeien zu können.

Heimvolkshochschule Hohensolms.

* Hohensolms, 2. Febr. Dieser Tage fand in dem Schulheim der Heimvolkshoch­schule Hohensolms die Eröffnung eines neuen Mädchenlehrganges statt. Für den dienstlich verhinderten Leiter der Schule, Pfarrer Petri, Hohensolms, sprach Dr. Kam- m e r im Kreise der Schülerinnen und einiger Eäste. In diesem Degrüßungswort deutete er die Auffassung an, welche der Hohensolmser Dolks- hochschularbeit zugrunde liegt. Es soll eine Zeit gemeinschaftlichen Lernens, gemeinschaftlichen Sichbcsinnens und gemeinschaftlicher Freude für alle Teilnehmerinnen fein. Als Vertreter des Volkshochschulvercins sprach sodann Pfarrer Gründler. Königsberg, noch herzliche Worte. Er zeigte auch, wie die einzelnen Unterrichts­fächer, von dem praktischen Hauswirtschafts- und Handarbeitsunterricht angefangen, bis hin zu der sich ganz an den inneren 2llenschen wenden-

Die Volkshochschule im

Die Gießener Volkshochschule ver­anstaltete in diesem Arbeitsjahr 31 (1928: 29) Kurse, die zum Teil noch in der Durchführung begriffen sind. Die Zahl der Kursabende (meist Doppelstunden) beträgt 329 (1928: 233), die der teilnehmenden Personen 451 (1928 und 1927 je rund 380, 1926: 305), auf die 554 (1928: gegen 500) Einschreibungen entfallen. Die starkeZu- nähme der Hörerzahl geht auf Rech­nung des Winterhalbjahrs, das mit 316 ein­geschriebenen Personen (411 Einschreibungen) den Durchschnitt der drei borangegangenen Winter­semester um etwa 45 Prozent übertrifft. Die äußere Entwicklung der Volkshochschule ergibt also ein günstiges Bild. Auch die Zusam­mensetzung der Hörerschaft hat sich in einigen Punkten günstiger gestaltet. Das seit mehreren Semestern zu beobachtende Wachstum des Hörerstammes hat im Wintersemester eine Zahl von 141 (W.S. 1928/29: 124, W.S. 1927/28: 103) Hörern aus früheren Semestern ergeben. Im Interesse der Weiterentwicklung der Volkshoch­schule besonders zu begrüßen ist namentlich der im Winterhalbjahr erfolgte Zugang an Hörern im Alter von zwanzig Iahren und darunter, die in den beiden vorangegangenen Winter­semestern nur in verschwindender Zahl beteiligt waren. Sie machen zur Zeit etwa 15 Prozent der Hörerschaft aus: und zwar verteilen sie sich im gleichen Verhältnis tote die übrigen Hörer auf die verschiedenen Kurse, so daß Besonder­heiten in der Richtung des Bildungsinteresses bei ihnen nicht feststellbar sind. Rach wie vor sind außerdem 60 Prozent der Hörer zwischen 20 und 30 Jahren. Die junge Generation

9er Traum vom SM.

Vornan von E. Lovett und M. v. Weißenthurn.

Copyright by Marie Brügmann, München.

29 Fortsetzung. Na.-druck verboten.

Das ist unmöglich! Er befindet sich im Ausland auf einer Seereise, glaube ich und ich weih nicht einmal feine Adresse."

Dann wirst du ihn sicher niemals Wieder­sehen!" brauste die Mutter auf.Darauf gebe ich dir mein Wort! Ieht hast du ihn dir endgültig durch die Finger schlüpfen lassen. Er wird unter- Wegs längst eine andere kennengelernt haben, und ich bedaure dich nicht im geringsten, wenn du seine Verlobung in der Zeitung liest, du alber­nes, undankbares Geschöpf!"

Dann müßte ich es zu ertragen suchen!" ant­wortete Sabine anscheinend ruhig: aber in ihrem Herzen zuckte ein stechender Schmerz bei dem Ge­danken, daß die Mutter recht haben könnte.

