Nr. 154 Erstes Blatt
180. Jahrgang
Zreitag, 4- Juli 1950
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Der Reichsrat stimmt dem Deckungsprogramm zu.
Die Länder verlangen für die Zukunft stärkere Abstriche am Etat und baldige Vorlage des Ausgabensenkungsgesetzes.
Berlin, 3. Sult. (DDZ.) Der Reichsrat trat in die Beratung der Deckungsvorlagen ein.
Preußischer Ministerialdirektor Dr. Hog: Die Form der Sonderabgabe an Stelle einer echten Gehaltskürzung wurde als nicht sehr klar und eindeutig empfunden. Die Reichsregierung hat nicht sie gewählt, um auch Beamten der Lander und Gemeinden, der Reichsbahn und Reichspost und der sonstigen öffentlichen Körperschaften heranziehen zu können. Die Länder wollen sich auch hinsichtlich ihrer eigenen Beamten mit dieser Form a l s einer einmaligen außerordentlichen Maßnahme absinden. Sie empfinden allerdings es als sehr schwer tragbar, daß das Reich diese Einkparungsmöglichkeit für sich ausschöpft. Die Ausschüsse haben aber aus dieser Auffassung nicht etwa die Folgerung gezogen, aus dieser außerordentlichen Beihilfe eine womöglich dauernde Gehaltskürzung zu machen.
Line Unbilligkeil, daß die dem Lohnabzug unterliegenden Ledigen nur für acht Monate, die veranlagten dagegen für ein ganzes Jahr herangezogen werden sollten, haben die Ausschüsse beseitigt. Dadurch wird rin Ausfall von etwa 10 Millionen entstehen. Diesen Ausfall wieder einzubrlngen, wird dadurch zu erreichen gesucht, daß den Ledigen die verwitweten und Geschiedenen, denen keine Unterhaltspflicht gegenüber Kindern oder der geschiedenen Ehefrau obliegt, gleichgestellt werden.
Die Ausschüsse haben ferner folgende Entschließung vorgeschlagen. Die Reichsregierung wird ersucht, sobald wie möglich die notwendigen Gesetzentwürfe vorzulegen, um der übermäßigen Belastung der Gemeinden durch die Wohlfahrtserwerbslosen abzuhelfen.
Preußischer Ministerialdirektor Dr. Brecht: Zur Deckung des Fehlbetrages von rund 485 Millionen sollen 134 Millionen bei den Ausgaben gestrichen werden. Die entscheidende politisch« Frage ist, ob nicht durch Erhöhung d e r A b st r i che die neuen Abgaben ganz oder teilweise entbehrlich werden können. Preußen vertritt den Standpunkt, daß beim Reichswehrmini st erium größere Streichungen als anscheinend beabsichtigt, möglich feien, und daß sich dadurch die Summe verbessere. Hiervon abgesehen, halten die Ausschüsse eine wesentliche Erhöhung der sofort zu verwirklichenden realen Abstriche nicht für möglich. Weitere größere Abstriche sollen durch das zugesagte A u s - gabensenkungsgeseh auf längere Sicht vorbereitet werden.
Durch die, beiden Ergänzungshaushalte und die Verschlechterung der Wirtschaftslage hat sich auch das Zukunftsbild für 1931 weiterhin wesentlich verschoben. Bei gleichbleibender Wirtschaftslage bliebe für 1931 ein Minussaldo von 270 bis 300 Millionen zu erwarten, wenn die jetzt bewilligten Steuern am 1. April ohne Ersatz fortfallen.
Man kann aber nicht darauf rechnen, daß ohne Umschwung der Konjunktur die neuen Steuern ersahlos am 1. April 1931 fortfallen können, wenn es nicht gelänge, über die jetzigen Streichungen hinaus noch weitere Streichungen von etwa 200 Millionen im haushalt vorzunehmen, hieraus erhellt, welche Bedeutung es hat, daß sofort nach Erledigung des jetzigen Haushalts das geplante Sparprogramm auf lange Sicht mit aller Kraft und unter Ausnutzung aller Möglichkeiten in Angriff genommen wird.