Trennung ist das härteste aller Hebel, die die Liebe zu bekämpfen hat, und es gab Zeiten in Sabines prüfungsreichem Leben, wo sie, ermattet von allen Kämpfen und höhnischen Sticheleien ihrer Mutter, den letzten Rest von Lebensmut zu verlieren glaubte. Dann kam Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung über das arme Mädchen.

Warum sollte er ihr treu bleiben? Die grau­samen Prophezeiungen ihrer Mutter fanden ein Echo in ihrem eigenen, gemarterten Herzen, das sich unablässig die Frage stellte: Warum sollte Kurt noch einmal zu ihr zurückkehren?

Er war in keiner Weise gebunden, ja, sie hatte ihn durch ihr Schreiben deutlich erkennen lassen, daß es ihr eigener Wunsch fei, ihn so frei als möglich zu wissen. Sollte er während der Tren­nungszeit seinen Sinn geändert haben so hatte sie ihm geschrieben, so würde sie ihn ihrer­seits als einen Gestorbenen betrachten, als sei er für immer aus ihrem Leben geschieden.

Sehr oft wand sich ihr Herz in Qualen bei dem Gedanken an diesen Ausgang. Wie leicht hatte sie es ihm gemacht, sie zu vergessen, und wie sehr war die lange Trennung dazu angetan, alle Rebel der Leidenschaft vor seinen Augen zu zerstreuen, so daß nur noch die Rachteile einer ihn entwürdigenden Heirat grell beleuchtet blieben.

Hnd immer war es Doris, die die fast ver­löschende Flamme der Hoffnung in Sabines ver­zagendem Herzen von neuem anzufachen verstand. Von ihr wußte sie, daß Kurt von Wildhofen sich mit der Iacht eines Freundes auf einer Aus­landreise befand und daß sich keine Damen auf dieser Iacht befanden. Diesen letzten Sah hatte Doris dick mit Rotstift unterstrichen. Es war ein anscheinend bedeutungsloser Hmstand, und doch wie unendlich trostreich und beglückend für das von Zweifeln gemarterte Herz des liebenden Mädchens.

Hätte Sabine in dieser schweren Zeit nicht Doris Hocters Freundschaft besessen und ihre zahlreichen, liebevollen Briefe empfangen, sie hätte sich in Kummer und Sehnsucht verzehrt.

Als sie von Doris' Verlobung mit dem Rechts­anwalt Kenntnis erhielt, freute sie sich aufrich­tigen Herzens übej das Glück der Freundin, aber auch für ihr eigenes, schwankendes Hoffen gab es neuen Balsam in dem Briese der glücklichen

1 den evangelischen Lebenskunde, in einem großen Zusammenhang stehen: Alles soll dienen der Vorbereitung für die Ausgaben des Lebens als Frau und Mutter. Besinnliche Lieder umrahm­ten die schlichte Feierstunde. 22 junge Mädchen, teils aus Oberhessen und dem Rheinland, teils aus weiter Ferne, z. D. Sachsen und sogar Oester­reich, werden in den kommenden Wochen und Monaten das Schulheim bevölkern und Arbeit und Freude miteinander teilen.

Turnen, Gpori und Spiel.

Hochschulsport.

Schtolmmtoettkämpse.

Am morgigen Donnerstag veranstaltet die Gießener Studentenschaft ihre Schwimmwettkämpfe im Städt. Volks- bad. Die Wettkämpfe sind als Einzelkämpfe (Brustschwimmen, Rückenschwimmen, Freistil- schwimmen, Kopfweitsprung, Slreckentauchen und Springen) und als Mannschaftskämpfe (Brust- und Lagenstaffel) unter den Korporationen aus­geschrieben. Reben einigen Freistudenten haben bereits folgende Korporationen dazu gemeldet: Frankonia, Alemannia, Germania, Wingolf, Adelphia und Merowingia, Chattia. Außerdem wird die Hniversitätsmannschaft in einer Lagen­staffel gegen den Schwimmverein und den Turn­verein von 1846 auftreten.

Arbeitsjahr 1929/30. stellt demnach die Hauptmasse und im laufenden Arbeitsjahr einen steigenden Anteil der Besucher. Die verhältnismäßige Beteiligung aus Arbeiter­kreisen hat zwar mit dem Wachstum der Hörer­zahl im ganzen nicht Schritt gehalten, doch ist zu begrüßen, daß sich die Arbeiterhörer nicht mehr nur in einer Richtung interessiert zeigen. Arbeitnehmer sind im übrigen mehr als 75 Pro­zent der Hörer.

Die Fortschritte der inneren Entwicklung sind nur im Rahmen derVolkshochschule O b e r h e s s e n" möglich gewesen. Rur weil diele Grundlage da war, konnte die Volkshochschule einer Anregung mehrerer ihr nahestehender Musikfreunde folgen und einem Kammer- orchester unter Leitung von Musiklehrer Franz Bauer jr. Hebungsräume stellen. Das Orchester ist im Laufe des Winters mehrfach mit eigenen Konzerten und im Rahmen ander­weitiger Veranstaltungen an die Öffentlichkeit getreten, und zwar sowohl in Gießen, wie in der Provinz. Seine Darbietungen haben überall dankbarste Anerkennung gesunden, und die Volks­hochschule wird bestrebt fein müssen, ein so wert­volles Instrument der Volksbildung zu erhalten und seine Fortentwicklung zu sichern. Doch ist diese Aufgabe für die Gießener Volkshochschule allein unlösbar.

Die individualpsychologische Erziehungs- beratungs stelle (Dr. Ioh. Reumann und Dr. Margret Reumann-Bücking) wurde in diesem Jahr zunehmend auch von aus­wärtigen Eltern und Erziehern namentlich zur Beseitigung von Lernschwierigkeiten und zur Hei­lung stotternder Kinder aufgesucht: auch sie

Braut. Doris schrieb nämlich in der Heber- schwänglichkeit ihres jungen Glücks von einer be­seligenden Zukunft, die nun bald für sie, aber auch für Sabine anbrechen würde.

Ich kann Sie nicht zu meiner Hochzeit ein­laden, liebste Sabine," hieß es weiter in dem Briefe,da diese natürlich hier im Schlosse statt- finden wird, und zwar gleich nach Ostern in aller Stille. Freundinnen besitze ich außer Ihnen nicht, und Verwandte nur in meinen Schwestern, von denen zwei hierher kommen werden, ebenso Kon­rads Mutter und seine einzige Schwester. Gleich nach der Hochzeit kommen auch wir dann in die Residenz, da Konrad sich im ganzen nur einen kurzen Hrlaub von vierzehn Tagen gestatten kann, in dem wir auch noch eine größere Woh­nung suchen und einrichten müssen. Hnd dort, liebste Sabine, hoffe ich. Sie sehr, sehr oft bei mir zu sehen. Wie schnell wir.d die Zeit vergehen, und der Monat Iuni wird vor der Tür fein, ehe Sie es 'gedacht haben."

Aber es war trotz aller gutgemeinten Ver­tröstungen doch eine lange, schwere Zeit bis da­hin, und bevor das langersehnte Ziel erreicht war, geschah noch etwas so gänzlich HnertparteteS. daß die arme, vom Schicksal verfolgte Sabine fast ihrem Kummer erlag.

Es war gegen Ende März, und an einem dieser noch empfindlich kalten Frühlingstage hatte ein alter Bewunderer von Sabines Mutter den Da­men zwei Logenbilletts für ein Theater über­sandt.

Obwohl Frau Klimar gerade an einer heftigen Erkältung litt, ließ sie sich trotz der warnenden Bitten ihrer Tochter nicht abhalten, die Billetts anzunehmen.

Es sieht dir so ähnlich, Sabine," sagte sie auf die Vorstellungen ihrer Tochter,daß du mir nicht einmal dies kleine Vergnügen gönnst. Freilich, ich habe ja auch ohnedies Freude genug an meinem armseligen, zerstörten 2eben!