Dr. Schifferer (Provinz Schleswig-Holstein) erklärt, daß er nicht in der Lage sei, der Reichsregierung neue Steuern zu bewilligen. Die Steuerschraube in Deutschland ist überdreht und kann ohne schweren Schaden für das deutsche Volk nicht weiter angezogen werden. Bei richtigem Vorgehen kann man zu einer Ersparnis am Etat von etwa einer halben Milliarde kommen. Die Gesundung der Finanzen ist herbeizuführen auf dem Wege der Spardiktatur. Ich habe das Vertrauen zu der Klugheit des Reichsfinanzministers, daß er mit einem entsprechenden Ermächtigungsgesetz, das gegebenenfalls erzwungen werden muh, die erforderlichen Maßnahmen durchbringt.
Gesandter Tischbein (Mecklenburg-Schwerin) nennt die R e i ch s h i l f e eine einseitige Belastung der Beamten, der er nicht zustimmen könne. Da aber andere Teile der Vorlage annehmbar seien, werde er sich der Stimme enthalten.
Reichsfinanzminister Dietrich weist darauf hin, daß positive Streichungsanträge nicht vorgebracht worden seien. Wenn wir große Ersparnisse machen wollen, die die notwendige Summe erreichen, dann können wir das nur, wenn wir entweder die Gesetzgebung des Reiches ändern, in die Rechte der Beamten und Sozialbedürftigen eingreifen, oder wenn wir die ganze Abrechnung zwischen Reich, Ländern und Gemeinden auf den Kops stellen. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht. Eine endgültige Sanierung ist erst vollzogen, wenn wir auf der ganzen Linie eine neue Organisation aufgebaut haben. Die Kürze der Zeit zwingt jedoch zum Handeln.
3n der Abstimmung wurde zunächst die Vorlage über die Reichshilfe und die Zuschläge zur Ein- kommensteuer mit 56 gegen 9 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen.
Dagegen stimmten nur die Länder Thüringen und Braunschweig und die preußischen Provinzen Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Sachsen, Schleswig-Holstein und Hannover. Mecklenburg- Schwerin enthielt sich der Stimme.
Zur Tabak st euernovelle wurde der Antrag der Reichsregierung auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage in der Kontingents
frage mit 33 gegen 31 Stimmen bei zwei Enthaltungen angenommen. Dagegen stimmten die Provinz Pommern und die Länder Bayern, Sachsen, Baden, Thüringen, Hessen, Hamburg, Oldenburg, Bremen und Lübeck. Ostpreußen und Brandenburg enthielten sich der Stimme. Auf Antrag Bremens wurde dann die Reichsregierung ersucht, trotzdem die Frage der Zigarettenkontingentierung dem Reichswirt- schaftsrat zur Begutachtung vor^ulegen. Die Tabaksteuernovelle wurde dann mit großer Mehrheit angenommen. Desgleichen wurde der Ergänzungshaushalt mit Mehrheit genehmigt.
Spaltung -er Nationalsozialisten.
Straffer gründet eine neue Partei der revolutionären Nationalsozialisten. Gegen die Verbürgerlichung der Hitlerpartei.
Berlin, 3. Juli. (ERB.) Die Straffergruppe hat ihren Bruch mit der hillergruppe vollzogen. Der „Rationale Sozialist", dessen Herausgeber Otto Straffer ist, veröffentlicht einen Aufruf an die Leser, Partei, Genossen, Freunde zur Gründung einer eigenen Partei der revolutionären National s o ; i a l i ft e n. An erster Stelle sind neben Otto Straffer der frühere Major Buchrucker und Herbert B l a n ck unterzeichnet. Ls folgen die Unterschriften einer Reihe örtlicher Führer.