Hm das Maß ihrer Hnvernunft vollzumachen, bestand sie noch darauf, ein leichtes Kleid und einen hocheleganten Theaterumhang zu wählen. Dieser Hmhang war ein Andenken an ihre glän­zende Epoche und nichts weniger als warm, wäh­rend Sabine ihr dringend den warmgefütterten alten Mantel empfahl.

Du möchtest nur, daß ich recht schäbig und erbärmlich aussehe neben dir ich weih ich weih ...," lautete die Antwort der in ihren schönsten Hoffnungen getäuschten Frau.Da uns der Rat Bentheim in der Loge aufsuchen will, möchtest du mich natürlich um jeden Preis aus- stechen," fuhr sie dann fort, in ihrer Aufregung einen Gedanken verratend, auf den Sabine nie verfallen wäre.

Aber so nimm wenigstens meinen Mantel für die Fahrt!" beharrte Sabine.Er ist doch wärmer als dieser leichte Hmhang."

Hnd steht mir zum Entsetzen! Rein, ich danke! Ich will mich nicht zur Vogelscheuche machen, nur dir zur Freude."

Liebe Mutter, was ist Rat Bentheim für mich! Ich habe ihn ja noch nie im Leben gesehen!" Mit diesen Worten gab Sabine den Kampf auf und verlieh das Zimmer.

Möglich, dah die am Ende ihrer verwerflichen Pläne angelangte Frau sich wirklich noch die letzte Hoffnung machte, ihren alten Freund, der Jung­geselle geblieben war, bezaubern zu können. Ob dies geschehen wäre oder nicht, bleibt eine offene

wird ebenfalls nur auf der neuen Basis zu einer gesicherten Einrichtung und evtl, noch ausgebaut werden können.

Die Fragen der Lehrerfortbildung, die zu den Lebensfragen einer städtischen Qlbenb- volkshochschule gehören, können, wie die stark- besuchte und anregende Fachsihung zur Eröff­nung des Winterhalbjahrs zeigte, in dem wei­teren Rahmen O^rrhessens mit besserem Erfolg angegriffen werden. Dank dem oberhessischen Lehreraustausch konnten bereits in diesem Winter mehrere auswärtige Lehrer unter trag­baren Bedingungen für Giehener Kurse gewonnen und damit das Semesterprogramm bereichert werden.

Die gemeinsamen Besichtigungsfahr­ten, an deren erster nach Frankfurt über vier­zig Personen aus Giehen, Butzbach und Fried­berg teilnahmen, sind aus mehreren Gründen ebenfalls nur auf der breiten Basis des ober- hessischen Hörerkreises durchzuführen.

In diesem Zusammenhang sind auch die Aus­führung des SpielsDie Flucht zu Gott" (Ste­phan Zweig) durch eine Frankfurter Jugend- sp i el sch a r und die Vorführungen von Fa­milienspielen (Pastor Jahn. Stettin) zu nennen. Beide Veranstaltungen waren dadurch leichter durchführbar, dah die Spielschar außer in Giehen noch in Dad-Rauheim auftrat und dah die Familienspiele noch in vier welkeren Orten gezeigt wurden.

Aus dem inneren Betrieb der Volks­hochschule ist schliehlich folgendes hervorzu­heben: Rach dem Beispiel anderer Volkshoch­schulen werden feit einigen Semestern Kurse ge­ringeren Hmfangs (drei bis sechs Abende) ver­anstaltet, eine Neuerung, die nicht das erwartete Interesse gefunden hat und deshalb wieder auf- gegeben werden muh. So bedauerlich dies an sich ist. so spricht anderseits die Bevorzugung der ausgedehnten, zehn bis fünfzehn Wende um­fassenden Kurse durch die Hörer dafür, daß die intensive Bildungsarbeit Wurzel geschlagen hat. Die Volkskunstabende zählten bisher je 250 bis 350 Besucher: diese Einrichtung kann nur er­halten werden, wenn der Besuch im nächsten Jahr ganz erheblich steigt. Auch bei den Ein­führungsvorträgen zum Schauspielplan des Stadt­theaters und den Einführungen zu Konzerten hat die Besucherzahl enttäuscht.

Trotz einzelner Fehlschläge können alle Mit­arbeiter auf ein besonders befriedigendes Ar­beitsjahr zurückblicken. Wenn auch von einer Si­cherung der Volkshochschule noch längst nicht die Rede sein kann, wenn auch in diesem Jahr wirtschaftliche Schwierigkeiten sehr auf die Ar­beit drückten und zu erheblichen Verzichten bei der Durchführung des Programms zwangen, so haben sich doch die Vorbedingungen für den wei­teren Ausbau im nächsten Arbeitsjahr sehr fühl­bar gebessert. W. H e g a r.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

* Wieseck, 4. Febr. Der hiesige Bürger- Verein hielt am Samstag seine Jahres­versammlung ab. Rach Prüfung der Rech­nungsführung und der Entlastung des Vorstan­des wurde der seitherige Vorstand fast vollzählig wiedergewählt: eine Veränderung bzw. Ergän-

Frage: jedenfalls erschien Rat Bentheim nicht in der Loge, so daß Frau Klimar ihre elegante Klei­dung für ihn umsonst angelegt hatte.

Im Theater war es heiß und alles überfüllt, und als Mutter und Tochter nach Schluß der Vorstellung stark erhitzt auf die Straße traten, mußten sie einige Minuten lang auf die elektrische Bahn warten, die sie zur Heimkehr benutzen wollten. Als sie endlich einsteigen konnten, zit­terte Frau Klimar vor Kälte und bereute jetzt bitter, nicht doch lieber ihren warmen, alten Mantel bei sich zu haben.

Am nächsten Morgen war sie zu krank, um das Bett zu verlassen, so dah Sabine einen 2lrzt herbeirufen ließ. Es war ein bedenklicher Fall eine heftige Lungenentzündung mit hoch­gradigem Fieber.

Drei Tage lang verursachte die Kranke durch ihre Fieberphantasien ihrer fassungslosen Toch­ter eine namenlose Angst: dann wurde sie von Stunde zu Stunde schwächer, und am Morgen des vierten Tages schlummerte sie sanft ein, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben.

Sabine, nun völlig verwaist, war durch den jähen Tod ihrer Mutter wie vom Blitz getroffen. Trotz großer Fehler und schwerer Vergehen war die Mutter ihr alles gewesen, und hatte sie nicht auch oft genug nur aus Liebe zu dem ein­zigen Kinde gesündigt?

Als Sabine an dem offenen Grabe stand und sich klarzumachen suchte, dah ihre noch immer schöne junge Mutter für immer von ihr gegan­gen war, befiel sie eine beklemmende Angst bei dem Gedanken an ihre völlige Verlassenheit. Fast gebrochenen Herzens kehrte sie von dem traurigen Gang in ihr verödetes Heim zurück. Aller Mut, alle Seelenstärke, die sie bis dahin aufrechterhalten, waren dahin. Sie brach zu­sammen und wurde bald darauf von einem heftigen Fieber ergriffen.

Die Wirtin, von der ihre Mutter die Zimmer gemietet hatte, pflegte Sabine einige Tage lang so gut sie konnte: dann erst zog sie einen Arzt zu Rate, der die Heberweisung der Patientin in ein Krankenhaus anordnete. Wochenlang kämpfte das junge Leben gegen die tückische Krankheit, bis endlich eine schwache Wendung zum Besseren eintrat. Doch eine hochgradige Rervenobspannung folgte den Fieberzuständen, so dah Sabines Kräfte aufs äußer ft e erschöpft wurden, und nur sehr, sehr allmählich gelangte die Kranke dank ihrer Jugend wieder in den Besitz ihrer Kräfte.

Endlich durfte sie täglich einige Stunden das Bett verlassen, und als sie eines Tages, in Kissen und Decken gehüllt, abgezehrt und lilien­weiß, in einem bequemen Sessel lehnte, trat die freundliche Krankenpflegerin ein und über­reichte der Rekonvaleszentin eine Visitenkarte.