Der Ausruf enthält eine Art Parteiprogramm. Auf außenpolitischem Gebiet wird der j n t e r v e n t i o n s w e g gegen Rußland bekämpft, in der inneren Politik die Stellungnahme für das System der Linzelstaaten abgelehnt und ein republikanisches Bekenntnis abgelegt im Gegensatz zu dem „republikanisch-monarchistischem Halbdunkel" und der „übersteigerten Ikr- ehrung für den faschistischen Obrigkeitsstaat". weiter wird über die .^Verbürgerlichung" der Partei geklagt, die in dem engen Bündnis mit hngenberg, mit dem Stahlhelm und den sogenannten vaterländischen zum Ausdruck komme.
Diese neue Richtung soll auch von einzelnen A b - geordneten , darunter auch von dem Grasen R e v e n 11 o w, unterstützt werden, zumal Revent- loro sich auch in anderen Organisationen betätigt hat, die gegen die Leitung der NSDAP, gegründet wurden. Diese Oppositionspartei scheint, wie die „Nachtausgabe" weiter meldet, tatsächlich in Berlin und Umgebung sowie im Nordwest Deutschlands Boden gewonnen zu haben. Ls lasse sich schon jetzt erkennen, daß die beiden Gruppen bei parlamentarischen Neuwahlen gesondert vorgehen würden.
Gregor Strasser und die Aeichs- tagssraktton hinter Hitler.
Berlin, 3. Juli. (Tel.-Lln.) Reichstagsabgeordneter Gregor Strasser, der Reichsorganisationsleiter der RSDAP. und frühere Herausgeber der Zeitung: »Der nationale Sozialist", gibt eine Erklärung ab, in der es heißt: Ich stehe dem Vorgehen des Kreises um den Kampfverlag
unter Führung meines Bruders Dr. Otto Strasser gegen die Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei in schärfster Verurteilung und Opposition gegenüber. Aus diesem Grunde habe ich bereits am 30. Juni die Herausgeberschaft und verantwortliche Schriftleitung der Kampfverlagszeitung niedergelegt. Ich stehe nach wie vor in vollster Loyalität hinter Herrn Adolf Hitler und der von ihm geführten RSDAP. Die Meldung des „Rationalen Sozialisten" vom 3. Juli, wonach an meinem geschäftlichen Verhältnis zum Kampsverlag nichts geändert habe, ist bewußt unrichtig.
Die nationalsozialistische Reichstagsfrak- tivn veröffentlicht folgende Erklärung: „Entgegen anderslautenden Gerüchten und Pressemel- dungen erklärt die Reichstagsfraktion der RSDAP., daß sie geschlossen hinter der F ü frr-u n g Adolf Hitlers steht und sich in fester Disziplin der Parteiorganisation einordnet."
Hitler fordert Säuberung der Partei.
Ein Brief an Goebbels.
München, 3. Juli. (TLl.) Der Führer der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, Adolf Hitler, hat an den Berliner Gauleiter Dr. Goebbels einen Brief gerichtet, worin er sich gegen die Elemente wendet, die versuchten, in die Reihen der Bewegung Uneinigkeit, Verwirrung und Disziplinlosigkeit hineinzutragen. Er halte es nunmehr für notwendig, diese Elemennte rücksichtslos aus der Partei hinauszuwerfen. Hitler spricht Dr. Goebbels feinen Dank und feine Anerkennung für feine bisherige Arbeit aus und bittet ihn, die rücksichtslose Säuberung der Partei in Berlin von allen Elementen durch- ruführen, deren Auffassungen im wesentlichen den Ansichten der Gegner entsprächen und die versuchen wollten, diesen Ansichten unter Bruch der Parteidifziplin Gehör zu verschaffen. Goebbels solle rücksichtslos und scharf zugreifen; die Reichsparteileitung werde ihrerseits alles tun, um fein Werk fortzufehen und feinen Anordnungen Befolgung zu verschaffen.
Oie preußische Staatsregierung gegen die radikalen Parteien.
Ein Erlaß verbietet den Beamten die Zugehörigkeit zur nationalsozialistischen und kommunistischen Partei.