Es ist eine Dame im Sprechzimmer, die Sie besuchen möchte!" sagte sie in aufmunterndem Ton.Der Doktor hat erlaubt, dah sie zehn Minuten lang mit Ihnen reden darf, aber auch nicht eine Sekunde länger. Sie kommt soeben die Treppe herauf."

Heber Sabines Züge flog etwas wie eine leichte Röte, als sie nun, so schnell es ihre Schwäche erlaubte, nach der Karte griff und sie mit den Augen überflog.

Frau Doris Hagenau," las sie mit freu­digem Herzen.

* w *

zung trat lediglich in der Besetzung des Postens des 2. Schriftführers und des Archivars ein. Es wurde bedauert, daß dem Verein nicht mehr Mitglieder angehören, da er doch Arbeitnehmer, Gewerbetreibende und Land­wirte zu gemeinsamer kommunalwirtschaftlicher Arbeit vereinigt. Eine gründliche Aussprache erfolgte über die jüngste Gemeinder a ts- w a h l und die im Wahlkampf gemachten Er­fahrungen. Ferner wurden kommunale Fragen von weittragender Bedeutung für das Allgemein­interesse der Wiesecker Bürgerschaft erörtert. Gegen die Erbauung eines Schwimm­bades wurde entschieden Stellung genommen, da unsere Gemeinde durch die Schaffung von vier Sportplätzen für die Förderung sportlicher In­teressen schon viel getan habe und die Schaffung einer Gelegenheit für den Schwimmunterricht und für das Baden leichter und bllliger bewerk­stelligt werden könne, wenn man an der regu­lierten Wiefeck mit ihrer Schleuse die Hfer ent­sprechend herrichte, oder den Dadeinteressenten durch Pachtung einer Wiese an der Lahn Ge­legenheit zu unentgeltlichem Baden und Schwim­men biete. Die bürgerlichen Gemeinderatsmit­glieder sollen ersucht werden, gegen das Schwimmbadprojekt entschieden Stellung zu neh­men, da dieses Vorhaben die Gemeinde mit einem jährlichen Zuschuß von 6000 Mark be­laste, jetzt aber doch dringendere Aufgaben (z. B. Wasserversorgung, Kanalisation und Straßenbau) zu erledigen seien. Falls die sozialdemokratische Mehrheit im Gemeinderat sich zugunsten des Schwimmbadprojektes für etwa 50 000 Mark aus­spreche, soll der Beschluß angefochten und der Aufsichtsbehörde zur Entscheidung vorgelegt werden. Man erwartet eine Behandlung dieser Frage unter rein sachlichen Gesichtspunkten und unter Würdigung der Interessen der gesamten Bürgerschaft.

:: Aus derRabenau, 3. Febr. Bei der in den Rabenaufchen Waldungen, Distrikt Eich­wald abgehaltenen Holz.Versteigerung wurden bei nicht besonders starker Beteiligung nachfolgende Preise erzielt: Buchenscheiter 24 bis 26 Mk., Duchenknüppel 18 bis 20 Mk. pro zwei Raummeter. Buchenstöcke wurden mit 12 bis 16 Mk. pro Raummeter bezahlt, während Buchen­reisig 1,50 bis 2,50 Mk. pro Raummeter kostete. Eichen-, Fichten- und Aspenknüppel wurden mit durchschnittlich 8 Mk. pro zwei Raummeter bezahlt.

:: Beuern, 3. Febr. Für die im Jahre 1929 verstorbenen Mitglieder des Kirchen- vorstandes August Weimar und Gemeinde­rechner i. R. Georg Stein fand jetzt Ersatz­wahl innerhalb der Kirchenvertreter statt. Es wurden gewählt Steinhauer Konrad Stein - müller und Landwirt Karl Ranft.

Kreis Alsfeld.

*! Ruppertenrod, 2. Febr. Heute gab im Saale der Gastwirtschaft Horst die Kapelle des Gießener Batl. Inf. - Regt. 15 unter Leitung von Obermufikmeister Löber ein Kon­zert. Der Saal war voll besetzt, u. a. waren auch zahlreiche Besucher aus den umliegenden Ortschaften erschienen. Das Programm enthielt zunächst Streichmusik, während Blechmusik erst nach der Pause folgte. Reben Militärmärschen und Liedern wurden Ouvertüren und Potpourris gespielt. Das Publikum spendete stürmisch Bei­fall.

An einem Juninachmittag wurde in der im ersten Stock gelegenen Wohnung eines eleganten Hauses in der Diktoriastraße in D. ein Fenster geöffnet. Gleich darauf streckte eine junge Dame von zierlichem Wuchs ihr dunkelhaariges Köpf­chen heraus, soweit es zwischen den blühenden Topfgewächsen nur irgend möglich war.

Es war aber ein vergebliches Bemühen, um die nächste Biegung der Straße einen Blick zu werfen.

Auf den Plätzen und Promenaden der Resi­denz herrschte an diesem ausgesucht schönen Früh­lingstage ein fröhliches Leben und Treiben, dem aber die graziöse Dame am Fenster nicht die geringste Aufmerksamkeit schenkte. Das, wonach sie so ungeduldig ausschaute, war nur ein mit Gepäck beladenes Auto, das noch immer nicht in Sicht kommen wollte.

Er müßte doch nun schon hier sein!" sagte sie jetzt, sich in das Zimmer zurückwendend, mit ungeduldig erregter Stimme.

Es war ihr eigener kleiner Empfangssalon, in dem die Dame sich befand. Man konnte sich kavm einen entzückenderen Raum denken als dieses kleine Gemach, dessen zierliche Möbel in effektvollem Kontrast zu den mattrosa bekleideten Wänden des Erkergemachs standen. Die lau­schigen Winkel und Ecken waren mit Draperien aus kostbaren Stoffen, wertvollen Kunstgegen- ständen und Treibhausgewächsen dekoriert, wäh­rend an den Wänden einige Kunstwerke italie­nischer Meister prangten.

Die Dame, an die die Wartende ihre Worte richtete, faß in der Tiefe des Zimmers auf einem kleinen Schemel und hielt ein aufgeschlagenes Buch in der Hand, freilich, ohne von dessen In­halt eine Ahnung zu haben, obgleich ihre Augen unablässig auf den geöffneten Seiten hafteten.

Run, das muß ich sagen, ich begreife dich nicht!" rief die junge Frau Rechtsanwalt Hagenau jetzt.Ich glaube, du bist nicht halb so aufgeregt wie ich!"

Sabine Klimar blickte nun doch von ihrem Buche auf. Ihr reiches Haar schimmerte so gol­dig tote je, ihre tiefblauen Augen und ihr leuch- tend-weiher Teint waren so bezaubernd wie immer, und doch schien eine große Veränderung mit ihr vorgegangen zu sein. Heber ihrem ganzen Wesen und in ihren Zügen lag- eine Weichheit, durch die sie nur noch einen neuen Reiz erlangte. Man sah auf den ersten Blick, daß die harte Schule des Lebens nicht spurlos an ihr vorüber­gegangen war, sondern sie gereift und geläu­tert hatte. Der Tod ihrer Mutter und ihre eigene schwere Krankheit hatten sie nicht nur physisch gewaltig erschüttert, sondern auch eine tiefe Hmtoanölung in ihrem Seelenleben voll­zogen. Die stillen Tage der Rekonvaleszenz waren Zeiten der ernstesten Einkehr in sich selbst und der heftigsten Reue über ihr vergangenes Leben gewesen. Sie hatte gelernt, ihre Mutter milder zu beurteilen und in deren Hnglüd manche Entschuldigung für ihre Fehler zu finden: aber sie hatte auch gelernt, sich selbst einen Teil der Schuld beizumessen, und sie dachte seitdem mit Scham und Widerwillen an jede Stunde ihres so entwürdigenden Daseins zurück.

.Ich kann nie, niemals einen Mann glücklich machen!" hatte sie damals im Krankenhause auf eine Bemerkung der jungen, glückstrahlenden Do­ris erwidert, die sie mit heiteren Zukunftsbildern aufzumuntern suchte. (Schluß folgt.)