Berlin, 3.Juli (WTB. Amtlich.) Das preußische Staatsmini st erium Hal in feiner letzten Sitzung den folgenden Beschluß gefaßt, der nunmehr den Nachgeordneten Behörden aller Zweige der Staatsverwaltung und den Gemeindebehörden zugeht:
„Nach der Entwicklung, die die National- fozialistische Deutsche Arbeiterpartei und die kommunistische Partei Deutschlands genommen hoben, sind beide Parteien als Organisationen anzusehen, deren Ziel der gewaltsame Umsturz der bestehenden Staatsordnung ist. Ein Beamter, der an einer solchen Organisation t e i l n i m m t, sich für sie betätigt, oder sie sonst unterstützt, verletzt dadurch die aus seinem Beamten Verhältnis sich ergebende besondere Treueoerpflichtung gegenüber dem Staate und macht sich eines Dienstvergehens schuldig. Allen Beamten ist demnach die Teilnahme an diesen Organisationen, die Betätigung für sie, oder ihre sonstige Unterstützung verboten. Das Staatsministerium bringt diese Auffassung der Beamtenschaft hiermit besonders zur Kenntnis und weist sie darauf hin, daß künftig gegen jeden unmittelbaren oder mittelbaren Staatsbeamten, der
dem zuwiderhandelt, disziplinarisch ein- geschritten wird. Das Stoatsminislerium ordnet gleichzeittg an, daß die Nachgeordneten Behörden über jeden Fall der Zuwiderhandlung dem zuständigen Fachminister zu berichten haben."
Hierzu bemerkt der Amtliche Preußische Pressedienst:
Die preußische Staatsregierung richtet mit diesem Erlaß an die gesamte Beamtenschaft Preußens eine Warnung vor einer Betätigung und Llnterstützung der obengenannten Parteien, deren Ziel, den Staat und feine heutige Verfassung umzustürzen und die Beamtenschaft (Reichswehr und Schutzpolizei) zu zersetzen, in der letzten Zeit immer klarer zutage getreten ist. Die preußische Staatsregierung macht nachdrücklichst daraus aufmerksam, daß ieder Beamte, der sich im Rahmen einer dieser beiden Parteien betätigt, sie in ihren Zielen unterstützt und fördert, sich der Gefahr einer d i s zi- plinarischenBestrafungaussetzt.
Mit der Treupflicht eines Beamten und mit dem von ihm geschworenen Eid auf die Verfassung ist es unvereinbar, Parteien zu dienen, die diesen Staat zugegebenermaßen auch mit ungesetzlichen Mitteln bekämpfen. Die in Artikel 130 der Verfassung den Beamten gewährleistete politische und bürgerliche Freiheit ist
durch die Gesetze beschränkt. Rach der Rechsiprechung allerobcrftcr Disziplinargerichte findet das Recht der politischen Betätigung für jeden Staatsbürger in den allgemeinen Gesetzen seine Grenzen, für den Beamtest aber besonders in den Pflichten, die das Amt ihm auferlegt in der Treue- und Gehorsamspflicht gegenüber dem Staat, die es ihm verbieten, von diesem Recht einen Gebrauch zu machen, der den Lebensinteresten des Staats zuwiderläuft.
Echo her presse.
Berlin, 4. Juli. (ERD.) Der Beschluß de« preußischen Kabinetts über das Verbot der Zugehörigkeit von Beamten zur Rationalsozialisti- schen- und Kommunistischen Partei findet in der Berliner Presse große Beachtung. Die Blätter der hinter der Regierung stehenden Parteien sprechen ihre Genugtuung über den Beschluß aus. In der Voss. Z tg. heißt eS: Der Rötst and von Staat und Wirtschaft erfordert außerordentliche Maßnahmen. Die Staatsregierung läßt nicht mit der Staatsautorität spielen. Sie seht für die verfassungsmäßige Gewalt ihre ganzen Mittel ein und gibt damit ein Beispiel der Stärke, das beruhigend und aufrichtend wirkt. — DaS D. T. fragt: Ist es nötig, zum soundsovielten Ma.!e hervorzuheben, daß die beiden Parteien, auf die sich das Verbot bezieht, durch ihre Arbeit und ihre Ziele die neue Verfügung der preußischen Staatsregierung schon längst nötig gemacht hätten? Ueberflüffig, das zu betonen, wenn man sich erinnert, daß die nationalsozialistischen Führer immer wieder erklärt haben, nationalsozialistische Weltanschauung verpflichte dazu, den äl m stürz mit allen Mitteln vorzubereiten. Die Diktatur gegen die Mehrheit des deutschen Volkes ist oft und oft al« nationalsozialistische Aufgabe hingesteklt worden. Für die Kommunistische Partei gilt dasselbe.
Unter der Liebe rfchrift: „Eine notwendige Verordnung" sagt die Germania: Der Beamte ist dem Staat durch sein Treueverhältnis nach jeder Richtung hin verpflichtet. Wenn Parteien es sich zu ihrer Aufgabe gemacht haben, die Grundlagen des Staates zu erschüttern, dann muß dem Staat das Recht zugebilligt werden, sich dagegen zu verwahren, daß Beamte, also seine ihm verpflichteten Diener, sich mit solchen Parteien den gleichen Bestrebungen hingeben und diese Tendenzen in solchen Parteien praktisch verfolgen.
Ganz anders find die Stimmen aus dem gegnerischen Lager. Der Hugenbergsche Lokal- anzeiger schreibt: Viel Sympathien wird sich Ministerpräsident Braun mit dieser Dr u ck - und Zwangspolitik auch in denjenigen Kreisen der preußischen Beamtenschaft, die weder zu den Rationalfozialisten noch zu den Kommunisten gehören, nicht erwerben. Im Gegenteil: je mehr fein Regime sich zu einem reinen Polizeistaat auswächst, desto geringer wird der Respekt werden, der diesem feinem Regime auch innerhalb der Beamtenschaft entgegengebracht wird. Die Deutsche Zeitung erklärt: Der preußische Ministerpräsident wird sich darauf gefaßt machen müssen, daß ihm bei einer entsprechenden Klage der Staatsgerichtshof die Unwirksamkeit seines neuen Erlasses ebenso bescheinigen wird, wie er seiner Zeit die disziplinarische Bedrohung der Beamten, die sich für das Volksbegehren eingetragen hatten, für rechtswidrig erklärt hat. — Die kommunistifche Rote Fahne spricht von einem Schandstreich der Otto* Braun-Regierung gegen die Beamten.
Minister Krick und die Universität Jena.
Jena, 3. Juli. (TU.) In dem aus Anlaß der Berufung des Rassenlorfchers Dr. Hans Günther an die Universität Jena entstandenen Streit wird jetzt ein Schreiben deS Rektors der Universität Jena an den Dolksbiidungsminister Dr. Frick veröffentlicht, in dem es heißt: Es ist schwer erträglich, daß aus rein sachlichen Bedenken der Professoren gegen die Berufung eines Mannes zum Professor ein Schluß auf unsere vaterländifcheGesinnung gezogen wird. Wir konnten nur mit starkem Befremden lesen, daß Sie in unsere Professoren herabwürdigender und unserer Autorität gefährdender Weise an Studenten geschrieben haben. Es ist selbstverständlich, daß junge Leute, wenn sie ein solches Schreiben des Ministers in Händen haben, sich in ihrer auflehnenden Haltung gegenüber den akademischen Behörden gestützt und gedeckt fühlen. Die Zustände, die sich in den letzten Wochen in Jena entwickelt haben, sind schlechterdings unhaltbar und fordern ein energisches, gründliches ordnungschaffendes Eingreifen der akademischen Behörde, das durch Ihren Bries vom 31. Mai, Herr Minister Frich sowie durch die Stellungnahme der Ihnen nahestehenden Presse ungemein v rschwert wird.


